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262 von 283 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholisch-witziges Tuning für's Durchschnittsgehirn
Ob Ihnen der Film ebenso gut gefallen wird wie mir?
Schwer zu sagen, denn immerhin spaltet dieses schräge Werk von Sofia Coppola selbst die klügsten Geister und die kultiviertesten Geschmäcker in zwei Fraktionen. Ich wage aber zu sagen, unter welchen Umständen Ihnen dieser Film nicht gefallen wird:
Sollten Sie rasanten Action- und...
Veröffentlicht am 19. November 2007 von Woodstock

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Japan aus Sicht gelangweilter Amerikaner
Hochgelobt wurde dieser Film. Dazu dann noch die Tochter des berühmten Francis Ford Coppola, Sofia, als Regisseurin und die begehrte Scarlett Johansson als Hauptdarstellerin. Wer sich dann noch für Japan interessiert, muß einfach auf diesen Film neugierig werden. Schön, daß ein amerikanischer Film mal nicht in den USA, sondern in Japan spielt...
Veröffentlicht am 21. September 2005 von junior-soprano


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262 von 283 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholisch-witziges Tuning für's Durchschnittsgehirn, 19. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Ob Ihnen der Film ebenso gut gefallen wird wie mir?
Schwer zu sagen, denn immerhin spaltet dieses schräge Werk von Sofia Coppola selbst die klügsten Geister und die kultiviertesten Geschmäcker in zwei Fraktionen. Ich wage aber zu sagen, unter welchen Umständen Ihnen dieser Film nicht gefallen wird:
Sollten Sie rasanten Action- und Splatterfilmen zugeneigt sein oder auf trivialen Slapstick-Klamauk Marke Jim Carey stehen, lassen Sie die Finger von dem Film. Wenn Sie elaborierte Dialoge einer schrillen Bildgewalt vorziehen, lassen Sie die Finger von dem Film. Wenn Sie Wert auf knifflige, thrillermäßige Handlungsabläufe legen, oder wenn Sie sich Spannung zum Fingernägel Abkauen wünschen, dann lassen Sie bitte erst recht die Finger von diesem Film, denn das alles hat er nicht zu bieten.

Und gerade deshalb ist es ein 5 Sterne-Film:
(K)eine Handlung: Die beiden Amerikaner Bob (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson) müssen einige Zeit in Tokio verbringen. Wegen Jetlag und fremdartiger Kultur tun sie sich schwer in dieser schrillen Großstadt, die vor Leben überbordet. Sie sind wie zwei Gestrandete auf einem fremden Planeten, verlorene und paralysierte Seelen, die sich an der Hotelbar finden und Freundschaft knüpfen, eine Freundschaft die weit über das normale Maß hinausgeht und doch nicht zu einer banalen Liebesgeschichte herabsinkt.

(K)eine Liebesgeschichte: Feinfühlig und sensibel und ohne großartige Dialoge nähern sich zwei verwandten Seelen einander an. Sie sind sich näher als ihren Ehepartnern und überschreiten doch nie die Grenze zum Sex. Es bleibt bei Blicken, keuschen Berührungen und einem letzten Kuss und dennoch hat man das Gefühl an einer wunderbaren Liebe teilzuhaben.

(K)eine Komödie: Der Film steckt voller Melancholie und tiefsinniger Gedanken über das Leben, die Liebe und die Vergänglichkeit eingebettet in gefühlvoll berührende und zum Teil skurrile Szenen und doch finden sich in jeder Szene unglaublich viel geistreicher Witz und Komik. Der Crash der Kulturen und die sehr zutreffenden gezeigten Verlorenheit hinter der Sprachbarriere sind ebenso Anlass zu herzhaften Lachern wie die subtilen Anspielungen auf Banalitäten des Alltages und die allzu menschlichen Macken. Da ist z.B. das nächtliche Fax von Bobs Ehefrau, die Teppichmuster die sie per Post übermittelt oder gar das exaltierte Filmsternchen Kelly das einem zum Kopfschütteln und Schmunzeln bringt. Ganz zu Schweigen von den überspannten Filmaufnahmen zur lächerlichen Whiskeywerbung oder von der unerschütterlichen Freundlichkeit der Japaner, ja sogar der Besuch im Krankenhaus wird zu einem herrlich witzigen Erlebnis.

Sofia Coppola ist eine Meisterin der Bildersprache. Das beweist sie in diesem, ihrem zweiten Film, wo sie es schafft mit knappen aber sehr scharfsinnigen Dialogen auszukommen und Gefühle mit Hilfe von eindringlichen und überwältigenden Bildern zu transportieren: Da bestaunt man bei wundervollen Musiksequenzen das knallbunte Tokio, die amerikanische Enklave im Park-Hyatt-Hotel, das bizarre Nachtleben der nimmermüden Großstadt und an allen Ecken und Enden eine Kultur, die uns - und natürlich besonders den hier köstlich verspotteten Amerikanern - so fremdartig ist als wären die Japaner Aliens von Alpha Centauri. Das bringt den Zuschauer zum Lachen und Nachdenken, das bringt das träge westliche Gehirn in Fahrt.
Doch trotz allem wäre dieser Film nur halb so genial, wenn da nicht Bill Murray und Scarlett Johansson wären. Der Alt-Star und die unverbrauchte Jungschauspielerin ergänzen sich perfekt, als wären sie nur für diese Rollen geschaffen. Murray ist einfach genial. Unaufdringlich und subtil lässt er die unscheinbare Charlotte neben sich bestehen und doch ist er zu jedem Augenblick Herr dieses Films. Wer Murray auf dem Höhepunkt seiner Kunst erleben will, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Zusammenfassung:
Ich weiß, ich habe nun vermutlich die 180. Rezension zu diesem Film geschrieben, und ich bin Ihnen gar nicht böse, wenn Sie meine ausgiebigen Lobesreden nicht lesen wollen. Darum hier eine kurze und schmerzlose Zusammenfassung.
Dieser leise, warmherzige und ausgesprochen geistreiche Film hat 5 Sterne verdient. Und weil es nicht gerade von guter Erziehung oder großem Verstand zeugt wenn man Rezensionen, die eine andere Auffassung vertreten mit Nein abklickt, musste ich leider selbst eine Rezension schreiben und diese auch noch begründen um den Sternendruchschnitt auf einen der Größe des Filmes angemessenen Level zu halten.
Danke für ihr Verständnis. ;-)

DVD:
Bildformat: 1,85:1 in 16:9, Sprache: Deutsch und Englisch Dolby Digital 5.1, Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, DVD 9, Laufzeit ca. 97 Minuten plus ca. 77 Minuten Extras, Menü teilweise animiert mit Ton,
Extras: Darstellerinfos als Textseiten, Blick hinter die Kulissen mit deutschen Untertiteln (ca. 5 Min), Deleted Scenes (ca. 12 Min), Ein Gespräch mit Sofia Coppola und Bill Murray mit deutschen Untertiteln (ca. 10 Min), Making of mit deutschen Untertiteln, Mathew's Best Hits in japanischer und englischer Sprache (ca 4,5 Min), Interview mit deutschen Untertiteln (ca. 14 Min.)
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es fühlt sich so real an, 12. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation - SZ-Cinemathek 51 (DVD)
"Das wird hart", sagt Bob, bevor er in der Karaoke-Bar Roxy Music's "More Than This" anstimmt. Er schaut zu Charlotte. Sie erwidert kurz seinen Blick, lächelt, scheint zu verstehen. Dass dieser Satz sich nicht nur auf die Intonation bezieht (die zwar nicht trivial ist, wie sich zeigt, aber wir haben Bob vorher schon recht anständig singen hören). Nein, das Lied scheint auszudrücken, in welcher Situation sich Charlotte und Bob befinden. Sie wissen nicht, wie es weitergehen kann - aber sie spüren, dass es nicht mehr viel besser werden wird.
Diese intensive Nacht des gemeinsamen Um-die-Häuser-ziehens erfährt eine kurze Zäsur, als beiden der Trubel des Tokioter Nachtlebens endgültig zuviel geworden ist. Auf dem Gang vor dem Karaokeraum, einem der unwahrscheinlichsten Orte um zu sich zu kommen, setzt sich Bob neben Charlotte, zieht an ihrer Zigarette, während sie den Kopf auf seine Schulter sinken lässt. Jedes Wort wäre jetzt zuviel.
Später wird Bob die schlafende Charlotte auf ihr Zimmer tragen, wird sie behutsam zudecken, sie wird kurz erwachen, um ihn anzulächeln und endgültig einzuschlafen. Sein Zögern beim Zuziehen ihrer Zimmertür benötigt keine Worte.

Drei fast sprachlose Momente aus diesem wunderbar atmosphärischen Film, die schon belegen, dass Sofia Coppola weiß, was sie will, und es auch umsetzen kann: Nämlich uns keine Geschichte erzählen, sondern sie uns fühlen und selbst erleben lassen. So soll Film sein. Eine dichte Atmosphäre schaffen, in die sich der Zuschauer mit seinen eigenen Gefühlen, Erfahrungen und Werten einbringen kann. Nicht das Was zählt, nur das Wie. Und in diesem kleinen Wunder gibt es fast nur das Wie.

Beide hat die Isolation in der für sie fremden Welt Tokios, die nur eine Steigerung des Gefühls der Isoliertheit in ihrem Alltag darstellt, zueinander geführt. Ein Blick im Fahrstuhl erst nur, mit einem reflex-artigen Lächeln erwidert, dann ein "Hallo" an der Hotelbar, als beide - nicht nur wegen des Jet-Lags - nicht schlafen können (während Charlottes Ehemann, dem die fremde Umgebung in seiner Geschäftigkeit nichts auszumachen scheint, schnarcht). Alles ganz normal. Doch dann passiert etwas Kostbares: Sie haben nicht nur jemanden gefunden, der endlich in ihrer Muttersprache mit ihnen spricht, sondern jemanden, der überhaupt mit ihnen spricht statt Smalltalk zu betreiben. Jemanden der zuhören kann. Der versteht.

Beide befinden sich in schwierigen Phasen ihres Lebens: Charlotte, Mitte 20, hat grade ihr Philosophiestudium in Yale abgeschlossen und sieht sich nun, noch völlig unentschlossen in der Berufswahl, an der Seite ihres Mannes einem Leben ausgeliefert, das sie für oberflächlich hält und das ihr keine Perspektiven bietet. Sie sucht Geborgenheit, Halt und Orientierung.

Bob, mindestens drei Jahrzehnte älter, steht eigentlich schon im Leben, sollte man meinen. Zumindest war das mal so sehr der Fall, dass er nun als ehemaliger Filmstar für zwei Millionen Dollar Whisky-Werbespots in Japan dreht. Aber genau das ist sein Problem. Er würde viel lieber zuhause für eine bescheidene Gage Theater spielen. Stattdessen muss er in der Fremde schuften, damit seine Frau daheim das zusätzliche Geld für ein neues Haus ausgeben kann. Der einzige Kontakt in die Heimat ist logistischer Natur: Da hat er lediglich Schränke und Teppichmuster auszuwählen, die per Fax und FedEx geschickt werden. Dabei hat Bob mehrere Kinder. "Es geht ihnen gut. Sie vermissen Dich, aber sie gewöhnen sich daran, dass Du nie da bist", lässt seine Frau ihn wissen. Bob aber möchte gebraucht werden. Und zwar nicht nur für die Werbung von Suntori-Whisky.
"Die gute Nachricht ist: Der Whisky wirkt", schließt er sarkastisch, und fragt dann Charlotte, die ganz perplex ob seiner offen eingestandenen Probleme ist, was sie mache: "Ich habe mich noch nicht entschieden".

