Kundenrezensionen


7 Rezensionen
5 Sterne:
 (6)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vor dieser Leistung muss man den Hut ziehen!, 19. Mai 2006
Von 
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
Weder bin ich Belcanto-Experte noch Fan des für mein Empfinden überlauten italienischen Operngesangs – ich bevorzuge im Prinzip die leiseren Töne der Alte-Musik-Schule. Dennoch muss ich vor der Leistung, die diese 3-CD-Box präsentiert, den Hut ziehen. Sängerisch geht hier ganz und gar die Post ab. Allen voran ist selbstverständlich Maria Callas zu erwähnen, für die „Norma“ eine Art Paraderolle war. Dank der für Naxos-Verhältnisse ungewöhnlich sachkundigen Anmerkungen von Michael Scott wurde ich in die Lage versetzt, auf Nuancen ihres Gesangs zu achten – und in der Tat, so versteht man, warum sie zur Legende wurde. Auch wer ihr Timbre nicht besonders mag, wird neidlos anerkennen müssen, dass hier eine Sängerin am Werk war, die ihr Fach wohl wie keine andere verstand. So abwechslungsreich, so intensiv, so dramatisch, so gekonnt wird diese Rolle kaum wieder zu hören sein. Dass da die Sänger und Sängerinnen an ihrer Seite etwas verblassen, verwundert nicht. Mario Filippeschi gibt einen mehr als ordentlichen Pollione, aber Ebe Stignani als Adalgisa und Nicola Rossi-Lemeni als Oroveso vermögen keinesfalls das Gefühl zu vermitteln, dass sie die richtige Besetzung waren: Stignani schlicht und einfach, weil sie zur Zeit der Aufnahme (Mai 1954) zu alt war, um als „giovinetta“ (junges Mädchen) zu überzeugen; Rossi-Lemeni, weil seine Stimme, so mächtig sie auch war, einen eigenartigen Beiklang hat, der Michael Scott veranlasst, von einem „Gas-Leck“ zu sprechen. Dass es für diese Rollen bessere Sänger gab, beweist der Anhang auf CD 3, wo Auszüge aus früheren „Norma“-Aufnahmen zu hören sind: Minghini-Cattaneo und Marion Telva klingen nach meinem Empfinden beide eher nach einer echten Adalgisa, während Ezio Pinzas Timbre die Bemühungen von Rossi-Lemeni auf die Plätze weist. Im Übrigen ist in diesem Anhang Rosa Ponselle zu hören, die in ihrer Aufnahme aus dem Jahr 1929 am ehesten der Callas den Rang hätte streitig machen können; Gina Cigna (Turin, 1937) hatte ebenfalls ein wunderschönes Organ, war jedoch von ihrem Gesangsstil her keine wirklich große Bellini-Interpretin.

Das Orchester von La Scala, Mailand, leistet unter Tullio Serafin Gutes, ohne jedoch an die Wiener Philharmoniker z. B. auf Wilhelm Furtwänglers „Fidelio“-Aufnahme heranzureichen. Das Gleiche müsste man über die EMI-Tontechnik sagen: Obwohl der von Naxos-Experte Mark Obert-Thorn digital bearbeitete Monoklang durchaus das Prädikat „sehr gut“ verdient, gibt es immer noch einen himmelweiten Unterschied zu der Meisterleistung auf besagter Beethoven-Aufnahme aus Wien. Obert-Thorn hat sich auch in anderer Hinsicht sehr viel Mühe gegeben: Er hat sich kritisch mit den EMI-Überspielungen dieses Klassikers auseinandergesetzt und anhand wissenschaftlicher Veröffentlichungen die eine oder andere Korrektur vorgenommen. Ihm ist es nicht anzulasten, wenn noch an der einen oder anderen Stelle kleine Verzerrungen zu hören sind.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Norma assoluta, 21. April 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
Zusammen mit Gaetano Donizetti und Gioacchino Rossini bildet der sehr jung verstorbene Sizilianer Vincenzo Bellini das Dreigestirn der berühmtesten Belcanto - Komponisten, die das Operngeschehen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast uneingeschränkt beherrschten. Von diesen dreien erschien einige Zeit lang jedes Jahr mindestens eine neue Oper, die meist einem bewährten Strickmuster folgten: Ein Textbuch mit einem Nichts an Handlung, gefällige und schwungvolle Musik, dazu ein bis drei exponierte Sänger, die mit ihrem stimmakrobatischen Fertigkeiten das Publikum zu Ovationsstürmen hinrissen. Allerdings hat auch dieser stets als oberflächlich gescholtene Opernstil Meisterwerke auf der Habenseite zu verzeichnen, ohne die das Musiktheater um einiges ärmer wäre, so Rossinis "Il baribiere di Siviglia", "La Cenerentola" und "Guillaume Tell" (eigentlich keine Belcanto - Oper mehr), Donizettis "L' elisir d' amore", "Lucia di Lammermoor" und "Don Pasquale" und natürlich Bellinis "Norma".
Nur knapp drei Jahre blieben Bellini, um seinen Ruhm auszukosten. 1831 hatte er nach einigen Achtungserfolgen mit "La Sonnambula" seinen internationalen Durchbruch gefeiert, noch im gleichen Jahr, am 26. Dezember, wurde "Norma" in Mailand uraufgeführt, im Triumphzug verbreitete sich das Werk in den nächsten Jahren über die ganze Welt und verschaffte dem mit gerade einmal 33 Jahren verstorbenen Bellini seinen gebührenden Platz im Musik - Pantheon.
"Norma" rettete Bellinis Namen vor dem Vergessen, die enorm anspruchsvolle Titelpartie war für jede Sängerin, die etwas auf sich hielt, ein Anreiz, von den weiteren Werken des Komponisten ließ man jedoch weitgehend die Finger. Sie galten als veraltet, der Einfluß der omnipräsenten Meister Verdi und Wagner mit ihren ausgefeilten Musikdramen verdrängte die Vertreter der reinen Gesangskunst in ein Nischendasein, obwohl Wagner, der schärfste Verächter des Belcanto, sich zumindest über "Norma" uneingeschränkt lobend äußerte. Bellini selbst wurde als "Vorläufer Verdis" abgekanzelt und seine Partituren verstaubten in den Archiven.
Das änderte sich, als nach dem 2. Weltkrieg das Verlangen nach einfach schöner Musik und bewundernswerten Gesangsleistungen sprunghaft anstieg. Hinzu kam, dass die Mailänder Scala, vor allem durch das Auftauchen Maria Callas' und ihrer kongenialen Mitstreiter Gobbi und di Stefano, in den 50er Jahren in ein "Goldenes Zeitalter" eintrat. Endlich war wieder eine Primadonna da, die für die extrem schwierigen Bellini - Partien sowohl die stimmlichen Fähigkeiten, als auch das schauspielerische Talent mitbrachte. So gab es in den frühen 50ern eine wahre "Bellini - Renaissance", vergessene Werke wie "Il pirata", "Beatrice di Tenda" und "I puritani" wurden ebenso gegeben, wie die etwas geläufigere "Sonnambula". Der Diamant in der Belcanto - Krone blieb allerdings die "Norma", fast über ihre gesamte Karriere hinweg die Paraderolle der Callas. 1948 sang sie die Rolle erstmals in Florenz unter dem Dirgat ihres Förderers Tullio Serafin, danach gab es kaum ein Jahr, in dem die Callas nicht irgendwo auf der Welt dieser Partie und natürlich sich selbst Ruhm einbrachte. Selbst als ihre Stimme bereits schwer angeschlagen war, stand sie weiterhin als "Norma" auf der Bühne, was ihr nun an stimmlicher Leistungsfähigkeit fehlte, machte sie mit ihrem schauspielerischen Talent wett, blieb bis zum letzten Auftritt in der Rolle 1965 und bis heute der Inbegriff für die Idealbesetzung der Partie, die "Norma assoluta".
Diese Gesamtaufnahme stammt aus dem Jahr 1954, sozusagen mitten aus dem "Goldenen Zeitalter". Am Ende einer für die Callas triumphalen Scala - Saison holte Tullio Serafin ein Ensemble zusammen, das mit den zu besetzenden Rollen ausreichede Erfahrung besaß und stimmlich auf (fast) durchgehend höchstem Niveau agieren konnte. Wie bei Serafin üblich geht nicht vom Dirigentenpult, sondern von den Sängern der fesselnde Zauber dieser Einspielung aus. Serafin war kein Pultstar, der mit geschlossenen Augen und selbstvergessen im Klangmeer des Orchesters badet, sondern fungierte stets als unterstützender Begleiter, wie ein guter Korrepetitor. Er versucht nicht, durch Exponieren bestimmter Orchesterteile oder Verlangsamen bzw. Beschleunigen der Tempi der Oper seinen unverkennbaren Stempel aufzudrücken, läßt einfach Bellini spielen und verliert sich nicht im Wohlklang (das gibt Bellinis Musik, um ehrlich zu sein, auch nicht her), sondern ist ein stets bescheiden im Hintergrund wirkender Bändiger des ansonsten gerne mal schief spielenden Scala - Orchesters. So etwas muß man auch erstmal können.
