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Blinde Wut
Format: DVDÄndern
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Oktober 2006
Fritz Lang schuf mit seinem ersten Hollywoodfilm ein beredes Zeugnis,was
passieren kann,wenn Vorverurteilungen und Gerüchte sich ausbreiten und ein
entfesselter Mob glaubt, richten und strafen zu dürfen. Dem Film gelingt es
hervorragend die Entwicklung, die zum Lynchen des von Spencer Tracy meisterhaft gespielten Joe führt, darzustellen. Ein zeitloser Film, dem selbst
das etwas kitschige Ende nichts von seiner Bedeutung nehmen kann.
Die DVD-Qualität selbst ist für einen Film dieses Alters sehr gut und auch
ein hochinteressantes Extra mit einem Kommentar von Fritz Lang trägt dazu
bei,dass man diese DVD ohne Einschränkung weiterempfehlen muss!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. März 2010
Fritz Lang`s erster Hollywood Film. Und was für einer! Wer den alten Fritz kennt, weiss, das von seinen Filmen nicht enttäuscht wird. Handwerklich perfekt und mit dem für ihn üblichen Spannungsbogen! Zusammen mit Spencer Tracy schon lange ein Klassiker!! DVD auch in Ordnung!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 28. April 2013
1936: Nach einem Jahr der finanziellbedingten Trennung macht sich Joe auf seine grosse Liebe Katherine zu ehelichen.
In der Zeit hat er dank einer Tankstelleneröffnung genug Geld verdient um sie zu heiraten und ihr ein Leben ohne Geldsorgen bieten zu können.
Auf dem Weg nach Strand/Illinois, wo sie als Lehrerin arbeitet, wird er allerdings von einem Deputy angehalten und ins Sheriffbüro verbracht.
Dank ein paar Erdnüssen in der Tasche wird er verdächtigt an einer Kindesentführung beteiligt gewesen zu sein.
Als dann auch noch ein Geldschein mit passender Seriennummer gefunden wird soll er vor Gericht gestellt werden.
Einer der Deputys kann den Mund nicht halten und was als Klatsch und Tratsch beginnt endet in einem aufgebrachten Mob der das Sheriffsbüro angreift.
Die unterlegenen Männer des Gesetzes werden niedergeschlagen und das Büro samt Zellentrakt angezündet.
Joe ist verzweifelt und dem Tode nah, aber dank einer Dynamitexplosion kann er schwer verletzt entkommen.
Nun ist die Zeit seiner Rache gekommen.
Mit Hilfe seiner beiden Brüder und dem eifrigen Anwaltes Adams lässt er 22 Wortführer des Mobs vor Gericht stellen um sie wegen Lynchjustiz zum Tode verurteilen zu lassen.....
Wird er seine Rache bekommen?

ein sehr intensiver und bedrückender film von fritz lang.
man wünscht sich geradezu die dummen und von vorurteilen zerfressenen dorfbewohner leiden zu sehen und das ist ebenso erschreckend wie die lynchjustiz selbst.
so schnell kann es vorbei sein mit einem rechtstaat....ok...ich bezweifele das es heutzutage soweit kommen kann, aber trotzdem eine erschreckende vorstellung und damals bestimmt keine ausnahme, wenn man an die lynchmorde in den südstaaten an afroamerikanern denkt.
die story jedenfalls wirkt nach, die dialoge sind klasse, die atmosphäre dicht und die darsteller (u.a. spencer tracy, sylvia sidney, walter abel und bruce cabot) agieren auf hohem niveau.
für mich persönlich einer der besten fritz lang filme.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
[Vorsicht, Spoiler!]

Auch die äußerste Verbitterung über die Charakterlosigkeit der Menschen, den Verlust des Vertrauens in alle langgehegten sozialen Werte und den Wunsch, Rache zu nehmen an denen, die dafür verantwortlich sind? Bei MGM besiegt die Liebe das alles schon, selbst wenn es einmal nicht um die unbeschwerte Welt des Musicals geht und der Regisseur, auch wenn er schon 1933 Deutschland verließ, seine eigenen Erfahrungen mit dem, was man damals „Volksgemeinschaft“ und „Volkszorn“ nannte, gemacht haben dürfte. Und indem die Liebe all dies besiegt, droht sie die politische Botschaft von Fritz Langs erstem amerikanischen Film, „Fury“ (1936), in einen Aufruf zu apolitischer Innerlichkeit zu verkehren – so etwa nach dem Motto: Wenn draußen auch die bürgerlichen Freiheiten bedroht werden, so wartet daheim wenigstens die züchtige Grundschullehrerin und läßt einen alle grauen Gedanken vergessen. Aber Lang war ein zu begabter Regisseur, um sich seinen Film durch ein von MGM aufgepfropftes Ende verderben zu lassen.

