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am 26. März 2007
Ingmar Bergmans "Wilde Erdbeeren" - im schwedischen Originaltitel "Smultronstället", 1957 - zählt für mich zu den unbestrittenen Meisterwerken der Kinematografie. Darüber hinaus stellt dieser Film einen wertvollen Beitrag zum filmkünstlerisch zum Ausdruck gebrachten Existenzialismus dar.

Zum Inhalt: Der Arzt und Forscher Isak Borg (grandios: Victor Sjöström), seines Zeichens verwitwet und 78 Jahre alt, lebt zurückgezogen mitsamt seiner mürrisch-liebevollen Haushälterin Agda in Stockholm. Anlässlich seines 50jährigen Doktorjubiläums wurde Borg zuvor nach Lund eingeladen, um von seiner Alma Mater geehrt zu werden. Am Vorabend dieses denkwürdigen Ehrentages hat Borg einen erschreckenden Traum - er begegnet darin dem Tod, im Folgenden das Leitmotiv des Films.

In Begleitung seiner Schwiegertochter Marianne (Ingrid Thulin), zu welcher der Professor ein bestenfalls platonisches Verhältnis pflegt, bricht er am kommenden Morgen mit dem Auto nach Lund auf. Auf halber Strecke machen sie an einem verlassenen Sommerhaus, in dem Borg seine unbeschwerte Kindheit verbrachte, Rast. Er findet dort den Platz der wilden Erdbeeren wieder und entrückte Bilder der Vergangenheit holen ihn ein. Er sieht seinen schwerhörigen Onkel Aaron vor sich, dessen Geburtstag gerade gefeiert wird, umgeben von Borgs Geschwistern, er selbst aber steht als gealterter Unbeteiligter voller Wehmut außerhalb des Geschehens.
Bei der Weiterfahrt nach Lund nehmen Borg und Marianne dann drei Studenten mit: Sara (Bibi Andersson), Victor und Anders, die bis nach Italien trampen wollen. Kurze Zeit später entgehen sie nur knapp einem Zusammenstoß mit einem anderen Wagen, der im Straßengraben landet. Den beiden unverletzt gebliebenen Insassen, dem Ingenieur Alman und seiner Frau, bietet Borg die Mitfahrt an. Unterwegs geraten die beiden jedoch so heftig in Streit miteinander, dass Marianne sie des Fahrzeugs verweisen muss.
Zur Mittagszeit rastet man erneut: Victor und Anders, ganz in ihrem leidenschaftlichen Element, diskutieren enthusiastisch über Religion und Wissenschaft; Borg und Marianne wiederum besuchen die in der Nähe lebende Mutter des Professors, die Begegnung fällt, vor allem für Marianne, distanziert und befremdlich aus.
Auf der Weiterfahrt - Marianne fährt - schläft Borg ein und wird abermals von bedrückenden Traumvisionen heimgesucht. Zunächst begegnet er seiner Cousine Sara, die er in seiner Jugend liebte, aber letztlich an seinen Bruder Sigfrid verloren geben musste. In einer veränderten Traumsituation muss er sein praktisches Hochschulexamen wiederholen, bei dem er überraschenderweise kläglich versagt. Der Prüfer ist Alman: er tritt als Ankläger im Namen der verstorbenen Frau des Professors auf und begleitet diesen zu einer Szenerie, in der sich Borgs Frau einem fremden Mann hingibt. Borg erwacht und erzählt Marianne von seinen Traumbildern. Diese wiederum erkennt darin überrascht, wie sehr der junge Isak Borg in seiner Gefühlskälte ihrem Mann Ewald, ebenfalls Mediziner, ähnelt.
In Lund angekommen, empfängt Ewald Borg den Vater und Marianne in seinem Haus. Ermüdet vom Ritual des vorangegangenen Festaktes, den der Professor wie abwesend über sich hat ergehen lassen, sinkt er am Abend ins Bett. Sara, Anders und Victor verabschieden sich liebevoll mit einem Lied von ihm; Marianne und Ewald scheinen ihre vormals angedeuteten Differenzen überwunden zu haben und kommen einander wieder näher. Noch einmal ruft Borg Erinnerungen aus seiner Kindheit wach, er träumt sich zurück zum sommerlichen Erdbeerplatz und sieht seine Eltern, die ihm vom gegenüberliegenden Seeufer aus zuwinken.

