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Don Birnam (Ray Milland in seiner wohl besten, oscar-gekrönten Rolle) ist Schriftsteller - oder besser: er wäre es gern. In erster Linie ist er Alkoholiker und immer auf der Suche nach der nächsten Whisky-Flasche. Alle Versuche seines Bruders und seiner Freundin, ihn vom Alkohol abzubringen, scheinen erfolglos. Von seinem Bruder ein Wochenende allein gelassen, betrinkt sich Birnam haltlos, wird sogar zum Dieb und kommt nach einem Treppensturz auf die Alkoholikerstation. Von dort entflohen erlebt Birnam sein erstes Delirium tremens, dessen Halluzinationen eine prägende Wirkung haben ...
THE LOST WEEKEND ist ein ganz und gar untypischer Film des vor allem durch seine ewig jungen Komödien berühmt gewordenen Regisseurs Billy Wilder (1906-2002). Die bestechende Schwarzweißfotografie und die eindringliche musikalische Gestaltung lassen den Film noch nach 60 Jahren als Psychostudie eines Gescheiterten überzeugen. Das übertrieben positive Ende ist auf massive Interventionen des Paramount-Studios zurückzuführen. Nach dem der Film ein Jahr auf seine Premiere warten musste, erhielt Billy Wilder überraschend den Oscar für den Besten Film des Jahres 1945 und als bester Regisseur.
Bild- und Tonqualität der DVD sind dem Alter des Films angemessen hervorragend. Dass kein Zusatzmaterial vorhanden ist, wäre noch zu entschuldigen. Allerdings verzichtet UNIVERSAL leider auch grundsätzlich auf ein Booklet, das wenigstens einige schriftliche Hintergrundinformationen zu dieser Produktion geben könnte.
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TOP 100 REZENSENTam 16. Juni 2015
Was für ein Film! Nach vielen Jahren mal wieder als schwarz/weiß Film gesehen und ich war hingerissen von der Handlung eines durch Alkoholsucht in sich zerrissenen Don Birnam, wunderbar von dem Schauspieler Ray Milland gespielt.

Der erfolglose vierunddreißgjährige Schriftsteller Don Birnan aus New York beabsichtigt an einem Wochenende mit seinem Bruder auf dem Land zu verbringen. Dieser kümmert sich seit sechs Jahren um den alkoholkranken und mehrfach erfolglos therapierten und bislang rückfällig werdenden Don. Es gelingt dem süchtigen Don vor der Abreise unter einem Vorwand seine Geliebte Helen mit dem Bruder aus dem Appartment zu schicken und ein Alkoholexzess besonderen Ausmaßes beginnt, in dem sich Don in einer Klinik für Alkoholkranke wiederfindet.

Dieser schwarz/weiß Film mit seinem besonderen Flair berührt ungemein. Der Schauspieler Ray Milland verkörpert einen suchtkranken Menschen brillant. Don Birnam sieht sich in zwei Personen wieder, als Trinker und als Don den Schriftsteller. Aber nur als Trinker versinkt er im Rausch und durchlebt gedanklich schriftstellerische Fähigkeiten, die ihm bislang als Autor versagt blieben.

Während seiner Alkoholgelage nimmt er Rückblick auf sein bisheriges Leben und der Filmbetrachter bekommt einen tiefgreifenden Einblick in die Abstürze eines alkoholabhängigen Menschen. Don lügt und stiehlt und findet immer wieder Möglichkeiten seine Mitmenschen zu täuschen. Er ist ganz unten und erlebt ein gruseliges Delirium mit Fledermaus und Maus im Schatten der Nacht.

Er selbst erkennt, dass der Alkohol am Abend als Getränk genossen und am Morgen als Medizin empfindend sein Leben kaputt macht. Er will für Helen ein Buch darüber schreiben und hat als Titel "The Bottle (Die Flasche)" festgelegt. Eine heimlich versteckte und aus dem Fenster hängende Whiskyflasche und eine Schreibmaschine symbolisieren einen tief in sich zerrissenen Don. Ein Film, der unter die Haut geht!
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am 8. Februar 2016
... aber immer noch sehenswert.
Das liegt vor allem an den eindringlichen Dialogen.
Wenn Don Birnam im Suff philosophierend sein elendes Leben analysiert, hat sich nichts an der Sucht und dessen Folgeproblemen geändert.
Auch die ein oder andere Kameraeinstellung lässt Wilders künstlerischen Finger schnippen und weiß heute noch zu überzeugen.
Trotzdem bleibt narürlich aus heutiger Sicht vieles angestaubt. Das zerrüttete Verhältnis würde in der Auseinandersetzung des Pärchens heute anderes gefilmt. Auch der Klinikaufenthalt ist im heute absurd anzusehen. Auch die komplette Schauspieltechnik hat sich über die Jahre so verändert, dass es manchmal recht harpert.
Dann sind da aber wieder Momente die immer modern, aktuell und stark bleiben. Dieses ist aber einzig der Handschrift des Billy Wilder zuzuschreiben.

