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am 25. August 2005
Der amerikanische Richter Dan Haywood (Spencer Tracy) kommt 1948 nach Deutschland, um in den Nürnberger Prozessen vier deutsche Juristen abzuurteilen, die für die Verbrechen des Nazi-Regimes mitverantwortlich gemacht werden. Prominentester Vertreter ist Dr. Ernst Janning (Burt Lancaster), der beharrlich zu den Vorwürfen schweigt. Der charismatische Verteidiger Rolfe (Maximilian Schell) leugnet die Verbrechen nicht, doch argumentiert er, daß die Richter im Rahmen geltenden Rechts gehandelt haben. Bilder und Berichte von Zwangssterilisationen und Massenmord lassen das Grauen lebendig werden. Doch Richter Haywood sieht sich im aufziehenden Kalten Krieg starkem politischen Druck ausgesetzt, Milde walten zu lassen, um das deutsche Volk zu versöhnen. Es stellt sich die Frage, der auch die Angeklagten ausgesetzt waren, ob ein Richter nur seinem Gewissen unterworfen ist oder sich als Teil des herrschenden Systems versteht...
Amerikanische Filme über deutsche Geschichte des Zweiten Weltkriegs sind mitunter durch gewisse politische Einseitigkeit gekennzeichnet. Nicht so „Das Urteil von Nürnberg". Das mit großem Staraufgebot gedrehte Werk von Regisseur Stanley Kramer beleuchtet eindrucksvoll das Deutschland 3 Jahre nach Ende des Krieges. Es werden Lebensgeschichten von Tätern des Dritten Reichs ebenso erzählt wie das deren Opfer. Es wird dokumentiert, wie es möglich war, daß einst redliche Menschen selbst zu Tätern wurden. Ganz generell stellt sich die Frage nach persönlicher Verantwortung für Verbrechen des Regimes. Spencer Tracy spielt überzeugend den ruhigen alternden Richter, der großes Gerechtigkeitsempfinden besitzt und frei von Vergeltungssucht nach der Wahrheit sucht. In weiteren Rollen sind Marlene Dietrich, Richard Widmark, Judy Garland und der junge William Shatner zu sehen.
Der Film ist ein Abbild der Zeit, die Wahrheit über deutsche Schuld wird ebenso aufgezeigt wie die politischen Interessen Amerikas und auch die Verantwortung der Welt am Aufstieg Hitlers. Ein überzeugendes Drama, nicht umsonst nominiert für 11 Oscars.
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am 7. April 2003
wie dieser Film eindeutig unter Beweis stellt! Hier gibt's einfach alles, angefangen von hochkarätigen Schauspielern, hervorzuheben natürlich Spencer Tracey, der vielleicht nur noch durch den genialen Maximilian Schell getoppt wird, einen über alles erhaben Regisseur Stanley Kramer, der hier erneut ein Meisterwerk abliefert und natürlich ein Thema, das jedem Menschen (nicht nur in Deutschland) nahe gehen sollte, auch wenn's lange her ist!
Inwiefern die Richter unter dem damaligem Regime schuldig zu sprechen sind ist eigentlich nur der Aufhänger zu der globalen Frage nach Schuld, Wissen, und Reue. Wer war schuld an dem Erstarken des Dritten Reiches? Wer wusste von Massenvernichtungen und wer nicht?...sind die Fragen, die vor Gericht nicht eindeutig beantwortet werden konnten, die aber jedem gewissenhaften Zuschauer ans Herz gehen sollten.
Was mir an dem Film am meisten gefällt ist allerdings seine objektive Darstellung der Dinge und Personen, denn er ist keineswegs Amerika-freundlich. Alle Facetten werden gezeigt nicht nur von verblendeten deutschen Systemanhängern, sondern auch von Rachebessesenen Allierten, die keineswegs alle eine weiße Weste tragen dürften!
Mir wurde heiß und kalt beim schauen und fühlte mich mit jedem neuen Zeugen und jeder neuen Ansprache der Verteidgung oder der Anklage hin- und hergerissen.
Also alles in allem ein Film, der in manchem Lehrplan für Geschichtsunterricht stehen sollte! Top!
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am 9. Januar 2006
Ein Schwarz-Weiß-Film der Extraklasse. Die Umsetzung des Theaterstücks von Abby Mann erscheint mir im Film sehr gut gelungen. Teilweise sind Bilder aus dem zerbombten Nürnberg zu sehen: das weiß ja heute bald niemand mehr, wie es damals aussah. Bei den Schauspielern agieren hauptsächlich Stars ihrer Zeit - von Spencer Tracy über Burt Lancaster zu Marlene Dietrich.
Wer den Film mal mit dem Theaterstück vergleichen möchte, kann dies zur Zeit im Nürnberger Schauspielhaus (seit kurzem Staatstheater) tun. Auch hier keine Längen, trotz 2h 50 min Dauer - und kein Mucks im Zuschauerraum. Film und Theaterstück sind echte Geschichtsstunden. Für jeden, der sich auch nur ein bisschen für diese Zeit interessiert, sehr empfehlenswert.
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am 9. Dezember 2005
Ein sehr überzeugender Film über die Verbrechen des 3. Reichs, besonders die der "Schreibtischtäter" und die Schwierigkeiten sie zu ahnden. Für mich der Gerichtsfilm schlechthin. Spencer Tracy in einer seiner besten Rollen gibt den Richter der einfach bloß seinem Gewissen, moralischen Empfinden und gesunden Menschenverstand folgt - und sich dabei in den Umhang des etwas hinterwäldlerischen Provinzrichters wirft um den ständigen Beeinflussungsversuchen aller Seiten auszuweichen. Dennoch, oder auch gerade deswegen, fällt es ihm schwer den Rechtsprofessor Jannings zu verurteilen: Den sympathischen, begabten, eigentlich Anständigen, der unter seinen eigenen Gewissensbissen eigentlich schon genug leidet.
"Sind wir schon wieder soweit..?!" mit diesen Worten wendet er sich entsetzt an seinen Verteidiger - und dem Zuschauer bleibt fast das Herz stehen - als dieser versucht einer Zeugin noch ein zweites Mal vor Gericht ihre Menschenwürde zu nehmen (hier hätte ein wirklicher Richter sicher eingehakt - aber diabolisch gut: Max Schell als Anwalt)
Ein guter Film über die Grenzen dessen was menschliches Recht vermag - auch dessen politische Rahmenbedingungen (die eher nebensächlich gestreift werden) - dass Schuld immer eine individuelle Angelegenheit ist - im Einzelfall abzuwägen - dass es keine "Kollektivschuld" geben kann...
Unnachahmlich Marlene Dietrich - die vor den Nazis emigrierte und dafür von den Deutschen gehasst wurde - hier gibt sie die germanische Offizierswitwe die "von nichts gewusst" haben will - so überzeugend dass man ihr einfach glauben muss - wenn sie nicht versuchte trotzdem ihre Fäden zu spinnen..
Und da die Frage des Rechtsprofessors an seinen Verteidiger wohl als Mahnung und Warnung noch für einige Zeit aktuell bleiben wird - nicht bloß für uns Deutsche - bleibt es vermutlich auch dieser Film...
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am 8. April 2016
Die allgemeinen DVDs über die Nürnberger Prozesse hatte ich ja schon, aber diese DVD ist ein absolutes Muss für jeden, den diese Zeit interessiert.
Die Namen der Hauptdarsteller sprechen für sich. Schade, daß es nicht noch mehr davon gibt. Die Hauptkriegsverbrecher sind ja schon lange bekannt, aber was ist mit den Ärzten, Bankiers, Industriellen, dem SD und den Lagerwachen? Das gehört auf jeden Fall noch aufgearbeitet
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VINE-PRODUKTTESTERam 22. August 2010
© Tonio, filmkritik99.jimdo.com

Quentin Tarantino hat in "Inglourious Basterds" neben vielem anderen den Typ des "kultivierten Barbaren" wiederbelebt. Sein Hans Landa (Christoph Waltz) hinterfragt die These, dass eher die sogenannte Unterschicht anfällig für braune Parolen war und dass Bildung die sicherste Waffe gegen die Verführbarkeit gewesen wäre. Es lohnt sich, zu sehen, wie schon 1961 der US-Regisseur und Produzent Stanley Kramer in diese Richtung argumentierte. Sein Film spielt 1947 und schildert einen Prozess gegen vier NS-Richter vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal. Auch hier gibt es den kultivierten Barbaren, gleich zwei Mal: Ein schneidiger Strafverteidiger (Maximilian Schell) ist aalglatt, gebildet und gerissen. Er kann sich nach anfänglich subversiver Fragerei so geschickt in psychoterrorisierende Raserei steigern, dass man sich fragt, was der Mann eigentlich von 1933-45 gemacht hat. Einer der vier Angeklagten, der Richter Ernst Janning (Burt Lancaster), ist als Einziger nicht so borniert, dass er sich mit der These, es sei nur geltendes "Recht" angewandt worden, ein Lügengebäude der schalen Gewissensberuhigung zimmert. Und doch bezeichnet er sich (man fühlt, dass dies auch die Aussage des Filmes ist) als "den Schlimmsten von allen". In der Tat! Wer hätte widerstehen können und es nicht tat, der lieferte der Barbarei den intellektuellen Überbau, den schützenden Brückenbogen, unter dem der Mob wüten konnte. Ohne diesen Schutzschirm wären des Führers neue Kleider ziemlich nackt gewesen, und nicht jeder, aber viel mehr Menschen hätten es gesehen, hätten vielleicht das Schlimmste verhindert.

Kramers Film trifft genau diese Tonlage und ist damit ganz bewusst ein "Aufklärungsfilm", der eine Botschaft hat und dezidiert Stellung bezieht. Dies macht Kramers Filme gelegentlich etwas anstrengend, aber sein Hang zu deutlichen Positionen und großen Monologen findet hier endlich einmal ein großes Thema, dem es angemessen ist. Er hat sich ja nicht irgendwelche Verschwörungstheorien ausgedacht, es hatte ja die willfährigen Juristen und die Juristenprozesse tatsächlich gegeben, in denen sie sich wanden und selbstverständlich sämtliche rechtsstaatlichen Mittel weidlich ausnutzten, die sie wenige Jahre zuvor den (Un-)Rechtsunterworfenen verweigert hatten. Obwohl es gerade die vier Juristen, die im Film die Angeklagten sind, nicht gab, basieren viele der im Prozess angesprochenen Schicksale und Unrechtsurteile auf Fakten. Judy Garland spielt beispielsweise eine Zeugin, die nur unter großen Mühen zur Aussage bereit ist und dann um Fassung ringt, wenn sie ihr Schicksal schildert - es basiert auf dem "Katzenberger"-Fall, in dem ein Jude namens Katzenberger wegen "Rassenschande" verurteilt und ermordet wurde, obwohl niemand genau sagen konnte, ob er nur ein väterlicher Freund oder Geliebter einer jungen Untermieterin war (um nicht missverstanden zu werden: Selbst im Falle eines Falles wäre die Verurteilung bar jeglicher rechtsstaatlichen und ethischen Grundsätze gewesen!). Die junge Frau, Irene Seiler, die nun von Judy Garland gespielt wird, wurde wegen Meineides zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Kramer schildert sowohl ihre Traumatisierung als auch die Perversion der NS-Justiz, die Katzenberger in einem reinen Schauprozess und Seiler in einem eklatanten Fall von Rechtsbeugung wegen Meineids verurteilt hatte, weil sie den Geschlechtsverkehr unter Eid bestritten hatte.

Auch das Thema Zwangssterilisierung von (mehr oder minder) geistig Behinderten, dessen realer Hintergrund offenbar ist, wird in einer emotionalen und doch bestechend wahren Szene aufgegriffen: Montgomery Clift (1961 schwer durch Drogenmissbrauch gezeichnet, so dass es vielleicht nicht mal gespielt ist, wenn er immer etwas neben der Spur wirkt) spielt ein Opfer im Zeugenstand, und der Verteidiger weist erst einmal geschickt nach, dass auch hochgeschätzte Geistesgrößen irgendwann einmal heutzutage unwürdige Äußerungen zur Behandlung Geisteskranker und zur "Selektion" gemacht hatten. Es darf auch nicht der Überraschungscoup fehlen, dass Schell triumphierend zu einem als verabscheuungswürdig geltenden Zitat sagt, das stamme nicht etwa von einem Nazi, sondern von einem hochangesehenen US-Amerikaner. Und irgendwann hat er den ersichtlich traumatisierten Clift so sehr an den Rand des Nervenzusammenbruchs gequatscht, dass er nicht mehr auf den "Intelligenztest" antworten kann: "Bilden Sie einen einfachen Satz, in dem die folgenden Worte vorkommen: Hase - Jäger - Feld. Hase - Jäger - Feld." Immer wieder kommen diese drei Worte wie Peitschenschläge. Natürlich kann Clift es nicht (und wir haben da schon fast vergessen, dass das nicht nur unfair ist, sondern dass selbst eine erwiesene "Geisteskrankheit" natürlich keine Zwangssterilisierung rechtfertigt). Das ist die Meisterschaft Kramers: Er schafft solche Szenen wie die mit Judy Garland und die mit Montgomery Clift / Maximilian Schell, die von ungeheurer emotionaler Kraft sind und einem die Zornesröte ins Gesicht treiben. Gleichzeitig legt er die Nazi- und Nazi-Verteidiger-Methoden frei und schärft unseren Verstand dafür, auch den intellektuell anspruchsvolleren Rechtfertigungs- und Manipulationsversuchen stets zu misstrauen.

Kramers Vorbildfigur ist offensichtlich die des Vorsitzenden Richters, gespielt von des Regisseurs bevorzugtem Hauptdarsteller Spencer Tracy. Er sah mit seinen damals ca. 60 Jahren schon etwas älter aus, und seine große Kunst ist, dass er Altersweisheit nie in Altersmilde abgleiten lässt. Hinter der auch zu den Nazis sehr fairen und großzügigen Verhandlungsführung ist immer der schlaue Fuchs mit messerscharfem Verstand zu erkennen, und im finalen Zellengespräch versagt er dem reuigen Janning die moralische Absolution. Es sei schon zu spät gewesen, als Janning das erste Todesurteil ausgesprochen habe. Da kommt die Kramersche Entschiedenheit wieder durch, und der hohe moralische Anspruch ist gegenüber intellektuell versierten Juristen, die der Verführung leichter hätten widerstehen können und die das System besonders nachhaltig gestützt haben, allemal gerechtfertigt.

Der Film wartet noch mit weiterer internationaler Star-Power auf. Neben den Genannten ist Richard Widmark ein energischer Staatsanwalt und Marlene Dietrich eine Offizierswitwe, die noch dem schönen Lügengebäude der ehrlichen Oberschicht anhängt, die von allem nichts gewusst habe. Dass sich die damals ca. Sechzigjährige gerade einer Schönheitsoperation unterzogen hatte und dadurch besonders statuarisch wirkte, passt zu ihrem weltentrückten Verharren in der Vergangenheit extrem gut. Mit Dietrichs Figur verlässt der Film zeitweilig den engen Kosmos der Prozessbeteiligten und wirft auch einmal einen Blick auf die deutsche Gesellschaft anno 1947. Man kann es dem Film wahrlich nicht verübeln, dass diese nicht besonders gut dabei wegkommt. In einer fast schon gruseligen Szene wird deutsche Biertisch-Seligkeit wie eine aggressive Bedrohung gezeigt. Wie die Männer zu einem laut vorgetragenen Schunkellied die Krüge rhythmisch auf den Tisch knallen, ist beinahe eine Kampfansage: Mir san mir, wir wollen wieder normal leben, die Vergangenheit im Bier ersäufen und uns unsere Gemütlichkeit (die absolut ungemütlich und verbissen wirkt) nicht nehmen lassen. Die Bierkrüge knallen mit dem gleichen Autoritätsanspruch auf den Tisch wie das Hämmerchen des Richters (so wird es auch in einem entsprechenden Szenenwechsel verdeutlicht).

Vergessen wir nicht, dass diese Haltung ganz offensichtlich noch viele weitere Jahre vorherrschte. Ausgerechnet Marlene Dietrich war ja im wirklichen Leben das glatte Gegenteil von ihrer Rolle, nämlich eine engagierte Nazigegnerin und Topstar der US-Truppenbetreuung. Dies führte dazu, dass sie noch 1960, bei ihrem ersten Konzert in Deutschland, in Berlin mit "Marlene hau ab!"-Plakaten und Buhrufen empfangen wurde (welches Vaterland soll die Vaterlandsverräterin eigentlich verraten haben???). 1961 war es also nicht zu spät für den vorliegenden Film. Man mag an dem geringen zeitlichen Abstand zu den Dietrich-Protesten ermessen, dass es eine mutige Entscheidung war, die Premiere in West-Berlin stattfinden zu lassen. Willy Brandt als damaliger Oberbürgermeister zeigte sich aufgeschlossen, und Kramer glaubte offensichtlich trotz aller Kritik noch an die Bereitschaft der Deutschen, sich auf diesen Film einzulassen und vielleicht das eine oder andere aus ihm zu lernen. Wenngleich "Urteil von Nürnberg" nicht allzu optimistisch endet. Es wird zwar ein Urteil gesprochen, aber "Judgment AT Nurnberg" heißt eher "In Nürnberg wird ,gerichtet'". Der englische Titel scheint mir stärker auf die materielle Gerechtigkeitsverschaffung als auf das formelle Urteil abzustellen, das am Ende gegen die vier Angeklagten gesprochen wird. Und diese Titel-Deutung versieht Kramer mit einem großen Fragezeichen. Die Prophezeihung des Filmes, dass in wenigen Jahren alle verurteilten Richter wieder auf freiem Fuße und sogar oft wieder in Amt und Würden seien, hat sich übrigens als richtig erwiesen.

So ist der vorliegende Film nicht nur packendes Starkino, sondern auch anspruchsvolle Anklage gegen ein unmenschliches Justizsystem, das dazu einlädt, sich näher mit den Fakten auseinanderzusetzen. Kramers Film wirkt nachhaltig über die ohnehin schon lange (aber nie langweilige) Laufzeit hinaus. Weiterführend sei das Buch "Furchtbare Juristen" von Ingo Müller empfohlen.
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am 30. Juli 2005
Zurecht hat dieser Film die Jahrzehnte überdauert und findet nun in der DVD-Fassung erneute Beachtung. Die tiefschürfende Thematik wird dramaturgisch brillant aufbereitet, was vor allem durch die elegante Verquirlung von abstrakten Prozessdiskussionen und lebensnahen Alltagsszenen gelingt. So wird die Schuldfrage vor einem theoretisch distanzierten, aber auch konkreten Hintergrund betrachtet. Der Zuschauer erlebt zusammen mit Richter Haywood die Zerrissenheit, der er in Anbetracht der momentanen sozialen und politischen Situation und auf der anderen Seite der objektiven Betrachtung des Rechts ausgesetzt ist.
Toll eingefangen wird dieser innerliche Konflikt von Spencer Tracy. Das aussichtlose Ringen um Neutralität bei ständigen beidseitigen emotionalen Einflüssen erhält die Spannung bis zur Verkündigung des Urteils.
Überhaupt sind es die darstellerischen Leistungen, die eine vorhersagbare Schwarz-weiß-Malerei unterbinden und das Dilemma eindrücklich vor Augen malen, in dem die Personen sich befinden. Lebensnah wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass die NS-Problematik nicht pauschalisiert, sondern immer im Zusammenhang mit eigenständigen Charakteren gesehen werden muss - auch nach dem Krieg.
Kleiner Wehmutstropfen bei der DVD-Ausgabe: Das behandelte Thema und auch die Historie des Films und seiner Darsteller hätte eine Unmenge an vertiefendem Stoff hergegeben, der zumindest eine kleine Portion Bonusmaterial gerechtfertigt hätte. Leider gibt das Menü nicht mehr her als einen Abspielbutton und eine Sprachauswahl. Diese ist mit ganzen fünf Varianten (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) jedoch äußerst umfangreich ausgefallen.
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am 15. Juli 2004
Ich habe mich oft geärgert, dass die großartigen Marlene Dietrich-Filme "Das Urteil von Nürnberg" und "Zeugin der Anklage" nur in Amerika erhältlich waren.
Nun endlich sind beide auch als deutsche DVD Veröffentlichungen zu haben.
"Das Urteil von Nürnberg" stellt in spielfilmartiger Form die real-historischen Geschehnisse der Nürnberger Prozesse dar, bzw. auch nur einen Ausschnitt.
Maximillian Schell erhielt für seine Rolle als deutscher Verteidiger zu recht einen Oscar. Auch die anderen Rollen sind grandios besetzt, so die Generalswitwe Berthold (dargestellt von der großartigen Marlene Dietrich, die selbst die Nazis um Hitler und Goebbels verachtete und Rollenangebote aus Deutschland damals in ihrem französischen bzw. dann amerikanischen frei gewählten Exil ablehnte), die bei dem obersten Richter, Spencer Tracy stellt ihn dar, um Verständnis für die Menschen in Nazi-Deutschland wirbt und sich somit im Film entgegen ihrer eigentlichen Haltung agieren muss. Das macht sie, wie alle anderen auch bravorös, denn der Film lebt vor allem durch das ausgezeichnete Darstellerensemble.
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am 14. März 2014
Hier stimmt alles, das Buch, die Regie, die Musik mit der Soldatenlieder- Ouverture, die frisch und gar kein bisschen "preußisch" von jungen Stimmen gesungen wird. Und dann natürlich das fantastische Schauspieleraufgebot mit dem wunderbaren Spencer Tracy an der Spitze. Obwohl der Film in Scharz-Weiß gedreht worden ist, hält er sich doch inhaltlich in beachtlicher Weise von Schwarz-Weiß-Zeichnung fern, so dass man also mit Brecht sagen kann:"...der Vorhang zu, und alle Fragen offen."
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am 13. Juni 2015
Ein Klassiker, der an Aktualität nichts eingebüsst hat; von allen Gerichtsdramen vielleicht der wichtigste. Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank hervorragend ; allen voran Maximillian Schell. Der Film macht auch 70 Jahre nach Kriegsende immer noch betroffen. Ich habe ihn gemeinsam mit meinem 22-jährigen Sohn und seiner Freundin gesehen ; das sonst übliche Geplappere während eines Spielfilms ist hier komplett ausgeblieben - gerade während der Szenen im Gerichtssaal.
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