Wie lang er verheiratet sei, will sie wissen. "25 Jahre". Etwa so lang wie sie alt ist und eine Ewigkeit gegen ihre 2 Jahre. Aber davon könne man 1/3 Schlaf abziehen, also wäre er grade 16 Jahre verheiratet, da wäre man ehemäßig also noch ein Teenager, könne zwar schon fahren, aber es könne noch leicht zu Unfällen kommen. Eine charmante Art, beim ersten Flirt mit einer offenbar nicht abgeneigten attraktiven jungen Frau, die einen an der Hotelbar angesprochen hat, einen Seitensprung zumindest als Option anzudeuten. Doch der Flirt und dann immer stärker das Gespräch genießen ganz offenbar bei beiden höhere Priorität. Und wer einmal selbst aus beruflichen Gründen dieses Hotelleben geführt hat, die tristen Abende vor dem Fernseher kennt, die einsamen Essen im vollbesetzten Restaurant, die oberflächliche Höflichkeit der Hotelangestellten, der kann verstehen, was eine solche echte Begegnung mitten in der Einöde bedeuten kann.

Die beiden sind nicht auf ein sexuelles Abenteuer aus, auch wenn die Option stets im Raum schwebt. Sie versuchen lediglich ihr Leben im Griff zu behalten bzw. in den Griff zu kriegen. Dazu müssen sie raus aus dem oberflächlichen Trubel, der sie vom Wesentlichen, von sich selbst und voneinander, abzuhalten scheint.

"Wissen Sie was?" sagt Bob, "ich plane einen Gefängnisausbruch und kann noch eine Komplizin gebrauchen. Hier ist mein Plan: Zuerst müssen wir aus dieser Bar raus, dann aus dem Hotel, der Stadt und dann aus diesem Land. Sind Sie dabei?" - "Überredet, ich packe meine Sachen" - "Der Mantel genügt"

Schon ganz zu Beginn ein sanfter Hinweis auf die Grenzen dieses Abenteuers. Denn alles wäre möglich, alle Optionen sind offen. Bob weiß das oder spürt es intuitiv. Charlotte sehnt sich offenbar so sehr nach jemandem, mit dem sie ihr Leben gestalten kann, dass er sie leicht verführen könnte; sicher zu einer gemeinsamen Nacht, vielleicht -und das macht ihm Angst- zu der Illusion von einem gemeinsamen Leben. Aber er ist auch erfahren genug zu wissen, dass es keine wirklichen Optionen für beide gibt - außer diese kostbaren Augenblicke der intensiven Zweisamkeit, der romantischen Utopie zu genießen. Zu leicht könnte er sie verletzen, zu leicht sein ganzes Leben aufs Spiel setzen. Bob hat bereits gelernt, Utopien zu misstrauen und mit Kompromissen zu leben - eine Lektion, die Charlotte grade durchmacht, was ihr von ihrem Ehemann den Rüffel einträgt, sie sei hochnäsig. Sie hatte sich nämlich über ein mit ihm bekanntes oberflächliches schauspielerndes Fotomodell lustig gemacht, der sie sich gleichzeitig unter- und überlegen fühlte, wie ihre verräterisch befremdet musternden Blicke offenbarten.

Eine spätere lustig-traurige Spiegelung der Karaoke-Szene mit ebendiesem Fotomodell wird deutlich machen, wie die wirklichen Kräfteverhältnisse sind, wenn es darum geht, im Leben zu stehen. Denn während ebenjene Kelly Gemeinsamkeiten darin erschöpft sieht, zwei Hunde zu haben und in L.A. zu leben, und bei Tisch nur Themen wie Anorexia und Darmspülungen kennt, bemüht sich Charlotte mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Sie interessiert sich für die fremde Umgebung, für Menschen und Kultur, auch wenn sie wie Bob immer wieder über Sprachbarrieren stolpert. Die wirkliche Bedeutung von Sprache wird ihr eines Tages nach einem Tempelbesuch bewusst. Verstört und unter Tränen erzählt sie ihrer Mutter am Telefon: "Ich habe einen Tempel besucht, aber ich habe die Mönche nicht verstanden. Mom, ich war überhaupt nicht berührt! Und John? Es ist, als ob wir nie miteinander sprechen. Ich weiß gar nicht, mit wem ich verheiratet bin" - "Warte einen Moment, Schätzchen! ... So, was hast Du gesagt?" - "Ach, vergiss es, es war nicht so wichtig" - "Ich muss jetzt auch los. Ruf mich später noch mal an. Du kannst jederzeit anrufen, um mit mir zu sprechen"

Dieses Telefon"gespräch" gleicht gespenstisch denen, die Bob mit seiner Frau führt. Überhaupt ist allgegenwärtige Kommunikation ein Dauerthema: nervige Handygespräche, Faxe um 4:20 nachts, all das meistens ohne relevanten Inhalt. Da gleicht eine unter der Zimmertür hindurch geschobene Nachricht "Bist Du noch wach?" als Einladung zum Gespräch fast einem Relikt aus der guten alten Zeit, in der die Menschen vermutlich auch nicht mehr relevante Gespräche geführt haben, dafür aber deutlich weniger irrelevante.

Also folgt die Nacht, in der es üblicherweise in romantischen Filmen "funkt". Nicht so hier. Zum einen sind beide bereits längst auf einer Wellenlänge, zum anderen geht es hier von Anfang an weder um Liebe auf den ersten Blick noch um ewiges Zusammensein. Stattdessen gibt es hier noch viel zu lernen. Für Charlotte. Für Bob. Und für den gebannten - und hoffentlich längst schwebenden - Zuschauer.

Ob es einfacher werde, will Charlotte wissen. Wenn man wisse, was man wolle und wozu man stehe, lasse man nicht mehr alles an sich ran, erwidert Bob. Aha! "Und in der Ehe, wird es da einfacher?" - "Das ist hart", sagt er mit den gleichen Worten wie zuvor beim Karaoke. "Wenn man Kinder hat, wird das Leben komplizierter" - "Und niemand sagt einem das vorher" - "Richtig! Der erschreckendste Tag ist der, an dem Dein erstes Kind geboren wird. Dein ganzes Leben, wie Du es kanntest, ist vorbei, für immer verloren". Sie sieht ihn empathisch an. Klingt so ein Mann, der im Begriff ist, seine Familie zu verlassen? "Doch dann - fangen sie an laufen und sprechen zu lernen, und Du willst jeden Moment bei ihnen sein. Sie werden zu den zauberhaftesten Wesen, mit denen Du zusammen sein kannst". Er sieht sie an. Sie erwidert seinen Blick und versteht. Er kann auf ein Leben blicken, das sie erst noch führen muss. Ein solches Leben, so vergleichsweise bescheiden es im Moment auch aussehen mag, will erst gelebt sein, mit allen Höhen und Tiefen, mit der nötigen Kontinuität. Man wirft es nicht einfach weg für eine flüchtige Idee von Glück, die man ohnehin zerstört, wenn man versucht sie festzuhalten. Charlotte, selbst noch auf der Suche, muss erkennen, dass Bob als Option für sie ausscheidet.

Plötzlich sehen wir die Beziehung der beiden mit anderen Augen: Sieht er sich vielleicht eher als väterlichen Freund denn als potentiellen Geliebten? Das würde eine gewisse Schieflage in der Beziehung erklären, aber auch diese wundervoll-zarte, auf Behutsamkeit bedachte Vertrautheit. Endlich hat er wieder jemanden gefunden, der ihn zu brauchen scheint. Er will Charlotte auf die Füße helfen (ob mit oder ohne verstauchte Zehen), will ihr Mut machen ihren Weg zu verfolgen. Mehr kann und wird er nicht für sie tun. Und das beginnt jetzt auch sie zu realisieren.
Gewiss, er will bei ihr sein, er genießt jede Sekunde, jeden Blick, jedes Lächeln ihrer zwischen Kindlichkeit und Sinnlichkeit schwankenden Lippen. Aber viel Zeit bleibt ihnen nicht, das hat Bob viel früher realisiert als Charlotte, die noch im Meer der jugendlichen Freiheit zu treiben scheint. Bei ihm hat sie die vermisste Nestwärme gefunden. Doch bald wird er sie aus dem Nest stoßen müssen, damit sie zurück in ihr Leben kann und er in seins - zu seiner eigentlichen Verantwortung, die wieder zu übernehmen diese Begegnung ihm vielleicht Kraft verliehen hat.
Nebeneinander auf dem Bett liegend, sie fast in Fötushaltung, dämmern sie langsam weg, ermattet von der Schlaflosigkeit und von ihren Gefühlen. Ob sie wirklich hochnäsig sei, will sie im Halbschlaf wissen. Er lacht, legt seine Hand wie zum Trost und zur Rückversicherung sanft auf ihren Fuß. Nach einer halben Ewigkeit sagt er: "Grade noch zu ertragen".

Nach dieser Nacht kann die Beziehung nicht mehr dieselbe sein. Da hilft auch nicht, dass sie den nächsten Tag aus Termingründen getrennt verbringen. Möge Charlotte helfen, was sie nach der Beobachtung einer Hochzeitszeremonie einem Baum voller Wunschzettel anvertraut (was wohl auch eine kleine Reverenz an Wong Kar-Wais IN THE MOOD FOR LOVE ist, in der sich der unglücklich liebende Mann endlich gegenüber einem Baum in einer Tempelanlage seine Seele erleichtert).

Am Abend jedenfalls wartet Bob in der Bar vergebens auf Charlotte. Ihr kommt die Barsängerin zuvor, die selbst wie eine Gestrandete wirkt, was besonders ihr Vortrag von "Scarborough Fair" zeigte, der mittendrin durch Klatschen unterbrochen wurde - Versagen der Kommunikation in der doch gemeinhin für international gehaltenen Musik. Erschrocken und über sich verärgert findet Bob sich am nächsten Morgen mit ihr auf dem Zimmer - und wird prompt von Charlotte "ertappt". Die anschließende "Eifersuchtsszene" in einer Sushi-Bar, bei der beide sich mit ihren Problemen brüskieren (sie ihn mit seinem Alter, er sie damit, dass er in ihrer Einsamkeit nur ein Notnagel sei) zeigt die Verbitterung beider Seiten über die Situation. Es wirkt aber auch schon ein klein wenig wie ein Schutzreflex des trotzigen Wegstoßens vor dem endgültigen Abschied. Dann setzt ein Schweigen ein, das weniger den Anschein stiller Übereinkunft macht als vielmehr das Gefühl vermittelt, den Bogen überspannt, den Moment überreizt zu haben. War doch mehr als der Mantel im Spiel?

