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38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Klangwelten, 1. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Bolero & Pavane pour une infante defunte & Klavierkonzert für die linke Hand (Audio CD)
"Originalinstrumente bei Orchesterwerken des beginnenden 20. Jahrhunderts?", fragt man sich zunächst skeptisch und kann sich kaum vorstellen, daß da ein so großer Klangunterschied zu dem bestehen könnte, was man im Zusammenhang mit diesen ja ziemlich populären Stücken gewohnt ist. Dann legt man diese CD ein und ist fasziniert! Selbst ein so "abgespieltes" Stück wie der "Bolero" erscheint in völlig neuen Farben und Klangmischungen! Und da Jos van Immersseel mit seiner Tempogestaltung bei diesem Werk denkbar nahe an Ravels dokumentierten Vorstellungen heranreicht, ergibt sich der Eindruck, endlich der wahren Gestalt dieser Musik gegenüberzustehen!

Noch "ohrenfälliger" geschieht dies beim "Konzert für die linke Hand": Claire Chevallier spielt einen Erard-Flügel von 1905, dessen leicht angerauhter, klarer Ton auch im tiefen Register nie massig oder undurchsichtig wird und klanglich wesentlich näher am historischen Hammerflügel als am modernen Steinway liegt.

Überhaupt wird einem beim Hören dieser CD klar, wie sehr der heute selbstverständliche, international einheitliche Orchesterklang ein Produkt der letzten dreißig bis fünfzig Jahre ist und wieviel Charakteristisches durch diese Angleichung veroren gegangen ist und eingeebnet wurde!

Diese Entdeckerfreude scheint das ganze Ensemble "Anima Eterna" mitgerissen zu haben, denn sie musizieren enthusiastisch, sensibel und detailgenau!

Allen, denen Ravel am Herzen liegt, und die sich neu auf die Suche nach seiner Musik machen wollen, sei diese CD wärmstens ans Herz gelegt!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen phänomenal, 24. Februar 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bolero & Pavane pour une infante defunte & Klavierkonzert für die linke Hand (Audio CD)
"Oh Gott", dachte ich, "jetzt musst du den Sender wechseln", als vor einigen Monaten in hr2 Klassik der "Boléro" angesagt wurde. Und auch noch mit einem (relativ) unbekannten Orchester. Welche Vorsehung mich davor bewahrte, das zu tun, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls fuhr ich auf einen Parkplatz (ich hörte Autoradio), um nicht mehr vom Motorengeräusch gestört zu werden. Mit jeder neuen orchestralen Farbgebung im Bolero wuchs meine Begeisterung. Und erst der Schluss: noch nie hat man das Posaunenglissando so klar gehört wie bei Anima aeterna. Außerdem kenne ich keine Aufnahme, in der die Sextole so präzise gespielt ist. Eine gigantische Bolero-Interpretation! Da stehen selbst Spitzenochester wie die Bamberger oder die Wiener hinten an...
Auch das Klavierkonzert hat ähnliche Qualitäten. Leider aber nur vom Orchester. Den Klavierpart finde ich in dieser Aufnahme zu wenig strukturiert. Aber das Orchester macht alles wett.
Ein Muss! Einfach phänomenal!

Diese CD höre ich immer wieder mit Begeisterung. Diesen Boléro wird man nicht leid...
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5.0 von 5 Sternen Nur ein Experiment, 23. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Bolero & Pavane pour une infante defunte & Klavierkonzert für die linke Hand (Audio CD)
Von Maurice Ravels Bolero (1928) existieren etwa 200 verschiedene Fassungen. Die Interpretation des belgischen Dirigenten und Cembalisten Jos Van Immerseel gilt als die mit Abstand transparenteste und farbenfroheste Variante. Zudem kommt sie den subjektiven Vorstellungen Ravels von der Komposition sehr nahe. Um den hohen Anspruch der Werktreue zu genügen, hat Van Immerseel die eigene Aufnahme von Ravel intensiv über einen langen Zeitraum studiert, dekonstruiert und verinnerlicht. Ravel selbst bezeichnete den Bolero einst als ein "Orchestergewebe ohne Musik". Jahre nach Vollendung der Komposition sagte er unter dem Eindruck der unerwartet phänomenal ausfallenden Rezeption des Stücks fast entschuldigend: "Ich habe nur ein Meisterwerk geschrieben - den Bolero. Leider ist keine Musik darin enthalten!". Der Bolero ist vielmehr ein Experiment, bei dem über einem ostinaten Rhythmus eine lange, in Schleifen mäandernde Melodie ununterbrochen wiederholt wird. Allerdings erhöht sich bei jedem neu begonnenen Zyklus die Zahl der Instrumente, bis die Melodie schliesslich in den Schlussakkorden unter dem zunehmenden Gewicht der Orchestrierung zusammenbricht. Ein Stück Orchesterliteratur, von dem bis heute eine ungemein erotische Faszination ausgeht. Die Entstehung des Werks ist eher eine Laune des Schicksals gewesen. Die russische Choreografin und Tänzerin Ida Rubinstein gab Ravel 1927 den Auftrag sechs Sätze aus Isaac Albeniz' "Iberia" zu orchestrieren, da sie eine Choreografie zu dieser Suite arrangieren wollte. Die Exklusivrechte an Iberia sicherte sich jedoch bereits ein anderer Komponist. Ravel griff deshalb selbst zum Klavier und komponierte eine eingängige Melodie, die er stetig wiederholte und zu der er dann in der Durchführung experimentell versuchte, die beste Orchestrierung nach und nach aufzubauen. Essenz und Herzstück des Boleros ist das äußerst gering akzelerierende Crescendo mit leichtem Schritt, das unmissverständlich daran erinnert, dass der Bolero eigentlich ein sinnliches Ballettstück mit straffer Führung und scharfer Prägnanz ist. Ravel selbst bestimmte das Tempo ganz genau. Ein Bolero unter 15 Minuten sei kein Bolero, meinte er einmal. Ganze Dirigentenscharen (z.B. Toscanini) wurden von ihm verbal abgestraft, weil sie sein Werk vor allem in den Tempi falsch und in der Expressivität überpathetisch interpretierten. Ein Ausdruck für den ihm innewohnenden Perfektionismus, der ihn oft in seiner Produktivität hemmte und schließlich auch in starke Depressionen fallen ließ.

Jos Van Immerseel gelingt auf dieser Aufnahme mit seinem Orchester Anima Eterna (lat. für Immerseel) eine sehr werk- und epochentreue Aufführung. Orchestriert wurde teilweise mit historischen Instrumenten. Claire Chevallier spielt das "Klavierkonzert für die linke Hand" auf einem Erard-Flügel von 1905, der sehr dunkel, weich und klangfüllend im Ton erklingt. Mit starkem Kolorit und exzellenten Instrumentalisten rekonstruiert Van Immerseel authentisch die Ursprünge von Ravels Kompositionen und bietet hier eine schlüssige und spontane Interpretation, die sich von den eingewachsenen Konventionen traditioneller Aufführungen deutlich löst.

Die von maurischen Einflüssen geprägte "Rapsodie Espagnole" (1908) beginnt mit einer nocturneähnlichen Ouvertüre. Von Schatten umrissene Figuren treten im Mondschein in die Szenerie und tauschen romantische Zärtlichkeiten aus. Darauf folgt die Malaguena, ein sehr hochmütiger und geschmeidiger Walzer, der mit stolzen Trompeten und einem pathetischen Englischhorn auftrumpft. Im Anschluss an die Habanera schließt die Feria mit rasanten Rhythmen Ravels großes sinfonisches Orchesterwerk. Auch die Rapsodie Espagnole ist wie der Bolero ein sehr sinnliches Werk, das viele exotische Motive wie den Flamenco in sich kanalisiert und mit kurzen neckischen Phrasen glänzt.
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