Wie kaum eine andere Oper steht und fällt die "Norma" mit der Hauptdarstellerin. Sie ist fast ununterbrochen auf der Bühne, steht immer im Mittelpunkt und muß das Geschehen beinahe im Alleingang an sich reißen. Dabei hat sie eine Gesangspartie zu bewältigen, die mit Koloraturen, Sechzehntelläufen, Skalen und ständig über das Notensystem hinausführenden Spitzentönen gespickt ist. Eine "Norma" muß also schauspielerisch wie stimmlich über eine Gesamtdauer von fast 2 3/4 Stunden ständig wach und präsent sein, kann sich nicht die kleinste Unaufmerksamkeit leisten, ohne dass diese vom Hörer bemerkt würde. Für Maria Callas in der Form von 1954 kam diese Herausforderung gerade recht. Ohnehin schon weltberühmt für ihre "Norma" setzte sie sich mit dieser Aufnahme ein Denkmal. Wie jede ihrer Lieblingsrollen hat sie die gallische Priesterin verinnerlicht und bringt das Kunststück fertig, aus über 50 - jähriger Entfernung ihr Rollenportait dem Hörer allein durch ihren Gesang vor Augen zu führen. Wie ein Vorrezensent so richtig bemerkte, handelt es sich hierbei um kein Video, das ist allerdings auch gar nicht nötig. Wenn man genügend Phantasie besitzt, läuft der Film automatisch im Kopf ab und Maria Callas ist dabei die größte Hilfe. Stimmlich steht sie auf ihrem Höhepunkt, die extremen Schwierigkeiten der Rolle meistert sie mit einer Souveränität, die ihresgleichen sucht. Vom himmlischen "Casta diva" bis zu ihrem erschütternden Schuldgeständnis zieht sie den Hörer in ihren Bann, um ihn nie wieder ganz loszulassen. Eine überzeugendere und gesanglich bessere "Norma" ist für mich (noch) nicht denkbar. Mal sehen, die nächste "assoluta" kommt bestimmt.
Auch für die wichtige Rolle der Adalgisa wurde eine bewährte Kraft geholt. Ebe Stignani hatte schon 1926 in dieser Rolle an der Scala debutiert und galt seitdem als Idealbesetzung für die junge, etwas naive Priesterin. Auf der Bühne mag der deutliche Altersunterschied zwischen ihr und Maria Callas ein wenig irritierend gewirkt haben, auf CD jedoch merkt man der Stignani ihr fortgeschrittenes Alter kaum an. Auch sie kann für ihre Rolle aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen und singt mit einer wunderbar reinen, nicht mehr jugendlichen, aber klaren Mezzosopran - Stimme. Besonders in den Szenen Norma - Adalgisa erlebt man ein Wunder an Sopran - Mezzo - Harmonie. Auch Ebe Stignani ist ein gutes Argument für die Anschaffung dieser Aufnahme.
Etwas anders sieht es mit dem Pollione von Mario Filippeschi aus. Die ziemlich einfach gestrickte Rolle des römischen Prokonsuls mit Vorliebe für gallische Mondpriesterinnen vermag er zwar überzeugend darzustellen, gesanglich geht er meiner Meinung nach allerdings zu sehr gemäß dem Motto "Hauptsache laut" ans Werk. Ein wenig erinnert er an den dauer - fortissimo singenden Mario del Monaco, nur hat er bei weitem keine so audrucksvolle und schöne Stimme. Einen Ausfall kann man ihn nicht wirklich nennen, er hat einige sehr schöne Momente mit Ebe Stigani und v.a. mit der Callas. Singt er alleine, muß man jedoch mit einem ziemlich krachledernen Römer leben.
Ausgezeichnet besetzt dagegen ist die kleine Rolle des Oroveso mit dem Baß - Bariton Nicola Rossi - Lemeni, einem, wie man hören kann, bochbewährten Belcanto - Sänger, der die oft vernachlässigte Rolle des Oberpriesters beträchtlich aufwertet.
Auch der Scala - Chor zeigt sich in dieser Aufnahme als Einheit, was sonst nicht immer der Fall ist, sehr konzentriert und diszipliniert.
Für den Callas - Fan ist diese Aufnahme ohnehin unverzichtbar, für jeden, der diese einamlige Sängerin kennen lernen möchte, der denkbar beste Einstieg.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die absolute Prima Donna, 2. Februar 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
In diesen Wochen singt Editha Gruberova an der Bayerischen Staatsoper die NORMA. Ein Anlass, frühere Aufnahmen zu Hause nachzuhören: einmal Joan Sutherland, die stimmlich das Idealbild einer Belcanto-Sängerin erfüllt. Scheinbar mühelos gesungen, berührt sie immer durchaus nur angenehm.
Anders Maria Callas: Die Aufnahme von 1954 mit Ebi Stignani als
Partnerin wie auch 1960 mit Christa Ludwig lassen Dich nicht mehr in Ruhe. Sowohl die Intensität des Ausdrucks als auch die Stimme sind in der ersten Aufnahme auf ihrem Höhepunkt. Die Komplexizität der vermittelten Gefühle ist durchgehend absolut.
Im Zusammengehen mit Ebi Stignani in der zweiten Szene des 1. Aktes bietet Maria Callas völlige Harmonie an. Das Dirigat von Tullio Serafin ist sehr bewegend - Chor und Orchester der Mailänder Scala lassen wenig Wünsche offen.
Gäbe es nur eine mögliche Fassung dieser wunderbaren Bellini-Oper, ich würde ohne jeglichen Zweifel diese wählen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Jahrhundert-Norma, 4. Januar 2011
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
Maria Callas hat vielen ihrer Rollen bis heute ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt, ist der Maßstab geworden und geblieben. Dies gilt neben der Traviata und Lucia di Lammermoor vor allem für die Norma, eine Rolle, die sie seit 1948, kurz nach ihrem Debüt in Italien, bis zum Ende ihrer Karriere 1965 begleitete und die ihrer Stimme entgegen kam wie keine andere:

