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5.0 von 5 Sternen Sternstunde der Tristan-Diskographie
Selten, sehr selten, aber eben doch hin und wieder geschieht es, dass ein ideales Tristan-und-Isolden-Paar zusammen trifft: so Kirsten Flagstad und Lauritz Melchior, Gertrude Grob-Prandl und Max Lorenz, Birgit Nilsson und Jon Vickers, oder eben Martha Mödl und Ramón Vinay. Leider aber traf sich bis dato noch nie ein solches Traumpaar vor Studio-Mikrophonen,...
Veröffentlicht am 12. Januar 2004 von Claus Brunner

versus
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dürftige Klangtechnik beeinträchtigt stark
Ich habe diese Gesamtaufnahme im Hinblick auf gute Rezensionen hier und auch an anderen Stellen mit großen Erwartungen bestellt. Bereits nach wenigen Minuten machte sich aber Ernüchterung breit. Man muss es deutlich sagen: die Klangtechnik ist dürftig, auch unter Berücksichtigung, dass es sich um eine Aufnahme aus dem Jahr 1952 handelt. Die...
Veröffentlicht am 18. November 2009 von Manfred Schmitt


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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sternstunde der Tristan-Diskographie, 12. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
Selten, sehr selten, aber eben doch hin und wieder geschieht es, dass ein ideales Tristan-und-Isolden-Paar zusammen trifft: so Kirsten Flagstad und Lauritz Melchior, Gertrude Grob-Prandl und Max Lorenz, Birgit Nilsson und Jon Vickers, oder eben Martha Mödl und Ramón Vinay. Leider aber traf sich bis dato noch nie ein solches Traumpaar vor Studio-Mikrophonen, sodass man auf diverse Live-Aufnahmen zurückgreifen muss, und diese sind - wie so oft - von unterschiedlicher technischer Qualität, haben jedoch den Vorteil, dass sie zumeist viel mehr Theateratmosphäre vermitteln als - leider häufig - sterile Studioproduktionen. Dieser Mitschnitt einer mittlerweile legendären Bayreuther Aufführung, der ersten dieses Werkes nach dem Krieg, ist dabei von erstaunlicher guter Klangqualität (Mono!).
Herbert von Karajan gibt hier seine dichteste und packendste Wagner-Deutung und die Protagonisten - allen voran Martha Mödl - singen mit großem Engagement. Dass die Wahl des Tristan auf den Chilenen Vinay traf, war damals eine kleine Sensation, stand doch noch eine stattliche Anzahl erprobter Wagner-Recken aus dem deutschsprachigen Raum zur Verfügung. Auch die Wahl Martha Mödls als Isolde war ein kleines Wagnis. Beide waren so gänzlich anders als alles bisher in Sachen Tristan auf dem „grünen Hügel" gehörte und gesehene. Ihr Bühnenspiel soll von zwingender Intensität gewesen sein, ihr Gesang ist es nachhörbar nicht minder. Dabei ist beider Timbre doch gewöhnungsbedürftig. Die Stimmen sind dunkel getönt, mit ausgesprochener Mezzo-bzw. Baritoncharakteristik, eher bronzefarben und von erdigem Klang, und sie harmonieren perfekt. Doch anders als ihr großes Vorgängerpaar Flagstad/Melchior bekamen sie recht bald Probleme mit den höher liegenden Passagen dieses Werkes. Hier aber ist noch nichts davon zu hören und selbst die gefürchteten hohen C zu Beginn des Liebesduetts singt Mödl sicher und energiegeladen. Überhaupt singt sie die Partie sehr suggestiv, mit manchmal geradezu rasender Heftigkeit, während Tristans Ausbrüche im dritten Aufzug vielleicht Jon Vickers intensiver gestaltet hat und Lauritz Melchior durch unangestrengtes, facettenreiches Singen triumphiert, aber Ramón Vinay ist endlich einmal der niedergestreckte Hüne, der sich einem verletzten Löwen gleich mit furchterregendem Gebrüll gegen den eigenen Untergang auch da vokal zu stemmen vermag, wo so viele Tristane dem Stimmtod entgegen röcheln. Mich beeindruckt das, aber es ist sicher nicht „everybody's cup of tea".
Ira Malaniuk und vor allem Hans Hotter singen kompetent und mit Leidenschaft, sodass sich alles zu einer außergewöhnlichen Aufführung rundet, bei der die Glanzlichter die Partnerschaft Mödl/Vinay und das Dirigat Karajans bilden
Ein Muss für jeden der gerne einen elektrisierenden Theaterabend nacherleben möchte, wer aber auf der Suche nach dem puren, sich selbst genügenden Wohlklang ist, der lasse eher Hände und Ohren davon.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dunkle Glut, 11. Juni 2011
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
Auch wenn Karajan den Tristan 1972 mit einer teilweise hervorragenden Besetzung (u. a. Jon Vickers als einem der besten Tristane aller Zeiten sowie Ludwig, Berry, Ridderbusch, Schreier) im Studio aufgenommen hat, ziehe ich diesen Live-Mitschnitt von den Bayreuther Festspielen 1952 vor, halte ihn für spannender, inspirierter und insgesamt bedeutender:

Das liegt vor allem an Karajan selbst, der hier nicht nur um einiges flotter (wenn auch objektiv immer noch recht getragen) dirigiert, sondern vor allem mit großem Temperament und Spannung, mit der er offenbar auch die Sänger zu einer enorm intensiven Aufführung inspiriert hat, die akustisch quasi in dunkelrotes Licht getaucht ist.

Dies gilt vor allem für Martha Mödls Isolde, auch wenn ihre Stimme etwas gewöhnungsbedürftig ist, weil sie nicht leicht anspringt, sondern insbesondere oberhalb der Mittellage immer mit einem gewissen Druck zum Klingen gebracht werden muss. Hohe Töne werden grundsätzlich von unten hochgezogen, was teilweise etwas enervierend wirkt. Die ursprüngliche Altistin Mödl war klug und ehrlich genug, zu erkennen und zuzugeben, dass ihre Gesangstechnik verbesserungswürdig war, und beklagte, dass sie nie die Zeit dazu fand.

Was sie für mich trotzdem zu einer der ganz großen Isolden macht, ist ihre Intensität und Ausdruckstiefe: Das liegt nicht nur daran, dass Mödl so deutlich artikuliert, dass man bei ihr - für eine Live-Aufnahme sensationell - jedes Wort versteht. Vor allem versteht sie selbst den Text und nutzt auch ihr großes Gespür für Stimmfarben, um ihn umzusetzen. Nie sucht sie einfach den schönen Klang, sondern immer den richtigen Ausdruck. Ihr Zorn, ihre Verachtung im ersten, ihr exaltierter Jubel im zweiten Akt reißen einen unweigerlich mit. Wenn der Begriff der 'Singschauspielerin' im positiven Sinne je auf eine Sängerin zugetroffen hat, dann auf sie.

Ramon Vinays Tristan erreicht nicht ganz Mödls Niveau: Rein vom Volumen kann er mithalten, seine Stimme klingt bis zur Mittellage mächtig, baritonal, bronzen, darüber wird sie etwas heiser. Hauptkritikpunkt bei Vinay ist sein Akzent, seine geringere Beziehung zum Text. Man hat - gerade neben Mödl - das Gefühl, dass er nicht wirklich immer ganz versteht, was er da singt. Trotzdem ist er ein insgesamt sehr überzeugender Tristan, vollbringt gerade im dritten Akt eine große Energieleistung.

Auch die übrigen Sänger werden von Hauptdarstellern und Dirigent zu großen darstellerischen Leistungen mitgerissen, wenn auch teilweise etwas zu Lasten der musikalischen Sorgfalt:

Ira Malaniuk ist eine warmherzige, sympathische, stimmlich im ersten Akt allerdings überforderte und in der Höhe scharfe Brangäne. Hans Hotter hat schon präziser, fokussierter gesungen, ist aber ein sehr liebenswerter, fürsorglicher Kurwenal. Der sonst so würdige Ludwig Weber singt hier einen heftig-verbitterten König Marke, nicht den üblichen resignierten Gutmenschen - eine ganz große Leistung. Besonders überzeugend sind auch Hermann Uhdes düster-charismatischer Melot und Gerhard Ungers wirklich junger Seemann.

Zuletzt noch einige Anmerkungen zur Aufnahmetechnik: Dank der besonderen Bayreuther Akustik (Holzstühle, Deckel über dem Orchester) sind generell auch sehr alte Live-Mitschnitte gut anhörbar. Karajans '52er Tristan gibt es in mehreren ordentlichen Ausgaben im originalen Radio-Sound (und sehr preiswert).

Diese spezielle Ausgabe allerdings wurde von der Firma Orfeo in Zusammenarbeit mit den Bayreuther Festspielen technisch sehr aufwendig überarbeitet und klingt auf der richtigen Anlage, als sei sie mindestens 20 Jahre neuer, sehr klar, natürlich und rauscharm. Das funktioniert nicht auf jeder Anlage. Wenn es aber klappt, ist dieser dunkel glühende Tristan ein echtes Ereignis. Dafür ist er dann auch im Verhältnis zu anderen Spitzenaufnahmen des Tristan (Furtwängler, Böhm, Kleiber) ziemlich teuer - ist seinen Preis aber wert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gleißende Tristan-Erfahrung, aber..., 3. Januar 2014
Von 
Klassikfreund (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
1952 war wahrhaft ein "Tristan-Jahr": Im Juni spielte Wilhelm Furtwängler die Oper im Studio ein - noch heute ein Referenzaufnahme. Im Folgemonat entstand eine herausragende Interpretation Herbert von Karajans bei den Bayreuther Festspielen.

Und die bitterböse Ironie: Während Furtwänglers Studioproduktion von sehr guter Klangqualität ist – was man leider bei weitem nicht von allen seinen Mitschnitten behaupten kann, außerdem hatte sich der Dirigent bis dahin wegen mangelnder Aufnahmequalität gegen Studioproduktionen gesperrt –, enttäuscht der Bayreuther Live-Mitschnitt Karajans in dieser Hinsicht. Ausgerechnet der Dirigent, der sich so für technische Innovationen interessierte und der Musikindustrie seinen Stempel aufgedrückt hat, hinterläßt der Nachwelt einen unbestreitbaren Tristan-Höhepunkt in unbefriedigendem Gewand!

Die eine Seite der Medaille

Es besteht kaum Zweifel daran, daß Orfeo das Mögliche aus den Originalbändern des Bayrischen Rundfunks herausgeholt hat, sonst hätte die Festspielleitung die Veröffentlichung sicherlich nicht abgesegnet. Trotzdem ist der Klang eher dürftig. Das Ohr gewöhnt sich zwar recht schnell daran, und die Lautstärke kann man selbst ja noch ein wenig aufdrehen. Es bleibt zunächst jedoch die Schockerfahrung eines hochgelobten Tristans mit Grundrauschen, hintergründigem Gesang, etwas dumpfem Klang und nicht wenigen Störgeräuschen von der Bühne, aus dem Publikum oder der Technik selbst.

Da ich zahlreiche ältere Live-Aufnahmen von deutlich besserer Qualität habe, kann ich das bei Karajans Tristan nicht außer Acht lassen. Deshalb gibt es für den akustischen Rahmen und zugegebenermaßen schweren Herzens nur 3/5 Sterne. Aber zum Glück gibt es da noch...

... die andere Seite der Medaille

Hat sich das Ohr an das mäßige Klangbild erst einmal gewöhnt, und hat man die Lautstärke ein wenig nachgeregelt, entfaltet sich dem Hörer ein geradezu gleißender Tristan. Rund 25 Minuten zügiger als Furtwängler genommen, setzt Karajan auf eine außerordentlich intensive Lesart der Oper. Darin unterscheidet er sich deutlich von seiner späteren Aufnahme, die zwar mein erster Tristan war, mich jedoch immer kalt gelassen hat. Unterstützt wird der Dirigent in seiner feurigen Interpretation von einem mitreißenden Liebespaar.