Die zufällige Begegnung in der letzten Nacht am Rande eines Feueralarms zeigt erschreckend deutlich, wie die beiden sich schon voneinander gelöst zu haben scheinen, jedoch wirkt ihre Beziehung eher abgebrochen denn abgeschlossen. Sie blickt auf seine alten Männer-Füße in den Hotel-Badelatschen und lächelt in sich hinein. Gute-Nacht-Küsse im Fahrstuhl. Verlegen und eher dem schlechten Gewissen als dem Gefühl geschuldet. Es ist zu spät.
Eine Mischung aus Trauer und sprachlosem Zorn prägt den halbherzigen Abschied am nächsten Morgen, bei dem übrigens um ein Haar die sonst allgegenwärtige Telekommunikation versagt. Er nimmt eine geliehene Jacke als Vorwand, sie zum Abschied noch einmal sehen zu wollen. In seinem auf ihre Voicebox gesprochen Satz "Enjoy the jacket that you stole from me" kann man nach Belieben auch "heart" oder "life" einsetzen.
"Willst Du mir nicht einen guten Flug oder so wünschen?" - "Okay". So traurig verläuft der Abschied dieser beiden Menschen, die über die gemeinsame Sprache zueinander fanden und zwischendurch so wunderbar auch ohne Worte kommunizierten.
Wunderbar die Einstellung, als Bob Charlotte aus der Lobby entschwinden sieht und die Spiegeltüren des Lifts sein Reisegepäck an ihre Stelle setzen. Was die Begegnung ermöglichte, erzwingt jetzt ihr Ende.

Doch der unsere Leben prägende Zufall schenkt ihnen noch eine Chance, dieser wunderbaren Beziehung, für die die Zeit still zu stehen schien, um dann umso gnadenloser voranzuschreiten, einen würdigen Abschluss zu geben. In einer Masse fremder Menschen entdeckt Bob Charlottes Silhouette. Er lässt den Wagen halten und läuft ihr nach. Endlich einmal traut er sich sie zu umarmen. Er flüstert ihr etwas ins Ohr, das nicht für uns bestimmt ist. Wir schnappen nur die letzten Worte auf: "I'm sure".

Langsam sieht sie den erlöst winkenden Bob entschwinden. Sie haben ein winziges Stück gemeinsamen Lebensweges zurückgelegt. Es hat keinen Zweck, sich an der Gabelung aneinander zu krallen. Jeder muss seinen Weg weitergehen. Aber wenn beide einst darauf zurückblicken, werden diese sprachlosen Tage in Tokio mehr sein als eine beliebige Reiseepisode.

Was auch immer Bob ihr gesagt haben mag, ich bin mir ebenfalls sicher. Charlotte wird es umsetzen können. Sicher wird sie noch oft verletzt werden, schon weil sie nicht immer auf so behutsame Partner wie Bob treffen wird. Doch wie uns das Sprichwort lehrt: "Ein Schiff ist am sichersten im Hafen, aber dafür sind Schiffe nicht gebaut" (oder wie die Tagline des Films es plakativer ausdrückt: "Manchmal muss man um die halbe Welt reisen, um an seinen Ausgangspunkt zu kommen"). Hoffen wir also mit Bob, dass er für sie - und sie für ihn - ein positiver Impuls war und eher eine schöne Erinnerung denn Trauer hinterlässt. Und dass sie, statt sich zum Schutz ebenfalls in die Hülle der Geschwätzigkeit zu begeben, weiter mit Vertrauen und offenen Augen durch das Leben geht. Im Film findet das seinen wunderbaren Höhepunkt bei einem japanischen Ikebana-Kurs, wo sie sich verblüfft und dankbar an der Hand nehmen und zeigen lässt, wie sie die Blüten zu stecken habe. "Okay" sagt sie immer wieder zart, das einzige Wort, von dessen Verständlichkeit sie ausgehen kann. Dabei reden ihre Augen so viel mehr, erzählen ihrer Lehrerin von Aufmerksamkeit und Dankbarkeit. Und von leiser Enttäuschung und Orientierungslosigkeit, als diese sich anderen Schülern zuwendet. Doch einen Moment später fasst Charlotte sich ein Herz und greift einen weiteren Zweig...

Fazit:
In LOST IN TRANSLATION scheint die Zeit still zu stehen, während man den Protagonisten zurufen möchte, dass sie unaufhaltsam verrinnt. Für diese desperate bis melancholische Atmosphäre, braucht man kein Dogma und keine Handkamera, sondern einen wirklich begabten Regisseur und Akteure, die auch ohne große Handlung dem Zuschauer jeden Moment das Gefühl geben können, er verstünde, was in ihnen vorgeht. Bill Murray ist zu einem Charakterdarsteller gereift, der nur noch in wenigen und überhaupt nicht deplaziert wirkenden Momenten an den Clown früherer Tage erinnert. Und er hat hier mit Scarlett Johannson eine Partnerin, die schafft, was für diese Rolle essentiell ist: Man möchte sie fast in jeder Sekunde, in der sie auf der Leinwand ist, in den Arm nehmen und trösten. Beide erzeugen Momente von wunderbarer Intensität und Melancholie.
Sofia Coppola ist mit ihrer zweiten Regie ein Film von solcher Wahrhaftigkeit gelungen, dass es schon fast schmerzt, sich an ihn zu erinnern. Ihr kommt dabei entgegen, dass ihre bravourösen Hauptdarsteller ihren stets dem Moment gewidmeten Inszenierungsstil kongenial unterstützen. Hervorragende Kamera, Schnitt und ein passender Soundtrack tun ihr übriges. Während uns sonst im Kino überwiegend fantastische Geschichten aufgetischt werden, mag der eine oder andere hier mit dem Gefühl hinausgehen, das könnte ein Teil seines Lebens gewesen sein - oder noch werden. Sicher nicht das schlechteste, was man von einem Film sagen kann.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterinnenwerk der Filmgeschichte, 6. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Nachdem ich den Film "Lost in Translation" (2003) über die letzten Jahre schon mehrmals gesehen habe, muss ich sagen, dass er mit der Zeit nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Vielmehr scheint es so, als gewinne der Film von Sichtung zu Sichtung sogar noch an Reiz dazu. Die ganze Atmosphäre des Films stimmt einfach, er hat irgendwie etwas sagenhaft beruhigendes, ja fast schon meditatives an sich, und das obwohl sich die Handlung in Tokio, der Stadt mit der größten Metropolregion und höchsten Bevölkerungsdichte der Welt abspielt. Die Autorenfilmerin Sofia Coppola hat mit ihrer zweiten Regiearbeit einen Spielfilm abgeliefert, der eine eigentlich ernste und tiefgehende Geschichte auf leichte, aber niemals seichte Weise und ohne überzogene Melodramatik erzählt. Intelligent verwendet sie im Drehbuch den temporären Aufenthalt ihrer beiden Hauptfiguren als Touristen im Land der aufgehenden Sonne metaphorisch für eine wichtige Neuorientierung im Leben und die kulturellen Unterschiede für zwischenmenschliche Entfremdung (Charlotte und John), aber auch die Chance einer einfühlsamen Annäherung (Charlotte und Bob). Obwohl es in erster Linie wohl ganz einfach darum geht, dass zwei Menschen in einer schwierigen Zeit, die Ungewissheit bedeutet und für beide vermutlich sogar eine nicht unwesentliche Veränderung im zukünftigen Leben mit sich bringt, gegenseitig füreinander da sind, ist eine weitere Thematik des Films nach meiner Interpretation, dass man den Blick für das Wesentliche verliert, wenn man zu sehr ins Leben eingebunden ist - sozusagen den Baum vor lauter Wald nicht mehr erkennt. Der Film wird fast gänzlich von der großartigen Schauspielkunst von Bill Murray (als Bob) getragen, er gehört für mich zu den wenigen Darstellern, die mittels ihrer Mimik und Körpersprache auch ohne Dialoge und viele Worte glaubhaft Empfindungen und Gefühle ans Publikum transportieren können, was in der heutigen Zeit eine Seltenheit geworden ist. Hier zeigt er einmal mehr, dass er nicht nur komödiantische, sondern auch subtile dramatische Geschichten schauspielerisch meistern kann. Ich habe jetzt schon mehrere Filme mit ihm in der Hauptrolle gesehen, aber dies ist einer seiner besten. Scarlett Johansson (als Charlotte), die hier in einer ihrer frühen, aber wichtigsten und schönsten Rollen zu sehen ist, fügt dem Film alleine durch ihre Leinwandpräsenz sehr viel weibliche Anmut hinzu. Ein wunderbarer Film, der nachdenklich stimmt und trotz seiner minimalistischen Handlung doch sehr vielschichtig ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Heimatlosen, 20. November 2010
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Zuerst einmal ist der Film ein unglaublich gelungenes Déjà-vu, wenn man selbst schon einmal in Tokio war. Ja, genau so ist es. So wirr kommen einem die Japaner mit ihrer wohl einzigartigen Kommunikation gegenüber Fremden vor, so außerordentlich sind die Stadtansichten, so viel Spaß kann man beim Karaoke haben. Man mag sich vielleicht darüber beschweren, dass das Hotel, in dem der Film gedreht worden ist, nicht direkt an den hippen Straßen von Shibuya liegt sondern etwas mehr im Abseits, aber das stört die Authentizität des Films nicht wirklich. Und das die schöne Bar im obersten Stockwerk des Hotels schon im Mitternacht schließt, das gehört halt zu Japan, aber sicher nicht in einen Film, in dem die Hauptpersonen ja neben vielem anderem auch noch das Problem mit dem Jetlag haben.

Aber der Film bietet natürlich viel mehr als Sightseeing. Eine Liebesgeschichte wird hier erzählt. Allerdings eine, die nicht wie üblich in einer Hochzeit oder gar im Bett endet. Von zwei Menschen erzählt dieser Film, die Tokio genau so verloren sind wie im Rest ihres Lebens. Flüchtige sind es, die ihre Heimat verloren haben, und die sich hier im Hotel als einsame Menschen wiederfinden. Beide haben Beziehungen, in beider Leben sind diese aber mehr Schein als Sein. Die Freundschaft zwischen beiden scheint aus der Not geboren zu sein. Noch dazu gibt es einen Altersunterschied, wäre da nicht die gemeinsame Sprache in der Fremde, hätten die beiden sich eigentlich nicht viel zu sagen. Aber dennoch funkt da etwas, vielleicht weil beide in ihrer Verlorenheit doch Verwandschaft entdecken. Großartig ist das von beiden Darstellern gespielt. Und dass es wirklich Liebe ist, das merkt man erst in einem Moment der Eifersucht. Tatsächlich mag man hier auch etwas über die Unsicherheit erahnen, die beide in dieser merkwürdigen Situation empfinden. So etwas wie hier, das erlebt man nur einmal, man ist darauf nicht vorbereitet, und so ist jeder kleine Schritt ein Wagnis, welches großen Mut erfordert.