"Wilde Erdbeeren" berichtet über die Ereignisse eines bedeutungsvollen Tages im Leben eines alten "Einsiedlerkrebses". Jahrzehntelang hat der geachtete Professor das Bewusstsein, im Leben versagt zu haben, verdrängt und gleichzeitig unter diesem Selbstbetrug gelitten. Darüber ist er im Alter einsam geworden - ein Mensch, der vom Leben nichts begehrt als Ruhe und die Möglichkeit, sich den Dingen zu widmen, die sein Interesse erweckt haben. Seine Abschirmung von der Außenwelt ist somit selbst gewählt. Der zu Beginn erwähnte Todestraum bewegt ihn dazu, das Auto - und nicht wie ursprünglich geplant den Zug - zu benutzen: er will die Stätten der Vergangenheit wiederentdecken, sich auf die Suche begeben nach der versäumten Zeit, der verlorenen Liebe, dem vernachlässigten Leben. Die Fahrt nach Lund entwickelt sich für ihn zu einer Wiederbegegnungsreise mit der Welt, mit den Menschen - und letzten Endes mit sich selbst. Die äußeren und inneren Ereignisse der Reise wühlen den Bodensatz der Erinnerungen noch einmal auf: Realität und Geträumtes vermischen sich miteinander, Vergangenes wird erstmals selbstkritisch reflektiert.

Eine Schlüsselszene des Films ist das "Examen" durch Alman. Dieser bescheinigt dem Professor ärztliche Inkompetenz und klagt ihn der Gefühlskälte und Selbstsucht an, die für den Ehebruch von Borgs Frau die bestimmenden Hintergründe waren. Borg erkennt daraufhin nicht nur seine eigene Schuld, sondern begreift auch, dass er dafür mit Einsamkeit gestraft wurde. "Gibt es denn keine Gnade?" entfährt es ihm angesichts seines zwischenmenschlichen Versagens. Konfrontiert mit enttäuschenden Erlebnissen, mit unbeabsichtigten, aber gerade deswegen umso schwerwiegenderen Fehlern, versteht Borg nun, welches Maß an Schuld er selbst zu verantworten hat. Aus dieser innerlichen Katharsis durch Selbsterkenntnis geht er als neuer, geläuterter Mensch hervor.
Die Personen, denen Borg während seiner Fahrt begegnet, stehen vielfach im Widerstreit mit ihren eigenen Nöten. Während die Probleme der drei Studenten noch vergleichsweise "theoretischer" Natur sind, geht es bei Marianne und Ewald sowie beim Ehepaar Alman um die grundsätzliche Frage nach Sinn und Zweck menschlichen Zusammenlebens. In der Darstellung dieser konfliktbehafteten Beziehungen wird Bergmans Beeinflussung durch die Existenzphilosophie am deutlichsten erkennbar.

Der Film wendet sich in erster Linie an ein empfängliches, verständnisbereites Publikum. Es handelt sich nicht unbedingt um "leichte Kost", die der reinen Unterhaltung dienen soll. Vielmehr wird versucht, psychologisch vertiefend und unter Einbeziehung der religiösen Dimension, die komplexe Problematik menschlichen Miteinanders und die Schwierigkeit der Lebensbewältigung darzustellen - ohne dass sich Bergman dabei zum Richter aufschwingen würde. Ihm geht es primär darum, ein persönliches Bekenntnis zur Notwendigkeit gegenseitigen Verstehens und des Mit- anstatt des Nebeneinanderlebens abzulegen. Unaufdringlich, aber überzeugend für diejenigen, die sich seinen Intentionen öffnen.
Der ungemeine Gedankenreichtum, der sich in den vielseitig angelegten Charakteren widerspiegelt, und die Präzision und Schönheit der optischen Gestaltung machen diesen Film zu einem zeitlosen Meisterwerk ganz besonderer Machart. Ich habe diesen eindrucksvollen Film jetzt schon mehrere Male gesehen und bin nach wie vor von seiner Strahlkraft angetan - auch wenn es sich hierbei nach gängiger Vorstellung um einen "spannungslosen Film" handeln sollte.
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Die sehr schön gestaltete "Ingmar Bergman Edition" von Arthaus enthält auf DVD 2 (Bonusmaterial) die folgenden Features:

- Aufnahmen von den Dreharbeiten,
- ein Interview mit Bibi Andersson (Sara),
- eine Bergman-Biografie,
- ein Filmessay zu "Wilde Erdbeeren".

Einzig die Stimme des Kommentators - sehr "norddeutsch" und schroff - hätte besser gewählt werden können.

Darüber hinaus enthält die Special Edition ein informatives, kleines Booklet mit Produktionsnotizen sowie eine Biografie über Victor Sjöström (Hauptdarsteller Borg und selbst ein berühmter Filmregisseur) und Bibi Andersson.

