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4.0 von 5 Sternen Geschichten mit Stars
Ort der Handlung ist das Grand Hotel von Berlin, und zwar zu einer Zeit zwischen den Weltkriegen, als die Metropole noch ein Anziehungspunkt für Leute aus aller Welt war. Ein verarmter Baron lebt beispielsweise dort, ebenso ein Arzt, der sich im 1. Weltkrieg eine schwere Verwundung im Gesicht zuzog und viele andere. Eine Sekretärin sucht das Hotel auf, weil sie...
Veröffentlicht am 5. September 2010 von Matthias Haas

versus
3 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das Buch ist wesentlich besser
Die handelnden Personen des Filmes werden von der ersten Sekunde an im Schnelldurchlauf vorgeführt - die ganz eigene Geschwindigkeit der Literaturvorlage hingegen ist wesentlich besser, die Autorin führt in ihrem Buch die einzelnen Personen geradezu behutsam ein - die Filmproduzenten scheinen hingegen getreu dem Motto: "Zeit ist Geld" gehandelt zu haben... -...
Veröffentlicht am 24. März 2008 von Stephan Seither


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichten mit Stars, 5. September 2010
Von 
Matthias Haas (Sumiswald Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel [Special Edition] (DVD)
Ort der Handlung ist das Grand Hotel von Berlin, und zwar zu einer Zeit zwischen den Weltkriegen, als die Metropole noch ein Anziehungspunkt für Leute aus aller Welt war. Ein verarmter Baron lebt beispielsweise dort, ebenso ein Arzt, der sich im 1. Weltkrieg eine schwere Verwundung im Gesicht zuzog und viele andere. Eine Sekretärin sucht das Hotel auf, weil sie dort im Rahmen eines Kurzzeitjobs für einen Grossfirmenchef Briefe tippen soll. Sie stösst aber schon zuvor auf einen langjährigen kleinen Buchhalter des Chefs und auf den Baron, der wiederum auf eine russische Tänzerin neugierig wird. Zunächst bleibt es das Geheimnis des Barons, dass er zur Aufbesserung seines Budgets ab und zu Wertsachen aus anderen Hotelzimmern klaut, doch die Begegnung mit der Tänzerin ändert das. Dann hilft er auch noch, dem Buchhalter beim Spielen einen stattlichen Betrag zu gewinnen. Schön für den Buchhalter, schlecht für den Baron, denn sein nächster Versuch, etwas zu erbeuten, hat fatale Folgen.
GRAND HOTEL aus dem Jahr 1932 war damals für MGM eine Prestige-Angelegenheit, weil man eine bis dahin selten gesehene Starriege verpflichten konnte: Greta Garbo als Tänzerin, Joan Crawford als Sekretärin, John Barrymore als Baron, Lionel Barrymore als der Buchhalter und viele mehr. Das Konzept ging auf: der Film wurde ein Erfolg und erhielt einen Oscar als "Bester Film".
In diesem Film wird jemand (ausserhalb des Bildes) erschlagen, deshalb wurde er wohl damals ab 16 freigegeben; nach heutigen Massstäben ist diese Freigabe wohl übertrieben.
Die DVD in der Reihe BEST PICTURE ist weitgehend deckungsgleich mit der auch sonst erhältlichen Ausgabe des Films, bloss bei der Verpackung etwas edler aufgemacht. So kennen wir inzwischen die DVD-Firmen: lieber dreimal dasselbe in anderer Verpackung veröffentlichen als wieder einmal einen Film herausgeben, der bisher noch nicht auf DVD erhältlich war.
Das Bild (4:3, s/w) und der Ton sind ganz anständig aufpoliert worden, sodass man sich das 108 Minuten dauernde Werk in angemessener Qualität gönnen kann. Die Auswahl an Audio- und Untertitelsprachen entspricht dem, was man von Warner erwarten kann.
Dem Klassiker MENSCHEN IM HOTEL hat man eine ansprechende Ausstattung gegönnt: Die DVD hält eine interessante, aber recht kurze Dokumentation zum Film bereit, dazu noch ein paar Archivbeiträge zum Film und einen zeitgenössischen Musical-Kurzfilm aus den 1930ern, das meiste natürlich mit Untertiteln.
Gesamturteil: für die DVD-Veröffentlichung gibt es vier von fünf Amtsleitungen und einen respektvollen Knicks vom Portier.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Glamouröser Starauflauf im Foyer der Leidenschaft: Joan Crawford flirtet, die Garbo möchte allein gelassen werden!, 21. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel [Blu-ray] (Blu-ray)
Flugtraumgleich schwebt die Kamera in der Telefonzentrale des Berliner Grand Hotels über den Köpfen der geschäftigen Angestellten, während sich in der Tonspur die soeben vermittelten Gespräche zu einem babylonischen Sprachgewirr vermischen. Es ist ein kurzer Augenblick höchster Betriebsamkeit, in dem die Telefonistinnen einen schier endlosen Strom an Begegnungen organisieren und unzählige Einzelschicksale miteinander verknüpfen. Davon werden im Folgenden fünf an der Zahl herausgegriffen und näher unter die Lupe genommen: In der ersten Kabine erkundigt sich Chefportier Senf nach dem Wohlbefinden seiner Frau, die in einer Klinik kurz vor der Entbindung steht. Man mahnt ihn zur Geduld. In der zweiten Zelle offenbart der Buchhalter Otto Kringelein einem befreundeten Kollegen, dass er sterbenskrank sei und die letzten Tage seines sonst so schlichten Lebens im stilvollen Ambiente des mondänen Grand Hotels, Treffpunkt der Schönen und Reichen, zu Ende bringen möchte. Es folgt Generaldirektor Preysing, der sich mit seinem Schwiegervater über eine dringend notwendige Fusion berät, an deren seidenen Faden die weitere Existenz seines angeschlagenen Industrieimperiums hängt. Dann ist zu hören, wie sich Suzette als Zofe der berühmten Ballerina Grusinskaya zu erkennen gibt und dem Theater mitteilt, dass sich Madame im Moment etwas unpässlich fühle und heute weder zur Probe noch zur Vorstellung erscheinen werde. Schließlich räumt Baron von Gaigern einen finanziellen Engpass ein, der ihn daran hindere, länger im Hotel zu logieren.

Diese fünf Gespräche dienen vorrangig dazu, den Zuschauer mit den fünf Hauptfiguren des Films vertraut zu machen, von denen allerdings nur drei (Gaigern, Kringelein und Preysing) auch tatsächlich in dieser Sequenz zu sehen sind. Der erste Auftritt der Balletttänzerin Grusinskaya wird dagegen um etwa 20 Minuten hinausgezögert - eine Zeitspanne, die Regisseur Edmund Goulding clever nutzt, um mit raffiniert eingestreuten Hinweisen die Spannung auf ihr baldiges Erscheinen stetig zu erhöhen. Die Fünfte im Bunde, die attraktive Stenotypistin Flämmchen, trifft erst nach etwa 10 Minuten im Hotel ein. Sie wird zu Beginn von Portier Senf vertreten, der eigentlich nur eine unbedeutende Nebenrolle spielt, aber dennoch unabkömmlich ist: Die langersehnte Geburt seines Kindes bildet mit Kringeleins bevorstehendem Tod die Klammer des Films, die zugleich das Hotel als existenzialistische Metapher definiert. Über diesen Gedanken sinniert auch ein seltsamer, in sich gekehrter Kommentator, der in der Lobby in einem Sessel sitzt und mit melancholischem Unterton philosophiert: "Grand Hotel - Menschen kommen und gehen. Und nie geschieht etwas!" Mit dem letzten Satz täuscht sich der mürrische Dr. Otternschlag jedoch gewaltig, denn im weiteren Verlauf der Handlung wird nicht nur gegessen, geschlafen, getanzt und ein wenig geflirtet, es wird auch gelacht und geweint, gelitten und geliebt, gefeiert und gemordet, und das an einem Ort, an dem Glanz und Elend des menschlichen Daseins ebenso wenige Spuren hinterlassen wie die tägliche Fluktuation der an- und abreisenden Gäste. Dr. Otternschlags Irrtum gründet sich auf dem Umstand, dass in einem Hotel für gewöhnlich kein Mensch weiß, wer genau eigentlich im Nebenzimmer haust. Um das herauszufinden, müssen die jeweiligen Personen erst einmal in Konflikt miteinander geraten, bis ihre bürgerliche Fassade einstürzt, woraus der Film auch seine kraftvolle Dynamik zieht. So entpuppt sich der überaus charmante Baron von Gaigern als bankrotter Hoteldieb. Doch anstatt der Grusinskaya die Perlen zu stehlen, verliebt er sich in sie, wodurch die weinerliche Ballerina beschwingten Lebensmut und neue Inspiration schöpft. Währenddessen verprasst Kringelein seine Ersparnisse und fühlt sich dadurch so glücklich und vital wie nie zuvor. Wohingegen der skrupellose Wirtschaftsmagnat Preysing (Kringeleins Ex-Boss) seinen persönlichen und geschäftlichen Niedergang erlebt. Und Flämmchen, die zunächst noch von einer Karriere beim Film träumt, wird zumindest zeitweise von allen drei Herren begehrt. Treibende Kraft für sämtliche Beteiligten ist das Geld, das dafür sorgt, dass keiner das Hotel so verlassen wird, wie er es betreten hat.

Für "Menschen im Hotel" engagierte das MGM-Boy Wonder Irving Thalberg gleich ein ganzes Rudel an hochkarätigen Darstellern, weshalb der Film auch als erstes "all-star picture" in die Annalen Hollywoods einging. Neben den beiden Barrymore-Brüdern ist hier Greta Garbo als Grusinskaya zu sehen, die zwar ein bisschen zu übertriebener Künstlichkeit tendiert, aber durch ihren herrlich kapriziösen Auftritt den Rest des Ensembles wie eine Gloriole überstrahlt und mit dem pathetisch artikulierten Diktum "I wanna be alone" zum häufig imitierten Zitat wurde. Joan Crawfords Flämmchen entwickelt einen ungeheuren Sexappeal, was der Garbo stark missfiel, die sich daraufhin weigerte, auch nur eine einzige Szene gemeinsam mit ihrer Rivalin zu drehen. Die Literaturvorlage stammt aus der Feder von Vicki Baum und wurde zunächst im Jahre 1929 als Fortsetzungsroman in der "Berliner Illustrirten Zeitung" veröffentlicht, ehe das Buch im Ullstein Verlag erschien und zum weltweiten Bestseller avancierte. Es folgte eine deutsche Theateradaption, auf die Thalberg aufmerksam wurde, der das Stück schließlich an den Broadway brachte. An dieser amerikanischen Fassung orientiert sich auch Edmund Goulding, sodass Szenen wie eine Spritztour auf der Avus oder der Rundflug über Tempelhof auf der Leinwand fehlen. Goulding konzentriert sich voll und ganz auf die Ereignisse im Hotel, das er als beengten Hort der Anonymität bebildert, in dem entfremdete Menschen schicksalhaft aufeinandertreffen. Dabei wurde das Drehbuch auf ein wertkonservativeres Publikum zugeschnitten. Während sich Gaigern im Roman bei seiner Entdeckung in Grusinskayas Zimmer kaum zurückhalten kann, die grazile Frau im Affekt zu erschlagen, tritt er im Film einfach hinter einem Vorhang hervor, bewahrt sie vor dem Suizid und streichelt ihr angekratztes Ego, indem er der einsamen Diva süße Komplimente ins Ohr flötet. Trotz dieser Änderungen dringt dennoch zwischen den Zeilen immer wieder durch, dass sich hier eine Epoche im Umbruch befindet (gedreht 1932, auf dem Höhepunkt der Großen Depression). Wunderbares Glamour-Kino und ein eindrucksvoller Spiegel der Weimarer Republik in ihren allerletzten Atemzügen.