„Fury“ erzählt die Geschichte eines Durchschnittsamerikaners namens Joe Wilson (Spencer Tracy), der sich nach Kräften bemüht, ein anständiges und sittsames Leben zu führen, und dies auch von seinen Brüdern Charlie (Frank Albertson) und Tom (George Walcott) erwartet. Mit ihnen zusammen eröffnet er eine Autowerkstatt und schafft es so, die beiden aus den kriminellen Kreisen, in denen sie verkehrten, herauszulösen. Als Joe sich schließlich ins Auto setzt, um in den Süden zu seiner Verlobten Katherine (Sylvia Sidney) zu fahren und sie zu heiraten, wird er in der Nähe der Kleinstadt Strand für einen Kindesentführer gehalten und in Gewahrsam genommen. Durch eine unbedachte Bemerkung des Deputys Meyers (Walter Brennan) verbreitet sich in der Bevölkerung rasch das Gerücht, der Festgenommene sei bereits der Tat überführt, und unter Führung Kirby Dawsons (Bruce Cabot), eines Tagediebes und Kleinkriminellen, macht sich schließlich ein Lynchmob auf zum Gefängnis und setzt dieses, nachdem er den Sheriff (Edward Ellis) überwältigt hat, in Brand. Die von den Gerüchten alarmierte Katherine kann gerade noch mitansehen, wie ihr Verlobter scheinbar in den Flammen umkommt, bevor sie das Bewußtsein verliert. Joe hat es allerdings geschafft, dem Feuer zu entkommen, und ist – unbemerkt von allen – aus der Stadt verschwunden und zu seinen Brüdern zurückgekehrt, die er nun zu Handlangern seiner Rache macht. Da Joe für tot gehalten wird, liegt der Tatbestand eines Lynchmordes vor, und mit Hilfe des idealistischen Distriktstaatsanwaltes (Walter Abel) strengen Charlie und Tom nun einen Prozeß gegen die Rädelsführer des Lynchmobs an, um ihre Hinrichtung zu erwirken. Dabei benutzen sie Katherine, die laut den Anweisungen des durch die Geschehnisse in Verbitterung und blinde Rachsucht verfallenen Joes nicht einmal von seinem Überleben erfahren darf, als Zeugin dafür, daß er wirklich in dem brennenden Gefängnis war. Aufgrund kleiner Indizien erkennt Katherine indes schließlich, daß ihr Verlobter noch am Leben sein muß, sucht diesen in seiner Wohnung auf und stellt ihn zur Rede. Erst kurz vor Verlesung des Schuldspruches über die Rädelsführer erkennt Joe, daß sein Verlangen nach Rache ihn in soziale Isolation drängt und für ihn die Trennung von Katherine bedeuten würde, und er offenbart dem Gericht, daß er noch am Leben ist.

Unter den Filmen eines Studios wie MGM nimmt sich „Fury“ wohl wie ein Außenseiter aus, denn es handelt sich um einen hochgradig politischen Film, der sich des Themas der Lynchjustiz annimmt, sowie um ein psychologisches Drama, das die Entwicklung eines sich mit der amerikanischen Gesellschaft und ihren Werten identifizierenden Durchschnittsbürgers zu einem verbitterten Menschenfeind nachzeichnet. Langs Vorbehalte gegen die Todesstrafe wurden bereits in seinem Film „M“ (1931) deutlich, und auch in „Fury“ sollte eine solche Botschaft vertreten werden, wobei diese allerdings durch die Intervention des Studios abgeschwächt wurde. So lehnte man Langs Pläne, als Opfer des Lynchmobs entweder einen Schwarzen oder aber einen wirklich eines Verbrechens Schuldigen darzustellen, um eine noch größere Wirkung zu erzielen, kategorisch ab. Doch auch, was nach den Einflußnahmen des Studios noch übrig blieb, gibt eine beredte Anklage gegen die damals in den USA verbreitete Lynchjustiz ab. Schon die schräge Figur des Hilfssheriffs Meyers, die bei ihrem ersten Auftauchen, als sie Joe in seinem Auto anhält, die Waffe direkt auf den Zuschauer richtet, läßt erahnen, daß die Exekutivgewalt nicht immer sonderlich professionell vorgeht. Aufs finsterste symbolträchtig macht sich später der Hilfssheriff im Bildhintergrund auf die Jagd nach einer Fliege – sehr erfolgreich –, während sich vorn im Bild das Netz aus Indizien immer enger um den Helden des Filmes zieht. Mit faszinierender Genauigkeit beobachtet der Film dann, wie sich das Gerücht über Joes Schuld immer weiter ausbreitet, bis es schließlich in der tabak- und alkoholgeschwängerten Atmosphäre der örtlichen Kneipe den „Zorn der Menge“ erregt. Bezeichnenderweise sind sowohl der halbseidene Tagedieb Dawson als auch ein auf der Durchreise befindlicher Namenloser, der für die Kleinstadtbewohner auch namenlos bleibt, die treibenden Kräfte des Lynchmobs. Langsam schweift Joseph Ruttenbergs Kamera durch den bis zum Bersten gefüllten Schankraum und zeigt die erregt diskutierenden und schreienden Gesichter der Männer in ihrer nackten Hysterie. Später werden wir diese Gesichter erneut sehen, diesmal als vom Feuerschein überflackerte Fratzen. Interessant ist auch, wie Lang den Marsch des aufgebrachten Lynchmobs zum Eingang des Gefängnis in einem verwinkelten Dolly Shot nicht aus der Perspektive der dort wartenden Vertreter von Recht und Gesetz zeigt, sondern aus dem Blickwinkel der enthemmten Mordlustigen – so als wolle er sagen, daß jeder, auch der doch eigentlich über jeglichen Verdacht erhabene Zuschauer, unter gewissen Umständen in Gefahr laufen kann, sich von der Macht einer erhitzten Masse überrumpeln zu lassen. Dies ist sicher ein Gedanke, der uns besonders in dem Augenblick lastend auf der Seele liegt, in dem der Film im Film – ich rede von dem Beweismaterial im Gerichtssaal – zeigt, mit welch teuflischem Eifer sich scheinbar anständige Bürger austoben, wenn erst einmal alle Dämme gebrochen sind. Wie dieser Dammbruch vor sich geht, wie der letzte Funke aussehen kann, das ist in „Fury“ ebenfalls gut zu sehen – nämlich durch eine aus dem Hinterhalt geworfene Tomate, die ein Halbstarker spontan aus dem Einkaufskorb einer vor ihm stehenden Frau stibitzt hat.

