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39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut, aber gewöhnungsbedürftig
Inhalt: Grace (Nicole Kidman) findet Zuflucht in einem abgeschiedenen Bergdorf. Um bleiben zu können, erweist sie den Bewohnern Gefälligkeiten. Das Dorf und Grace profitieren davon und blühen auf. Aber mit der Zeit ändern sich die Rahmenbedingunen und die Situation eskaliert.

Darstellung: Der Film zeigt sehr gekonnt die Motivation und die...
Veröffentlicht am 5. November 2006 von A.W.

versus
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geschmackssache
Eine Geschichte die glatt von Dürrenmatt stammen könnte ereignet sich in der kleinen 15 Seelen Stadt Dogville.
An der Geschichte gibt es nichts zu bemängeln sehr interesant und tiefschürfend erinnert Dogville mich fast den ganzen Film über an den "Besuch der aten Dame".
Auch die Idee mit der Theaterkulisse ist erfrischend und anregend,...
Veröffentlicht am 24. August 2008 von JJ


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39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut, aber gewöhnungsbedürftig, 5. November 2006
Von 
A.W. "asw-ka" (Karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Inhalt: Grace (Nicole Kidman) findet Zuflucht in einem abgeschiedenen Bergdorf. Um bleiben zu können, erweist sie den Bewohnern Gefälligkeiten. Das Dorf und Grace profitieren davon und blühen auf. Aber mit der Zeit ändern sich die Rahmenbedingunen und die Situation eskaliert.

Darstellung: Der Film zeigt sehr gekonnt die Motivation und die Abgründe menschlichen Handels auf. Dabei abstrahiert er von allem überflüssigen, was uns von dem wesentlichen ablenkt: Das Geschehen spielt nicht in einer entsprechenden Bergkulisse sondern mehr oder weniger auf einer Theaterbühne. Die meisten Requisisten wie z.B. Mauern oder Türen wurden durch Kreidestriche auf dem Boden ersetzt.

Bewertung: Von vier Personen, die wir beim Ansehen waren, hielte nur zwei bis zum Ende des Filmes durch. Freunden, denen ich die DVD auslieh, brachen nach 15 Minuten ab. Ich selbst brauchte etwa 1 Stunde, um micht an das Darstellungsformat zu gewöhnen. Wer die Geduld aufbringt und die circa drei Stunden durchhält wird mit einem fulminanten Ende belohnt. Die Schauspieler und allen voran Nicole Kidman wissen zu überzeugen. Wer etwas anspruchsvolles mag, wird an dem Film seine Freunde finden. Action Fans lassen von dem Film besser ihre Finger. Aufgrund des Formates und der Länge wird der Film eher von den Fernsehstationen gemieden werden. Der DVD-Kauf lohnt daher.
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr eigenwillig, 19. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Hände weg von diesem Film, wenn man sich nach der Plot-Beschreibung auf dem Cover auf einen unterhaltsam spannenden Kino-/Video-Abend mit all den normalen Ingredientien freut. Dieser Film ist anders und weicht formal und inhaltlich vom Normalen ab (mich wundert allerdings, dass das der einzige Grund ist, warum ihm so viele RezensentInnen gleich schlecht bewerten).

Formal kann der Film nicht einfach als verfilmtes Theaterstück beschrieben werden, denn dies würde bedeuten, all die anderen Dimensionen zu ignorieren. Ja, die ganze Handlung spielt in Dogville und diese Stadt ist in einer Studiohalle 'aufgebaut'. Allerdings ist die Struktur der Stadt, ganz anders als in herkömmlichen Dramen, nicht durch Kulissen repräsentiert, sondern grundsätzlich nur durch Umrisse am Boden und teilweise Bezeichnungen (Stachelbeersträuche sind als Kreideumrisse plus dem Wort dargestellt) symbolisiert. Dies schafft auf der einen Seite eine extreme Durchsichtigkeit (also man sieht immer alles, was die BewohnerInnen machen, die auch fast immer alle im Set zu sehen sind, wenn auch im Hintergrund), auf der anderen Seite auch die Abstraktion eines Stadtplanes (immer am Anfang der Szenen, sieht man von oben auf das Set mit den Häusern, in deren Mitte der Schriftzug "Elm Street" prangt - sieht wirklich aus wie auf einer Landkarte). Besonders die Durchsichtigkeit erscheint mir angesichts der Tatsache, dass es in dem Film vor allem um moralisches Sein, moralischen Schein und individuelle und kollektive Selbstgerechtigkeit geht, sehr passend.

Der Film bedient sich auch der Stilmittel des Romans. Er ist in Kapitel gegliedert, die im Film mit kurzer Preview eingeblendet werden (so in der Art von engl. 18.Jh. Romanen). Er hat auch - ganz im Gegensatz zu Dramen - einen allwissenden auktorialen Erzähler, der aus dem Off die Handlung erzählt und/oder kommentiert, wobei die Frage seiner moralischen Position (irgendwie sympathisiert er mit allen, er ist nicht neutral, sondern wechselt die Positionen, ohne einen Widerspruch zu entdecken) sehr interessant ist.

Der Film ist auch sehr seltsam (im positiven Sinn) geschnitten, denn in einzelnen Szenen kommt es immer wieder, ohne deutliche Unterbrechungen, zu Sprüngen. Also wie im Roman bekommt man teilweise nur Ausschnitte der Konversation zu hören.

Lars von Trier nennt Brecht als ein Vorbild für "Dogville" und das erkennt man auch in den Figuren, die eine gewisse Künstlichkeit haben. Mir persönlich erscheinen sie für sich genommen realistisch, aber sie interagieren überhaupt nicht miteinander (die oben genannte Schnitttechnik trägt dazu bei). Die SchauspielerInnen tragen das Ihre dazu bei, dass diese unrealistische Figurenführung trotzdem überzeugend für die Gesamtwirkung des Films wirkt (das ganze Ensemble ist hervorragend).

Inhaltlich geht es, wie gesagt, um moralische Ansprüche und ihre Umsetzung (bzw. Nicht-Umsetzung) und den ständigen Versuch, diese zumindest diskursiv in Einklag zu bringen, was niemandem gelingt, sodass man zu guter Letzt mit niemandem sympathisiert, sodass sich auch kein Gefühl des poetischen Gerechtigkeit durch das Ende des Films einstellen mag.

Ein Film zum Nachdenken, zum Diskutieren, kein Unteraltungsfilm.
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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Düsterer, fesselnder Theaterfilm, 17. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Dogville präsentiert sich wie eine Versuchsanordnung. Untersucht werden soll folgendes: Eine junge Frau auf der Flucht kommt in eine von der Außenwelt weitgehend abgeschlossene Kleinstadt. Die Bewohner des Städtchen sollen darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingen die Fremde unter ihnen leben soll. Der weitere Verlauf wird von der Kamera aufgezeichnet.

Experimente werden in der Regel unter Laborbedingungen durchgeführt. Alle Störfaktoren werden nach Möglichkeit ausgeblendet. Entsprechend wird in "Dogville" auf ein klassisches Filmset verzichtet. In einer großen Lagerhalle sind auf dem Boden einer Bühne stattdessen die Grundrisse von Häusern und Straßen aufgemalt, einige Requisiten deuten die Inneneinrichtungen, einzelne Wandelemente Fassaden an. Der Zuschauer ist quasi ein Gast des Versuchsleiters. Teilweise lenkt dieser mit Hilfe der Kamera die Aufmerksamkeit auf bestimmte Vorkommnisse in dem gesellschaftlichen Mikrokosmos, teilweise hat der Zuschauer aber auch selber Gelegenheit nach Lust und Laune seinen Blick über die Versuchsanordnung schweifen zu lassen. Er sieht gleichzeitig das Private und das Öffentliche von 15 Erwachsenen und einer Handvoll Kinder. Ein Sprecher (Erzähler aus Amelié) fasst quasi als Protokulant die einzelnen Versuchsschritte mit wissenschaftlicher Nüchternheit zusammen.

Im Prinzip ist "Dogville" nichts anders als abgefilmtes Theater. Theater auf der Leinwand hat aber zwei wesentliche Vorteile. Erstens sind Emotionen viel feiner darstellbar, weil die Leinwand Gesichter in Großaufnahme zeigen kann und noch das leiseste Flüstern verständlich ist. Zweitens sind Zeitsprünge durch den Schnitt sofort erkennbar.

Die Menschen von Dogville sind ganz mit sich selbst beschäftigt. Man kennt sich, ist eine eingeschworene Gemeinschaft, lebt aber auch gleichgültig neben einander her. Bis eines Tages Grace in ihre Mitte tritt. In einer Versammlung wird beschlossen, dass sie zunächst für zwei Wochen bleiben darf. Die Anwesenheit Grace reißt sie aus ihren Alltagstrott. Dogville erwacht aus seiner Lethargie. In neun Kapitel skizziert von Trier die gruppendynamischen Prozesse, die aus der neuen Situation entstehen. Zunächst kann die freundliche Fremde sämtliche Bewohner für sich gewinnen und das Gute in den Menschen von Dogville wecken. Aber mit dem wachsenden Bewusstsein der Dogviller, dass es in ihrer Macht liegt über das Wohl der Flüchtigen zu entscheiden. Und Lars von Trier zeigt wie Macht den Menschen korrumpieren kann. Nach und nach beginnen die scheinbar so freundlichen Bürger die Schwäche der Verfolgten auszunutzen. Aus dem Engel wird der Sündenbock, aus der Flüchtigen eine Gefangene. Die Abgründe der menschlichen Natur treten zu Tage. In den neun Kapitel erfährt Grace alle menschlichen Verhaltenweisen, die ein Fremder unter Einheimischen, ein Außenseiter gegenüber der Mehrheit nur erfahren kann. Sie wird misstrauisch beäugt, gemieden, geschützt, geliebt, benutzt, beschimpft, vergewaltigt, verachtet, versklavt, verraten.

Mit Geduld erträgt Grace ihren Leidensweg. Aber anders als in den vorangegangenen Filmen in der er die menschliche insbesondere die weibliche Leidensfähigkeit thematisiert hat, dreht er am Ende den Spies noch einmal um. Ist Vergeltung gestattet, um Unrecht zu sühnen? Eine Antwort gibt der Film nicht. Aber er hinterlässt Verwirrung. Gut und Böse erscheinen beständig in einem anderen Licht und so wird der Zuschauer im Laufe des Filmes hin- und hergeworfen zwischen Anteilnahme, Rachegelüsten und Vergebung.

"Dogville" spielt mit den Emotionen und hinterfragt die scheinbare eigene moralische Überlegenheit. Somit wird der Film letztlich zum Selbstversuch. Denn Dogville gibt es nicht nur auf der Leinwand, Dogville ist überall.

Lars von Trier hat einen düsteren, pessimistischen Theaterfilm gedreht, der für seine Laufzeit von drei Stunden aber überraschend kurzweilig ausgefallen ist. Für Abwechslung sorgen automatisch die fünfzehn unterschiedlichen Charaktere von Dogville, einschließlich ihres ständig im Wandel begriffenen Reaktionsverhalten gegenüber Grace.