Bonusmaterial: Audiokommentar, Making-of (ein sehr informativer Abriss über den Film und die damalige Zeit), Aufnahmen von der Hollywood-Premiere (Was für ein Tamtam!), der Vitaphone Kurzfilm "Nie passiert etwas", Kinotrailer.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fließende Dekadenz, 15. März 2007
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel (DVD)
Hinter dem Ausstattungskino anno 1932 verbirgt sich ein wundervoller Film

Das ist schon ein bisschen gemein: "People come, peolpe go, nothing ever happens", so heißt es gleich zu Beginn des Films "Menschen im Hotel". Möchte da ein etwas langweiliger Streifen gleich mal eben seine Langeweile zum Kunstprinzip erheben, vorab um Entschuldigung heischend, und mehr noch, möchte er allen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, nach dem Motto: Genau so und nicht anders soll es ja sein? Glücklicherweise verpufft jeglicher Argwohn recht schnell. Und Argwohn hatte ich durchaus, ehrlich gesagt: Zwar mag ich alte Filme recht gerne, aber 1932, Du liebe Zeit, ein bisschen sehr alt vielleicht. Was war das für eine Zeit? Den Machern lag der Stummfilm noch in den Knochen, es gibt exaltierte, völlig überzeichnete Darstellungen en masse. Andererseits war das Medium Tonfilm noch jung, viele Glücksritter versuchten sich in schnell heruntergekurbelten Streifen. Ästhetik, Kunst: Fehlanzeige, Kamera druff und los, mit möglichst vielen prall geschmetterten Liedern. Statische Kamera, keine Schnitte, keine in der Filmhandlung nicht vorkommende Hintergrundmusik, und jede Szene wird mit einer langen Auf- und Abblende eingeleitet, damit man auch ganz genau weiß, wo's langgeht und dem Zuschauer alle Denkarbeit abgenommen wird. Andererseits auch wieder: Lust am Experimentieren und an heute simpel anmutenden Filmtricks, im besten Falle surreale, im schlechtesten Falle alberne Bilder. Dann: Der Starkult, gerade Anfang der 30er recht extrem betrieben. Jegliche Frau hatte Kleider, die man nicht von der Stange kaufen kann, dauerweichgezeichnet-unnahbar, viel größer als das Leben.

Und mit diesem Vorwissen bzw. mit diesen Vorurteilen guckte ich mir ein Prestigeobjekt von MGM an. MGM, der Löwe unter den Majors, more stars than in heaven, na das konnte ja was werden.

Und es wurde was! Von den oben genannten (Vor-)Urteilen wurde eigentlich nur eines bestätigt, der Starkult wird hier exzessiv betrieben, und das manierierte Spiel der Garbo ist zu Beginn wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Immerhin macht sich der Film, besser als viele seiner Konkurrenten, noch die Mühe, in der Filmhandlung zu erklären, warum die "Tippse" Joan Crawford sich so ein todschickes Kostüm überhaupt leisten kann. Und der Starkult erdrückt nicht die Charaktere, die sind nämlich in dem Film äußerst interessant. Deutschland in der Zwischenkriegszeit, das feinste Hotel Berlins, hier sehen wir eine dekadente Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs, auch schon den Niedergang der dekadenten upper class (oder derjenigen, die sich dafür halten). Der elegante Baron ist in Wirklichkeit pleite, der kleine Buchhalter, der nicht mehr lange zu leben hat, möchte einmal sein Geld verprassen, der bullige steinreiche Geschäftsmann sieht seine Existenz durch eine gefährdete Fusion bedroht, die extravagante Tänzerin möchte sich erst das Leben nehmen und verliebt sich dann, die Sekretärin ist nicht abgeneigt, sich finanzieller Vorteile willen umschwärmen zu lassen, muss aber überdenken, wie weit sie damit gehen kann. Dies sind die fünf wichtigsten Charaktere, gespielt von John Barrymore, Lionel Barrymore, Wallace Beery, Greta Garbo und Joan Crawford. Und sie spielen alle recht gut, Beery ist ein wenig in seinem Klischee des grobschlächtigen Typen gefangen (vielleicht ist es kein Zufall, dass sein Starruhm am schnellsten verblasste, John Barrymore zählt ja nicht, der hat sich ja totgetrunken) und die Garbo trägt zu Beginn etwas dick auf, ABER das sei ihr verziehen, denn umso schöner kann sich als Verliebte aufblühen, mit ihrer ganzen Seele und ihrem ganzen Körper, alles ist anders an ihr, und das ist nicht nur dem Make-Up und der Frisur geschuldet, sondern der ganzen Körperhaltung und Gestik, also Dingen, die definitiv von ihr selbst kommen und nicht von einem Stylisten. Natürlich tun die ihr Übriges, wie auch insbesondere bei Garbo der Beleuchter, es ist hier nix dem Zufall überlassen, und in einer wichtigen Großaufnahme kommt das Licht offenbar von der Decke, so dass sie die längsten Augenwimpernschatten der Welt hat, wunderbar. Also mit Recht "die Göttliche", würde ich sagen.

