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am 14. Mai 2006
Eine einzige Wertung von einem bis fünf Sternen ist bei dieser 3CD-Box kaum möglich oder hilfreich, denn alles hängt von der Perspektive ab, aus der man die Sache betrachtet. Für die Firma Naxos gibt es sicherlich vier bis fünf Sterne für diese wertvolle Edition mit (nach den Angaben des beigelegten Booklet) allen Bach-Stücken, die jemals von dem niederländischen Ausnahmedirigenten Willem Mengelberg (1871 – 1951) aufgenommen wurden. Insbesondere die Restaurierung der Matthäus-Passion in der ursprünglich von Philips auf LP veröffentlichten Fassung verdient großes Lob. Hinzu kommt ein informatives Booklet-Text mit akribisch geführten Angaben zu den Ausführenden und den Quellen. Es fehlt lediglich ein Abdruck des gesungenen Textes der Passion, aber da die meisten Hörer wohl mindestens eine weitere CD-Box mit diesem Werk besitzen werden, fällt das nicht zu sehr ins Gewicht.

Über Mengelberg heißt es im Begleittext, er sei „süchtig nach sentimentalen und beinahe zur Stagnation führenden Allargandi“. „Stets ein umstrittener, jedoch kreativer Interpret, veränderte Mengelberg oftmals die Partitur, ohne sich darüber allzu viele Sorgen zu machen, da er glaubte, der Dirigent müsse dem Komponisten zur Hand gehen – Notentreue war seiner Ansicht nach eine moderne Erfindung. Er dachte sich nichts dabei, Rubato einzusetzen, die Dynamik zu verändern und die Holzbläser zu verdoppeln“ (so geschehen beim Flötenpart der zweiten Orchestersuite). Das alles führt dazu, dass man hier einen schleppenden, stellenweise fast einschläfernden Bach zu hören bekommt, der herzlich wenig mit dem Bach gemeinsam hat, den wir heute anhand der Aufführungen der historisch orientierten Ensembles (Gardiner, Herreweghe, Max) kennen. Die emotionale Kraft, die sich hier entfaltet, scheint sich nach meinem Dafürhalten nicht wegen Mengelbergs Aufführungsstils, sondern ihm zum Trotz durchzusetzen, auch dank der hervorragenden Leistungen seiner Solisten (von denen es im Booklet jeweils eine Kurzbiographie gibt).

Mengelberg führte die Matthäus-Passion von Bach seit 1899 jedes Jahr im Concertgebouw auf, und die vorliegende Live-Aufnahme wurde 1939 vom Niederländischen Rundfunk zum 40jährigen Jubiläum aufgezeichnet, gerade noch rechtzeitig, bevor das furchtbare Kriegsgrauen losging. Das Ganze wurde mit einem neuartigen Aufnahmeverfahren festgehalten, das ebenfalls im Booklet beschrieben wird. Restaurator Mark Obert-Thorn meint trocken: „Das Ergebnis war nicht perfekt.“ Nur die Solisten wurden einigermaßen deutlich eingefangen; der riesige (für Bach eigentlich völlig ungeeignete) Chor geht im sämigen Klangbrei unter. Die Instrumente des Orchesters sind, wenn auch nicht immer deutlich, noch zu vernehmen. Am besten scheinen die damaligen Toningenieure das ständige Hüsteln des anwesenden Publikums eingefangen zu haben, das sich dem heutigen Hörer lästigerweise an allen möglichen und unmöglichen Stellen aufdrängt. Außerdem gibt es, durch die damalige Tontechnik verschuldet, erhebliche Schwankungen der Lautstärke, laute Klopfgeräusche, Verzerrungen und ungeschickte, störende Schnitte. Obert-Thorn weist darauf hin, dass es ihm nicht möglich war, das alles auszugleichen.

Die von Mengelberg geleiteten Orchesterstücke leiden ebenso unter seiner Art wie die Passion, und es fiel mir beim Hören nicht schwer vorzustellen, wie der junge Frans Brüggen und Konsorten einige Jahre später gegen diese Art der Aufführung mit dem Spruch demonstrierten, „Keine einzige Note ist wahr!“ Die Orchestersuite Nr. 2 wirkt unmöglich dicklich, und nur die Badinerie zum Schluss hat etwas von der Bach’schen Beschwingtheit. Die beiden Aufnahmen der „Air“ aus der Suite Nr. 3 (einmal mit einem New Yorker Orchester, einmal mit dem Concertgebouw-Orkest) sind Arrangements, die erheblich von Bachs ursprünglichen Angaben abweichen. Und zur Abwechslung nimmt Mengelberg das Doppelkonzert für zwei Violinen, zumindest in den Ecksätzen, unmöglich schnell, was die Proportionen total verschiebt.

Wer sich für Mengelberg oder für die Bach-Rezeption interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer nur Bach hören will, sollte meines Erachtens einen großen Bogen um diese Box machen, zumindest so lange, bis er Bach in angemesseneren Interpretationen kennen gelernt hat.
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am 10. November 2007
Dass jeder Künstler, der Musik eines längst verstorbenen Komponisten aufführt, seine Version für schlüssig hält, ist eine Grundbedingung für jede Interpretation.

Mengelberg ist sicherlich ebenso vom romantischen Ideal der Großen Bögen eines Wagners beeinflußt, wie die "authentischen" Ensembles der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Geradlinigkeit der Moderne eines Toscaninis und eines Strawinskis.

Von Richtig oder Falsch zu sprechen erübrigt sich hier von selbst.

Vielmehr sollte man von "Fremd" zu sprechen.
Fremd erscheint uns der "romantische" Interpretationsansatz, glaubten wir doch, dass romantische Aufführungspraxis gleichbedeutend mit karajanschem Schönklang und Dauervibrato sei. Weit gefehlt!
Karajan klingt wunderschön - Mengelberg hingegen vollzieht einen Seelenstriptease und stellt seine Textauslegung absolut in den Mittelpunkt seiner Aufführung.

Liest man das hervorragende Booklet und erinnert man sich daran, wieviel Schuld Mengelberg (bewußt und unbewußt) 1939 schon auf sich geladen hatte, so ist, zumindest für mich, diese Live-Aufnahme jedoch ebenso ein lauter Schrei. Ein Schrei der Ohnmacht, ein Schrei nach Vergebung.

Ich kenne Mengelbergs Zuflucht im Unterengadin, sein Haus in Zuort bei Vnà. Ein einsames Haus in einem abgelegenen Tal. In dieser absoluten Abgeschiedenheit hatte sich Mengelberg zurückgezogen. Ich denke er wird dort noch sehr oft an "seine" Mattäuspassion gedacht haben.

Diese Matthäuspassion ist ein unglaublich intensives Dokument.
Da wurde das Ende der Romantik aufgezeichnet.
Ein paar Jahre später postulierte Boulez den seriellen Stil und Hindemith forderte auf dem Bachfest 1950 eine "historisch korrekte" Interpretation bachscher Werke ein.

Ein Muss für jede Plattensammlung!!!
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Ich bewerte nicht die Matthäus Passion selbst, sondern nur die sehr schlechte Aufnahmequalität. Dies war wohl bei der Digitalisierung nicht besser zu machen. Kauf lohnt für "Digitalhörer". Eher für vor 1955 geborene LP-Liebhaber.
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