Martha Mödls Isolde und Ramón Vinays Tristan sind von solch leidenschaftlichem Nachdruck, daß ich doch noch bei dieser Aufnahme hängen geblieben bin. Hat man je ein expressiveres Paar gehört? Isolde scheint von einer lodernden Aura umgeben, während sie einen herkulischen Tristan zur Seite hat. Ihre ekstatische Zweisamkeit, ob am Ende des ersten oder inmitten des zweiten Aufzugs, spricht Bände.

Ludwig Weber (Marke), Hans Hotter (Kurwenal), Hermann Uhde (Melot) und Ira Malaniuk (Brangäne) sowie das glänzende Festspielorchester runden diese Tristan-Erfahrung gekonnt ab.

Musikalisches: 5/5 Sterne

Am Ende...

... legt Orfeo einen gleißenden Tristan von berauschendem Dirigat und mit überragendem Liebespaar, aber eben auch von mäßiger Aufnahmequalität vor. Das sind die beiden Seiten ein- und derselben Medaille. Sie machen aus Karajans Bayreuther Tristan ein großes Erlebnis – mit Abstrichen. Ob man es wirklich genießen kann, liegt letztlich am Hörer selbst und seiner Bereitschaft, sich darauf einzulassen!

Interpretation: 5/5 Sterne
Klangqualität: 3/5 Sterne
Gesamt: 4/5 Sterne

(Das Begleitheft ist in deutscher, englischer und französischer Sprache.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein intensives, wahrhaft liebendes Paar, 17. November 2012
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
Die CD bietet eine Live-Aufnahme aus Bayreuth vom 23.Juli 1952. Vorlage waren laut Beiheft der Original-Bandmitschnitt des Bayerischen Rundfunks (1/4" Mono-Bänder). Die Bearbeitung umfasste eine Rauschunterdrückung und das Abmildern von schrillen Tönen und sonstigen Tonfehlern. Live-Geräusche wie Huster wurden belassen, sind aber nicht viel zu hören. Man hört aber im 2. Akt zuweilen ein schwer einzuordnendes Klopfen und im 3. Akt v.a. in den Atempausen von Vinay den Souffleur.

Die Klangqualität ist sicherlich nicht modernere Aufnahmen, aber absolut ok. Schlechter im Klang eher die Instrumente, v.a. die Streichinstrumente, in der der für die Oper sirrende Klang der Streicher gelegentlich nicht wie gewollt elektrisierend, sondern leicht enervierend wirkt. Positive Effekt ist, dass die Stimmen absolut im Vordergrund stehen und nicht wie auf vielen anderen Aufnahmen vom Orchester zugedeckt werden. Die Textverständlichkeit ist demzufolge auch relativ gut, v.a. bei den Männerstimmen.

Karajans Dirigat ist ausleuchtend und dramatisch angelegt. Es hatte für mich eine eher langsame Grundausstrahlung, aber mit viel Dynamik auch reichlich Tempiwechsel, die in den schnellen Teilen dann manchmal etwas hektisch wirkten. Die langsameren, ruhigeren Stellen sind besser gelungen und können sehr berührend sein.

Ramon Vinay als Tristan und Martha Mödl als Isolde sind vermutlich das emotional intensivste und menschlich anrührendste Paar, das als Aufnahme erhältlich ist. Wieland Wagner hatte damals bewusst zwei Stimmen gesucht, die einen eher dunklen Charakter haben (Vinay hat seine Karriere als Bariton begonnen, Mödl als Mezzo) und die für ihre emphatische, expressive Darstellung und viel Bühnenpräsenz bekannt sind. Die beiden passen absolut zusammen und stimmen sich aufeinander ein. Wenn sie sich im 2. Akt endlich im Garten treffn, hört man tiefempfundende Leidenschaft und die ekstatische Erleichterung zweier, für die jeder Moment der Trennung vorher schmerzhaft und kaum erträglich wahr.

