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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schuld und Sühne in Manhattan, 26. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
In den späten 1980er Jahren zeigte sich Woody Allen (abgesehen von der launigen Episode für die "New York Stories") vor allem von seiner ernsten Seite. "Verbrechen und andere Kleinigkeiten" halte ich für sein Meisterwerk schlechthin.
Der Film enthält zwei Handlungsstränge: Zum einen sehen wir den angesehenen Augenarzt Judah Rosenthal (Martin Landau), der seine Existenz durch seine Geliebte Dolores (Anjelica Huston) bedroht sieht. Aus Feigheit nimmt er den Rat des Rabbiners nicht an, mit seiner Frau reinen Tisch zu machen, sondern lässt sich von seinem Bruder dazu verleiten, einen Killer anzuheuern.
Auf der anderen Seite sehen wir den erfolglosen Dokumentarfilmer Cliff Stern (Woody Allen), der aus Geldnot ein Portrait seines von ihm verachteten Schwagers Lester (herrlich aalglatt: Alan Alda) dreht. Dieser ist als prinzipienloser, aber erfolgreicher Fernsehproduzent nicht nur Sterns Antipode, er bedroht auch die zaghaft entstehende Romanze zwischen Stern und der Produktionsassistentin Halley (Mia Farrow). Auch Cliffs ambitionierte eigene Dokumentation scheitert auf absurd-tragische Weise. Am Ende werden die beiden Handlungen zu einer bitteren Pointe zusammengeführt.
Judah schafft es scheinbar mühelos, sein Problem "auszuknipsen". Doch als er seine tote Geliebte sieht, wird er von Schuldgefühlen übermannt. Seine religiöse Erziehung, die er bisher lediglich als lässige Attitüde vor sich her getragen hatte, führt ihn zu der existenziellen Frage, wie er diese Schuld büßen muss. Welche Art von Gerechtigkeit gibt es? Judah reflektiert auch die Gespräche seiner Verwandten, wie ein Leben nach dem Holocaust noch möglich sein könne. Zum Schluss stellt sich die bittere Frage, was schlimmer ist: Ein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt zu werden oder durch Überwindung dieser Gefühle den Eindruck fehlender göttlicher Gerechtigkeit zu erhalten.
Im zweiten Handlungsstrang sorgt vor allem Allen selbst für humoristische Tupfer. Die besten Bonmots hat er sich selbst geschrieben. Auf Halleys Begründung für ein Treffen mit Lester ("Er möchte etwas von mir produzieren."), antwortet er nur "Ja, Ihr erstes Kind." Überhaupt sind die gemeinsamen Szenen von Allen und Farrow die zärtlichsten im ganzen Film. Dass sich Halley für einen anderen Mann entscheidet, wirft zudem die Frage auf, aus welchen Gründen wir uns in einen anderen Menschen verlieben.
Dass Judah Augenarzt ist, ist nur ein Beleg für das Augen-Motiv. Judahs Vater sprach von den Augen Gottes, die alles sehen, seine Geliebte, fragte ihn, ob die Augen das Fenster zur Seele seien, einer der wenigen aufrechten Charaktere des Films erblindet, "sieht" Judahs Schuld also nicht.
Ein besonderer Reiz liegt in der Einblendung alter Filmszenen, die die Geschichte auf ihre Art kommentieren (wenn Cliff nicht gerade für Lester arbeitet, geht er mit seiner Nichte oder Halley ins Kino). Neben den gängigen Jazz- und Swingstandards, die alle Allen-Filme untermalen, sorgt besonders der Einsatz klassischer Musik (vor allem von Schuberts Streicherquartett in G Dur) für eine dramatische Stimmung.
Ganz zu recht wurde der Film dreimal für den Oscar nominiert (Regie, Drehbuch, Martin Landau). In einer Nebenrolle ist Claire Bloom als Judahs Gattin zu sehen.

Die Ausstattung der DVD ist allerdings äußerst frugal. Es freute mich zwar, dass ich gleich nach Einlegen der DVD im Hauptmenü war, aber es gibt überhaupt keine Extras, nicht einmal Untertitel, was ich besonders bei Allen-Filmen empörend finde. Aufgrund der überragenden Qualität des Films gibt es hier mal keinen Punkteabzug. Die Bildqualität ist nicht brillant, geht aber in Ordnung, am sauberen Monoton ist nichts auszusetzen.
Schade, dass der eher bescheidene finanzielle Erfolg des Films anscheinend bisher dazu geführt hat, den Film in keiner besseren Edition zu veröffentlichen.

Ein Film wie die filmische Aufbereitung eines Dostojewski-Seminars.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Der Tod und das Mädchen", 10. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Von den mehr als 20 Woodys, die ich zuhause hab, ist mir dieser der liebste. Es ist kein Wunder, daß er kommerziell so erfolglos geblieben ist, denn Woody mutet dem Zuschauer hier einiges an unliebsamen und nicht immer sehr einfachen Fragen zu.
Auffällig sind die drei Lebensentwürfe auf der einen Seite, die man in dem Film zu sehen bekommt - 1. Allens als idealistischer Dokumentarfilmer der mit eben diesem Idealismus immer wieder an die Grenzen des möglichen stößt, und sie immer wieder neu ausloten muss
2. Aldas Lebensentwurf, der genau das Gegenteil ist, nämlich völlig oberflächlich und hedonistisch, und der sich auch gar nicht mehr bemüht, das zu ändern.
und 3. der des Philosophen, der wirkt, als hätte er das Leben in all seinen Teilen verstanden und seinen Frieden mit sich gemacht, und dann "augenscheinlich" völlig entgegengesetzt zu seinen Theorien handelt.

Und auf der anderen Seite ein Mann, dessen Lebensentwurf so stabil und unverrückbar schien, und den nun alles aus der Bahn zu werfen droht. Sowohl sein Handeln, als auch sein Unterlassen. Und so kommt am Ende - neben einer zwischendurch auch noch abgehandelten Liebesgeschichte - die alte Frage nach Schuld und Sühne auf, und die Schlußszene deutet an, daß es dieses Verhältnis, wenn dann nur auf gesellschaftlicher Ebene gibt: der eine muss für das leiden, was der andere tut.

Das Thema des Augenarztes ist sehr vergleichbar mit Matchpoint, aber hier wird dessen Aufstieg in die "bessere" Gesellschaft viel weniger stark thematisiert. Außerdem ist Matchpoint ein durchweg ernster Film -und meiner Meinung nach übrigens in vielen Punkten unterschätzt- während Verbrechen und andere Kleinigkeiten einige der lustigsten Szenen enthält, die man je bei Woody gesehen hat, was wohl auch durch diese Abwechslung von Drama und Komik entsteht. Spätestens wenn Allan Alda mit Mussolini verglichen wird muss auch der letze mitlachen. Ein absolutes Highlight, und meiner Meinung nach ein Film, der auch mit den besten von Woodys Vorbild Ingmar Bergman mithalten kann (auch wenn das natürlich so direkt nicht wirklich vergleichbar ist).

Ein echtes Stück Filmgeschichte und Muss im DVD-Regal jedes Filmliebhabers.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komödie? Zynisches Drama? Ethisch-moralpsychologisches Werk? Alles das! Brillant!, 28. Februar 2011
Von 
Tobias Fabian-Krause (Landau, Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Die typischen Protagonisten in Woody Allens Filmen quälen sich, insbesondere wenn er sie selbst darstellt, vordergründig hauptsächlich mit ihrer Hypochondrie, ihrem Neurotizismus und ihrer Mischung aus Intellektualität und Untauglichkeit für das praktische Leben. Auch in "Verbrechen und andere Kleinigkeiten" verkörpert Allen wieder so einen Stadtneurotiker. Der Filmemacher Cliff Stern verachtet das auf reine Unterhaltung abzielende Showbusiness, verkörpert durch seinen Schwager Lester (Alan Alda, bekannt z.B. aus M*A*S*H). Lester ist selbstherrlich, narzistisch, diktatorisch und oberflächlich. Er produziert Comedy, der es nur auf Lacher ankommt. Cliff hingegen möchte ernsthafte Dokumentationen produzieren, die aber niemand senden will. Stattdessen ist er aus ökonomischen Gründen gezwungen, ein Portrait über Lester zu drehen. Seine eigentliche Arbeit muss er in der Freizeit erledigen. Aktuell arbeitet er an einer Dokumentation über einen Philosophie-Professor, dessen profunde Analyse des menschlichen Verhaltens ihn fasziniert und von dem er sich so etwas wie geistige Orientierung erwartet. Eine Hoffnung, die schlussendlich enttäuscht wird. Im gleichen Maße idealisiert Cliff die ebenfalls beim Film arbeitenden Halley Reed (Mia Farrow). Sie zeigt Verständnis für seinen Frust und Interesse an seiner Arbeit. Cliff hofft auf den Ausbruch aus seiner tristen Ehe mit Lesters Schwester Wendy (Joana Gleason), die ihren Bruder abgöttisch verehrt. Doch auch Halley enttäuscht Cliff.

