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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Scheitern der klassischen Bildungsreise, 18. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Falsche Bewegung (DVD)
Junge Leute, die in die Ferne reisen, um ihren Platz auf dieser Welt zu finden, waren ein beliebtes Thema vieler klassischer literarischer Werke. Man denke nur an Goethes stilbildenden Roman "Wilhelm Meister" oder an den romantischen Reiseroman alla "Aus dem Leben eines Taugenichts". Wim Wenders und Peter Handke ließen sich für "Falsche Bewegung" zwar von diesen Geschichten inspirieren, schufen aber eine desillusionierende Abrechnung mit so manchen Mythos des Genres. Hier führt die Fahrt ins Blaue nicht mehr zu genialen Erkenntnissen, sondern legt vielmehr Zeugnis ab von der Schwierigkeit im Deutschland der 70er Jahre zu solchen zu kommen. Anstatt sich seinem Ziel zu nähern ist der Protagonist dabei eine falsche Bewegung zu vollziehen. "Falsche Bewegung" ist ein hochliterarischer und anspruchsvoller Film über das Scheitern.

Wilhelm (Rüdiger Vogler) ist ein junger Mann der unbedingt Schriftsteller werden möchte, aber Probleme hat etwas zu finden, worüber er schreiben könnte. Seine Scheu vor anderen Menschen und der Welt, lässt ihn alles als fremd empfinden. Doch seine Mutter (Marianne Hoppe) gibt ihm Geld und schickt ihn auf eine Reise quer nach Deutschland, die den unsicheren Jüngling dabei helfen soll Inspiration zu finden. Auf seinen Weg von Glückstadt (sic) nach Bonn trifft er die verschiedensten Menschen, die aber alle ebenso auf der Suche nach einer Art Sinn im Leben sind. Aber Wilhelms Art sich vor anderen abzukapseln, macht es den Menschen schwer ihn zu erreichen. Nur zögerlich teilt er seine Gedanken mit der Schauspielerin Therese Farner (Hanna Schygulla), lacht über die Späße des jungen Mädchens Mignong (Nastassja Kinski) oder nimmt Ratschläge von dem Dichter Bernhard Landau (Peter Kern) an. Wirklich zornig wird der junge Mann jedoch als er von der nationalsozialistischen Verangenheit des eigentlich so freundlich wirkenden Laertes erfährt.

Peter Handkes Drehbuch kümmert sich wenig um Natürlichkeit und legt den Figuren stattdessen komplexe philosophische Monologe in den Mund, die "Falsche Bewegung" zu einem schwierigen Film machen. Wenn das ganze nicht von den wunderbaren Landschaftsaufnahmen eines Wim Wenders und der genialen Leistung des interessanten Schauspielerensembles begleitet würde, würde man oft wohl schon mehr das Gefühl haben ein Buch zu lesen, da die Sprache hier so im Vordergrund steht, dass man ihr besonders viel Aufmerksamkeit widmen muss. Immer wieder wird die Handlung durch Voice Overs von Wilhelm unterbrochen, der über seine Schwierigkeiten mit dem Schreiben nachdenkt und lädt damit den Zuschauer ein, selber über das Bedürfnis seine Gefühle durch Sprache auszudrücken zu reflektieren.

Besonders auffällig ist das Grundgefühl eines schweren Misstrauens gegenüber der Welt, das den ganzen Film durchzieht. Bereits die erste Einstellung, eine Luftaufnahme von Glücksstadt, ist mit dissonanter Musik unterlegt, die im Film immer wieder eingesetzt wird, und vermittelt das Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist mit den eigentlich ganz friedlich aussehenden Häusern und Straßen. Bei einem Spaziergang durch die Stadt sehen die Figuren eine Welt, wo sich die Menschen nur noch miteinander streiten oder sinnlosen Tätigkeiten nachgehen und Wilhelm fragt sich, wie die Leute ihr Leben bl0ß aushalten können. Handke und Wenders beschreiben eine Welt, wo die Menschen ihr emotionales Zentrum verloren zu haben scheinen. In blanke Wut schlägt Wilhelms Lebensekel indessen um, als es um den ehemaligen Nazi Laertes geht. Hier zeigt "Falsche Bewegung" die großen Probleme der damaligen jungen Generation mit der Vergangenheit ihrer Väter.

Obwohl Wilhelm in diesem Film viele falsche Bewegungen macht und am Ende nicht zur absolut erlösenden Erkenntnis findet, gibt "Falsche Bewegung" allerdings schon auch positive Andeutungen, wie man den Lebensproblemen besser begegnen könnte. Die fröhlichsten Szenen des Films sind die, wo Wilhelm mit allen seinen unterschiedlichen Reisegefährten vereint ist und sich eine seltsame Gemeinschaft zwischen den so unterschiedlichen Charakteren ergibt. Man hat das Gefühl, dass es möglich wäre auch zu einer richtigen Bewegung abzubiegen, wenn man mehr auf andere Menschen vertrauen würde und auch das Ende des Films könnte diese Interpretation stützen. Eigens zu erwähnen ist auch die faszinierende Leistung der gerade mal 13jährigen Nastassja Kinski, die hier ihr Schauspieldebüt gab und den Film als schelmenhaftes, junges Mädchen merklich auflockert.

"Falsche Bewegung" ist ein anstrengender Film, der nicht zu den berühmtesten Werken von Wim Wenders gehört. Vor allem Fans von Peter Handke sollten den Film unbedingt sehen, da seine Sprache hier das dominante Element ist. Prinzipiell jedoch wünscht man sich manchmal, dass der Film seinen vielen Ideen mehr Raum zum Atmen ließe. Dialog folgt hier auf Dialog und jedes mal werden neue interessante Dinge angesprochen. Das führt dazu, dass sich der ganze Film sehr komprimiert anfühlt und es wäre vielleicht besser gewesen sich auf weniger Gedanken zu konzentrieren und diese dafür genauer zu behandeln. Daher ist "Falsche Bewegung" vielleicht nicht der großartigste Film von Wim Wenders, aber dennoch wirklich hochinteressant und auf jeden Fall sehenswert.
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1 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenders und Schygulla, 31. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Falsche Bewegung (DVD)
Rüdiger Vogler zieht aus um das Fürchten zu lernen....

Auf der Reise von Glückstadt zur Zugspitze trifft er einige sonderbare Menschen....u.a. N.Kinski in ihrer ersten Rolle, Hanna Schygulla in ihrem einzigen Wenders Film, Peter Kern als schlechten Dichter....

Nicht der Beste Wenders, aber durchaus sehr merkwürdig.
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Falsche Bewegung
Falsche Bewegung von Wim Wenders (DVD - 2006)
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