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38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komplette Fassung durch Verwendung der englischen Filmkopie
Nach "Psycho" und "Vertigo" die dritte deutsche DVD von Alfred Hitchcock; diesmal ein Film, den man in die Kategorie "Melodram" oder "Kostümfilm" einordnen könnte und insofern ein etwas untypischer Vertreter aus seinem Oeuvre darstellt. Wenngleich Hitchcock gelegentlich versucht hat, den festgefahrenen Erwartungen des...
Am 18. März 2001 veröffentlicht

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein finsteres Abenteuer
Bevor sich Hitchcock den berühmten Roman "Rebecca" von Daphne DuMaurier vornahm, verfilmte er im Jahre 1939 das weniger bekannte Werk der englischen Schriftstellerin, der ein düsteres Kapitel der Geschichte von Englands damaliger Küstengrafschaft Cornwall beleuchtet. Noch heute kann man dort eine Taverne mit dem Namen "Jamaica Inn" besichtigen, die als...
Veröffentlicht am 27. Juli 2011 von Tanja Heckendorn


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38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komplette Fassung durch Verwendung der englischen Filmkopie, 18. März 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Riff-Piraten (DVD)
Nach "Psycho" und "Vertigo" die dritte deutsche DVD von Alfred Hitchcock; diesmal ein Film, den man in die Kategorie "Melodram" oder "Kostümfilm" einordnen könnte und insofern ein etwas untypischer Vertreter aus seinem Oeuvre darstellt. Wenngleich Hitchcock gelegentlich versucht hat, den festgefahrenen Erwartungen des Publikums in Bezug auf Suspense und Thrill zu entfliehen und andere Dinge zu erproben, so ist "Riff-Piraten" ein ihm doch eher unliebsamer Ausflug in ein anderes Genre geworden. Nichtsdestotrotz ein interessanter, ein guter, ein unterhaltsamer Film, für dessen Vorlage ein Roman von Daphne du Maurier diente, die auch später die literarische Vorlage für "Rebecca" und "Die Vögel" lieferte.
"Riff-Piraten" ist Hitchcocks letzter englischer Film, bevor er in Amerika "Rebecca" drehte, und spielt 1819 an der Küste von Cornwall zu einer Zeit, als es noch keine Küstenwache gab. Strandräuber locken reiche Kaufmannsschiffe an die Küste um sie auszurauben, und liefern ihre Beute in der "Jamaica Inn" (so auch der Originaltitel) ab, wobei der eigentliche Drahtzieher im Hintergrund bleibt. Die Polizei schleust einen Agenten in die Bande ein, der jedoch bald des Beutendiebstahls bezichtigt wird und von der Nichte des Gasthausinhabers vor einem Lynchmord gerettet wird. Beide versuchen fortan, die Bande und den Hintermann auffliegen zu lassen.
Thematisch behandelt der Film Motive des Kontrastes und der Übereinstimmung, des Seins und Scheins, und des Nebeneinanders dieser Pole. Schuld und Unschuld, Gier und Großzügigkeit, Macht und Abhängigkeit, Gut und Böse werden hier gegeneinander- und durcheinandergestellt und kulminieren in der Figur, die großartig von Charles Laughton gespielt wird. Umso erstaunlicher, daß in der deutschen Fassung u.a. am Ende eine kurze Szene herausgeschnitten wurde, in der das scheinbare Schwarz-Weiß noch einmal explizit relativiert wird, indem die Nichte den aufgebrachten Leuten zuruft, sie mögen von Charles Laughton ablassen: "Don't harm him. It's not his fault. He can't help himself."
Doch "Kinowelt" benutzte als Vorlage für den DVD-Transfer zum Glück (man durfte Schlimmeres befürchten) eine Filmkopie vom British Film Institute, die uns die ungekürzte Originalfassung beschert und zudem die beste noch erhältliche Filmqualität liefert. Im deutschen Fernsehen ist natürlich immer nur die deutsche Kopie zu sehen, die neben deutlich schlechterem Kontrast schrecklich viele Filmdefekte aufweist. Lediglich der immer wieder angenehm auffallende "arte"-Kanal hat zu Hitchcocks 100. Geburtstag ebenfalls die englische Filmkopie ausgestrahlt. Das einzige leichte Manko bei der DVD bildet die Kompression. Durch eine gelegentliche Unruhe des Bildstandes entstehen im Zusammenspiel mit der Kompression stehende Bildteile, die sich von ihrer Umgebung ablösen.