"Wilde Erdbeeren": Ein feinfühlig inszeniertes JUWEL der Filmgeschichte, das in jede Klassikersammlung gehört. Absolute Kaufempfehlung meinerseits.
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VINE-PRODUKTTESTERam 13. Juni 2010
Der Film beschreibt in eindrucksvollen Schwarz-Weiss Bildern einen Tag im Leben des emeritierten Medizinprofessors Isak Borg, der an seine alte Uni in Lund faehrt, um eine Auszeichnung fuer sein Lebenswerk zu erhalten. Dabei gehen Traum und Realitaet fliessend ineinander ueber, sind voller symbolischer Bedeutung, und man fuehlt sich manchmal wie in einem Bunuel Film, in dem realistische und surrealistisch-expressionistische Stilmittel ineinander uebergehen und ein Gesamtkunstwerk ergeben.

Der Film gibt tiefen Einblick in das Bewusstsein des alten Mannes, das von Todesnaehe, Resignation und Wehmut gepraegt ist. Der Professor spricht wenig, und wenn, dann stockend, verhalten und kurz, nur selten aergerlich und aggressiv, was wuerde es auch jetzt noch nutzen.

Alter und Jugend, Gemeinschaft und Einsamkeit, Hoffnung und Resignation, das sind die Polaritaeten des Lebens und auch dieses Meisterwerks, und es ist schwer sie miteinander zu verbinden und zu versoehnen.

Am Ende muss der Professor einsehen, dass er vor dem Leben versagt hat, weil er sich von den Menschen entfernte und nur seiner wissenschaftlichen Arbeit froente. Die Strafe dafuer ist die Einsamkeit. Reumutig und wie benommen nimmt er das Urteil an und der Zuschauer fuehlt mit ihm.

Victor Sjoestroem, damals mit 75 selbst am Ende des Lebens stehend, in Habitus und Aussehen eine geradezu kongeniale Besetzung der Rolle, besticht durch seine sparsamen Spielweise, Mimik und Gestik und gibt eine hervorragende Darstellung des Alters an sich. Der Film beschreibt auch nicht nur ein Einzelschschicksal, sondern er handelt gleichnishaft von der conditio humana, und das macht ihn so gross und anruehrend.
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Medizinprofessor Isak Borg (Victor Sjöström), der sich nach dem Tod seiner Frau nahezu völlig von den Menschen zurückzog, soll anlässlich des 50. Jahrestages seiner Promotion ausgezeichnet werden. Der 78-jährige hatte in der Nacht einen Albtraum, in dem er sich selbst in einem Sarg sah. Er beschließt spontan, mit dem Auto von Stockholm zum Veranstaltungsort nach Lund zu fahren, wobei ihn seine vorübergehend bei ihm wohnende Schwiegertochter Marianne (Ingrid Thulin) begleitet. Die Reise wird zu einer Konfrontation mit seiner Vergangenheit und damit zu einer schmerzhaften Konfrontation mit Situationen des eigenen Versagens. Die Reise in die Innenwelt des am Ende seines Lebens stehenden Protagonisten verdichtet sich zunehmend zur Erkenntnis über ein ungelebtes Leben.

Ingmar Bergman (1918-2007) konnte für sein Motive Strindbergs variierendes Filmdrama den berühmten schwedischen Filmstar Victor Sjöström gewinnen, der in dem im Sommer 1957 inszenierten Film seinen letzten Auftritt hatte. Der drei surrealistisch geprägten Traumszenen machen Bergmans Drama über die bittere Erkenntnis des Professors, sein Leben mangels Emotionen nicht wirklich gelebt zu haben, auch nach beinahe 60 Jahren noch zu einem unvergesslichen Filmerlebnis.

Die Blu-ray von STUDIOCANAL präsentiert den Klassiker in hervorragender Bildqualität im Originalformat 4:3 mit der deutschen Originalsynchronisiation von 1961. In den Extras, die von der 2006 erschienenen DVD übernommen wurden, ist besonders das Filmessay (45 min) von Winfried Günther sehenswert, das eine hervorragende Analyse der Traumsequenzen liefert. Teils farbige Aufnahmen von den Dreharbeiten (10 min), ein Interview mit Bibi Andersson (2006, 18 min, englisch, optionale deutsche Untertitel) sowie der deutsche Kinotrailer ergänzen das Material. Ein Wendecover ohne FSK-Logo ist vorhanden.

Eine sehr empfehlenswerte Veröffentlichung für an Klassikern orientierte Sammlungen! Alternativ ist die Blu-ray auch in der 2013 erschienen "Ingmar Bergman Edition" erhältlich.
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am 5. September 2006
Ein mürrischer, einsamer, alter Professor, der sein Leben selbstverliebt und hart gegen andere verbrachte, wird in einer Traumvision mit seinem eigenen Tod, der sich in gänzlicher Verlorenheit vollziehen wird, konfrontiert. Auf einer am darauffolgenden Tag stattfindenden Autofahrt erkennt er
in den mitfahrenden Personen wie auch in den Menschen am Wegesrand sich selbst. Da er mit dieser Erkenntnis, die sich ganz und gar schonungslos vollzieht, die Dimensionen seiner umfassenden charakterlichen Mängel, mit denen er andere Menschen ins Unglück stürzte, begreift, gewährt ihm das Schicksal noch einmal die Gnade, den Weg der unvoreingenommenen Zugewandtheit und Liebe zu gehen. Erschüttert über seine menschliche Unzulänglichkeit, nimmt er dieses Geschenk zum Erstaunen seiner näheren Umwelt dankbar an und erlöst sich damit selbst.

Ein großer Film mit großartigen Darstellern, der zeigt, daß wir Menschen charakterlich nicht einfürallemal festgelegt sind, sondern die Möglichkeit zu persönlich-spirituellem Fortschritt immer in uns tragan, ja, daß gerade darin unsere Freiheit liegt.
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TOP 1000 REZENSENTam 13. April 2014
In Ingmar Bergmans 1957 entstandenen Klassiker "Wilde Erdbeeren geht es um Erinnerungen, wobei die Handlung des Films aber auf einen einzigen Tag komprimiert ist. Der 76jährige Professor Isak Borg (Victor Sjöström) feiert an diesem Tag sein goldenes Doktorjubiläum. Am 50. Jahrestag seiner Promotion soll er von seiner Universität in Lund geehrt werden. So unternimmt er eine Autofahrt vom heimischen Stockholm nach Lund. Der Tag beginnt aber mit einem Grübeln, denn der alte Mann hat im Traum seinen eigenen Tod erlebt und sich als Leiche gesehen. Er sieht sich auf einer menschenleeren, ausgestorbenen Gasse. Die Uhr, die vor einem der Häuser hängt, hat keine Zeiger mehr. Er erblickt einen weiteren Mann, der ihm den Rücken zugedreht hat. Als er diesen anstupst, fällt diese Gestalt zu Boden und zerspringt wie ein Gefäß, aus dem gebrochenen Kopf kommt Blut. Er hört ein Herzpochen und dann kommt eine Kutsche mit Pferden immer näher. Es ist ein Leichenwagen, der eine Laterne streift, weil sie wohl keinen Kutscher hat. Der Wagen birst, das Rad löst sich und rollt auf den staunenden und entsetzen Professor zu, der Sarg rutscht heraus und landet vor den Füßen des Träumenden. Er öffent sich und die Hand der Leiche bewegt sich. Als der Professor über den Sarg beugt, erkennt er sich selbst.
Dieser Traum macht Angst und so wird der Tag auch ein Tag voller Erinnerungen. Seine Haushälterin Agda (Julian Kindahl) richtet ihm das Frühstück und macht die Koffer reisefertig. Professor Borg entschließt sich für die Reise mit dem Auto, begleitet wird er von seiner Schwiegertochter Marianne (Ingrid Thulin), die sich erst kürzlich von ihrem Mann Evald (Gunnar Björnstrand) getrennt hat, weil dieser immer mehr verhärterter und todessüchtiger wird. Auf dem Weg dorthin fährt er bei seiner 96jahre alten Mutter (Naima Wilfstrand) vorbei. Sie nehmen auf der Fahrt auch drei Anhalter mit. Die junge Sara (Bibi Andersson), die seiner Jugendliebe Sara gleicht, reist mit den beiden jungen Männern Anders (Folke Sundquist) und Viktor (Björn Bjelvenstam) mit. Die beiden Männer streiten ständig über die Existenz Gottes und Isak selbst hat an diesem Tag weitere Träume und immer wieder kommen Erinnerungen in ihm hoch. Vor allem an seine Jugendliebe Sara, die sich für seinen Bruder entschied - aber auch an seine Frau Karin (Gertrud Fridth), die ihn betrog, aber ihm auch vorwarf ein grenzenloser Egoist zu sein....
Bergmans Film zeigt einen Mann an der letzten Schwelle seines Lebens. Die guten Taten und die bösen Werke geben sich die Hane und spüren ihn auf in Gestalt von düsteren Träumen. Er wird dabei nicht umhin kommen eine Bilanz seines Lebens zu ziehen. So wird es nicht nur zu einer Reise zu einer Feier, sondern eine Reise gnadenloser Abrechnungen und schmerzhaften Erinnerungen. Sie stehen im scharfen Kontrast zu der Promotionsfeier am Ende. Die Idylle besitzt einen Schrecken, grandios auch die Gegenüberstellung des alten Isak Borg mit einem kleinen Kind, so wird die Reise auch eine elementare Erinnerung bis zur Geburt.
Jeder Dialog sitzt perfekt und die Schauspielerleistungen, allen voran Victor Sjörström, Ingrid Thulin und Bibi Andersson sind hervorragend und machen "Wilde Erdbeeren" zu einem herausragenden Filmwerk. Einerseits hat der Film auch eine gewisse Leichtigkeit, aber Hauptmerkmal ist die ständige Melancholie - eine Folge aus den Kontrasten des Lebens, einerseits die Unkompliziertheit der Jugend, andererseits die Traurigkeit im Alter.
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In meiner persönlichen ewigen Bestenliste der größten Filme aller Zeiten, würde Ingmar Bergmans WILDE ERDBEEREN jedenfalls sehr weit oben zu finden sein. Ich glaube sogar ganz oben...
Mit (wie so oft in Bergmans Fall) brilliant besetzten Rollen hat der Filmkönig ein besonderes Meisterwerk geschaffen, das bis heute nichts an seiner Kraft und Ästhetik verloren hat.
Sogar ein gewisser Herr Spielberg konnte sich seine Bewunderung nicht verkneifen und ließ sich zu folgendem Satz, den ich hier zitieren möchte, hinreißen: "Ich habe ihn [Bergman] immer bewundert und wünschte, ich wäre ebenso ein guter Filmemacher wie er." Selbst, wenn man kein eingefleischter Steven-Spielberg-Fan ist, muss man diesen Worten eine gewisse Gewichtung beimessen, würde ich meinen...

Bergman wusste - wenn man diversen Quellen glauben darf - genau, wen er für die Hauptrolle dieses Streifens haben wollte. Der zu dieser Zeit bereits betagte Victor Sjöström, der schon 36 Jahre zuvor im Stummfilmklassiker DER FUHRMANN DES TODES (das ich Filminteressierten übrigens ebenfalls wärmstens ans Herz legen möchte) die Hauptrolle bekleidet hatte, und den Bergman überaus schätzte, durfte hier einen glanzvollen Auftritt hinlegen. Obwohl der alte Herr angeblich nicht immer leicht bei Laune zu halten war, drückt er dem Film zweifelsohne seinen Stempel auf...
Daneben sind u.a. die "üblichen Verdächtigen" zu finden, die des öfteren in Bergman-Filmen zu sehen sind, wie etwa Bibi Andersson, Ingrid Thulin oder auch Max von Sydow.

Kurz zum Plot (Achtung: Spoilergefahr!):
WILDE ERDEBEEREN beginnt - nach kurzer Einführung und Vorspann - mit der stärksten Anfangssequenz aller Zeiten. Der angesehene 78jähriger Professor Isak Borg (V. Sjöström) hat einen Albtraum: Er findet sich inmitten einer verlassenen Stadt wieder, blickt auf das zeigerlose Ziffernblatt einer Uhr vor einem Geschäft und stellt beim Versuch die Zeit herauszubekommen beklommen fest, dass die Uhr, die er bei sich trägt, auch keine Zeiger hat. Schließlich erblickt er eine steif dastehende, dunkle Gestalt, der er sich nähert und auf die Schulter klopft (vermutlich möchte er auch sie nach der Zeit fragen). Diese erweist sich jedoch als gesichtslos und bricht bei der ersten Berührung regungslos in sich zusammen - sehr zum Erschrecken des Professors. Nun biegt ein von Pferden gezogener Leichenwagen um die Ecke, der sich mit der Hinterradachse in einem Laternenpfahl verheddert. Unter unangenehmen Getöse versuchen die Pferde das Hindernis zu überwinden. Das Ganze gipfelt darin, dass der Wagen letztlich auseinanderfällt, wodurch der darauf befindliche Sarg von der Ladefläche rutscht, sich öffnet, und dem geschockten Professor sein Ebenbild zeigt... Die bedrückende Atmosphäre wird durch beklemmende Stille (nur Schritte zwischendruch und eine dezente Geräuschuntermalung, abgesehen von der Laternenverfangszene, sind zu hören) und Bergmans typisches, oft verwendetes Schwarzweiß zusätzlich verdichtet, was jede einzeln oben beschriebene Einstellung für sich schon einzigartig macht. Hut ab!
Doch jetzt beginnt der Film eigentlich erst. Borg soll zum 50. Jahrestag seiner Promotion an der südschwedischen Universität Lund geehrt werden. Also begibt er sich mit seiner Schwiegertochter Marianne (Bibi Andersson) dorthin. Die Reise im Auto wird schließlich zur Metapher für Borgs bisheriges Leben, ein Trip in die Vergangenheit sozusagen... Marianne erzählt ihrem Schwiegervater von ihrer schwierigen Ehe (mit dessen Sohn) und er muss erkennen, wie viel sein eigener Egoismus und seine Herzenskälte damit zu tun haben. Man trifft unterwegs auf junge Menschen, die man auflest und mitnimmt sowie - aufgrund eines kleinen Unfalls - ein länger verheiratetes Pärchen, das sich ständig zankt, wobei Gedanken auch hier ganz offen ausgesprochen werden. Der ernüchterte Borg zieht sich in Tagträume und Erinnerungen zurück, die man mittels Rückblenden als Zuseher veranschaulicht bekommt. Kindheits- und Jugenderinnerungen (wo dann übrigens die wilden Erdbeeren auch vorkommen) erscheinen atmosphärisch (teils) aufgelockert und vermitteln schon alleine ihrer filmischen Inszenierung wegen einen angenehm-erleichternden Kontrast zum ansonsten eher nüchtern dargebrachten Bildmaterial. D.h. WILDE ERDBEEREN ist nüchtern und schwer, aber zugleich auch leichtbekömmlich und stellenweise sogar mitunter heiter (wofür u.a. auch schon zu Beginn Borgs Haushälterin sorgt, aber z.B. auch witzige Dialoge mit den jungen Leuten, die man per Anhalter mitnimmt). Eine bravouröse Mischung ist Ingmar Bergman da gelungen - alle Achtung auch hier!
In einer späterenTraumsequenz, in der sich Borg für sein Leben rechtfertigen muss (quasi als Prüfling), findet der Film zu einem weiteren, unvergesslichen Höhepunkt, der filmgeschichtlich ebenso beeindruckend ist, als auch wegen seiner bloßen (wiederum bedrückend-beklemmenden) Atmosphäre, die auch heute noch unverfälscht beim gebannten Zuschauer ankommt.
Letztendlich ist der starrsinnige, dem Zuseher aber nie unsympathische, Professor ein geläuterter Mann.
Am Schluss findet die feierliche Auszeichnung des Professors statt und der Streifen endet mit der positiven Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, sich begangene Fehler einzugestehen und mit sich selbst ins Reine zu kommen. In einem finalen Traum bzw. Vorstellung beobachtet Borg seine Eltern, die entspannt an einem Flussufer sitzen (wobei der Vater angelt) und ihm zuwinken. Der gelöste, zufriedene Gesichtsausdruck des Professors, der daraufhin groß eingeblendet wird, spricht Bände. Hier endet der Film.

Tatsächlich halte ich Bergmans WILDE ERDBEEREN für den größten Film aller Zeiten. Und ja: Natürlich gibt es viele sehr gute Filme, denen man ein solches Prädikat zugestehen könnte. Mit diesem Meisterwerk, so glaube ich, aber ist dem schwedischen Filmemacher ein gänzlich begeisterndes, vielschichtiges und gutbekömmlich-philosophisches Ausrufezeichen gelungen, das auch in ferner Zukunft noch ein Begriff sein dürfte.
Filmfreunde sämtlicher Genres, aber auch Leute, die sich generell gerne gewichtige Streifen zu Gemüte führen, sollten hier unbedingt zugreifen!

Dass im selben Jahr (1957 nämlich) ausgerechnet auch DAS SIEBENTE SIEGEL veröffentlicht wurde (das ebenfalls von Bergman stammt) ist ein Zufall, wie ihn sich Filmgourmets wohl nur erträumen können. Auch den möchte ich Ihnen herzlichst empfehlen - aber das ist ja wiederum eine andere Geschichte...

Fazit: Völlig zurecht nimmt WILDE ERDBEEREN bis heute ungebrochen einen ganz hohen Stellenwert in der Geschichte des Films ein. Der vielleicht größte Regisseur aller Zeiten erzählt auf filmischem Höchstniveau in bildlichen Metaphern die zeitlose und brilliant besetzte Geschichte vom Alt- und Einsichtigwerden. Dabei erschafft Ingmar Bergman einen atmosphärisch bis dato unerreichten Spannungsbogen, der Beklemmtheit, Angst, Missgunst und Sterben ebenso gekonnt widerspiegelt, als auch die unbekümmerte Einfachheit reiner (kindlicher) Lebensfreude. Insgesamt wirkt die Inszenierung dabei nie unerträglich depressiv, andererseits aber auch nicht unschön kitschig - weshalb man hier mit größtem Respekt von einer meisterhaft gelungenen Gratwanderung diesbezüglich sprechen kann. BRAVO!

5 Sterne sind in Wahrheit zu wenig. Dieser Film muss ganz einfach sein! Punkt.

P.S. Technische Randnotiz: Bild- und Tonqualität sind für meine Begriffe absolut in Ordnung und gewährleisten einen entspannten, beeindruckenden Filmgenuss allerhöchster Güte.

TOP!!
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Die SZ-Edition von Ingmar Bergmans Wilden Erdbeeren hat Schwedisch und Deutsch - und Untertitel für Leute wie mich, die Schwedisch eigentlich gar nicht verstehen. Sonstige Extras außer einem taschenbuchähnlichen Cover: keine.
Zum Inhalt ist hier schon anderweitig sehr ausführlich nacherzählt worden. Die Kurzfassung wäre, dass ein selbstgerechter, kalter Mann, Isak Borg, im Alter doch noch einmal umdenkt und sich dem Leben, dem Mitgefühl, sogar dem nahenden Tod öffnet. Die Handlung findet mit Rückblenden während einer Autofahrt Borgs statt.
Ich fand es einen Film zum schmerzlichen Nachdenken.
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am 8. Juni 2004
Ingmar Bergman ist ja für viele hervorragende und wegweisende Filme wie " Das Schweigen ", "Persona" oder "Szenen einer Ehe" bekannt.
Aber " Wilde Erdbeeren" ist unumstritten sein bester.
Die Geschichte ist so simpel wie genial: Ein alter hochangesehner Akademiker muss von seiner Heimat fort um eine Auszeichnung in einem anderen Land zu erhalten.
Auf dem Weg dorthin den er mit seiner Tochter bestreitet bekommt er Visionen und Träume von seinem vergangenen Leben und erkennt, dass nicht Liebe und Menschlichkeit, sondern Gefühlskälte und Egoismus sein Leben dominierten.
Virtuos und brilliant verknüpft Bergman hier Visionen und Träume mit der eigentlichen Handlung.
Der Film war seiner Zeit weit vorraus und erhielt mehrere Duzend Kritikerpreise sowie einen Golden Globe.
Die amerikanische Filmgesellschaft bezeichnete den Film sogar als "Besten der letzten 10 Jahre"!
Dem Film merkt man sein Alter nicht an und stellt auch heute noch ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und bewussteres Leben dar.
Für Filminteressierte Pflicht.
Wer sich diesen Film angeschafft hat sollte sich auch noch nach anderen Bergmanfilmen umsehen, denn "Wilde Erdbeeren" ist zwar sein bester aber andere Filme von ihm sind fast ebenbürtig und letztenendes ist es eine Geschmackssache welchen man am besten findet.
Auch 22 Jahre nach seinem letzten Film ("Fanny und Alexander") führt heute kein Weg eines Filminteressierten an Ingmar Bergman vorbei, den man sicherlich neben Fellini als wichtigsten europäischen Regisseur aller Zeiten sehen muss.
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am 1. August 2007
Der Kubismus hat viele Gesichter. Auch im Film. Und auch bei Bergman. Der analytische Blick auf einen Menschen und in einen Menschen und seine Welt, in seine Gefühle, seine Beziehungen und in die Notwendigkeit seines Tuns ist bei Bergman immer zentral. Bergman nähert sich seinen Figuren oft mit kubistischem Blick und zeigt sie Schicht für Schicht.

Der Arzt Isak Borg begegnet auf seiner Reise zurück zu verschiedenen Stationen seines Werdens nicht alleine sich selbst in seinen Träumen und in den Begegnungen mit anderen Menschen. Sondern er kommt auch ganz nah heran an das, was er selbst bewirkt hat, und zwar im Guten wie im Bösen. Denn durch die unterschiedlichen Menschen, welche ihn ein Stück auf dieser Auto-Reise zurück nach Lund, wo der alte Arzt und Forscher zu seinem 50jährigen Doktorjubiläum geehrt werden soll, begleiten, werden viele Gesichter und viele Schatten Borgs ausgeleuchtet. Die Antworten auf das, was aus Isak Borg werden mußte, erkennt der alte Arzt am Ende seines Weges durch das, was er in sich selbst durch seine Erinnerungen wiederfindet - aber auch Fragen und Zweifel. Bergman umkreist seine Figur Isak Borg mit ganz sensiblen, aber auch schonungslosen Bildern. Der Film ist still und behutsam.