Judah Rosenthal ist das Gegenstück zum weltfremden Cliff. Er ist ein hochangesehener, sehr wohlhabender Arzt, hat eine (scheinbar) wunderbar intakte Familie, einen großen Freundes- und Verehrerkreis. Doch auch er hatte einmal Sehnsucht nach dem Ausbruch und begann eine Affäre mit der Flugbegleiterin Dolores (Anjelica Huston). Diese möchte nun, dass er sich zwischen ihr und seiner Frau (Claire Bloom) entscheidet und droht damit, dieser alles zu erzählen. Judah möchte das Verhältnis mit Dolores beenden. Doch diese bleibt hartnäckig. Sein Bruder Jack (Jerry Orbach) schlägt ihm zunächst vor, seiner Gattin alles zu beichten. Gleiches hat ihm ein befreundeter Rabbi geraten. Als Judah dies ablehnt, macht Jack einen weitaus radikaleren Vorschlag, in den Judah schließlich einwilligt. Fortan quälen ihn schwerste Gewissensbisse, er ist ständig nervös, reizbar und geistig abwesend. An und für sich ein Mann der Wissenschaft, der sich selbst als areligiösen Skeptiker sieht denkt Judah fortan ständig an seinen Vater, einen tiefgläubigen Juden, der ihm immer prädigte, Gott sehe alles und keine Sünde bleibe ungesühnt. Judah droht unter dem Druck seines Gewissens zusammenzubrechen.

Woody Allen greift in diesem Film eines seiner Lieblingsthemen auf, nämlich die Frage danach, wie der Mensch des 20. Jahrhunderts angesichts seiner tiefsitzenden Sehnsucht nach (nicht nur) moralischen Wahrheiten sich noch zurechtfinden kann. Allens Hauptfiguren suchen nach Gott, können aber nicht an ihn glauben. Zu naiv erscheint ihnen die christliche Heilsbotschaft. Cliff glaubt in dem von ihm interviewten Philosophen eine irdische Orientierungsfigur gefunden zu haben, muss aber zunächst feststellen, dass selbst vielversprechende Personen wie Halley letztlich doch eher für Charisma und oberflächliche Wirkung empfänglich sind und diese Eigenschaften den Tiefgang besiegen. Auch der Philosoph desillusioniert ihn schlussendlich.

Judah hingegen muss zunächst feststellen, wie tief verankert die religiöse Moral, streng durch den allsichtigen und strafenden Gott bewacht noch in ihm verankert ist. Solange er seinen Lebenswandel vor dieser inneren Instanz rechtfertigen kann, fällt sie ihm kaum auf. Als er jedoch den ersten schwereren Makel bei sich entdeckt gerät er ins Grübeln. Als er sich dann eine wirklich krasse Verfehlung erlaubt droht er daran kaputt zu gehen. Doch der Ausgang ist ein anderer, lakonischer, relativitischerer als noch in Dostojwskis "Schuld und Sühne", das hier gewissermaßen in die Nachmoderne adaptiert wird.

Die Kernthese des Films ist meines Erachtens: verbindliche moralische Werte und philosophische Großkonzepte sind überholt. Sie tragen nicht mehr. Angesichts dieses schwachen Fundaments bleibt nur noch, den materiellen Werten hinterherzuhecheln. Und genau so sieht die Welt aus, egal wie brillant die Leute auch intellektuell talentiert und exzellent sie ausgebildet sein mögen.

