Amazon.de: Kundenrezensionen: Ein ganz gewöhnlicher Jude

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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen brillianz, 27. Juli 2006
Zum Inhalt: ein journalist, in eine jüdische familie geboren, wird von einem Lehrer aufgefordert am unterricht teilzunehmen und den schülern zu erklären, wie man als jude mit der schwierigen vergangenheit umgeht. der journalist, erzürnt über das bittschreiben des lehrers, geht daran, in seiner wohnung, dem lehrer zurückzuschreiben.
aus dem zurückschreiben wird ein monolog, den der journalist auf tonband aufzeichnet, und aus dem schließlich ein buch wird.

der journalist legt in seinen monolog seine familiengeschichte und seine auseinandersetzung mit dem judentum, tradition, toleranz, familie, mitmenschen, leben in deutschland, ...

im ganzen film sieht man den protagonisten über sich und alles reden, mehr handlung gibt es nicht - der inhalt ist allerdings brilliant.

gestochen scharfe analysen und empfindungen machen den protagonisten ungemein interessant.

der film ist gut gemacht, allerdings nichts für aktion-fans.
es geht um die ewige auseinandersetzung mit dem judentum, den juden, ihrer vergangenheit, ihrem platz in der gesellschaft,
das allerdings brilliant erzählt und inhaltlich ausgezeichnet.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein ganz gewöhnliches Meisterwerk., 8. August 2006
Also, ich muss mal sagen - eigentlich mag ich Ben Becker ja nicht.

Aber:

Ich habe selten ein so brillantes Ein-Personen-Stück gesehen (obwohl ich aus der Kleinkunst komme), Ben Becker lebt in den knapp 90 Minuten dieses Films einen Juden, der seine Rolle in Deutschland, der Welt und sich selbst versucht zu definieren und zu ergründen, der im Monolog mit sich selbst seine Grenzen erreicht, überschreitet, respektiert...mit Wut, mit Trauer, mit beißendem Sarkasmus und Zynismus, mit Träumereien, ohne sich von der Realität zu entfernen.

Wer mal wieder richtig gute Schauspielkunst im TV erleben will, wie man sie heutzutage sonst nur noch auf der Bühne zu sehen bekommt UND seinen Horizont erweitern möchte, dem sei dieser Film (Erscheinungstermin Anfang September für den Handel, in den Videotheken gibts den schon) sehr nah ans Herz gelegt.

