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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Millionär zum Tellerwäscher, 14. November 2009
Von 
Tonio Gas - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Carrie (DVD)
"Carrie" ist schon ein ziemlich guter Film und er möge seine fünf Sterne haben (gute DVD-Qualität, O-Ton, Untertitel, keine Extras). Indes, eine Warnung sei ausgesprochen, gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation: "Carrie" hat Potenzial, zu deprimieren. Wenn Sie gerade Ihre Arbeit verloren oder sonstwie Existenzsorgen haben, besser Finger weg von dem Film. Denn solche Sorgen hat auch Mr. Hurstwood (Laurence Olivier), der hier einen gnadenlosen Abstieg hinlegt. Dem Glauben an den amerikanischen Traum, nach dem es jeder schaffen kann, der nur zupackt, erteilt "Carrie" eine düstere Absage. In diesem Film ist so ziemlich alles das glatte Gegenteil von den amerikanischen Erfolgsgeschichten, die das US-Publikum Anfang der Fünfziger in knalligem Technicolor sehen wollte. "Carrie" wollte dann auch keiner sehen. Dies aber hat der Film nicht verdient.

Hurstwood ist zunächst Geschäftsführer einer angesehenen Bar, seine Ehe mit einer von Miriam Hopkins gespielten Frau die Hölle auf Erden. Er verliebt sich in Carrie (Jennifer Jones), ein Mädchen vom Lande, für die es am Ende nach schwierigem Start recht gut laufen wird. Das ändert aber an der pessimistisch-fatalistischen Grundhaltung des Filmes recht wenig, denn es ist immer eine tragische Mischung aus Schwäche, Feigheit, falschem Stolz, Lüge, Missverständnissen (insofern ein bißchen selbstverschuldet), aber auch aus absurden Zufällen und Schicksalsschlägen, die die Geschicke der Protagonisten bestimmen. Und wie gesagt, für den im Zentrum stehenden Hurstwood sieht es nicht gut aus.

Mehr soll über den Inhalt auch gar nicht verraten werden, die Grundstimmung lässt sich viel besser über den Stil und die Schauspielführung beschrieben. Hier erweist sich der Regisseur William Wyler wieder einmal als Meister. Er war vor Kubrick der schlimmste (und damit beste) Perfektionist und Pedant, wiederholte Einstellungen zigmal, und es zahlt sich auch hier wieder aus. Das Ganze wirkt alles andere als steril, aber perfekt. Bei zahlreichen Einstellungen ist zu spüren, dass jedes Detail sitzt, jeder Blick, jedes Heben der Augenbraue, jedes Senken der Lider, jede mikrometerweise Drehung des Kopfes, ja jeder Gang scheint punktgenau choreographiert (etwa wenn Carrie und Hurstwood sich erstmals begegnen und in Nebenräumen einer Bar parallel den Raum durchschreiten). Wyler wählt oft die Tiefenschärfe und verzichtet auf Schuss-Gegenschuss, wobei er darauf achten muss, dass mehrere Personen zugleich das Richtige ausdrücken und tun. Achten Sie einmal gezielt darauf, wenn zwei oder drei Personen zusammen im Bild sind, wie diejenige reagiert, die sich gerade nicht am Gespräch beteiligt. Es ist hier ein ungeheurer mimisch-gestischer Reichtum, die Kamera lenkt den Zuschauer nicht, er kann sich selbst aussuchen, wen er gerade anblickt und dreimal soviel entdecken wie in Filmen, in denen die Kamera nur einen wichtigen Vorder- und einen unwichtigen Hintergrund kennt. Nichts ist bedeutungslos. Spiegel stehen zum Beispiel für Lüge, Vorspiegelung falscher Tatsachen, aber auch auf sich selbst zurückgeworfen sein. Menschen sind ständig so kadriert, dass sie durch Rahmen blicken, etwa durch ein Fenster, durch den Rahmen der Intérieurs einer Bar, oder scheu hinter den langen, tiefschwarzen Schatten einer Hintertreppe sich verkriechend. Wie nicht selten bei Wyler geht es um Klassenunterschiede, und Menschen möchten an einen anderen Ort, in eine andere Klasse gelangen (Audrey Hepburn möchte in "Ein Herz und eine Krone" auf ein Fest der einfachen Leute gelangen, das durch Baumkronen abgetrennt ist, die Gangster in "An einem Tag wie jeder andere" möchten sich in dem Vorstadthaus der gehobenen Mittelstandsfamilie einrichten, die sie als Geiseln nehmen, weitere Beispiele könnte man nennen). Tja, wenn da nicht immer die Spiegel wären...

Und auf dieser Plattform entwirft Wyler eine ungewöhnliche Mischung aus hartem Sozialdrama und nicht minder hartem Schicksalsdrama. Die tiefenscharfe Fluchtperspektive auf einen langen Tisch dicht zusammengezwängter Näherinnen zeigt beispielsweise besser als jeder Dialog, wie die Arbeitsbedingungen in Chicago um 1890 für Frauen waren. Das beinahe expressionistisch fotografierte Schicksalsdrama begegnet uns dann eher in Gestalt von Hurstwood und seiner Frau. Es ist kaum erstaunlich, dass er permanent mit der Kleiderfarbe schwarz assoziiert wird. Ein Mal füllt die Rückseite des schwarzen Anzugs ein großes Stück vom Bild aus, während die Hopkins in einer hellen Umgebung und im Nachthemd erstaunlicherweise genauso böse und unnahbar ist wie in ihren übrigen Szenen. In denen hat sie stets üppige Kleider von strenger Eleganz an (und ein Hut mit einem toten Vogel zeigte schon bei Bette Davis in Wylers "Die kleinen Füchse", mit wem nicht gut Kirschen essen ist), die sie unnahbar wie in einer Ritterrüstung wirken lassen. Ihr Charakter ist vielleicht auf etwas übertriebene Art böse, aber das ist schon beängstigend gut gespielt und inszeniert, und wenn man merkt, dass die eben auch ohne ihren Kleidungsschutzpanzer so ist, läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter.

Es wäre noch seitenlang möglich, Einzelszenen als Beleg für Wylers immer im Dienste der Geschichte stehenden stilistischen Perfektionismus aufzuzählen. Erwähnenswert ist bei alldem noch dies: Wer gut im Detail-Arrangement ist, vergisst gelegentlich die Schauspieler - Wyler nicht, er war immer ein großer Schauspielerregisseur und holt auch diesmal aus seinem Team eine Menge heraus. Man muss einfach, nur dieses eine Beispiel sei mir gegönnt, gesehen haben, wie der Olivier als erbärmlicher Penner im für damalige Verhältnisse schonungslos gefilmten Nachtasyl immer noch seinen Hemdkragen stärken will, weil er sich einfach mit seinem Abstieg nicht anfreunden kann. Man muss so vieles gesehen haben... Nur eines hat mich hier nicht restlos überzeugt, die Liebesgeschichte zwischen Carrie und Hurstwood. So sehr man mit diesem Mann mitfühlt, grenzenlos ist das nicht. Letztlich beruht die ganze Beziehung auf Lüge, Schwäche, Feigheit. Hurstwood schafft es einfach nicht, seiner Angebeteten einmal reinen Wein einzuschenken, und das kommt verdammt oft vor: Situationen, in denen er sich immer tiefer in ein Netz von Lügen verstrickt. Er muss ja nicht gerade Charaktersuperman sein, aber man fragt sich da schon, ob diese Liebe nicht auf einem Sand gebaut ist, der das Pärchen zu offensichtlich nicht tragen kann. Wenn Carrie am Ende meint, sie erkenne nun, dass Hurstwood ihr nur aus Liebe allen Ungemach verheimlicht hat, so bin ich anderer Ansicht (zumal das ja nichts genützt, sondern alles nur noch schlimmer gemacht hat). Als Liebesfilm also nicht ganz überzeugend, als Drama herausragend.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassische Literaturverfilmung, 5. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Carrie (DVD)
Im Jahr 1900 erschien Theodore Dreisers erster Roman "Sister Carrie". Er handelt von einer jungen Frau, die dem ärmlichen Landleben im Amerika des vorletzten Jahrhunderts entflieht und in Chicago, Illinois ein neues, besseres Leben beginnen will. Wie später auch in vielen seiner anderen Romane (z.B. Jennie Gerhardt, Ein Platz an der Sonne) ist das zentrale Thema von "Carrie" die Sehnsucht des Menschen nach einem anderen, vermeintlich besseren Leben. Diesem Traum werden eigene Wertvorstellungen und gesellschaftliche Normen geopfert, das Glück lässt sich so aber in Dreisers Welt nicht erzwingen.
Bekannter als die Verfilmung von "Carrie" ist sicherlich die Filmversion des Klassikers "Ein Platz an der Sonne" von George Stevens. Montgomery Clift wird hier zum Mörder, um seinen "american Dream", verkörpert durch Elizabeth Taylor, zu verwirklichen. Die Geschichte endet tragisch.
"Carrie", von William Wyler elegant und glaubhaft in Szene gesetzt, erzählt seine Geschichte ähnlich. Jennifer Jones ist die Titelheldin, auf der Jagd nach einem besseren Leben wird sie zur Mätresse eines sympathischen Taugenichts (hervorragend: Eddie Albert), verliebt sich aber in den älteren, in einer unglücklichen Ehe gefangenen Laurence Olivier. Dieser wird zum Dieb, um Carrie ein sorgenfreies Leben zu bieten, doch seine Ehefrau (gekonnt unsympathisch: Miriam Hopkins) verfolgt ihn mit ihrem Hass und verhindert, daß Carrie Meeber und George Hurstwood (so die Namen der Figuren in Dreisers Roman) ihr bescheidenes Glück finden. Was folgt, ist der eindrucksvoll geschilderte Absturz Hurstwoods in die sprichwörtliche Gosse. Erstmals ist in dieser DVD Veröffentlichung auch eine ursprünglich von der Zensur entfernte Szene im Armenhaus enthalten, die dem 50er Jahre Publikum wohl nicht zugemutet werden sollte.
Parallel zu Hurstwoods Absturz wird Carrie zu einer erfolgreichen Schauspielerin, die es nicht schafft, ihren ehemaligen Geliebten wieder an sich zu binden- niemand widersetzt sich ungestraft den Normen, mit denen die Gesellschaft uns kontrolliert!
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg gut, Olivier ist grandios als der gefallene, von Pflichtbewustsein und Liebe zerissene Hurstwood, Jennifer Jones wurde als in dieser Rolle zu passiv kritisiert, doch ist sie meiner Meinung nach eine sehr glaubhafte Carrie- Kritiker jüngerer Generation schließen sich dieser Meinung übrigens verstärkt an.
Das Bild und der Ton der DVD sind ok, neben der deutschen Tonspur gibt es den O Ton, Untertitel sind vorhanden. Schön wären ein paar Bonussachen gewesen, oder vielleicht ein Audiokommentar, aber man ist auch mit der rekonstruierten Langfassung gut bedient und freut sich, diesen Klassiker endlich- nach dem Anschauen!- ins Regal stellen zu können.
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Carrie
Carrie von Sir Laurence Olivier (DVD - 2005)
EUR 5,99
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