Dass ausgerechnet Sofia Coppola diesen Film nicht nur inszeniert hat, sondern auch noch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, ist wohl hier alles andere als ein Zufall. Sie ist ein Hollywoodkind, und so sind sowohl der alt gewordene Schauspieler als auch das junge Mädchen an der Seite eines hohlen Jetsetters wohl doch recht reale Figuren. Sie selbst hat wohl eine Weile in Tokio gearbeitet. Die Besetzung mit Bill Murray und Scarlett Johansson kann man nur brillant nennen. Rhythmus des Films, die Musik, die Aufnahmen der Stadt und des verwitterten Gesichts von Murray sind beim Ansehen einfach eine Freude. So hinterlässt dieser Film einfach Begeisterung, auch deshalb weil das Ende hier ein Geheimnis für sich behält.
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30 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen toller Film, aber nicht für jedermann, 27. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Wie man an den Rezensionen sieht, spaltet LOST IN TRANSLATION die Gemüter. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da es dem Film einerseits an sogenannten Höhepunkten fehlt, und er ausserdem immer als "Komödie" beworben wird, was sicherlich zu kurz greift. Wer den Film also danach schlichtweg als langweilig abtut, hat ihn leider ebensowenig verstanden wie jene Leute, die BROKEBACK MOUNTAIN als schwulen Cowboyfilm bezeichnen. Die Handlung mag auf den ersten Blick unspektakulär oder belanglos wirken, wer aber zwischen den Zeilen lesen kann und will, wird mit einem tollen Filmerlebnis belohnt, welches noch lange nach dem Abspann im Kopf herumspukt. Für mich war dies eindeutig der berührendste Film des damaligen Kinojahres.

Auch die stereotype Darstellung der Japaner und ihrer Kultur wird dem Film gelegentlich vorgeworfen, spiegelt aber lediglich den Eindruck wieder, den 2 Amerikaner (die eigentlich lieber anderswo sein möchten) von ihnen bekommen. Die Amerikaner kommen dabei auch nicht immer gut weg, und es ist einfach ein typisches Phänomen, dass man als Kurzzeittourist in erster Linie auf Klischees prallt ohne wirklich tiefer vordringen zu können. Dass Sofia Coppola manchmal etwas übertreibt ist sicher zulässig und gibt dem Film seine komischen Momente.

LOST IN TRANSLATION ist ein aus dem Leben gegriffener Film, der von einer einzigartigen Stimmung lebt und Themen wie Einsamkeit, Entfremdung, Reisen, Kulturschock, Kommunikation, Freundschaft, Zuneigung, Lebenskrisen auf wunderbare, bedächtige und humorvolle Art und Weise behandelt. Vor allem ist es ein Film über zufällige Begegnungen, und wie Begegnungen mit anderen Menschen dein Leben verändern oder ihm neue Impulse geben können. Die Schauspieler könnten nicht besser gewählt sein, Bill Murray ist wie geschaffen für diese Rolle, ebenso wie Scarlett Johansson (die mir nie wieder so gut gefiel wie hier). Die sich langsam entwickelnde Chemie zwischen den beiden (vom vorsichtig abtastenden Smalltalk bis hin zu wortloser Kommunikation) wird perfekt eingefangen.

Auch die Filmmusik ist perfekt gewählt - der Shoegazer-Style einiger Songs in Verbindung mit den glitzernden Neontafeln Tokios transportiert das Gefühl der Verlorenheit. Selbst der Titel ("lost in translation" bedeutet wörtlich soviel wie "in der Übersetzung verlorengeganen") ist genial, da er gleichzeitig auf mehrere der behandelten Themen anspielt. Also meiner Meinung nach hat Sofia Coppola hier wirklich grosses geleistet, und die Golden Globes sowie der Drehbuch-Oskar gehen absolut in Ordnung.

Zur Ausstattung der DVD: für eine solche Independent-Produktion absolut in Ordnung, es finden sich Musikvideos, Interviews, ein 30-minütiges Making-of sowie der gesamte Talkshowauftritt von Bill Murray bei "Japans Johnny Carson", welcher im Film nicht vollständig gezeigt wird.
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29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbeschreiblich schön..., 10. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Skeptisch bin ich an den Film herangegangen. Ich dachte, wieder so ein preisgekrönter Film, den die Kritiker lieben und bei dem man als normaler Kinobesucher einschläft. Was für ein Irrtum! Spätestens in der Szene, als Bill Murray in der Karaokebar „More than this“ singt, der Refrain einsetzt und sich die Kamera auf Scarlett Johansson scharf stellt, wusste ich, dass dies einer meiner absoluten Lieblingsfilme sein wird. Dann die nachfolgende nächtliche Taxifahrt durch Tokio. Ich hab immer gehofft, dass ein Film mal solche Bilder einfangen wird. Einfach großartig! Der Film lebt von seiner unvergleichlichen Atmosphäre und den oft sehr subtilen aber immer grandiosen Leistungen der Schauspieler. Man muss schon genau hinsehen, manchmal auch mehrmals, um die Genialität einzelner Szenen zu erkennen.

Kurz zum Inhalt: Zwei verwandte Seelen treffen sich in einer für sie fremden Umgebung. Dass es in Tokio spielt finde ich dabei nicht am wichtigsten. Die amerikanische Schauspielerin und der HipHop-Typ in der Hotelbar wirken genauso befremdend wie die Einheimischen, deren Sprache man nicht spricht.

Auch das offene Ende fand ich gelungen, alles andere wäre unpassend. Es überlässt den Zuseher seinen eigenen Erwartungen. Leider muss es ja irgendein Ende geben...

Obwohl ich bei dem Film leicht ins Schwärmen gerate, möchte ich ihn nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich weiß, dass so etwas vielen nicht gefallen wird und es wäre wirklich schade um jede weitere negative Kritik, die hier erscheint.

Wer sich darauf einlassen kann und vielleicht auch ein wenig zur Selbstreflexion fähig ist, wird diesen Film lieben. Es heißt, Geschmack macht einsam. Möglicherweise wird der eine oder andere Zuschauer erkennen, dass er doch nicht allein ist...
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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Lost In Translation" einsacken und viel Spaß!, 13. März 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation - SZ-Cinemathek 51 (DVD)
Ein wunderbarer Film, der nicht nur im Winter für lodernde Herzen sorgt.
Was Sofia Coppola, Tochter des großartigen Francis Ford Coppola, da in ihrem zweiten Kinofilm auf die Leinwand zaubert ist aller Ehren wert und ein wundervolles cineastisches Geschenk für nachfolgende Generationen.
„Lost In Translation" erzählt eine einfach gestrickte Geschichte zweier unglücklicher Menschen, die so unterschiedlich sie auf den ersten Blick sind, im fremden Japan einander begegnen und zueinander finden. Aber diese einfache Geschichte erhält durch die durchdachten Dialoge, den wunderbaren Humor und die meisterhaften Schauspieler Scarlett Johnson und Bill Murray eine unglaubliche Tiefe. Man kann einfach nicht genügend Superlative finden. Ganz großes Kino!
„Lost In Translation" bleibt allerdings nicht nur auf der romantischen Ebene, ganz im Gegenteil im Mittelpunkt steht neben der Liebe das ferne Japan. Hier profitiert Sofia Coppola von ihren vielen Japanreisen, denn sie schafft es das bunte, niemals schlafende Tokio über den Bildschirm direkt ins Wohnzimmer zu zaubern.
Schauspielertechnisch ist Sofia Coppola der große Coup gelungen, Bill Murray spielt hier eine der besten, wenn nicht sogar die beste Rolle seines Lebens. Überraschend gut spielt auch die wunderbare Scarlett Johnson, deren Hinterteil in der ersten Einstellung für alle Umkosten entschädigt. Versprochen!
Was soll man noch weiter sagen, „Lost in Translation" ist einfach ein runder Film, hier stimmt wirklich alles.
Vor ein paar Tagen war Valentinstag, solltet ihr das aus unerfindlichen Gründen verschlafen haben, schnappt euch eure Freundin/euren Freund lauft gemeinsam in die nächste Videothek, „Lost in Translation" einsacken und viel Spaß!
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der genialsten Filme aller Zeiten., 29. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Schon beim ersten Mal Anschauen im Kino habe ich mich in diesen Film verliebt.
Denn eigentlich sitzen auch viele von uns irgendwie in diesem Hotel in Tokio fest,
umgeben von einer unverständlichen und schrägen Welt. Mit Suntory Whiskey in der Hand sinniert man über das eigene Leben und plant einen Gefängnisausbruch....;-)
Perfekt von Coppola umgesetzt...Bill Murray ist die Idealbesetzung, Scarlett Johansson war nie mehr so gut.
Solch einen Film gibt es nur einmal in 50 Jahren.
Ich frage mich gerade, ob ich Mitleid mit denen haben sollte, die diesen Film nicht verstehen, oder ob diese Mitleid mit mir haben sollten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend, 6. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Lost in Translation ist ein Film der "anders" ist, da bin ich jetzt nicht der Erste, der das feststellt. Untermalt mit einer Klasse Musik kommen zwei irgendwie mit ihrem Leben, ihrer Partnerschaft nicht ganz zufriedene Menschen in einer für sie fremden Welt in Tokio zusammen. Auf der einen Seite der nicht ganz junge Hollywood-Star Bob, gespielt von Bill Murray und Charlotte gespielt von Scarlett Johannson, die junge Frau eines Fotografen. Beide haben zunächst drei grundsätzliche Gemeinsamkeiten, sie fühlen sich einsam, sie sind verheiratet und sie können des nachts nicht schlafen. Und so vertieft sich nach und nach ihre Bekanntschaft und dabei erleben sie Tokios Nachtwelt, entdecken ihre Seelenverwandtschaft immer mehr trotz des Altersunterschieds.

Wunderschön gespielt von den beiden Protagonisten, kein bischen langweilig finde ich den Film indem eine Melancholie aufkommt und vielleicht braucht es genau auch eine Seelenverwandtschaft um Zugang zur leisen Story zu bekommen. Nichts mit Krach-Bum, Kreisch, Verschwörung und Mord. Aber wenn man den Zugang hat, ist es ein wunderschöner Film.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traumhafte Melancholie in der fremden Metropole, 3. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Lost in Translation (DVD)
Lost In Translation

Ein bewegend, verträumtes, herzhaftes Filmchen von Sofia Coppola. zwei überragende Hauptdarsteller liefen vielleicht ihre beiden besten Leistungen ab. Die Bilder von Tokio ziehen mich magisch an. Das ist ein Film der ans Herz geht, der mir eine gute Zeit gibt, der mich glücklich macht. Grob betrachtet passiert in dem Streifen eigentlich nichts, was es wert ist auf die Kinoleinwand zu kommen. Aber das ist es nur grob betrachtet. Für mich ist es ein Trip in die Gefühlswelt zweier Menschen, die eigentlich unterschiedlicher kaum sein könnten. Dabei spielen Musikauswahl und die Kameratechnik eine entscheidende Rolle. Der Film liefert auch viel zu lachen, zb als eine jap. Dame Bob Harris im Hotelzimmer aufsucht, oder der niedliche Karaokeabend mit erfrischenden Gesangseinlagen. Die Harmonie der beiden Darsteller stimmt und zieht den Film absolut mit. Ein wahres, aber stilles, Meisterwerk und gleichzeitig mein absoluter Lieblingsfilm, den man immer und immer wieder sehen möchte.

* * * * *
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Lost in Translation
Lost in Translation von Bill Murray (DVD - 2004)
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