Für den Kinobegeisterten natürlich erste Pflicht den oscarpremierten Film zu kennen.
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am 30. August 2012
Zum Inhalt wurde in anderen Rezensionen schon Einiges geschrieben, sodass ich darauf nicht großartig eingehen möchte.

"Das verlorene Wochenende" zeigt in erschreckender Offenheit, wie tief ein Alkoholiker sinken kann. Jahrelang nutzt er Familie und Freunde aus, Liebe kennt er nicht, denn die Sucht diktiert ihm das Leben. Es ist ein Teufelskreis aus Hoffnung, Versagen und Selbstbetrug. Don würde alles tun für den nächsten Schluck, ob er nun die Flaschen versteckt, den Barbesitzer anbettelt oder stiehlt. Lange sieht er sich aber nicht als süchtig. Dons Bruder und seine Freundin opfern sich für ihn auf, lügen wieder und wieder für ihn, nehmen ihn in Schutz, geben ihm Geld, nehmen auf ihn Rücksicht - und fördern seine Sucht dadurch nur.

Das verhalten positive Ende zeigt zwar die Erkenntnis, dass Don ein ernstes Problem hat, aber wahrscheinlich war dies nicht sein letzter Absturz.

In einem so alten Film hätte ich niemals diese realistische Darstellung des Alkoholismus erwartet. "Das verlorene Wochenende" ist großartig gespielt, ohne Übertreibungen und sehr wirklichkeitsnah - sehr sehenswert.
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TOP 500 REZENSENTam 30. Januar 2013
Regie: Billy Wilder, mit: Ray Milland, Jane Wyman, Paramount, USA 1945, 96 min.

Don Burns (Milland) ist auf dem Sprung mit seinem Bruder ins Wochenende, sie planen einen Ausflug. Sofort ist ersichtlich (die Flasche, die über dem Sims hängt) was hier nicht stimmt. Don will seinen Bruder und auch seine Verlobte Helen St. James loswerden, sie sollen den Abend in der Oper verbringen, die Abfahrt wird verschoben, damit er endlich ungestört zur Flasche greifen kann. Als die beiden fort sind, schnappt er sich das Geld der Haushaltshilfe und begibt sich auf eine ausgedehnte Sauftour, an deren Ende er so sturzbetrunken ist, dass er zu spät nach Hause kommt und sein Bruder ohne ihn ins Wochenende fährt. Dieser hat genug von seinem Bruder und den jahrelangen Lügen.
Doch Helen lässt nicht locker sie will ihm helfen, während er sie nur loswerden will.

"Warum hängt sich sowas (Helen) bloß an jemanden wie Sie und macht sich damit selbst kaputt?", so der Barmann zu Don.
Nach und nach enthüllt sich die trunkene Vergangenheit Burns, in Rückblenden erzählt Burns dem Barmann seines Vertrauens seine und Helens Geschichte . Der Zufall führte sie drei Jahre zuvor zusammen; bei einem Opernbesuch "La Traviatas" will Don nur eines: an die Flasche in seinem Mantel. Dummerweise hat er plötzlich den Leopardenmantel einer Dame in der Hand...

Helen in der Gegenwart: "Ich versuche dich nicht zu lieben und du versuchst nicht zu trinken." Beide scheitern. Helen mit ihrer hingebungsvollen Sorge um den Geliebten, Don scheitert an sich selbst. Ein erfolgloser Schriftsteller, der von seinem Bruder unterstützt wird. Als er die nette und strebsame Helen kennen lernt, scheint sich das Blatt zu wenden. Er hört mit dem Trinken auf, doch scheitert wieder einmal an Erwartungen, diesmal von Seiten ihrer Eltern.
Und während er alle vergrault, bleibt Helen - treu wie ein Hund - an seiner Seite, während er sie nur loswerden will. Er hasst sie und ihre Fürsorge, und der Pelzmantel ist seine symbolische Geste, sich an ihr und ihrer ungebrochenen Hingabe zu rächen.

Jane Wyman ist für mich DER Star des Filmes. Mit "The Lost Weekend" beginnt ihre Karriere und durch "Johnny Belinda" steigt ihr Stern und "box office value". Zuerst sollte Barbara Stanwyck die Rolle der Helen spielen. Sie hätte den Film sicherlich härter und hoffungsloser, kurz hermetischer, gemacht. Doch Wilder und Brackett entschlossen sich, die Rolle Wyman zu geben und maßschneiderten sie ihr auf den Leib. Wyman spielt die Helen nicht, sie IST sie, schlicht und authentisch. Sie ist eine zeitlose Frau, deren Pelzmantel ein Symbol für ihre Beständigkeit ist. Der Mantel begleitet Don während des ganzen Films, er bringt die beiden zusammen; als er versucht ihn - sinnbildlich für Helen - loszuwerden bringt dies die beiden nur noch näher zusammen.

Milland hingegen gibt sein Bestes, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Am Anfang irritiert sein manieriertes Spiel, vor allem das nervige Irrer-Blick-Augenspiel. Doch die Geschichte und Regiearbeit Wilders sind so dicht und exzellent, dass auch er DURCH die Geschichte brilliert. Man kann sich dem Sog der Abwärtsspirale nicht entziehen. Starke Szenen gibt es zuhauf: Der Abdruck der Gläser auf den Tresen, der Wirt will die Spuren beseitigen. Don hält ihn davon ab: "Ein Teufelskreis. Mein Teufelskreis. Der Kreis ist die vollkommene geometrische Figur. Kein Anfang, kein Ende." Sagt's und gib sich ein weiteres Mal die Kante.
Dazu eine stimmige psychedelisch anmutende Musik, immer wenn er zur Flasche greift. Seine Freunde sind die Flasche, der Barmann und Gloria, die dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht und zu gerne mal mit Don ausgehen würde. Doch Dons erste und einzige Liebe ist die zur Flasche, er benutzt jeden und spielt mit den Gefühlen seiner Mitmenschen, um seine Sucht zu befriedigen. Höhepunkt ist sicherlich die surreale Traumsequenz, ein psychedelischer Höllentrip.

Man könnte noch viel über Inszenierung, ... schreiben. Doch an dieser Stelle der Vermerk: einfach selbst schauen und in die Abwärtsspirale hineinziehen lassen.
Zur DVD: Deutsche, englische und französische Tonspur und diverse UT. Kristallklares Bild. Keinerlei Extras.

Fazit: Eindringlich. Verstörend. Zynisch. Eine exzellente Charakterstudie eines gescheiterten Menschen. Gescheitert an den eigenen Ansprüchen. Auch das Ende überzeugt auf ganzer Linie.

PS: Der Film gewann 1945 den Oscar für den Besten Film!
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am 28. Januar 2016
Ich habe kürzlich das Buch gelesen und wollte nun auch die Verfilmung sehen. Ohne Frage toller Darsteller (Wer ihn kennt: DER MANN MIT DEN RÖNTGENAUGEN 👍). Auf deutsch unerträglich aber ich schaue Filme grundsätzlich lieber mit den original Stimmen. Und einfach nicht mit dem Buch zu vergleichen. Trotzdem, ein guter Film. Das kann man nicht leugnen. Ich empfehle, sich vorher etwas darüber zu informieren, warum er ein anderes Ende als das Buch hat. Billy Wilder hätte ihn gern anders gedreht...
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. September 2015
Dieses Alkoholikerdrama ist mit Recht berühmt geworden, ist es doch seiner Zeit voraus. Wann wurde im Hollywoodfilm Alkoholismus mal ernst genommen, zumal Trinken gesellschaftlich geradezu gefordert war und andere Suchtmittel (Glücksspiel, Tabletten, Marilyn Monroe konnte ein Lied von Letzteren singen) unbegrenzt verfügbar waren? Ansatzweise in Dorothy Arzners „Merrily We Go To Hell“ (1932), sehr gut in dem Zockerdrama „Spielfieber“ (1950) mit der großen Barbara Stanwyck als Spielsüchtiger, dann erst wieder in Blake Edwards‘ „Die Tage des Weines und der Rosen“ und in Sidney Lumets "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (beide 1962). Und dann ist da eben „Das verlorene Wochenende“. „Andere betrinken sich. Ich TRINKE.“ Don (Ray Milland), der so gern ein Schriftsteller wäre, ist seit Jahren süchtig und hat den Unterschied zwischen einem wie ihm und einem, der halt ab und an mal blau ist, genau begriffen. Der Alkohol ist kein Vergnügen mehr, auch wenn er zur Verfügung steht. „Abends ist es ein Getränk, Morgens ist es Medizin.“ Das erklärt er nicht nur den Menschen in seinem Umfeld, vor allem Helen (Jane Wyman), die ihn liebt und sich das bitte nicht so leicht vorstellen möge. Das erklärt er erstmal auch dem Zuschauer, dem dies 1945 oft noch nicht so geläufig war.

