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4.0 von 5 Sternen Zu Unrecht nicht beachtet
Wild Bill lief erstmals 1995 in den US-Kinos, auf die deutschen Kinoleinwände hat er es meines Wissens nie geschafft - und das obwohl gerade Mitte der 90'er Jahre die Poularität von Jeff Bridges, nach Filem wie Fisher King und Blown Away recht hoch war. Auch Walter Hill hatte kurz zuvor mit Geronimo endlich mal wieder einen sehenswerten und einigermaßen...
Veröffentlicht am 20. Mai 2005 von Sunny Monroe

versus
31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das nennt man wohl Legendenbildung
Handlung:
Der langsam erblindende Wild Bill Hickok trifft sich in Deadwood (damals noch Dakota Territorium) mit einigen alten Freunden, darunter auch der vielleicht berühmtesten Frau des Wilden Westens - Calamity Jane. Zusammen erinnern sie sich an alte Ereignisse aus dem Leben des Revolvermannes, die in Rückblenden erzählt werden. Doch auch Jack...
Veröffentlicht am 14. August 2005 von realkenai & family


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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das nennt man wohl Legendenbildung, 14. August 2005
Von 
realkenai & family (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Wild Bill (DVD)
Handlung:
Der langsam erblindende Wild Bill Hickok trifft sich in Deadwood (damals noch Dakota Territorium) mit einigen alten Freunden, darunter auch der vielleicht berühmtesten Frau des Wilden Westens - Calamity Jane. Zusammen erinnern sie sich an alte Ereignisse aus dem Leben des Revolvermannes, die in Rückblenden erzählt werden. Doch auch Jack McCall, der junge unreife, vor allem aber rachsüchtige Sohn von Susannah Moore, einer Ex-Geliebten Bills, ist in der Stadt und bedroht Wild Bill mit dem Tode. Doch der nimmt die Gefahr nicht ernst.
State (allgemein) 3-4 Sterne:
Nicht unbedingt als spannend zu bezeichnender, dafür relativ actionreicher Western mit etlichen gut choreografieren Ballereien, der eine dichte Atmosphäre aufbaut, kaum logische Fehler aufweist und mit einer sehr gut agierenden Besetzung aufwarten kann.
State (historisch) 2-3 Sterne:
Ausnahmeregisseur Walter Hill ("Driver", "Nur 48 Stunden", Last Man Standing) lieferte in der Vergangenheit mit "Geronimo" und "Long Riders" zwei exzellente und historisch nahezu korrekte Western ab. In dieser Hinsicht bin ich von der Umsetzung des Themas "Wild Bill" ziemlich enttäuscht, denn nahezu alle in Deadwood spielenden Szenen sind frei erfunden, basieren auf einem historischen Bühnenstück namens "Fathers and Sons" und dem Roman "Deadwood". Beide standen mit der Historie auf Kriegsfuß. Gravierende Beispiele:
--- Es ist zwar wahrscheinlich, aber keineswegs gesichert, dass CJ und WBH etwas miteinander hatten
--- einige der handelnden Hauptpersonen waren nie real existent
--- McCall war nicht der Sohn Susannah Moores, sondern ein vermutlich gedungener Mörder
--- die Umstände des Todes Wild Bills sind nahezu komplett frei erfunden
--- Bis auf die Schießereien mit Dave Tutt und Phil Coe, sowie die Prügelei mit den Soldaten sind auch alle in den Rückblenden gezeigten Begebenheiten historisch nicht belegt. Und diese drei Szenen sind dann leider auch noch unkorrekt wiedergegeben.
Eigentlich verwunderlich, denn Wild Bill Hickok (27.05.1837-02.08.1876) hat in seinem Leben tatsächlich einige Abenteuer vollbracht, die einen mutigen Mann erforderten.
--- ca. 1856/Illinois Fluchthelfer für entlaufende Sklaven
--- ca. 1859/Raton Pass - Bär im Nahkampf getötet, dabei schwer verletzt.
--- 1861 - Spion im Bürgerkrieg
--- 21.07.1865/Missouri - Tötet Dave Tutt im Streit um Susannah Moore im fairen Duell
--- 1867 - alleinreitender Scout der US Army
--- 1868/nahe Topeka - nimmt gemeinsam mit Buffalo Bill ohne weitere Hilfe 11 Deserteure fest
--- 1868 - durchbricht allein Belagerungsgürtel der Cheyenne, wird dabei verletzt und holt Hilfe
--- 17.07.1870/Hays City - Sheriff Hickok wird von 5 unbewaffneten Soldaten in Tötungsabsicht zusammengeschlagen. Als er endlich seine Revolver freibekommt erschießt er einen von ihnen, verletzt einen weiteren schwer.
