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Lortzing-der Wildschütz
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am 12. Januar 2008
Der Oper Der Wildschütz von Albert Lortzing kann man wünschen, mehr Aufmerksamkeit als bisher zu erlangen und somit aus einem Schattendasein heraus neben Zar und Zimmermann zu treten. Vielleicht noch mehr als letztgenannte Oper verfügt der Der Wildschütz über schöne Melodien und Ensemblestücke, und zwar wie aus einem Fluss ohne irgendwelche Hänger. Die Mitwirkenden müssen nicht nur über gute und flexible Gesangsstimmen verfügen, sondern bei Sprechdialogen auch gut hörbar artikulieren können. Aufgelegte Spiellaune und komödiantische Fähigkeiten sind ebenso unerlässlich. Die Choreinsätze kommen nicht zu kurz.

Im Jahr 2007 kam die Oper an verschiedenen deutschen Häusern zur Aufführung, so in Darmstadt, Stuttgart und Dortmund. Im Gegensatz zu Darmstadt, wo die Finalszene in einem vornehmen und farbenfrohen Schwimmbad spielt, in dem zahlreiche hübsche Badenixen nicht fehlen, endet bei einer der anderen Aufführungen die Handlung in einem Puff. Bei der Aufführung in Darmstadt hat man sich einige Gags einfallen lassen. So wurden z.B. die Sprechdialoge in hessischem Dialekt vorgetragen, vom niederen Stand versteht sich, im Finale kam auch ein lebender Esel mit einem großen Wundverband auf die Bühne usw. Weniger ein Gag dürfte gewesen sein, dass man bei der Inszenierung des ersten Aktes denken konnte, man befände sich in einer von Fachwerk geprägten typischen Äppelwoi-Gegend, in der Straußwirtschaft und Bembel nicht fehlen und die Protagonisten einschließlich Chor in Odenwälder Trachten das Bild bestimmen. Im avantgardistischen Darmstadt war die Inszenierung eine angenehme Überraschung. Die positive Aufnahme durch das Publikum zeigte sich insbesondere durch häufiges und starkes Applaudieren auf offener Szene.

Über die Gesellschaftskritik sollte man keine tiefschürfenden soziologischen Betrachtungen anstellen. Anders als z.B. in Rigoletto, Don Giovanni und Figaros Hochzeit kommt der Adel einigermaßen glimpflich davon. Die Neigung zu Liebesabenteuern der gräflichen Herrschaft hält sich sehr in Grenzen, man entschuldigt die Leidenschaft mit der Stimme der Natur, die zugleich den Untertitel der Oper bildet. Frau Gräfin folgt in vornehmer Blasiertheit einer Marotte der Zeit, indem sie im Salon griechische Klassik zelebriert, sehr zum Leidwesen der Dienerschaft, die wie paralysiert zuhören muss. Ist darüber hinaus dem in Liebe entflammten Baron-Stallmeister vorzuwerfen, dem Schulmeister dessen Braut für 5.000 Taler quasi abkaufen zu wollen, hat man dagegen den Schulmeister zum Lumpen und Volltrottel gemacht. Dieser will nämlich, wie erwähnt, für 5.000 Taler seine Verlobte an den Baron-Stallmeister abtreten. Auch war er eigentlich kein Wilderer, weil er im Tiergarten des Schlosses keinen gräflichen Rehbock, sondern nur seinen eigenen Esel erschossen hatte, in Darmstadt wurde er nur angeschossen. Da kann auch das Gretchen, seine Braut, über keine guten menschlichen Qualitäten verfügen, weil sie letztlich selbst dem Baron-Stallmeister Avancen macht. Wie schon gesagt, über den Inhalt sollte man sich nicht grämen, stammt doch die literarische Vorlage von August von Kotzebue, der sich vor allem als Trivialliterat einen Namen gemacht hatte. Die musikalische Umsetzung dieses farbigen und heftigen Spaßes durch Albert Lortzing ist von Einfallsreichtum und flotter Abwechslung geprägt.

Die vorliegende Aufnahme erscheint mir unter den wenigen Produktionen, die überhaupt angeboten werden, als die beste. Sie vermittelt am ehesten den Eindruck eines sprühenden Feuerwerks der guten Laune. Vor allem die Solisten agieren auf gleichmäßig hohem Niveau in überzeugender Natürlichkeit ohne jedwede Abstriche. Die Sprechdialoge sind einwandfrei. Das Sächseln des Haushofmeisters gehört dazu, wie das Salz in der Suppe. Immerhin fand die Uraufführung in Leipzig statt. Auch ist der Elan zu loben, mit dem Bernhard Klee das Orchester führt. Das Klangbild erscheint präsenter und transparenter als etwa bei der älteren EMI-Aufnahme. Letztgenannte Aufnahme erscheint etwas dickflüssiger, sie hat die
namhafteren Stimmen, die ich allesamt verehre und schätze, aber diese Stimmen erscheinen mir bei dieser musikalischen Komödie doch teilweise etwas aufgetragen und künstlich. Auch das Klangbild beeindruckt etwas weniger.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Juli 2006
Auch nach Anhören dieser Gesamtaufnahme von Lortzings "Der Wildschütz" bleibt absolut unklar, warum diese deutsche Spieloper so aus der Mode gekommen ist - sofern ein Meisterwerk überhaupt aus der Mode kommen kann. Möglicherweise liegt es an der läppischen Handlung, basierend auf einem Lustspiel von Kotzebue, mit den Liebesverwicklungen einiger Adeliger unter gefälliger Mitwirkung der Landbevölkerung. Das ist ziemlich schwer zu verdauen und wohl auch kaum zu inszenieren, da hilft auch Lortzings witziges Libretto nichts.

Aber diese Musik ! Eine Fülle von melodischen Einfällen, sorgsam verarbeitet, quirlig, kostbar geführte Ensembles, aufbauend auf Mozarts Charakterisierungskunst. Den Wert dieser Musik kann die vorliegende Aufnahme schön transportieren. Das ist vor allem dem Dirigat Bernhard Klees zu danken, der dem Brio und dem Sentiment der Musik immer gerecht wird und das Orchester durchhörbar hält.

Die Besetzung ist gut bis sehr gut; die erforderliche Jugendlichkeit der Stimmen ist leider nicht mehr bei allen gegeben. So fehlt hier Peter Schreier die wendige Leichtigkeit für den Baron. Das Wiederhören mit Edith Mathis in der gar nicht so "leichten" Rolle der Baronin überstrahlt jedoch alle und alles: ein Lehrbeispiel für seelenvollen und klaren Gesang.

Die Problemzone mancher Gesamtaufnahmen - die Dialoge - sind auch hier rasch und lieblos heruntergenudelt. Dennoch empfehle ich wegen der Fülle an herrlicher Musik statt eines Querschnitts diese Gesamtaufnahme zu kaufen, noch dazu zu einem sehr günstigen Preis.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. November 2012
Die Eterna-Collection "Der Wildschütz" von 2005, aufgenommen allerdings bereits 1984 von VEB Deutsche Schallplatte Ostberlin, ist von hervorragender Qualität. Die Klangreinheit ist beeindruckend. Sehr angetan war ich auch von der Beilage des Gesamttextes, sodass man ohne Schwierigkeiten die Oper verfolgen kann. Ich kann jedem Lortzing Liebhaber diese CD weiterempfehlen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. April 2007
Lortzings bestes Werk, leider heute auf unseren Bühnen kaum noch zu hören. Diese Gesamtaufnahme überzeugt rundweg durch die gute Besetzung, bietet aber nicht die Lebendigkeit und Spielfreude der alten Emi-Aufnahme von Robert Heger. Hier wird ein etwas zu "künstlicher" Lortzing geboten. Die musikalischen Leistungen sind hervorragend, Bernhard Klee als Dirigent fast so gut wie Heger. Bei der Besetzung gefällt vor allem der viel zu selten auf CD hörbare Hans Sotin als Baculus. Edith Mathis ist als Baronin ein bißchen zu sehr Dame, singt aber wunderschön. Peter Schreier erreicht viel, aber nicht einen Fritz Wunderlich, auch Gottfried Hornik als Graf ist deutlich blasser als Hermann Prey. Doris Soffel und Georgine Resick als Gräfin und als Gretchen bieten hohe Qualität
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Eine Aufnahme von 1984 als die Kühnster noch Künstler waren und wirklich etwas konnten. Die wurden nicht von den Musikkonzernen hochgepuscht. Eindrucksvoll, einfühlsam und mit viel Schwung wurde diese Aufnahme eingespielt. Die Aufnahme entstand in der Christuskirche Oberschöneweide, man muss also von einer statischen Aufführung ausgehen, trotzdem hat man den Eindruck als wenn die Künstler agierten.
Es macht Freude zuzuhören.
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