Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musikalische Goldmine, 1. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Take This Hammer (Audio CD)
Schon die Geschichte, wie der große Leadbelly entdeckt wurde, liest sich wie eine erstklassige Räuberpistole: Die beiden Musikwissenschaftler John und Alan Lomax sammelten u.a. die Musik der schwarzen Amerikaner für die Library of Congress. Bei ihrer Suche stießen sie auf eine Goldmine der besonderen Art in Person von Huddie William Ledbetter, einen Tausendsassa, der alle möglichen Instrumente beherrschte (u.a. Akkordeon, Mandoline, Mundharmonika; am liebsten begleitete er sich aber auf der zwölfsaitigen Gitarre), und dessen Repertoire sich aus 1001 Quelle speiste: Er kannte die Worksongs der Plantagenarbeiter ebenso wie den "weißen" Hillbillie, auch die Musik der Rotlichtbezirke; er trat u.a. mit Musikern auf wie z.B. Blind Lemon Jefferson, The Golden Gate Quartet, Pete Seeger, Woody Guthrie, Sonny Terry, Brownie McGhee... und aus diesen und vielen weiteren Anregungen (und dann lernte er dazu noch die "weiße" Folkszene kennen, zu deren prominentesten Vertretern damals u.a. Pete Seeger, Woody Guthrie oder Lee Hayes gehörten) machte er eine ganz eigene Musik, aus der sich bis heute Blues und Country, Folk, Skiffle und Rap, usw. usw. bedienen.

Das Dumme war nur: Huddie Ledbetter, besser bekannt unter dem Namen Leadbelly, saß im Knast, und das nicht zum ersten Mal. Versuchter Raubmord, und das bei einem Wiederholungstäter, ist kein Pappenstiel... Irgendwie erreichten die beiden Lomax', dass Leadbelly begnadigt wurde; es entstanden zahllose Aufnahmen mit ihm, und liest man nur die Titel seiner Songs, dann begreift man, dass Blues, Folk, Rock und Country ohne Leadbelly nicht das wären, was sie sind: Rock Island Line, Goodnight Irene, Good Morning Blues, Gray Goose, John Henry, Alberta, Midnight Special, Alabama Bound, Take This Hammer, Black Betty, Matchbox Blues, Cottonfields, C.C. Rider... stammt alles von Leadbelly. Das und noch viel mehr.

Die vorliegende CD versammelt 20 der wichtigsten Songs des Großmeisters in bemerkenswert guter Tonqualität. Dass man mit einer CD unmöglich auch nur die bekanntesten Songs dieses Monolithen abdecken kann, sollte aber jedem klar sein.

Nicht nur Leadbellys Songs umfassen einen Großteil dessen, worin die Popmusik wurzelt -- auch seine Musik spiegelt ein riesiges Spektrum wider. Und genau das demonstriert diese CD aufs nachdrücklichste. Es geht gleich los mit dem ersten Song dieser CD, "Can't You Line'em": Leadbelly a capella im Wechsel mit einem auserlesenen Hintergrundchor (das Booklet macht keine Angaben, aber das Ganze klingt schwer nach Golden Gate Quartet) singt einen typischen Worksong mit allem, was dazugehört. Und so fulminant, wie dieser Parforce-Ritt durch die amerikanische Musik-Tradition beginnt, geht er auch weiter. Oft genug wurzelt ein einziger Song bereits in einem halb Dutzend Traditionen, und da muss man sich nimmer wundern, dass Leadbellys Songs später von Musikern der verschiedensten Richtungen gecovert wurden. Allein das a-capella-Original von "Rock Island Line" (kaum ein Rock'n'Roller ließ diese Steilvorlage unbeachtet) vereinigt Stilmerkmale von Spiritual, Großstadt-Blues und noch mehr -- und stellenweise nimmt nicht nur dieser Song Rap-Elemente vorweg und lässt Eminem oder Cypress Hill alt aussehen... Im Kontrast dazu klingt der nachmalige Country-Klassiker "Goodnight Irene" so, als sei Leadbelly bei den (weißen) Hinterwäldlern in den Appalachen aufgewachsen. Dann wieder: "Pick a Bale of Cotton" -- Hillbilly meets Spiritual. "Salty Dog" und "Tight like That" "gehen in eine ähnliche Richtung -- das klingt fast schon nach Hank Williams, ist jedenfalls genialer Bluegrass. Und "Black Girl" ist eine grandiose Blues-Ballade, mit vagen Anleihen bei "House of the Rising Sun", das Leadbelly genial weiter ausbaut. Wieder ganz anders gestrickt sind z.B. "Good Morning Blues" oder "TB Blues", wo sich Geschichtenerzählen immer fulminanter zum Talking Blues steigert... Ein echter Hammer ist auch "Take This Hammer", wo Leadbelly nicht nur singt und Gitarre spielt, sondern seinem Text auch noch fauchend Kontur verleiht -- so wie die Dampfmaschine den Rhythmus der Arbeit vorgab, so dominiert das rhythmische Fauchen hier den gesamten Song. Aber Leadbelly kennt nicht nur eine Art Talking Blues -- das beweist sein Stakkato-Sprechgesang zu atemlosen Gitarrenriffs in "Bourgeois Blues". Und z.B. mit "Alberta", "Tell Me Baby" oder "Midnight Special" reizt er so ziemlich alles aus, was man bei einem Blues ausreizen kann. Allein seine Rhythmuswechsel sind dermaßen ausgefuchst -- man höre sich zum Vergleich Zeitgenossen wie z.B. Sonny Boy Williamson an, die dagegen nachgerade handzahm klingen.

Kurz: Leadbelly kopiert nicht einfach die verschiedenen Musikstile, sondern er macht aus ihnen etwas ganz Neues, seinen eigenen Stil.

Jeder Song eine Entdeckung, die einen den Mund nimmer zukriegen lässt. Aber die echte Klasse von Leadbelly erkennt man daran, dass man kein historisches Interesse braucht, um von dieser Musik begeistert zu sein; jeder einzelne Song auf dieser CD ist zeitlos gut!

Fast möchte man glauben, sie stammen alle von Leadbelly ab, die Großen des Blues ebenso wie die Country-Haudegen und die Überväter und -mütter des Folk. Natürlich ist das übertrieben: Nicht nur, dass Leadbelly Vorgänger hatte, deren Anregungen aber auch erst einmal aufgegriffen werden wollten -- es lassen sich noch mehr "Godfathers of American Music" aufzählen. Aber ohne diesen ganz Großen wäre die Musik auf jeden Fall ärmer.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Take This Hammer
Take This Hammer von Leadbelly (Audio CD - 2014)
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen