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Kundenrezensionen

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Was nicht so alles in Rezensionen Abwertendes und Bitteres geschrieben wird, sei es über Harnoncourt oder die Wiener Phiilharmoniker - und wohl aus welchen tendenziellen Gründen?
Harnoncourts Aufführung der ersten drei Sätze der Neunten ist gut genug um trotz manch unwürdiger Kommentar darüber die Aufführung nicht verteidigen zu müssen. Ich persönlich bevorzuge andere Einspielungen wie die Klemperers oder Guilinis mit dem CSO. Das Besondere dieser Aufführung hier ist natürlich die Art der Realisierung des Finales anhand der vorhandenen Skzzen (egal ob dabei nun alle verwertet werden oder nicht) in einem Gesprächskonzert.

Um dieses umstrittene Finale dreht sich auch diese Besprechung. Ich möchte ein paar Hintergrundinformationen zur Bruckner Neunten beisteuern. Manche davon sind auch auf der CD in Harnoncourts Worten formuliert. Die fünf Sterne sind auch dem Willen dieser CD-Produktion gezollt und dem Weg Harnoncourts, eine intitiale Bewegung in die Frage um Bruckners Neunte zu bringen. Aber auch das Spiel der Wiener in desem Finale ist äußerst klar und farbig, die Klangrede überzeugend und die Aussagen stark und überzeugend!

EIN PAAR FAKTEN:

Im Falle der letzten Bruckner-Sinfonie gibt es kein vom Komponisten völlig fertiggestelltes Finale, aber von den 649 angelegten Takten gibt es bis auf drei Abbruchstellen einen fast durchgehend komponierten Faden (etwas mehr als 30 Takte sind tatsächlich 'leer'), mal als fast völlig ausgearbeitete Partitur, mal als mehr oder wenig dünne Skizze. Es ist nicht ganz geklärt, wie weit Bruckner mit seinem Finale genau gediehen ist ' besonders gegen Ende: ein gut ausgearbeitetes Particell oder doch nur Skizzen? Eine quasi vollständige Partitur bis in die Coda hinein? Ist dieses Finale also eine mehr oder weniger fertiggestellte Partitur gewesen? Zumindest bis zur Coda?

Was leider feststeht ist, dass viele Notenblätter von Bruckners Arbeit am Finale von Souvenirjägern quasi an dessen Totenbett geraubt wurden. Einiges davon ist über die letzten Jahrzehnte wieder aufgetaucht. Es kann also durchaus sein, dass noch mehr Material dazu auftaucht und irgendwann der Punkt erreicht ist, dass die Komposition (mit Vorbehalten) wie die Mahler 10te als schlüssige Aufführungsversion (im Sinne von Deryck Cooke) fertiggestellt werden kann. Eine 'vollendete' Neunte aus den Händen Bruckners werden wir nie hören können, bestenfalls eine mehr oder wenige ausgearbeitete Arbeitspartitur. Aber im Falle Mahler 10te wird klar, wie zwingend überzeugend das sein kann!

Der momentane Stand erlaubt schon halbwegs schlüssige Aufführungs-Varianten bis in die Reprise des Satzes hinein. Besonders die Gemeinschaftsarbeit von Samale/Phillips/Cohrs/Mazzuca zeigt, dass in diesem Unterfangen schon die 'kritische Masse', mir welcher dieser Satz ein Eigenleben bekommt, erreicht ist. Noch fehlt ' und das ist jetzt meine ganz subjektive Seelenempfindung ' dem Satz noch ein Quantum Überzeugungskraft und innerer Stringenz, aber das kann tatsächlich noch kommen. Der Ansatz der Coda lässt da schon etwas erahnen.
Leider ist eben diese Coda, die Krone der Werks, in den vorhandenen Notenblättern am dürftigsten ausgeführt - bzw. dort sind am meisten der mehr ausgearbeiteten Schichten (als Optimist setzt ich dazu : noch) verloren. Zudem gibt es hier neben einem 5taktigen Loch (gegen Anfang der Durchführung T259-T263) zwei wirklich seriöse leere Stelle ohne jegliche Noten: Nach der von Cohrs erstellten Partitur 8 Takte (T549-T556) und 20 Takte (T585-T605) ohne Noten. Es gibt übrigens noch ein in Worte gefasstes "Gedächtnisprotokoll" zu der Coda von Bruckners Arzt, dem der Meister diese am Klavier vorspielte.