Schauspielerische Leistungen und Ausleuchtung sind aber nicht die einzigen guten Elemente des Filmes. Zu loben ist z.B. auch die Erzähltechnik. Alleine die erste Szene, in der verschiedene Leute telefonieren und dies dann so montiert wird, dass die Telefonfetzen der einzelnen immer kürzer werden, bis man beinahe den Eindruck hat, es handele sich um ein einziges Telefonat, das ist klasse geschrieben und arrangiert. Und im Hintergrund sieht man dann tatsächlich andauernd Leute kommen und gehen, die aber letztlich nicht wichtig sind. Das ist alles recht kunstvoll und aufwendig gefilmt, man hätte es mit den Statisten im Hintergrund ja auch sein lassen können, aber das ergibt Sinn: Eine Pointe dieses Arrangements sehe ich darin, dass der danach losgelassene Spruch - Leute kommen und gehen, nichts passiert - sich bereits in der ersten fünf Minuten zugleich bestätigt und widerlegt hat. Ja. Leute kommen und gehen. Aber: Doch, es passiert was, und zwar eine ganze Menge. Von daher hatte ich gleich zu Beginn großes Interesse an den Einzelschicksalen, und das hat sich den ganzen Film über gehalten. Auch der Schluss passt übrigens dazu, dass zwar eine Menge passiert ist, aber doch wieder Leute kommen und gehen werden und gemeinerweise die gerade gesehenen Schicksale, so sehr sie uns auch berührt haben mögen, doch wieder durch andere Schicksale ersetzt werden können. Vielleicht ist das das Fatale an der ganzen Sache: Es passiert extrem viel, und hinterher ist alles so, wie's war.

Die Tatsache, dass MGM seinerzeit das Edelstudio war, bringt hier ausschließlich Vorteile. Beim Ausstattungsfilm ab ca. 1955 (Breitwand und bewusste Pracht gegen die TV-Konkurrenz) bin ich manchmal etwas reserviert, dieser Ausstattungsfilm des Jahres 1932 ist hingegen der seinerzeitigen Konkurrenz um Lichtjahre voraus. Das Dekor des Hotels, die vielstöckigen von oben gefilmten Treppen, die von oben gefilmte Telefonschaltstelle, alles wunderbar. Keine mau ausgeleuchteten, schlampig kadrierten, auf schrille Momenteffekte zielende Bilder, alles wunderbar durchkomponiert. Und vielleicht sogar ein bisschen die elegante Handschrift nicht nur des Studios, sondern des Regisseurs Edmund Goulding. Edmund Goulding? Sicherlich nicht einer der ganz individuellen Stilisten, aber der Mann hat mir schon viele schöne Stunden geschenkt, mit dem Bette-Davis-Schmachtfetzen "Opfer einer großen Liebe" und der recht anspruchsvollen Literaturverfilmung "Auf Messers Schneide". Zu letzterem hatte ich meine Rezension "fließende Eleganz" genannt, nun wollte ich das nicht noch mal schreiben und habe mich in Anspielung auf die Handlung mit "fließende Dekadenz" herausgewunden, aber gehupft wie gesprungen, das ist ein fließend eleganter Film. Goulding (und vielleicht auch ein Stück weit Produzent Thalberg) hat schon 1932 begriffen, dass eine Kamera nicht still stehen muss. Er hat schon 1932 begriffen, dass nicht jede Szene mit Auf- und Abblende eingerahmt sein muss, was das Erzähltempo wie zähes Kaugummi erscheinen lässt. Er hat 1932 schon begriffen, dass man durchaus auch einmal jenseits der altbackenen Schuss-Gegenschuss-Dialoge einen Schnitt einbauen kann, um z.B. bestimmte Personen oder Aktionen hervorzuheben. Er hat aber auch bereits 1932 kapiert, dass es gelegentlich viel eleganter ist, nicht so oft zu schneiden und dass man eine Kamera schwenken und mit einem Kran bewegen kann, dass man die Personen, ihr Kommen und Gehen, die ganze Umgebung mit der Kamera behutsam-neugierig abtasten kann, dass die fließende, aber nie hektische Kameraführung die Erzählweise leiten kann (wenn z.B. Person 1 an Person 2 vorbei geht und die Kamera einfach nicht mitkommt, da es jetzt in der Geschichte zu Person 2 wechselt). Auch gibt es für 1932 schon bemerkenswert hübsche Einfälle indirekter Erzählweise (z.B. wenn Wallace Beery auf John Barrymore mit dem Telefonhörer einschlägt, kommt ein Schnitt auf die Telefonistinnen, die sich wundern, warum das Telefon verrückt spielt, und irgend eine ausschweifende Party vermuten. Das ist originell und mindert gleichzeitig für die Zensoren die direkt gezeigte Gewalt).

Erwähnenswert ist auch die Musik. 1932 gab es sehr selten Hintergrundmusik, die nicht auch in der Filmhandlung existent war. Hier gibt es sie, und auch dies zum Gewinn des Films. Dis Musik des frühen Tonfilms wird oft arg bemüht eingesetzt, noch ein Schlager, noch eine Revue, und möglichst muss in jedem Raum ein Klimperkasten stehen, damit die Story eine Rechtfertigung dafür gibt. Nicht so hier: In der Filmhandlung gibt es keine oder so gut wie keine Musik, auf der Tonspur ist aber des öfteren welche zu hören. Und sie ist mit Bedacht gewählt, macht sie sich doch die subjektive Gefühlslage des schrägen Panoptikums im Grand Hotel ganz zu eigen. Vornehmlich handelt es sich um Johann-Strauß-Walzer, wohl ein Symbol für die untergehende Gesellschaft, die sich im Grand Hotel noch einmal feiert. Interessanterweise wird der Wechsel des Musikgeschmacks als Wechsel einer Epoche auch am Schicksal der von Greta Garbo gespielten Tänzerin thematisiert. Es ist die Rede davon, dass klassisches Ballett kein Publikum mehr zieht, und ob man es nicht mal lieber mit Jazz versuchen möge. Doch diesen Jazz hört man nie, davon will die Garbo genauso wenig wissen wie der Soundtrack. Auch akustisch schwelgt der Film somit in der untergehenden Epoche, will sie mit Macht aufrecht erhalten, und führt uns dadurch ihren Verfall nur noch traurig-schöner vor Augen (bzw. Ohren).

Diese Vorzüge hatte der Film also alle, und sehen Sie einmal Konkurrenzware aus dieser Zeit, da würde ich sagen, die lässt "Menschen im Hotel" weit hinter sich. Er wirkt in vielem wie ein Film, der frühestens ab Ende der 30er denkbar zu sein scheint, und das tut ihm ungeheuer gut.

Wir haben es also mit einem ästhetisch, inhaltlich, erzähltechnisch, schauspielerisch, akustisch hochinteressanten, vielschichtigen und gleichzeitig sehr berührenden Film zu tun. Winzige Abstriche: Ein Schnitt unmittelbar, bevor Wallace Beery auf John Barrymore einschlägt, wirkt reichlich unmotiviert - musste etwa eine allzu heftige davor liegende Auseinandersetzung aus Zensurgründen gekappt werden? Auch gibt es Synchronisations- und Untertitelungsfehler: Gleich zu Beginn erzählen uns die Untertitel, eine Telefoneinheit koste im Grand Hotel 2,90 DM - im Jahre 16 vor Einführung dieser Währung. Und in der deutschen Fassung ist einmal von dem "Einzigsten" die Rede - shocking! Aber das ist Kleinkram, lobenswert sind die diversen Specials der DVD, vor allem eine spaßige Parodie auf den Film. Fünf Sterne für fließend elegante Dekadenz!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glamour über Glamour !, 6. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel (DVD)
MGM hatte, so hieß es, mehr Stars unter Vertrag als es Sterne am Himmel gab.

Nun, das wäre natürlich übertrieben, denn die vielen Himmelskörper hat bestimmt niemand so genau gezählt.

Aber die Star- Dichte und der damit verbundene Glamour war schon enorm hoch. Wenn man Produktionen aus den
1930er Jahren anschaut, wird man fündig und geblendet.
Da gab es die Garbo, die Harlow, die Crawford, Shearer und etliche andere Diven.
Dazu Männer wie die Barrymore- Brüder John und Lionel, Wallace Beery, Melvyn Douglas, Clark Gable und, und, und.

Bis auf Harlow und Shearer bei den Damen und Gable nebst Douglas bei den Kerlen haben sie auch in der All-Star-Cast- Produktion "Menschen im Hotel" von 1932 mitgewirkt, dies eine Verfilmung des Romans von Vicky Baum.

Viele verschiedene Menschen auf engstem ( oder nicht so engem )Raum, auf jeden Fall in einem Film, mehr oder minder in Beziehung zueinander stehend. Entweder von Anfang an oder im Laufe der Zeit.
Das ist spannend zu beobachten. So begegnen sich zum Beispiel die Garbo und die Crawford im Film niemals,was die Crawford aber nicht davon abhielt, die Kollegin während der Dreharbeiten zu studieren. Nicht die schlechteste Art, sich weiterzubilden, wenn man in diesem Beruf voran kommen wollte.
Heute ist Meryl Streep das Leitbild für die jüngere Generation von Schauspielerinnen.
Nun wieder zu "Grand Hotel ": Wir erleben den hektischen Hotelbetrieb, das Personal und sein Bemühen, es jedem Gast ( vor allem den Prominenten )recht zu machen.
Wir erleben die Gäste, die nicht nur mit äußerlichem Gepäck anreisen, nein, auch sonst hat jeder sein Päckchen zu tragen.
Und dabei kann ihnen kein Page helfen...
Die alternde Ballerina Grusinskaya ( Garbo ), manchmal auch "Gru" gerufen, der Gentleman- Dieb Baron Gaigern
(J. Barrymore ), der todkranke Angestellte Kringelein ( L. Barrymore ), der beinahe bankrotte Direktor Preysing, zugleich Kringeleins Boss ( Wallace Beery ), der unter Langeweile leidende Dr. Otternschlag ( Lewis Stone ), der vom Krieg gezeichnet ist ( im Gesicht )und Flämmchen, die kleine Steno- Maus, die sich ihren Lebensunterhalt hart erarbeiten muss, immer auf Abruf bereit.
Sie alle versuchen während ihres Aufenthaltes mit unterschiedlichem Erfolg, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen.
Und wie bei "Dinner at Eight" wird einer von ihnen das Ende des Films nicht erleben.

