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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassische Alternative, 24. April 2007
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Strauss: Der Rosenkavalier (Audio CD)
Es gibt unendlich viele Aufnahmen des Rosenkavalier, aber eigentlich nur zwei "klassische" Referenz-Einspielungen: Auf der einen Seite die schwärmerische, süffige Karajan-Aufnahme mit einer sagenhaften Schwarzkopf als Marschallin und einer sehr charmanten Christa Ludwig in ihrer ersten großen Aufnahme, auf der anderen Seite diese klassische Wiener Einspielung.

Der erste große Vorteil dieser Aufnahme ist das Orchester: Die Wiener Philharmoniker spielen unter der strengen und temperamentvollen Leitung von Altmeister Erich Kleiber brillanter, flexibler und transparenter als das Philharmonia Orchestra unter Karajan. Dazu tut die Tontechnik den Sängern zusätzlich den Gefallen, sie nicht zuzudecken, was bei Karajan immer wieder passiert. So ist die erste Voraussetzung dafür gegeben, dass man hier einmal wirklich jedes Wort versteht - eine wohltuende Ausnahme.

Kleiber nimmt der Oper das Süßliche, betont das Konversationsstück. Dazu passen auch die Sänger: Weniger raffiniert, dafür aber auch weniger parfümiert als bei der Konkurrenz:

Sena Jurinac war der beste Octavian (nicht nur) der fünfziger Jahre. Sie ist als schwärmerischer Jüngling in jeder Minute glaubhaft, hat dazu eine der schönsten, wärmsten Stimmen, die ich überhaupt kenne.

Hilde Güden singt die Sophie nicht als unbedarftes kleines Mädchen, sondern verleiht ihr mit ihrer sehr speziellen Stimme viel Charakter.

Ludwig Weber schließlich ist ein sehr wienerischer Ochs, der genügend Humor in die Partie einbringt, ohne sie zur Karikatur zu machen. Zudem ist er in dieser - für ihn recht späten - Einspielung auch stimmlich voll auf der Höhe.

Die einzige Einschränkung gilt Maria Reinings Marschallin: Sie ist stimmlich nicht mehr ganz in Top-Form, ist nicht - wie die Schwarzkopf immer betont hat - eine Frau, die sich langsam der 40 nähert, sondern geht eher in Richtung 50. Hier gewinnt den Vergleich eindeutig Schwarzkopf - aber gegen wen nicht? Trotzdem ist auch Reining eine eindrucksvolle Interpretin, die von jahrzehntelanger Erfahrung in dieser Rolle zehren kann.

Großer Luxus am Rande: Der wunderbare Mozart-Sänger Anton Dermota als "Italienischer Sänger", der aus seiner Minirolle eine Hauptpartie macht.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein..., 11. Januar 2014
Von 
Klassikfreund (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Strauss: Der Rosenkavalier (Audio CD)
Unter den zügigen Rosenkavalieren ist mir Erich Kleibers der liebste. Zunächst war ich Feuer und Flamme für die Aufnahme seines Sohnes, Carlos, doch dann entdeckte ich diesen Mitschnitt. Man kann nur bedauern, daß der große Dirigent der Nachwelt nicht sehr viele Zeugnisse seiner Kunst hinterlassen hat. Denkt man an das bekannte Foto mit den legendären Fünf von 1929, (neben Kleiber) Furtwängler, Klemperer, Toscanini und Walter, so sind von ihm vergleichsweise wenige Aufnahmen erhalten.

Kleibers außerordentliche Sicht

Gerade bei dieser Strauß-Oper gehen die Vorlieben des Publikums auseinander: Manch einer bevorzugt einen Rosenkavalier mit viel Wiener Charme, eher langsam schwelgend genommen. Andere favorisieren wiederum einen feurigen, geladenen Ansatz. Und hier wird Kleibers Interpretation interessant!

Schon die Einleitung zeigt, daß es zügig und mit klarem Klang zur Sache geht. Doch sollte man jetzt nicht der Fehleinschätzung unterliegen, daß es damit für diese Aufnahme getan sei. Sicherlich ist Kleibers Rosenkavalier mehr Pfefferschote als Honig. Aber wo steht geschrieben, daß man die Schote nicht mit ein wenig Honig anreichern kann? So liefert der Dirigent eine klare, frische Interpretation, die aber auch den Schmelz des Werks nicht verhehlt. Ich kann es nur schwer in Worte fassen: Es ist wie leichtfüßiger "Schmelz" mit Tiefgang - offensichtlich kommt bei dieser ungewöhnlichen, aber sehr schlüssigen und "natürlichen" Lesart, Kleibers Wiener Herkunft perfekt zum Tragen.

Weitere Höhepunkte sind die glänzend spielenden Wiener Philharmoniker und das erstklassige Sängerensemble. Man versteht es ungewöhnlich gut, und so kann der Musikliebhaber Maria Reinings schon reife Marschällin, Sena Jurinacs überragenden Octavian und Hilde Güdens traumhaft harmonierende Sophie durchweg genießen. Die Gesangsleistungen lassen kaum zu wünschen übrig. Dieses Ensemble versteht zu entzücken.

Der Klang

Das akustische Erscheinungsbild ist sehr gut für eine Aufnahme von 1954. Das heißt, man vernimmt nur sehr wenige Störgeräusche. Generell wird hier ein sehr klarer, rauscharmer Rosenkavalier vorgelegt, was auch diesen Aspekt der Produktion zu einem Hochgenuß macht.

Fazit

Meine erste Rosenkavalier-Erfahrung war live und schrecklich sämig und hat mir die Oper für einige Zeit regelrecht verdorben. Da lobe ich mir diesen Kleiber. Ihm gelingt mit einem unschlagbaren Ensemble und einem Orchester in Höchstform das musikalische Wunder: Der Hörer befindet sich hier auf einer sanft wogenden See, und trotzdem treibt ihn eine starke Strömung voran... ist ein Traum, kann nicht wirklich sein!

(Das Begleitheft beschränkt sich auf die Auflistung der Sänger und der CD-Titel.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitlos schöne Einspielung, 31. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Strauss: Der Rosenkavalier (Audio CD)
Trotz zahlenmäßig großer Konkurrenz ist diese Rosenkavaliereinspielung unter Erich Kleiber eine der besten die ich kenne; und sie hat bis heute nichts von ihrer Frische eingebüßt. Kleiber lässt die bestens präparierten Wiener Philharmoniker frisch und transparent aufspielen; was übrigens auch dazu führt, dass man zu fast keiner Zeit nach dem Libretto greifen muss, denn die Sänger singen durch die Bank weg äußerst textverständlich.
Und was ist das für eine Besetzung!
Sena Jurinac und Hilde Güden als mustergültige Besetzung des Octavian und der Sophie, die sich in ihren Duetten auf das herrlichste mit ihren Stimmen umstricken. Dazu der Vorzeige-Ochs der damaligen Zeit des auch im Wagnerfach von mir sehr verehrten Ludwig Weber. Maria Reining ist zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits eine recht reife Marschallin, da klingt die Höhe an vielen Stellen schon recht scharf, aber mit kluger Gestaltung gelingt ihr ein ausgereiftes Portrait. Auch die restliche Besetzung bis hin zum Luxus-Italiener von Anton Dermota ist mit bewährtguten Kräften der Wiener Staatsoper der Nachkriegszeit besetzt. Es ist dies sicher ohne Übertreibung neben dem Karajan-Rosenkavalier die zweite klassische Einspielung des Strauss'schen Meisterwerks.
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Strauss: Der Rosenkavalier
Strauss: Der Rosenkavalier von Maria Reining (Audio CD - 2005)
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