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3,8 von 5 Sternen
Let It Be... Naked
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. September 2006
Letztendlich war Paul McCartney die treibende Kraft, die die Beatles Anfang Januar 1969 dazu anspornte ihr ehrgeiziges Livemusik/Film-Projekt (anfangs noch in den Londoner Twickenham Film Studios) in Angriff zu nehmen.

Die Musikaufnahmen gestalteten sich leider, durch die unpassende Umgebung und wegen interner Querellen, als äußerst beschwerlich und unproduktiv. So entschloß sich die Band am 20.Januar, die Aufnahmen in einer besseren Atmosphäre und unter Mitwirkung von Gastmusiker Billy Preston im Apple Studio in der Savile Row fortzusetzen.

Die Aufnahmen dieser Sessions gelangten schließlich in die Hände von Glyn Johns, der in mehreren Anläufen, gemeinsam mit Georg Martin versuchte, aus der Fülle von Material ein möglichst natürliches und unbehandeltes Album (das unveröffentlichte "Get Back"-Album) zu erstellen. Die Beatles waren mit den Ergebnisen jedoch nicht zufrieden, und so lag das Projekt zunächst auf Eis, denn in der Zwischenzeit begannen die Fab 4 mit den Arbeiten am nächsten Album "Abbey Road". (Kaum zu glauben, wie perfekt das folgende Album schließlich geworden ist !!)

Nach "Abbey Road" kam es, wie jedermann weiß, zur endgültigen Spaltung der Band, was neben persönlichen, finanziellen und musikalischen Differenzen auch daran lag, dass Lennon das unvollendete "Let It Be"-Material, hinter dem Rücken von McCartney, an Phil Spector weitergegeben hatte, um es schließlich doch noch fertigzustellen.

Immerhin ist es Spector gelungen, aus der Menge zweifelhaften Materials, ein hörbares und einigermaßen schlüssiges Album zu generieren, wenngleich seine hinzugefügten bombastischen Arrangements stets umstritten waren. Auch wenn Paul das Album in dieser nachbearbeiteten Form stets ablehnte, stellte es doch bis 2003 die einzig realisierte und historisch anerkannte Version von "Let It Be" dar.

Aufgrund der verkorksten Entstehungsgeschichte und der Tatsache, dass wir das damalige Zustandekommen des "Let It Be"-Projekts in erster Linie dem ambitionierten Tatendrang von McCartney zu verdanken haben, halte ich es für absolut legitim, wenn Macca uns (wenn auch äußerst spät) im Jahre 2003 seine Version des Albums präsentiert.

So stellt sich nun die simple Frage: Ist "Nacked..." ein besseres Album geworden als Spectors "Let It Be" ?
Ich meine ja, ohne Spectors damalige Leistung herabsetzen zu wollen !

Durch eine Veränderung der Titelfolge und das Hinzunehmen von Lennons "Don't Let Me Down" (Schade, dass dieser großartige Song nur als B-Seite der "Get Back"-Single verschwendet worden war), ist nun endlich ein homogenes und rundes Album entstanden, welches sich nun ohne Weiteres zwischen dem "Weißen Album" und "Abbey Road" einorden läßt. (Dort wo es chronologisch und stillistisch auch hingehört)

Mal ehrlich, die beiden Liedfragmente "Dig It" und "Maggie Mae", die auf "nacked..." entfernt wurden, waren schon seit je her entbehrlich und sind nur deshalb auf die Spector-Version gebracht worden, um den Eindruck von Authentizität und Liveatmosphäre beim Zuhörer zu erwecken.

Auch die Lässtereien Lennons sind der Neubearbeitung zum Opfer gefallen, dies stellt jedoch musikalisch absolut keinerlei Verlust dar. (Späte Genugtuung für Paul ?)

Was das Entspectorisieren der Songs betrifft, so hören sich natürlich "Across The Universe" und "The Long And Winding Road" in der Tat wesentlich simpler und weniger bombastisch an, als die auffrisierten Versionen. Der Genialität beider Songs schadet dies jedoch nicht im Geringsten. (Weniger kann manchmal völlig ausreichend sein !)

Bei anderen Songs wie z.B. "Let It Be" oder "I Me Mine" fällt der Unterschied wesentlich geringer aus.

Insgesamt ist der Sound nun sehr klar und transparent, außerdem besticht die CD durch ihre totale Rauschfreiheit. Von der warmen Ausstrahlung und der Patina der Spector-Version ist nichts mehr geblieben. Einige Fans wird dies wahrscheinlich schmerzen, mich hingegen kann die enorme Steigerung der Klangqualität durchaus begeistern !

