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5.0 von 5 Sternen Spontaneität und Temperament, 8. Oktober 2004
Von 
Marcel Bartnik (Luxemburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 2 & 3 (Audio CD)
Martha Argerichs aktives Repertoire an Klavierkonzerten ist relativ überschaubar und umfaßte bislang, soweit es Beethoven betraf, nur dessen erstes und zweites Konzert. Wenn die argentinische Starpianistin auch im kammermusikalischen Bereich kontinuierlich neue Werke aufführt, ist dies bei sinfonischen Werken eine Rarität - zuletzt war dies wohl das erste Klavierkonzert von Schostakowitsch (DG). Insider wissen um ihre Unsicherheit und dem Druck, den eigenen hochgesteckten Erwartungen sowie denen der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Umso begrüßenswerter ist ihre Entscheidung, das dritte Klavierkonzert Beethovens aufzuführen und auch gleich für eine CD-Aufnahme mitschneiden zu lassen. Dieses Werk hatte sie erst zweimal öffentlich gespielt: einmal Ende der 1970er Jahre mit Klaus Tennstedt und außerdem am 17.10.1973 in Lausanne mit Charles Dutoit (anläßlich dessen auch eine Aufnahme entstand, die jedoch nie veröffentlicht wurde). Auch die vorliegende Aufzeichnung ist ein Live-Mitschnitt, und zwar vom 20.2.2004 in Ferrara (Italien) und vereint sie mit ihrem guten Freund und langjährigen musikalischen Wegbegleiter Claudio Abbado, der das von ihm gegründete Mahler Chamber Orchestra leitet.
Schon in den ersten Takten des Klavier-Einsatzes deutet Martha Argerich die interpretatorische Zielrichtung an: energisch und lebendig, mit schnellen Tempi, ohne überhastet zu wirken. Auch wenn ihr zuweilen der Vorwurf gemacht wurde, ihre pianistische Brillanz zu Lasten des musikalischen Gehalts auszuspielen, ginge dies für die vorliegende Einspielung an der Sache vorbei: Man sollte keinesfalls den Fehler machen, langsame Tempi mit Tiefgründigkeit gleichzusetzen und bei Schnelligkeit sogleich Oberflächlichkeit zu vermuten. Nichts läge hier ferner - es ist bewundernswert, mit welcher Akribie die Pianistin den Solo-Part ausgearbeitet hat und jede musikalische Phrase zu formen weiß. Dabei verbindet sie Nachdrücklichkeit mit einer Aufmerksamkeit für Details, die das Werk ungemein vital und spontan wirken lassen. Zu welcher pianistischen Feinarbeit sie in der Lage ist, wird am besten im mitreißend interpretierten Schlußsatz deutlich, in dem Klangschönheit und unnachahmliche Agogik zu jeder Zeit faszinieren. Im ersten Satz ist eine gewisse Nervosität noch zu spüren, die sich etwa in einer äußerst zügig gespielten Kadenz niederschlägt. Dies legt sich jedoch in dem fabelhaft in sich ruhenden und wunderbar gesanglich gespielten Mittelsatz - hier und in dem abschließenden Rondo ist, im Vergleich zu ihrer Interpretation von 1973, ein Zugewinn an Klangfarben und Anschlagsdifferenzierung auszumachen, den die Argentinierin schon in ihren vor einigen Jahren erschienenen Neuaufnahmen der Chopin-Konzerte (EMI) unter Beweis stellte. Ohne eine typisch „klassische" Aufnahme dieses Konzertes zu sein - für solche, geradlinigeren Interpretationen seien an dieser Stelle Pollini (mit Abbado, DG) oder Oppitz (RCA) empfohlen - findet Martha Argerich ihren eigenen, überzeugendes Beethoven-Ansatz: temperamentvoll, spontan und flexibel, dabei immer hochmusikalisch.
Das zweite Klavierkonzert von Beethoven (welches chronologisch das erste ist) ist für sie hingegen ein alter Bekannter. Seit Jahrzehnten in ihrem aktiven Konzertrepertoire, hat sie es schon zweimal eingespielt - einmal begleitet von einem zuweilen etwas schwerfällig daherkommenden Sinopoli (DG), das andere Mal mit der hervorragend disponierten London Sinfonietta (EMI). Insbesondere im Vergleich zu der letztgenannten, äußerst empfehlenswerten Aufnahme sind bei der hiesigen, im Februar 2000 entstandenen Aufnahme lediglich Nuancen zu unterscheiden. Die oben im Zusammenhang mit dem dritten Konzert genannten Qualitäten der Solistin sind natürlich auch hier anzutreffen - die fast improvisatorisch wirkende, atmende Agogik, die eine ungemeine Spielfreude vermittelnde Interaktion mit dem reaktionsschnellen, erstklassig begleitenden Orchester bei schnellen Tempi. Die vorliegende Einspielung ist in den ersten beiden Sätzen ein wenig schneller, ohne dabei jedoch an Musikalität und Detailreichtum einzubüßen.
Obwohl es sich bei beiden Aufnahmen um Live-Mitschnitte handelt, sind kaum Nebengeräusche wahrnehmbar, die Klangqualität ist ausgezeichnet und die Balance zwischen Solistin und Orchester gelungen. Das Booklet ist unterhaltsam geschrieben, wenn auch Informationen zum Orchester bedauerlicherweise fehlen. - Empfehlenswert, auch wenn man schon mehrere Aufnahmen dieser Werke besitzt - Martha Argerich läßt vieles in einem neuen Licht erscheinen.
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