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77 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man möchte sich verbeugen
Wenn posthum Songs von Künstlern veröffentlicht werden ist man hin und her gerissen. Auf der einen Seite wittert man schnöden Ausverkauf, auf der anderen kommt nervöses Kribbeln auf. Was hat uns der Künstler zu Lebzeiten vielleicht noch vorenthalten? Im Fall Johnny Cash ist dies noch wesentlich dramatischer. Denn man weiß, dass die Songs,...
Veröffentlicht am 31. Juli 2006 von Andreas Schoeneberg

versus
7 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Cash, American V
Die CD war leider enttäuschend. Ich habe im Vorfeld einige äußerst positive Meinungen zu der CD-Reihe gelesen. Allerdings muss es sich dabei um absolute Cash-Fans handeln. American V ist einfach langweilig und schon sehr sehr religiös gefärbt. Dabei vermisse ich jeglichen Humor oder ungewöhliche Geschichten. Soll nicht heissen, dass immer...
Veröffentlicht am 20. Oktober 2011 von Odysseus Design, Florian Wagner


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77 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man möchte sich verbeugen, 31. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Wenn posthum Songs von Künstlern veröffentlicht werden ist man hin und her gerissen. Auf der einen Seite wittert man schnöden Ausverkauf, auf der anderen kommt nervöses Kribbeln auf. Was hat uns der Künstler zu Lebzeiten vielleicht noch vorenthalten? Im Fall Johnny Cash ist dies noch wesentlich dramatischer. Denn man weiß, dass die Songs, die auf der 5. Folge der mit Rick Rubin aufgenommenen American Recordings veröffentlicht wurden, zu den allerletzten musikalischen Zeugnissen zählen, die Cash hinterlassen hat. Brüchig war die tiefe Baritonstimme am Ende und doch hat er fast bis zum letzten Atemzug das getan, was sein Leben bestimmt hat: Geschichten erzählen, auf die ihm ganz eigene Art und Weise. Während auf den anderen Folgen der American Recordings viele Interpretationen von Songs aktueller Künstler zu finden waren, dokumentiert "A Hundred Highways" vor allem Cashs Liebe zu Traditionals und Gospel. "Gods Gonna Cut You Down" ist ein Beispiel dafür. Wenn Cash "Like The 309" anstimmt möchte man sich verbeugen, weiß man doch, dass dies der letzte Song ist, den Cash aufgenommen hat, bevor er starb. Rick Rubin hat weitere Alben angekündigt. Man hat das Gefühl, Johnny Cashs spätes Erbe ist wirklich in guten Händen.
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49 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Johnny Cash - A Rose of our Hearts, 20. Januar 2007
Von 
Suremann Mathias (Frauenfeld / CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Wenn ich so all die verschiedenen Rezensionen dieses einzigartigen und einfach beinahe unbeschreiblich schönen Albums lese, so fällt doch die vernichtende Kritik aus dem Hause Stern schon fast nicht mehr ins Gewicht. Was soll man sich über solche unwissenden und unverständlichen Redaktoren noch länger ärgern, hält man American Recordings V des Man in Black in den Händen...? Lehnen wir uns zurück und lassen wir uns dieses gewaltige Vermächtnis eines wunderbaren Menschen auf der Zunge bzw. im Gehörgang vergehen! Was wir bisher aus dem Hause Rubin zu hören bekommen haben, war sehr gut. Was uns hier mit dem Fünften Album vorliegt, übertrifft jedoch alles bisher gehörte!!

Das ist Cash authentischer, reiner und besser den je!! Auch wenn vom Alter und Krankheit gezeichnet, auch wenn nachträglich musikalisch verfeinert und abgemischt. Es ist und bleibt ein Meisterwerk musikalischen Schaffens. Ich ziehe den Hut vor Mr. Rubin und dem Mann, der mir als Ikone der Musikgeschichte stets in Erinnerung bleiben wird. Dem Man in Black, A Man named Cash! Ein Lebenswerk auf CD gebrannt - A Must Have for everyone!!
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34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Ende aller Highways, 28. August 2006
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Ich liege am Boden, die Haare stellen sich auf und ich weiß nicht, wann sich die Gänsehaut wieder legt. Mir gehen die Sterne aus. Es ist zwar unfair, dieses Werk mit irgend etwas anderem auf diesem Planeten zu vergleichen, aber wenn, fällt mir eigentlich nur das Requiem von W.A. Mozart ein.

Der eigensinnige Cowboy, der Man in Black, ist am Ende seiner Reise angekommen. Fast vierzig Jahre, nachdem er begriffen hat, dass Gott ihn holt, wenn es Zeit ist und er seinen Todeszeitpunkt nur schwerlich selbst bestimmen kann, ist es tatsächlich so weit. Und er lässt uns teilhaben an einem Abgang voll Größe und Würde, jedes Lied ein Abschied, eine endgültige Version, kein Atemzug umsonst, Klasse in jedem Takt. Die Stimme bricht, der Geist ist hellwach. Jede Zeile der Texte ein Treffer. Lieder, die mir noch nie etwas bedetuteten (If you could read my mind) werfen mich um, so viele Perlen auf einer CD. Die American Recordings sind alle gut, aber nach der Nummer V muss man sagen: Mehr geht leider nicht...

Man müsste jeden Radio- und Fernsehsender der Welt verpflichten, das Ding einmal voll durchlaufen zu lassen, nur um den Menschen zu zeigen, dass es noch echte Musik gibt da draußen...
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34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das geht direkt ins Herz.., 1. August 2006
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Vorab muss sagen, dass ich mich nie besonders für Country Musik interessiert habe und somit auch nicht für Johnny Cash. Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich sehr, Walk the Line nicht gesehen zu haben.

Ich habe **If you could read my mind,love** so ganz zufällig im Radio gehört und ich muss sagen ich war plötzlich wie gelähmt und ich war wirklich sehr berührt.

Dieses Stück verkörpert wahrscheinlich Johnnys Gedanken und Gefühle vor seinem Tod. Obwohl seine Stimme gerade bei diesem Stück zeitweilig fast versagt ist gerade dieses Stück eines der gefühlvollsten.

Vor lauter Begeisterung habe ich mir sofort die CD gekauft und seitdem läuft sie *rund*. Ich muss mich jedesmal zusammenreißen um nicht zu weinen weil ich förmlich spüren kann was diser Mann gefühlt hat. Manchmal überkommt mich eine unheimliche Traurigkeit bei einigen Stücken..Das ist die melancholischste Musik die ich jemals in meinem Leben gehört habe. DANKE JOHNNY; DU HAST EINEN NEUEN FAN..Gott hab dich seelig...
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Lächeln auf den Lippen und den Tränen nahe …, 13. November 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Meine erste Begegnung mit der Musik von Johnny Cash hatte ich mit 6 oder 7 Jahren. Mein Vater hatte damals eine Kassette und das einzige Lied an das ich mich bewußt erinnere, was "Ring Of Fire". Seit dem fand dieser Mann mit der wunderbaren Stimme ab und zu seinen Weg in mein Leben. 20 Jahre später hat die American Recordings Serie seinem Schaffen einen festen Platz in meinem Leben verschafft.