Dieser Film bietet alles: Komik, Drama, soziale Gegenwartsdiagnose und hintergründige Sozialkritik, die aber nicht mit dem Zeigefinger daherkommt, sondern eher versucht, die Gründe für die psychische Situation der Menschen zu analysieren. Das gelingt auf eine sehr feine Weise. Natürlich beschränkt sich Allen dabei auf die gebildeteren Stadtmenschen, das ist meines Wissens notorisch für seine Filme. In Interviews gibt er auch immer wieder freimütig zu, dass die gebildeten Großstadtmenschen New Yorks, aber auch außeramerikanischer Großstädte ihm die einzigen sind, denen er sich halbwegs nahe fühlen kann (wenn es so etwas wie Nähe für ihn noch gibt). Mit der restlichen US-Bevölkerung kann er herzlich wenig anfangen. Dass Religiosität mit ihren einfachen, bisweilen brachialen Antworten im ländlichen Amerika nie nennenswert an Bedeutung verloren hat und in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch bei den Eliten wieder verstärkt Einzug gehalten hat, muss einen wie ihn zutiefst verstören.

Dass Verhalten der Wirtschafts- und Medieneliten in den USA (und nicht nur dort!) hat sich nicht nennenswert verändert, denke ich, so dass der Film auch 22 Jahre nach seiner Entstehung aktuell ist. Natürlich vereinfacht der Film, natürlich ist er nur bedingt originell. Es ist nicht der erste Beitrag aus Literatur, Film und Theater, der Werteverfall und Nihilismus analysiert und kritisiert. Auch nicht der erste von Woody Allen. Doch das Thema hat an Aktualität nicht verloren und wird hier wirklich brillant dargestellt.

Die schauspielerischen Leistungen aller Teilnehmenden sind richtig gut, ohne dass ich sie glänzend nennen möchte. Alan Alda spielt natürlich exzellent, aber der Charakter, den er spielt ist absichtlich so einseitig gezeichnet, dass ich behaupte, er ist nicht schwer zu spielen. Martin Landaus Rolle gibt mehr her, ist vielschichtiger und Landau agiert hervorragend. Mia Farrow macht ihre Sache gut, alle anderen auch. Ob Woody Allen brillant spielt oder überhaupt kein guter Schauspieler ist oder beides oder nichts vom genannten, da werde ich nie so richtig schlau daraus. Er wirkt auf mich sehr authentisch, aber ich habe auch immer das Gefühl, er spielt sich selbst. Bild, Ton, Schnitt usw. sind okay. Der Punkt zu allem in diesem Absatz genannten ist einfach, dass ich finde, es ist in diesem Film nicht vordergründig. Ich habe mich voll auf den intelligenten Plot konzentriert. Vielleicht das größte Kompliment an die Schauspieler.

Fazit: brillanter Film! Wer nur ansatzweise etwas mit Woody Allen anfangen kann, muss ihn zumindest mal gesehen haben. Ob Sie diese lieblos editierte und grässlich dürftig ausgestattete DVD brauchen ist eine andere Frage. Sie bietet fast nicht, aber die Chance, einen herausragenden Film zu sehen! Mehr als die meisten, noch so üppig ausgestatteten DVDs zu bieten haben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhaft, 18. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Ein sagenhaft guter Film! Keine ganz leichte Kost allerdings, da es zwei Handlungsstränge gibt, die nur lose miteinander verknüpft sind. Die Haupthandlung verkörpert eher die ernste, dunkle Seite des Films, die Nebenhandlung, in der auch Woody Allen auftritt, sorgt für Farbtupfer. Aber tatsächlich beinhalten *BEIDE* Handlungsstränge ernste und komische Momente.

Man wird dem Film nicht gerecht, wenn man nur die Handlung erzählt oder andeutet. Ein Mann gerät, ähnlich wie in "Match Point", durch eine Liebesaffäre in eine heikle Lage und lässt sich nach anfänglichem Zögern auf Mordpläne ein, um seine Probleme zu lösen. Aber es ist unglaublich, wie viele Facetten der Film diesem Thema abgewinnen kann. Moralische Debatten, tragik-komische Augenblicke, groteske Situationen, Gespräche mit Figuren, die teils nur in der Phantasie existieren, teils aber auch real sind. Mit Martin Landau gibt es zudem einen Schauspieler, der den schwierigen Hauptpart tragen kann.

Also: Ansehen und nicht nebenbei bügeln!

Zur DVD: Leider gibt es keine Untertitel, aber immerhin englischen Originalton. Das soll in diesem Fall reichen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Gott ist ein Luxus, den ich mir nicht leisten kann.“, 25. August 2012
Von 
Dieter Drewitz "didi" (Magdeburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Verbrechen und andere Kleinigkeiten, die uns verletzen und zerstören können, gehören zum Leben in dieser bitterbösen Welt. Das ist das Fazit eines der beeindruckendsten Werke Woody Allens. Der Film aus dem Jahre 1989 ist ein schockierendes und entlarvendes Porträt von Menschen der Mittelklasse. Für die böse Taten gibt es keine Sühne und das Gute geht leer aus.
Woody Allen erzählt zwei Geschichten: Der Augenarzt Judah Rosenthal (Martin Landau) hat sein seit zwei Jahren eine Affäre, die er beenden will. Seine Geliebte ( Anjelica Huston) droht damit, sein ganzes Leben zu zerstören. Sein Bruder (Jerry Orbach) rät ihm zu einem Auftragsmord.
In der zweiten Geschichte spielt Woody Allen den erfolglosen Independent-Filmemacher, Clifford Stern, der beauftragt wird, ein Porträt seines schmierigen und ungeliebten Schwagers (Alan Alda) zu drehen. Nebenbei verliebt sich Stern in die Produzentin Halley (Mia Farrow).
Allen betonte einmal, er halte diesen Film nicht für pessimistisch, sondern lediglich für realistisch. – Diese Sicht macht den Film nicht zynisch sondern schmerzhaft. Er ist gesellschafts- und auch religionskritisch wie kein anderer Film von Woody Allen. Aber er verurteilt nicht, sondern stellt Haltungen einander gegenüber.
Nicht umsonst taucht das berühmte Zitat aus Dostojewskis Briefen und Werken im Film auf: „ Wenn Gott außerhalb der Wahrheit stünde, würde ich mich für Gott und nicht für die Wahrheit entscheiden.“
Auch durch Ausschnitte aus der anspruchsvolle Filmdokumentation über den jüdischen Philosophen Lewis Levy (Martin Bergmann), an der Stern gerade arbeitet, gewinnt der Film an Tiefe.
Nicht umsonst wird Allen seine Liebe zum schwedischen Regisseur Ingmar Bergman, dessen Kameramann, Sven Nykvist, er für diesen Film gewinnen konnte, nachgesagt.
Mehr als in anderen Filmen, in denen er den Spuren seines Idols folgt, gelingt es ihm, dem typischen Woody-Allen-Humor in Einklang zu bringen mit der zutiefst hoffnungslosen Geschichte.
So bleibt der Film nicht nur ein Meilenstein in der Filmographie Allens sondern ein Meisterwerk der Filmgeschichte
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleine Geständnisse auf Kosten großer Sünden..., 28. Juli 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Wie läuft das Leben wirklich, wie tangieren sich Schuld und Sühne in der Realität? Und was ist der moralische Imperativ? In zahlreichen Arbeiten hat dies Thema Woody Allen beschäftigt; mal episch (Match Point), mal komisch (Manhattan Murder Mystery), mal zynisch (dieses Werk), und mal nur mehr hypothetisch (Die letzte Nacht des Boris Gruschenko).
Die Ergebnisse fielen unterschiedlich aus, auch je nachdem, wie ernst der Film war und ob er eher dem realistischen oder dem fantastischen Kino zuzuordnen ist. Aber zwei Themen spielen immer wieder eine Rolle dabei: (Der perfekte) Mord und das philosophische/religiöse Gewissen.

