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5.0 von 5 Sternen Kammermusik eines verschollenen Kosmopoliten, 26. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Chamber Music (Audio CD)
Der französische Komponist Michel Meynaud meldet sich zurück. Und das, nachdem er sich vor zwanzig Jahren freiwillig aus der musikalischen Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Die jetzt auf dem Label NAXOS erschienene Auswahl sechs kammermusikalischer Werke zeigt die ungewöhnliche Bandbreite eines kompromisslosen Künstlers mit einer bewegten Biographie.

1950 in Frankreich geboren, wuchs Meynaud als Sohn französisch-griechischer Eltern in der Schweiz und in der kanadischen Provinz Quebec auf. Seine musikalische Ausbildung wurde bereits in Jugendjahren von Karl Amadeus Hartmann mit großem Engagement und Privatstunden begleitet. Anschließend studierte er Geschichte und Musik in Lausanne, München, Montreal und New York - u. a. als Schüler von Pierre Boulez und Jean-Jacques Nattiez.

Engagements als Dirigent, Pianist, Cembalist und Organist führten ihn um die ganze Welt. Als ständiger Gastdirigent bei den Nürnberger Philharmonikern entstanden in den Siebzigerjahren zahlreiche Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen, darunter die seiner beiden Klavierkonzerte. Hier konnte er auch mit der legendären Pocketopera sein Musiktheater "Saroya" (1979) realisieren. Als Dirigent brachte er Werke so namhafter Komponisten wie Riley, Dusapin und Tanguy zur Uraufführung. Nach Jahren der kreativen Klausur in Hannover, lebt er seit Ende der Achtziger Jahre wieder in Paris.

In Paris hat sich Meynaud mehr und mehr der Musikdidaktik und der Chorleitung gewidmet. In diesen Jahren entstanden zahlreiche kammermusikalische Werke. Hierbei bestimmten die musikalische Praxis und die Lebensumstände die Besetzung und die Statur der Kompositionen. Die Balance zwischen musikpädagogischer Ausrichtung und musikalischer Klasse wird in diesen Jahren zu einem zentralen Thema seines Schaffens.

Gleichwohl hat sich Meynauds musikalische Sprache, diesem Perspektivenwechsel zum Trotz, nicht grundlegend gewandelt. Geblieben ist vor allem der politische Zug, mit dem er seine Werke in der Welt verankert. Das gilt nicht nur für ein Stück wie ¡Viva Emiliano!, das dem mexikanischen Revolutionär Emiliano Zapata Anerkennung zollt. Als "politisches Statement" will Meynaud seine Werke auch dann verstanden wissen, wenn sie auf Privates verweisen. Viele seiner Titel spielen auf biografische Episoden seines Lebens an, auf Aufenthalte in Kanada oder Südfrankreich (Malaucène) oder auf Freunde und Familie (Cordis Claudiae und Mecky's Chords). "Glissement semantique" - "semantisches Gleiten" - nennt Meynaud die Übertragung außermusikalischer Quellen in Klang, bei der die Welt stets als Spur und Residuum in der Musik enthalten ist.

Geblieben ist auch der dramatische Zug, mit dem Meynaud seine musikalischen Gedanken in Szene setzt. Instrumentale Rezitative und Dialoge, die gespannte Intensität der Stille und die befreiende Explosivität des Ausbruchs - das sind Stilmerkmale, die sich durch sein gesamtes Oeuvre ziehen. Nicht selten verschränkt Meynaud seine avantgardistischen Klangerkundung, oft in außergewöhnlichen Besetzungen, mit den klassischen Formen. Chaconne, Kirchenlied und Orgelpunkt sind nur drei der historischen Referenzen, an denen Meynaud sich im Rahmen der auf dieser CD veröffentlichten Werke abarbeitet.

NAXOS hat mit Michel Meynauds "Chamber Music" nicht nur einen lange verschollenen Komponisten wieder ins Blickfeld der musikalischen Öffentlichkeit gerückt und so eine musikhistorische Lücke geschlossen. NAXOS erschließt mit dieser CD auch jenes musikalische Terrain der Kammermusik, auf dem Privates und Politisches, Kunst und Didaktik, Avantgarde und Geschichte aufs Glücklichste miteinander vereint sind. ¡Viva Michel Meynaud!

Sonatine for treble recorder and piano
Grau, Joseph - recorder Dennaud, Cecile - piano 00:09:24
1. » I. Prelude et double 00:03:08
2. » II. Intermezzo 00:01:04
3. » III. Nocturne 00:02:26
4. » IV. Cordis Claudiae (II) 00:02:46

5. Sonatine for double bass
Hartmann, Pierre - double bass 00:06:34

6. Viva Emiliano!
Grau, Joseph - recorder
Repecaud, Beatrice - timpani 00:04:30

Chaconne Jubin, Jean-Jacques - violin 00:06:51
7. » Theme I 00:00:30
8. » Variation I 00:00:42
9. » Variation II 00:00:49
10. » Variation III 00:00:17
11. » Variation IV 00:00:44
12. » Variation V 00:00:13
13. » Variation VI 00:00:08
14. » Variation VII 00:02:55
15. » Theme II 00:00:33

16. Les points d'orgue de la Saint-Jean
Grau, Joseph - flute 00:18:55

Faust I, "Cello Sonata No. 1" Mones, Oliver de - cello 00:16:21
17. » I. Harmonies de L'Age 00:01:59
18. » II. Monologue 00:02:14
19. » III. Harmonies du temps 00:01:32
20. » IV. Faust 00:00:18
21. » V. Harmonies du Moi 00:01:41
22. » VI. Malaucene 00:01:17
23. » VII. Harmonies du Nom 00:01:39
24. » VIII. Objet trouve avant Luis 00:03:42
25. » IX. Mecky's Chords (alternative version) 00:01:59
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Chamber Music von Grau (Audio CD - 2006)
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