STAND DER DINGE

Nebenbei bemerkt: Auch die ersten drei Sätze sind nicht "vollendet", da Bruckner nach Fertigstellung des Werks das Gesamte nochmals durchgesehen, revidiert und vielleicht Wesentliches geändert hätte!

a) Bruckners "Neunte" ist ohne Finale ein unvollendeter Torso! Wer behauptet, die Neunte sei in ihrer Dreisätzigkeit vollkommen, redet sich die Sache schön ...

b) Eine ganz und gar überzeugende vollständige Aufführungsversion ist meiner Empfindung nach noch nicht gelungen bzw. erst auf dem Weg. Das Hauptproblem bieten meines Erachtens die letzten gut 5 Minuten Spielzeit (die letzten 100 Takte ab T549), wo das Notenmaterial nicht mehr wie vorher - in einem Bild gesprochen - nicht mehr (wie bis dorthin) starke 'Pfeiler' bietet, zwischen denen man eine energetisch gute Brücke über die dünnen Stellen bzw. die zwei Leerstellen spannen kann.

AUFFÜHRUNGSMÖGLICHKEITEN

Wie nun in der Praxis mit dem Status Quo umgehen? Die Möglichkeiten:

1. Die Neunte dreisätzig aufführen mit eindeutigen Informationen zur Rezeption und Konzeption des Werks im Programmheft bzw. CD-Textheft. So wird zumindest die Dimension der Werks angesprochen und die Illusion /Tradition einer 'dreisätzig vollendeten Neunten' findet hoffentlich ein Ende. Zumindest in den Köpfen und Herzen ' egal, ob nun weiterhin zumeist dreisätzig aufgeführt wird oder nicht.

2. Eine Aufführung als Werkstattkonzert, so wie Harnoncourt es getan hat und es auf CD festgehalten ist. Dabei wird nur das vorhandene authentische Material Bruckners verwendet. Der Zuhörer bekommt genauen Einblick in den Stand der Forschung und kann sich von den Fragmenten faszinieren und seine Phantasie anregen lassen. Nach erster Durchsicht der Partitur (die ich in der 2010-Fassung heute das erste Mal lesen konnte) finde ich es schade, dass Harnoncourt die Coda-Skizzen nicht in das Werkstattkonzert mit einbezogen hat. Ich verstehe aber seine Entscheidung'

3. Eine 'normale' Aufführung mit der Exposition des Finales. Die Exposition benötigt nur wenige Retuschen, da sie vollständig vorliegt. So bekommt der Hörer einen Eindruck von der Idee des Finales mit den Hauptthemen in einer quasi 'abgebrochenen' Aufführung.

4. Eine Aufführung mit Hilfe fremder Hand bis zum Reprise erweitertem Finale. Das erfordert nur ein paar frei hinzugefügte Takte und es existieren schon zwei sehr befriedigende Fassungen. Auch wenn hier die Tür zur Spekulation geöffnet wird, so bekommt der Hörer doch einen großen Eindruck des Finales, je nach dem zwei Drittel bis drei Viertel des Satzes.

5. Eine Aufführung mit einer der Aufführungs-Versionen des 'vervollständigten' Finales durch Musikwissenschaftler / Komponisten. Das letzte Viertel erfordert allerdings einiges Zutun im Sinne von Nachschöpfung - im besten Falle nach den mündlichen Angaben über die Themenverarbeitung der Coda. So verlockend es ist, im Konzert oder auf CD vier abgeschlossene Sätze zu hören: Es ist genauso eine Illusion, darin an eine 'vollendete Bruckner Neunte' zu glauben, wie die dreisätzige Version als 'vollendet' anzusehen.