--- 05.10.1871/Abilene - City Marshal Hickok begibt sich allein in einen Saloon voller feindseliger Cowboys, tötet dort in Notwehr den Trailboss Phil Coe (daraufhin Boykotierten die texanischen Viehzüchter Abilene, die Stadt versank in der Bedeutungslosigkeit) und aus Versehen seinen eigenen, ihm zu Hilfe eilenden Deputy Mike Williams. Soweit bekannt war es das letzte Mal, dass er auf einen Menschen schoss.
Leider aber auch einige Taten, die man heute als Mord bezeichnen würde.
--- 12.07.1861/Nebraska - schießt dem unbewaffneten Farmer McCanles im Beisein dessen 12jährigen Sohnes eine Kugel ins Herz
--- 24.08.1869/Hays City - Sheriff Hickok tötet im Dienst einen unbewaffneten renitenten Soldaten
--- Weitere Morde wurden ihm unterstellt, sind aber historisch als solche nicht belegt.
--- Außerdem wird ihm nachgesagt, dass er - nachdem er ca. 1870 von John Wesley Hardin fast erschossen worden wäre - mehrfach flüchtete, um Konfrontationen mit wirklich gefährlichen Revolvermännern zu vermeiden.
Schade - man mag über Wild Bill denken was man will - eine realistischere Umsetzung hätte seine Biographie sicherlich verdient.
Weitere Filme zu bekannten amerikanischen Personen/Ereignissen dieser Zeit:
"American Outlaws", "Long Riders" und "The James Gang" (James/Younger Bande), "The Broken Chain" (Irokesen), "Geronimo" (Apachen), "Gettysburg" und "Glory" (Bürgerkrieg), "Heaven's Gate" (Johnson-County-Weidekriege), "Hidalgo" (Frank Hopkins), "Ich, Tom Horn" (seine letzten Jahre), "Tombstone" (OK-Corral), "Wyatt Earp" (sein Leben), "Buffalo Girls" (Calamity Jane)
Leider nehmen es auch einige dieser Filme mit der historischen Wahrheit nicht so genau.
Drei der o. g. Streifen sind auch gemeinsam als "Western-Collection" erschienen.
Zum Zeitpunkt der Einsendung dieser Rezension waren fast alle genannten DVDs bei Amazon erhältlich.
Cast - läßt keine Wünsche offen - 5 Sterne:
James Butler Hickok - Jeff Bridges ("Heaven's Gate", "White Squall") ist diese Rolle quasi auf den Leib geschrieben.
Calamity Jane - Ellen Barkin ("Bad Company", "The Fan") setzt auf die durchgängig gute Leistung der anderen Darsteller noch einen "drauf". Ihre Verkörperung der Calamity Jane ist - soweit ich die entsprechenden Filme kenne - die gelungenste der Filmgeschichte (und damit toppt sie z. B. Jane Russel, Doris Day, Anjelica Huston).
Susannah Moore - Diane Lane ("Der Sturm", "Cotton Club") agiert gewohnt tiefgründig, spielt überzeugend die vom Pech verfolgte (Ex)Geliebte Wild Bills.
Jack McCall - David Arquette ("Arac Attack", "Crime is King") gibt den jugendlichen charakterlosen Rächer perfekt.
Will Plummer - Bruce Dern ("Monster", "Driver") als rachsüchtiger Krüppel in einem sehr überzeugenden Kurzauftritt.
Lurline Newcomb - Christina Applegate ("Mars Attacks", "The Big Hit") zeigt als knallharte Hure und Freundin McCalls, dass sie nicht nur zur "Dumpfbacke" taugt.
Charley Prince - John Hurt ("Contact", "Heaven's Gate") als englischer Aristokrat und Freund Bills spielt zwar gut, bleibt aber für seine Verhältnisse etwas farblos.
Donnie Lonigan - James Remar ("The Warriors", "Nur 48 Stunden") als Auftragskiller verströmt wieder einmal "Gefahr pur".
California Joe - James Gammon ("Wyatt Earp", "Silverado") als Freund Bills. Ein Schauspieler, der einfach in jedem guten Western dabei sein muss.