Im Grunde handelt es sich bei "nacked..." um ein gut gemachtes Studioalbum statt um den zweifelhaften Versuch der Dokumentation des urprünglichen Live-Gedankens.

Genau hier offenbarte Phill Spectors Version ihre entscheidende Schwäche ! Denn einerseits wurden einige Songs mit Studiobombast aufgepeppt und andererseits wollte man uns mit diesem Album glaubenmachen, die authentische Liveatmosphäre der Beatles musikalisch dokumentieren zu können.

Letztendlich kann nun jeder interessierte Beatlesfan selber entscheiden, welcher Version er den Vorzug geben will. Für mich persönlich bleibt die altbekannte Spector-Version ein Teil meiner Jugend, dennoch empfinde ich die nackte Version als runder, schlüssiger und spürbar authentischer.

Mein Fazit:

Den Besitzern des Spector-Albums drängt sich der zusätzliche Kauf von "naked ..." nur dann auf, wenn sie besonderes Interesse an der Beatles-Historie besitzen oder Wert auf gute Klangqualität legen. Für Neulinge jedoch stellt "naked ..." in der Tat die bessere Wahl dar !!
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Dezember 2003
"Let It Be.. Naked" räumt mit zwei Mythen gründlich auf: "Let It Be" sei nicht die beste Platte der Beatles, und Phil Spector habe mit seiner abschließenden Produktion die Platte hoffnungslos verkitscht.
Was ist im Vergleich mit der Originalversion passiert? Die Reihenfolge der Stücke wurde gründlich umgestellt. Die beiden Lennon-Fragmente "Dig It" und "Maggie Mae" sind zurecht verschwunden, dafür ist das wohlbekannte "Don't Let Me Down" hinzu gekommen. Vor allem aber wurde die ganze Platte von den Originalbändern neu produziert.
Phil Spectors gesamte Arbeit wurde eliminiert, indem sie neu gemacht wurde. Das fällt besonders bei den langsamen Stücken auf: Die Geigen und Hintergrundchöre bei "The Long And Winding Road" und "Across The Universe" fehlen; "Let It Be" hat seine Chöre behalten, klingt aber deutlich klarer und direkter, genauso wie der ganze Rest der Platte.
Und bei aller Neuproduktion wird schlagartig klar: Es sind waren immer die Songs, die "Let It Be" zu einer großen Platte gemacht haben - nicht die Produktion! Die Beatles erbringen zum ungezählten Mal den Beweis, die besten Songwriter in der Pop-Geschichte gewesen zu sein, und Phil Spector darf sich zugute halten, dass er mit seiner Original-Produktion nun wirklich nicht so daneben lag, wie ihm immer nachgesagt wurde. Der Unterschied zwischen alten und neuen Versionen verschwimmt zu schnell, als dass Spectors Produktion jemals ein Fremdkörper gewesen sein könnte.
"Let It Be... Naked" ist eine Veröffentlichung für echte Fans: Die finden nämlich eine Gelegenheit, eine große Platte mit frischen Ohren zu hören und sich ihr eigenes Bild von der notorischen Spector-Kitsch-Legende zu machen.
Kleiner Tipp zum Schluss: Die Studioaufnahmen der Zusatz-CD sind auf der offiziellen Website der Beatles viel besser aufbereitet und zudem noch von Paul McCartney und Ringo Starr kommentiert - wenn sie auch nicht so umfangreich sind.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Im Januar '69, während das "Weiße Album" noch an der Spitze der Charts stand, trafen sich die Beatles zu erneuten Plattenaufnahmen unter dem Arbeitstitel "Get back". Nicht zuletzt auf Lennons Anregung hin, der von den ewig langen Sessions zu "Sgt. Pepper" und zum "Weißen Album" abgenervt war, standen diese diesmal unter der Prämisse: Alles wird live aufgenommen, keine Overdubs oder Studiotricksereien wie Edits etc. - "warts and all".

Nun hatten aber die bereits ein Jahr zuvor einsetzenden Risse im Bandgefüge ein Ausmaß angenommen, das sich - zumal die Beatles auch noch permanent für den geplanten begleitend entstehenden Film unter Kamerabeobachtung standen - einfach nicht mehr verbergen ließ und sich auch deutlich in stundenlangem lustlosen Rumjammen niederschlug. Immerhin bekamen die Beatles dabei trotz allem genügend hochwertige Aufnahmen für ein ganzes Album hin. Die beiden Erstversionen, die Glyn Johns den Beatles getreu ihren eigenen Vorgaben vorlegte, klangen eher wie die Bootlegs, die sie in den Folgejahren wurden, sie waren ihnen dann doch zu roh, und man verlor erstmal das Interesse an dem Projekt. Als klar war, dass die Aufnahmen für den anstehenden Film "Let it be" doch erscheinen sollten, beauftragten Lennon und Harrison Phil Spector, sich der Bänder anzunehmen.