Ich persönlich präferiere die Varianten zwei bis vier. Die erste bietet keine Vision fürs Ohr und die letzte ist noch ein wenig wie ein Wunschtraum ... aber DAS kann noch werden! Eine sechste Variante wäre Bruckner 'letzter Wille, falls das Werk unvollendet bliebe': die Aufführung der Exposition mit abschließendem Te Deum oder nur dem Te Deum als Abschluss der Sinfonie. Allerdings war Bruckner ein Pragmatiker und es stellt sich die Frage, ob er mit diesem 'Notbeschluss' (von dem man nicht weiß, ob er überhaupt greift) nur eher die Aufführung der Sinfonie ermöglichen wollte als dem Werk zu einem stimmigen Abschluss verhelfen. Außer der offensichtlichen Widmung an den lieben Gott ist den beiden so unterschiedlichen Werken wenig gemein.

PLÄDOYER FÜR MEHR FREI ASSOZIATIONEN

Deryck Cooke und Berthold Goldschmidt haben bei dem Erstellen der Aufführungsversion von Gustav Mahlers ebenfalls unvollendeter Zehnter einerseits extrem seriös musikwissenschaftlich gearbeitet, andererseits dennoch in den ja aus der Not geborenen 'kreativen Freiräumen' einen Klang des 20ten Jahrhunderts einfließen lassen, den Mahler so vielleicht nicht in sich gehört hat. Aber gerade das macht mit den Reiz dieser Aufführungsversion aus. Es ist dem Musikwissenschaftler Cooke und dem Komponisten Goldschmidt eine magische Balance gelungen, dass die Teile zusammen passen und die Brüchigkeit darin man (also ich zumindest) als zum Wesen Mahlers gehörend empfindet.

Bei Bruckner ist solch eine Grenzerweiterung oder sogar Überschreitung wohl naturgemäß schwerer zu realisieren, da wir seine Musik als Einheitlicher 'im Rahmen' empfinden. Allerdings birgt die Neunte in ihren schon von Bruckner selbst komponierten visionären Ausblicken der ersten drei Sätze doch auch den Keim für Radikaleres, das Nachschöpfer nutzen und mehr wagen könnten.

Peter Jan Marthé scheint mir in seinem Versuch einer Nachschöpfung unter Verwendung von Bruckners Noten eher misslungen - nicht wegen seines freien Ansatzes, sondern mehr wegen der wenig kühnen Harmlosigkeit des Endergebnisses. Da finde ich den 'Bruckner-Dialog' von Gottfried von Einem schon spannender in dem Ansatz, der Welt eines (damals) heutigen Komponisten schroff das Original (am auffälligsten das 3.Thema) aus dem Finale gegenüberzustellen. Es bricht in das geschäftige Treiben von Einems Bruckner plötzlich mit einer Urkraft hinein. Das hat etwas Erschütterndes ' Eigentlich auch eine völlig unorthodoxe variante einer Final-Aufführung ' zumindest eben mit Finale und mit weitem Blick in die Ferne am Ende des Stücks'

Wie auch immer: Ein freier assoziativer Zugang und Versuche von Komponisten in dieser Richtung können den Blick auf dieses Finale auch entkrampfen helfen oder sogar vielleicht für wissenschaftliche quasi rekonstruierende Arbeiter ein Impuls sein.

UNVERZICHTBAR ZUM TIEFEREN VERSTÄNDNIS !

Wer zu dem Thema "Finale der Neunten" nicht an der Oberfläche verharren möchte, der sollte unbedingt die Dissertation "Das Finale der IX. Sinfonie von Anton Bruckner: Geschichte. Dokumente. Werk. Präsentation des Fragments" (ISBN 978-3900270940) von Benjamin-Gunnar Cohrs lesen! Es behandelt jegliche Fragen zum Finale. Es ist ein wissenschaftliches Werk aber durch die historischen Einbezüge dennoch zumindest teilweise gut und spannend zu lesen. Als Laie kann man ja erst mal 'diagonallesen' und intuitiv an dem hängenbleiben, was man sofort verstehen kann. Will sagen: Das Buch lohnt durchaus auch für den wirklich interessierten Laien!

Das aller Spannendste ist für mich, dass zudem die aus den verschiedenen Schichten möglichst vollständig erstellte Partitur auf 78 Seiten (649 Takte) abgedruckt ist! Der Hörer kann beim Hören von Finale-Rekonstruktionen nun also quasi die original vorhandenen Quellen mitlesen und über das Ohr gut erkennen und unterscheiden, wo "reiner" Bruckner zu hören ist und was davon Bearbeitungsanteile sind.

Der Vorteil gegenüber der früheren Ausgabe des Musikwissenschaftlichen Verlags von 1994 ist für den mitlesenden Musikliebhaber die "Vereinfachung", dass die Partitur tatsächlich fortlaufend ist, da alle Schichten quasi aus der Dreidimensionalität des Entstehungsprozesses auf zwei Dimensionen gebracht wurden, also als eine hypothetische Arbeitspartitur auf einer Ebene (wie normal bei einem fertigen Werk) verarbeitet sind. Natürlich wird bei den (noch) verlustigen Notenblättern der weiterentwickelten Schichten gegenüber den verfügbaren früheren Stadien einiges abgeändert sein, aber so sind durch das Übereinanderlegen der Schichten die meistmöglichen originalen Noten Bruckners mit eingeflochten.

Für den Musikwissenschaftler mag durch diese Vorgehensweise das Erfühlen der Qualität der einzelnen Stadien etwas verloren gehen, aber die Partitur ohne Abbruch verfolgen zu können, ist - zumindest für den Laien - ein unschätzbarer Gewinn! Für die andere "dreidimensionale Variante" gibt es ja eben die Ausgabe von 1994.

ABSCHLUSSGEDANKEN

Vielleicht sieht Harnoncourt die Frage der Neunten etwas zu (str)eng. Ist nicht die Kreativität von Deryck Cooke im Falle der Mahler 10ten ein überzeugender Beweis für Synergie? Hat eine Komposition nicht auch ein Eigenleben - unabhängig vom Komponisten? Und wie sieht es mit der Wahrhaftigkeit der Aussage in der Konsequenz aus? Führt Harnoncourt nun die Neunte prinzipiell mit den Fragmenten zum Finale auf? Die "Auskopplung" der CD aus dieser Aufführung hier der Neunten OHNE Finale finde ich schon wieder enttäuschend ...

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Über ein Feedback (Kommentare) zu meinen Bemühungen des Rezensierens würde ich mich freuen! Lesen Sie gern auch andere meiner weit über 200 Klassik-Besprechungen mit Schwerpunkt "romantische Orchestermusik" (viel Bruckner und Mahler), "wenig bekannte nationale Komponisten" (z.B. aus Skandinavien), "historische Aufnahmen" und immer wieder Interpretationsvergleiche und für den Kenner bzw. Interessierten meist Anmerkungen zum Remastering!
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am 20. August 2009
ich weiß ja nicht, welche musikalische vorbildung meine vorposter haben, aber ich höre, während ich das schreibe gerade die besprochene aufnahme und finde sie so wuchtig, so unter-die-haut-gehend, so emotional und stringent, so aufwühlend und phantastisch, dass ich kaum worte dafür finde.

mich spricht diese aufführung (die musik sowieso) direkt an und geht mir durch mark und bein.

der SACD-effekt ist für mich (leider) nicht relevant, da ich keinen entsprechenden spieler habe.

musik ist individuell und daher wird diese cd gefallen - oder nicht. aber kalt lassen wird sie niemanden.

(ps: ich habe von dieser symphonie auch mehrere aufnahmen, das ist aber die meines erachtens beste)
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am 11. November 2011
Was die drei vollständig erhaltenen Sätze angeht, so bin ich angenehm überascht. Anton Bruckner seine Werke lassen sich nicht entromantisieren. Selbst Herbert Blomstedt und Riccardo Chailly lassen seine Werke vom Gewandhausorchester wie eh und je, d.h. im spätromantischen Klanggewand nach Franz Konwitschny spielen und das ist gut so. Auch Nikolaus Harnoncourt geht hier romantisch ans Werk. Gut, die Tempi sind recht zügig. Aber die Wiener Philharmoniker klingen satt und gut ausbalanciert. Ich wünschte, die anderen Bruckner-Aufnahmen von Harnoncourt wären so überzeugend gelungen.
Beim Finale geht er den Mittelweg. Einerseits ist es Tradition und sicher, die vollständig erhaltenen Sätze zu spielen. Andererseits gibt es gut geratene Rekonstruktionsversuche. Diese sind aber in ihrer Ausführung doch recht unterschiedlich.
Dem geht Harnoncourt aus dem Weg mit seinem Gesprächskonzert. Hier erläutert er anschaulich die Geschichte vom Finalsatz und lässt die erhaltenen Bruchstücke spielen. Insofern sei diese Aufnahme empfohlen, wer sich dem Finale der 9.Sinfonie annähern will, sowohl für den Wissenschaftler, wie auch für den Brucknerfreund.
Ansonsten kann ich noch die Einspielung vom Gewandhausorchester unter Herbert Blomstedt empfehlen. Die ist trotz Studioproduktion von berstender Intensität und zeigt Musiker die in dieser Musik leben.
Freunde des rekonstruierten Finales sei das Warten auf die Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle empfohlen. Die soll dann das Finale in der Rekonstruktion von Samale-Cohrs-Phillips-Mazucca enthalten.
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am 9. September 2003
Nach meinem Empfinden kommt Harnoncourt mit Bruckners 9. wesentlich besser zurecht als mit der 8., die er mit den Berliner Philharmonikern einspielte. Allerdings verliert er sich auch hier immer wieder im Detail und kann - im Gegensatz etwa zu Günter Wand oder Eugen Jochum - keine großen Spannungsbögen erzeugen. Dies ist aber bei Bruckners "Schwanengesang" kein so großes Manko wie bei der monumentalen Achten. Aufnahmetechnisch ist dies eine glänzende Demonstration für die Vorzüge der SACD. Die Klangfülle, Transparenz und Natürlichkeit des Klangs sind wirklich beeindruckend. Auch über die Wiener Philharmoniker kann man nur Lobesworte verlieren. Sehr aufschlussreich fand ich die Auszüge aus dem unvollständig gebliebenen Schlusssatz. Sie haben bei mir eine größere Wirkung hinterlassen als die Aufführungsfassung dieses Satzes, die Kurt Eichhorn 1992 mit dem Bruckner Orchester Linz einspielte. Harnoncourte machte bei seinen Erläuterungen einen gelösten Eindruck und wirkte nicht so belehrend wie bei anderer Gelegenheit. Insgesamt also eine sehr zu empfehlende Aufnahme. Hoffentlich folgen bald weitere SACDs vom gleichen Label.
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am 18. Oktober 2009
...erzeugen hier mit Harnoncourt und den Wienern - eine handfeste Enttäuschung! Ja, man muß hier sogar ein eindeutig deutliches Menetekel an die Wand schmieren: Wer erfrischende Radikalität im Harnoncourtschen Sinne der Fünften erwartet, sollte um diese Einspielung einen großen Bogen machen. Besonders das Adagio ist mir so unglaublich schlecht, emotionslos und seicht aufgestoßen, wie man es sonst nur von selbsternannten Bruckner-Epigonen wie Marthé zusammengeschustert kennt. Nein, so eine mißratene Aufführung wird auch von der überragenden Tonqualität einer SACD nicht mehr wirklich aus dem Einheitsbrei der sich heutzutage auf dem Markt tummelnden Bruckner-Versuche gehoben. Wiener Gemütlichkeit trifft auf ein wenig zu viel Routine - es scheint, die vorliegende Einspielung habe unter der Schwere gerade verdauter Sachertorten zu leiden gehabt. Untere Wertungsregionen, wäre da nicht...

...dieses ominöse Gesprächskonzert des Finales. Gut, man muß sich mit der Tatsache abfinden, daß Harnoncourt für mich völlig unverständlich einige dicke Unwahrheiten und Spekulationen der wüsteren Art vor sich hin salbadert - ein Kuriosum, haben wir es doch hier mit einem wirklich renommierten Maestro zu tun, der sich in Sachen Finale sicherlich auch durch die intensive Einstudierung der Partitur mit den Gegebenheiten der außerhalb der Einspielungsbruckstücke erhaltenden Teile vertraut gemacht haben dürfte. Ist man von dieser Unzulänglichkeit jedoch einmal ab, freut man sich über die Tatsache, daß man das REINE Originalmaterial ohne hinzugepfuschte Instrumentalisierungen etc. vorgespielt bekommt, daß Harnoncourt völlig richtig auf die wegweisenden Dissonanzen im Finalsatz hindeutet, die in ihrer vorliegenden Schärfe wohl erst wieder 13 Jahre später im Andante comodo von Mahlers Neunter "erreicht" werden, auf die einzelne Anwählbarkeit der Teilstücke - und vor allem über die Tatsache, daß es verteufelt gut eingespielt ist und dementsprechend in Puncto Finaltorso referenzverdächtig gut klingt. Welch ein Bruch zur restlichen Symphonie! Man hat -um o.a. Metaphorik nochmals heranzuziehen- den Eindruck, als ob das Orchester die Stücke des Finales VOR besagtem Kaffeklatsch hingezaubert hätte - nicht nur hungrig nach Sachertorten, sondern vor allem nach Musik! Und was für eine Musik! Die vorliegende Einspielung zeigt konsequent auf, daß die unvollendete Dreisätzigkeit der Neunten als über die Jahrzehnte akzeptierte Quasi-Komplettierung grober Unfug ist. Es lag nie in Bruckners (unausgesprochener) Duldung, diese Neunte mit den zugegeben sanft-ätherischen Wogen des das Lebensende umspülenden Adagios enden zu lassen. Bedenkt man die Kühnheit des Finalsatzes und die sukzessive Ausweitung des bereits in den Vorsätzen anklingenden Choralthemas, verspürt man die Hinwendung zur fulminanten Auflösung, zur typisch Brucknerschen Kulmination der Themenvielfalt. Wie Harnoncourt richtig andeutet, hatte Bruckner das Finale in der Tat vollendet, bevor diverse Unzulänglichkeiten der Nachlassverwalter zum Abhandenkommen von Notenbögen führten. Ob man eines Tages das Finale in vollständiger Pracht zu hören weiß, bleibt an dieser Stelle unbeantwortet. WAS hier jedoch eingespielt wird (und auch das war zum Zeitpunkt der Einspielung längst nicht alles, bedenkt man die fehlenden Coda-Takte etc.), ist Referenz - und hievt die unterdurchschnittliche Leistung hinsichtlich der Sätze 1-3 in Kombination mit dem superben SACD-Klang noch gerade eben auf 3 Sterne. Kaufpflicht besteht für Brucknerfreunde ohnehin.
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am 30. September 2003
Wie ein Stein vom Mond? Nikolaus Harnoncourt mag Recht haben: Bruckners Musik hat nicht nur auf viele seiner Zeitgenossen wie ein außerirdischer Fremdkörper gewirkt. Dazu hat romantische Verklärung heftig beigetragen. Auch der Finalsatz der Neunten leidet unter dieser Kolportage, von der sich nicht einmal Harnoncourt selbst befreit. Sein Einsatz für diese von John Phillips edierte ,Dokumentation des Fragments' wirkt nämlich halbherzig. Warum ließ er die 52 Takte der Coda weg, die im kundigen Booklet von B.-G. Cohrs abgedruckt sind? Warum ist sein kauziger Einführungstext voller Widersprüche und Spekulationen - so etwa die nirgends belegbare Behauptung, Bruckner habe in der heute nicht mehr vorhandenen Coda alle möglichen Themen aus früheren Sinfonien übereinandertürmen wollen? Und warum schreibt er die Unsitte fort, Sätze 1 bis 3 als Torso aufzuführen, obwohl das Te Deum von Bruckner ausdrücklich als Finalsatz bestimmt ist? Dazu passend sein Umgang mit der ergänzten Aufführungsfassung: Im Magazin Crescendo hat er im September 2003 solche Vervollständigungen als „Faschingsparodien begabter Studenten" bezeichnet, im gleichen Atemzüge aber Süßmayrs oft stümperhafter Requiem-,Vollendung' das Wort geredet. Auch die musikalische Darstellung des Finale-Materials läßt zu wünschen übrig: Die Tempi wirken gehetzt, und die Wiener liefern eine gelangweilte Pflichtübung ab, in der beispielsweise keiner der doppeltpunktierten Rhythmen im Seitenthema von den Violinen akkurat gespielt wird. Celibidache nannte die Truppe ein „Mezzoforte-Orchester", was sich hier bestätigt. Die ersten drei Sätze bewältigen die Wiener routiniert aus jahrzehntelanger Erfahrung mit dem Werk. Auf die Vorstellungen des Dirigenten hinsichtlich sprechender Darstellung oder Reduzierung des Streichervibrato reagiert es aber wohl weitaus allergischer als zum Beispiel die Berliner Philharmoniker auf Harnoncourts Ideen zu Bruckners Achter (auch wenn das Zusammenspiel jenem live-Mitschnitt zufolge eine Katastrophe war). Man hört immer wieder, wo Harnoncourt mit seinen Ideen bei den Wienern an Grenzen stößt. Vergleicht man Harnoncourts Neunte mit Aufnahmen wie unter Celibidache oder Giulini, hat sie uns mit Ausnahme einiger merkwürdigen Eigenwilligkeiten, die nicht in der Partitur stehen, nicht viel neues zu sagen. Er und die Wiener können nun beruhigt wieder zur Tagesordnung übergehen, nachdem das Thema sozusagen auf höchstem Bekanntheitsgrad offiziell erledigt wurde. Ich selbst hatte in den letzten Jahren zweimal das Glück, den Herausgeber der Sinfonie in der Bruckner-Gesamtausgabe, den Dirigenten Benjamin Cohrs, mit Aufführungen des Finalefragments in Düsseldorf und der komplettierten Neunten mit ergänztem Finale in Gmunden live erleben zu dürfen. In beiden Konzerten kam die Radikalität der Neunten noch sehr viel kompromißloser und überzeugender zum Ausdruck als in dieser weichgespülten Harnoncourt-Aufführung mit den Wienern. Die beiden Orchester unter Cohrs' Leitung waren musikalisch zugleich viel engagierter. Es ist wahrlich eine Schande, daß eine so gelangweilte Standard-Aufführung bei BMG/RCA auf CD erscheinen darf, während ein engagierter Außenseiter wie Cohrs kaum Chancen haben dürfte, seine musikalisch kompetenten Ergebnisse und seine behutsam-kongeniale Finale-Ergänzung jemals mit einem namhaften Orchester auf CD zugänglich zu machen. Manchmal geht das immerhin, wie der Fall von Gilbert Kaplan zeigt: Dieser amerikanische Multimillionär durfte immerhin seinen jahrelangen Einsatz für Mahlers Zweite (einschließlich der Veröffentlichung seiner kritischen Neuausgabe in der Mahler-Gesamtausgabe) soeben noch einmal auf CD einspielen: Für die Deutsche Grammophon mit den Wiener Philharmonikern. Geld müßte man haben... Immerhin ist es gut, daß das Finale-Fragment nun überhaupt einmal auf CD vorliegt und man einen Eindruck von Bruckners eigenen Plänen mit diesem Satz gewinnt. Schade, daß von dem offenbar weitaus fertigeren Stück so viel verloren gegangen ist.
Franz-Peter Winter, Wien
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am 20. Februar 2014
Keine Frage: Bruckner ist ein großartiger Komponist. Das Besondere an dieser CD ist die Aufführung unter der Leitung von Harnoncourt, der auf der einen CD eine historisch kritische Einführung zu Bruckners 9. gibt. Die Klangqualität der Aufnahme ist hervorragend, die Aufführung auch und wie gewohnt überzeugt der Dirigent. Wer sich für symphonische Werke interessiert, sollte diese CD nicht verpassen....
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am 29. September 2003
Noch heute koennen viele mit Bruckners Musik wenig anfangen. Dazu hat romantische Verklaerung viel beigetragen. Auch der Finalsatz der Neunten leidet unter dieser Kolportage, von der sich nicht einmal Harnoncourt befreit hat, denn sein Einsatz für diese ,Dokumentation des Fragments' wirkt halbherzig. Warum liess der Dirigent die ueberlieferten Coda-Skizzen weg, die im kompetenten Booklet von B.-G. Cohrs abgedruckt sind? Warum ist sein kauziger Einfuehrungstext voller Fehler, zum Beispiel seine Spekulation, Bruckner habe in der Coda Themen aus frueheren Sinfonien uebereinandertuermen wollen? Und warum schreibt Harnoncourt die Unsitte fort, Saetze 1 bis 3 als Torso aufzufuehren, obwohl ausdruecklich das Te Deum von Bruckner als Finalsatz bestimmt war? Dazu passend sein Umgang mit der ergaenzten Auffuehrungsfassung: Im Magazin Crescendo hat er im September 2003 solche Versuche als „Faschingsparodien begabter Studenten" bezeichnet... Immerhin ist nun endlich einmal Bruckners Musik zum Finale auf CD erschienen, wenn auch ihre musikalische Darstellung einiges zu wuenschen uebrig laesst: Die Tempi wirken gehetzt, und die Wiener liefern eine Pflichtuebung ab, in der z. B. kein einziger der doppeltpunktierten Rhythmen im Seitenthema von den Violinen akkurat gespielt wird. Celibidache nannte diese Truppe ein „Mezzoforte-Orchester", was sich wieder einmal bestaetigt. Den Rest bewaeltigen die Wiener routiniert aus dem Geist jahrzehntelanger Erfahrung mit dem Werk. Auf die Vorstellungen des Dirigenten hinsichtlich einer sprechenden Darstellung der Phrasen oder Reduzierung des Streichervibrato reagiert es aber wohl weitaus allergischer als die Berliner auf Harnoncourts Ideen zu Bruckners Achter (Teldec). Man hoert in der Neunten immer wieder, wo Harnoncourt bei den Wienern an Grenzen stoesst. Vergleicht man seine Neunte mit Aufnahmen wie unter Celibidache oder Giulini, hat sie mit Ausnahme einiger Eigenwilligkeiten wenig neues zu sagen. Er und die Wiener koennen nun beruhigt wieder zur Tagesordnung übergehen, nachdem das Thema „Neunte mit Finale" auf hoechstem Bekanntheitsgrad offiziell erledigt wurde. Ich selbst hatte zweimal das Glück, den Herausgeber der Neuausgabe der Sinfonie, den Dirigenten Benjamin Cohrs, mit Auffuehrungen des Finalefragments in Duesseldorf und der komplettierten Neunten mit ergaenztem Finale in Gmunden live erleben zu duerfen. In beiden Konzerten kam die Radikalitaet der Neunten noch viel kompromissloser und ueberzeugender zum Ausdruck als hier. Es ist eine Schande, dass eine oftmals gelangweilt wirkende Standard-Auffuehrung wie unter Harnoncourt auf CD erscheinen darf. Ein engagierter Aussenseiter wie Cohrs duerfte dagegen kaum Chancen haben, seine musikalisch kompetenten Ergebnisse und die behutsam vorgenommene Finale-Ergaenzung jemals mit einem namhaften Orchester auf CD zugaenglich zu machen. Manchmal geht das, wie der Fall Gilbert Kaplan zeigt: Dieser Multimillionaer durfte immerhin seinen jahrelangen Einsatz für Mahlers Zweite (einschliesslich der Veroeffentlichung seiner kritischen Neuausgabe in der Mahler-Gesamtausgabe) soeben noch einmal auf CD einspielen: Für die Deutsche Grammophon mit den Wiener Philharmonikern... Geld macht's moeglich?
Franz Peter Winter, Wien
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