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75 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Film und DVD sind mustergültig
Der Film ist ein mustergültiges Beispiel für eine perfekte Filmadaption und der zugrundeliegenden Erzählung Thomas Manns mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Visconti macht aus einem Sprachwerk eine mit Mahlers Musik unterlegte visuelle Symphonie. Wohlüberlegt sind die verbessernden Kürzungen wie ein orgiastischer Traum, der...
Veröffentlicht am 13. März 2005 von Armin Jaeger

versus
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unterschiede sind nicht unbedingt von Vorteil
"Tod in Venedig" ist der Titel eines Films von Luchino Visconti aus dem Jahr 1971 nach der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann, in dem der Protagonist Gustav von Aschenbach nach Venedig reist, wo er den schönen, polnischen Jungen Tadzio trifft, ihn beobachtet und schließlich an Cholera stirbt.

Der Film beginnt direkt auf dem Dampfer, der Aschenbach...
Veröffentlicht am 31. Januar 2012 von stöberchen


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75 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Film und DVD sind mustergültig, 13. März 2005
Von 
Armin Jaeger (Viernheim, Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Der Film ist ein mustergültiges Beispiel für eine perfekte Filmadaption und der zugrundeliegenden Erzählung Thomas Manns mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Visconti macht aus einem Sprachwerk eine mit Mahlers Musik unterlegte visuelle Symphonie. Wohlüberlegt sind die verbessernden Kürzungen wie ein orgiastischer Traum, der Prolog in München und das unverfilmbare philosophierende vierte Kapitel. Einige Änderungen sind dem Medium Film geschuldet wie die Änderungen des Protagonisten vom Schriftsteller zum Komponisten, andere Ergänzungen aus Manns "Doktor Faustus" fügen sich nahtlos in die Geschichte ein. Das Resultat zieht den Zuschauer mit einem hypnotisierend langsamen Rhythmus in seinen Bann und führt den schrittweisen Zusammenbruch der Selbstkontrolle eines Menschen vor, der sich einer verbotenen Liebe hingibt. Auch die Besetzung mit Dirk Bogarde, der Mut zur Lächerlichkeit aufbringt, Silvana Mangano in einer eleganten Nebenrolle und dem außergewöhnlich schönen Björn Andresen ist makellos. Die einzige Achillesferse des Films sind die schwerfälligen Dialog-Flashbacks mit Alfred, die teils ganz ernst die Philosophie des Films transportieren sollen, teils sowenig wie alle anderen Dialoge in diesem Film wichtig sein sollen und leider letzten Endes einfach nur in ihrer Schwülstigkeit nerven. Davon abgesehen ist "Der Tod in Venedig" mit seinem detaillerten Dekor und der visuellen Pracht, die mit einer brillanten Kamera eingefangen wird, eines der Meisterwerke der Filmgeschichte schlechthin.
Die 2-DVD Special Edition ist dem Rang des Films angemessen, neben einem tadellosen Transfer gibt es 3 Trailer und verschiedene Kurzdokus. Auf der ersten DVD ist neben dem Film eine 10-minütige zeitgenössische Doku der Dreharbeiten eines Tages zu sehen, bei der Bogarde und Visconti einige interessante Beobachtungen machen. Die zweite DVD enthält 3 neue jeweils 20-minütige Dokumentationen, die erste ist ein Interview mit dem Co-Autor Viscontis, der verschiedene Entscheidungen beim Drehbuchprozeß erläutert. Die zweite Doku ist auf dem Cover bizarrerweise mit dem unsinnigen "Karnevals-Kostüme" übersetzt, in Wahrheit ist es eine Analyse des Films, der richtige Titel müßte "Die Macht des Karnevalesken" heißen, gelegentliche Schlampereien bei den Untertiteln sind der einzige Wermutstropfen der DVD. Die Analyse ist teils sehr scharfsinnig und macht Parallelen und Verweise mittels eines Split-Screen deutlich, teils versteigert sie sich in akademische Worthülsen. Die letzte Doku ist die beste, der Kostümbildner des Films erzählt von seiner Arbeit mit Visconti, von den Schauspielern und den Dreharbeiten.
Alles in allem kann man diese Special Edition nur empfehlen.
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57 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellente Literaturverfilmung, 2. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig (DVD)
Morte a Venezia (Luchino Visconti, 1970)
1970 verfilmte der italienische Meisterregisseur Luchino Visconti Thomas Manns berühmte Novelle „Der Tod in Venedig", die den Tod des alternden Schriftstellers Gustav von Aschen-bach im untergehenden Venedig und das Dekadenzproblem in Thomas Manns Werk in extrem zugespitzter Form behandelt. Das Ergebnis gehört ohne Zweifel zu den besten Literaturverfilmungen, die es gibt. Vor allem weil es dem audiovisuellem Medium gelingt, die Atmosphäre der Textvorlage mit den eben nur ihm eigenen und zur Verfügung stehenden Mitteln kongenial (erwähnt sei hier vor allem die Musik aus Gustav Mahlers 3. und 5. Symphonie) einzufangen. Der schmale Grat zwischen unangemessener Verfälschung und nur reproduzierender Kopie ist perfekt gelungen.
In ruhig-bedächtigen, eng an die Erzählung von Thomas Mann angelehnten symbolträchtigen Bildern erzählt Visconti von Aschenbachs (sehr überzeugend: Dirk Bogarde) schicksalhafter Verstrickung an die Lagunenstadt, deren schon vom Tode gezeichneter Schönheit er sich ebenso wenig mehr rechtzeitig entziehen kann wie dem zwar kränklich-dekadenten, aber gleichsam die Schönheit verkörpernden Knaben Tadzio. Überdeutlich werden die Stationen auf dem Weg des unaufhaltsamen Verfalls der Künstler- und Fin-de-siècle-Figur sichtbar gemacht, immer wieder unterlegt und vertieft mit Rückblenden auf Aschenbachs Lebensgeschichte. In Anlehnung an Szenen aus Thomas Manns Roman „Doktor Faustus" deutet Viscontis Film den berühmten Schriftsteller in einen gescheiterten Komponisten um, der an einem sinnenfeindlichen, die absolute reine Schönheit darstellen wollenden Ideal scheitert.
Wenn sich am Ende beim Zuschauer, der unweigerlich Zeuge von Aschenbachs Untergang wird, eine Mischung aus Faszination und Ekel, Verachtung und Mitleid die Waage hält, zeigt sich, dass Viscontis Bildepos vor allem ein ästethisch gelungenes Werk ist, das der Vorlage seine Referenz erweist. An antiker Rhetorik geschulte Sprachgewalt wird durch ätherischen Wohlklang der Musik Gustav Mahlers und prächtig-schaurige Bilder ersetzt. Thomas Mann wäre sehr zufrieden gewesen.

Schön, dass auch die englische Originalfassung auf der DVD ist.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Film, der bewegt, 20. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig (DVD)
Thomas Manns Opus Magnum (neben dem Zauberberg und den Buddenbrooks) wird wohl ohnedies fast jeder kennen.
Biologisch - und geistig! - deutlich vorgealterter Komponist, an seinen eigenen hehren Maßstaben gescheitert, begibt sich aus den Bergen Bayerns nach Venedig, um dort "auszuspannen". Gebrochen an Geist und Gesundheit, lernt er dort Tadzio kennen, einen schönen "Jüngling" aus adeligem Hause. Nach und nach steigert sich des Meisters Verlangen, der wieder zu leben lernt; nur: wird es erfüllt werden?

Vorweg: ein meisterhaftes Stück Film.

Visconti kann's einfach, ist man versucht zu sagen: derart fesselnde, schwelgende Bilder hat man selten gesehen. Konzis, aber nie voyeuristisch, begleitet die Handkamera die Genese des alten Narren, die Werdung des nochmaligen Menschen, und dessen Fehlen. Mit sparsamsten Mitteln wird auf das Wesentliche reduziert.

Dies gilt auch für Schauspielleistungen - meisterhaft gibt Bogarde den Desillusionierten, Wiedererwachenden; unnachahmlich wird der androgyne Hermes dargestellt - und Musik (Mahlers Dritte und Fünfte reichen zitatweise völlig aus, um sprachmächtige Bilder nicht zu illustrieren, nein, zu verstärken).

Und, zurück zur Story: Die Entwicklung nimmt ungemein gefangen.
Am Ende stellt sich die Frage: hat sich der nunmehrige Daseinszweck für den Titelhelden erfüllt? Das Absterben, versunken in des Jünglings Abbild - Ideeverwirklichung oder (nur) ein Vorgschmack auf Erhofftes? Raum für Gedankenreisen bleibt genug. Ein Meisterwerk.

Kurzum: Anspruchsvolles Cineastenvergnügen auf höchstem Niveau. Zehn von Fünf.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen perfekte Filmkomposition !, 20. November 2005
Von 
J. Fromholzer "fromholzer" (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig (DVD)
Luchino Visconti hat mit seiner "TOD IN VENEDIG" Verfilmung das einzig richtige gemacht: er hat ausschließlich die Stimmung der Thomas Mann Erzählung verfilmt. Die Handlung ist sekundär, für Visconti manchmal auch uninteressant. Dieser Film stellt eine perfekte Komposition von Bildern mit Musik dar; wenigen ist das mit dieser Intensität gelungen. Schade, daß Visconti den "Zauberberg" von Thomas Mann nicht mehr verfilmen konnte! Er hatte dies kurz vor seinem Tode noch vor (wie wir von Helmut Berger wissen.).
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst gelungene Literaturverfilmung, 28. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig [VHS] (Videokassette)
Morte a Venezia (Luccino Visconti, 1970)
1970 verfilmte der italienische Meisterregisseur Luchino Visconti Thomas Manns berühmte Novelle „Der Tod in Venedig“, die den Tod des alternden Schriftstellers Gustav von Aschenbach im untergehenden Venedig und das Dekadenzproblem in Thomas Manns Werk in extrem zugespitzter Form behandelt. Das Ergebnis gehört ohne Zweifel zu den besten Literaturverfilmungen, die es gibt. Vor allem weil es dem audiovisuellem Medium gelingt, die Atmosphäre der Textvorlage mit den eben nur ihm eigenen und zur Verfügung stehenden Mitteln kongenial (erwähnt sei hier vor allem die Musik aus Gustav Mahlers 3. und 5. Symphonie) einzufangen. Der schmale Grat zwischen unangemessener Verfälschung und nur reproduzierender Kopie ist perfekt gelungen.
In ruhig-bedächtigen, eng an die Erzählung von Thomas Mann angelehnten symbolträchtigen Bildern erzählt Visconti von Aschenbachs (sehr überzeugend: Dirk Bogarde) schicksalhafter Verstrickung an die Lagunenstadt, deren schon vom Tode gezeichneter Schönheit er sich ebenso wenig mehr rechtzeitig entziehen kann wie dem zwar kränklich-dekadenten, aber gleichsam die Schönheit verkörpernden Knaben Tadzio. Überdeutlich werden die Stationen auf dem Weg des unaufhaltsamen Verfalls der Künstler- und Fin-de-siècle-Figur sichtbar gemacht, immer wieder unterlegt und vertieft mit Rückblenden auf Aschenbachs Lebensgeschichte. In Anlehnung an Szenen aus Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ deutet Viscontis Film den berühmten Schriftsteller in einen gescheiterten Komponisten um, der an einem sinnenfeindlichen, die absolute reine Schönheit darstellen wollenden Ideal scheitert.
Wenn sich am Ende beim Zuschauer, der unweigerlich Zeuge von Aschenbachs Untergang wird, eine Mischung aus Faszination und Ekel, Verachtung und Mitleid die Waage hält, zeigt sich, dass Viscontis Bildepos vor allem ein ästethisch gelungenes Werk ist, das der Vorlage seine Referenz erweist. An antiker Rhetorik geschulte Sprachgewalt wird durch ätherischen Wohlklang der Musik Gustav Mahlers und prächtig-schaurige Bilder ersetzt. Thomas Mann wäre sehr zufrieden gewesen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anschauen und genießen, 16. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig [VHS] (Videokassette)
Das Werk Luchino Viscontis zeigt uns, weshalb wir Begriffe wie ‚Schönheit' brauchen. Es erklärt auch, warum wir mit diesen Begriffen vorsichtiger umgehen, nachdem wir sie einmal benutzt haben. Wenige - ob Kritiker, Biographen oder Kommentatoren - konnten widerstehen, Viscontis subtile Bildkompositionen mit jenen Sinnbildern entrückter Fin-de-Siècle-Ästhetik zu vergleichen, die uns bereits bei Proust (den Visconti gern verfilmt hätte) in Verzückung setzte und hier ihre natürliche visuelle Fortsetzung findet.
All das bezieht sich auf einen Visconti (den mittleren und späten), den es so nicht immer gegeben hat und der erst Mitte der fünfziger Jahre mit ‚Senso' (Sensucht) begann, Filmgemälde zu erstellen, die geradezu vulgär berauschend erschienen. Zuvor hinterließ er u.a. in ‚Ossessione' (‚Von Liebe besessen') eine Studie dichter, perspirierender Intensität mit einer Kamera, die ihren Darstellern auf der Haut klebte und sie seelisch entblößt liegenließ.
Vor seinen späteren Filmen, in denen kaum noch Luft von draußen durch die purpurnen Vorhänge in die gewaltigen Innenräume großzügiger Stadtpalais, Hotels oder Schlösser dringt, dreht Visconti sozialkritische Analysen der italienischen Nachkriegsdemokratie, u.a. des sozialen Aufstiegs (‚Rocco e i suoi fratelli', Rocco und seine Brüder). Der eigentliche Sprung ins Reich der schönen Bilder findet in ‚Il Gattopardo' (Der Leopard) statt, der mit einem Bogen die gewaltigen sozialen Umwälzungen der Einigungskriege Italiens und seiner Befreiung von österreichischer Vorherrschaft beschreibt, die Ansprüche des Individuums und seines Rechts auf Freiheit gegenüber den Traditionen gewachsener aristokratischer Familienherrschaft seziert und die Beharrlichkeit sizilianischer Tradition der neuen, gesellschaftliche Konventionen sprengenden gegenüberstellt.
Die Lesbarkeit dieser Filme außerhalb Italiens hielt sich in Grenzen. Obgleich Visconti immer als einer der Großen galt - nicht zuletzt, weil der erwähnte, noch zu Mussolinis Zeiten gedrehte Erstling ‚Ossessione' eine ganze Bewegung, den italienischen Neorealismus, in Gang setzte - treffen seine Werke bis in die späten Sechziger auf fragendes ausländisches Publikum, das seine von Gramsci inspirierte Sicht der neueren italienischen Geschichte nicht immer nachvollzieht bzw. nicht interessiert.

Breitenwirkung erlangt der Regisseur schließlich durch ein Werk, das in manchen Programmkinos seit Jahrzehnten ohne wesentliche Unterbrechungen läuft: ‚Morte a Venezia' (Tod in Venedig), eine Nichtverfilmung Thomas Manns, ein eigenständger Beitrag bildlicher Gestaltungskunst, der unabhängig vom Buch bestehen kann.
Es fehlen die ausgiebigen Auseinandersetzungen Aschenbachs mit seinen Freunden über Kunst, Musik und Literatur, doch was das Buch so lesenswert macht, findet bei Visconti eine selbständige Filmsprache in der Gewichtsverlagerung weg vom intellektuellen Diskurs hin zur atmosphärisch durchgearbeiteten Gleitbewegung vom langsamen Zerfall zum engültigen Untergang, von schleichender Dekomposition zur vollständigen Zerstörung.
Viscontis Film setzt auf die mondänen Kräfte des in Schönheit dahinvegetierenden Architekturwunders Venedig, um Aschenbachs Selbstzerstörung einen würdevollen Rahmen zu geben. Dazu hört man die elegischen langsamen Sätze aus Mahlers dritter und fünfter Sinfonie, deren Wirkung in diesem Film schon manchen zur klassischen Spätromantik bekehrt hat.
Dieser Film ist nur schön, und dafür verdient er es, immer wieder gesehen zu werden.
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhafte Adaption eines Klassikers, 25. Februar 2005
Wer Thomas Mann schon nicht mag, sollte natürlich auch kein Urteil über Visconti abgeben. Ich habe lange auf diese DVD gewartet, da bisher nur eine schlechte Vhs-Version erhältlich war.
Thomas Mann mit seinen extrem komplexen Erzählstrukturen zu verfilmen ist immer ein Wagnis und bucht automatisch eine große Gruppe von Kritikern, die keiner Verfilmung eine Chance geben.
Dieser Film ist ein eigenes Kunstwerk mit eigener Sprache und darf nie im Vergleich mit der Vorlage gesehen werden. Äpfel und Birnen wären sich ähnlicher.
Kurzum, Visconti hat dem Stoff ein derart eigenes Gepräge gegeben, daß ein eigenständiges Kunstwerk mit eigener Symbolik entstanden ist. Ein herrlicher Film, gut auf DVD konvertiert, JEDOCH nichts für die üblichen Couchpotato-Hollywood-Konsumenten. Die werden enttäuscht sein. Freunde der europäischen Filmsprache der 70er Jahre werden jubeln!!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Visconti denkt Thomas Mann zu Ende, 15. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig (DVD)
Thomas Mann und Lucchino Visconti. Hier der Literaturnobelpreisträger, der die bürgerliche Décadence zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie kein anderer portraitierte, dort der italienische Aristokrat und Legende des italienischen Films. Visconti war Thomas Mann in besonderer Weise verbunden und er hat sich mit dem Werk des deutschen Schriftstellers intensiv befasst.
Thomas Mann schildert im Tod in Venedig das Scheitern des Künstlertums auf dem Höhepunkt seiner Selbstfindung. Wurde Gustav Aschenbach öffentlich für seine epischen Massen gerühmt und geadelt, sind es jene anderthalb Seiten erlesener Prosa, die er im Angesicht der Schönheit in Gestalt eines jugendlichen Knaben am Lido in Venedig verfasst. Doch dieser künstlerische Klimax ist brüchig, der Schriftsteller, verfallen der Schönheit, stirbt, weil es für ihn außer der Schönheit keine anderen Werte mehr gibt. Mann kritisiert die „Schönheitsgroßmäuligkeit“ der fin-de-siècle-Autoren, bedient sich aber deren Waffen. Denn die Schönheit der Sprache erreicht in dieser Novelle sicherlich einen Höhepunkt in Manns Schaffen.
