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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Dezember 2009
Ost-Berlin 1961, kurz vor dem Mauerbau: Die hübsche und selbstbewußte Maria hat gerade ihr Abitur gemacht und möchte studieren, da wird ihr Bruder wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu drei Jahren Haft verurteilt. Folglich wird Maria der Studienplatz verweigert, und sie muß als Kellnerin arbeiten. Sie lernt jedoch den Richter Paul Deister kennen, der ihren Bruder verurteilt hat, und verliebt sich trotz dieser Tatsache in ihn. Die beiden beginnen eine Affäre, obwohl Deister verheiratet ist. Er weiß anfänglich auch nicht, daß Maria die Schwester eines von ihm Verurteilten ist. Als sie es ihm offenbart, wird ihre Beziehung kompliziert, denn dem privaten Glück stehen die politischen und gesellschaftlichen Umstände in der DDR, aber auch ihre persönlichen Überzeugungen entgegen.

Der Film erlangte nach der Wende einige Prominenz, da er in der DDR nie gezeigt worden war - 1965 wurden 12 DEFA-Filme, u. a. die "Spur der Steine", verboten und hießen daher "Kaninchenfilme" nach dem Titel des hier besprochenen Films. Tatsächlich wird darin ein heißes Eisen angepackt: die politische Justiz in der DDR; Fragen der Gerechtigkeit und der Angemessenheit von Strafe werden recht offen und konstruktiv diskutiert.

Aber auch abgesehen von der politischen Brisanz ist der Film von hoher handwerklicher und erzählerischer Qualität. Nicht zu oft, aber dafür pointiert, gibt es interessante Schnitttechniken zu bewundern, so geht z.B. eine Kamerafahrt durch einen leeren Saal nahtlos in die Fahrt durch den voll besetzten Saal über. Die charmante Hauptdarstellerin Angelika Waller trägt den Film durchaus, und gern ruht sich die Kamera in Nahaufnahmen auf ihrem Gesicht aus. Ihre mal schnoddrigen, mal poetischen Off-Kommentare lassen am Innenleben der Maria teilhaben, und die gutmütige Tante (Ilse Voigt), bei der Maria lebt, sorgt für auflockernde Weisheiten, wie überhaupt die übrige Besetzung aus hochklassigen Schauspielern mit großartiger Präsenz besteht.

Ein winziger Nachteil liegt - nach meinem persönlichen Empfinden - in der leichten Überlänge, 10 Minuten weniger hätte sich passend angefühlt. Abgesehen davon ein vorzüglicher Film, der neben der schon genannten "Spur der Steine" durchaus besteht.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. März 2013
Der Film ist eine Literaturadaption des verbotenen Roman „Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich“ von Manfred Bieler, 1965 im DEFA-Studio für Spielfilme, Gruppe „Roter Kreis“ von Regisseur Kurt Maetzig verfilmt.

Er steht im Kontext einer vorübergehenden Phase der Liberalisierung in der DDR nach dem Mauerbau und dem VI. Parteitag der SED im Januar 1963. Jedoch verfolgte Leonid Iljitsch Breschnew seit 1964 einen deutlich starreren Kurs als sein Vorgänger Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Diese Kursänderung der Sowjetunion hatte auch Auswirkungen auf die DDR und ihre Kulturpolitik. Im Ergebnis des 11. Plenums des ZK der SED 1965 wurde fast die gesamte Jahresproduktion der DEFA (12 Filme) verboten. Alle verbotenen DDR Filme wurden später als "Kellerfilme" oder "Kaninchenfilme" bezeichnet.
Kurt Maetzig sah in dem Film zunächst seinen Beitrag zu „eine Demokratisierung unseres ganzen Lebens, ein Schritt hin zu einem demokratischen Sozialismus“, leistete als guter Genosse aber schließlich öffentlich Abbitte: „ Aber gerade in dem kritischen Aspekt, der mir der Stein der Weisen zu sein schien, um näher an das Publikum heranzukommen, lag ein Hauptpunkt des politischen Irrtums.“

In den aufschlussreichen Extras der DVD, die man sich in diesem Fall vielleicht vor dem Film ansehen sollte, sind ein kritisches Gespräch mit dem Regisseur und dem damals abgelösten Kulturminister, Bentzin sowie eine Dokumentation über die verbotenen Filme enthalten.