Man könnte meinen, der Film müsse daher fast zwangsläufig in die Zeigefingerfalle tappen und schlecht gealtert sein. Dies ist glücklicherweise nicht der Fall. Wie macht Billy Wilder das? In der gewohnt souveränen Mischung aus süffisanten Dialogen, hervorragender Schauspielerführung und vor allem einem leichthändigen und doch sehr bewussten Einsatz genuin filmischer Gestaltungsmittel. Man denkt ja bei den Regisseuren, die vom Schreiben kommen, dass sie außer Dialogen nicht viel drauf hätten; neben Wilder ist Joseph L. Mankiewicz eine Zielscheibe dieser Kritik. Und bei beiden ist es ganz und gar unfair und kurzsichtig, konkret zum vorliegenden Film: Wilder beginnt mit einer fulminanten Kamerafahrt vom Großen zum Kleinen; von der imposanten New Yorker Skyline zu dem wenig repräsentativen Zimmerfenster Dons, aus dem schon die Flasche baumelt, auf dass der Bruder Wick sie nicht finde. Die Stadt ist voll von solchen Leuten, auch wenn es zunächst nicht so aussieht. Am Ende wird sich die Bewegung in umgekehrter Reihenfolge wiederholen und die Intention in einem Monolog noch klarer werden. Zusammengenommen weist dies überdies auf das kreisförmige Erzählen hin. Die runden Abdrücke von Schnapsgläsern auf der Theke waren zuvor als Form „ohne Anfang, ohne Ende“ (so Don) etabliert worden – das Trinken als Teufelskreis, mit dem der Tag nicht nur endet, sondern (s.o.) schon beginnt. Auf die Alkoholikerstation des Krankenhauses, auf der Don einmal landet, kämen sie alle wieder und wieder, jahre-, gar jahrzehntelang, so ein Pfleger. So ist auch klar, dass der Film zwar hoffnungsvoll endet, aber letztlich offen – der Kreis scheint geschlossen zu bleiben. Wilder, der so viele gute Komödien gemacht hat, nimmt sein Thema sehr ernst und verharmlost nichts. Lediglich ein Gastwirt, der offenbar positiv konnotiert sein soll, aber Don dennoch immer wieder mit Stoff versorgt, scheint ein wenig aus der Zeit gefallen, aus heutiger Sicht.