Hier konnte sie, die wegen ihrer großen Stimme zunächst vor allem in dramatischen Rollen wie Brünnhilde und Isolde aufgetreten war, auch ihre Virtuosität zur Geltung bringen.

Die hier vertretene erste Studio-Einspielung ihrer Norma von 1954 (in mono) zeigt sie stimmlich noch in Topform, im Gegensatz zu ihrer Stereo-Aufnahme von 1960. Callas' Titelheldin ist eine überraschend moderne, starke und doch verletzliche Frau. Die halsbrecherischen Koloraturen der Partie werden bei ihr zu purem Ausdruck.

Die Adalgisa an ihrer Seite ist Ebe Stignani, die damals schon über 50 Jahre alt war, was man ihr nicht anhört, und die den virtuosen Anforderungen dieser zweiten Hauptrolle nichts schuldig bleibt. Allerdings passt ihr Timbre im Studio nicht so gut zu Callas wie in der Londoner Live-Aufnahme von 1952.

Nicola Rossi-Lemeni hätte seinen Einsatz als Oroveso schon dafür verdient, dass er einst Callas' Debüt in Italien vermittelt hatte, singt aber den Oberpriester auch sehr überzeugend. Der einzige kleine Negativpunkt der Aufnahme ist der Pollione von Mario Filipeschi, der sich ziemlich larmoyant und mit einigen gequetschten Tönen präsentiert. Da die Rolle aber relativ klein ist, stört er nicht wirklich.

Dirigent der Aufnahme war - fast möchte man sagen natürlich - Tullio Serafin, der Mentor der Callas und einer der großen italienischen Operndirigenten der ersten Hälfte des 20 Jh.. Er trägt seine Sänger auf Händen, ohne die Dynamik der Handlung zu vergessen. Auch die Mono-Technik - etwas trocken, aber mit erträglichem Grundrauschen - ist anhörbar.

Damit gehört diese Aufnahme zu den absolut unverzichtbaren Höhepunkten der Callas-Diskographie.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Solitäre Leistung der Callas, 26. August 2013
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
Die Studioaufnahme aus dem Jahr 1954 (in Mono) auf drei CDs wird auf der dritten durch einige (z.T. sehr schöne) historische Einzelaufnahmen aus den Jahren 1927-1939 ergänzt (z.a. Rosa Ponselle und Ezio Pinza). Das Booklet gibt Tracknummern und eine kurze Inhaltsangabe wider.