Sioux Häuptling - Steve Reevis ("The Missing", Geronimo") in einem Kurzauftritt als trauernder Indianer, der Wild Bill zum Zweikampf fordert.
Die DVD 2 Sterne:
Amaray Case, RC 2, DVD-Typ 9, 89:57 Min (ohne Abspann), 16 Kapitel
Das Qualitativ gute Bild liegt in Anamorphen Widescreen im Verhältnis 1.85:1 vor.
Annehmbare Tonspuren finden sich auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch DD 5.1 auf der Scheibe, außerdem in Dolby Surround 2.0 auf Spanisch.
Untertitel in ausreichender Größe sind in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederlänisch, Finnisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch und Portugisisch zuschaltbar. Wie bei MGM üblich unterscheiden sich die Untertitel "HG" nicht von den "Normalen".
An Extras finden wir gerade mal den O-Trailer.
Fazit:
Empfehlenswert für Western-, ggfs auch Action Fans
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zu Unrecht nicht beachtet, 20. Mai 2005
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Rezension bezieht sich auf: Wild Bill (DVD)
Wild Bill lief erstmals 1995 in den US-Kinos, auf die deutschen Kinoleinwände hat er es meines Wissens nie geschafft - und das obwohl gerade Mitte der 90'er Jahre die Poularität von Jeff Bridges, nach Filem wie Fisher King und Blown Away recht hoch war. Auch Walter Hill hatte kurz zuvor mit Geronimo endlich mal wieder einen sehenswerten und einigermaßen erfolgreichen Streifen abgeliefert. Auch in den Staaten war Wild Bill ein Flop - und das zu Unrecht, denn der Film ist zwar kein 10 Punkte Streifen aber durchaus sehenswert und von leichter Hand inszeniert.
Ein Fremder kommt in das "kleine" Städtchen South Dakota. Er besteht darauf den bekannten Revolverhelden Wild Bill Hickock zu töten, ehe er die Stadt wieder verlässt. Gründe nennt er nicht. Ein ziemlich gewagtes Unterfangen denn Wild Bill seinerseits ist für seinen lockeren Colt und seine schnelle Hand mehr als berüchtigt.
Im Verlaufe des gut fotografierten und spannend erzählten Films erfährt man dan mehr über die Motive des jungen Fremden. Das Schauspielerensemble ist gut aufgelegt und die Namen können sich sehen lassen. Neben dem, wie immer stark agierenden, Jeff Bridges liefern Stars wie John Hurt, Keith Carradine, Ellen Barkin, Bruce Dern und Diane Lane gute Vorstellungen ab. Eine Nebenrolle wurde übrigens mit "Dumpfbacke" Christina Applegate (alias Kelly Bundy) besetzt.
Walter Hill gelang ein spannender Western mit gewohnt gut inszenierter Action und interessant charakterisierten Figuren. Viele der Motive des Films findet man in seinem Folgewerk "Last Man standing" mit Bruce Willis wieder, der seinerseits deutlich, deutlich erfolgreicher lief und auch Hierzulande sehr bekannt ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "You Ought to Know Better than to Touch Another Man's Hat", 25. März 2011
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
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Rezension bezieht sich auf: Wild Bill (DVD)
Ja, wenn ein anderer Mann Wild Bill Hickoks Hut berührte, dann kam das oft seinem Todesurteil gleich - jedenfalls in Walter Hills Western "Wild Bill" (1995), der sich in diesem Film wieder einmal mit dem Leben einer Westernlegende beschäftigt. Dabei wagt er es, selbst wiederholte Male den Hut James Butler Hickoks zu berühren, ja ihm dieses essentielle Kleidungsstück sogar vom Kopf zu stubsen, denn was die Zuschauer in "Wild Bill" zu sehen bekommen, ist nicht nur eine - vielleicht nicht immer gerechtfertigte - Demontage eines Westernhelden, sondern auch ein sehr skeptischer Kommentar über jegliche Form der Legendenbildung.