Dieser traurigen Bestandsaufnahme stellt Lang – freilich auf bittere Weise – in einer Vignette im Friseurladen das Gesellschaftsideal entgegen, das der Verfassung der Vereinigten Staaten zugrunde liegt. Den reaktionären Tiraden eines Kunden begegnet einer der Barbiere mit einem Hinweis auf in der Verfassung garantierte Grundrechte und gibt dem Mann die Empfehlung, er solle einmal die Verfassung lesen, denn er wäre sicher überrascht, was dort so alles geschrieben stehe. Wenn er dann noch hinzufügt, er habe die Verfassung lesen müssen, um Amerikaner zu werden, während die in Amerika Geborenen sich hierum nicht zu kümmern brauchten, dann mag da vielleicht ein wenig die Perspektive des Mannes durchklingen, der aus Nazi-Deutschland emigrierte und erkennen muß, daß nicht wenige Amerikaner die ihnen verbürgten Rechte nicht wirklich zu schätzen wissen. Der zweite der beiden Friseure scheint einerseits für ein Selbstzitat des Regisseurs zu sorgen, wenn er über den inneren Drang zum Morden sinniert, der von manchen Menschen Besitz ergreifen könne und der, wie ein blinder Zufall, darüber entscheide, auf welcher Seite des Gesetzes diese Menschen stünden. Andererseits mag dieser skurrile Exkurs auch dem Umstand geschuldet sein, daß Langs ursprüngliches Vorhaben, einen wirklich eines Verbrechens beschuldigten Menschen in den Fokus der Ereignisse zu setzen, von MGM abgelehnt worden ist; so konnte Lang wenigstens durch die Ausführungen des Friseurs seine ursprüngliche Intention andeuten.

Aber „Fury“ ist nicht nur ein politischer bzw. sozialkritischer Film, sondern auch eine psychologische Studie: Lang zeichnet hier das Bild eines Mannes, der – durch die von ihm durchlaufene Tortur und die Erkenntnis, wie schnell die Masse bereit ist, den dünnen Firnis der Zivilisation zu durchbrechen, seiner idealistischen Vorstellungen beraubt – zum Racheengel mutiert, wobei auch er in gewisser Weise die Mechanismen des einst von ihm bewunderten Staates zu mißbrauchen bereit ist. Wie ein dunkler Geist steht Joe plötzlich bei seinen Brüdern in der Tür, nachdem seine schneidende Stimme aus dem Off ihre Unterhaltung unterbrochen hat. Hier – und auch bei dem reinigenden Gewitter während Joes Konfrontation mit Katherine in einer späteren Szene – weist „Fury“ deutlich erste Spuren des Films noir auf, zu dem Lang in den folgenden Jahren selbst einige Beiträge leisten sollte. Der totgeglaubte Joe scheut das Licht und hält die Fensterläden geschlossen; bis auf wenige Ausnahmen sehen wir ihn in der zweiten Hälfte des Filmes fast ausschließlich allein im Bild – weil ihn sein Haß und sein unbedingter Wille zur Rache vereinsamen lassen. Seine Bereitschaft, Katherines Ring, den Ehering ihrer Eltern, den sie ihm zu Beginn des Filmes schenkt, am Tatort zurückzulassen, zu opfern, um Spuren zu fingieren, die seinen Tod beweisen sollen, ist als Symbol seiner Bereitschaft lesbar, für seine Rache auch mit seiner Beziehung zu Katherine zu zahlen, zumal er seinen Brüdern auch verbietet, der Verlobten die Nachricht von seinem Überleben zu überbringen. Hier handelt Joe ja eigentlich grausamer als die Menschen, die ihn lynchen wollten, denn er befindet in kalter Überlegung, es Katherine zumuten zu können, daß sie sich in Trauer nach ihm verzehre, damit sie eben vor Gericht eine glaubwürdige Zeugin seines Todes abgebe. Joes Vereinsamung, sein Ausgeschlossensein aus der menschlichen Gesellschaft – deren Wert freilich in der ersten Hälfte des Filmes in Frage gestellt wurde [1] – wird von Lang hervorgehoben, wenn er seinen Protagonisten durch menschenleere Straßen irren oder in der Menge eines Bierrestaurants isoliert am Tisch dasitzen läßt. Trotz des abrupten Wechsels zwischen Idealismus und Zynismus wirkt die Rolle des Joe Wilson unbedingt glaubwürdig, denn bereits als Idealist wirkte Joe eher distanziert und erhaben im Verhältnis zu seinen Brüdern, wie er im zugeknöpften weißen Mantel in der gemeinsamen Wohnung stand und ihnen Moralpredigten hielt. Es mutet nachvollziehbar an, daß ein solch prinzipientreuer und dabei harter Mann, wenn er erst einmal seine Ideale verraten sieht, zu einem verbitterten Eisblock wird.