Spector traf einige eigenmächtige Entscheidungen: er verlängerte I me mine und Let it be durch Schnitte und entfernte die Zeile "all I want is you" am Anfang und Ende von Dig a Pony, versah The long and winding Road, Across the Universe und I me mine mit üppigen Chor- und Orchester-Overdubs, zudem löschte er hierfür eine von zwei Gesangsspuren auf The long and winding Road, womit er das ursprüngliche Album-Konzept "verriet"; man muß ihm aber zugute halten, dass die Beatles mit ihren Overdubs selbst vom ursprünglichen Konzept abgewichen waren und dieser Mix größtenteils von ihnen selber abgesegnet wurde, und sogar Lennon war erleichtert, dass Spector die Aufnahmen so aufpoliert hatte, dass Glyn Johns' Fassungen nicht offiziell erschienen. Zudem finde ich The long and winding Road auch nicht stärker überorchestriert als Good Night auf dem "Weißen Album". Lennon und Harrison waren offenbar von Spectors Arbeit so überzeugt, dass beide ihn für weitere Soloalben engagierten, und seien wir ehrlich - eins meiner Lieblingsalben, Harrisons "All Things must pass", ist von Spector hemmungslos über-koproduziert, ähnlich wie Across the Universe und stärker als I me mine, und wir lieben es trotzdem!

McCartney beschwerte sich später, die üppige Überorchestrierung von The long and winding Road sei ohne sein Wissen vorgenommen und veröffentlicht worden, und führte sie vor Gericht als "Trennungsgrund" mit an. Wenn er übergangen wurde, ist das bestimmt ärgerlich und sprach für die mangelnde Kommunikation innerhalb der Band; ich fand jedoch immer grotesk, dass er Geschmacksgründe geltend machte angesichts der zahlreichen Geschmacksverirrungen auf seinen Wings- u. Soloalben in den folgenden Jahrzehnten (vgl. z.B. We all stand together von 1984), und auch die verschiedenen Versionen, die er von The long and winding Road über die Jahre präsentierte, waren beileibe nicht immer kitschfrei.

Die Idee, "Let it be" als "Naked"-Version, also gewissermaßen "entschlackt", wiederzuveröffentlichen, war also nicht ohne Reiz. Die Unmotiviertheit, die die Beatles während der Aufnahmen an den Tag legten, scheint sich aber auf die Produzenten übertragen zu haben. Das fängt damit an, dass das Booklet, obwohl üppig, keinerlei Angaben zu den verwendeten Aufnahmen (Aufnahmedatum, Take-Nr. etc.) macht. Laut John Robertsons & Patrick Humphries' "Complete Guide to their Music" lauten diese:

1. Get back (28.1.'69)
2. Dig a Pony (Rooftop Version) (30.1.'69)
3. For you blue (Take 6, 25.1.'69; Vocal Overdub 8.1.'70)
4. The long and winding Road (Take 19, 31.1.'69)
5. Two of us (Take 12, 31.1.'69)
6. I've got a Feeling (Edit of Rooftop Versions 1 & 2) (30.1.'69)
7. One after 909 (Rooftop Version) (30.1.'69)
8. Don't let me down (Edit of Rooftop Versions 1 & 2) (30.1.'69)
9. I me mine (Take 16, 3.1.'70)
10. Across the Universe (Take 7, 4.2.'68)
11. Let it be (Edit of Takes 27A & B, 31.1.'69, Backing Vocal Overdubs 4.1.'70)

Natürlich zeigten sich Ringo und Paul erfreut (angesichts der Tantiemen hätten sie auch schwerlich meckern können); unklar blieb jedoch, warum dieser Remix überhaupt erschien und warum grade jetzt. Jemand schrieb, dank der digitalen Möglichkeiten habe man nun das Gefühl, man stehe mit den Beatles im Proberaum. Die Bänder wurden aber derart "trocken" abgemischt, dass ich eher den Eindruck habe, direkt vorm Mikro zu stehen, und das ist mir dann doch zu nah - jede Band benutzt im Proberaum zumindest etwas Hall.

Die Ansageschnipsel wegzulassen, die Spector teils willkürlich eingefügt hatte, um den Eindruck von Liveaufnahmen zu unterstreichen, war konsequent, aber unnötig - sie fehlen einfach. (Die schlecht produzierte Bonus-CD "Fly on the Wall" ist da kein Ersatz.) Konsequent auch die Entscheidung, bei Get back den Schlussteil (bekannt von der Singleversion) wegzulassen, der von einem anderen Take stammt. Unverständlich dagegen, warum Two of us und Across the Universe früher ausgeblendet werden mussten; und der Halleffekt, der am Ende von Across the Universe auftaucht, klingt eher nach digitaler Spielerei 2003 denn nach einem analogen Studioeffekt von '68. Immerhin läuft der Song hier zum ersten Mal in seiner Originalgeschwindigkeit - für die "Wildlife"-Version hatte George Martin das Tempo angezogen, Spector es für "Let it be" stark herabgesetzt. Bei For you blue durchläuft Georges Akustikgitarre - wie auch auf den einschlägigen Bootlegs - endlich wieder den ganzen Song, während sie auf "Let it be" nach dem Intro ausgeblendet worden war.

Don't let me down musste natürlich mit drauf, klar; Maggie Mae und Dig it wegzulassen, war ebenfalls nicht nötig, schließlich unterstrichen auch sie das ursprüngliche "Live"-Konzept. Ich hätte es auch konsequenter gefunden, von Dig a Pony und I me mine nicht die von Spector umgeschnittenen Versionen zu verwenden; hier waren eindeutig die Takes auf "Anthology 3" näher am Originalkonzept, wo I me mine und The long and winding Road ja auch bereits ohne Overdubs zu hören waren.

Dazu kommt, dass ich das originale "Let it be"-Album immer mochte (das "Weiße Album" ist qualitativ ebenfalls durchwachsen und dennoch populär) und einige der neuen Remixes mich nicht sooo umhauen... da hat mir "Love" (2006) dann wieder mehr Spaß gemacht. Ich freue mich immer, wenn etwas von den Beatles erscheint; im Falle von "Naked" hätte es aber deutlich mehr sein dürfen als 11 Songs in 35 Minuten Spielzeit. Für die relativ belanglose 21-minütige "Fly on the Wall"-Doku einen zweiten Silberling zu verschwenden, ist ärgerlich, das hätte locker noch hinten dran gepasst, und jeder CD-Spieler hat eine Stop-Taste.- Schade nebenbei, dass sich Hoffnungen nicht bewahrheiteten, "Let it be" könne begleitend endlich auf DVD erscheinen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Februar 2008
Bei keinem Beatles-Album hat die Entstehung so lang gedauert wie bei "Let It Be". Genau 15 Monate nachdem die Beatles sich in den Twickenham-Studios einfanden, um zunächst nur für ein angedachtes Live-Konzert zu proben, hat Phil Spector am 02.04.1970 dem Album den letzten Schliff verpasst. Zwischendurch wurde gar noch das Album "Abbey Road" produziert und im September 1969 veröffentlicht. "Let It Be ...Naked" ist nach mehr als 33 Jahren der leider nicht ganz geglückte Versuch, die "Let It Be"-Songs auch endlich "offiziell" (es existiert ja eine Vielzahl von teilweise erstklassigen Bootlegs!) so zu präsentieren, wie es die Beatles angeblich ursprünglich gewollt hatten. Ende Mai 1969 bzw. Anfang 1970 wurden von Glyn Johns bekanntlich zwei Versionen des ursprünglich "Get Back" betitelten Albums zusammengestellt, diese beiden, von den Beatles abgelehnten "Get Back"-Versionen hatten jedenfalls, wie den diversen einschlägigen Quellen zu entnehmen, ein anderes Tracklisting als "Let It Be...Naked". Damit hätte man den Beatles-Fans vielleicht eine größere Freude gemacht als mit dieser doch leider etwas halbherzigen Veröffentlichung! Die aus diversen Schnipseln zusammengetüftelte Bonus-CD, auf der u.a. auch sekundenlange Ausschnitte von späteren Solosongs wie "All Things Must Pass" oder "Jealous Guy" zu hören sind, hat nach einmaligem Hören eher dokumentarischen Wert. Fünf Sterne trotzdem, weil es halt die Beatles sind und die hier wirklich nicht ihre schlechtesten Songs abgeliefert haben!
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Als ich mir im Jahre 1995 von meinen Eltern für mein bestandenes Abitur etwas wünschen durfte, war meine Antwort eindeutig: Alle 13 offiziellen Beatles-Alben auf CD, plus die beiden "Past Masters"-Collections. Als dann der große Tag kam und das (nicht minder große) Paket vor mir lag, hörte ich mir sämtliche Scheiben an einem Tag durch und verstand mehr und mehr, daß sich mit dieser Gruppe ein Universum von Spontaneität, Kreativität und Melodiegefühl auftat. Am meisten beeindruckte mich die absolute Logik ihrer Entwicklung, welche nur durch das etwas verquere "Let it be" am Schluß gestört zu sein schien.
Im Laufe der Jahre hat sich freilich auch das geändert. Durch die "Anthology"-Serien erfuhr ich, daß "Let it be" ein halbes Jahr vor dem rockig-symphonischen "Abbey Road" entstand und nur in der Chronologie der Veröffentlichungen den Schlußakkord bildet. Dennoch ist das Gefühl einer Verfälschtheit nicht wegzuleugnen, trotz großartiger Kompositionen, da die Orchesterbearbeitung Phil Spectors sich mit dem Prinzip der Live-Aufführung beißt, für die das Projekt ursprünglich stand und das sich ja auch in den Gesprächsfetzen vor und hinter den Stücken zeigt. "Let it be" - in der Spector-Fassung - klingt eben nach dem, was es ist: Ein wildfremder Produzent bekommt eine Reihe "liegengelassener" Aufnahmen in die Hand gedrückt und macht daraus etwas Eigenes - ein eigenes Konzept, eine eigene musikalische Interpretation.
Das 2003 veröffentlichte "Let it be... naked" ist mehr als einmal als Geldschneiderei bezeichnet worden, wohl da es nicht identisch mit der im Frühjahr 1969 vorbereiteten, von Glyn Johns produzierten Version des Albums (damals noch unter dem Titel "Get Back") ist: Dieses enthielt noch mehr Gesprächsfetzen als die Spector-Fassung, nahm die bluesigeren Songs in die erste Hälfte, während die zweite aus akkustischen Stücken (wie "Two of Us") bestand, die durch zwei Klavierballaden (u.a. einem unorchestriertem "Long and Winding Road") ergänzt wurden. Fest steht jedoch, daß auch dieses Konzept nie das letztgültige war, noch von den Beatles selbst abgelehnt wurde, so daß sich auch der strengste Kritiker bezüglich "Let it Be" allmählich einer traurigen Einsicht beugen sollte: Es gab nie ein Konzept, zumindest keines, mit dem alle vier Beatles einverstanden gewesen wären (was sicherlich auch mit zur Trennung führte).
