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am 31. Januar 2012
Der 1910 erstmals erschienene Briefroman "Der Geldkomplex" von Fanny zu Reventlow (das "Franziska" verpasste man ihr erst posthum) spielt in einem Sanatorium zur Heilung zerrütteter Nerven... aber so geradlinig, wie uns das heutzutage scheint, hängen in diesem Prachtstück Geld und zerrüttete Nerven natürlich nicht voneinander ab -- auch wenn sogar ein Vertreter der 1910 erste Furore machenden Psychoanalyse mit von der Partie ist. Doch wer hier tiefschürfende Seelengrabungen erwartet, ist auf dem falschen Dampfer.

Neben der Ich-Erzählerin, die in 25 Briefen eine Freundin auf dem laufenden hält, und einem labilen Psychoanalytiker treten noch einige skurrile Mitpatienten auf -- eine Existenz gescheiterter als die andere: Ein versoffener russischer Adliger samt Hofstaat und treuloser Braut; Intriganten; eine larmoyante Witwe; ein begnadeter Gründer von Aktiengesellschaften und ständiger Bankrotteur, und noch so einige Exzentriker jener Epoche. Eine vielversprechende Gesellschaft also, was die Unterhaltung betrifft (Und es sei gleich verraten: Aus dieser erlesenen Gesellschaft konstruiert Fanny zu Reventlow eine geistreiche Romanhandlung von sprühendem Witz, die ihresgleichen sucht).
Außerdem ist da noch der "Miterbe" dabei -- ein ebenfalls dem Alkohol heftig zugeneigter exaltierter Russe, der zum Schein mit der Erzählerin verheiratet ist, um an sein Erbe zu kommen. Und um dieses Erbe geht es hier vor allem. Das heißt, zunächst geht es natürlich um den "Geldkomplex" der Erzählerin -- so bezeichnet der Psychoanalytiker Dr. Baumann deren notorischen Geldmangel, die stetige Angst vor ihren Gläubigern und die Flucht ins Sanatorium. Die Erzählerin hingegen fasst Geld als ein heimtückisches "persönliches Wesen" auf, das ihr feindlich gesonnen ist und von dem sie erkannt hat: "durch liebevolle Indolenz verdirbt man's vollständig mit ihm".
Was der Psychoanalytiker als Symptome für die Störung einer existenziellen Beziehung zum Geld sieht, erkennt die Erzählerin selbst als die Ursache aller Komplexe: Geldmangel und die damit verbundenen existentiellen Sorgen als Wurzelwerk allen Übels. Dieser buchstäblich handfeste Geldkomplex bestimmt nicht nur die Handlungen der Ich-Erzählerin, sondern bald auch die der Handvoll Patienten, die sie um sich geschart hat. Schnell sind alle Mitglieder ihres kleinen Zirkels von ihren ursprünglichen Leiden kuriert: Alle rechnen sie, planen abenteuerliche Gründungen und Investitionen in Russland und Südamerika, spekulieren aufs wildeste, intrigieren und versuchen tapfer, Bankrotte zu ignorieren. Keine Idee ist zu verwegen, als dass man sie nicht ernst nähme.
Die Ich-Erzählerin erwartet ihrerseits eine Erbschaft, nämlich eben jene, die sie sich aufgrund der Scheinheirat mit dem "Miterben" gesichert hat -- und eben jene, die sie auf ganz unmetaphysische Weise von ihrem Geldkomplex heilen soll; so ist es geplant. Aber auch dieses Mal scheint sich das Geld gegen sie zu sperren... Die Geschichte schlägt einen Purzelbaum nach dem andern und endet schließlich in einem Fiasco furioso.
Die Geschichte einer Erbschaft also, die nach vielen verwegenen Irrungen ein überraschendes Ende nimmt, erzählt in geschliffenem Plauderton, begleitet von vielen wunderbar geschilderten spleenigen Gestalten, unterbrochen durch viele herrlich komische Szenen, die Sanatoriumsalltag und Verquastheiten der Psychoanalyse auf die Schippe nehmen -- ein Lesevergnügen der besonderen Art, in dem die Bedeutung des lieben Geldes in lakonischer Bosheit entlarvt und der Lächerlichkeit preisgegeben wird.

Wer sich ein wenig mit Fanny zu Reventlows Biographie befasst hat, wird unschwer einige Ereignisse identifizieren können, die sie hier literarisch verarbeitet hat, ebenso wie die realen Vorbilder einiger Figuren: Ihr zweiter Ehemann, Alexander von Rechenberg-Linten, steckt z.B. hinter dem "Miterben" mit all seinen ausgesuchten Spleens; Reventlows langjähriger Freund Albert Hentschel (Ludwig Klages bescheinigte ihm einen "Gründerwahnsinn") war das Vorbild für "Henry", den manischen Gründer von Aktiengesellschaften. Auch Scheinheirat und der Tessiner Bankenkrach, sogar die 20 seekranken Kühe auf hoher See haben höchst reale Vorbilder.
Aber das heißt natürlich nicht, dass die Autorin mit "Der Geldkomplex" eine Art Autobiographie oder Lebensbeichte geschrieben habe; vor derlei Deutungen hüte man sich! Der reale Hintergrund war für sie Stofflieferant, é basta. Und außerdem: Man braucht nichts über die Biographie dieser Autorin wissen, um sich über diesen Roman köstlich zu amüsieren. Was nicht bedeutet, dass einschlägige Kenntnisse von Schaden sind. Aber nötig sind sie nicht.
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am 30. April 2012
An einem Tag kann man dieses Buch gelesen haben. Und eigentlich will man es auch in einem durchlesen, da die Geschichte bis zum Ende auf eine gute Nachricht hoffen lässt: Frau zu Reventlow leidet in diesem Buch an einem "Geldkomplex" - der Zwang, immer über Geld nachdenken zu müssen und alles davon abhängig zu machen. So lässt sie sich in einem Sanatorium einquartieren. Nach einiger Zeit geht sie Kontakte zu anderen Patienten ein, ein etwas skuriler "Freundeskreis" entsteht. Die Gruppe analysiert andere Patienten, die eigenen Leiden sind stets Hauptthema. Jedes Gruppenmitglied versucht mithilfe von anderen Lösungen für seine Probleme zu finden. Die Umstände verzweigen sich. Frau Reventlow wartet nun auf ein vermutetes Erbe, die Auszahlung lässt auf sich warten. Dann endlich die Meldung, dass das Geld überwiesen werden soll. Man beginnt auf Kredit zu leben, bis das Geld da ist. Doch das erhoffte Erbe zeigt sich ganz anders ...

Das Buch ist in einfacher, verständlicher Sprache geschrieben. Jedes Kapitel stellt dabei einen Brief an eine Bekannte namens Maria dar. Was das Eigentümliche an dem Werk ist, ist sein intelligenter Zynismus. Und der persönliche Blick auf Geld, Geldnot und Reichtum. Jeder Charakter im Buch geht dabei anders mit Geld um. Interessant ist die offene Darstellung von Schulden und den Ängsten vor Geldnot und Gläubigern. Das ganze "geld-arme" Leben hat sich so tief in die Gedanken der Erzählerin gebrannt, dass sie im Buch eine innere Flucht versucht. Ihr ist das selber bewusst.

Selten kann man über Gläubiger, Geldnot und die Existenzängste etwas lesen. Dass gerade eine alleinerziehende Frau Anfang des 20sten Jahrhunderts darüber schrieb, ist mehr als nur interessant. Ihre Darstellung ist mutig. Dabei ist sie eigentlich gar nicht gesellschaftskritisch, sondern sie ist sich bewusst, dass die Beziehung zwischen dem Geld und ihr selbst das Problem darstellt. Das was sie darüber denkt, wie sie damit umgeht, wie sie darüber spricht:

Zitat: "Es kann auch auf sauerverdientem Geld kein Segen ruhen, es muß uns hassen, weil wir es an den Haaren herbeigezogen haben, wo es vielleicht gar nicht hinwollte, und wir müssen es hassen, weil wir uns dafür geschunden haben und im Gedanken an diese Schinderei noch voller Ressentiments sind. Es rächt sich auch immer, denn entweder warten schon andere Leute darauf, oder man gibt es in der ersten Reaktion für sinnlose Dinge aus. [Und wenn man es zur Bank gebracht hat, damit man später gut davon leben kann:] Um so schlimmer, dann wird es gar noch zum 'sauer Ersparten', was die Leute bekanntlich immer auf tragische Weise einbüßen. Ich begreife auch, daß das Geld sich solche Bezeichnungen nicht gefallen läßt. Sauer erspart... sagen Sie es sich nur ein paarmal vor, womöglich mit knarrender Stimme."
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