Wieder einmal bricht eine Welt zusammen, denn die wunderbare Geliebte entpuppt sich für den Augenarzt Judah zunehmend als Stressfaktor und schließlich sogar als Gefahr für sein aufgebautes, familiäres Leben. Er nimmt Kontakt zu seinem Bruder auf, ohne wirklich zu wissen, was er von ihm will; obwohl er weiß, dass dieser Verbindungen zur Unterwelt unterhält, redet er sich scheinbar erfolgreich ein, nicht an solcherlei gewalttätige Lösungen gedacht zu haben. Doch schließlich sieht er kaum einen anderen Ausweg mehr...
Gleichzeitig ist da Cliff, ein erfolgloser Dokumentarfilmer, dem seine Ehe nichts mehr viel bedeutet, der es liebt mit seiner Nichte ins Kino zu gehen und der den Bruder seiner Frau über alle Massen wegen dessen Erfolg und seinem fröhlichen Hochmuts verachtet. Doch schon bald haben sie beide dasselbe Objekt der Begierde: die Produzentin Halley...
Wie diese beiden Geschichten sich schließlich in aller Ruhe der Nacht an einem Klavier treffen, bleibt für alle, die den Film noch nicht kennen, hier im Dunkeln.

Ich denke jeder kennt diese Momente, in denen das Geflecht und die Absurdität und die Ausschweifung des Lebens einem dermaßen über den Kopf wachsen, dass man kaum mehr richtig hoch- und hinterherkommt. Es ist gut, dass es Woody Allens Filme gibt, denn auch wenn sie gleichsam nicht vorgeben erklären zu können, was das Leben ist und warum es so ist, schaffen sie es, das Leben zu zeigen; das übermütige, tragische und seltsame, stets neu angekurbelte Leben, das auf faszinierende Weise zu wachsen und zu schwinden weiß. Wenn man sie sieht, fühlt man sich nicht unbedingt klüger, aber besser. Und das allein kann einen klüger machen...
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5.0 von 5 Sternen Danke, 11. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Alles bestens!!! Vielen Dank
Sendung kam in perfektem Zustand an. Da ich Woody-Fan bin, hat auch dieser Film mir wieder gut gefallen, denn es gibt keine schlechten Woody Allen Filme.
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wirklich sehenswert!, 9. September 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Verglichen mit Allens neuestem Werk "Match Point" ist dieser Film von 1989 wirklich sehr sehenswert. Er verbindet eine Satire auf die eitle und geltungssüchtige Medienwelt (wunderbar selbstgefällig: Alan Alda) mit einer abgründigen Geschichte über einen berühmten Augenarzt (beachtlich: Martin Landau), dessen Geliebte (schön neurotisch: Anjelica Huston) seiner Frau reinen Wein einschenken will, weshalb er sie schließlich loswerden muss, was ihn moralisch kurzzeitig durcheinanderbringt; und schließlich begegnet uns, wie in so vielen Woody-Allen-Filmen, ein unglücklich lebender und liebender Woody, der sich im Netz emotionaler und philosophischer Untiefen verheddert und dennoch seinem Unglück immer wieder (Galgen-)Humor abgewinnt. Dazu ist das ganze sehr schön durchkomponiert und miteinander verwoben, nicht zu vergessen die wunderbar passende Musik. Unbedingt anschauen!
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8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der großen Allen-Filme, 22. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen und andere Kleinigkeiten (DVD)
Gehört zu den unverzichtbaren Allen-Filmen, der hier 1989 komödiantische Elemente mit düsterer Seelenforschung in einem Film verband, wobei in dem einen Teil des Film erst selbst (der gegen Alan Alda um die Gunst von Mia Farrow buhlte) und in dem anderen Martin Landau die Hauptrolle spielten. Zu Recht gab's Oscar-Nominierungen für Allens Drehbuch und Regie sowie für Landau. Das Beste am Film war der Antagonismus zwischen Allen und Alda, während Allen mit der schweren Thematik in Landaus Geschichte nicht immer genug anzufangen weiß.
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Verbrechen und andere Kleinigkeiten
Verbrechen und andere Kleinigkeiten von Martin Landau (DVD - 2007)
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