Ingmar Bergman ist vor zwei Tagen gestorben, durch Meisterwerke wie u.a. "Wilde Erdbeeren" aber hat er sich unsterblich gemacht.
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am 24. Juni 2002
Leider habe ich Ingmar Bergmans Meisterwerk schon lange nicht mehr gesehen und werde daher in meiner Kritik nicht in der Ausführlichkeit auf den Film eingehen können, die er eigentlich verdient hätte, da ich mich in erster Linie auf mein Gedächtnis stützen muß.
"Wilde Erdbeeren" handelt von dem 78jährigen Professor Isak Borg (Victor Sjöström), der am 50. Jahrestag seiner Promotion von der Universität Lund geehrt werden soll. Seine Schwiegertochter (Ingrid Thulin) fährt ihn von Stockholm nach Lund; die Autofahrt entwickelt sich zu einer Reise in Borgs Vergangenheit. Dabei verbindet Bergman virtuos Realität, Erinnerungen und Träume miteinander; besonders interessant ist Bergmans filmische Darstellung der Erinnerungen: so sieht man den alten Mann, der Szenen aus seiner Kindheit betrachtet. Das von Bergman mit diesem Film urbar gemachte Gebiet filmischer Ausdrucksmöglichkeiten ist seither auch von anderen Regisseuren betreten worden, am Ende von Taylor Hackfords "Dolores" gibt es auch eine solche Erinnerungsszene; ein besonders wichtiges Beispiel dürfte aber Woody Allens "Der Stadtneurotiker" sein, der mehrere Szenen enthält, in denen der Protagonist Alvy Singer Begebenheiten aus seinem Leben zusieht oder sie sogar anderen Personen zeigt - was auch nicht verwundert, da Allen zu den größten Bewunderern Bergmans gehört und ihn häufig als seinen Lieblingsregisseur bezeichnet hat.
Nach dieser Abschweifung zurück zu "Wilde Erdbeeren": Ungemein kraftvoll und eindrucksvoll sind auch die Traumsequenzen des Films, ganz besonders die erste, die gleich auf den Vorspann folgt: Man sieht Borg durch verlassene Straßen gehen, weiterhin eine Uhr ohne Zeiger (die später im Film auch in der Realität noch einmal auftaucht, als Borg seine Mutter besucht) und einen Menschen ohne Augen, dessen Kopf bei einer Berührung herunterfällt; schließlich taucht ein Leichenwagen auf, der gegen einen Pfahl stößt, wobei der Sarg auf die Straße fällt und sich öffnet - in seinem Inneren liegt Borg (hoffentlich habe ich bei der Beschreibung keinen Fehler gemacht, wie gesagt ist es schon recht lange her, daß ich den Film gesehen habe). Dieser surrealistische Alptraum gehört zu den großartigsten Filmszenen, die ich je gesehen habe. Auch ein anderer Traum, in dem der Professor unter anderem Prüfungssituationen unterworfen wird, in denen er versagt, ist beklemmend in Szene gesetzt.
Die Bilanz seines Lebens, die Borg zu ziehen gezwungen ist, fällt bitter aus, sie wird beherrscht von vergebenen Chancen und einer gescheiterten Ehe. Trotzdem ist das Ende hoffnungsvoll: Nachdem er die Ehrungen in Lund eher erduldet als entgegengenommen hat, versucht er zumindest, die in höchstem Maße gefährdete Ehe seines Sohnes zu retten.
Der Hauptdarsteller Victor Sjöström, einer der bedeutendsten schwedischen Regisseure der Stummfilmzeit (zu meinem Bedauern habe ich noch keinen seiner Filme gesehen), trägt mit seiner faszinierenden darstellerischen Leistung entscheidend zum Gelingen des gesamten Films bei, wobei er durchaus eigene Akzente setzt: Isak Borg ist durch seine Verkörperung der Rolle deutlich sympathischer, als es von Bergman ursprünglich beabsichtigt war.
Als Schlußbemerkung bleibt mir eigentlich nur die nochmalige Feststellung, daß "Wilde Erdbeeren" ein eindrucksvolles Meisterwerk ist, das ich sehr empfehlen kann.
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