Interessant ist ferner die Rolle der Medien, wie Fritz Lang sie in „Fury“ kommentiert: Zwar ist es ihre Hilfe, die es dem findigen Staatsanwalt ermöglicht, das gesamte Ausmaß menschlicher Korruption und kleinstädtischen Meutengeistes ans Licht zu zerren. Doch während des Sturms auf das Gefängnis sehen wir die Wochenschauleute mit wahrer Begeisterung filmen und sich über den zu erwartenden Knüller freuen, und später berichtet Joe seinen Brüdern, daß er den Tag im Kino verbracht habe, wo er fünfmal Zeuge wurde, wie er im Gefängnis verbrannte, und daß das Kinopublikum dem Bericht mit großer Sensationsgier folgte, wie es das eben immer tue, wenn irgendwo ein Mensch vor laufender Kamera verbrenne.

Man sieht schon, daß „Fury“ ein sehr vielschichtiger Film ist, der auch nach mehr als siebzig Jahren nur sehr wenig von seiner Aktualität eingebüßt hat. Die vorliegende DVD enthält außerdem einen ausgezeichneten Audiokommentar von Peter Bogdanovich, in den lange Interviewszenen mit Fritz Lang eingearbeitet sind, der nicht nur über „Fury“, sondern u.a. auch über sein Ankommen in den Vereinigten Staaten spricht. Für jeden am klassischen amerikanischen Kino Interessierten ist diese DVD deshalb eine lohnenswerte Anschaffung.

[1] Beachtenswert sind auch hier die kleinen Gesten, wie beispielsweise die Szene, in der Katherine das freundliche Ehepaar, das das Diner betreibt, um Hilfe anfleht, diese aber reglos und stumm dastehen – eine Szene übrigens, die uns Lang als Over-the-shoulder-shot aus der Sicht der Eheleute und nicht etwa Katherines zeigt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Produkt: DVD (1 Stück). Herausgeber: Warner Home Video - DVD. ASIN: B0009WOYZQ
Deutscher Titel: Blinde Wut. Originaltitel: Fury
Produktionsland: USA. Premiere: 1936
Mit: Spencer Tracy, Sylvia Sidney, Walter Abel, Edward Ellis, Walter Brennan, Bruce Cabot u. A. Regie: Fritz Lang
Bild: gut / SW / 4:3 (Originalformat). Sprache: englisch. Synchronisation: deutsch und spanisch (neuere Synchro). Untertitel: deutsch, englisch u.v.a. (ausblendbar)
Filmlänge: 88 Minuten und 42 Sekunden (Originallänge im PAL-Verfahren)
Genre: Justizdrama > Gesellschaftsstudie > Sozialdrama
Specials: Audio-Kommentar von Peter Bogdanovich und Fritz Lang in englischer Sprache ohne UT