Genau dies macht "Let it be... naked" letztlich sinnvoll. Die Songanordnung entspricht einer rein praktischen Ordnung, ohne die Schnörkel einer offensichtlichen Nachbearbeitung (weswegen auch "Dig It" und "Maggie Mae" wegfallen mußten). Die Arrangements sind jetzt schlank, führen also die Entwicklung des "Weißen" Albums weiter, das bereits auf große Produktionstechniken verzichtete, so daß erst bei "Abbey Road" das Bombast-Prinzip wieder einsetzte (und zwar dort, wo es hingehörte, nämlich beim 16-minütigen Abschlußmedley). "Let it be... naked" bringt uns demnach genau jenen Sound wieder, den die Beatles ZWISCHEN diesen beiden Alben produzierten, und allein dies macht diese Veröffentlichung sinnvoll (und vor allem authentisch).
Heute würde ich jedem, der in das Beatles-Phänomen neu einsteigt, empfehlen, zuerst "Let it be... naked" zu kaufen und es zwischen "White Album" und "Abbey Road" zu hören, damit ihm der akkustische Stilbruch erspart bleibt, den ich seinerzeit erleben mußte. Wem die Gruppe gefällt (und das wird sie!), der kann (und sollte) sich immer noch die Spector-Fassung zum Vergleich besorgen, genau wie die anderen eher "ergänzenden" Platten, also "Live at the BBC" sowie die "Anthology"-Trilogie.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Mai 2005
Nachdem ich mir so einige Rezensionen durchgelesen habe, habe ich mir vorgenommen, eine Rezension zu schreiben, die dieser Veröffentlichung gerecht wird.
Was sofort auffällt, sobald sich die Disc im Player dreht, ist der gegenüber der ursprünglichen CD-Version signifikant verbesserte Klang, ein Faktum, das die Frage aufwirft, warum die Beatles-Klassiker nicht endlich remastert werden.
Die Stücke unterscheiden sich m.E. nicht so deutlich von den Originalen, dass hier insgesamt gesehen eine unterschiedliche Bewertung gerechtfertigt wäre, wobei ich mich frage, was der Verzicht auf das herausragende Gitarrensolo von George Harrison im Titelstück mit "Entspectorisierung" zu tun hat. Im Gegensatz dazu finde ich "The long and winding road" jetzt in dieser Version (nur mit Klavierbegleitung) doch um einiges erträglicher. "Across the universe" ist und bleibt eine der besten Nummern dieses Albums, egal ob in der bekannten oder dieser rohen Akustikversion. Bei sämtlichen anderen Nummern denke ich nicht, dass sie besonders zum Vorteil bzw. Nachteil verändert wurden.
Ausserdem denke ich, dass das hier zur Verfügung stehende Songmaterial grösstenteils nicht zum Besten der Beatles gehört - gerade der Vergleich mit dem im gleichen Jahr (1969) entstandenen "Abbey Road"-Album macht das mehr als deutlich -aber knappe 4 Sterne ist diese CD allemal wert, egal was man von der Bonus-CD hält.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Februar 2008
Bei keinem Beatles-Album hat die Entstehung so lang gedauert wie bei "Let It Be". Genau 15 Monate nachdem die Beatles sich in den Twickenham-Studios einfanden, um zunächst nur für ein angedachtes Live-Konzert zu proben, hat Phil Spector am 02.04.1970 dem Album den letzten Schliff verpasst. Zwischendurch wurde gar noch das Album "Abbey Road" produziert und im September 1969 veröffentlicht. "Let It Be ...Naked" ist nach mehr als 33 Jahren der leider nicht ganz geglückte Versuch, die "Let It Be"-Songs auch endlich "offiziell" (es existiert ja eine Vielzahl von teilweise erstklassigen Bootlegs!) so zu präsentieren, wie es die Beatles angeblich ursprünglich gewollt hatten. Ende Mai 1969 bzw. Anfang 1970 wurden von Glyn Johns bekanntlich zwei Versionen des ursprünglich "Get Back" betitelten Albums zusammengestellt, diese beiden, von den Beatles abgelehnten "Get Back"-Versionen hatten jedenfalls, wie den diversen einschlägigen Quellen zu entnehmen, ein anderes Tracklisting als "Let It Be...Naked". Damit hätte man den Beatles-Fans vielleicht eine größere Freude gemacht als mit dieser doch leider etwas halbherzigen Veröffentlichung! Die aus diversen Schnipseln zusammengetüftelte Bonus-CD, auf der u.a. auch sekundenlange Ausschnitte von späteren Solosongs wie "All Things Must Pass" oder "Jealous Guy" zu hören sind, hat nach einmaligem Hören eher dokumentarischen Wert. Fünf Sterne trotzdem, weil es halt die Beatles sind und die hier wirklich nicht ihre schlechtesten Songs abgeliefert haben!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. November 2003
Zur Entstehung dieser Platte ist an anderer Stelle genug gesagt worden. Die Musik entstand in einer Zeit der Lustlosigkeit, was besonders Lennon und Harrison anzumerken ist. Lennons Beiträge werden von Fachleuten sogar oft als "Sabotage" bezeichnet (man achte auf sein Bassspiel auf "The Long and Winding Road"), Harrison steckte seine Kreativität in Soloprojekte und Begegnungen mit Dylan und Co. Ringo Starr ist und bleibt ein guter Rockdrummer - so auch auf diesen Stücken.
Gelungen an dieser CD ist der Neumix der bekannten Stücke aus der Endphase der legendären Vier aus Liverpool.
Nie klangen "Dig A Pony", "Two Of Us" oder selbst "For You Blue" direkter und frischer.
Nur - bis auf den Mix wird nicht wirklich neues geboten (Selbstvertändlich auch kein "Imagine". Das Stück entstand, als die Beatles längst nur noch über Anwälte miteinander kommunizierten). Der Beatles-Fan kennt alle Versionen der Takes zu Genüge aus der Anthology-Serie und den "Get Back"-Bootlegs.
Wirklich daneben ist meiner Meinung nach der Titel des Albums und das Versprechen, die Lieder "nackt", also ohne Overdubs und Tricks zu präsentieren.
"I Me Mine" ist nach wie vor zusammengestückelt und mit mindestens drei Gitarren versehen (eingespielt wurde das Lied ein Jahr nach den Sessions ohne Lennon!), "Across The Universe" wurde zwar von Balast befreit, gehört aber streng genommen eher in die "White Album" Phase.
Wie schon Phil Spector und Glynn Johns mussten die drei heutigen Produzenten letztendlich an der Aufgabe scheitern, aus mehreren Stunden uninspirierten musizierens wenigstens eine halbe Stunde Material zusammenzubasteln, dass dem Qualitätsstandard der Beatles gerecht wird.
Für Fans interessant - der junge Einsteiger ist mit "1" sicher besser bedient.
Ich wünsche mir einen Remix von George Martin von Sgt. Pepper. Das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. November 2003
Das Projekt "The Beatles" meldet sich nach über drei Jahrzehnten mit "neuaufgelegtem Studioalbum" zurück.
Knapp 35 Jahre ist es her, daß die Beatles ins Studio gingen, um ein Album aufzunehmen, von dem wir heute wissen, daß daraus die letzte reguläre Veröffentlichung entstand. Zunächst hieß die Platte "Get Back", dann "Let it be". Drei Produzenten versuchten sich nacheinander an der Sache - mittendrin die Beatles, die sich dabei haben filmen lassen und den Dingen schlußendlich ihren Gang gehen ließen. Nun erscheint die Neuauflage unter dem Titel "Let it be ... naked", von der die verbliebenen Gruppenmitglieder behaupten, es genauso konzipiert zu haben - ohne eine "Wall of Sound" aus Chören, Geigen und Bläsern. Angesichts der Entstehungsgeschichte dieses Albums ist das ein wenig in Zweifel zu ziehen - genauso wie die historischen Maßstäbe vieler Fans. Wir haben es hier mit einem der kontroversesten Produktionen der Beatles zu tun - nicht einfach, allen Ansprüchen gerecht zu werden.
Eines scheint klar: "Let it be ... naked" ist nicht "Get back". Das neue Album liefert auch nicht den Schlüssel zu unzähligem Material, das hinlängig von Bootlegs bekannt ist.
"Let it be ... naked" ist vielmehr Beweis dafür, daß die Beatles im Jahr 2003 angekommen sind. Vergleicht man die Scheibe mit den Veröffentlichungen zeitgenössischer "Brit-Popper", wie Williams, Radiohead, Weller, Travis, dann liegt uns ein verdammt gutes Album vor. Es klingt frisch. Der Sound ist klar und differenziert - eben zeitgemäß produziert. Das Album besticht durch seine Songauswahl - rockig, groovig und sentimental. Das ist der Gefühlsbogen, den die elf Stücke in 35 Minuten ziehen.
Eigentlich sind nur Highlights auf der Platte, wie z. B. "I me mine" oder "Don't let me down". Besonders stark ist auch "The Long and Winding Road", dessen Vorgängerversion in ihrer überaus getragenen Art und Weise den "ewigen" Dornröschen-Schlaf der Beatles einzuläuten schien. "Let it be ... naked" hat "The Beatles" nach fast zwei Jahren erneuter Produktionsarbeit wachgeküßt.
Umfragen bestätigen es - die Gruppe ist wieder "in" - besonders bei jungen Leuten. Doch es ist ein wenig Vorsicht geboten. Das Projekt steht heute mehr noch wie damals stark unter dem Einfluß von Paul McCartney. Das ist per se kein Problem. Aber gerade jungen Leuten, welche die Beatles nach "Let it be ... naked" für sich entdecken, sei gesagt: "Wenn ihr die gesamte musikalische Vielfalt von John Lennon, George Harrison, Ringo Starr und Paul McCartney erleben wollt, dann hört euch zudem die Alben 'Revolver', 'Sgt. Pepper' und das 'Weiße Album' an."
Fazit
Moderne Produktion. Absolut gute Musik. Cooles Artwork, leider fehlen Details zu den Songs. Die Bonus-CD mit Sound-Bits von den Proben läßt leider mehr Wünsche offen, als das welche erfüllt werden - schade. Trotzdem, das Konzept dieses Albums und seine Realisierung ist "outstanding" und hat