Mödl ist im 1. Akt die dunkle, geheimnisvolle Zauberin, im 2. Akt die leidenschaftlich Liebende, im 3. Akt die Frau, die traurig-glücklich zu ihrem schwerkranken Geliebten zurückkehrt, um dann in der Tragik seines Todes selber zu vergehen. Eine hoch-emphatisch, hoch-berührende, sehr, sehr menschliche Darstellung. Stimmlich ist sie sehr sicher in den tiefen Lagen, dunkel, kraftvoll, die ruhigen Passagen eindrucksvoll punktuierend. In den hohen Tönen muss sie sich mehr anstrengen. Sie singt nicht die hohen, klaren, leuchtenden Töne, die manche an der Isolde so lieben. Sie versucht es auch gar nicht und produziert so keine störenden Momente, aber wem das wichtig ist, dem wird hier was fehlen.

Vinay ergänt sie kongenial. Er ist leidenschaftich Liebender in Akt 1 und 2 und wahrhaft Leidender in Akt 3. Er singt sauber und kontrolliert und dabei in einer beindruckenden Mischung aus Sanftheit und Kraft. Sein Gesang klingt zart, hat aber doch viel Wucht und Präsenz. Es würden ihm mehr kraftvolle hohe Töne zur Verfügung stehen als Mödl, aber im Sinne der Harmonie zwischen den beiden verzichtet er richtigerweise darauf.

Schwächer sind leider die Nebenrollen, v.a. Hans Hotter als Kurwenal ist für mich eine Fehlbesetzung. Hotter war ein Bassbariton, der in Bayreuth über viele Jahre den Wotan im Ring gesungen hat. Er ist einfach kein Kurwenal. Im Rahmen dieser mangelnden Passung von Stimme und Rolle müht er sich redlich und macht keine echten Fehler, aber er klingt einfach immer etwas dunkel-ältlich, kein Kämpfer, kein jugendlicher Freund, sondern eher ein Freund des toten Vaters, der sich väterlich um Tristan kümmert. In den rhytmischen Stellen übertreibt er es mit dem Rythmus etwas.

Auch Ira Malaniuk als Brangäne konnte mich nicht ganz überzeugen. Sie macht das sauber und ordentlich, bleibt aber zu unauffällig. In den hohen Tönen wird sie zuweilen etwas zu schrill in den zarten Momenten dafür manchmal zu zart. Insgesamt ist sie in den tieferen Tonlagen überzeugender.

Bei Ludwig Weber als König Marke möchte ich zunächst mal die im Beiheft zitierte Kritik aus dem Münchner Merkur vom 25. Juli 1952 widergeben: "Ludwig Weber spielt König Marke mit dem pathetischen Ausdruck des Wagnersängers, mit wuchtiger Stimme, dabei männlich, ohne in wehleidige Anklage zu verfallen." - Mir ging es gerade anders herum. Ich empfand ihn als den zutiefst leidenden Mensch, kaum als König. Er ist ganz Person, nicht der Herrscher. Das ist sehr berührend, aber so ein bisschen habe ich das 'königliche' auch vermisst. - So unterschiedlich kann Wahrnehmung sein, selbst wenn man berücksichtigt, dass der Kritiker von damals der Bühenaufführung beiwohnte und ich nur die CD zur Verfügung habe.

Ein großes Ärgernis zum Abschluss: Auf der ersten CD (von dreien) ist in der Szene, in der Tristan und Isolde den Trank trinken, nach dem Erkennen der Liebe und noch einem weiteren Takt die CD mitten (!) in der Szene zu Ende. Dümmer geht's nimmer.

Fazit: Wer auch eher den menschelnden, die Figuren als Personen betonenden Zugang zu Wagner mag, dem sei diese Aufnahme wegen des auf der Bühne glühenden und vergehenden Paar Vinay/Mödl sehr empfohlen. Für wen die strahlenden, leuchtenden Klänge dazugehören (und er sie sich bei Vinay vielleicht wegen dessen Otello-Aufnahmen erwartet), der wird vielleicht nicht ganz glücklich wirken. Da die Klangqualität die Schönheit der instrumentellen Anteile doch etwas einschränkt, taugt die Aufnahme in jedem Fall eher als Zweitaufnahme, wenn man bereits eine klanglich bessere Erstaufnahme hat.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dürftige Klangtechnik beeinträchtigt stark, 18. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
Ich habe diese Gesamtaufnahme im Hinblick auf gute Rezensionen hier und auch an anderen Stellen mit großen Erwartungen bestellt. Bereits nach wenigen Minuten machte sich aber Ernüchterung breit. Man muss es deutlich sagen: die Klangtechnik ist dürftig, auch unter Berücksichtigung, dass es sich um eine Aufnahme aus dem Jahr 1952 handelt. Die Tontechniker des Bayerischen Rundfunks haben bei weitem nicht die 1952 mögliche Klangtechnik erreicht. Hinzu kommt, dass der Lautstärkepegel sehr niedrig ist, so dass der Lautstärkeregler weit mehr aufgedreht werden muss als bei allen meinen anderen CDs, was zu erhöhtem Rauschen führt. Die dürftige Klangqualität steht einer objektiven Bewertung des Dirigats von Karajan im Weg. Hier kann man von dem was Karajan nach zeitgenössischen Berichten geleistet haben soll mehr erahnen als hören. Wenn ich der Aufnahme gleichwohl 3 Sterne gebe, dann wegen der sängerischen Leistungen von Martha Mödl und Ramon Vinay. Beide verkörpern in Stimme und Ausdruck ihre Rollen perfekt. Von Vinay hatte ich das im Hinblick auf seinen herausragenden Otello in der Aufnahme unter Toscanini erwartet, von Mödl lediglich erhofft. Beide machen einen starken Eindruck. Auch Vinay ist wie Mödl extrem textverständlich und beide wissen auch was sie singen. Ich weiß, dass in anderen Rezensionen bezüglich Vinay dessen Textverständlichkeit und Textverständnis anders gewertet worden ist. Ich kann diese Abwertung aber nicht nachvollziehen. Bei Vinay kommt noch positiv hinzu, dass er diese Partie in allen Passagen auch wirklich singt und nicht nur Gesang versucht. Die übrigen Sänger kommen über solides Mittelmaß nicht hinaus, das gilt auch für Hans Hotter.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum eigentlich immer nur Böhm mit Nilsson..., 24. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
... wenn man an eine außergewöhnliche Aufnahme des Tristan denkt? Der Mitschnitt der ersten Nachkriegsproduktion aus Bayreuth dieses Wagner-Opus ist in der Besetzung mindestens ebenbürtig dem berühmtgewordenen Mitschnitt unter Böhm mit Windgassen und Nilsson; in den Hauptpartien und der musikalischen Lesart durch Karajan sogar m. E. noch überlegen.
Martha Mödl ist eine Naturgewalt in Darstellungssuggestion und Ausdruckskraft; das transportiert auch der Mitschnitt auf das eindringlichste. Mit ihrem mezzogrundierten Sopran auch stimmlich eine wirkliche Alternative zur klangtönenden Nilsson. Der Mödl zur Seite steht mit Ramon Vinay ein ebenfalls ungewöhnlich dunkel timbrierter Tristan, beide zusammen harmonieren in schönster Weise miteinander.
Und was waren das damals für phantastische Zeiten in Bayreuth, sind doch die anderen Partien bis in die kleinste Rolle ebenfalls auf so hervorragendem Niveau besetzt; seien es Hans Brangäne bis hin zum sensationellen Hermann Uhde in der kleinen Partie des Melot. Das spricht alles für allerhöchstes Niveau und wird heute schmerzlichst vermisst!
Viele Leute erkennen das Dirigat und die musikalische Leistung Karajans bei diesem Tristan als das Beste an, was er im Wagnerbereich aufnehmen konnte; dieser Meinung schließe ich mich sehr gerne und mit Überzeugung an.
Um noch einmal auf Böhm zurückzukommen; ich bin froh, beide Aufnahmen zu besitzen und wählen zu können. Wenn mir nach Klangrausch ist, bin ich gerne bei Böhm, will ich aber das Musikdrama hören, greife ich eben zu Karajan.
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