Der Film war nur in der Sparte "Bester Film" für den Oscar nominiert und gewann. Ein Novum in der Filmgeschichte.

Als Kind habe ich den Film im Fernsehen gesehen, als es noch keine Privatsender gab, deshalb habe ich liebe persönliche Erinnerungen an ihn. So eine schöne Frau wie die Garbo konnte es doch nicht geben, oder? Dazu John Barrymore, der Hoteldieb, der gerade noch rechtzeitig kommt, um sie von einer Überdosis Veronal wegzubringen ( tatsächlich wollte er ja was ganz Anderes ! ). Geistesgegenwärtig gibt er sich als Verehrer aus.
Das ist der Hitchcock- Effekt, lange vor Hitch. Der Zuschauer hat einen Vorsprung und weiß, was der Kerl wirklich will.
Nur "Gru", das arme russische Schätzchen, ist total ahnungslos und lässt sich von ihm einlullen.
Manche Menschen hören eben nur, was sie hören wollen.
Tatsächlich ist der Film nicht oberflächlich, sondern psychologisiert auch. Deswegen sind die Geschichten um Kringelein und Flämmchen auch so ein Knaller. Ich sehe ihn nur und muss schon flennen. Und Flämmchen? Sie wird ständig angemacht, das kennt sie schon. Man weiß bei ihr nie: Würde sie es tun und wenn, was wäre nötig, sie rumzukriegen?
Aber eigentlich ist sie ein Kumpel und zusammen mit Baron Gaigern bilden sie und Kringelein bald ein Dreiergespann, das man gesehen haben muss.
Der Film ist zeitlos und würde wahrscheinlich an jedem beliebigen Ort auf der Welt funktionieren.
Kein Remake war annähernd erfolgreich wie das Original. Und eigentlich braucht so ein Werk auch kein Remake, wenn das Ausgangsmaterial schon perfekt war, oder ???
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das gute alte Hollywood, 8. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel [Blu-ray] (Blu-ray)
Reihenweise markante Schauspieler, denen ich sehr gern gefolgt bin, dazu gelungen wirbelnde Massenszenen in der Hotellobby. Die Handlung schnurrt flott durch, erst gegen Ende wird es etwas langatmiger, gute Kamerarbeit. Insgesamt eine stimmige Romanverfilmung, der freilich die Auto- und Flugzeugszenen der Vorlage auslässt. Die deutsche Neuverfilmung von 1959 mit O. W. Fischer, Heinz Rühmann und Gert Fröbe kenne ich nicht, ebensowenig das 45er Remake.

Die Bluray besticht mit exzellenter Qualität; nur die englischen Stimmen klingen sehr schlecht, sie haben jedoch mehr Charakter als die tontechnisch viel besseren deutschen Stimmen. Die Bluray enthält zudem interessante Hintergrundberichte, unter anderem von der extravaganten Premierenfeier; auch eine ulkige 18minütige Grand Hotel-Parodie gehört dazu.
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5.0 von 5 Sternen Sehr gute Film, 8. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel (DVD)
Ein sehr guter Film mit tollen schauspielerischen Leistungen! Durchgehend spannend und nach wie vor aktuelle Themen! Wirklich ein sehr gutes Werk!
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5.0 von 5 Sternen Staraufgebot im Grand Hotel, 23. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel [Special Edition] (DVD)
Viele hochkarätige Schauspieler der 30er Jahre sind in diesem Film versammelt, die alle etwas verbindet: Sie spielen Gäste im schicken Berliner Grand Hotel. In der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes lernen einige dieser Gäste einander kennen. Und für manche von ihnen wird das zum Verhängnis. Der Film hat viele spannende Szenen und wird von fast allen Hauptdarstellern sehr gut gespielt.

Otto Kringelein (Lionel Barrymore), ein kleiner Büroangestellter, der todkrank ist, will jetzt sein Leben genießen und endlich auch Selbstbewusstsein zeigen. Nach Ende seines Hotelaufenthalts fährt er mit seiner Traumfrau, die er hier kennen gelernt hat, auf eine weite Reise. Wallace Beery kommt als großspuriger, kaltblütiger Manager an und verlässt das Hotel in Handschellen. Joan Crawford ist Flämmchen, eine Schreibkraft, die Schauspielerin werden will. Bis sich da was ergibt, versäumt sie keine Gelegenheit, aus Männern, die ihr lukrativ erscheinen, Geld rauszuholen. Das Hotel verlässt sie ebenfalls, um zu einer weiten Reise aufzubrechen. Der Baron (John Barrymore), ein sympathischer Mensch, der durch seinen süßen, kleinen Hund noch einnehmender wirkt, findet seine große Liebe. Da er selbst kein Geld besitzt und von ihrem Geld nicht leben will, versucht er sich am Spieltisch und als Dieb. Er wird dann von einem Gast, dem er die Brieftasche stehlen will, erschlagen. Seinen Hund verscheucht das Personal danach mit dem Besen.

Greta Garbo spielt die Ballerina Grusinskaya. Die Stimmung dieser äüßerst sensiblen Tänzerin wechselt von Todessehnsucht zu ekstatischer Freude. Als sie die Liebe gefunden hat - eine ergreifende Szene mit John Barrymore - , wird ihre Ballett-Aufführung ein Riesenerfolg. Danach steht sie in einem Blumenmeer und spürt plötzlich die Gegenwart des Todes. Dass es ihr Geliebter ist, der stirbt, wird sie nie erfahren. Voller Vorfreude auf den Urlaub mit dem Partner, begrüßt sie später vor dem Hotel lachend den Sonnenschein.

Die vielgerühmte Intensität von Greta Garbo - eine der größten Schauspielerinnen - ist in diesem Film besonders schön.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Grand Hotel ... Always the Same: People Come, People Go. Nothing Ever Happens.", 26. Dezember 2011
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel (DVD)
(Vorsicht - leichte Spoiler!)

Fast könnte man den Eindruck haben, der vom Krieg entzweigerissene Dr. Otternschlag (Lewis Stone), der da mit steinernem Gesicht zeitungslesend in der Lobby des Berliner Grand Hotels sitzt und sich zu diesem weltmüden Kommentar herbeiläßt, sei nur nicht in der Lage, richtig hinzusehen oder zuzuhören, denn in dem titelgebenden Hotel aus Edmund Gouldings Film "Grand Hotel" von 1932 wimmelt es nur so von Menschen mit ihren Schicksalen, und Goulding führt gleich zu Beginn eine Handvoll von ihnen in einem wilden Telefonreigen ein. Da ist zunächst der kleine Angestellte Otto Kringelein (Lionel Barrymore), der erfahren hat, daß er an einer tödlichen Krankheit leidet, und nun mit seinem Ersparten seine letzten Tage noch einmal richtig genießen will. Auch sein Brötchengeber ist im Hotel, Generaldirektor Preysing (Wallace Beery), der Idealtypus des häßlichen wilhelminischen Deutschen, der sich in die Weimarer Zeit hinübergerettet hat. Preysing ist bemüht, mit einer Fusion den Zusammenbruch seines Unternehmens zu verhindern und befindet sich gerade in wichtigen Verhandlungen, die allerdings nicht das gewünschte Ergebnis zeitigen. Weiterhin haben wir Baron von Gaigern (John Barrymore), einen Adligen in Geldnöten, der sich nun als Hoteldieb versucht, sowie Suzette (Rafaela Ottiano), die nicht mehr weiß, wie sie den nervlichen und künstlerischen Untergang ihrer Herrin, der Prima Ballerina Grusinskaja (Greta Garbo), abwenden soll.

Wie kann es da sein, daß Dr. Otternschlag, ein Dauergast im Hotel, davon spricht, daß nichts passiert? Hat er etwa Tomaten auf den Augen? Ist er taub und blind gegen das Menschengeschlecht? Oder ist dieser melancholische Dauergast mit seinem entstellten Gesicht gar kein Mensch, sondern der Gott Janus, der bei den Griechen für Anfang und Ende und damit verbundene Übergänge zuständig war und in all den Jahren mehr und mehr das Ähnliche im steten Wechsel kennengelernt hat ... Dann ist das Grand Hotel auch kein Hotel, sondern das Leben schlechthin, über das Janus folgendermaßen befindet: "What do you do in the Grand Hotel? Eat, sleep, loaf around, flirt a little, dance a little. A hundred doors leading to one hall. No one knows anything about the person next to them. And when you leave, somebody occupies your room, lies in your bed. That's the end." Und Janus Otternschlag scheint recht zu behalten, denn kaum haben unsere Protagonisten - abgesehen von ihm selbst - das Hotel verlassen, sei es in Handschellen oder tot oder zu falscher Hoffnung verdammt oder aber mit der kleinen Aussicht auf ein wenig Glück - wen im Hotel interessiert es schon? -, da kommen bereits die neuen Gäste, ein augenscheinlich frischvermähltes Paar und eine Busladung voller Touristen. Und Otternschlag beendet den Film mit exakt denselben Worten, mit denen er ihn eingeleitet hat.

Dennoch ist "Grand Hotel" alles andere als ein langweiliger Film, denn in uns, die wir meist nicht annähernd so alt sind wie Janus, erwecken die verschiedenen Schicksale durchaus Neugierde und manchmal auch Anteilnahme. Insgesamt spiegelt das Hotel die Gesellschaft in ihrer Gänze doch trefflich wider: An der Spitze stehen die Preysings, in deren Gefolge die Gaigerns ihren Lebensunterhalt zu verdienen suchen, und während die russische Ballerina Grusinskaja, deren Name auf eine georgische Herkunft verweisen kann, aber auch das russische Wort für "Bürde, Last" enthält, unter ihrem verblassenden Ruhm leidet, dann sich aber in exaltierter Verzückung ihrer neuen Liebe hingibt, plagen den Portier Senf (Jean Hersholt) ganz handfeste Probleme, möchte er doch bei der Niederkunft seiner Frau dabei sein, ohne aber seinen Dienst im Hotel aufschieben zu dürfen. Die Telefonistinnen schließlich, die immer wieder dafür sorgen, daß die Gäste kommunizieren können und die Comédie humaine weitergeht, sind so unbedeutend, daß wir sie nur aus der Vogelschau wahrnehmen, ohne jemals einen Blick in ihre Gesichter zu erhaschen.

Und doch ist es gerade einer der Kleinen, der Buchhalter Otto Kringelein, der jahrelang eine bescheidene, sparsame Existenz geführt hat, der am Ende trotz seines absehbaren Todes als Gewinner aus dem Hotel geht und dabei die mondäne Frau Flamm (Joan Crawford, als sie noch so richtig, richtig gut aussah) mit sich führt, die sich zwar nicht in ihn verliebt, aber doch einen anständigen Menschen in ihm entdeckt hat. Und wer weiß, vielleicht kann er sein Ableben sogar um einige Monate oder Jahre hinauszögern, denn - wie der in allen außer seinen eigenen Belangen weise Otternschlag bemerkte - "A man who is not with a woman is a dead man." Immerhin hat sich das "Flämmchen" resolut gegen die schmierigen Annäherungsversuche Preysings behauptet, obgleich ihr die Bezahlung, die der Industrielle ihr für ihre "Arbeit" in Aussicht stellte, nicht ungelegen hätte kommen dürfen. Vielleicht soll uns dieser Erfolg Kringeleins auch zeigen, daß es sich manchmal lohnen kann, so zu leben, als gäbe es kein Morgen, doch andererseits machen uns seine immer in der Brusttasche befindliche Brieftasche und seine Verzweiflung, als diese verloren scheint, deutlich, daß es zu dieser Souveränität nicht selten finanzieller Mittel bedarf - und wer weiß schon, ob das "Flämmchen" auch seine Sympathien für Kringelein entdeckt hätte, wären dessen Taschen nicht mit 10.000 Mark ausgepolstert gewesen. Fast möchte ich hier nochmals den üblen Preysing zitieren, wenn er sagt: "I don't know much about women. I've been married for 28 years, you know."

Alles in allem erinnert "Grand Hotel" und vielleicht auch der diesem Film zugrundeliegende Roman "Menschen im Hotel" von Vicki Baum ein wenig an Katherine Anne Porters "Ship of Fools", wenngleich er doch ein wenig versöhnlicher daherkommt. Und auch hinter der Kamera dürfte es bei den Dreharbeiten nicht weniger spannend zugegangen sein als davor, ist es doch so, daß Goulding es hier mit zwei Diven zu tun hatte, die es ihm sicher nicht leicht gemacht haben dürften. Wenn man bedenkt, daß Greta Garbos erster Auftritt im Film durch allerlei Vorgeplänkel angekündigt wird - so hört man erst ihr Mädchen über sie sprechen, dann wird die Rezeption mehrfach durch Anrufe, den Wagen der Grusinskaja vorfahren zu lassen und ihn wieder abzubestellen, heimgesucht, und schließlich bittet Suzette sogar die vor dem Zimmer der Ballerina Stehenden, darunter auch die Crawford [!], um Ruhe, weil es der Künstlerin nicht gutgehe -, während Joan Crawford doch verhältnismäßig unspektakulär als Stenotypistin im Hotel ankommt, dann aber als erste mit John Barrymore flirten darf, ihn aber schließlich an die andere verliert, dann kann man sich vorstellen, daß Goulding oft auf dünnem Eis gewandelt sein dürfte. Bezeichnenderweise gibt es auch keine Szene, in der Crawford und Garbo zusammen zu sehen sind, und Joan Crawford soll sich an ihrer Konkurrentin für deren erfolgreiches Beharren auf dem ersten Platz auf dem Filmplakat dadurch schadlos gehalten haben, daß sie zu den Dreharbeiten des öfteren zu spät kam und während der Pausen Schallplatten der von Greta Garbo verabscheuten Marlene Dietrich spielte.

Nur gut, daß es Goulding bei all diesen Schwierigkeiten gelungen ist, "Grand Hotel" zu Ende zu drehen, denn nicht zuletzt bietet er sowohl Garbo als auch Crawford eine gelungene Bühne für ihr schauspielerisches Können.
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0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut sehenswert, 5. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel [Blu-ray] (Blu-ray)
Beste Schauspielerin ist hier wohl Joan Crawford. Greta Garbo sticht natürlich ebenfalls hervor. Besonders beachtenswert ist die Doku über die Filmpremiere.
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3 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das Buch ist wesentlich besser, 24. März 2008
Von 
Stephan Seither (Berg / Rheinland-Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel (DVD)
Die handelnden Personen des Filmes werden von der ersten Sekunde an im Schnelldurchlauf vorgeführt - die ganz eigene Geschwindigkeit der Literaturvorlage hingegen ist wesentlich besser, die Autorin führt in ihrem Buch die einzelnen Personen geradezu behutsam ein - die Filmproduzenten scheinen hingegen getreu dem Motto: "Zeit ist Geld" gehandelt zu haben... - unter diesem unnötigen Schweinsgalopp leidet die Geschichte....

Die Bildqualität lässt keine Wünsche offen - der Ton wirkt hingegen an mancher Stelle dumpf, wie in Watte gepackt - die Handlung weicht an mancher Stelle leider zu sehr von der Literaturvorlage ab.

Unterm Strich hat mir das "Kopfkino" des Buches ganz einfach besser gefallen - bleiben 2 Sterne für einen wenig überzeugenden Film.
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Menschen im Hotel
Menschen im Hotel von Edmund Goulding (DVD - 2004)
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