Der Film beginnt mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Begräbnisses Hickoks in Deadwood, wohin er sich schließlich angesichts seiner sich verschlimmernden Augenerkrankung zurückgezogen hatte. Aus der recht lose beibehaltenen Erzählperspektive seines Freundes Charley Prince (John Hurt) wird dann die Lebensgeschichte Hickoks in Rückblenden erzählt. Walter Hills Hickok - gespielt von Jeff Bridges, über dessen Wandlungsfähigkeit man in diesem Film nur staunen kann - ist ein alkohol- und drogensüchtiges Monster, das nicht lange fackelt, bevor es einen Menschen erschießt. Mit finster zusammengekniffenen Brauen und kalt funkelnden Augen, immer darauf bedacht, daß sein langes Haar und sein Hut nicht derangiert erscheinen, verbreitet Bridges' Hickok in einer Reihe von Rückblenden, die brutale Auseinandersetzungen zeigen, Angst und Schrecken bei seinen Gegner sowie das Gefühl von Antipathie beim Zuschauer. Calamity Jane (Ellen Barkin, die eigentlich viel zu schön aussieht, um die notorisch häßliche Mrs. Burke zu spielen) versucht vergeblich, bei Hickok so etwas wie wärmere Gefühle hervorzurufen. Nachdem der Film in einer Reihe von Rückblicken ziemlich zusammenhangslos mehrere z.T. historisch verbriefte Episoden aus Wild Bills Leben gezeigt hat - unter anderem wird Hickok selbst während seiner Drogenexzesse von Alpträumen heimgesucht, die ihm vergangene Ereignisse zeigen - konzentriert sich Hill auf den Konflikt zwischen Hickok und dem jungen Jack McCall (David Arquette), dem Sohn Susannah Moores (Diane Lane), einer Geliebten Bills. McCall ist von dem Wunsch nach Rache angetrieben und kündigt Hickok kurz nach dessen Ankunft in Deadwood im Saloon an, daß er ihn töten werde, da er der Meinung ist, Hickok habe damals seiner Mutter das Herz gebrochen und sie im Stich gelassen.

Ganz ohne Zweifel ist Hills McCall ein wenig sympathischer Jüngling, in dem blutrünstige Aggressivität und naive Zaghaftigkeit eine frustrierende Union eingehen. Wild Bill nimmt seine Drohung anfangs denn auch nicht ernst und verpaßt ihm in aller Öffentlichkeit eine Tracht Prügel, bevor er seinen Widersacher in den Straßenschlamm wirft. Dennoch kann man am Ende mit McCall mitfühlen, wenn er voller Abscheu vor den haßerfüllten Tiraden gegen Texaner, Mexikaner etc. etc. p.p., die Wild Bill beim Kartenspielen von sich gibt, aufspringt und zur Waffe greift, aber diese am Ende für McCall aufflackernde Sympathie ist eigentlich aus dem Unwillen gespeist, die die Figur Wild Bill Hickoks erregt. Der Regisseur stattet seinen Titelhelden wahrlich kaum mit irgendwelchen erlösenden oder auch nur angenehmen menschlichen Eigenschaften aus, sondern zeigt ihn als gnadenloses, egozentrisches und unzivilisiertes Sicherheitsrisiko. Dabei interpretiert er - wie im Falle der Duelle Hickoks mit Davis Tutt oder Phil Coe - auch schon einmal die Fakten so, daß sie Hickok eindeutig in einem schlechten Licht dastehen lassen. Bei all seinen Fähigkeiten, historisch stimmige Western zu drehen - am besten bewiesen in "Long Riders" (1980), in dem es um die James-Younger-Gang geht -, neigt Hill in "Wild Bill" besonders am Ende dazu, historische Fakten zugunsten dramaturgischer Eindringlichkeit über Bord zu werfen: So ist es denn keinesfalls so gewesen, daß der historische McCall der Sohn Susannah Moores gewesen ist.

Neben der Demontage des Heldenbildes James Butler Hickoks geht es Hill in "Wild Bill" aber anscheinend auch um eine generelle Kritik an der menschlichen Neigung zur Legendenbildung. So läßt Hill Hickok etwa kurz vor seiner öffentlichen Demütigung McCalls eine nur allzu bekannte Pose einnehmen: Auf einem Stuhl vor einem Haus auf dem Gehsteig sitzend, stützt sich Wild Bill mit einem Fuß lässig an einem Pfeiler ab und läßt den Stuhl leicht nach hinten kippen, während er eine Zeitung liest. Diese Pose ist durch Henry Fondas Wyatt Earp - in John Fords "My Darling Clementine" (1946) - in die Ikonographie des Westerns eingegangen. Anders als Fords Wyatt Earp indes ist Hills Wild Bill Hickok kein Town Tamer und unbestechlicher Ordnungshüter, und er läßt sich auch nicht durch den Einfluß einer liebenden Frau am Ende selbst zähmen* - obgleich auch dies bei Fords Earp am Ende ungewiß ist. Nein, Hills Wild Bill ist jemand, der selbst seinen Teil zur Wildheit einer Stadt beiträgt und dessen Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern (so wie auch seine Liebesaffären) immer wieder den Keim weiterer Konflikte in sich tragen. Daß Hill seine Hauptfigur in der berühmten Fonda-Pose hat sitzen lassen, kann deshalb auch unter Umständen als ein versteckter Hinweis gelesen werden, man solle doch einmal bei anderen im populären Westen stilisierten Heldenfiguren hinter die Fassade blicken und darüber staunen, was man dort finden mag.

Trotz seiner Unberechenbarkeit steht Wild Bill bei der Bevölkerung von Deadwood in hohem Ansehen, und die Menschen lieben es, sich Geschichten über seine Taten zu erzählen, wobei immer wieder Fakt und Fiktion miteinander verschwimmen und Wild Bill etwa, zur Enttäuschung des Saloonbetreibers, sieben bei einem Streit in der Vergangenheit getötete Männer auf fünf reduzieren muß. Am Pokertisch, kurz vor dem Ende, ist Wild Bill jedoch selbst überfordert, Namen und Zahlen verläßlich auseinanderzuhalten. Überdies erscheinen seine Alpträume, die Hill in zunächst irritierenden stechend krassen Schwarz-Weiß-Kontrasten abfilmt und in denen ihn unter anderem die Erinnerung daran heimsucht, wie er die einzige Frau, die er liebte - eben jene Susannah Moore - verlor, ungleich unmittelbarer und authentischer als der Rückblick auf die Großtaten seines Lebens. So wirbeln autobiographische Erinnerungen und die Erzählungen, die andere Leute aus seinen Taten spinnen, zusehends durcheinander, und am Ende bleibt nur ein haßerfüllt geifernder Mann am Kartentisch, und der ist das Hier und Jetzt, die Realität, um die allein es geht.

Auch nationale Mythen wie der Bürgerkrieg werden von Hills Kritik nicht ausgespart. So blickt Hickok einen Schwarzen, der ihn mit einer Waffe bedroht, empört an, verweist darauf, daß er auf seiten der Union gekämpft habe, und fragt den Mann, ob er denn gar keine Dankbarkeit kenne. Der Bürgerkrieg war also ein Krieg, in dem es um die Abschaffung der Sklaverei ging. Sein Gegner erwidert ungerührt, Hickok solle nicht auf seine Hautfarbe achten, sondern einzig und allein auf die Mündung der Waffe in seiner Hand.

Auch wenn das selige Westerngefühl bei dieser knallharten und bitteren - und teilweise sicher auch ungerechten - Abrechnung Hills mit einer Westernlegende nicht recht aufkommen will, weiß "Wild Bill" dennoch künstlerisch und erzählerisch zu überzeugen. Allein die recht geringe Laufzeit von etwas mehr als 90 Minuten reicht nicht aus, um eine so pralle Lebensgeschichte wie die Hickoks zu erzählen, was den Film, besonders in der ersten halben Stunde, zu einer (vielleicht gewollten?) unübersichtlichen und gehetzten Tour de force macht. Mich jedoch bringt diese rasende Geschwindigkeit im Verein mit der teilweise tendenziösen Darstellung dazu, einen Stern abzuziehen.

* Einen Kampfhund dürfe man nicht streicheln, denn sonst verderbe man ihn, warnt ihn in einer Szene ein Hundebesitzer, der bei einer seiner spektakulären Schießübungen eine Rolle spielt. Dann setzt der Mann bezeichnenderweise hinzu, Wild Bill müsse dies doch wissen.