Dass Wilder einen ernsten Film gemacht hat, hindert ihn aber nicht daran, gewohnt leicht und ansatzweise sogar beschwingt zu erzählen. Ray Milland hat einen Oscar für die Darstellung des Süchtigen bekommen, und das auch zu Recht, wenngleich Wilder ihm ein paar vergiftete Komplimente gemacht hat. Für solches Betroffenheitskino gäbe es halt Oscars, für eine Leichtigkeit wie diejenige Cary Grants jedoch leider nie, und das sei mindestens genauso schwer zu spielen. Aber wenn man genau hinsieht, sind die Auftritte des verzweifelten, schwitzenden, poltrigen, gierenden, panischen, abgehalfterten Don zwar gut – aber wirklich groß sind sie, wenn der kreative Furor und der Optimismus noch durchschimmern, die er sich gerade totzusaufen droht. Dieser Don hat, selbst noch in manchen unangenehmeren Momenten, ein unglaubliches Charisma, Charme, Witz, Bildung, er schwingt geschliffene Reden voller geistreicher Bonmots, parliert über Brahms (bezeichnenderweise wird dieser oft als grüblerischer Spaziergänger dargestellt) und zitiert Shakespeare wie kein Zweiter. Das ist viel mehr als nur Wilderismen um ihrer selbst Willen. Das verleiht dem Mann Größe – und damit mehr Fallhöhe. Wir mögen diesen Mann und fühlen umso mehr die Tragik (Sidney Lumet hat offenbar genau zugeguckt: Als er 1962 den Absturz einer Frau in die Morphiumsucht zeigte, wollte er unbedingt einen A+++-Star, eine Ikone, eine Göttin – und bekam Katherine Hepburn, die aus den gleichen Gründen den Fall umso intensiver spürbar werden lässt). Wir werden aber auch immer wieder auf seine Seite gezogen. Es gibt unsagbar viele Momente, in denen wir Don und/oder eine Flasche und/oder eine andere Person im selben Bild statt in Schuss-Gegenschuss-Montage sehen. Dadurch haben wir kurzzeitig einen Informationsvorsprung. Und dadurch wollen wir instinktiv, dass Don die Flasche findet, oder dass er sie rechtzeitig ergreifen und/oder verstecken kann, bevor jemand das merkt. Oder dass er sich vor Helen verstecken kann, als er der Begegnung mit ihren Eltern ausweichen will. Da treibt Wilder ein kleines Spiel mit uns, wie er das schon bei dem nicht anspringenden Motor in „Frau ohne Gewissen“ getan hatte. Wir sind eigentlich auf der falschen Seite. Anders als bei „Frau…“ nicht gleich auf Seiten eines Mörders, sondern eines nicht unsympathischen Kerls (gelichwohl in einer langen Suspense-Szene: eines Handtaschendiebs), aber: Für den wäre es eigentlich besser, wenn er nichts Alkoholisches zu fassen bekäme und sein Mimikry schnell und schmerzhaft beendet werden würde. So fragt uns Wilder geschickt, ob wir wirklich Don helfen wollen oder ob wir so einem nicht auch einen Schnaps zuzustecken bereit wären, was alles nur noch schlimmer machte. Das ist tausendmal geschickter als Zeigefingerkino, und es unterhält sogar noch gut. Es hat einen Hauch von Suspense, wir fiebern mit, wir haben Empathie mit dieser Figur, und doch denken wir über uns selbst nach, ohne das aufgenötigt zu bekommen.

Wilder sei der Meister der Leichtigkeit, der Meister der Unterhaltung. Hier hat er mit Stilmitteln der leichten Unterhaltung das Schwere umso wirkungsvoller auf die Leinwand gebracht. Das lässt sich für weitere Aspekte sagen: Gloria, ein mehr oder minder (man durfte es ja nicht so deutlich zeigen) leichtes Mädchen aus Dons Lieblingsbar, und Dons Flirt mit ihr sowie ihr Bemühen, Verehrer loszuwerden, wobei der Barmann kräftig hilft: Das ist purer Wilder, da genügt ein Fingerzeig hier, ein Nackenstreicheln da („So ein Haaransatz müsste verboten werden!“), ein Hüftwackeln dort und ein lasziver wie gleichsam trauriger Blick noch zudem. Wilder liebt solche Figuren und gibt ihnen Würde, sein Spaß ist nie Spott (sehr unterschätzt in diesem Zusammenhang: Kim Novak als Pistolen-Polly aus „Kiss Me, Stupid“, 1964, mit der Gloria gar nicht wenig zu tun hat). Die kleinen Tics und Running Gags wie die Tatsache, dass Don ständig versucht ist, sich seine Filterzigarette falsch herum in den Mund zu stecken, was Helen korrigiert. Die Romantik, die auch darin zum Ausdruck kommt, dass Helen nicht nur die Fluppe, sondern auch Don zur Umkehr, zur richtigen Richtung bewegen will. Überhaupt, Jane Wyman, die Mater Dolorosa des klassischen Hollywood, als eine, die gar nicht ihr Leiden wie eine Monstranz vor sich herträgt, sondern mit eiserner Entschlossenheit und optimistischer Tatkraft – aber ohne Naivität – sich entschlossen hat: Ich kämpfe um Dich! Wunderschön dargestellt, mit jugendlicher Frische, und natürlich flankiert von Wilders (und Bracketts) brillanten Dialogen und Erzähltechniken: „Du versuchst, nicht mehr zu trinken und ich versuche, Dich nicht mehr zu lieben.“ Oder so ähnlich war das (ich sehe Filme ohne Rezensions-Notizblock). Was auch heißt: Vielleicht schaffen wir das nicht. Aber aus Sicht der Frau: Wenn ich das schon nicht schaffe, dass stehe ich dazu. Übrigens verweisen rückblendenhaft erzähltes Kennenlernen und drohender Abschied wieder durch ein hübsches Detail auf das kreisförmige Erzählen. Wilder war immer wunderbar in solchen Dingen anhand scheinbarer Banalitäten; hier geht es um vertauschte Mäntel. Noch ein Hinweis, dass der Teufelskreis nicht so leicht wird aufzubrechen sein.

