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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine sehr gelungene Aufnahme!!!
Endlich mal wieder eine neue Aufnahme einer großen Oper mit exzellenter Besetzung anstatt eines Live-Mitschnitts. Bei allem Charme der Unmittelbarkeit, den gute Live-Mitschnitte haben können, spricht die Sorgfalt im Detail (und im Fall des Tristan der auf der Bühne kaum zu kaschierende Verschleiß der Hauptdarsteller im Verlauf dieses Mammutwerkes)...
Veröffentlicht am 14. Oktober 2005 von Frank Höhle

versus
9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht Fisch nicht Fleisch
Lange hat man warten müssen, nun ist er da der neue "Tristan". Und zunächst muss man dem großen Placido Domingo Respekt zollen: mit einem Easy-Listening-Album hätte er es sicher einfacher gehabt, was Verkaufszahlen und stimmlichen Einsatz angeht. Aber der "Tristan" ist für Domingo eben eine Herzenssache. Auf der Bühne hat er die Rolle zwar...
Am 2. August 2005 veröffentlicht


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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine sehr gelungene Aufnahme!!!, 14. Oktober 2005
Von 
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Endlich mal wieder eine neue Aufnahme einer großen Oper mit exzellenter Besetzung anstatt eines Live-Mitschnitts. Bei allem Charme der Unmittelbarkeit, den gute Live-Mitschnitte haben können, spricht die Sorgfalt im Detail (und im Fall des Tristan der auf der Bühne kaum zu kaschierende Verschleiß der Hauptdarsteller im Verlauf dieses Mammutwerkes) klar für das Studioprinzip. EMI wagte mit dieser Aufnahme ein Großprojekt und verpflichtete nicht nur Domingo, sondern gleich eine handvoll hochkarätiger Solokünstler, das Royal Opera House Orchestra und den dazugehörigen Chor und als Dirigenten Antonio Pappano. Die Aufnahmen fanden in den legendären Abbey Road Studios statt, die vermutlich zum letzten Mal für eine aufwendige Opernaufnahme aufgeschlossen worden sind.
„Tristan ist die anspruchsvollste und gefährlichste Partie, die je für einen Tenor geschrieben wurde" meint Domingo selbst und mit dieser Ansicht dürfte er nicht allein dastehen. Placido Domingo hat in seiner langen und eindrucksvollen Karriere mehr als einhundert Partien gesungen und interpretiert. Im Wagner-Repertoire hat er als Lohengrin, Siegmund und Parsifal zu gefallen und überzeugen gewusst. Nur die mörderischste und verlockendste Partie im Tenorfach, die fehlte ihm noch: Tristan! Auf der Bühne wird es aufgrund des fortgeschrittenen Alters von Domingo keinen Tristan mehr geben, umso erfreulicher ist nun die Studioaufnahme. Nach einer Generalprobe mit Wagner-Liebesduetten im Jahr 2000 an der Seite von Deborah Voigt, um sich an die Partie heranzutasten, ist es nun soweit: Der berühmteste lebende Tenor stemmt den Tristan! Und er macht es ausgezeichnet. Ein Lob verdient Domingo und sein Sprachcoach, denn der Startenor hat sein Deutsch enorm verbessert und sein Akzent fällt kaum noch ins Gewicht. Er singt die Partie mit überlegener Phrasierung aus, und mit seiner überragenden Technik behalten die Töne bei aller Expressivität (die Domingo keineswegs schuldig bleibt) immer einen „schönen" Klang. Konnte man solche Gesangskultur bei Domingo noch erwarten, so verblüfft die Jugendlichkeit der männlich-baritonal eingefärbten Stimme, die auch unter diesem Gesichtspunkt mit der jüngeren Konkurrenz nicht nur mithalten, sondern diese an die Wand singen kann. Für Domingo ist dieser Tristan ein persönlicher Triumph. Wer nach einer vier Jahrzehnte währenden globalen Sängerkarriere seine Stimme noch derart im Griff hat, dem gebührt höchstes Lob und grenzenlose Anerkennung; man freut sich nach wie vor auf die hohen Töne dieses Ausnahmesängers, den die Fachpresse schon in den Achtzigerjahren kaputtgeschrieben hat, man genießt noch immer das einzigartige Timbre, das berückend kraftvolle Metall dieser so vertrauten, unverwechselbaren Stimme.
An der Seite von Domingo verkörpert die junge Nina Stemme die Isolde. Dieses Jahr debütierte die Schwedin bei den Bayreuther Festspielen ebenfalls als Isolde und spielte glorios. Sie verkörpert Isolde recht gut, doch nicht außergewöhnlich, obwohl sie die Anlagen dazu besitzt. Oft fehlt ihr die Eindringlichkeit gerade in lyrischeren Momenten, wo sie ihre Kantilenen gern vibratoreich verwackelt, statt sie zielgerichtet und spannungsreich zu führen. So entbehrt sie bei aller stimmlichen Potenz noch jener Suggestivkraft, die sie zu einer wirklich großen Isolde vom Range einer Nilsson machen würde. Allerdings steht Stemme erst am Beginn ihrer Karriere und dürfte noch eine enorme Entwicklung machen.
Ergänzt werden Domingo und Stemme von René Pape als König Marke. Die Stimme ist wunderbar sonor bis in die höchste Lage, die Pape bruchlos erreicht, und gleichzeitig sehr wandlungs- und nuancierungsfähig. Pape gibt dem König damit gleichermaßen Würde von Amt und Person und Trauer über den Verrat, und so ist der Schluss des zweiten Aufzugs mit dem großen Monolog Markes - der bei schlechten Sängern schnell zum „Durchhänger" einer Aufführung wird - ein (weiterer) Höhepunkt dieser Aufnahme.
Auch die weiteren Partien sind hervorragend besetzt. Mihoko Fujimura als Braugäne geht neben den großen drei ein wenig unter. Der junge Seemann wird vom fabelhaften Rolando Villazon, einem der kommenden Startenöre dargeboten. Allerdings ist die Artikulation zu bedeutungsschwer, zu nachdrücklich sind die Betonungen für die kleine Rolle, die im Kontrast zum schicksalsschweren Leiden Tristans und Isoldens mehr volkstümliche Einfachheit behalten müsste. Jared Holt (Melot) Ian Bostridge (Hirt) und Matthew Rose (Steuermann) runden das Ensemble überzeugend ab.
Das Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden wird von Dirigent Antonio Pappano ausgezeichnet geführt. Ihm gelingt es, dass ausgezeichnete Orchester hervorragend mit dem Sänger-Starensemble zu verbinden, ohne dabei den Sängern die Wirkung zu nehmen. Ausgezeichnet!
Die Opernaufnahme wird abgerundet durch eine DVD, auf welcher die ganze Oper zu hören und das Libretto auf dem Bildschirm Wort für Wort zu verfolgen ist. Eine ausgezeichnet Idee der Plattenfirma.
Insgesamt ist diese Aufnahme weitaus besser, als sie von vielen Kritikern (insbesondere Wagnerianern) gemacht wird. Domingo übertrifft die Erwartungen bei weitem und der "Rest" des Ensembles ist wirklich hörenswert. Eine sehr gelungene Aufnahme!
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Große Erwartungen, 5. September 2005
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Jede neue Tristan-Aufnahme ist ein Ereignis, weil mit riesigem Aufwand verbunden und deshalb so selten. Noch dazu wird diese Einspielung als vielleicht letzte Studio-Produktion einer Oper überhaupt und als Abschied eines der großen Tenöre unserer Zeit angekündigt - natürlich erhofft sich so mancher Hörer deshalb die Antwort auf das seit 50 Jahren immer wieder enttäuschte Gebet nach der "perfekten" Aufnahme, die es - trotz Furtwängler, Böhm und Kleiber - noch immer nicht gibt. Wenn man sich von dieser übertriebenen Erwartung freimacht, kann man eine größtenteils überzeugende Aufnahme erleben:

Antonio Pappano lässt erfreulich durchsichtig musizieren, verfällt auch nicht der verbreiteten Unsitte, zu versuchen, Furtwängler an Langsamkeit zu überbieten (wie Karajan und Thielemann). Trotzdem klingt hier nichts gehetzt oder beiläufig - eine sorgfältige, etwas detailverliebte Interpretation, bei der ihm Chor und Orchester sehr präzise, flexibel und klangschön folgen.

Domingos Tristan hat mich positiv überrascht: Natürlich singt er immer noch nicht akzentfrei, hat aber den Hauptfehler seiner früheren deutschen Aufnahmen - die viel zu hart gesungenen Konsonanten, die jede Melodielinie zerhackten - größtenteils beseitigt. Jetzt kann man ihn nicht nur endlich verstehen, er kann auch die Vorteile seiner italienischen Gesangstechnik ausspielen, insbesondere sein legato. Die Rolle klingt bis in die letzte Phrase sehr sorgfältig studiert und durchdacht, hat allerdings nicht ganz die Selbstverständlichkeit seiner großen Verdidarstellungen - vielleicht ein Problem der Sprache, möglicherweise hätten aber auch einige Bühnenauftritte in der Rolle gereicht. Es bleibt ein erstaunlich jugendlich klingender, schwärmerischer, musikalisch besonders im zweiten Akt überzeugender Tristan, wenn auch nicht ganz in einer Liga mit Melchior, Vickers und v. a. Suthaus.

Stemmes Isolde fand ich eher etwas enttäuschend: Sie hätte die stimmlichen Voraussetzungen einer jugendlich lyrischen Isolde, auch qualitativ vergleichbar mit Margaret Price. Leider aber scheint sie statt dessen mit Birgit Nilsson konkurrieren zu wollen - mit unerfreulichen Folgen: Die Simme klingt teilweise künstlich vergrößert und abgedunkelt, das Vibrato wird dann unkontrolliert, übergroß. Dazu kommt, dass Stemme im Ausdruck im ersten Akt übertreibt. Schade, denn sie ist dort, wo sie ihre Stimme frei strömen lässt, eine faszinierende Interpretin.

Fujimuras Brangäne erinnert mich an Blanche Thebom: Eine eher hohe, weiche und leichte Stimme, etwas neutral im Ausdruck und im ersten Akt teilweise stimmlich überfordert - mal wirkt sie dann kurzatmig, mal flackert ihr Vibrato deutlich. Nicht souverän, aber auch nicht wirklich schlecht.

Rene Pape dagegen ist der überragende Marke unserer Zeit, der keinen Vergleich zu scheuen braucht, Olaf Bär ein sehr grimmiger, ernsthafter Kurwenal, der v. a. in den leisen, zarten Passagen ("Bist Du nun tot?") überzeugt.

Bei Rolando Villazon und Ian Bostridge habe ich mich gefragt, ob sie als Gag engagiert wurden (große Namen für kleine Rollen) oder ob beider Akzent von Domingo ablenken sollte. Villazons Seemann klingt für an lyrische Tenöre (Schreier) gewöhnten Ohren gewöhnungsbedürftig, aber eindrucksvoll, Bostridges Hirte solide.

Insgesamt also ist diese Aufnahme weit mehr als der Abschied des Placido Domingo vom Aufnahmestudio, nämlich eine insgesamt - insbesondere orchestral - durchaus gelungene Aufnahme der Oper, wenn auch kein Meilenstein.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stemme- und Domingo-Dokument, 8. Februar 2006
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Eine Aufnahme mit einem stimmlich zueinander passenden Protagonistenpaar. Die meisten anderen Aufnahmen zeigen hier starke Differenzen (Birgit Nilsson übertönt Windgassen, Vickers „dominiert" Helga Dernesch, Margaret Price kontrastiert mit ihrer unvergleichlichen Stimmkultur René Kollos Defizite). Nina Stemmes Sopranstimme ist eine sehr positive Entdeckung (Es liegt noch eine englischsprachige Holländeraufnahme mit ihr als Senta vor), inzwischen auch endlich ihre Brünnhilde unter Gergiev (leider auch kein perfekter "Rahmen"). Leider kam keine Studioaufnahme mit ben Heppner zustande (der die Rolle wohl zu seiner kurzen Glanzzeit vollständiger dargeboten hätte, vgl Levine-Dvd). An Stemmes Vibrato und Stimmvolumen muss man sich nach Margaret Price (unter C. Kleiber) erst wieder gewöhnen. Freilich darf man dabei nicht vergessen, dass Margaret Prices lyrische Stimme vom Mozart- und Liedgesang geprägt war, während Nina Stemme die Isolde regelmäßig auf der Bühne verkörpert, was grundsätzlich andere Stimmanforderungen stellt.
Domingo verfügt über eine technisch sichere, obendrein auch noch wohlklingende Stimme, um deren Erhalt man sich nicht pausenlos ängstigen muss. Leider gilt bei Tristan-Darstellern häufig das „Ausschlussverfahren": Man muss nicht ständig fürchten, der Sänger habe gar keine Höhe (Siegfried Jerusalem unter Barenboim) oder zuhören, wie jeder Ton in die unterschiedlichsten Richtungen abdriftet (René Kollo unter C. Kleiber, wesentlich besser unter Barenboim in de Bayreuther Aufnahme).
Freilich ist immer noch hörbar, dass Domingo die deutsche Sprache nicht perfekt beherrscht . Ja, er singt wirklich „Seligstes Frau!" im ersten Aufzug. Wie soll man auch verstehen, dass die Frau im Deutschen zwar niemals neben- aber doch vereinzelt „sächlich" ist (Parallelstelle im dritten Aufzug: „O seligstes Weib!")? - Origineller wird es da schon im zweiten Aufzug: „... Isolde mir zerdrückt" statt „Isolde mir entrückt". Wen solche „Versinger" stören, sollte die Aufnahme meiden! Andererseits: Wer den „Tristan" nicht gesungen möchte, sondern lieber deklamiert, kann ihn sich auch vorlesen ...
Domingos idiomatisches Hindernis beeinträchtigt meiner Ansicht nach nur an wenigen Stellen seine Leistung. Dazu gehört für mich erstaunlicherweise nicht der dritte Akt, wo er durchaus überzeugend (singend, nicht brüllend!) gestaltet, sondern der Beginn des Liebesduetts im zweiten Aufzug, wo die rasche Folge der Repliken eine beherrschtere Diktion erfordert. Wie das klingen kann, muss man sich bei Margaret Price (nicht allerdings bei ihrem Gesangspartner!) unter C. Kleiber anhören.
Olaf Bär charakterisiert einen überzeugenden, in der tiefe leicht angestrengt wirkenden Kurwenal, Marke (René Pape) und Brangäne (erstaunlich klangschön und pointiert rhetorisch: Mihoko Fujimura) sind treffend besetzt. Rolando Villazon verdeutlicht den Hohn des jungen Seemanns auf eher belkantilistische Weise mit stark kontrastierenden Dynamikunterschieden. Möglicherweise wäre der im deutschen Liedgesang erfahrene Ian Bostridge geeigneter für diese Rolle. Hier ist er als Hirt zu hören.
Mit Jaret Holt hört man einen der wenigen wirklich charakterisierten Melots der Aufnahmegeschichte, was zeigt, mit welcher Sorgfalt selbst die kleinsten Nebenrollen besetzt wurden.
Es handelt sich also um eine „geglückte" Aufnahme (was beim „Tristan" schon viel bedeutet!), aber um keine, die neue Maßstäbe setzte. Dafür bietet auch Pappano am Pult keine Anreize. Er überdehnt das Tempo im Vorspiel zum ersten Akt, hetzt dann im zweiten Akt... Vielleicht ist die Aufnahmetechnik auch nicht immer auf seiner Seite.
Fairerweise könnte man Domingo mit Fritz Uhl unter Solti (Studioaufnahme) vergleichen, der die rolle live auch nicht gesungen hat. Dabei müsste man feststellen, dass Fritz Uhl sicher nicht die stimmliche Qualität, Vielseitigkeit und Sängerpersönlichkeit Domingos mitbringt (den ich sehr schätze), sich aber andererseits wesentlich besser auf die Rolle vorbereitet hat. >Die großen Tristan-Darsteller bleiben für mich (persönliche Auswahl, subjektiverweise manchen älteren helden ausschließend): Ludwig Suthaus (Furtwängler), Wolfgang Windgassen (Sawallisch / Böhm), Jon Vickers (z.B. Karajan), Ramon Vinay (Karajan Bayreuth), Alberto Remedios (Goodall), René kollo (Barenboim), Ben Heppner (Levine).
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39 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glorios, 16. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Domingos Tristan hat die Kritiker wie zu erwarten polarisiert, neben enthusiastischen Rezensionen stehen böse Verrisse. Die beiden Hauptargumente sind Domingos mangelhaftes Deutsch und die Behauptung, ihm fehle das notwendige vokale Rüstzeug.
Daß Domingo den Tristan nicht mehr auf der Bühne singen könnte, verhehlt er selbst nicht, um so mehr wird dies gegen ihn verwandt. Es war sicher klug, in einer realistischen Einschätzung seiner Möglichkeiten darauf zu verzichten. Die Aufnahme als ideale Aufführung mit allen Möglichkeiten des Studios und seiner Ästhetik ist hingegen eine andere Kategorie. Das zentrale Problem ist dabei allein das Durchhaltevermögen für eine komplette Aufführung auf der Bühne, das Domingo nicht (mehr) aufbringen kann. Die Stimme selbst erfüllt alle Voraussetzungen für die Partie: die erstaunlich konservierte jugendliche Frische, Volumen, Stamina, metallische Brillanz und Durchschlagskraft, ein lückenloses Legato, weite Atembögen, eine intelligente Phrasierung, dynamische Differenzierung, eine breite baritonale Mittellage und die Fähigkeit zu farblichen Valeurs.
Die stimmlichen Voraussetzungen sind deswegen nicht in Frage zu stellen, dabei sind diese Partien nach dem Krieg nie klangschöner und brillanter GESUNGEN worden. Was wie zu erwarten auch an Domingos Tristan kritisiert wird, ist die fehlende "Einheit von Klang und Gedanke". Meiner Meinung nach ist Domingos Deutsch in der Tristan-Aufnahme relativ gut, Probleme hat er vor allem bei schnellen Passagen. Sein starker Akzent ist allerdings nicht zu leugnen, ebenso wie partielle artikulatorische Probleme. Ein, zwei offensichtliche Fehler genügen einigen Kritikern, um seine gesamte Leistung zu verreißen. Domingo ist in jedem Moment überzeugend, er weiß immer, was er singt und hat eine Reihe von ganz großen interpretatorischen Momenten, so in seiner Entgegnung auf König Markes Klage, im Monolog, wenn er singt "mich sehnen - und sterben" und in "Und drauf Isolde" - orphische Momente. Nach dem Krieg hat es keinen so klangschön und souverän gesungenen (!) Tristan gegeben wie diesen.
Es ist dies eines seiner ganz großen Rollenportraits mit jahrelanger intensiver Vorbereitung, allen Diffamierungen dieser Produktion als reines Marketingprodukt zum Trotz. Dabei wird Domingo den interpretatorischen Ansprüchen der Partie in allen Belangen gerecht, der bittere Sarkasmus und Stolz im ersten Aufzug und der ekstatische Verlust der Realität an dessen Ende, die lyrische, weltentrückte Intensität im zweiten Aufzug. Im dritten Aufzug gibt Domingo dem Fieberwahn Tristans eine bis dahin ungehörte träumerisch-visionäre Qualität, die seiner lyrisch-kantablen Konzeption der Partie entspricht. Sein Tristan ist wesentlich verinnerlichter als der seiner Vorgänger, trotzdem fehlt es den großen Ausbrüchen im Monolog und vor Tristans Tod nicht an Vehemenz und Raserei, stimmlicher Energie und genuinem Pathos.
Wenn einige Kritiker behaupten, Domingo sei kein Wagner-Sänger, so suggeriert dies einen gewissen Chauvinismus des Wagner-Gesangs, dem man sich exklusiv zu widmen habe und für die ein "italienischer" Tenor, ein Verdi- und Puccini-Sänger, eben nicht tauge. Diese Sakralisierung des Wagner-Kultes zu einer exklusiv-elitären Zivilreligion geht einher mit einer von Wagner selbst herrührenden Diffamierung der italienischen und französischen Oper und den entsprechenden Ressentiments, die in vielen Rezensionen in Deutschland bis heute anklingen.
Dementsprechend werden auch die defizitären Leistungen der meisten Wagner-Sänger nach dem Krieg hochgelobt, faute de mieux und weil die Vergleichsmaßstäbe verlorengegangen sind. Die herausragenden Interpreten des Tristan sind Vinay, Melchior, Vickers und Suthaus. Alle anderen hochgelobten Leistungen nach dem Krieg, Windgassen, Kollo, Jerusalem etc., sind mit Ausnahme von Heppner, dem besten jugendlichen Heldentenor nach dem Krieg mit italienischer Gesangskultur, vokal defizitär. Anstelle eines gerundeten tragenden Gesangstons auf Grundlage eines lückenlosen Legatos bieten sie ein gequetschtes und gepreßtes Deklamieren bis hin zum berüchtigten Bayreuth bark und bestenfalls eine ökonomische Bewältigung der Partien.
Wagner selbst hat die Interpretationen des Wolfram durch Battistini und des Lohengrin durch Campanini als ideal bezeichnet. Mithin verlangte er als Grundlage für die Interpretation seiner Partien den klassischen Belcanto. Das Herz der italienischen Gesangskultur ist das Legato in Verbindung mit dem Portamento, das dem Gesang Relief verleiht und den Vortrag verlebendigt, wie es Domingo in seinen Wagner-Interpretationen exemplarisch verwirklicht. Er benutzt Portamenti und Portati also zurecht und meist auch angemessen. Im übrigen ist Domingo einer der wenigen Sänger, welche die bei Wagner vorgeschriebenen kleinen Verzierungen, Überreste des Belcanto, auch im Tristan (Doppelschläge), gewissenhaft ausführt. Die bornierte Ignoranz einiger Wagnerianer schließt auch die Unkenntnis oder Mißachtung der großen italienischen und französischen Wagner-Tradition ein.
Domingos Deutsch ist nicht optimal, dessen ist er sich selbst wohl bewußt, oft genug hat er seine eigene Unzufriedenheit bekundet. Er hat indes lange und hart daran gearbeitet, dies zu verbessern. Die Ergebnisse sind unterschiedlich, aber Domingo hat die Wagner-Partien lange und intensiv studiert und ist sich genau bewußt, was er singt. Diese Mängel auf Ignoranz, Faulheit oder generelle Unfähigkeit zurückzuführen ist mehr als unfair. Möglicherweise reicht auch Domingos klare Diktion ihm zum Nachteil, weil man sprachliche und artikulatorische Fehler besser hört als bei anderen Sängern. Darüber hinaus lehnt Domingo sich an Völker an und opfert durchaus auch bewußt die Deutlichkeit der Konsonanten und die idiomatisch notwendigen Glottisschläge einem durchgehenden Legato, an manchen Stellen im Übermaß.
In die Kritik der fanatischen Wagnerianer fügt sich ein, daß die sprachlich oft ebenso mangelhaften englischsprachigen Wagner-Sänger, die in den letzten Jahrzehnten dominieren, kaum je gerügt werden. Ich halte mich an die in jeder Hinsicht überragenden gesanglichen Leistungen von Domingo, welche die sprachlichen Mängel mehr als aufwiegen.
Die Aufnahme von Pappano ist darüber hinaus als Ganzes sensationell. Nina Stemme gibt eine wunderbare frische und mädchenhafte Isolde ohne vokale Defizite, die beste Isolde unsere Zeit neben Deborah Voigt. Sehr gut auch die Brängäne (ich hätte allerdings auf Violeta Urmana gehofft) und wider alle Erwartungen der Kurwenal von Olaf Bär (obwohl ich hier gerne Hampson gehört hätte), von einigen rauhen Momenten angesehen. Überragend der Marke von René Pape. Allein er ist die Aufnahme wert.
Pappanos Dirigat ist überragend, flüssig und intensiv, feurig und doch lyrisch-träumerisch wenn erfordert, wunderbar wie die Orchesterleistung in den Details. Ich stelle seine Leistung neben die Kleibers und Furtwänglers. Ebenso großartig das Klangbild, das die Stimmen in das Orchester organisch einbettet. Insgesamt ist diese wohl letzte große Studioproduktion in diesen Dimensionen eine veritable Sensation und ein würdiger Abschluß von Domingos einzigartiger Karriere.
Ich habe Anlaß zu der Vermutung, daß Domingo selbst der "anonyme Sponsor" ist, der die Aufnahme überhaupt ermöglicht hat.
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20 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen O Wonne voller Tücke!, 2. August 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Ich habe nicht die CDs, sondern gleich die DVD Version mit 5.1 Surround Sound aufgelegt und den Beamer zugeschaltet. Man sieht auf der Leinwand nicht wie bei den üblichen Untertiteln nur eine Zeile, sondern immer ganze Abschnitte des Textes (vor einem blutroten Bild mit Segelschiff) und immer auch mit den vollständigen Regieanweisungen synchron zur Musik.
Die Klangqualität ist einfach überwältigend. Man sitzt nicht nur in der ersten Reihe, sondern mittendrin. Das hat im 2. Akt schon fast etwas voyeuristisches. Der junge Seemann (Villazón!) scheint wirklich oben auf dem Mast zu sitzen. Brangänes Wächterrufe (Fujimura!) erklingen im Breitwandformat von den Zinnen der Burg.
Spätestens bei König Papes langem Lamento ist der „break even" zum Kauf dieser CD erreicht. Zum Niederknien....
Gemeinsamer Nenner dieser Aufnahme mit Bayreuth 2005 ist Nina Stemme. Ein Vergleich mit ihren grandiosen Live-Isolden in Stockholm, Glyndebourne und Bayreuth (25.7.) ist eigentlich nicht zulässig, aber diese Studio Aufnahme ist für mich noch einen tick atemberaubender.
Und Placido?
Ich werde ihm ewig dankbar sein, dass er diese Produktion ermöglicht hat und diese Crew um sich versammeln konnte. Was macht es schon, wenn die Diktion bei manch raschen Passagen zu wünschen übrig lässt, wenn man dafür mit wunderbar gesungenen Bögen entschädigt wird. Ich kann Domingo einfach nicht gerecht beurteilen, er ist mir viel zu sympathisch...
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht Fisch nicht Fleisch, 2. August 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Lange hat man warten müssen, nun ist er da der neue "Tristan". Und zunächst muss man dem großen Placido Domingo Respekt zollen: mit einem Easy-Listening-Album hätte er es sicher einfacher gehabt, was Verkaufszahlen und stimmlichen Einsatz angeht. Aber der "Tristan" ist für Domingo eben eine Herzenssache. Auf der Bühne hat er die Rolle zwar nicht mehr realisieren können, aber zumindest als CD-Dokument wird sie verewigt bleiben.
Wer allerdings einen Referenz-Tristan sucht, wird hier nicht fündig werden. Zu stark ist die sängerische Konkurrenz von Suthaus, Melchior, Windgassen oder Vickers. Domingo kämpft eine Liga darunter, aber er kämpft tapfer und mitunter wunderbar klangschön ("O, sink hernieder"). Dass der Tenor im 7. Lebensjahrtzehnt steht, ist dabei nie wirklich hörbar. Aber sehr störend für deutsche Hörer ist und bleibt sein Esperanto-Deutsch, hier ist leider keine Verbesserung gegenüber früheren Jahren festzustellen. Wer den Text gut kennt, wird hier schwer leiden müssen. Dass die Stimme kein echter Heldentenor ist, wird besonders im dritten Aufzug hörbar, wo Domingo trotz Technik an seine Grenzen gerät- aber welcher Tenor tut das nicht?
Etwas enttäuschend ist Nina Stemme als Isolde, die gerade in Bayreuth wesentlich glaubwürdiger herübergekommen ist. Hier versucht sie völlig unnötig Heldentöne zu finden, wo gerade sie es nicht nötig hätte. Sängerisches Highlight ist ohne jede Frage Rene Papes Marke, er braucht keinen Vergleich zu scheuen und vereint die Klangschönheit eines Kurt Moll mit der Durchschlagskraft eines Matti Salminen. Die restlichen Rolle sind vor allem prominent und nicht immer genuin rollendeckend besetzt, und Antonio Pappano dirigiert sängerfreundlich und mit teilweise spannenden Bögen. Die Intensität eines Kleiber oder Furtwängler erreicht er aber nie. Bei diesem Cast gerät die Rolle des Orchesters allerdings sowieso (leider) eher zur Nebensache.
Fazit: solide, mitunter fesselde Einspielung (mit gutem Klangbild) aber sicher keine Referenzaufnahme
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viel Licht, aber auch Schatten, 6. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Ein neuer Studio-Tristan - Zeit wurde es, nachdem der meines Wissens letzte - von Barenboim in Berlin - schon über 10 Jahre zurückliegt. Und die EMI hat einiges aufgeboten, künstlerisch und marketingtechnisch, so dass diesem hervorragend ausgestattetem Set (3 CDs, dickes Booklet und wunderbare Bonus-DVD mit der kompletten Oper im Surround-Sound) ein Verkaufserfolg sicher sein sollte.