Diese unglaublich schöne und berührende fünfte Platte dieser Serie ist meines Erachtens nach allerdings die Krone seiner Musik. So wunderbar traurig und ergreifend, durch Mark und Bein gehend und gleichzeitig glücklich machend. Ein "gute Laune" Album ist es mit Sicherheit nicht geworden, daß war aber auch nie der Anspruch des Herrn in Schwarz. Die deutlich hörbar greise Stimme unterstreicht die Stimmungen die die Lieder transportieren auf eine unbeschreibliche Art und Weise. Mit dieser Platte möchte ich den Rest meines Lebens verbringen.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berührend! Tieftraurig! Groß!, 25. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Darf man das? Eine Stimme die so brüchig ist, dass man sich bei einigen der Songs fast wünscht, Rubin hätte sie nicht veröffentlicht. Gleich beim ersten Lied Help Me stockt einem beim ersten Hören der Atem - Cashs Stimme kämpft sich förmlich durch den Song, der Schmerz und sein bevorstehender Tod sind in dieser Stimme zu einem so bewegenden Manifest vereint, dass man sich als Hörer fast als Voyeur vorkommt...!
Dennoch ist man Rubin dankbar dafür, dass American V doch noch erschienen ist, für mich das bewegendste Album, dass ich seit langem gehört habe. Lieder über den Tod, Liebe und das Resümee eines wechselvollen Lebens - und alle diese Themen in dieser Stimme gebündelt, einer Stimme, die einem tief ins Herz trifft. Einzelne Lieder herauszustellen wäre sinnlos - alle sind von einem tiefen Ernst durchdrungen, und es gelingt Rubin und den Musikern meist, diesen Grundton durchaus wohltuend unspektakuläre zu unterlegen, wobei die Todessymbolik durch den etwas dicken Gebrauch von Basslinien in Help Me und die sakralen Orgeltöne bei I'M Free From The Chain Gang Now etwas zu vordergründig scheint. Auch bei If You Read My Mind wäre wenige Todessüße mehr gewesen. Der dampfende Blues-Ryhtmus in Like The 309 und der hämmernd und unbarmherzig nach vorne drängende Takt bei God's Gonna Cut You Down überzeugen eher.
Doch die Musik ist nur Beiwerk. Zentrum dieses Albums ist Cashs Stimme die eine Ahnung von Transzendenz spüren lässt, zwischen Apokalypse und Erlösung - Dantes Inferno und das Elysium in einem! Und nach Further On (Up the Road) wünscht man Cash nichts sehnlicher, als mit June eine dieser endlosen Straßen ins Nichts entlangzugehen...
American V mit einem Wort? Groß!
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein würdiger Abgang, 17. Dezember 2006
Von 
Thomas Schmitz (Mechernich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Eine Hoffnung sollte man haben: "American V: A Hundred Highways" möge doch bitte das letzte Johnny-Cash-Album bleiben. Denn mal ehrlich: Besser kann ein Künstler nicht abtreten. Was Rick Rubin und der alte Mann, der vor mittlerweile schon fast drei Jahren starb, mit dieser Platte abliefern, kann man nur mit einem Wort beschreiben: Wunderschön. Zwölf Songs, jeder für sich ein kleines Country-Folk-Meisterwerk, so ergreifend, dass man nur noch weinen möchte. Glaubt Ihr nicht? Dann hört doch bitte das Hank-Williams-Cover "On the evening train". Wenn hier das Cello einsetzt oder das kleine Gitarrensolo beginnt, dann haut das sogar ganze Kerle um. Mit drei Songs von "American V" dürfte sich Cash wieder ein Stück mehr der Unsterblichkeit genähert haben. "If you could read my mind", im Original von Gordon Lightfoot, ist in seiner Reduktion einfach nur genial. Bruce Springsteens "Further up on the road" wird ebenso veredelt wie Rod McKuens "Love's been good to me". Ruhe in Frieden, Johnny Cash. Und danke für dieses schöne Album.
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52 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lawinengefahr!, 31. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Puuuh... Am liebsten würd' ich dieses Album einfach außer Konkurrenz rezensieren, ohne Bewertung. Das Verwirrende an "A Hundred Highways" ist nämlich, dass es nicht wegen seiner musikalischen Finesse an der Seele rüttelt, sondern wegen -- ja, das ist hier zu klären. Woher kommt diese Wirkung?

Was den Gesamteindruck angeht, so fühle ich mich an Muhammed Ali 1996 erinnert, der, durch die Parkinson-Krankheit zum körperlichen Wrack mutiert, es doch irgendwie schaffte, die olympische Flamme zu entzünden und damit vermutlich nicht nur bei mir eine inwendige Lawine lostrat.

Aber es hilft ja nichts -- hier ist eine Rezension der musikalischen Qualität gefordert. Nicht ganz einfach, denn Johnny Cash hatte der Tod seiner Frau hörbar mitgenommen; wer glaubte, Cash habe schon bei "The Man Comes Around" das letzte gegeben, der erlebt hier die unausdenkbare Steigerung. Hörte sich der Man in Black 2002 noch an wie einer, der auf verlorenem Posten kämpft und nicht aufhört zu hoffen, so spürt man jetzt, dass hier einer weiß, dass er verloren hat, und trotzdem weitermacht. Cash macht weiter -- aber nicht aus Selbsttäuschung, sondern aus Selbstachtung. Vielleicht ist es das, was dieses Album charakterisiert. Denn musikalisch hat es nicht soviel Potential wie die beiden vor Kreativität schier berstenden Vorgänger "Solitary Man" und "The Man Comes Around" -- der direkte Vergleich zeigt, wie stark Cashs Einfluss auf die endgültige Abmischung jener beiden Alben gewesen sein muss: Hier, bei "A Hundred Highways", fehlen den postumen Abmischungen Johnny Cashs Instinkt und sein Mut zum Ungewöhnlichen.

Man kann es auch so ausdrücken: Die nachträglichen Tonspuren sind oft allzu pietätvoll; ein wenig mehr hätten es die Musiker schon krachen lassen dürfen. Schließlich gehören sie alle zur ersten Garnitur. Mehr Mut zu Ecken und Kanten, zum Augenzwinkern, und auch mal mehr Mut zum Pathos hätten den Abmischungen gutgetan. Cash hatte diesen Mut immer, also warum so betulich? Manchmal trauen sich die Musiker ein wenig mehr -- und schon gewinnt der Song an Profil, und Cashs Stimme bekommt Oberwasser.

Zweifellos dominiert Cashs oft erschreckend zerbrechliche Stimme das Album. Er konnte auch noch als todkranker Mann überzeugen, setzte gerade seine Gebrechlichkeit zielgerichtet ein, lässt sie ungeschönt wirken; eine kaum vorstellbare Kraftanstrengung und ein unbändiger Wille müssen dahinterstehen. Kaum zu glauben, dass man hier dem lebensprühenden Mann von einst mit dem unerschütterlichen Bass und der traumwandlerisch sicheren Intonation zuhört, aber es ist so. Und das seltsame dabei ist: Das wirkt nicht jämmerlich oder mitleiderregend, sondern wie das Manifest eines, der notfalls der ganzen Welt trotzt.

Am beeindruckendsten sind sicher die ersten Tracks mit ihrem starken Blues- und Spiritual-Einschlag:

"Help Me" hat tatsächlich was von einem Blues gewordenen Hilfeschrei. "tired of walking all alone" 'das glaubt man sofort. Hier passt auch die zurückhaltende, stimmungsvolle Instrumentierung.

"God's Gonna Cut You Down" ist einer der stärksten Songs der CD, eindringlicher Spiritual-Sprechgesang mit intensivem Blues-Einschlag, dominiert von rhythmischem Klatschen. Hinzu kommt eine unglaubliche Energieleistung von Johnny Cash, ein regelrechtes Aufbäumen.

Schließlich: "Like the 309". Klar, der musste mit an Bord, es handelt sich um Cashs letzten Song überhaupt, wenige Tage vor seinem Tod aufgenommen. Aber nicht die Pietät gebietet eine besondere Würdigung dieses Songs, sondern seine Klasse -- Cash schrieb sich hier einen Blues mit schwarzhumorigen Einsprengseln auf den Leib, den er bemerkenswert kraftvoll singt.

Diesem geballten Blues-Intro schließt sich ein gespenstisches "If You Could Read My Mind" an. Cash macht wieder mal einen netten Song zum Monument -- diesmal tatsächlich gerade deswegen, weil er kaum noch einen Ton rausbringt. Er schont sich nicht, setzt bewusst die erschöpfte Stimme ein. "The hero will be me, and heroes often fall" -- jetzt wird klar, wie das gemeint ist...

Überzeugend ist auch "I Came to Believe", fast schon a capella gesungen (Cash versagte keineswegs bei allen Songs die Stimme). Hier passt die zurückhaltende Instrumentierung hervorragend.

Schließlich "Rose of My Heart" -- eine zu Herzen gehende Antwort auf June Carters "Will You Miss Me When I'm Gone" aus ihrem letzten Album "Wildwood Flower", 2003, will mir scheinen. -- "A flower not faded, not falling apart"... auch eine Art, Abschied zu nehmen.

"A Legend in My Time" und "Four Strong Winds" sind ganz einfach schön. Beide Songs haben etwas Ruhiges, Gelassenes, Gediegenes an sich; unspektakulär sind sie vielleicht, aber bestimmt nicht langweilig. Allerdings leiden sie, wie noch einige andere, hier unerwähnte, an der allzu pietätvollen Instrumentierung, an zu viel glatter Harmonie, und auch die Hintergrund-Fiedelei stört oft.

Aber der Schluss... der Schluss! "I'm Free from the Chain Gang Now" -- das ist nicht nur der Schlusspunkt, weil's der letzte Song auf der CD ist. Cash geht mit diesem Klassiker nochmal back to the roots, unerschütterlich, mit relativ fester Stimme. Ein würdiger Schlusspunkt.

Freilich kann man fragen, ob es legitim war, dieses weitgehend postum produzierte Album zu veröffentlichen. Über den Willen des Künstlers zu spekulieren ist müßig. Auch spricht nichts gegen Rick Rubins lautere Absichten. Der Kauf ist keine Gewissensfrage; der eine will's wissen und hört sich's an, der andere nicht. Beide haben gute Gründe.

Allerdings: Irgendwann muss Schluss sein mit der Nachmahd. Diese CD wäre ein mehr als würdiger Abschluss.

Wie nun dieses Album bewerten? Was es im Innersten zusammenhält, ist nicht unbedingt nur seine musikalische Klasse. Oder doch? Es scheint zunächst eher an etwas zu liegen, was ich behelfsmäßig mit "dokumentarischer Charakter" umschreiben möchte, oder mit "Dokument der Würde". Und doch erreicht Cash diesen Eindruck mit musikalischen Mitteln, sei es gerade wegen seiner erschöpften Stimme, oder sei's ihr zum Trotz. Die eingangs gestellte Frage harrt immer noch der Antwort. Aber das Album hat einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben um zu sterben, 17. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Ob der 5. Teil nun mit den Vorgängeralben qualitativ mithalten kann, diese Frage stellt sich nicht. Der manchmal angeprangerte Ausverkauf der Hinterlassenschaft ist ebenfalls lächerlich. Hätte man dieses letzte Zeugnis von Johnny Cash in irgendeinem Keller verstauben lassen sollen? "A Hundred Highways" schafft das Unglaubliche. Es offenbart das Dahinsiechen, die letzten Gedanken und Gefühle eines alten Mannes, der den Tod nicht als Übel sondern als Beginn einer Transzendenz akzeptiert. In der - manchmal kritisierten - brüchigen Stimme liegt so viel Ausdruck, wird jede Zeile als Botschaft forciert. Cash klingt nie verbittert, niemals ängstlich. Er ahnt sein Ende und lebt ihm entgegen, gedankenvoll und mit sich im Reinen. Was mehr kann ein würdiger Abschluß sein? Zu den Songs sei vermerkt, daß "God's Gonna Cut You Down" einer richtiger Ohrwurm ist, "If You Could Read My Mind" unglaublich fragil und poetisch hervorragt. Es ist kein schwaches Album, welches man aus gewissen Gründen mögen muß, es ist eine ganz großartige CD. Wenn solche Platten unter dem Begriff Abverkauf laufen - Was für ein Hohn etwas so zu bezeichnen, wenn Cash dafür seine letzten Energien geopfert hat! -, dann sollte man dringend weitersuchen, ob nicht noch der eine oder andere verschollene Titel zu finden ist. Johnny Cash hat sehr viel zu sagen, noch viele Emotionen zu wecken.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reinhören!!!, 9. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: American V: A Hundred Highways (Audio CD)
Als das Album rauskam hatte ich mich von Rezensionen leiten lassen, die es als Leichenfledderei etc. bezeichneten. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass nach den vorherigen American Recordings noch etwas kommen konnte. Zudem war mir das Düstere der American Recordings III und IV damals mit der Zeit zu bedrückend, so dass ich auch keine Lust hatte mir noch eine zu kaufen. Nun meine Frage: Haben die Rezensenten der Boulevard- u. "Zwanghaft-auf-besserwisserisch-intellektuell-machenden"-Zeitungen überhaupt in dieses Album reingehört oder haben die einfach so nur einen Artikel verfasst um "dreimalweise" zu sein??? So toll kam mir die Idee einer nachträglichen Vertonung auch nicht vor, aber jeder der nur mal 5 Minuten in dieses Album reinhört (so wie ich das nun endlich getan habe) wird -um auf ein Buch über Neil Young und einen Spruch über den Koran anzuspielen- von der Schönheit getötet sein. Bei diesem Album schwingt sogar (unüblich für die oft überwältigende Resignation der anderen American Recordings) in jedem Ton große Hoffnung, tiefes Vertrauen und Glaube mit (zumindest höre ich das). Reinhören!!!
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