5 von 5 Sternen
verdient.
Viel Spaß beim Hören,
Sven Solterbeck.
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61 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 26. Oktober 2003
Es war ein kalter Januartag im Jahre 1972, als mich mein Bruder vor einem englischen Kino am Stadtrand Hannovers absetzte, um dann mit quietschenden Reifen im Wagen unseres Vaters wieder abzubrausen. Das Kopfschütteln der Leute vor dem Kino war mir zwar peinlich, aber ich wollte mir an diesem Abend unbedingt den neuesten Beatles-Film "Let It Be" ansehen. Obwohl der eigentlich verpönt war! Deep Purple, Uriah Heep und Led Zeppelin hießen die angesagten Bands!
Gut 34 Jahre nach Beginn des unseligen, vorletzten Beatles-Projektes (damals hieß es noch "Get Back") ist ein neuerlicher Anlauf unternommen worden, das Originalmaterial technisch und musikalisch aufzubereiten und einem immer noch beatles-begeisterten Publikum zu präsentieren. 1970 hatte es bereits drei Versuche gegeben. Die beiden Mischungen des Toningenieurs Glyn Jones gefielen den Beatles nicht. Schließlich beauftragte John Lennon den amerikanischen Top-Produzenten Phil Spector, sein Glück zu versuchen. Das Ergebnis ist hinreichend bekannt, denn es wurde als letztes Beatles-Album veröffentlicht. Seither jammert vor allem Paul McCartney über den ärgerlichen Zuckerguss, den Spector u.a. seinem melancholischen "The Long And Winding Road" angedeihen ließ.
Damit soll jetzt Schluß sein! Allan Rouse, ein Mitarbeiter der Abbey-Road-Studios, erhielt ganz offiziell 32 Bänder mit Tonmaterial der Get-Back-Sessions, um daraus endlich ein adäquates Album zu zaubern. Das Resultat gefiel McCartney auf Anhieb. Deshalb dürfen wir es nun auch hören.
Ausgangsmaterial waren ausschließlich die originalen Achtspurbänder; die Bemühungen von Spector und Glyn Jones - letztere sind als Bootlegs schon lange im Umlauf - blieben unberücksichtigt. Die Titelreihenfolge und -auswahl des 35-Minuten-Werkes wurde völlig überarbeitet. Deswegen fehlen die Stücke "Dig It" und "Maggie Mae" eben einfach, hinzugekommen ist "Don't Let Me Down", seinerzeit zur Single-B-Seite degradiert.
Daneben gibt es viele weitere Besonderheiten. Getreu der Intention des Projektes wurde bei dieser völligen Neumischung auf Overdubs und sonstige nachträglichen Verzierungen tunlichst verzichtet. Die Beatles wollten sich seinerzeit als gestandene Rock'n'Roll-Band präsentieren - so wie zu Beginn ihrer atemberaubenden Karriere. Die technischen Tricksereien seit "Rubber Soul" sollten unterbleiben. Dafür hat Allan Rouse jetzt gesorgt. Seine Mischung klingt ehrlich, und sie spiegelt den seit dem Weißen Album beschrittenen Rückbesinnungs- und Trennungsprozeß der Gruppe wider.
Bemerkenswert sind u.a. die jetzt vorgelegten Versionen von "Across The Universe" und "The Long And Winding Road". Erstgenannter Lennon-Titel wurde bereits im Februar 1968 aufgenommen und könnte in seinem neuen, minimalisierten Klanggewand als Nachfolge-Ballade von "Julia" (auf dem Weißen Album) durchgehen. Und Pauls Lied über die lange und zugige Straße wurde aus demselben Material gemischt, das schon im Film zu sehen und zu hören war - mit John Lennon am Baß.
Diese CD beinhaltet keine einzige "neue" (d.h. unveröffentlichte) Komposition. Von daher dürfte sie sich vor allem an gestandene Fans richten. Oder wen sonst könnte es wohl interessieren, was die Beatles vor über 34 Jahren wirklich im Sinn hatten? Schon die Anthology hat gezeigt, daß nicht nur eine Handvoll Sonderlinge pop-archäologisch verführbar sind. Auch diese Platte wird ihren Weg in die Charts machen, da bin ich mir sicher.
Nachtrag: Wie ich soeben lese, soll Lennons "Imagine" auf dieser CD sein, wobei ausdrücklich betont wird, daß alle vier Beatles an der Aufnahme beteiligt gewesen sein sollen. Also ehrlich: Wer das behauptet, ist entweder ein schlampiger Recherchierer, ein Sensationsreporter oder was auch immer - niemals aber ein Beatles-Kenner. Denn sämtliche Mehrspurbänder aller Beatles-Sessions wurden vor vielen Jahren lückenlos von Mark Lewisohn dokumentiert, und als Bootleg-CDs gibt es längst alle Tonfetzen aus den Get-Back-Sessions: "Imagine" ist definitiv niemals von den Beatles gemeinsam geprobt oder gespielt worden. Aber Achtung: Es gibt ein Stück auf der Bonus-CD, das heißt "John's Piano Piece". Sollte es sich dabei um einen Prototypen von "Imagine" handeln? Andererseits gibt es auch "Paul's Piano Piece" - ist das vielleicht eine Frühversion von "Mull Of Kintyre"? Was soll dieser Blödsinn?
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