Eben ein ganz normales Meisterwerk.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ben Becker in Höchstform!, 4. März 2007
Der Film "Ein ganz gewöhnlicher Jude" (die Originaltonspur ist auch als Hörbuch erschienen) wurde von Oliver Hirschbiegel nach dem Buch von Charles Lewinsky gedreht.
Ben Becker brilliert als ein vordergründig cholerischer, innerlich äußerst verletzlicher und dünnhäutiger Mann, den seine Eltern, die Geschichte und immer wieder seine Mitmenschen zwingen, ein typischer Jude zu sein. Fast sein ganzes Leben hat er diese Rolle verweigert und doch fast zwanghaft verinnerlicht. Ausgerechnet er, ein Journalist, Deutscher und seiner Meinung nach "Nicht-Jude", soll vor Schülern "das Judentum" vertreten. Becker variiert gekonnt zwischen nachdenklichen Anmerkungen, wütenden Tiraden und versöhnlichen Gedanken. Doch immer heftiger wird diese Auseinandersetzung mit sich selbst, immer verletzlicher, immer verletzter erscheint der von ihm "gespielte" Jude Goldfarb.
Beckers Leistung ist grandios. Seine stimmliche Varianz, seine emotionale Präsenz und seine tiefgreifende Tragik vermittelnde Interpretation seiner Rolle ist über jede Kritik erhaben. Die wenigen Requisiten wie Bilder der Eltern, ein Schreibtisch mit wenigen Büchern, eine farblose, unpersönlich wirkende Wohnung vertiefen die Wirkung, die der Schauspieler mit seinem Monolog erzielt.
Dies kann man von dem Text von Lewinsky nur bedingt behaupten. Er versteht es zwar glänzend, die üblichen Klischees "der Deutschen" über "die Juden" offen zu legen, die übliche Betroffenheit, die Politik und Öffentlichkeit an den Tag legen, wenn vom Judentum und der deutsch-jüdischen Vergangenheit die Rede ist - aber leider vermittelt auch der Autor dies mit Hilfe von Klischees. All zu oft sind seine Formulierungen zwar eloquent und intelligent, aber auch vorhersehbar und fast wie Weisheiten. Die Sätze, die so locker und flüssig aus Goldfarb heraussprudeln, sind zu perfekt, zu sehr die Klischees anprangernd, zu treffsicher. Immer hat man das Gefühl, dass nicht ein Mann aus dem Stegreif monologisiert, sondern dass ein Autor endlos gefeilte, bis ins letzte perfektionierte Sätze von sich gibt. Der Monolog täuscht vor, eine Abrechnung zu sein. In Wahrheit ist es der intellektuelle Versuch, einen Juden in Deutschland idealtypisch herauszuarbeiten. Die Kritik, die Goldfarb an den Deutschen übt, lässt sich damit auch auf den Text von Lewinsky anwenden. Er öffnet ebenfalls eine Schublade, in die "der Jude" genau hineinpasst - bis zu seinem gefühlsmäßigen Widerwillen, seinen Sohn nicht zu beschneiden. Er wird zu einem idealtypischen Juden, zwar nicht dem des deutschen Betroffenheitsjournalismus, sondern zu dem "internen Juden", aus der Sicht "des Judentums". Damit aber wird auch er zu einem Klischee.
Dies ist zu bedauern, denn der Versuch, einen Nachkriegsjuden abrechnen zu lassen, ist sehr gelungen und grandios von Becker gespielt. Wäre nur dieser Jude gewöhnlicher und alltäglicher geworden. Wäre er nur "deutscher" geworden.
Aber vielleicht ist ja genau das die Botschaft dieses Films? - Ein Jude kann nicht aus seiner Haut, auch "ein ganz gewöhnlicher Jude" ist eben kein "gewöhnlicher Deutscher", sondern allenfalls ein Deutscher mit einer auf ihn einschlagenden viertausendjährigen Vergangenheit, der er sich nicht oder nur wenig entziehen kann.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Geniales Ben-Becker-Solo zu provokantem Thema!, 11. Mai 2007
Wir haben nicht viele Schauspieler von einem solchen Format, dass sie einen kompletten Film allein meistern können - für Ben Becker kein Problem, wie dieses Werk zeigt.
Inhaltlich geht es um das Konterkarieren der politisch als korrekt geltenden Umgangsweise mit den Juden hierzulande, nach dem Exodus an ihnen zu Zeiten Nazi-Deutschlands. Der Monolog des deutschen Juden - Verzeihung, des jüdischen Deutschen - Emanuel Goldfarb illustriert unmissverständlich das unterschwellige Problem der hiesigen Erinnerungskultur. Um es mit einem Zitat aus dem Film auf den Punkt zu bringen: "Die Deutschen werden uns (= die Juden) den Holocaust nie vergeben."
Ich persönlich hätte mir bestenfalls noch ein wenig stärkeres satirisches Feuer auf die Betroffenheitsindustrie wünschen können - aber das ist freilich ein sehr (oder zu?) schmaler Grat im Hinblick auf die Gefahr, sogleich in die Rechte Ecke abgestempelt zu werden.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein-Mann-Stück der Extraklasse, 10. Februar 2007
Ich habe mich nie den Schauspieler Ben Becker beachtet, er war mir nicht gerade unsympathisch aber ...

Doch dann sah ich diesen Film und war tief beeindruckt! Ich habe noch nie ein so intensives 1-Mann-Stück erlebt wie diesen Film! Er geht unter die Haut und man weiß nie recht ob man weihnen oder lachen soll! Oft nickt man, manchmal schüttelt man verblüfft oder verwirrt den Kopf! Sogar das Ende ist verblüffend! Dieser Film ist jedem nachdrücklichst zu empfehlen!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Grandios!, 18. Juni 2007
Von Doctor Lecter (Florenz, Italien) - Alle meine Rezensionen ansehen
Wenn ein Deutscher sich seine Familienfotos ansieht, sieht er seinen Großvater, der war Bäcker. Der hat immer Rosinenbrötchen mitgebracht, wenn er zu Besuch kam. Oder seine Tante, die mal beim Rudern über Bord gegangen war.
Aber sieht sich ein Jude seine Familienbilder an, sieht er nur Bube, Dame, König, Ass - Teresienstadt, Auschwitz, Karakas und Verschollen.
Deutsche und Juden haben die gleiche Geschichte aber erzählen sich nicht die gleichen Geschichten.

Ein ganz gewöhnlicher Jude - ein Meisterwerk moderner Filmkunst. Emanuel Goldfarb, seines Zeichens Schreiber und Soziologe, erhält eine Einladung, als Mitglied der jüdischen Gemeinschaft an einer Schulstunde einer achten Klasse teilzunehmen. Beim Nachgrübeln gerät er in Konflikt mit sich selbst, seinem jüdischen Deutschsein oder seinem deutschen Judentum.

"Ausschwitz werden die Deutschen den Juden nie verzeihen", denn die Juden lösen Schuldgefühle aus. Emanuel Goldfarb hat es satt, als Beispiel der Vergangenheit herumzulaufen, bei welchem sich alle entschuldigen müssen.

Diese Einladung, so scheint es ihm, sei so, als würde man ein Forschungsobjekt haben wollen. Man könne genauso gut in den Zoo gehen und Nashörner begutachten, denn auf die wurde auch geschoßen und jetzt tut es allen Leid.

Ein interessantes Gesellschaftsdrama, in dem die Rolle und vor allem die Identität des Juden, genau wie seine Gefühle in der heutigen Zeit eine große Rolle spielen. Die deutschen wollen sich offiziell für den Holokaust entschuldigen und meinen, wenn sie ihm predigen, wie schlecht und schlimm alles damals war, sei alles wieder gut gemacht.

Doch das ist es nicht.
Er will einfach nichts mehr damit zu tun haben.

Ein großartiger Film, wenn auch ein Film der etwas anderen Sorte.

"Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einem Philosemitisten und einem Antisemitisten ist? Der Philosemitist umarmt - der Antisemitist würgt. Und bei beiden bleibt mir die Luft weg."
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5.0 von 5 Sternen Das ewige Thema mal anders, 28. Mai 2009
Den ganz gewöhnlichen Juden habe ich erstmals vor einigen Jahren in der ARD gesehen. Ich schaltete damals ganz zufällig in den Film und da er mich vom ersten Moment an gepackt hat, blieb ich bis zum Ende dabei. Ben Becker ist eine ziemlich ungewöhnliche Wahl für eine solche Rolle, aber vielleicht macht gerade das Unerwartete diesen Stoff so interessant. Hier werden eben nicht "typische" Eigenschaften wiedergekäut, sondern der Protagonist führt uns in ein ganz normales deutsches Leben in der Nachkriegszeit. Und trotzdem sind seine Startvoraussetzungen und seine Vergangenheit anders und prägent. Der Film ist absolut sehens- und empfehlenswert, auch wenn sich manch einer an den Stil des Monologes ohne Anspielpartner vielleicht erst gewöhnen muss. Lässt man sich aber darauf ein, wird man mit einer gut dargestellten Geschichte belohnt, die durchaus noch einige Tage zum Nachdenken anregen kann.
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