Wenn also der Film am Rand purer Wilder ist (was der Aussage aber nützt statt schadet), so ist er im Zentrum gnadenlos konsequent und gar nicht mehr verspielt – aber auch darin unglaublich stark und Zeit wie Konkurrenz voraus. Manche Sets (u.a. Hans Dreier) haben eine Decke und damit ein höheres Maß an Authentizität als die seinerzeit oft üblichen Sets ohne Decke. Bei den Außenaufnahmen hat man den Eindruck, das ist – wenigstens zum Teil – wirklich in New York gedreht, gerade bei der Szene, in der Don durch die ganze Stadt läuft, um seine Schreibmaschine zu versetzen (man sieht mit wenigen Schnitten und ohne erkennbare Rückprojektionen die Straßen, Kreuzungen und Straßenbahnen in einer Weitläufigkeit, die auf Außenaufnahmen schließen lassen). Das ist wirklich der Verzweifelte in der Großstadtschlucht, fünf Jahre vor John Hustons bahnbrechendem Realo-Noir „Asphalt Jungle“. Dabei geht Wilder aber nur insoweit dokumentarisch vor, als es seinem erzählerischen Anliegen dient. Als Don in der besagten Szene mit Kraft und Nerven am Ende ist (alle Leihhäuser haben an Jom Kippur geschlossen), arbeitet Wilder kurzzeitig mit Frontalaufnahmen von Don, in denen die Tiefenschärfe – im schroffen Gegensatz zum Rest des Filmes – extrem gering ist. Nun hat Don seine Orientierung in der Welt endgültig verloren, alles um ihn herum ist verschwommen, seine Verzweiflung scheint uns ganz direkt anzublicken, wir werden einbezogen und nehmen zusammen mit Don nichts anderes mehr von der Welt wahr.

Aber wir nehmen natürlich durchgängig ihn wahr und seinen Abstieg. Insoweit setzt Wilder seine Mätzchen nicht nur gezielt, sondern auch ohne Überdosis ein. Vieles wird schlicht und schnörkellos so gezeigt, wie es ist, was vor allem die Verhaltensweisen Dons betrifft. Wir lernen ihn als netten, charmanten, eloquenten Mann kennen, dem höchstens vorzuwerfen ist, dass er Flausen im Kopp hat und noch nie gearbeitet hat oder gar etwas jenseits der Collegezeitung geschrieben hat (sein Bruder finanziert ihm dies). Aber durch die Sucht trinkt er nicht nur, er tut auch alles Mögliche, was eigentlich wider seine Natur ist. Er wird äußerst unhöflich, wenn er es nicht mehr ohne Stoff aushält, gegenüber dem Barmann, gegenüber Helen gleich bei der ersten Begegnung. Er wird ein Lügner, Trickser, Betrüger, Drückeberger, Erfinder zahlloser Finten, um vor dem Bruder und der Freundin den Whisky zu verstecken oder unbemerkt welchen kaufen zu können. Er wird sogar zum Dieb – und man merkt Millands Spiel immer an, dass er das nicht gern macht. Er tritt zwar in Aktion, aber eigentlich ist das nur Reaktion auf die unbewzingbaren Trinkbedürfnisse. Er ist ein Getriebener, wie wohl jeder Alkoholiker. Wilder, Milland und sein Team stellen das wunderbar dar.

Fazit: Einer der ganz großen Filme Wilders, weil er seine gewohnten Stärken einsetzt, um etwas ganz Neues zu machen und diese Kombination im Sinne eines Win-Win-Ergebnisses aufgeht. Leichte Abstriche für zwei Dinge: Die DVD (alle möglichen Sprachen und Untertitel, keine Extras) hat in kontrastreich ausgeleuchteten Szenen einen etwas milchigweißen rechten Bildrand. Die Musik von Miklos Rosza hätte dezenter ausfallen können. Sie ist nicht schlecht, aber zu schwer und wird zu reichlich eingesetzt. Man hat dadurch den Eindruck, sie wolle etwas vorantreiben statt nur unterstützen. Das aber hat dieser starke Film überhaupt nicht nötig. So spielt zusätzlich noch das Theremin unseren armen Don permanent ins Delirium. Immerhin filmhistorisch interessant, weil die hohen, vibrierenden Sphärenklänge dieses Instruments im gleichen Jahr – 1945 – von Rosza erstmals massiv für psychische Probleme eingesetzt wurden (in Hitchs „Spellbound“, der Mutter der Psychoanalysethriller) und spätestens jetzt zum festen Bestandteil des filmmusikalischen Standardkanons avancierten.
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Aus sehr persönlichen Gründen hatte ich lange Zeit Angst davor, diesen Film zu sehen.

Von daher kann ich sagen, dass die Darstellung eines Trinkers durch Ray Milland so nah an der Wirklichkeit war, wie es gerade noch erträglich ist.

Dank des Drehbuchs von Brackett und Wilder ist auch keine Hollywood- Schnulze entstanden, die das Thema Alkoholismus nur als Aufhänger benutzt. Dramatisch wie später etwa "Sunset Boulevard" ( ebenfalls von Billy Wilder ) und in s/w gehalten, mit großartigen Darstellern, weiß der Film von der ersten Minute an zu überzeugen. Dazu trägt maßgeblich die Musik von Miklos Rozsa bei.
Da ist auch die kleinste Nebenrolle erwähnenswert, etwa die Prostituierte Gloria.
Der Bruder Wick wird großartig von Phillip Terry gespielt.
Wer bisher noch kein Fan von Jane Wyman war, wird es hier werden. Mutig, anfangs etwas naiv anmutend ( wenn sie Don beim Kampf gegen die Sucht helfen will ) und sehr beharrlich ist sie die Stütze, die wahrscheinlich einige von uns im Leben nicht haben.
Verschiedene Stadien der Sucht werden gezeigt, so das erniedrigende Betteln um den kleinsten Tropfen Alkohol beim Barkeeper, der ja eigentlich davon lebt, Spirituosen zu verkaufen, welcher aber irgendwann einen Riegel vorschiebt. Auch Stehlen und Lügen gehören zum Alltag eines Trinkers.
Selbst Don's Bruder Wick lügt anfangs gegenüber der neuen Freundin für ihn, damit die ihn nicht gleich wieder verlässt. Aber Helen ist nicht dumm, auch schaltet sich unerwartet des Trinkers Ehrgefühl hinzu, der es nicht erträgt, wie sein Bruder für ihn schwindelt. Also gibt er sein Problem zu, was sehr wichtig ist. Ein Trinker muss das Problem zuallererst selbst erkennen und zugeben.

Fazit: Empfehlen kann ich den Film uneingeschränkt allen, die das Thema interessiert. Der Film beschönigt nix, es wird auch die Belastung der Angehörigen eines Alkoholikers gezeigt und wie andere an der Sucht etwas verdienen. Die vier Oscars ( für Kamera, Musik und Schnitt ebenfalls nominiert ) gehen voll in Ordnung: Bester Film, Hauptdarsteller, Regie und Drehbuch.
Ich hätte noch Jane Wyman für die Rolle der aufopfernden Freundin nominiert.
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am 7. Mai 2015
Von dem ich übrigens noch nie gehört hatte. Diese Charakterdarstellung hätte ich Ray Milland nie im Leben zugetraut. Dieser Billy-Wilder-Film ist höchst intensiv. Mehr möchte ich nicht verraten - ihn nur nachdrücklich empfehlen.
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am 13. Februar 2015
Don Birnam ist erfolgloser Schriftsteller und Trinker. Dieser Film wurde 1945 als bester Film ausgezeichnet und mit insgesamt vier Oscars bedacht. Aufgezeigt werden einige Tage aus dem Trinkerleben des Don Birnam. Es gibt sicherlich neuere Filme über das Thema Alkoholismus, aber meiner Meinung nach nicht unbedingt bessere. Sicherlich ist seit der Entstehung dieses Werkes eine Menge Zeit verstrichen. Die Verhaltensweisen und Symptome, die einen Alkoholiker ausmachen, werden in diesem Spielfilm hervorragend dargestellt. An den meisten Dingen hat sich bis heute wenig geändert. Don suhlt sich im Selbstmitleid, da er seine Sucht, natürlich nicht ankzeptieren will. Seine Angehörigen sind voller Gram, Verzweifelung und Wut. Letztendlich den Launen des Trinkers ausgeliefert. Wie jeder (oder fast jeder) Alkoholiker, versucht auch Don,seine Flaschen vor seinen Angehörigen zu verstecken. Damit beginnt auch der Film. Mit einer Flasche, die an einem Bindfaden festgemacht ist und aus dem Fenster hängt! Wie meistens, durchschauen die Angehörigen bald diese Versuche der Kaschierung und Verleugnung. Don reagiert darauf mit Albernheit und Wut. Gut dargestellt, wie der Alkohol Don phasenweise "glücklich macht". Wenn er in einer Kneipe steht und mit dem Barkeeper palavert. Auf einmal ist draußen nicht mehr die eigentliche Welt, nicht mehr die Straße, sondern auf einmal fließt der Nil am Fenster vorbei und darauf eine wunderschöne Barke! Der Alkohol macht die Welt schön! Kurz darauf aber natürlich auch wieder sehr hässlich! Wenn der Sprit ausgeht, wenn kein Geld mehr da ist und der Suchtdruck so groß ist, dann versetzt auch ein Schriftsteller sein größtes Gut, seine Schreibmaschine! Verzweifelt irrt Don durch die Straßen, um einen Pfandleiher zu finden, der bereit ist, seine Schreibmaschine anzunehmen. Nebenher werden dann den Frauen, die man doch eigentlich liebt, unerfüllbare Versprechungen gemacht. Immer und immer wieder! Und die Angehörigen werden immer deprimierter. Hervorragend auch die Abläufe, die in der Trinkerheilanstalt geschildert werden. In der Zeit, wo dieser Film gedreht wurde, waren die Gegebenheiten natürlich noch gänzlich anders geartet, als in der heutigen Zeit. Solche Einrichtungen hatten eher den Charakter von Gefängnissen, Polizisten bewachten die Türen, Zwangsjacken wurden angelegt und strenge Maßnahmen ergriffen! Unvergessen der zynische Krankenpfleger, der Don seine "Mitbewohner" vorstellt. "Schauen sie sich den an, wichtiger Mann aus der Werbebranche, beehrt uns immer wieder." Und das ist es eben, hier schließt sich der Kreis zur heutigen Zeit! Diese sogenannten "Drehtürpatienten", sind immer noch in den dementsprechenden Einrichtungen zu finden. Nur, die Kliniken werden heute natürlich anders geführt! Besonders eindringlich werden die Wahnvorstellungen filmisch umgesetzt. Wahnvorstellungen, die Don durchleben muss, als er sich im Entzug befindet. Vermutlich sind diese Sequenzen der Grund, warum sich damals die Kinobetreiber geweigert haben, den Film vorzuführen. Auch wenn wir natürlich heute einiges gewohnt sind, was filmisch umgesetzt wird, sind diese Szenen nach wie vor düster und bedrohlich. Sie hinterlassen eine starke Wirkung auf den Zuschauer. Und so geht es immer weiter, bis Don völlig am Boden liegt. Bis er seine Wohnung verwüstet, weil er sich nicht mehr erinnern kann, wo er die letzte Flasche versteckt hat. Das Ende des Films will ich an dieser Stelle offen lassen. Billy Wilder ist mit diesem Film etwas großes gelungen. Er hat eine Studie über das Thema Alkoholismus verfilmt, die auch nach 70 Jahren, nichts an ihrer Aussagekraft verloren hat! Davon gibt es sicherlich nicht viele Filme! Ray Milland als Don Birnam und Jane Wyman als seine Verlobte Helen, erbringen eine überragende Leistung! Die Gesellschaft geht vermeintlich mittlerweile mit diesem Thema anders um ( offener ), aber es sind in diesem Film nach wie vor so viele Wahrheiten enthalten, dass man ihn jedem empfehlen kann, der sich mit dem Thema beschäftigen möchte. Natürlich gehört dann auch noch etwas mehr an "Wissensaneignung" dazu. Aber, dies versteht sich wohl von alleine. "Das verlorene Wochenende" wurde mit vier Oscars ausgezeichnet. Bester Film - Beste Regie - Bester Hauptdarsteller - Bestes Drehbuch. Ich kann keine Oscars vergeben, aber 5 Sterne!
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