Spoiler-Elemente.
Der Film beginnt gemütlich als ein romantisches Beziehungsdrama und verwandelt sich aufgrund seiner bedrohlichen Muster rasch zu einem Trauma über die Wehrlosigkeit eines falsch verdächtigten Menschen (Spencer Tracy als Joseph Wilson)
Sehr gekonnt projiziert Fritz Lang die niederen Mechanismen der menschlichen Vorurteile ins Bild. Zunächst zeigt er, wie sich eine inoffizielle Information über die Verhaftung eines potenziellen Täters als stille Post unter der tratschenden Bevölkerung zu einem riesigen Lügengebäude aufbläst. Die Frauen reden, die Männer drohen und schwingen die Peitsche. Der Wille zum Lynchen ist gleich da. Der verhaftete Spencer Tracy in der Zelle wie eine Fliege im Netz, völlig schutzlos und ausgeliefert. Der Film erinnert sehr stark an den gesellschaftskritischen Western The Ox Bow Incident von 1943 und ist für seine Entstehungszeit ein bemerkenswertes Dokument über die rasche Bereitschaft einer Gesellschaftsgruppe, einen Sündenbock finden zu müssen, um seinen unbewältigten Ego zu befriedigen, unabhängig davon, ob ein Schuldiger oder Unschuldiger geopfert wurde.
Ganz normale, biedere und verantwortungsbewußte Bürger werden rasch zu einer unberechenbaren Meute von Lynchmördern, welche ihren Gang zum Gefängnis sogar als ein gesellschaftliches Ereignis mit hohem Unterhaltungswert realisiert. Ein blindwütiger Mob, der seine eigeninitiative Subsidiarität nährt aus dem Gefühl vermeintlicher Pflichterfüllung für die Gemeinschaft.
Starke Bilder, starke Kameraarbeit.
Durch einen glücklichen Umstand gelingt dem Verhafteten die Flucht. Im Zuge einer Brandlegung des örtlichen Gefängnisses seitens der Lynchmeute kann Spencer Tracy unerkannt flüchten. Da man glaubt, dass er im Feuer verbrannt ist, wird er für tot gehalten. Gleichzeitig stellt es sich heraus, dass er unschuldig war, da die wahren Täter erwischt wurden.
Ab Mitte des Filmes beginnt sodann Tracys Durst nach Rache. Er weiß, dass alle am Lynchmord Beteiligten, beim Tod eines Unschuldigen zur Rechenschaft gezogen werden müssen.
Währenddessen breitet sich in der Stadt, in welcher die Untat verübt wurde, allgemeines Stillschweigen über die Hintergründe aus und jeder deckt den Andern mit falschen Behauptungen. Die Masse der Schuldigen benimmt sich sonderbar. Es gibt kein Schuldeingeständnis, sondern beschwichtigende Verharmlosung. Vor Allem zeichnen sich in dieser weitherzigen Toleranz die Vertreter des schönen Geschlechtes hervor.
Tracy verbirgt sich vorerst und wartet die Entwicklung des Prozesses ab.
Im Gerichtsverfahren stellt der Staatsanwalt fest, dass ein Verzicht auf die Verurteilung der Lynchtäter der Anarchie in einem Staat Vorschub leisten würde.
Die Zeugen werden befragt und ihr Schwören auf die Bibel erweist sich als pure Heuchelei. Sie verzetteln sich schnell in unhaltbare Widersprüche und erweisen sich schlicht als Lügner.
Die Gestik und Mimik in den Szenen gestaltet Fritz Lang genial. In ganz kurzen Sequenzen über die Art des Sitzens, des Gefühlsausdrucks, der Bewegung, nimmt der Zuschauer visuell wahr, was die Menschen denken und welche innere Einstellung sie besitzen. Dabei ziert er sich nicht, die menschliche Unzulänglichkeit und gierig-ängstliche Selbstbezogenheit kaltblütig zu präsentieren, so dass letztlich die gesamte Menge der Angeklagten und falsch Aussagenden als die typische Masse der korrupten Kleinbürger enttarnt wird, welche den ausgeübten Mord an einem Unschuldigen mit schamlosester Gleichgültigkeit verdrängt und von sich weist.
Dass der Jude Fritz Lang in dieser Geschichte einen Teil des heimatlichen Schicksals integriert und aufarbeitet, sogar das tragische Schicksal seines Volkes vorwegnehmend, ist kein Zufall, sondern Genius eines Propheten. Zudem schafft er es, diese Art von Menschenhetze sogar in der Wiege der Demokratie anzusiedeln, weil Inhumanität vor den Toren einer Demokratie nicht haltmacht, solange die humane Bildung der Einzelnen mangelhaft ausgeprägt ist. Es wird nicht verhehlt, dass von 1886 bis 1935 Jahren in den USA 6010 Lynchmorde verübt wurden.
Am Bestürzendsten sind die Nahaufnahmen einiger Täter, als sie ohne es zu wissen, von einer Kamera gefilmt in orgiastischer Freude das Gefängnis stürmen und anzünden. Diese Kameraaufnahmen werden in der Verhandlung als Beweisstück Nummer A zugelassen.
Die zweite Erzählebene ist die Verwandlung des Überlebenden Spencer Tracy von einem zuvor gutmütigen Menschen zu einem rachsüchtigen, unversöhnlichen, sich von Allen isolierenden Außenseiter, der in seiner blinden Wut in die Gefahr gerät, menschlich zu verrohen. In letzter Sekunde erkennt er seinen sinnlosen Wahn und offenbart sich dem Gericht. Seine Rede beinhaltet folgende Passage:
"Euer Ehren, ich bin Joseph Wilson. Ich weiß, mit meinem Kommen habe ich die Leben dieser 22 Menschen gerettet. Aber nicht ihretwegen komme ich. Es ist mir egal, ob ich sie rette. Sie sind Mörder. Nicht vor den Augen des Gesetzes, weil ich noch lebe. Aber das ist nicht deren Verdienst. Und das Gesetz weiß nicht, dass Vieles was mir wichtig war, alberne Dinge vielleicht, wie der Glaube an Gerechtigkeit, und die Vorstellung, dass die Menschen zivilisiert sind, und das Gefühl des Stolzes, dass mein Land anders wäre als alle anderen, das diese Dinge in jener Nacht mit mir verbrannten."
Am Ende findet Spencer Tracy den Weg in die Menschlichkeit zurück, welche ihm vermittelt wird von seiner geliebten Katherine (stark und glaubwürdig gespielt von Sylvia Sidney).
Ein außergewöhnlich selbstkritischer Film mit einer beeindruckenden Botschaft über die große Gefahr von Vorurteilen, Vorverurteilungen und Stigmatisierungen von Menschen.
Mladen Kosar
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
VINE-PRODUKTTESTERam 19. Oktober 2007
"The Fury" ("Blinde Wut"), USA 1936, der erste US-Film von Fritz Lang (Produktion: JL Mankiewicz), ist ein sehr, sehr guter Film. Absolut untypisch für das Edelstudio MGM, handelt es sich um einen actionreichen, harten, dramatischen, gesellschaftspolitischen Film über einen versuchten Lynchmord. Spencer Tracy wird unschuldig verhaftet, ein Mob bildet sich, stürmt das Sherriffsbüro und steckt das Haus in Brand, in dem auch Tracys Arrestzelle ist. Tracy überlebt, wird aber für tot gehalten, woran er auch gar nichts ändern möchte, um aus dem Hintergrund dafür zu sorgen, dass einige der Mobster vor Gericht kommen. Mehr wird nicht verraten. Das Ganze ist ein hellwacher Film voller lebendiger, packender Einstellungen, denen man jederzeit Langs große Neugier ansieht, das Land, in dem er noch nicht lange lebte, kennenzulernen. Lang hatte großes Interesse an der Kultur der Massen, er hat sich die amerikaische Seele erschlossen durch das Studium unzähliger Tageszeitungen, Comics, Leben bei Ureinwohnern - und so hat sein Film gelegentlich etwas Dokumentarisches, in der Verwendung von Wochenschaumaterial im Gerichtssaal sogar etwas Visionäres, was damals von einigen als unglaubwürdig angesehen wurde. Diese Wochenschauaufnahmen sind zum Teil auch politisch gedeutet worden: Man sieht diese scheinbar kreuzbraven Bürger im Gerichtssaal ihre Unschuld beteuern und dann wird die Leinwand aufgebaut und man sieht dieselben Leute in Großaufnahme (und jeweils mit einem eingefrorenen Standbild), wie sie in geifernder Extase Feuer legen, Wasserschläuche der Feuerwehr zerstören, in blinder Wut mit verzerrter Fratze johlend alle anfeuern etc. Sowas konnte man wahrscheinlich auch auf Reichsparteitagen sehen, von Menschen, die ansonsten den kreuzbraven Biedermann gaben, in einem System, vor dem Lang geflohen war. Also alles in allem mega-interessant. Kleiner, winziger Abstrich: Ich halte die leading lady Sylvia Sidney nicht für eine wirklich große Schauspielerin, die ist mal wieder die kreuzbrave liebende Verlobte, und eigentlich habe ich gegen solche Rollen gar nix, wenn sie genial gespielt werden, dann kommt darin eine Aufrichtigkeit und Größe rüber, die mich packt. Aber die Sydney ist sehr auf solche Rollen abonniert und sie hat irgendwie mehr oder minder immer denselben Ausdruck drauf, also das ist ganz nett (und übrigens auch mal durch geschickte Großaufnahmen akzentuiert), aber das war's auch. Tracy ist klasse, die Regie überragend.
Als Extra gibt's einen Audiokommentar von Peter Bogdanovich, teils mit Interviews von Lang. Für Lang-Einsteiger hochinteressant, aber wer schon viel über Lang gelesen hat (u.a. ist das Bogdanovich-Interview auch als Buch zu haben), erfährt kaum Neues. Immerhin - dass der Mann, der doch so sehr bereit war, sich schnell in Amerika heimisch zu fühlen, 1965 mit einem heftigen Akzent sprach und jedes, wirklich jedes "th" wie ein s sprach, ist erstaunlich und amüsant zugleich.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Als Fritz Lang im Sommer 1934 nach Hollywood kam, verfügte er über etwas, von dem viele Emigranten nur träumen konnten: einen Einjahresvertrag mit MGM. Bis zur Realisation seines ersten amerikanischen Films dauerte es aber noch einige Zeit. Mehrere Szenarien Langs, der erst jetzt innerhalb eines halben Jahres Englisch gelernt hatte, wurden verworfen, David O. Selznick verließ MGM, zu dessen Schwiegervater Louis B. Mayer hatte Lang, um es mal nett zu sagen, eine eher suboptimale Beziehung. Als letzte Chance wurde Lang kurz vor Ablauf seines Vertrages das Treatment zu "Fury" (Blinde Wut) gegeben. Obwohl der Film lediglich als B-Picture mit geringem Etat geplant wurde, wusste Lang seine Chance zu nutzen und schuf einen seiner wichtigsten amerikanischen Filme.
Zur Handlung: Nach über einjähriger Trennung fährt Joe Wilson (Spencer Tracy) zu seiner weit entfernt lebenden Verlobten Katherine (Sylvia Sidney), die eine besser bezahlte Stellung angenommen hatte (einziger dezenter Hinweis des Glamour-Studios MGM auf die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise), um für die geplante Hochzeit sparen zu können. Auf der Reise wird er anhand läppischer Indizien verdächtigt, ein gesuchter Kindesentführer zu sein. Aufgrund der Indiskretion des Hilfssheriffs verbreitet sich das Gerücht, der gesuchte Entführer sei verhaftet worden. Der Bürgermeister hofft aufgrund der schnellen "Erledigung" des Falls auf seine Wiederwahl und lässt den Sheriff im Stich, als sich der Mob formiert und die Herausgabe des Häftlings fordert. Die Lage eskaliert und das Gefängnis geht in Flammen auf. Zwar kann Wilson in dem Inferno verletzt entkommen, aber er will Rache nehmen an dem ihm geschehenen Unrecht, er will "a legal sentence, a legal death" seiner Verfolger. Enno Patalas bemerkte treffend: "Wie die `Nibelungen` gliedert sich `Fury` in zwei Teile, im ersten wird der Held das Opfer einer in einem Mordanschlag gipfelnden Verschwörung, im zweiten sinnt er -Siegfried als seine eigene Krimhild- auf Rache an den Verschwörern." (zit. nach Grafe/ Patalas/ Prinzler; Fritz Lang; München, Wien 1986)