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4.0 von 5 Sternen Bill & die Frauen, 5. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Wild Bill (DVD)
Ein ungewöhnlicher Spätwestern, der beweist, dass das Genre immer noch lebt. Dabei geht es nicht um historische Genauigkeit bezüglich des Lebensendes des Revolverhelden Wild Bill Hickok, sondern nur um den Unterhaltungswert und die damit verbundene Spannung. Beide liegen so im mittleren Bereich, mit einigen Ausschlägen nach oben. Jeff Bridges verkörpert die Titelfigur sehr komplex, d.h. nicht nur ihre heroischen Seiten, sondern auch die Niederungen einer Opiumhöhle. Ein Hauptaspekt dieses Dramas – und das ist nicht genreüblich – sind die Frauen. Eine (Diane Lane) hat er geschwängert, die Figur des gemeinsamen Sohnes Jack wird nach und nach inhaltlich entblättert und sorgt für eine Grundspannung. Die andere, Calamity Jane (Ellen Barkin) ist cool wie Wild Bill, genauso trinkfest, schlagkräftig wie er und himmelt ihn an. Innerhalb des langen finalen Showdowns liefern die beiden eine grandiose, sehr persönliche Szene ab. Sie beginnt mit Liebemachen auf den Saloontisch, musikalisch unterlegt mit ‘John Brown’s Body lies amouldring in the grave‘ und endet mit einer paradoxen Situation und einem unmöglichen Duell zwischen Sohn und Vater. Kleines ‘verbales Sternchen‘ ist ein rassistischer Witz am Rande über ‘Neger‘. John Hurt als Bills Freund dient mit seinen Kommentaren nur der Qualitätssteigerung, Christina Applegate als optischer Aufheller und als dramatischer Anheizer.
Bills unverhofftes Ende überrascht dann doch, weil so lange angekündigt, hinausgezögert und mit ironischen Wendungen versehen. Gut eingebaute Retros in s/w bewusst auf alt getrimmt sind eine stimmungsvolle Ergänzung.
Gute Unterhaltung trotz konventioneller Machart, einem interessantem Plot und großartigen Darstellern. Nicht nur für Westernfreunde.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Western Panoptikum aus Deadwood, 2. Oktober 2008
Von 
Ray "rayw260" (Rheinfelden) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Wild Bill (DVD)
James Butler Hickok, genannt Wild Bill, war ein US- Westernheld bzw. Revolverheld. In acht überlieferten Schießereien tötete der Gunfighter wahrscheinlich acht Menschen und gehört wie Buffalo Bill, Sitting Bull, Daniel Boone, Billy the Kid oder Jesse James zu den unsterblichen Helden des Wilden Westens.
Und daher war auch eine filmische Aufbereitung über sein Wirken unvermeidbar. Peckinpah-Erbprinz Walter Hill versuchte sich 1995 an der Kino-Darstellung dieser schillernden Westernikone, an der Kasse war der Film jedoch mit 2,2 Mio. US Dollar Einspielergebnis ein Flop.
Die Filmkritik urteilte besser, denn der Film selbst ist auch m.E. recht gut gelungen und ein weiterer Beweis dafür, dass Hill ein gutes Händchen für echtes, authentisches Westernfeeling aufbringt.
Dabei ist der 2 Jahre früher entstandene "Geronimo" dennoch die überzeugendere Arbeit. Vermutlich ist "Wild Bill" mit seiner nur ca. 90 Minuten spielzeit gesamthaft ein bisschen zu kurz geraten, um wirklich dieses ultimative Westernepos oder die grosse Biographie eines Gunfighters zu sein.
Der Film zeigt die letzten Stunden vor Wild Bills finalem Gunfight im berüchtigten Deadwood, die Killer sind schon in der Stadt.
In kunstvollen, grösstenteils in Schwarz-Weiss gehaltenen Sequenzen laufen dazwischen Mosaiksteinchen aus Wild Bills prallem Leben ab. Manche dieser kurzen Passagen sind einfach meisterhaft und grandios gestaltet, so die Begegnung mit kriegerischen Cheyenne oder die Wilhelm Tell Nummer mit dem Kampfhündchen etc.
Diese phasenweise klasse Bebilderung lässt erkennen, dass Hill, hätte er eine opulentere Ausrichtung in Richtung Epos gewählt, ein Meisterwerk hätte schaffen können. Jeff Bridges ist die Idealbesetzung und auch David Arquette, Bruce Dern oder Keith Carradine machen ihre Sache als Darsteller gut.
Lediglich Ellen Barkin als Calamity Jane wirkt fehlbesetzt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut gemachte Pseudo-Biographie, 4. April 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wild Bill (DVD)
Wie bei jedem Hollywoodmovie ist hier die Hickock Biographie in einigen Punkten nicht besonders genau. Das mag dem Unterhaltungswert geschuldet sein und möchte ich auch nicht kritisieren. Denn alles in allem ist der Film sehr sehenswert.
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Wild Bill
Wild Bill von Walter Hill (DVD - 2007)
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