Die Klangqualität ist der Zeit und der Mono-Aufnahme entsprechend. Es gibt kein störendes Rauschen oder sonstige Nebengeräusch, aber im ganzen ist sie etwas dumpf und in den instrumentalen Anteilen eingeschränkt (daher keine Anmerkung zum Dirigat). Die Stimmen sind deutlich besser eingefangen, stehen klar im Vordergrund, haben aber sicher nicht die Differenziertheit wie auf moderneren Aufnahmen.

Die Aufnahme besticht durch die absolut exzeptionelle und solitäre Leistung der Callas als Norma. Sie singt mit der für sie typischen dunklen Färbung und von der Grundausrichtung eher zurückhaltend, dafür aber mit besonderer Intensität. Ihre Klangberrschung und die Präzision des Tons, v.a. in den langsameren, elegischen Momenten ist atemberaubend. Die existentielle Erschließung der Figur der Norma und die emotionale Tiefe der Darstellung gehört m.E. zum besten, was die Geschichte der Opernaufnahmen hervorgebracht hat. Absolut solitär.

Die weiteren Rollen erreichen für sich gesehen sicher nicht dieses Niveau, aber jede/r macht das ordentlich und man könnte sagen, dass sie sich ganz in den Dienst dieser One-Woman-Show stellen, so dass die Gesamtkonzeption der Aufnahme überzeugend ist. Man kann sicher darüber streiten, ob es richtig und künstlerisch überzeugend ist, eine Aufnahme derartig auf eine Person auszurichten, aber hier ist es für mich gerechtfertigt und überzeugend.

Ebe Stinani ist eine ordentliche Adalgisa. Sie ist nicht besonders präsent, singt aber sauber und kann so in der Rolle der in ihrer Liebe und ihren Wünschen unsicheren Adalgisa überzeugen.

Mario Filippeschi ist nicht unbedingt stimmlich, aber in seiner Ausstrahlung sicher ein etwas schwachbrüstiger Pollione, dem man den arroganten, schneidigen Offizier nicht ganz abnimmt. In die Anlage der Oper, in der es zentral um die beiden Frauengestalten - und besonders um die eine - geht und deren Gefühle in Bezug auf den Mann, nicht um den Mann selber, passt es aber und ist so sicher keine besonders beeindruckende, aber gute und ordentliche Leistung.

Nicola Rossi-Lemeni ist ein überzeugender Oroveso, der mit eingeschränkter, aber spürbarer moralischer Autorität aus dem Hintergrund wirkt.

Fazit: Aufgrund der Leistung der Callas die Aufnahme der Norma, die man meiner Meinung nach ohne jeden Zweifel haben MUSS. Aufgrund der klanglichen Einschränkungen und der Zurückhhaltung der anderen Charaktere muss man es in der Gesamtsicht nicht für die beste Aufnahme halten, aber eine, die man gehört haben muss. Wenn es um einen Erstkauf geht, damit der neueren Studioaufnahme Norma deutlich vorzuziehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Die Callas als Norma - ein Traum!, 5. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
Maria Callas hat sich mit dieser ersten Studioeinspielung der Norma selbst ein Denkmal gesetzt. Eigentlich würde dieser Satz schon als Rezension reichen, denn alle die nach ihr kamen sind anders, mehr oder weniger gut (wobei das immer subjektiv zu betrachten ist) und kommen doch nicht an diese Leistung heran. Wie sie den Charakter der Norma auslotet mit stilistischem Feingefühl und sängerischer Bravour sucht heute noch ihresgleichen. Man höre sich nur allein die erste Soloszene im zweiten Akt an: sie vermeidet gespielte Rachsucht oder gar übertriebene Verzweiflung der Druidenpriesterin, sondern singt das mit so einer großen natürlichen Traurigkeit in der Stimme, die immer wieder in Freude und Erstaunen über diese sängerische Leistung versetzt.
Über die restliche Besetzung sind schon viele Worte, meistens auch weniger schöne, verloren worden. Ebe Stignani ist zumindest stilistisch eine verlässliche Adalgisa, die sich rein stimmlich aufs Beste mit der Stimme der Callas mischen kann. Mario Filippeschi ist im Stimmtimbre dem Bellinischen Gesang um einiges näher als andere Bühnenpartner der Callas in diesen Jahren; da denke ich an Mario del Monaco oder gar Kurt Baum. Wirklicher Belcanto ist das, was er singt jedoch nicht. Da klingt vieles kurzatmig ausgefertigt, er vermag nicht die einzelnen Phrasen mit einem für die italienische Oper unerlässlichen Legato zu einer Linie zu verbinden.
Bei Nicola Rossi-Lemini stellt sich beim Hören die Frage, ob seine unstete Tongebung eher dem unbedingten Gestaltungswillen geschuldet werden muss oder ob die Stimme für den Oroveso wirklich zu klein war.
Tullio Serafin ist am Pult des hervorragend spielenden Scala-Orchesters mehr als ein verlässlicher Begleiter; er hat die musikalischen Zügel fest in seinen Händen und lässt auch den wirklich ausgezeichnet präparierten Chor akzentuiert und präzise singen.
Es gibt für mich keine wirklich rundum überzeugende Studioeinspielung der Norma (irgendwas ist ja immer....), aber an der ersten Studioaufnahme mit Maria Callas darf eigentlich niemand vorbeigehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Callas als vollendete Norma, 15. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD)
Ja, diese Aufnahme ist großartig. Ja, Maria Callas ist eine unvergeßliche, überragende Darstellerin und Sängerin der wohl schwierigsten Partie des gesamten Belcanto-Repertoires. Ja, das (musikalische und dramatische) Porträt der Callas ist so vollständig und überwältigend, dass Sängerinnen wie Beverly Sills, Monserrat Caballe, Elena Souliotis und Joan Sutherland, die die Partie alle mit großem Erfolg gesungen haben, neben ihr verblassen. Sie singt mit noch unbeeinträchtigter Stimme. Die Höhe sitzt sicher, die Mittellage ist ausdrucksvoll und schön.

Trotzdem ist die Einspielung als Ganze nicht perfekt. Ebe Stignani ist eine der großen Mezzosopranistinnen des letzten Jahrhunderts gewesen und hat als Adalgisa stets große Resonanz von Publikum und Kritik erhalten. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (1954) klingt sie allerdings schon sehr ältlich. Zwar bewältigt sie den Koloraturgesang souverän, aber die Stimmfarbe kann der Einbildungskraft leider keine junge, naive, frischverliebte Gallierpriesterin weismachen.
Schlimmer, wesentlich schlimmer steht es um Mario Filippeschi, der den Pollione nicht wirklich singt, sondern herunterbrüllt. Damit erinnert er phasenweise an Mario del Monaco, der allerdings die viel edlere Stimme besaß. Filippeschi klingt dumpf, angestrengt, röhrend.
Hohes Niveau hält hingegen Nicola Rossi-Lemeni, ein langjähriger Weggefährte der Callas, der den Orovese eindrucksvoll darstellt und kompetent singt.

Serafin dirigiert wie immer großartig, das Orchester der Mailänder Scala spielt im Großen und Ganzen ordentlich, nur manchmal schleichen sich kleinere Schlampereien ein.
Tontechnisch gibt es eigntlich nicht viel auszusetzen, aber andere Aufnahmen der frühen 50er klingen doch besser (z. B. die De Sabata-Tosca, nicht zu reden von Deccas frühen Stereoproduktionen).

Insgesamt eine solide Aufnahme mit der größten Norma aller Zeiten. Ohne Callas, das darf man nicht vergessen, hätten all die oben erwähnten Sängerinnen die Partie wahrscheinlich nicht singen, geschweige denn aufnehmen können, galt doch der Belcanto lange Zeit als minderwertiger, belangloser Schön- und Ziergesang. Erst Callas hat Partien wie Norma, Lucia, Elvira (Puritani), Amina (Sonnambula) oder Anna Bolena mit derart dramatischer Intensität und technisch perfekter Musikalität so gesungen, dass das Interesse an diesen Werken neu aufkeimen und wachsen konnte. Sie hat, wie Caballe einmal formulierte, "die Tür zu einer terra incognita aufgestoßen" und Sängerinnen wie Sutherland, Sills, Souliotis, Caballe und vielen anderen ihre Karrieren in diesem Repertoire erst ermöglicht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
ARRAY(0x9c6a60cc)

Dieses Produkt

Norma
Norma von Tullio Serafin (Audio CD - 2005)
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen