Kundenrezensionen


2 Rezensionen
5 Sterne:
 (2)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phänomenale Kollektion, 24. September 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alban Berg Collection (Audio CD)
Alban Berg (1885-1935) gehört zu den wichtigsten Tonschöpfern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit Arnold Schönberg und Anton von Webern gilt er als der bedeutendste Verfechter der Dodekaphonie. Während Schönbergs Stil eher hart und schroff ist und von Weberns Stil größtenteils von pittoresken, schnell verrauschenden Momenten geprägt ist, steckt Bergs Tonsprache voller Wärme und Lyrik. Immerhin betrachtete er sein Oeuvre stets als logische Fortsetzung dessen, was die Spätromantik entwickelt hatte.
Auf diesem achtteiligen Box Set sind die wichtigsten Werke des deutschen Komponisten vereint. Dabei handelt es sich vor allem um Orchester- und Vokalwerke; dennoch sind auch einige Genrebeiträge aus der Kammer- und der Klaviermusik mit dabei.

Eines der charakteristischsten Orchesterwerke Bergs sind die drei Stücke für Orchester op. 6. Ein wundervolles Prélude, ein bizarrer Reigen und ein tösender, aufwirbelnder Marsch werden aneinander gereiht, freilich nicht willkürlich: Innere Bezüge und verwobene Themenstrukturen sind ein Hauptmerkmal bergscher Musik.
Das Kammerkonzert für Klavier, Violine und 13 Blasinstrumente kann weiß Gott als eines der Meisterwerke des Komponisten bezeichnet werden. Zwei fulminante Sätze rahmen das Gravitationszentrum des Konzertes ein, nämlich ein tiefsinniges und berührendes Adagio.
Dieses arrangierte Berg nachträglich noch für Klavier, Violine und Klarinette, was noch ganz andere, schwelgerische Elemente erkennen lässt.
Bergs bekanntestes Werk ist sein Violinkonzert "dem Andenken eines Engels", das er auf den verfrühten Tod von Alma Mahlers Tochter schrieb. Das Stück ist recht leicht zu erschließen und gilt als eine Komposition, die auch für Anfänger oder Laien auf dem Gebiet der Neuen Musik leicht zugänglich ist. Während der erste Satz in tiefer Trauer verharrt, kulminiert im zweiten sämtliche Wut zu einem bombastischen Höhepunkt und verebbt schließlich, so dass sich heilsame Verklärung ausbreiten kann.
Johann Strauss' berühmten Walzer "Wein, Weib und Gesang" op. 333 transkribierte Berg für Orchester mit obligatem Klavierquintett. Er verzichtet dabei auf Tand und entkleidet Strauss' Komposition bis aufs Mark.

Berg nahm sich vor, eine moderne Oper zu schreiben, die man sich anhören kann. Das ist ihm mit der Vertonung von Georg Büchners großartigem "Woyzeck" geglückt. Die gut 90minütige Oper stellt das unausweichliche Schicksal des Antihelden eindrucksvoll dar. Die fein eingewobene Dramatik erfasst Berg punktgenau und setzt sie überwältigend um.
Seine zweite Oper "Lulu" konnte Berg wegen seines verfrühten Todes nicht vollenden, der dritte Akt wurde posthum instrumentiert. Das knapp dreistündige Werk handelt von der ewigen Schönheit und Anziehungskraft der Frau, dargestellt durch die aalglatte, berechnende, aber bildschöne und erotische Lulu. Der Text basiert auf Frank Wedekinds Tragödien "Erdgeist" und "Büchse der Pandora". Ich persönlich kann mich mit dieser Oper nicht anfreunden, finde es eine Zumutung, sie zu hören. Bemerkenswert fand ich lediglich die Sterbeszene der Lulu. Selten hat mich Musik so in Mark und Bein erzittern lassen.
Aus diesem enormen Werk konzipierte Berg eine Suite mit fünf Charakterstücken. Die Handlung lässt sich zwar dadurch nicht erfassen, aber es handelt sich doch um einen gelungenen Einstieg in die Oper.
Ein Werk, das Berg sehr wichtig war, sind seine sieben frühen Lieder für Klavier und Sopran, die er viel später in seinem Leben noch für Orchester und Sopran arrangierte. Sie zeigen einen Berg, der noch stark von der Spätromantik geprägt ist. Es sind herrliche Charakterstücke voller Tiefsinn und Anmut.
Auch die vier Lieder aus op. 2 sind noch von diesem Charme geprägt, auch wenn der nach und nach dem ambitionierten Esprit Bergs weichen muss.
Ähnlich wie im Streichquartett op. 3 so findet Berg in seinen Altenberg Liedern op. 4 zu seinem eigenen Stil, den er in Vokalwerken präferiert. Er setzt den Gesang als Instrument ein, fügt ihn schmeichelnd dem Orchester an.
Die Konzertarie "Der Wein" nach Texten von Charles Baudelaire in der Übersetzung durch Stefan George ist ein buntes Stück, das unter dem dandyartigen Gewand tiefe Trauer und Empfindung trägt.
Zwei einzelne Lieder komponierte Berg ebenso: "Schließe mir die Augen beide" nach Theodor Storm (in zwei Versionen) und "An Leukon" nach Johann Wilhelm Ludwig Glein.

Ein einschneidendes Werk im Schaffen Bergs ist sein Streichquartett op. 3, da er hier - wie bereits erwähnt - endgültig zu seinem individuellen Stil findet. Das Werk ist weich, lyrisch, aber dennoch voller Ecken und Kanten.
In seinen vier Stücken für Klavier und Klarinette op. 5 zeigt sich Berg von seiner pittoresken Seite. Die Stücke enthalten schattenhafte, schnell verwischte Melodien und Gedanken, die dennoch fesseln und packen.
Herausragend gearbeitet und sofort einnehmend ist die "Lyrische Suite" für Streichquartett von 1926. Sie ist in sechs Sätzen angelegt und verarbeitet ein besonders erschütterndes Ereignis in Bergs Leben. Während er sich in den ersten Sätzen eher gelassen gibt, wird der Tonfall dann plötzlich ernster, zum Schluss gar völlig verzweifelt. Es ist entrückend, zu erleben, wie Berg aus den kleinsten Klangfetzen Überwältigendes zaubert.
Aus seiner "Lyrischen Suite" orchestrierte Berg nachträglich drei Sätze für Streichorchester, nämlich den zweiten, den dritten und den vierten Satz. Sie beweisen Bergs außergewöhnliche Fähigkeit zur Transkription: Der Tiefe des Streichquartetts geht durch die Orchestrierung nichts verloren, es entsteht ein neues Kleinod.

Das erste veröffentlichte Werk Bergs war seine einsätzige Klaviersonate op. 1, deren klare Linienführung und deren Avantgarde gar nicht hoch genug geschätzt werden können.

Der besseren Übersicht halber liste ich die Einspielungen hier auf:
-Drei Stücke für Orchester op. 6 - Wiener Philharmoniker unter Claudio Abbado (1992): Differenziert und herausragend, Abbado als Berg Dirigent!
-Kammerkonzert - Daniel Barenboim (Klavier), Gidon Kremer (Violine) mit dem Ensemble InterContemporain unter Pierre Boulez (1977): Kongenial, differenziert, schlicht genial!
-Drei Stücke aus der "Lyrischen Suite" für Streichorchester - Wiener Philharmoniker unter Claudio Abbado (1994): Fein und zart - Abbado beweist mit den brillant spielenden Wienern sein Gespür für Neue Musik.
-Violinkonzert - Anne Sophie Mutter (Violine) mit dem Chicago Symphony Orchestra unter James Levine (1992): Mutter auf dem Höhepunkt ihres Schaffens; viele Einspielungen von ihr sind für die Katz', aber Berg meistert sie brillant; auch die Orchesterleistung ist perfekt!
-Transkription "Wein, Weib und Gesang" - Boston Symphony Chamber Players (1977)
-"Wozzeck" op. 7 - Franz Grundheber, Walter Raffeiner, Philip Langridge, Heinz Zednik, Aage Haugland, Alfred Sramek, Alexander Maly, Peter Jelosits, Hildegard Behrens, Anna Gonda, Viktoria Lehner, Werner Kamenik, Wiener Staatsopernchor, Wiener Sängerknaben mit den Wiener Philharmonikern und Claudio Abbado (1987): Elektrisierende Liveaufnahme, sehr differenziert, nuancenreich und transparent!
-"Lulu" - Teresa Stratas, Yvonne Minton, Hanna Schwarz, Toni Blankenheim, Robert Tear, Frank Mazura, Kenneth Riegel, Gerd Nienstedt, Helmut Pampuch, Jules Bastin, Jane Manning, Ursula Boese, Anna Ringart, Claude Meloni, Pierre Yves le Maigat, Georges Pludermacher (Klavier), Pierre Doukan (Violine) mit dem Orchestre de l'Opéra de Paris unter Pierre Boulez (1979): Berg und Boulez - die perfekte, kongeniale Paarung! Und noch dazu diese Solisten...
-"Lulu" Suite - Juliane Banse (Sopran) mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado (1994)
-Sieben frühe Lieder (Klavierversion) - Anne Sofie von Otter (Mezzosopran), Bengt Forsberg (Klavier) (1991): Liebevolle Darbietung!
-Sieben frühe Lieder (Orchesterversion) - Anne Sofie von Otter (Mezzosopran) mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado (1993)
-Vier Lieder op. 2 - Dietrich Fischer Dieskau (Bariton), Aribert Reimann (Klavier) (1970)
-Altenberg Lieder op. 4 - Juliane Banse (Sopran) mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado (1994): Großartige Spielkultur! Hier haben sich zwei Gleichgesinnte gefunden.
-"Der Wein" - Anne Sofie von Otter (Mezzosopran) mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado (1993)
-"Schließe mir die Augen beide" (beide Versionen), "An Leukon" - Margaret Marshall (Sopran), Geoffrey Parsons (Klavier) (1984)
-Streichquartett op. 3 - Lasalle Quartet (1968): Technisch brillant und sehr empathisch.
-Vier Stücke für Klavier und Klarinette op. 5 - Oleg Maisenberg (Klavier), Sabine Meyer (Klarinette) (1994): Traumbesetzung! Meyer mit viel Empathie, Maisenberg routiniert.
-"Lyrische Suite" - Lasalle Quartet (1968): Mitreißend und genial: Das Lasalle Quartet beweist, dass es eine Koryphäe im Bereich der zeitgenössischen Musik ist.
-Adagio aus dem Kammerkonzert - Oleg Maisenberg (Klavier), Gidon Kremer (Violine), Sabine Meyer (Klarinette) (1994)
-Klaviersonate op. 1 (1977) - Daniel Barenboim: Solide aber nicht überragend.

Besonders Lob verdient das ausführliche Booklet, das zwar nicht die Texte der Opern enthält, aber deren Handlung zusammenfasst und sämtliche Akteure übersichtlich auflistet.
Die Aufnahmequalität aller Einspielungen ist immer mindestens als gut zu bezeichnen.

Fazit: Neben der umfangreichen Webern Box eine weitere herausragende Kollektion aus dem Hause der DGG! Erfahrungen, die man nicht mehr missen möchte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar, 9. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Alban Berg Collection (Audio CD)
Diese Collection bietet ein wunderbare Möglichkeit, sich mit der Musik von Alban Berg auseinanderzusetzen: Sehr gute Künstler, sehr gute Interpretationen! Allein nur die Aufnahme vom Violin Concerto "To the Memory of an Angel" vom Chicago Symphony Orchestra unter James Levine und mit Anne Sophie Mutter an der Violine ist den Kauf wert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen