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4.0 von 5 Sternen Faszinierende Reise durch das musikalische Universum Guldas, 16. August 2004
Von 
Marcel Bartnik (Luxemburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Recital Montpellier 1993 (Audio CD)
Friedrich Gulda, am 27.1.2000 mit 69 Jahren gestorben, wird in der vorliegenden Einspielung in all seiner Faszination und Widersprüchlichkeit wiedererweckt. Es handelt sich hierbei um einen Live-Mitschnitt aus dem Jahr 1993, als er eines seiner seltenen Frankreich-Konzerte während des Festivals in Montpellier gab. Neben seiner Gepflogenheit, ein Woll-Käppi und geschmacklich höchst fragwürdige Hawaii-Hemden bei seinen Auftritten zu tragen, kommentierte er gerne die aufgeführten Werke- und zwar in einem gebrochenen aber doch charmanten Französisch. Dieser Mitschnitt ist ohnehin nichts für Klang-Puristen: Diverse Nebengeräusche vom Pianisten selbst oder einem tief fliegenden Flugzeug (Beethoven 1. Satz) sowie ein hörbar verstimmtes Instrument können das Hörvergnügen beeinträchtigen. Mich persönlich schlug allerdings Guldas Spiel so sehr in den Bann, daß ich diese Mankos nur noch am Rande wahrnahm.
Das Programm ist für denjenigen, der Gulda vor allem mit Mozart und Beethoven verbindet, verhältnismäßig untypisch. Zwar ist die erste Hälfte des Konzertes diesen Komponisten gewidmet, in der zweiten Hälfte dominieren jedoch diverse Transkriptionen - teils aus der Feder des Interpreten selbst - im Verein mit Chopin, Schumann und Debussy. Mit einem Prélude des französischen Impressionisten eröffnet der Österreicher auch sein Rezital und besticht sofort durch einen ungemeinen Reichtum an Klangfarben und Anschlagsnuancen. Die nachfolgende Sonate op. 110 von Beethoven beweist, warum Gulda zu den führenden Interpreten dieses Komponisten gezählt wird: Neben seinem immensen Rhythmusgefühl kommt ein wunderbar singender Klavierton hinzu, der gerade diesem Werk höchst angemessen ist. Es ist eine Gabe der ganz großen Pianisten, ihre Interpretation eines Stückes so offensichtlich und selbstverständlich wirken zu lassen, als könne es gar nicht anders gespielt werden. Gulda verfügt über dieses Talent, und die Fantasie und Klaviersonate von Mozart, mit der er die erste Hälfte des Klavierabends beschließt, sind mit ihrem unbedingten Vorwärtsdrang in den Ecksätzen, aber auch einem hervorragend in sich gekehrten zweiten Satz ein Musterbeispiel hierfür.
Die zweite Halbzeit ist eine bunte Mischung aus Transkriptionen - wie etwa die einleitende Eigentranskription Guldas, eine Szene aus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro" - und kurzen Stücken von Schumann, Chopin, Schubert und Debussy. Schumanns „In der Nacht" aus op. 12 geht er mit einer beeindruckenden Intensität an, Schuberts Impromptu aus D.899 gelingt ihm flüssig und mit einem leuchtenden Ton. Chopin würde man üblicherweise nicht mit Gulda assoziieren - aber im Nocturne op. 15 Nr. 2 beweist sich Gulda als überragend stilsicher und vermag gekonnt zwischen introvertierter Poesie und leidenschaftlichem Ausbruch zu vermitteln. Da können auch einige manuell mißlungenen Passagen in der „Barcarolle" den positiven Gesamteindruck nicht trüben. Abgeschlossen wird der zeitlich äußerst großzügig (106 Minuten) bemessene Klavierabend durch zwei den Zuhörer verzaubernde, spanisch eingefärbte Préludes von Debussy und eine Vielzahl von Arrangements und Eigenkompositionen Guldas als Zugaben - von Strauss-Walzern über Bizets Carmen bis zum Jazz-eingefärbten „Präludium und Fuge" von Gulda selbst.
Insgesamt eine faszinierende Reise durch die musikalische Welt Friedrich Guldas, die trotz der technischen Mängel begeistert. Das gut geschriebene Booklet rundet diese äußerst empfehlenswerte Doppel-CD auf gelungene Art und Weise ab und zeigt uns, welch einzigartiger Künstler uns mit Gulda verlorenging.
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Recital Montpellier 1993
Recital Montpellier 1993 von Friedrich Gulda (Audio CD - 2004)
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