Die neunzehnjährige Maria Morzeck (Angelika Waller) arbeitet nach ihrem Abitur in Berlin als Kellnerin. Ihr Wunsch, Slawistik zu studieren, erfüllte sich nicht, da sie in die in der DDR übliche Sippenhaftung gerät, als ihr Bruder Dieter (Wolfgang Winkler) wegen „staatsgefährdender Hetze“ zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wird.
Wider Erwarten verliebt sie sich in den wesentlich älteren, verheirateten Paul Deister (Alfred Müller), der der Richter war, der ihren Bruder verurteilte.
Im Prozess, der vor dem Mauerbau stattfand, versuchte sich Deister durch besondere Strenge gegen den Angeklagten zu profilieren. Maria verwirft die Idee, die Liebe zu Dieters Gunsten zu nutzen, doch drängt sie Paul, die ganze Wahrheit zu offenbaren. Doch für Paul sind Wahrheit und Gesetze nur abhängig von den Machtstrukturen, denen er sich jeweils anpasst.
Enttäuscht verlässt Maria ihn. Nach seiner Haftentlassung erfährt ihr Bruder von Marias Verhältnis zu Deister und schlägt sie brutal zusammen. Maria kann nicht einfach entweder (Paul) oder (Dieter) wählen, immer wird sie verlieren. Maria muss einen eigenen, neuen Weg finden.
Die Off-Stimme Angelika Wallers erzählt salopp skeptisch ironisch die Geschichte der Hauptfigur, als wüsste diese schon alles, was den Zuschauer erwartet. Und sorgt so ständig für eine diskrete Verunsicherung.
Der Film beginnt mit einem Kamera-Blick Marias zum Zuschauer. Der Zuschauer muss selbst sein Urteil fällen und die Wahrheit herausfinden.
Maria kritisiert offen den Opportunismus und den Zynismus in der DDR und bricht damit verschiedene Tabus.
Auch in der DDR waren die französischen Filme der „Neuen Welle“ Anfang der 19sechsziger Jahre Anreiz für eine moderne Filmsprache (Am konsequentesten in „Der geteilte Himmel“ von Konrad Wolf); in Zeiten des Aufbruchs nur das Leben zu filmen, die Alltagserfahrung, das Ereignis, die Spontanität im Spiel der Schauspieler, ihre Art und Weise zu sprechen, zu gehen, zu lächeln zu unterstützen... und dies mit dem Blick der Frau.
Der Film ist kein Meisterwerk, aber seine Provokationen oder die Abwege lassen sich nur in Bezug zu den Normen in der DDR und den Tabuverletzungen begreifen und bewerten.
Immer wieder wird spürbar, dass Maetzig es seiner Partei und seinen Genossen mit diesem Film eigentlich recht machen wollte. Er stellt die DDR nicht in Frage, sondern möchte sie nur menschlicher machen.
Film und Extras sagen viel über ein untergegangenes Land und ihre Menschen aus.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Nach dem Roman "Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich" von Manfred Bieler produzierte die Gruppe "Roter Kreis" der DEFA 1965 unter der Regie von Kurt Maetzig in einer vorübergehenden Phase der Liberalisierung einen mutigen und auch heute noch sehenswerten Film, der sich in durchaus positiver Aufbruchsstimmung ungeschminkt mit den Problemen der schon fast paranoiden Verkrampfung einer herrschenden Schicht auseinandersetzte.

Die Geschichte verknüpft in einer Liebesaffäre das Schicksal und die persönliche Entwicklung des Richters Paul Deister (Alfred Müller), der die typische Opportunistenklasse der Oberschicht verkörpert, mit dem "normalen Volk", welches durch die Geliebte Maria Morzeck (Angelika Waller, 21) repräsentiert wird.

Marias Bruder Dieter war wegen "staatsgefährdender Hetze" vom Richter Paul Deister äußerst überzogen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Maria wurde gleich mitbestraft: mit diesem Bruder darf sie natürlich nicht das erstrebte Slawistik-Studium antreten, sondern muss sich ihr Geld als Kellnerin verdienen. Den Richter lernt Maria zufällig kennen, erst, als die Affäre schon läuft, erfährt sie, dass es sich bei Paul um den Richter handelt, der ihren Bruder verurteilt hat.

Das Spannungsfeld zwischen der süß naiven jungen Liebe, der Neugierde, was nun eigentlich der Grund für die harte Verurteilung war, und der Versuchung, beim Geliebten für den Bruder einzutreten, wird feinfühlig und unaufdringlich herausgearbeitet. Ebenso wird die Einstellung des typischen Apparatschik, der systemübergreifend opportunistisch mit dem Strom zu schwimmen versucht, um sich ein bequemes Leben zu sichern, deutlich, aber auch manchmal in fast sympathischer Weise vorgeführt.

Insgesamt geriet der Film in keiner Weise belehrend oder gar indoktriniert, sondern äußerst menschlich und ist mit etwas (N)Ostalgie nett anzuschauen, die Personen wirken lebendig, der Alltag ebenso wie die besonderen Stunden glaubwürdig und nachvollziehbar.

Dennoch kommt auch die Rechtsphilosophie in offenen und ernsten Gesprächen zwischen der nachdrücklich fragenden Maria und dem zweifelnden Paul keineswegs zu kurz. Insbesondere wird auch die Relativität von "Recht", das ja immer auch ein Herrschaftsrecht ist, deutlich gemacht.

Angelika Waller selbst, die in gewisser Weise an die junge Bardot erinnert, wäre sicher auch in westlichen Filmproduktionen eine Augenweide gewesen und hätte durch ihre sympathische und natürliche Darstellung überzeugt.

Leider verordnete der seit 1964 bestellte neue KPdSU-Vorsitzende Leonid Iljitsch Breschnew wieder einen härteren, konservativen Kurs, der letztlich dazu führte, dass 1965 zwölf Filme der DEFA verboten wurden - der "Neue DDR-Film" war nach nur einem Jahr praktisch wieder am Ende. In bitterem Humor nannte man von nun ab verbotene Filme "Kaninchenfilme".

Letztlich thematisiert der Film im Kern die Konfrontation des arbeitenden Menschen mit dem Herrschaftsapparat, die natürlich maßgeblich über das Rechtswesen erfolgt. Frappierend, dass völlig unabhängig von der Art des politischen Systems diese Fragen immer noch genauso beschäftigen wie damals. So bietet "Das Kaninchen bin ich" nicht nur einen vorzüglichen Einblick in die damalige Situation der DDR-Gesellschaft, sondern auch ein jederzeit und überall gültiges Spiegelbild von Unterdrückungs-Mechanismen.

Im Original 110 Minuten, S/W, Format 1,37:1 auf 35 mm Film, Mono (IMDB)

film-jury 3* A0474 31.1.2011eg Genre: Drama | Romanze
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Beeindruckend! Nach Vorlage von Manfred Bieler gelingt Kurt Maetzig ein Kinofilm, der mit cineastischen Höhepunkten der Sechziger gleichzuziehen vermag. Maria Morzeck (Angelika Waller) wird wegen der "staatsfeindlichen Hetze" ihres Bruders Dieter (Wolfgang Winkler) um den Studienplatz gebracht und verliebt sich zudem fatalerweise in den Richter Paul Deister (Alfred Müller), der Dieter verurteilt hat. Es handelt sich hier also zwangsläufig um einen politischen Stoff, aber der wird nicht ideologisch beschwert, sondern in der Weise einer psychologisch genau gezeichneten Dreiecksgeschichte ' Deister ist verheiratet ' tiefgängig gestaltet. Insofern wird das Politische souverän gehandhabt und wirkt echt und weder vordergründig kritisch noch gar propagandistisch. Die junge Frau gerät zum einen in einen Gewissenskonflikt wegen ihres inhaftierten Bruders, zum anderen leidet sie an Deisters symptomatisch männlich feigem Opportunismus der Liebe wie dem Staat gegenüber. Sie sieht sich verleugnet und hingehalten, wächst schließlich aber über das emotionale Dilemma hinaus vom Kaninchen zum "alten Hasen" heran und beginnt, ihren Weg allein und unabhängig zu gehen. Die Handlung wird aus ihrer Sicht kommentiert, was alles authentisch wirken läßt. In einer Nebenrolle brilliert Ilse Voigt als lebenserprobte Tante Hete, eine couragierte Berlinerin mit Herz. Allen Figuren nimmt man ihre Rollen ab und ist verblüfft darüber, mit welcher (nicht zuletzt erotischen ) Freizügigkeit und Einfühlsamkeit in der kurzen Tauwetterperiode des Poststalinismus gefilmt werden konnte, eine Phase, die mit dem XI. SED-Plenum allerdings abbrach, was u.a. zum Verbot dieses Films führte. Nebeneffekt: Man erlebt als filmische Kulisse Berlin-Mitte, blickt in das spröde Gesicht der Stadt, zwanzig Jahre nach dem Krieg. Aufgehellt werden die grauen Straßenzüge mit den Einschußlöchern im Putz durch die charmante Ästhetik der Sechziger, insbesondere durch Kleidung und Chic der Damen. Das Schwarz-Weiß des Films paßt dazu. Absolute Filmempfehlung!
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am 6. Oktober 2012
Empfehlenswerter DDR-Film für alle die, die die DDR verklärt sehen und denken, daß sie nicht selbstkritisch war! Hier entsprechend als Film dargestellt, daß Änderung immer möglich ist; so auch im Film dargestellt. Nur...braucht das Volk eine geraume Zeit, um umzusetzen. Wir schauen, wie sich die Menschheit weiterentwickelt! Ob sie dazu lernt?
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am 28. Februar 2014
ich finde diesen Film auch in der heutigen Zeit wirklich sehenswert, damals durften wir ja wohl nicht? Ein ehrliches und realistisches Stück
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am 30. September 2013
Thank you so much. We received the DVD in a timely manner and it has been cataloged and added to our Libraries DVD Collection.
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