Bei Visconti wird aus dem Schriftsteller ein Musiker, er fängt die fängt die Stimmung der Novelle in melancholischen Bildern ein, die Filmmusik von Gustav Mahler tut ein Übriges dazu, die morbide fin-de-siècle Atmosphäre Venedigs zu evozieren. Gleichzeitig schlägt er den Bogen zu Thomas Manns Spätwerk. An mehr als einer Stelle finden sich Anspielungen auf den Roman Dr. Faustus, mit dem Thomas Mann die These vertritt, die politische Katastrophe der Nazidiktatur sei eine logische Konsequenz aus der kulturellen Entwicklung Deutschlands.
In der Tat steht Viscontis Film in einer Trilogie, die mit dem Film „Die Verdammten“ in 1969 begann. Dieser Film schildert den Verfall einer Industriellendynastie zu Beginn des Naziregimes. Der Tod in Venedig steht in dieser Trilogie in der Mitte, die mit dem Film „Ludwig“ endet. Die Barbarei der Nazizeit wird also erklärt mit dem Ästhetizismus des Literaten Aschenbachs und der Egomanie des ebenfalls dem l`Art pour l`Art verfallenen Bayernkönigs, so die sequentielle Logik der Filmtrilogie.
Auch nach über 40 Jahren ist der Tod in Venedig immer wieder sehenswert. Dirk Bogarde als Gustav von Aschenbach spielt hier sicherlich die Rolle seines Lebens. Auch sonst überzeugt das Casting mit der kühlen Silvana Mangano als polnischer Gräfin, dem jungen Björn Andresen als lasziv-schöner Jüngling Tadzio und dem genial-komischen Romolo Valli als Hoteldirektor am Lido Venedigs.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Studie mit Tiefgang, 30. Januar 2005
Von Ein Kunde
Hervorrgand dargestellt und durch Mahlers Musik perfekt unterlegte Geschichte von Gustav Aschenbach, dem alternden Komponisten, der sich während einer Erholungsreise nach Venedig zu einem sehr engelsgleichen 14jährigen Jungen hingezogen fühlt. Wie er (Aschenbach) gegen jeden Verstand, alle Konventionen nicht davon lassen kann diesen Jungen zu lieben, zu begehren. Er kommt ihm tatsächlich nie körperlich nah, spricht auch nicht mit ihm, nur im Traum darf er ihm einmal über das Haar streicheln! Da denkt man, man ist abgeklärt, kennt das Leben, ist gesichert und dann passiert etwas und man fragt sich wie Aschenbach "mein Gott, was ist nur mit mir los?" und kann nicht dagegen an. Diese Erkenntnis läßt sich sicher auf so manch "irrsinnige" Liebe übertragen von der man selbst meint, vor ihr geschützt zu sein! Aber der Verstand kann manchmal brüllen was er will, die Gefühle sind plötzlich und ungefragt da und können komplett Besitz von einem ergreifen! So kann es gehen im Leben ...
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unterschiede sind nicht unbedingt von Vorteil, 31. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig (DVD)
"Tod in Venedig" ist der Titel eines Films von Luchino Visconti aus dem Jahr 1971 nach der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann, in dem der Protagonist Gustav von Aschenbach nach Venedig reist, wo er den schönen, polnischen Jungen Tadzio trifft, ihn beobachtet und schließlich an Cholera stirbt.