85 %
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33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 'Der Mensch' betrachtet durch einen emotionslosen Computer, 28. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Das Lars von Trier spröde und anstrengende Filme macht ist wohl spätestens seit "Dancer in the Dark" bekannt, war doch der Film auf große internationale Resonanz gestoßen und hatte sogar eine Oscarnominierung in Sachen Original Score erhalten. Was uns aber Herr von Trier bei "Dogville" anbietet, wirkt auf den ersten Blick äußerst unverschähmt, wenn nicht sogar (im wahrsten Sinne des Wortes) unmenschlich:
Ungeschminkte Schauspieler werden von wackeligen Kameras begleitet und spielen auf einer Theaterbühne mit aufgemalter Kulisse ein dreistündiges Drama, das so kalt wie ein sibirischer Winter und so trocken wie ein verbrannter Knochen ist. Wirkt der Film doch stellenweise so kühl berechnend und analytisch wie ein Taschenrechner denn ein mit Menschen gedrehter Kinofilm.
Doch dann langsam, sehr langsam entwickelt sich beim Sehen der erlebten Greuel der Heldin eine derart große emotionale Bindung, dass man der fatalen und grausamen Entscheidung von ihr am Ende des Films nur mit rationaler Konsequenz zustimmen kann.
Dieser Verdienst gebührt nicht nur der grandiosen Nicole Kidman, die mit "Dogville" ihr persönliches Meisterwerk abgeliefert hat, sondern auch allen anderen Darstellern, die wohl befreit von der nicht vorhandenen Kulisse und dem sonst so üblichen Filmbombast eine solche Authentizität abliefern, dass man alle gezeigten Persönlichkeiten so oder so in der realen Welt wiederfinden kann. Die Entwicklung der Heldin von der verletzlichen, schönen Fremden zur grausamen, machtausübenden Gangsterbraut wirkt da genauso echt, wie jede einzelne extreme Verwandlung der Dorfbewohner.
Lars von Trier hat es mit "Dogville" tatsächlich geschafft und ein Meisterwerk über die wahre 'Menschlichkeit' gedreht ohne sie hinter Fassaden zu verstecken und mit Make-up zu kaschieren.
Danke Herr von Trier...
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seltsam..., 21. März 2008
Von 
Patrick Zäuner (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
... dass in den heutigen, für religiöse Fragen doch angeblich sensibleren Zeiten, der religiöse Hintergrund des Filmes kaum dargestellt wird. Ich möchte diese Rezension darum benutzen, ein paar Ansätze aufzuzeigen, wie man Filmthemen aus Dogville in christlicher Hinsicht vertiefen kann. Im Grunde drängt sich dies ja auch direkt auf, selbst wenn man den Lebenslauf des Autoren und Regisseurs nicht berücksichtigt.
Ein in diesem Zusammenhang besonders beeindruckendes Filmzitat ist folgendes:

'"So wie Dogville sich frei zugänglich auf der zerbrechlichen Felsplatte am Bergkamm ungeschützt den launischen Stürmen darbot, so bot sich auch Grace dar. Und so hing sie an einem dünnen Stiel, wie der Apfel im Garten Eden. Ein Apfel, so prall, dass der Saft gerade heraus lief."

Dogville ist der erste Teil der Amerikatrilogie von Lars von Trier. In einem einsamen, romantischen Bergdorf inmitten der Rocky Mountains, bewohnt von ehrlichen, hart arbeitenden Menschen, entwickelt sich ein faszinierendes und gleichzeitig beängstigendes Drama, welches unweigerlich auf eine Apokalypse zusteuert.
Ausgangspunkt der Geschichte ist die verwaiste Kapelle, in der seit langem kein Geistlicher mehr Dienst tut, die aber als Versammlungsort der Einwohner ab und an genutzt wird. Ein Müßiggänger aus reicherem Haus, der sich selber Philosoph nennt, versucht dort seine Vorstellungen einer weltlichen Ethik an den Bewohnern auszuprobieren, indem er ihnen, wie er es nennt, "einen Spiegel vorhält".
Sicher geht man nicht zu weit, in dieser Darstellung eine Anlehnung an die Situation der Kirche heute zu sehen, in welcher Menschen zwar aus Tradition (oder weil sie nichts verpassen wollen) anwesend sind, deren Programm aber mit christlicher Verkündigung nicht mehr viel zu tun hat, und die nur allzu häufig zum ethischen Experimentierfeld selbsternannter Prediger geworden ist.

Der Film führt diese Problematik auf zwei Weisen aus - erzählerisch und musikalisch.
So durchzieht den Film als künstlerisches Thema Vivaldis "nisi dominus", auf welches der Zuschauer in besonderem Masse verwiesen ist, da durch die Reduktion optischer Reize die Musik einen ganz besonderen Stellenwert erhält. "Nisi dominus" als Thema verleiht dem Film nicht nur eine dramatische Note, sondern gibt schon gleich von Anfang an einen Hinweis zur Auflösung des Themas im Göttlichen.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt:
Dogville ist, wie es heisst, von lauter braven Leuten bewohnt. Man geht seiner geregelten Arbeit nach, hilft sich in der Nachbarschaft aus und ist ansonsten lieber unter sich. Zwar hat jeder so seine Eigenheiten, aber im Gemeinwesen stört sich niemand wirklich am anderen - einzig Tom, der schon erwähnte "Philosoph" empfindet diese "Kleinbürgerlichkeit" als zu eng und und ist bestrebt, das schläfrige Dorf zu erwecken - natürlich nicht durch eigenes Opfer, sondern um anschließend die Lorbeeren der Anerkennung zu geniessen.
Unerwartet, wie ein Geschenk, betritt zum rechten Zeitpunkt um Tom als Experiment zu dienen, eine flüchtige Frau (Grace) die Bühne.

Im Folgenden werden Auswirkungen der christlichen Ur- und Hauptsünde, des Hochmutes, durchexerziert:
- Im Dorf genügt sich erst jeder selbst, jedoch will sich keiner nachsagen lassen, er würde der Flüchtigen nicht helfen wollen. Als diese Hilfe jedoch später in den Ruf der Ungesetzlichkeit driftet, da Grace von der Polizei gesucht wird, werden mehr und mehr unter dem Vorwand der Hilfe Ansprüche auf Ausgleich des Risikos laut, und Grace wird mehr und mehr bis aufs Unerträgliche ausgebeutet - immer im Bewusstsein der Leute, ihr letztlich doch helfen zu wollen.
- Tom, Graces Protégé, zeigt seine hochmütigen Ambitionen wohl am deutlichsten. Sein Motiv zur Hilfe ist es, später berühmt zu werden und seinen Mitbewohnern einen Spiegel vorhalten zu können um sie moralisch zu läutern. Sehr interessant ist hier auch, dass er sich durchaus selbst mit moralischen Ansprüchen quält um sein Ziel zu erreichen. Doch hilft ihm keine Enthaltsamkeit, wenn er dadurch vor allem seine Arroganz stärkt, mit der er sowohl Grace als auch die Dorfbewohner für seine Kariere einspannt. Als ihm dies aufgeht, geht er folgerichtig auch nicht in sich, sondern versucht seinen Makel zu vertuschen, indem er sich Grace zu entledigen sucht.
- Schließlich stellt sich auch Grace, die vorerst wie ein Engel auftritt und christusgleich alle Schmach der Dorfbewohner incl. Tom unschuldig über sich ergehen lässt, als nur allzu menschlich heraus. Dem Hochmut eines reichen, im organisierten Verbrechen eine führende Rolle spielenden Vaterhauses entweichend, hat sie in Dogville versucht, sich allem und jedem unterzuordnen - und gerade dadurch, indem sie sich kleiner machte als alle anderen, entlarvt sie sich als die Hochmütigste von allen, wie ihr Vater ihr in einem dramatischen Schlusswort verdeutlicht: wer sich als Mensch über alle Fehler anderer hinwegsetzt, alles und jeden entschuldigt, nimmt den anderen ihre moralische Verantwortung - er degradiert sie geradezu und nimmt ihnen das, was sie zum Menschen macht. Indem Grace alles über sich erduldete und für alles und jeden eine Entschuldigung fand, stellte sie sich als die einzig Schuldfähige gleichsam über alle anderen: eine Rolle, die den Bogen zum genannten "nisi dominus" von Vivaldi eindrucksvoll schliesst.

So ist es auch konsequent zu Ende geführt, wenn sie am Schluss des Filmes wieder Mensch wird, und um "die Welt ein bisschen besser zu machen" das Dorf gleich einem Genozid vernichten lässt.

Nun will ich noch ein paar Worte als Fazit anfügen, vor allem wohl auch um die 5 Punkte zu begründen.
Zwei Aspekte haben mich wohl am meisten beeindruckt:
- Zum einen läuft der Film in meisterhafter Weise (dramaturgisch, erzählerisch und künstlerisch) auf das durch die christliche Erbsündenlehre dargestellte Problem hinaus, dass wir letztlich die Welt nicht erlösen können. Was wir auch machen, es ist letztlich falsch. So ist es Hybris und nimmt den Menschen letztlich alle Freiheit, wenn wir an Christi Stelle alles Leid auf uns nehmen wollen. Versuchen wir aber vor allem unsere menschliche Gerechtigkeit walten zu lassen, endet das in letzter Konsequenz in einem Blutbad.
- Das Blutbad wiederum knüpft in erschreckender Weise an einen zweiten mich tief beeindruckenden Aspekt an, nämlich die Reaktionen auf den Film. Nicht wenige aufgeklärte Bürger, die sich mit Entschiedenheit und aller Kraft von geschichtlichen Phänomenen wie dem Holocaust distanzieren, waren auf einmal durchaus bereit, aus vollem Herzen Sympathie mit Graces schlussendlicher Entscheidung auszudrücken...

Wohl auch darum ist mir ein Film selten derart nachgegangen und hat mich kaum so aufgewühlt. Für mich ist Dogville auf jeden Fall eine Ausnahmeerscheinung, von der ich kaum glauben kann, dass sie aus der Hand eines einzigen Menschen stammt. Wenn ich jemals Zweifel an den Möglichkeiten moderner Filmkunst hatte, so sind diese durch Dogville endgültig beseitigt.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Minimax, 5. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Fast drei Stunden Film ohne Ermüdungserscheinungen. Selten können Filme über so lange Strecken so bannen wie dieser. Natürlich ist das hier kein Ufo-Action-Reißer, kein Hollywood-Musical, auch keine Lindenstraße. Mir ist völlig unklar, was die enttäuschten Vorrezensenten wohl erwartet hatten. Lars von Triers Toy Story?

Lars von Trier schafft hier kurzweiliges und überzeugendes Kino.
Trotz langer Dauer und Pausen im Film und einem Erzähler, der aus dem Off das Geschehen begleitet. Und auch trotzdem und weil sämtliche Gebäude des mit seinen zwei Dutzend Einwohnern sehr überschaubaren Städtchens im großen und ganzen nur als Wandmarkierungen auf den Boden einer großen Halle gemalt sind, ein eindrucksvolles, poetisches und der Erzählweise zuspielendes Bild.

Dabei ist das hier betont keine Theateraufführung auf DVD. Es ist ein Erzählfilm. Die Schauspieler agieren bei aller wegreduzierten bühnenartigen Optik nicht so übertrieben und laustark, wie Theaterschauspieler es müssen. Man hört keine Schritte auf einer Holzbühne, ganz im Gegenteil, wenn etwa Türen, die nur durch Handbewegungen der Darsteller angedeutet werden, knarren.

Zur Handlung sei hier nichts genaues verraten. Ich fühlte mich häufig an Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" erinnert, Lars von Trier selbst führt Brechts "Piratenjenny" als Motiv an - der Film ist ein bestürzend gut gemachtes Soziogramm, das zwar Mitte der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Amerika spielt, aber durch seine filmischen Auslassungen jederzeit nach überall transponiert werden könnte.

Ein beeindruckendes Meisterwerk.

Ein paar zusätzliche Extras oder eine größere Schrift bei den vorhandenen Info-Texttafeln hätte man sich wünschen können; aber bei drei Stunden Film in zwei Sprachen plus Audiokommentar des Regisseurs gibt es keinen ernstzunehmenden Grund zur Klage.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gnadenlos, 28. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Der Film gehört definitiv zu meinen Lieblingsfilmen. Auf ein Minimum konzentriert, sich aber voll auf seine durch und durch grandiosen Darsteller verlassen könnend entwickelt "Dogville" eine unheimliche Anziehungskraft. Der Film fesselt, man freut sich mit der Protagonistin, man leidet mit ihr, ja selbst ihre Rachsucht kann man verstehen.

Sicherlich kein "leichter Stoff" und auch schwer verdaulich, aber auf jeden Fall etwas für Filmfreunde mit Anspruch.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lars von Triers Meisterwerk !!!, 7. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Okay zugegeben, am Anfang erscheint der Film noch etwas gewöhnungsbedürftig, man sieht ja nicht alletage eine improvisatorische Bühne als Filmkulisse. Doch lässt man sich auf den Handlungsstrang ein und vorallem auf die meisterhafte schauspielerische Leistung, wird man so in den Film hineingezogen, dass man die Bühne eigentlich nicht mehr wahrnimmt. Was zählt ist einzig und alleine die Handlung und die Schauspielkunst vom Feinsten.
Der Film ist einzigartig, gewagt, kompromisslos und brilliant.
Es ist ein hochkomplexes Thema auf das sich Trier hier eingelassen hat. Die "dunkle Seite" eines zivilisierten Menschen, er führt sie beinah wie auf einem Silbertablett vor. So präzise zeichnet er den Weg vom zivilisierten Menschen zum despotischen, gewaltätigen Tyrannen, dass man sich unweigerlich selbst anfängt zu fragen, wie man anstelle der Dorfbewohner reagiert hätte. Hätte man stumm zugeschaut, hätte man tatkräftig mitgemacht oder hätte man versucht das "arme Mädchen" zu retten?
Klar ist man versucht von sich zu glauben man hätte versucht zu helfen, aber Trier zeigt die Verwandlung zum Tyrann in so selbstverständlicher, subtiler Weise, dass ernsthafte Zweifel an der eigenen altruitischen Einstellung bleiben. Und das ist meiner Meinung nach die Meisterleistung des Films, nicht nur zu zeigen ja es gibt böses Menschen, sondern den Zuschauer wirklich dazu zubewegen, sich ernsthaft über die eigenen "Dämonen" Gedanken zu machen.
Fazit: Ein sehr anspruchsvoller Film, der bestimmt nicht jedermanns Sache ist, aber für Cineasten eine absolute Perle der Filmgeschichte ist.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr Brecht als Brecht..., 28. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
...war mein erster Gedanke nachdem ich "Dogville" gesehen hatte. Die tiefsten Abgründe der menschlichen Moral zeigt Lars von Trier hier in einer skurillen Szene, die wie das Bühnenbild einer modernen Theaterproduktion anmutet. Vor diesem spartanischen Hintergrund entfaltet die Geschichte um die vollständige Ausbeutung einer Hilfsbedürftigen eine beängstigende Wirkung.
Wieder einmal (so wie schon bei "Dancer In The Dark") bemüht sich Lars von Trier durch den Einsatz von populären Akteuren (Nicole Kidman, Björk) mehr Aufmerksamkeit auf seine Filme zu lenken, die Aufgrund ihrer anspruchsvollen Aussagen und der schwer verdaulichen Materie sonst wohl niemand aus der Happy-Happy-Fun-aber-um-jeden-Preis Society sehen möchte.
Für mich ist Lars von Trier der größte Filmregisseur, eben aufgrund seines Brecht'schen Stiles und seiner unkonventionellen Handschrift... und für diesen Preis: Ein Wink mit dem Zaunpfahl!!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen GENIAL - aber auch anspruchsvoll..., 30. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Dogville (DVD)
Man muss sich auf diesen Film einlassen - so viel muss jedem klar sein, der die DVD in den Player legt. Aufgemalte Kulisse, keine Special-Effects. Hollywood mal ganz ganz anders eben. Die Spannug wird eben durch Dialoge entwickelt, nicht durch Explosionen. Und wer sich an gestrichelten Büschen und Häusern aufhält, hat nicht ganz kapiert, was damit bewirkt werden soll (was übrigens bei mir wirklich funktioniert hat): Der Zuschauer soll sich auf die Schauspieler, die Handlung konzentrieren können. Irgendwie kommt man sich vor, als würde man ein Buch lesen und ertappt sich selber dabei, wie man die visuellen Lücken mit seiner Phantasie füllt. Der Film bleibt experimentell, keine Frage. Aber ich habe mich über einen solchen Lichtblick im Masseneinheitsbrei gefreut. Das hier ist kein Blockbuster, wer Lust auf ein philosophisches Krimi-Drama bester Güte hat, ist hier sehr gut aufgehoben.

Deshalb mein Tipp: Unbedingt anschauen und dem Film eine Chance lassen (dazu hat man genügend Zeit - schließlich dauert er 170 Minuten...).
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Dogville
Dogville von Nicole Kidman (DVD - 2004)
EUR 11,99
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