Als Bonus befindet sich auf der zweischichtigen DVD neben den üblichen Texttafeln mit Hintergrundinfos eine 45-minütige deutsche Fernseh-Talkshow vom Oktober 1966 aus der Reihe "Frankfurter Stammtisch", an der Hitchcock im Rahmen einer deutschen Promotion-Tour für seinen Film „Der zerrissene Vorhang" teilnimmt, die jedoch mit dem 28 Jahre früher entstandenen Film der DVD freilich nichts zu tun hat. Trotzdem sehr nett, dieses Material auf DVD zu bekommen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Macht Platz für Pengallan!", 22. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Riffpiraten (DVD)
Hitchcock selbst hielt nicht viel von seinem Werk. Er glaubte, das Potential verschenkt zu haben. Einige Kritiker waren mit ihm einer Meinung. Und dennoch: dem "Master Of Suspense" ist mit "Jamaica Inn" (so der Originaltitel) ein durchaus spannender Abenteuerkrimi gelungen. Dieser Krimi wird ganz und gar beherrscht und getragen von der enormen Präsenz des Hauptdarstellers Charles Laughton (den Hitchcock als "liebenswürdigen Witzbold" bezeichnete). Der Part des dandyhaften, scheinbar großzügigen Sir Humphrey Pengallan ist eine seiner besten und einprägsamsten Rollen. Laughton schafft es mit sehr subtilen Mitteln, Schritt für Schritt die dunklen, irren Züge hinter der Maske des Ehrenmannes sichtbar zu machen. Alle übrigen Darsteller können ebenso überzeugen, wobei Leslie Banks' (zeitweises) Overacting auffällt. Neben Laughtons exzellentem Schauspiel bleibt vor allem Emlyn Williams als mordender, vor sich hin pfeifender Strandpirat in Erinnerung. Zur Atmosphäre ständiger Bedrohung tragen weiterhin die sturmgepeitschte Küste, die wenig einladenden, windumtosten Mauern des verrufenen "Jamaica Inn" und die künstlichen Landschaften bei. Dadurch entsteht ein interessanter Kontrast zum noblen Anwesen Pengallans, das allen Gejagten als letzter Zufluchtsort erscheint... Wie viele Filme der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelte diese Mischung aus Kostümfilm und Thriller mit der Zeit einen liebenswert angestaubten Charme. Bereits als Kind war ich sowohl von der sturen Einfachheit der Geschichte als auch von der atmosphärischen Gestaltung und den tollen darstellerischen Leistungen beeindruckt. Ich denke, das wird so bleiben. Das Finale ist an Theatralik kaum zu überbieten. Nicht der Held dominiert die Szene, sondern die Tragik des Täters und die Trauer dessen, der seinen Untergang kommen sah. Man spürt förmlich, "wie eine große Zeit zu Ende ging." Die letzten Bilder zeigen keine glücklichen Sieger. Gut gemacht, Hitch.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Übergangsphase, 12. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Riff-Piraten (DVD)
Alfred Hitchcock gehört zu den ganz wenigen Regisseuren, bei denen sogar die als weniger gelungen geltenden Filme Kultstatus besitzen: Die Leute lieben das verkitschte Ende von "Verdacht" (1941), lassen sich nach Herzenslust verwirren durch die gelogene Rückblende von "Die Rote Lola" (1949) und ertragen auch manch langweilige Szene von "Der Zerrissene Vorhang" (1966), um sich umso mehr an der blutigen Mordszene auf dem Bauernhof zu erfreuen.
Bei "Riff-Piraten" freilich sind nicht einzelne Szenen, sondern die Grundstruktur selbst das Problem. Hitchcock selbst hat zugegeben, daß der Film im Grunde Anlagen eines "Whodunnits" in sich trage, was jedoch dadurch überspielt wird, daß Charles Laughton (als der Friedensrichter) bereits im ersten Drittel des Films als Drahtzieher der Schmugglerbande eingeführt wird.
Im Prinzip ist der gesamte Film um die Charles-Laughton-Figur angelegt, der gewissermaßen als Hitchcocks Alter Ego agiert: Unförmig und exhaltiert manipuliert er Menschen, wirkt dabei jedoch nie komplett bösartig, ist sogar erheblich interessanter als der Held der Geschichte (der etwas beschränkte Traherne). Der dramatische Selbstmord am Ende steht symbolisch für Hitchcocks Nicht-Konformität mit der Gesellschaft, in der er lebte.

Ich mag den Fim. Er gehört nicht zu Hitchcocks Meisterwerken wie die sechs Filme davor (und die fast dreißig Filme danach...), ist jedoch für jeden echten Fan geeignet, und ausgestattet mit ausreichendem Bonusmaterial verdient die vorliegende Ausgabe die fünf Sterne durchaus.
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3.0 von 5 Sternen Ein finsteres Abenteuer, 27. Juli 2011
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Riffpiraten (DVD)
Bevor sich Hitchcock den berühmten Roman "Rebecca" von Daphne DuMaurier vornahm, verfilmte er im Jahre 1939 das weniger bekannte Werk der englischen Schriftstellerin, der ein düsteres Kapitel der Geschichte von Englands damaliger Küstengrafschaft Cornwall beleuchtet. Noch heute kann man dort eine Taverne mit dem Namen "Jamaica Inn" besichtigen, die als historische Vorlage gilt. Die filmische Adaption geht jedoch ziemlich frei mit der literarischen Vorlage um.

Erzählt wird ein finsteres Abenteuer, welches genauso stürmisch ist, wie das aufgewühlte Meer vor der englischen Küste. Eine ruchlose Truppe von Riffpiraten haben sich um den Gastwirt des Jamaica Inn gescharrt, um des Nachts gekenterte Schiffe zu berauben und die hilflose Besatzung bis auf den letzten Mann zu ermorden. Anscheinend genießt die mörderische Bande den Schutz eines einflussreichen Unbekannten, in dessen Auftrag sie die blutigen Schätze bergen. Wer ist dieser rätselhafte und gefährliche Drahtzieher?
Während diese Frage die Polizei umtreibt, kommt eine unschuldige, junge Frau in die Gegend, die ausgerechnet das Jamaica Inn als neue Heimat wählt, weil dort die letzte Verwandte der armen Waisen wohnt. Patience (Marie Ney), die einmal eine Schönheit war, ist nun die verhärmte Ehefrau des gefürchteten Gastwirts Joss Merlyn (Leslie Banks). Mary Yellen (die 18jährige Maureen O`Hara) ist entsetzt über die Zustände im Jamaica Inn. Fassungslos beobachtet sie, wie die unzufriedenen Männer beschließen, ein neues Mitglied ihrer Truppe hängen wollen, da sie ihn verdächtigen, etwas von der gemeinsamen Beute für sich selbst zu nehmen. Es gelingt ihr, den Fremden zu retten und mit ihm zu fliehen. Doch ausgerechnet bei dem scheinbar so ehrwürdigen Friedensrichter der Gegend, Sir Humphrey Pengallan (Charles Laughton) sucht sie Schutz. Der angesehene und galante Pengallan ist in Wirklichkeit der Kopf der Strandpiraten und er plant schon den nächsten Coup. Wird es der mutigen Frau gelingen, hinter das düstere Geheimnis des Jamaica Inn zu kommen, bevor es für sie und andere Ahnungslose zu spät sein wird?

Anders als im Roman erfährt man ziemlich schnell, wer hier hinter den schrecklichen Verbrechen an der Küste steckt. Das mindert zwar ein wenig die Spannung, aber auf der anderen Seite bietet dies die Möglichkeit den Charakter des Psychopathen Pengallan voll auszuleuchten. Charles Laughton lässt sich auch keine Gelegenheit entgehen, sich ins Rampenlicht der Kamera zu stellen. Seine Darstellung als schmieriger Möchtegernadliger mit der Tendenz zu Selbstübersteigerung und Größenwahn ist dann auch ziemlich beeindruckend. Leider kommt dagegen die Geschichte um Mary Yellen etwas zu kurz, obwohl Maureen O`Hara tatsächlich einen ganz bezaubernden Anblick bietet. Romantisch kann man ihr Abenteuer wirklich nicht nennen und es ist schade, dass sie sich in der letzten Szene schweigend vom Zuschauer verabschiedet, nachdem sie so tapfer war. Auch taugt Robert Newton als Trehearne kaum oder besser gesagt überhaupt nicht zum romantischen Helden und so ist seine Rolle auch nicht ausgelegt, was ebenfalls bedauerlich ist.
Außer Mary Yellen sind ihre Verwandten Patience und Joss Merlyn die einzigen Figuren, die so auch im Roman vorkommen. Die Darstellung des Gastwirts und seiner Frau kann man als sehr gelungen bezeichnen. Leslie Banks und Marie Ney passen schon rein optisch perfekt in ihre Rollen, deren Charakter sie genau ausfüllen.

Die Bilder des Films sind entsprechend der Stimmung oft ziemlich düster. Das tosende Meer, das unheimliche und windige Gasthaus Jamaika mit dem klappernden Schild an der Straße und die unwirtliche Gegend, durch die so manches Mal eine Pferdekutsche hindurchjagt, geben ein recht gruseliges Gesamtbild ab. Mit Licht wurde jedoch nicht gespart, um jede menschliche Regung in den Gesichtern der Beteiligten einzufangen, wobei die Kamera eine besondere Vorliebe für Charles Laughton zu haben scheint.

Die Bild- und Tonqualität des Films ist ganz ordentlich. Lediglich am oberen, linken Rand des Bildes tritt gelegentlich eine leichte Störung auf.
Die DVD ist zweisprachig ausgestattet und enthält außer dem Hauptfilm keinerlei Extras.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Chaaaaaadwick!", 27. Dezember 2010
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Riffpiraten (DVD)
(Vorsicht, Spoiler!)

Einfach alptraumhaft, diese Stimme aus dem Grab, mit der der soeben am Boden zerschellte Sir Humphrey Pengallan (Charles Laughton) nach seinem treuen Faktotum (Horace Hodges) ruft. Dies ist beileibe kein Happy End, und die Heldin Mary Yellen (Maureen O'Hara) sieht denn auch alles andere als glücklich aus, als der biedere Polizist Trehearne (Robert Newton) sie am Arm nach Hause geleitet - dort, wo kurz zuvor ihre Tante und einzige noch lebende Verwandte von der Hand des schurkischen Pengallan ins Jenseits befördert worden ist. Daphne du Maurier war von der filmischen Umsetzung ihres Romans not amused, und nur Hitch dürfte froh gewesen sein, als die letzte Szene dieses Filmes abgedreht worden war, denn endlich war er sein verhaßtes Kind los.

Ko-Produzent und Hauptdarsteller Charles Laughton hatte dem Regiegenie mehr als einmal in seine Arbeit hineingeredet und mit seinem Wunsch nach einer größeren Gewichtung seiner Figur dafür gesorgt, daß schon recht früh deutlich wurde, daß der Lebemann und mehr und mehr dem Wahnsinn verfallende Squire Pengallan der geheime Kopf der Riffpiraten ist, die im Jamaica Inn hausen und arglose Schiffer durch falsche Lichtzeichen nächtens an den Klippen auflaufen lassen. Hitchcock selbst hatte "Jamaica Inn" (1939), sein letztes britisches Werk, in der Art eines Whodunnit verfilmen wollen, aber gegen den umtriebigen Laughton den Kürzeren gezogen.

Meiner Meinung nach ist das ein großes Glück gewesen, denn auf diese Weise verfügt der Zuschauer über größeres Wissen als die mutige Mary und der in seiner Rechtschaffenheit doch etwas langweilige Trehearne, und so steigt die Spannung ins Unermeßliche, wenn sich die beiden Helden, verfolgt von den blutrünstigen Piraten, in ihrer Not an eben den Mann wenden, der eigentlich ihr größter Feind ist. Besonders die Szenen, in denen Pengallan mit Mary und Trehearne ins Jamaica Inn zurückkehrt, um den Piratenanführer Joss Merlyn (Leslie Banks) zu verhaften, gewinnen durch ihre für den Zuschauer offenkundige Doppelbödigkeit eine atemberaubende Intensität, vor allem weil außer Joss keiner der Piraten weiß, wer ihnen in Pengallan gegenübersteht. Zudem gelingt es Laughton, aus seinem Sir Humphrey ein sehr unterhaltsames, mit allen Wassern gewaschenes Scheusal zu machen, das man mit einer Mischung aus Belustigung - etwa wenn er seinen Diener fragt, was sein eigener, Pengallans, Lieblingssee im Lake District sei -, Abscheu und Furcht betrachtet. Schon in seiner ersten Szene im Film hängt die Kamera an Sir Humphreys Lippen, während er sich seinen Gästen als leicht gelangweilter Ästhet zu erkennen gibt. Er scheint von einer bildschönen jungen Frau zu schwärmen, doch schließlich entpuppt sich der Gegenstand seiner Schwärmereien als ein Rennpferd, das denn auch prompt von einem Bediensteten in den Saal geführt wird - eine kleine Reminiszenz an Kaiser Caligula, dem man ja ebenfalls Wahnsinn nachsagt und der sein Lieblingspferd zum Konsul gemacht hat? Schon bald allerdings hängt sich Sir Humphreys Begierde an einen neuen Gegenstand - die junge Mary Yellen, mit deren Verkörperung die unvergleichliche Maureen O'Hara den Grundstein ihrer Hollywood-Karriere legte, übrigens ebenfalls gefördert von Laughton.

"Jamaica Inn" ist sicherlich ein Film, auf den Hitchcock nur einen vergleichsweise geringen Einfluß nehmen konnte - so wird man auch vergeblich nach einem Cameo suchen - und der auch einige äußerst schwache Szenen enthält - die Verfolgungsjagd Mary und Trehearnes an den Klippen strotzt nur so vor Ungereimtheiten -, aber Laughtons Figur sorgt für Spannung und für Witz und für ein sehr düsteres Ende, und wer gern einmal Robert L. Stevenson liest, der wird auch diesen Film mögen. Besonders empfehlenswert für eine stürmische Regennacht à la Bulwer-Lytton!
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5.0 von 5 Sternen Unergründlicher, vorausdeutender Film, 8. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Riff-Piraten (DVD)
Das Folgende richtet sich an Papageien in Rezensentengestalt.

Es ist empörend, lächerlich und traurig, wenn man sich die Titel der meisten hier und anderswo zu lesenden Rezensionen anschaut... Immer wieder, in den verschiedensten Rezensionen (nicht nur hier bei Amazon) und in der allgemeinen sogenannten Kritik, heißt es (ich zitiere hier beispielsweise aus Wikipedia.en): "Today it is considered one of Hitchcock's worst films; Hitchcock himself was disgusted with the film even before it was finished and stated that it was a "completely absurd" idea" etc. etc., dergleichen Unsinn, den man auch in Bezug auf Topaz, Torn Curtain, Under Capricorn, Shadow of a doubt, Spellbound und andere Filme Hitchcocks gedankenlos und ohne jedes ernsthafte Interesse, aus purer Dummheit und Ignoranz, daherschnattert. Immer wieder dieselben, einmal irgendwo aufgeschnappten, auch bei Hitchcock selbst (dem Auf-die-falsche-Fährte-Locker par excellence) anzutreffenden, dann für immer akzeptierten und fortan bei jeder Gelegenheit papageienhaft nachgeplapperten Klischees. Diese Papageien in Rezensenten- und Kritikergestalt ohne einen einzigen selbständigen Gedanken haben wohl noch nie Hitchcocks Stummfilme gesehen, denn was würden sie dann beispielsweise zu "Manxman", "Champagne", „Downhill“, "Farmer's Wife" sagen? Nur nebenbei, liebe Papageien: Hitchcocks eigene Aussagen sind voller Fallstricke und müssen in ihrer Vielschichtigkeit betrachtet werden. Ihnen auf Anhieb zu glauben, zeugt von papageienhafter Naivität und Dummheit.

Das Folgende richtet sich an Nicht-Papageien.

"Das Geheimnis der Kunst besteht im Kontinuum der Reflexion" (wie dies Georg Philipp Telemann, der Komponist des Barock, ausgedrückt hat). Dass Hitchcock in jedem seiner Filme, ich betone: in JEDEM seiner Filme, ein Shakespearsches Meisterwerk ohnegleichen geschaffen hat, gilt auch für den Film Jamaica Inn.

Es gibt in Hitchcocks Filmen mindestens drei Schichten, die je unterschiedliches Publikum ansprechen (was den unerreichten Erfolg und die Zeitlosigkeit seiner Filme ausmacht): die Schicht der reinen Handlung (orientiert an irgendeiner belanglosen Vorlage, die lediglich als Vorwand dient, um den geheimnisvollen Prozess der Kunstschaffung zu initiieren), die Schicht der menschlichen Interaktion (die bei Hitchcock von tiefster Empathie, mit seinen weiblichen wie männlichen Protagonisten, gekennzeichnet ist) und die Schicht der Tiefenpsychologie. Alle diese Schichten sind in jedem Film Hitchcocks vorhanden und erfahren von Film zu Film eine andere Schattierung, Zuspitzung und Deutung und sie müssen durch hundertmaliges Anschauen erschlossen und freigelegt werden, und zwar indem man sich das ORIGINAL und nicht die idiotisch-verklemmte, alles entstellende deutsche Synchro-Fassung ansieht, wo das Entscheidende an Hitchcocks Filmen, die menschliche Interaktion und die über die Sprache, den Tonfall artikulierten menschlichen Beziehungen, regelrecht vor die Hunde geht. So auch bei diesem Film.
Es gibt in einigen Filmen Hitchcocks das verschwiegene, äußerst hintergründig angedeutete Problem der Homo- bzw. Bisexualität. So auch in diesem Film, und zwar in der sklavischen Gekettetheit von Joss Merlyn an Humphrey Pengallan. Dies wird in einer Schlüsselszene angedeutet, da Joss' Frau, Patience, ihrer Nichte, Mary, davon erzählt, dass "Joss wasn’t his own master, it’s someone else […] someone else […] has Joss in his power [klingt hier nicht bereits Bates‘ Beziehung zu seiner Mutter voraus?]“, wo zur gleichen Zeit Mary, in kaum wahrnehmbarer Verlangsamung der Filmdrehgeschwindigkeit, in Großaufnahme gezeigt wird, jene (hier durch ihre aufgelösten schwarzen Haare in der Tat machtvolle) Frau, für die Pengallan, in seiner psychopathologischen Besessenheit von „beauty“, bereit ist, die ganze Bevölkerung Bristols krepieren zu lassen. Joss befindet sich in totaler Abhängigkeit von Pengallan und Pengallan in der totalen Abhängigkeit von Mary (einer Figur übrigens, die Hitchcock zwar als durchgehend mutig, aber keineswegs positiv darstellt; sie trägt den bezeichnenden Namen "Yellen"). Doch bevor Patience Pengellans Namen erwähnen kann, wird sie durch einen treffsicheren Schuss erschossen. Nun kommt das Entscheidende, das bei Hitchcock niemals direkt ausgesprochen wird. Zuerst stirbt Patience, dann will Joss trinken, doch er kann das nicht mehr und sackt zusammen, woraufhin Mary, erschrocken über beider Tod, aufsteht und einen gellenden ("yellenden") Schrei ausstößt, daraufhin zur Tür hinsieht, wo plötzlich, quasi aus dem Nichts, Pengallan mit der nach oben zeigenden Waffe in der Hand steht; Mary hat in den Augen den Ausdruck genau jenes Grauens, das auch in den Augen Lilas zu sehen ist in dem Augenblick, wo sie Bates‘, der ebenfalls in der Kellertür erscheint, mit einem Messer in der Hand, ansichtig wird. Und nun folgen die vielsagenden Worte Pengallans: „A good clean shot, wasn’t it? … I’m sorry. Poor creature, she had suffered so much. But I was forced to do it, you see, she was going to tell you about me. I didn’t like that [!!!]. I wanted to tell you myself.” Was wollte Pengallan Mary selbst sagen, was Patience nicht sagen durfte? Etwa, dass er, Pengallan, hinter allem, d.h. hinter den bewusst herbeigeführten Schiffbrüchen und der Ermordung der gesamten Schiffsbesatzung, steckt (was aber eben nur die oberste Schicht, nämlich die Schicht der Handlung, beträfe)? Aber das wäre doch überflüssig (was dem Zuschauer im ersten Anlauf gar nicht bewusst wird), denn Pengallan hat ja die von Mary innig geliebte Tante soeben erschossen und sich somit selbst als Mörder par excellance enthüllt. Welches Geständnis sollte also damit verhindert werden? Denken wir an „Murder!“, so wird der Zusammenhang mit der verschwiegenen homoerotischen Beziehung zwischen Pengallan und Joss vielleicht nachvollziehbar, da auch in „Murder!“ die Homosexualität sehr hintergründig und kaum greifbar artikuliert wird (wie ebenfalls in „The Paradine Case“, „Rebecca“ und „North by Northwest“). Übrigens, auch hier wie in "Murder!" begeht der Mörder am Ende des Films Selbstmord.

Der Film ist im Grunde ein Film des Grauens (ich nenne ihn bewusst so und nicht einen „Horrorfilm“, weil ich die Bezeichnung „Horror“ bei Hitchcock für völlig verfehlt halte). Das Grauen besteht bei Hitchcock in dem schrittweisen Hinabtauchen von der obersten Schicht in die unterste, verborgenste, am mächtigsten wirkende. Insofern ist auch Vertigo ein Film des Grauens, bei dem ebenfalls die manische Besessenheit von einer Vision der „beauty“ sich erst im letzten Drittel des Films offenbart, wo Scotty, im Grunde ein Maniak wie Pengallan (wenngleich vielleicht auch anderer Art), von einer Idee, einer Vision besessen ist. Hier, in Jamaica Inn, ist Pengallan sosehr von „beauty“ besessen, dass er gegen Ende des Films, da Mary weint, ihr sagt: „Stop crying! Stop it, you little fool! Be beautiful! [dann folgen Worte, die ich nicht verstehe], but you must be beautiful!“
Und auch hier, wie in Vertigo, geht es um Kleider, die Pengallan für Mary in Paris kaufen will: „I’ll suit you your new clothes myself. Hm? Yes, I’ll dress you, my dear. I will put silk next to that smooth skin of yours. Pale green, I think, well?”
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5.0 von 5 Sternen Kult, 23. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Riffpiraten (DVD)
Dieser Film war ein Meilenstein in der Filmkunst zu seiuner Zeit und
Charles Laughton als SDir H. Pengallan ganz einfach brilliant. Immer
noch sehenswert.
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4.0 von 5 Sternen ... ein recht spannender und schauriger Abenteuerkrimi ..., 3. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Riffpiraten (DVD)
... aus dem Jahre 1939 (wiederum) nach einer Vorlage von Daphne du Maurier (Rebecca" / Die Vögel") ...

... mit einem grandiosem Charles Laugthon in der Rolle des Sir Humphrey Pengallan, Herr über eine Küstenprovinz in Cornwall sowie oberster Richter derselbigen.

Pengallan führt als Adelsmann ein Leben im Überfluss und ist die Dekadenz in Person (Essen, Trinken, Feiern ...). Zwar gibt er sich nach außen hin gönnerhaft und freundlich, weiß aber sehr wohl zu zeigen, dass sich keiner seiner Untergebenen auch nur im entferntesten auf seine Stufe denken darf. Seinen Leibdiener Chatwick tyrannisiert er von früh bis spät.

Laughton ist diese Rolle, wie gesagt, auf dem Leib geschrieben und man nimmt ihm den Adelsmann hundertprozentig ab. Und man weiß wirklich nicht, ob man Pengallan lieben oder hassen soll. Zuletzt genanntes fällt einen jedoch im Verlauf des Filmes immer leichter.

Worum es geht:

Das Leben ist hart und viel zu verdienen gibt es nicht. Einige verdingen sich daher als Piraten. Man lockt mittels "falschem Leuchtfeuer" Handelsschiffe auf die Klippen, tötet die Besatzung ("es darf keiner am Leben bleiben...") und schafft schnell die Waren von Bord.

ACHTUNG SPOILER

Joss Merlyn, der Wirt des "Jamaica Inns", ist der Anführer der Riffpiraten. Doch auch er arbeitet nur im Auftrag für einen Unbekannten. Das "Jamaica Inn" ist also eine üble Spelunke, in der "kleine Mädchen" nichts zu suchen haben.

Doch genau dies geschieht, als die junge Mary (die wunderschöne Maureen O'Hara in ihrer ersten Rolle) ihre Tante, Joss Merlyns Frau, dort aufsucht. Fortan ist sie in Lebensgefahr und zwischen ihrer Tante und ihrem verbrecherischen Onkel Joss hin- und hergerissen.

Jem Treheance (Robert Newton), dem Mary das Leben rettet, schleicht sich bei den Piraten ein und will ihnen das Handwerk legen. Schon bald erfährt er, wer die Wurzel allen Übels ist.

Ich werde es nicht verraten, jedoch sollte es auf der Hand liegen ...

RIFFPIRATEN ist ein faszinierender AbenteuerThriller der alten Schule, etwas schwach auf der Brust durch die recht einfache und wenig fassettenreiche Geschichte an sich - aufgewertet jedoch durch die hervorragenden Schauspieler, die sicherlich über jeden Zweifel erhaben sein dürften.

Die Qualität (in Bild und Ton) ist nicht optimal, aber OK. Extras gibt es leider keine. Die DVD an sich ist etwas lieblos gestaltet.

Wen das alles nicht stört, der kann sich auf spannende 96 min. freuen.

4 von 5 Punkten gehen wohl voll in Ordnung.

Vorhang auf.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend ... wenn man den Roman kennt, 22. Juli 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Riffpiraten (DVD)
Ich hatte mich sehr gefreut zu sehen, dass die alte Verfilmung des Romans "Jamaica Inn" von Daphne de Maurier jetzt auf DVD erhältlich ist. Früher habe ich den Film nie gesehen, denn er wurde nie - wie z.B. "Rebecca" - im Fernsehen wiederholt. Leider finde ich die Verfilmung aber sehr enttäuschend, denn die Handlung hat mit außer den Namen des Gasthauses Jamaica Inn nichts mit dem wundervollen Roman zu tun. Filme sind nie besser als ihre Romanvorlage, meistens werden die Handlungen auch verändert, aber bei "Riffpiraten" stimmt überhaupt nichts überein. So stammt Mary Yellen im Film aus Irland, während sie im Roman aus Helston in Cornwall zu ihrer Tante Patience (die in der deutschen Fassung des Filmes seltsamerweise Mildred genannt wird) kommt. Eine der wichtigsten Personen des Romans - der Pfarrer von Alternum - fehlt völlig, und Jem ist ein Polizist, anstatt der Bruder des Schurken Joss, und die Szenen der Flucht und in der Höhle sind frei erfunden.
Allein die wirklich großartige schauspielerische Leistung von Charles Laughton veranlasst mich, noch zwei Sterne zu geben.
Faszit: Kennt man den Roman, so sollte man den Film lieber nicht ansehen.
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3 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Film des Altmeisters mit dem Hauptdarsteller in, 27. April 2008
Von 
H. Krause "Kunde" (Neustadt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Riffpiraten (DVD)
"Zeugin der Anklage" und "Meuterei auf der Bounty".
Sicherlich ist die Produktion nicht neu, jedoch in ähnlicher Qualität wie "Rebecca" und "Gaslicht" gehalten. Einige Überraschungen warten auf den Zuschauer.

Empfehlenswert!
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Riffpiraten
Riffpiraten von Alfred Hitchcock (DVD - 2007)
EUR 5,50
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