Der Film beginnt direkt auf dem Dampfer, der Aschenbach und andere Reisende nach Venedig bringt. Durch einen Rückblick wird gezeigt, warum er zu dieser Reise aufgebrochen ist. Der Grund unterscheidet sich von dem in der Novelle, wo Aschenbach während eines Spaziergangs einen Wanderer gesehen hat, der in ihm die Reiselust geweckt hat. Im Film hat er von seinem Arzt einen Klimawechsel verschrieben bekommen, was wiederum gut verdeutlicht, dass Aschenbach ein Mensch ist, der sein ganzes Leben der Arbeit widmet.

Gut umgesetzt hat der Regisseur das Leitmotiv Wetter, das in der Novelle Aschenbachs Zustand widerspiegelt. Immer wieder lässt Visconti Charaktere Bemerkungen über das Wetter machen, wodurch der Zuschauer erst darauf aufmerksam wird.

Aschenbach selbst ist im Film ein angesehener Komponist statt wie in der Novelle ein angesehener Schriftsteller. Diese Wahl ist etwas unglücklich, da es in Manns Novelle vor allem um den Gegensatz zwischen dem Dionysischen und dem Appolinischen Prinzip geht und dass der hoch angesehene, erfolgreiche Schriftsteller, der eigentlich von seinem Fleiß und seinem Eifer bei der Schaffung bildender Kunst geprägt ist, immer mehr der Lust und Rausch verfällt. Dionysos steht nicht nur für die Leidenschaft und Unordnung, sondern auch für die Musik. Wenn Aschenbach Komponist ist, kann er gar nicht mehr so tief fallen. Die wichtigste Botschaft aus Thomas Manns Novelle wird also im Film außer Acht gelassen.
Außerdem sind seine Haare noch nicht ergraut und er wirkt eher eingeschüchtert und wenig selbstbewusst, was einen verwirrt, wenn man die Novelle kennt, in der er sehr von sich und seinen Leistungen überzeugt ist.

Dass Visconti die Musik von Gustav Mahler gewählt hat, ist dahingehend passend, dass der Komponist für Mann ein Vorbild für die Figur Aschenbach war. Allerdings ist die Musik fast ständig präsent und das auch relativ laut, sodass es sehr leise ist, wenn sie einmal nicht zu hören ist. Noch dazu klingen die verwendeten Kompositionen eher gleichförmig und wenig abwechslungsreich, wodurch es etwas monoton wirkt, anstatt die Stimmung im Film zu unterstreichen.

Im Film sind auch Tadzios Reaktionen auf seinen Beobachter irreführend, wenn man die Novelle kennt, da Thomas Mann ihn eigentlich nicht wirklich darauf reagieren hat lassen, dass Aschenbach ihn beobachtet und ihm sogar durch Venedig folgt. Ihre Blicke treffen sich lediglich ein paar Mal, was auch Zufall sein könnte. Im Film dagegen sieht Tadzio Aschenbach so intensiv und lange an, dass man meinen könne, der Junge wolle den alternden Mann verführen, was wohl kaum die Absicht eines etwa vierzehn-jährigen Jungen ist und was überhaupt nicht Manns Darstellung in der Novelle entspricht.

Der Film "Tod in Venedig" ist an sich nicht schlecht gemacht, wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, ein Buch zu verfilmen, in dem sich das Meiste im Innern des Protagonisten abspielt, sodass man es nur schwer darstellen kann. Kennt man jedoch die Novelle, fällt es einem schwer, sich von der Interpretation überzeugen zu lassen.
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Tod in Venedig
Tod in Venedig von Thomas Mann (DVD - 2004)
Gebraucht & neu ab: EUR 12,89
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