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20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für mich der beeindruckendste Ring!, 21. Dezember 2012
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Ring des Nibelungen (Ga) (Audio CD)
Vielleicht seufzen Sie als Leser gerade auf, nachdem Sie die Überschrift meiner Rezension gelesen haben, hält doch jeder gerade die von ihm gekaufte Aufnahme für die beste, nicht zuletzt, weil er für ihren Erwerb wieder einmal "bluten" musste.

Um mein Urteil einordnen zu können, darf ich deshalb kurz mitteilen, dass in meinem Plattenschrank, die Einspielungen von Böhm, Furtwängler (beide), Karajan, Krauss, Keilberth und Solti neben ein paar anderen stehen, die eher in der Zweiten Liga spielen und deshalb unerwähnt bleiben sollen. Die vorliegende Einspielung habe ich mir in einer gebrauchten Ausgabe zum Jahresende gegönnt, und ich war verblüfft. Bereits in dem ersten Band "Opera on Record" (Alan Blythe) wird der Knappertsbusch-Ring aus dem Jahre 1956 als eine der herausragenden Einspielungen überhaupt gewürdigt. Ich wollte es nur nicht glauben, weil dieser Dirigent gerade in England über seinen Schüler Reginald Goodall seine eigene Fangemeinde hat. Aber da habe ich mich getäuscht.

Das Herausragende dieser Aufnahme liegt in der Tat nicht allein in der Besetzung. Diese ist großartig (Brouwenstijn = Freia, Sieglinde, Gutrune; Greindl = Fasolt, Hunding, Hagen; Hotter = Wotan, Wanderer (wie immer groß, aber im Siegfried ab dem 2. Akt auch mit schwachen Stellen); Paul Kuen = Mime, Neidlinger = Alberich; Suthaus = Loge(!), Varnay = Brünnhilde und Windgassen = Siegmund und Siegfried(!)); aber zumindest die Aufnahmen von Krauss und Keilberth stehen, was den Leistungsstand dieser Sängerriege angeht, hier nicht nach (Böhm und Solti konnten großenteils auf dieselben Künstler nur zu einem späteren Zeitpunkt zugreifen, begeistern aber ebenso). Es ist vor allem das Dirigat von Knappertsbusch, das den Hörer vom ersten Akkord des Rheingoldes an gefangen nimmt. Dabei zelebriert Knappertsbusch - entgegen seinem Ruf - nicht langsame Tempi als solche, sondern besticht durch eine sehr individuelle, expressive Ausdeutung der Musik Wagners. Wer in diesen Ring einmal hineinhören kann, sollte dies beim Vorspiel zum ersten Akt der Walküre oder beim Beginn des zweiten Aktes der Götterdämmerung tun. Der Effekt ist schwer zu beschreiben, aber Rhythmus, Artikulation und Durchhörbarkeit verschaffen ein zT. völlig neues und zudem gut durchhörbares Hörerlebnis. Wie verständlich dabei die Sänger selbst sind, verblüfft immer wieder. Die Interpretation steht völlig ungebrochen in der ursprünglichen Tradition Wagners. Nie wird auf vordergründige Effekte gesetzt, sondern auf die Ensemble-Leistung; sonst wären die Sänger auch nicht so gut zu verstehen. Vor allem zeigt sich Knappertsbusch an Stellen wie dem Wotan-Monolog im zweiten Akt der Walküre oder Waltrauten-Erzählung (beeindruckend Elisabeth Schärtel) der intellektuellen Seite Wagners gewachsen, weil er die inhaltliche Botschaft zumindest neben der Musik hervorarbeitet und damit gelten lässt.

Für mich war in der letzten Zeit der Krauss-Ring wegen des überragenden Ensembles das Maß aller Dinge. Krauss dirigiert aber nicht so genial, persönlich und packend wie Knappertsbusch. Hier wird dem Hörer ein Erlebnis bereitet, das an die bekannte Parsifal-Aufnahme unter demselben Dirigenten erinnert. Nicht jeder Einsatz sitzt perfekt, aber am Ende steht eine sehr persönliche Interpretation, die man aus 100 anderen in einem positiven Sinne sofort heraushört. Vergleicht man das hier Gebotene schließlich mit den neueren Blu-Ray-Aufnahmen aus Barcelona und der Met, kommen einem fast die Tränen: Diese Aufführung hat den ganzen Bühnenfirlefanz nicht nötig, weil sie diesem ohnehin die Schau stehlen würde. Mir ist unverständlich, wie Knappertsbusch, der ja nur ein Mindestmaß an Proben abhielt, Sänger und Orchester auf eine so individuelle Bahn bringen konnte. Sei's drum: Das Ergebnis war ein großer Erfolg, und lässt sich im besten Sinne des Wortes "hören".
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