Zu Beginn des Films hatte ich etwas den Eindruck, Lang suche noch etwas nach seinem Stil. Die ins Bild geschnittenen Hühner, als die Frauen das Gerücht über die angebliche Verhaftung des Entführers weitertratschen, sind typische Stummfilmsymbole und hier überflüssig. Um wie viel eleganter ist da die "stille Post" einige Jahre später in "Vom Winde verweht" gefilmt. Andererseits sind die mit harten Schlagschatten versehenen Großaufnahmen von Gesichtern aus der Menge sehr eindrucksvoll und zeigen die Kontinuität zwischen expressionistischer Stummfilmästhetik und typischen Noir-Elementen. Zudem hat der Film stellenweise einen geradezu dokumentarischen Charakter. Zum Sprachstudium hatte Lang viele Tageszeitungen gelesen und auch hier transportieren Schlagzeilen die Handlung weiter. Der Staatsanwalt konfrontiert die Geschworenen mit der erschreckend hohen Zahl von Lynchmorden (über die Lang in seiner "arbeitsfreien" Zeit ausgiebig recherchiert hatte), die größtenteils nicht gesühnt wurden, da so viele Zeugen mit den Tätern sympathisierten. Dass die meisten Lynchmorde an Farbigen geschahen, konnte der Film anno 1935 allerdings nicht thematisieren, ein weiterer Hinweis darauf, dass Lang auch den demokratischen Institutionen seiner neuen Heimat noch misstrauen musste.
Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft ist ganz dem Medienzeitalter verhaftet. Während der Staatsanwalt geduldig Alibi über Alibi, Meineid über Meineid über sich ergehen lässt, wartet er nur auf den Einsatz der Wochenschau, die als Beweismittel zugelassen wird und letztlich die Rädelsführer überführt. Während zu Beginn die Journalisten als gewissenlose Profiteure gezeigt werden, die nur voyeuristische Wünsche befriedigen wollen, zeigt sich hier -ganz modern- die Macht der Medien, hier durchaus positiv als Korrektiv der selbstgerechten Biedermänner.

