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5.0 von 5 Sternen Eine feine kleine Entdeckung, wunderbar musiziert, 19. Mai 2011
Von 
helmpr. "w.th.h." (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Te Deum/Motets (Audio CD)
Guillaume Bouzignac war vollkommen vergessen und blieb über 300 Jahre ungesungen. Lebte und komponierte er doch für damalige Verhältnisse am Rande der offiziellen und verlegten, also gedruckten Musikwelt. Und auch heute weiß man nicht viel über ihn. Kurz vor 1590 mag er geboren sein. Mit 17 komponierte er eine Motette als Chorknabe in Narbonne im Süden Frankreichs, in den Kathedralen von Angoulême, Bourges, Tours und Clermont-Ferrand soll er Chorleiter gewesen sein. Irgendwann war er auch nachweislich Maitre de musique in Grenoble (1609). Ansonsten schweigt die Biographie sich aus.

Aber Bouzignac ist eine Entdeckung wert. Im ausführlichen und instruktiven Booklet (großes Lob!) heißt es, dass seine Musik von den Musikwissenschaftlern als "innovativ, dramatisch und einzigartig" beschrieben wird, "wenn auch nicht allzu geschliffen". Der Amerikaner James Anthony: "Seine Musik besitzt einen Grad an Individualität, der umso bemerkenswerter ist, als es sich um eine Epoche allgemeiner Konformität innerhalt vorgeschriebener Gattungen handelte ...keine andere Musik jener Zeit hat dasselbe Notenbild und klingt genauso wie die Motetten von Bouzniac."

Auffällig ist zum Beispiel die häufig dialogische Struktur von Solisten und verschiedenen Chorgruppen, die zu enorm farbigen, dramatischen Motetten führt. Mir hat vor allem gefallen, wie er mutig Solostimme gegen Gesamtensemble setzen kann. Dazu kommt ein extensiver Gebrauch von Wortmalereien in der Melodieführung. Hier gelingen ihm einige zauberhaft schöne oder auch aufregende Stellen, wobei mir persönlich die ruhigeren Stücke fast besser gefallen haben. Mein Favorit das wunderschöne "Tota pulchra est", oder auch "Deum silentium".

Bouzignacs Stil wird als uneinheitlich, fast mosaikhaft beschrieben, um ohne Rücksicht auf Formalia die Texte so bildhaft wie möglich vor das innere Auge zu malen. Dem ist auch so. Und Les Arts Florissants, der historischen Aufführungspraxis verpflichtet, musizieren das auch wunderbar und stimmig aus. Toller Klang, tolle Interpretation. William Christie als Dirigent leuchtet alle Schattierungen dieses musikalischen Individualisten der späten Renaissance plastisch aus. Das geht kaum besser.

Alles in allem eine lohnenswerte Entdeckung eines Meisters am Rande, der so individuell und unmodisch war, dass er zu schnell vergessen worden ist.
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Te Deum/Motets
Te Deum/Motets von Christie (Audio CD - 2006)
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