Am Pult der Orchesters von Covent Garden hat die EMI Antonio Pappano aufgeboten, keinen, denn man sofort mit Wagner assozieren würde. Dennoch - er bietet ein sehr gelungenes Tristan-Dirigat, das sich auch neben den großen Wagnerdirigenten hören lassen kann. Zwar erreicht er für mich nicht die Tiefe und den Reichtung wie Thielemann, oder gar wie Carlos Kleiber vor gut 20 Jahren in seiner Einspielung oder, noch früher, Furtwängler. Dennoch dirigiert er absolut stilsicher und profiliert. Und er ist - vielleicht der Hauptgrund, warum er ausgewählt wurde - ein hervorragender Sängerdirigent, und derer gibt es ja heute nicht so viele. Er trägt die Sänger förmlich durch ihre schweren Partien, und das ist gewiss nicht wenig bei einem so komplexen Werk wie dem Tristan.
Etwas skeptisch war ich beim Orchester: ein englisches Tristanorchester - da hatte ich doch Vorurteile, ich geb es zu? Setzte hier die Konkurrenz von Barenboim über Thielemann bis Berstein und Kleiber nicht doch immer auf die großen deutschen und österreichischen Orchester? Schon, aber das Covent Garden Orchester erweist sich hier als absolut positive Überraschung. Sie spielen technisch perfekt - das was zu erwarten -, aber auch stilistisch und musikalisch hervorragend. Es macht wirklich Freue, dem Orchester zuzuhören.
Star und Grund der Aufnahme ist natürlich Placido Domingo. Auch wenn der Tristan ein bisschen spät für ihn kommt, und er ihn wohl auf der Bühne nicht mehr wagen wird, und aus gutem Grund auch bisher noch nicht gewagt hat: er singt immer noch hervorangend. Dass er an seinem Deutsch stark gearbeitet hat, ist zu hören, leider aber auch, dass er trotzdem nicht immer alle Silben in der richtigen Reihenfolge auf die Reihe bekommt. Das kann schon stören, zumal wenn man den Text kennt, es sollte aber nicht zu hoch aufgehängt werden. Neidlos ist anzuerkennen, dass Placido Domingo immer noch über eine Legatokunst und gestalterischen Reichtum verfügt, wie ihn heute wohl kein anderer Heldentenor, nicht einmal der fabelhafte Ben Heppner, zu bieten hat. Festzuhalten bleibt aber leider auch, dass man selbst im Studio spürt, dass es Placido Domingo, besonders im dritten Akt, an heldischem Metall in der Stimme fehlt, um diese, eigentlich unmögliche, Partie restlos zu bewältigen. Aber das ist auch seit Melchior wohl keinem Tenor mehr gelungen. Trotz allen wenns und abers - ich habe den Tristan von Herrn Domingo mit viel Freude und Bewunderung gehört. Diese Aufnahme ist ein würdiger Abschluss für eine wahrhaft beispiellose Karriere! Wie könnte man so ein Sängerleben besser krönen als mit dem Tristan! Und wohl dem, der mit Mitte 60 noch so singen kann! Welcher Mit-Dreißiger kann das heute?
An Domingos Seite steht mit Nina Stemme eine der besten Isolden, die in den letzten Jahren zu hören war. Vielleicht fehlt es ihr noch etwas an Feuer und Intensität, doch das soll ihre Leistung nicht schmälern. Ihre Stimme ist sehr tragfähig und groß - sicher eine kommende Brühnhilde. Kleine Intonationstrübungen sollen hier als kleines Manke aber auch nicht verschwiegen werden. Ansonsten aber singt sie eine stimmlich kerngesunde Isolde, und Frau Stemme dürfte dieses Fach, wenn sie keine Fehler macht, die nächsten Jahre beherrschen.
Die Brangäne von Frau Fujimura mischt sich stimmlich und darstellerisch sehr gut mir der Isolde von Nina Stemme. Die große und auch durchaus heikle Partie der Brangäne bewätligt sie mehr als achtbar, mit schönen Legatolinien und gute Kontrolle. Vermutlich kann diese Partie heute kaum besser besetzt werden. Allerdings sollte man nicht zu sehr an Christa Ludwig oder Brigitte Fassbaender denken, das wäre unfair.
Mit Olaf Bär versucht sich wieder mal ein lyrischer Bariton am Kurwenal. Das gelingt im dritten Akt sehr gut mit herrlichen Pianostellen und wunderbar liedhaftem Singen. Das war vom exzellenten Liedsänger Olaf Bär zu erwarten. An Grenzen stößt er erwartungsgemäß, wie vor ihm schon Fischer-Dieskau, in den Spottgesängen, auch wenn sich Olaf Bär hier besser schlägt als Fischer-Dieskau in der Kleiber-Aufnahme.
Erwartungsgemäß wunderbar fällt der Marke von Rene Pape aus - vielleicht neben Rolando Villazon die beste Sängerleistung dieser Aufnahme. Sein Marke hat Autorität und Volumen, steht sicher in der heutigen Sängerlandschaft fast einzig da. Er hat nicht ganz den Schmelz wie Kurt Moll oder Ridderbusch, aber dafür entschädigt er mit herrlichen Nuancen und makelloser Textverständlichkeit - etwas, was man von den meisten anderen Sängern dieser Aufnahme leider nicht sagen kann.
Ein wirkliches Highligt dieser Aufnahme sind die kleinen Rollen: Rolando Villazon als Steuermann ist einfach umwerfend - ich kenne keine Aufnahme, in der diese Rolle auch nur annähernd so gut gesungen wurde. Und der Hirte von Ian Bostridge ist natürlich auch der reine Luxus. Das kleine Duett der beiden Liedsänger Bär und Bostrige im dritten Akt, dass hat schon einen ganz besonderen Reiz! Tristan als Kammermusik - herrlich!
Insgesamt ist diese Aufnahme zwar keine neue Referenzaufnahme - das bleiben für mich die Aufnahmen von Furtwängler und Kleiber - aber es ist eine sehr achtbare Einspielung, in der sicher vieles sehr gut gelungen ist. Man sollte sich, schon allein auf Grund der phantastischen Aufnahmetechnik, diese Aufnahme nicht entgehen lassen, auch wenn sie kleine Schönheitsfehler hat. Auf Grund der starken historischen Konkurenz nur 4 Sterne, die sind aber wohlverdient!
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausgezeichnet mit kleinen Schönheitsfehlern, 6. August 2005
Von Ein Kunde
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Zuallererst: Dies ist sicher die beste Tristan-Aufnahme seit Böhm/Nilsson/Windgassen/Ludwig/Wächter/Talvela/Bayreuth 1966.
Allerdings reicht sie an diese Referenzaufnahme doch nicht ganz heran, was auch bei der beglückenden Besetzung derselben kaum möglich ist.
Auf jeden Fall: Nina Stemme ist - zumindest auf CD - sicher die beste Isolde seit der Nilsson, mit deren triumphalen Spitzentönen kann sie fast mithalten (wobei das erste C im zweiten Akt etwas überarbeitet klingt, zudem ist anscheinend vor dem Ton ein Schnitt - aber ok, es ist eine Studioaufnahme, etwas Putzen muss erlaubt sein).Ihre Gestaltung der Partie ist meisterhaft, voller Details und Farben, sehr deutlich gesprochen und auch idiomatisch - ein reifes Portrait wie von einer Sängerin, die die Rolle bereits viele Jahre singt - Brava !
Nach all den Jahren mit Isolden ohne das passende Stimmaterial (Behrens, Meier) oder ohne sprachliche und musikalische Differenzierung (Jones) endlich wieder eine wirkliche Isolde.
Ein grosses Lob den Sprachcoaches: Placido Domingo hat auf seine alten Tage den Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Vokalen gelernt - jedenfalls meistens. Dass bei einer Studioaufnahme allerdings Stilblüten wie "seligstes Frau" und "Du mich verloren" (statt "mir verloren") stehenbleiben,
ist eine Schlamperei, die man den Produzenten um die Ohren hauen sollte. Sein Gesang ist - wie meist - betörend klangschön und sehr musikalisch.
Leider haben die Sprachcoaches bei Frau Fujimura versäumt, die Aussprache des stimmhaften "s" zu verbessern, das sie, wie viele Japaner, als "ds" ausspricht, was vor dem Mikrofon natürlich besonders auffällt. An Stellen wie "Dsanft und schnell dsegelt das Schiff, auf ruhiger Dsee vor Abend erreichen wir dsicher das Land." macht sich Frau Fujimura dadurch unfreiwillig zum Narren.
Sie singt ansonsten sehr schön, allerdings wirkt jeder Ausdruck einstudiert und aufgesetzt, der Vergleich mit Christa Ludwig, die selbst Nebensätze wie "Tristan, mein Herre, was höhnst du mich" mit einer Einfärbung auf "höhnst" zum Ereignis macht und jeden Moment weiß, was sie singt, verbietet sich.
René Pape ist der beste König Marke unserer Zeit. Sein Gesang und seine Gestaltung können sich mühelos mit den größten Sängern der Vergangenheit messen.
Olaf Bär benutzt die Reste seines Stimmmaterials leider teilweise zu einer grimassierenden Karikatur - schade.
Tony Pappanos Dirigat ist zügig, aber nie gehetzt, sehr ausdrucksvoll und voller Schönheit, das Orchester des ROH London
spielt beseelt und hörbar gut geprobt.
Hätte man also mit Fujimura noch etwas mehr gearbeitet und den Kurwenal umbesetzt, man hätte eine zweite Referenzaufnahme haben können. So ist eine sehr anhörenswerte gute Aufnahme entstanden,
die trotz der Schwächen sicher über die Jahre Bestand haben wird.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krönung in Orange, 17. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Tristan und Isolde sind eines der zahlreichen Liebespaare der Weltliteratur, deren Liebe nicht gelebt werden kann, allerdings nicht wegen des gewaltigen Altersunterschiedes, wie es die Sänger in dieser Aufnahme vermuten ließen. (Placido Domingo war 64, Nina Stemme 32). Überhaupt, Domingo singt den Tristan mit über sechzig Jahren, noch dazu, obwohl er, wie sich beim Lohengrin, Walther und beim Tannhäuser gezeigt hat Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat. Verpackt ist die von mir mit viel Skepsis erwartete Aufnahme in ein ziemlich kitschiges, orangerotes Pappkästchen, das natürlich nichts über die Qualität der Musik aussagt, aber dennoch nicht gerade Vertrauen erweckt.

Doch wie so oft überrascht das erste Anhören. Alle Bedenken zerstreuen sich. Der Altersunterschied spielt keine störende Rolle, vielmehr gelingt es Domingo jugendlich zu klingen, aber dennoch von seiner enormen Erfahrung zu profitieren, während Stemme schlechthin jugendlich, mädchenhaft ist.

Domingo singt tatsächlich einen Liebhaber und keinen ungestümen Krieger, wie manch anderer. Der Wagnergesang scheint teilweise sehr siegfriedorientiert zu sein, was oft zum Nachteil des Tristan, des Lohengrin und teilweise auch des Siegmund und Parsifal gerät.

In dieser Aufnahme findet der Hörer neben einem harmonierenden Liebespaar, eine gute, aber ein wenig blasse Brangäne (Mihoko Fujimura), einen robusten Kurwenal (Olaf Bär) und einen hinreißenden Marke (René Pape). Auch die kleinen Rollen enttäuschen nicht, ebenso wenig das Orchester. Das mit vielen Bildern versehene Beiheft enthält eine Tafel „In Memory of Carlos Kleiber“, muss also geradezu mit der berühmten Tristanaufnahme von Kleiber verglichen werden. Ich denke, dass Domingos Tristan Kollo deutlich übertrifft und auch Nina Stemme als Isolde gefällt mir besser als Margaret Price, da Price wunderschön, aber für Isolde zu klinisch singt. Es gibt also abgesehen vom (bei Wagneraufnahmen beinahe immer) stolzen Preis, keinen Grund für Tristanliebhaber und auch für Domingofans sich diese Einspielung zu versagen.
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37 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Noch ein Tristan ohne Tristan...., 7. August 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tristan Und Isolde (Audio CD)
Schade, schade, wie hier die vielleicht letzte Chance auf einen grandiosen Studio-Tristan aus Marketing-Gründen vertan wurde. Nach 20 Jahren gibt es mit Nina Stemme endlich wieder eine Isolde, die eine Aufnahme wert wäre. Keine Hochdramatische, aber eine einfühlsame Gestalterin ähnlich M. Price unter Kleiber, dabei aber mit wesentlich mehr dramatischen Reserven und einer unglaublichen Attacke in der Höhe. Gerade im Vergleich mit Mezzos wie Waltraud Meier zeigt sich, dass insbesondere das Liebesduett im 2. Akt unglaublich gewinnt, wenn man die Isolde mit einem echten Sopran besetzt. Wer ihre grandiose Gestaltung der Fermate auf dem hohen C (die sich wohl keine ihrer Bayreuther Vorgängerinnen getraut hätte) in der Bayreuther Rundfunkübertragung gehört hat, wird nie wieder einen Mezzo in dieser Partie hören wollen! Beeindruckend auch die technische Souveränität der Sängerin, wohingegen die Spontanität und Dramatik verglichen mit dem Live-Eindruck doch an der einen oder anderen Stelle (gerade im 1. Akt) zu wünschen übrig lässt. Wer die ganze Brillianz von Frau Stemme hören möchte, greife also besser zu einem Live-Mitschnitt aus Bayreuth.
Anders als in Bayreuth steht ihr mit M. Fujimura hier eine Brangäne zur Verfügung, deren angenehm dunkles Timbre mit dem ihren wirkungsvoll kontrastiert. Zugleich besitzt Frau Fujimura die notwendige Höhe, um die für einen Mezzo besonders im zweiten Akt unangenehm hohe Tessitur unverkrampft zu bewältigen. Gestalterisch steht Sie Nina Stemma in nichts nach, was gerade den 1. Akt zu einem wahren Hörvergnügen macht.
Eine Überraschung war für mich Olaf Bär als Kurwenal, dessen Stimme in den letzten Jahren zunehmend brüchiger geworden ist. Hier klingt er gerade in der enormen Höhe im 3. Akt frisch und unverbraucht. Sein hohes g im "Heiahahaha" strahlt, seine Stimme blüht oberhalb von e'' geradezu auf. Daneben hat er die ganze Gestaltungskraft des erfahrenen Liedsängers. Wie er in "Ich ruf's: du sag's, und grollten mir tausend Frau Isolden!" jedes Wort anders färbt, ist absolut brillant.
Rene Pape als Marke zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Er ist in dieser Partie konkurrenzlos und kann sich mit den größten der Vergangenheit mühelos messen. Allenfalls Moll (unter Kleiber) und Weber (div. Live-Aufnahmen) können ihm das Wasser reichen.
Erfreulich die Besetzung des Hirten mit Ian Bostridge. Ein PR-Gag sicher, aber einer der der künstlerischen Qualität zugute kommt. Damit sind wir beim Problem dieser Aufnahme: Wer die Idee hatte, R. Villazon als jungen Seemann zu verpflichten, ist mir nicht bekannt, jedenfalls ist seine "Interpretation" absolut unerträglich. Man merkt an den sprachlichen und erstaunlicherweise auch technischen Schwierigkeiten, dass Herr Villazon sich mit dieser Partie nicht (oder zumindeste nicht erfolgreich) auseinandergesetzt hat. Die Kritik gilt dabei weniger ihm, als den verantwortlichen bei EMI.
Glücklicherweise gibt es gegen diese Fehlbesetzung ein Mittel: Einfach vorspulen. Bei dem anderen Marketing-Gag dieser Aufnahme versagt dieses Mittel. Die Rede ist von den Tristan-Versuchen des Herrn Domingo. Natürlich ist diese Rolle einfach nicht zu besetzen. Selbst die ganz großen von Melchior bis Windgassen konnte die Partie nie so absolut zufriedenstellend ausfüllen wie ihre weiblichen Gegenüber. Trotzdem gibt es auch im Moment genügend Tristan-Interpreten, die diese Rolle besser singen können als Herr Domingo. Bei allem Respekt vor dessen Lebenswerk: Sein Tristan ist eine einzige Peinlichkeit. Offensichtlich hat er sich nicht ausreichend mit der Rolle auseinandergesetzt. Wagners Musik entwickelt sich organisch aus dem Text, den Domingo weder beherrscht noch versteht - somit kann von einem Rollenbild bzw. einer Interpretation auch gar keine Rede sein. Peinliche Fehler wie "Seligstes Frau" (sic!) gehen dabei noch eher auf das Konto des Produzenten (Eine Frechheit, solche Klöpse drinzulassen bei einer Studio-Produktion!). Was aber unverzeihlich ist, ist die durchgehende Fehlbehandlung der Vokale. Nicht nur, dass es im deutschen wesentlich mehr Vokale bzw. Vokalfarben gibt, als z.B. im Spanischen, sie bestimmen auch ganz wesentlich die Wortbedeutung. Die Aussage des Textes steht und fällt daher mit der richtigen Vokalfärbung. Es wäre unfair, Domingo mit seinem Kurwenal vergleichen zu wollen, aber so unidiomatisch darf man den Tristan einfach nicht singen. So bleibt inhaltlich nichts übrig, der Rest ist Schöngesang mit reichlich Manierismen aus der italienischen Oper (Glissandi!), die bei Wagner nichts zu suchen haben.
Fazit: Wer Nina Stemme hören will, der greife zum Bayreuther Rundfunkmitschnitt. Alle anderen sollten sich überlegen, ob sie für einen Tristan ohne Tristan (dafür mit teilweise exzellent besetzten Nebenrollen) wirklich soviel Geld ausgeben wollen...
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Tristan Und Isolde
Tristan Und Isolde von Placido Domingo (Audio CD - 2005)
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