"Fury" ist einer der ersten Filme, die sich des Phänomens der Massenpsychologie annehmen. Ausgehend von einem Erlebnis Anfang 1934 in Paris, bei dem eine "gut gelaunte Menge" einen "schönen Lärm" machte, was in kürzester Zeit zu einer Schießerei führte, bemerkte Lang gegenüber Bogdanovich: "In `Fury` versuchte ich, die unmerkliche Linie nachzuzeichnen, wo der Umschlag einsetzt. Massenpsychologie fasziniert mich." Immer arbeitete Lang auch am Drehbuch mit und einige Einfälle könnten auf ihn zurückzuführen sein. Einerseits ist das Thema Lynchjustiz ein sehr amerikanisches Problem, andererseits lässt sich vieles auch auf den Faschismus beziehen, die "Volksgemeinschaft", die es dem einzelnen erlaubte, persönliche Verantwortung abzulegen. Nicht umsonst versucht der Verteidiger die Beschuldigten als vermeintliche Sündenböcke für die Versäumnisse des Staates hinzustellen (spontane Assoziation bei mir: die Rechtfertigungen bei der Entnazifizierung). Der Staatsanwalt kritisiert, der Mob habe "Staatsanwalt, Richter und Vollstrecker" sein wollen, also die Gewaltenteilung aufheben wollen, wie anno 1933/34 in Deutschland. Auch der Hinweis eines "ehrbaren" Bürgers, dass psychisch Kranke auf Kosten des Staates versorgt würden, könnte auf die Hetze in Deutschland bezogen werden, die das sog. "Euthanasie"- Programm vorbereitete.

Eine besonders makabere Pointe gibt es zum Schluss, die sowohl im Englischen als auch im Deutschen funktioniert. Ein Barkeeper reißt aus Versehen zwei Kalenderblätter auf einmal ab und bemerkt, dass die wohl "zusammen hängen" - Wilson wird sich seiner Verantwortung bewusst, dass seinetwegen Menschen sterben würden. Genau betrachtet steckt in dem Film ein gewisses Unverständnis gegenüber der Todesstrafe an sich, weil hier ein besonders drastischer Fall eines Justizirrtums dargestellt wird. Wie Lang auch später von amerikanischen Kritikern missverstanden wurde, zeigt die Rezeption seines letzten amerikanischen Film "Beyond a reasonable doubt" (1956), den manche tatsächlich für ein Bekenntnis zur Todesstrafe hielten.
Trotz einiger Logikbrüche (Wie gelingt Wilson die Flucht zu seinen Brüdern? Warum sind seine Hände anscheinend nicht verbrannt, obwohl sich sein Goldring verformte? Wie kann er trotz Titelbild in der Zeitung unbehelligt durch die Stadt gehen?) eine fesselnde Studie. Zwar wird die Sozialkritik in der zweiten Hälfte aufgrund des sarkastischen Vorgehens Wilsons etwas abgeschwächt, aber diese Kehrseite, seine Rechtfertigung seiner eigenen Selbstjustiz führt zur Erkenntnis, dass er wirklich "gestorben" ist. "Was für ein feiner Kerl Du doch warst, als Du noch lebtest.", sagt Katherine zu Joe, als sie ihn nicht von seinen Plänen abbringen kann. Sein zweiter amerikanischer Film "You only live once" treibt die Kritik Langs noch weiter, da dort ein unschuldig Verurteilter aus Verzweiflung wirklich zum Mörder wird. Hier gibt es für Wilson und seine Katherine ein Happy End, das dann angesichts der Vorgeschichte etwas zu holzschnittartig geworden ist, das Lang wie auch bei seinem zweiten und letzten MGM- Auftrag aufgezwungen wurde. Die Musik zu "Fury" komponierte übrigens Franz Wachsmann (nun: Waxman), der etwa zeitgleich mit Lang von Deutschland über Paris in die USA gekommen war.
Zur Ausstattung: Der Film verfügt über viele UTs (u.a. E, D, Türk.), einen englischsprachigen Audiokommentar von Lang und Bogdanovich, sowie den Originaltrailer. Die Bildqualität geht in Ordnung. Tracy wird -vermutlich für die erste deutsche Fernsehausstrahlung synchronisiert- von Elmar Wepper gesprochen. Zwar hatte Tracy keinen "Stammsprecher", aber im Vergleich bspw. zu O.E. Hasse ist die Synchro nicht ganz so "stimmig".

Fazit: Ein in vieler Hinsicht allgemeingültiges und zeitloses Dokument über die Verführbarkeit der Massen, das immer noch frösteln lässt.
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TOP 1000 REZENSENTam 13. Januar 2009
Mit Meilensteinen aus den Kindertagen des Films "Metropolis", "Dr. Mabuse" oder "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" hat Fritz Lang wahrlich grosse Filmgeschichte geschrieben. Mit der Machtergreifung der Nazis emigrierte Lang zuest nach Frankreich und kurze Zeit später in die USA.
In Hollywood setzte Fritz Lang ab 1936 seine Karriere fort, schaffte es aber insgesamt nicht mehr ganz, an seine großen Erfolge aus Deutschland anzuknüpfen. Anfänglich wurden seine europäisch geprägten Filmideen sogar teilweise auch abgelehnt. Trotzdem findet sich in seinem ersten US-Film "Fury - Blinde Wut" ähnlich wie in "M" die psychische Situation eines vom Mob Gejagten und auch der Mob selbst wird in seiner Struktur exakt beleuchtet, wie sich die Volksseele mehr und mehr, am Anfang scheinbar noch ganz harmlos, hochschaukelt .
Die Vermutung liegt nahe, dass Lang in seinem US-Debüt auch die Zusammenkunft der Massen in Deutschland, durch staatliche Organisation verordnet, im Auge gehabt zu haben.
Darüber hinaus zeigt "Blinde Wut" nicht nur wie zivilisatorische und kulturelle Schranken wie ein Kartenhaus zusammenfallen können, wenn genug emotionale Aufladung durch ein paar Anfeurer gegeben ist. Selbst die Politik und die Medien positionieren sich aus egoistischen Interessen auf der Seite des Lynchkommandos. Die Anfangsidee von Lang einen farbigen Darsteller als Opfer zu besetzen wurde abgelehnt.
Spencer Tracy sozusagen als 2. Wahl des Regisseurs, der aber seine Sache brilliant gestaltet und eine seiner besten Darstellungen seiner langen Filmkarriere abliefert.
Der rechtschaffene Automechaniker Joe Wheeler (Spencer Tracy) ist auf der Fahrt zu seiner Verlobten Katherine (Sylvia Sidney). Seine tagelange Autofahrt wird jäh unterbrochen, weil er aufgrund einer Verwechslung und sehr fragwürdigen Indizien von einem Sheriff festgehalten und verdächtigt wird, einer der Kindesentführer zu sein, über die die Presse seit Tagen berichtet. Man sperrt ihn ins Gefängnis - doch dem Sheriff kommen Zweifel. Nur die wütende Menge in der Kleinstadt hat sich schon formiert und möchte Gerechtigkeit...
Wer sich nicht an der Optik alter s/w Filme stört (ich liebe sie), der wird mit "Blinde Wut" einen erstaunlich beklemmenden und hochaktuellen Film vorfinden, der keinerlei Abnutzungserscheinungen aufweist und heute genauso erschütternd wirkt wie damals, selbst wenn die Studios das Filmende aufgezwungen haben. Das Gesamtbild ist dennoch düster und pessimistisch...
Ich persönlich denke sogar, dass die US-Arbeiten von Lang sogar filmgeschichtlich etwas unterbewertet sind. Er hat doch einige bleibende Meisterwerke dort gemacht: "Gehetzt", "Heisses Eisen", "Gefährliche Begegnung", "Ministerium der Angst" und viele mehr...und "Blinde Wut" gehört zweifelsohne dazu.
Ein sehr guter Filmklassiker.
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am 14. Oktober 2013
While the film lacks the subtelty of M, it is nonetheless well worth seeing. Like many of Lang's Hollywood films you can feel a tension between his European realism and the expectation of a happy ending. Personally I think he brought this to its perfection in Scarlett Street but this, his first film in the US is well worthsing.
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3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Oktober 2006
Zu erst eines vorweg. Sowohl Fritz Lang (Regie) als auch Spencer Tracy (Hauptrolle) werden von mir sehr gemocht.

Dies ist Fritz Langs erster Amerikanischer Film. In Deutschland hatte Er bereits mit einigen Filmen gezeigt, welch ein Genie Er ist. Darunter Meisterwerke wie M, Metropolis, und Dr. Mabuse.

Hier nimmt sich Fritz Lang den damals 36 jährigen Spencer Tracy und startet in Amerika Seine zweite Kariere.

Der Film "Blinde Wut" ist dabei heraus gekommen. Offen gesagt ist der Film aus heutiger Sicht doch eher langweilig.

Aber es ist sehr gut zu erkennen, welches potential sowohl Lang, als auch Tracy haben. Der Film ist voller guter Ideen und prima kameratechnischen Einfällen. Auch das Thema der Lynchjustitz ist gut gewählt, und Tracy hat Augenblicke, in denen Er zeigt, wie gut Er einmal werden wird.

Jedoch ist irgendwo immer die Bremse, und mann denkt stehts: So, jetzt macht doch mal richtig weiter. Alles wirkt sehr vorsichtig insziniert.

Filmhistorisch ist die DVD trotzdessen eine Perle, und man kann als Filmliebhaber lange nachdenken.

Für einen netten Familienabend taugt es meiner Meinung nach nicht. Dafür ist der Film zu angestaubt.

Die DVD selber ist im übrigen gut und solide gemacht. Extras gibt es zwar keine, Bild und Ton sind aber wirklich tip top.
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