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am 11. Juni 2014
Krysztof Kieslowskis Werke sind feinste nuancierte Reisen in die menschliche Psyche.
Eine Bilderkraft, die atemlos macht. Eine Wucht der Töne, Strukturen, Farben und Bilderstürme, die es schaffen psychische Befindlichkeiten in grosser Intensität fühlbar, erlebbar zu machen.
Sein "Dekalog" nach den zehn Geboten, unvergesslich, erschütternd . Ebenfalls seine Trilogie der Farben Blau , Weiß, Rot.
Drei Farben, die sinnbildlich für die französische Flagge stehen und sich mit den kleinen und doch so elementar grossen Einzelschicksalen ganz normaler Menschen , ihren Träumen, Verfehlungen, ihren Lebenstragödien widmen.
Sieht man alle drei Filme nacheinander entwerfen sie ein Gesamtkommentar zu menschlichem Verhalten, ethisch, moralischen Dilemmas, Entscheidungen.
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichket, die Schlagworte der französischen Revolution verschmelzen erst in der Gesamtwirkung zu einem grossen, fast religiösem Kosmos.
Vorrauschickend muß man sagen, daß hier mit "Drei Farben Blau" ein schillerndes unvergessliches Kunstwerk vorliegt, das von jedem Zuschauer selbst erlebt, erfühlt, werden muß.
Hier greift jede Inhaltsangabe eigentlich zu kurz,muß unfreiwillig plakativ und klischeehaft wirken, denn was Kieslowski an brillanter , überirdischer Kraft in dieses Werk legt, ist mit Worten kaum zu erfassen.
Es gehört zu der grossen flirrenden Komplexität des Films, daß ich hier nur einen möglichen Deutungsweg geben kann und viele Zuschauer noch ganz andere Aspekte in dem funkelnden Facettenreichtum erkennen werden.
In kurzen Worten geht es vordergründig um die junge Julie (in einer ihrer markantesten Rollen Juliette Binoche), die gleich in den ersten Minuten bei einem Autounfall ihren Mann Patrice, ein Komponist und ihre Tochter verliert.
Etwas Bremsflüssigkeit, die in hypnotisch langsamer Weise ausläuft,das kleine Mädchen, das noch schemenhaft aus dem Heckfenster des Autos schaut--und in einer Sekunde ist nichts mehr so wie es einmal war.
Erbarmungsloser kann ein Schicksal nicht zuschlagen.
Die Kamera ruht nur in Großaufnahme auf Julies zitternder Pupille. Das Gesicht eines Arztes spiegelt sich in ihr, als sie kurz nach dem Aufwachen aus dem Koma die schreckliche Nachricht vom Tod ihrer Liebsten übermittelt bekommt.
Wie kann ein Mensch nach dem Verlust jedweden Lebensinhaltes zu neuem Mut zurückfinden? Kann es noch einmal eine Möglichkeit der Neuorientierung, der Rückkehr in einen möglichen Lebensinn geben oder hat er die geistige Freiheit und Autonomie (denn als große Metapher schwebt die Frage nach Freiheit und Selbstverantwortung über der Geschichte) auch sein Leben im Angesicht der Sinnlosigkeit endgültig selbst zu beenden.
Diese letzlich allumfassende Freiheit auch die eigene Existenz auszulöschen verwehrt Kieslowski unserer Protagonistin.
Die Überdosis Schlaftabletten, die sie in ihrem ohnmächtigen Schmerz schluckt, wird sie wieder herauswürgen.
Die Freiheit ,das Leben beenden zu können, ist nicht so mächtig wie die Kraft der eigenen Selbsterhaltung.
Kieslowski zeigt nun in unglaublich betörenden, magischen Bildern, in phantastisch komponierten Seelenlandschaften, die in so packender Weise jeden Gegenstand, jeden Augenaufschlag, jede Dialogzeile metaphorisch bis zur äussersten Anspannung aufladen, welchen Weg zur Bewältigung dieses Traumas einer Frau wie Julie noch offenstehen können.
"Das Wichtigste ist mir in einer neuen Wohnung, daß im Haus keine Kinder sind" sagt Julie mit so ausdruckslosen Blick, hinter dem die ganze Wucht des Verlustes lauert.
Vergessen, verdrängen, sich wieder konfrontieren. Was kann der Ausweg sein?
Die blau schillernde geheimnisvolle Deckenlampe, die sowohl sinnbildlich für alles verlorene Schöne und gleichzeitig Ausdruck für eine neue Kraftquelle ist; sie bleibt als einzige in der neuen Wohnung erhalten.
Zu diesem Zeitpunkt sind vielleicht fünfzehn Minuten des Films vergangen, und wir Zuschauer schauen schon mit offenem Mund, gebannt und vollkommen gefesselt auf dieses Schicksal. Denn Kieslowskis Filmkunst trifft bis ins Mark.
Selten einen Film gesehen, der von Anfang an so an die Nieren geht, schrecklich und überirdisch schön in exzentrischer Poesie die Welt um sich vergessen läßt.
Die Faszination von bis in das letzte Wimpernzucken pointierter, durchdacht filmischer Sogkraft.
Epochal alleine schon die Szenen wie Kiesloswki den anfänglichen Autounfall inszeniert.
Wie er ihn verfremdet, in betörend mystische, gleichzeitig so melancholisch grausame Bilder- Arrangenmets taucht.
Vergeblichkeit, Feierlichkeit, Verhängnis- das hat man definitiv noch nicht gesehen.
Der Hauch des Unwirklichen, Schicksalhaften, man möchte sagen religiös Ergriffenen liegt über jeder einzelnen Einstellung.
Der Tod als wunderschöne und doch so erbarmungslos bittere Sinnensinfonie.
Julies Physiognomie wird uns von nun an in jeder Szene intensiv teilhaben lassen an jedem Schmerz, an jedem verlorenen Gedanken, an jeder kleinen Hoffnungsregung oder beklemmenden Angst, die sich in ihrem Inneren abzeichnet.
Qual der Trauer !
Hilft es ehemalige Hauseinrichtungen zu verkaufen, die Musikkompositionen ihres Mannes zu entsorgen ? Hilft es zärtliche Ablenkung zu suchen in den Armen eines alten Jugendfreundes?
Wie in Trance, selbst als Zuschauer unglaublich aufgewühlt nimmt uns Kieslowski mit auf die Reise in eine gebrochene Seele, in kleinste feine Strukturen und Irrwege.
Menschliches Leid scheint für Julie nach ihrem eigenen Trauma nicnt mehr richtig nachvollziehbar, lange Zeit die Seele tot und verhärtet zu sein.
Als ein junger Mann auf ihrer Strasse zusammengeschlagen wird und um Hilfe bittet schaut sie nur noch teilnahmslos zu. Alle Emotionen scheinen für immer verschlossen.
Doch so unmerklich und meisterhaft wendet Kiesloswki das Blatt.
Julie wird anfangen ihr Schicksal anzunehmen, und wird ,konfrontiert mit der Vergangenheit ihres toten Mannes einmal mehr alle Lebensillusionen verlieren, ihren damaligen scheinbar idyllischen Lebensentwurf nachträglich auf dem Prüfstand sehen.
Doch ohne eine wirklichen Wendepunkt benennen zu können, wird Julies Lebenskraft siegen, findet sie durch das Aktzeptieren des Unvermeidlichen wieder zu neuer Stärke.
Sogar die ehemalige Geliebte ihres Mannes kann sie aufsuchen und - ihr verzeihen.
Neues Leben, Erlösung von Traumata kann nur beginnen durch bewusste Auseinandersetzung, Konfrontation, Annehmen , Vergeben können und der Fähigkeit loszulassen.
Schicksalstragödie als langer schmerzhafter Reifeprozess.
In einer fulminanten, atemberaubend schönen Abschlußsequenz hat sie sogar die menschliche Größe die unvollendete Komposition ihres verstorbenen Mannes zu vollenden.
Die sphärisch unvergessliche Musik des Films berauscht in überirdischer Dramatik gegen Ende wie auch immer wieder über die Gesamtlaufzeit des Films.
Mit dem Finger streicht Julie über die Notenzeilen während auf der Tonspur die gänsehauterregende, bombastische Komposition ertönt.
In einem Kameraschwenk erscheinen noch einmal alle Protagonisten des Films und lauschen, scheinen selbst in sich zu horchen , erlöst von seelischen Konflikten, die sie selbst verzehrten, bis eine einzige Person (Julie) Verzeihung und Neuanfang in ihr Dasein brachte.
Es gib eine übergeordnete Gnade, eine Hoffnung im Hinblick auf die menschlichen Verwerfungen, so vermittelt das Kunstwerk.
Da ist noch einmal der Junge zu sehen, der den Autounfall beobachtete. Da ist die Muttter im Altersheim, die ihrer Tochter nicht seelische Wärme vermitteln konnte.
Da ist der tote Ehemann, der zeitweise ein Doppelleben führte, seine heimliche Geliebte. Sie alle sind Teil eines nicht erklärbaren übergeordneten, grossen Zusammenhangs , einer Ahnung von grösseren Sinnfragen.
Und letzendlich das Bild eines Ungeborenen , das allein für sich den hoffnungsvollen Neubeginn, den ewigen Kreislauf versinnbildlicht von Leben und Tod, von Lieben, Loslassen und Neubeginn.
"Drei Farben: Blau" bleibt einmal gesehen für immer im Gedächtnis, handelt in sprachlos machender Weise von der menschlichen Psyche, erschreckt, verstört, zerreisst das Herz, vermittelt Trauer, Bewältigung und Erlösung in kosmischen Geborgen sein.
Ein Film der niederschmettert und gleichzeitig Hoffnung schöpfen läßt und das in nie gekannter phänomenal arabesker Bild und Tondramaturgie.
Eine Atmosphäre die das Unterbewusstsein tief erschauern läßt, -leise melodienhaft, dann wieder donnernd aufrührend.
Worte sind zu palaktiv, zu eingrenzend. Dies ist ein Kinoerlebnis, das jeden einzelnen sinnlich mit seiner Magie erfüllen wird.
"Drei Farben: Blau", ein soghaftes Farbenspiel der Seele.
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am 23. August 2013
Am Ende von Giacomo Puccinis Oper "Manon Lescaut" (1893) steht der Partner der Titelheldin, René Des Grieux, ganz allein auf der Bühne: Inmitten der schier unendlichen Weite der Steppenlandschaft des nordamerikanischen Exils, hält er die soeben an Entkräftung verstorbene Geliebte in seinen Armen. Dies ist die möglicherweise radikalste Erfahrung von Freiheit, wenn auch am äußersten Rand der Verzweiflung.
Krzysztof Kieslowski erzählt in seinem Spielfilm "Trois Couleurs: Bleu" (1993) eine ähnliche Geschichte. Die etwa 30-jährige Komponistin Julie verliert bei einem Autounfall Ehemann Patrice und Tochter Anna, ihr einziges Kind. Als Julie, verletzt im Krankenhaus liegend, davon erfährt, will sie zunächst ihrem Leben ein Ende setzen, entscheidet sich aber dagegen. Aus der Klinik entlassen, möchte sie sämtliche Brücken zu ihrer Vergangenheit abbrechen: Sie verlässt das Haus, in dem sie zuvor mit ihrer Familie gelebt hat und schreibt es zum Kauf aus, veräußert ihre gesamte Habe und wirft sogar die noch unvollendete letzte Komposition ihres Mannes, ein Konzert zur Vereinigung Europas im Jahr 1992, in einen Müllwagen. Die Adresse ihrer neuen Mietwohnung, einer alten, düsteren, eher schäbigen Unterkunft inmitten eines sozialen Brennpunktgebiets der Großstadt Paris, verrät sie niemandem, selbst Olivier (Benoit Régent) nicht, mit dem sie kurz vor ihrem Umzug eine gemeinsame Nacht auf einer Matratze verbracht hat, die einzig noch in der ansonsten völlig leergeräumten Wohnung verblieben war. Seit dem ersten Tag, da Olivier, ebenfalls Komponist, mit Julies Ehemann zusammenarbeitete, hatte er sich in Julie verliebt, mit Rücksicht auf ihre Situation jedoch Zurückhaltung gewahrt. Bemerkt aber hat sie dies trotzdem. - Nun aber lebt Julie monatelang in völliger Einsamkeit und Zurückgezogenheit, ist lange Zeit innerlich wie gelähmt, kämpft aber mit großer innerer Unbeugsamkeit dagegen an. Besonders deutlich sehen wir dies während ihrer insgesamt vier Aufenthalte allein in einem kaum erleuchteten Schwimmbecken, dessen Ambiente eher dem einer Fabrikhalle ähnelt. Ansonsten lässt sie zunächst nur Begegnungen mit Menschen zu, die am Rand der Gesellschaft stehen: mit einem älteren Clochard, dessen ausdrucksstarkes Flötenspiel sie immer wieder für kurze Zeit aus ihrer Erstarrung befreit, mit ihrer demenzkranken Mutter, die im Altenheim lebt, Julie aber mit ihrer jüngeren Schwester verwechselt und mit Lucille (Julie Delpy), einer jungen Prostituierten, die dank Julies Unterstützung (Verweigerung der Unterschrift einer Petition der übrigen Mitbewohner) weiterhin im Haus bleiben darf. Im Gegensatz zu Julie hält Lucille das Alleinsein keine Nacht lang aus, erlebt aber nur flüchtige Liebesbeziehungen. Doch sie versteht augenscheinlich besser als alle anderen, wie es Julie zumute ist und gewinnt so allmählich das Vertrauen ihrer Nachbarin. Als Julie eine Maus und ihre Jungen in der Wohnung entdeckt, wobei sie vom Schmerz über den Verlust Annas eingeholt wird, sorgt Lucille dafür, dass die Tiere aus der Wohnung verschwinden. Umgekehrt gibt Julie ihrer Mitbewohnerin Halt, als diese nach einem Tanzauftritt völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist, weil sie ihren Vater im Publikum entdeckt hat.
Kurz nach ihrem Umzug hatte Julie geäußert: "Wichtig ist überhaupt nichts. (...) Ab jetzt habe ich verstanden, dass ich nichts mehr will: keine Erinnerungen, keine Beziehung, keine Freunde, keinen Besitz. Das alles sind nur Fallen." Aber im Laufe der Zeit scheint sie dennoch den Appell des alten Straßenmusikers zu beherzigen, man müsse sich immer irgend etwas bewahren. Trotzdem reagiert Julie zunächst mit Wut, als sie erfährt, dass vom Konzert ihres verstorbenen Mannes eine Kopie existiert, was ihr mit der Begründung: "Diese Musik ist unglaublich schön; man darf solche Dinge nicht vernichten" verschwiegen worden war. Nur sehr zögerlich lässt sie sich von Olivier, der die Matratze aus der leeren Wohnung gekauft und viele Monate unermüdlich nach Julie gesucht hat, zur gemeinsamen Vervollständigung der Komposition überreden. - Doch dann erlebt die Protagonistin eine weitere tiefe Erschütterung, als sie erfährt, dass ihr Mann in den letzten Jahren seines Lebens eine Geliebte hatte, eine Anwaltsreferendarin. Julie sucht die Begegnung mit ihr. Sobald ihr bewusst wird, dass beide eine wirklich tiefe Zuneigung miteinander verbunden hat, reagiert sie anders als zunächst von der anderen Frau befürchtet ("Sie werden ihn hassen und mich auch"): Völlig überraschend vererbt sie dem noch nicht geborenen Jungen ihr (noch immer unverkauftes) Haus und äußert den Wunsch, das Kind möge den Namen seines Vaters tragen. Daraufhin erwidert die Geliebte ihres Mannes: "Patrice hat mir vieles von ihnen erzählt. Dass Sie ein guter Mensch sind und dass Sie dies aus freiem Willen sind. Dass man sich auf Sie verlassen kann. Sogar ich darf das. Verzeihung!" - Auch die sonstigen Dialoge des Films sind bemerkenswert: oft lakonisch unsentimental, aber doch stets von unaufdringlichem Mitgefühl und einem zumindest latenten gegenseitigen Verständnis geprägt. In diesem Film wird kein Wort zuviel gesprochen. Überaus intensiv sind hingegen seine Bildsprache (Symbole: schwarze Gitter, dunkelblaue Gegenstände (Filmtitel!): Zimmerlampe, Bonbonpapier, Wasser im Schwimmbad) und die ungemein aussdrucksstarke Mimik der Hauptdarstellerin Juliette Binoche: Ihr Gesicht vor allem erzählt von ihrem Schmerz (etwa als Kinder in das Schwimmbecken springen), von ihrem Aufbegehren gegen die Verzweiflung und ihrer unumstößlichen Entschlossenheit, einen ganz eigenen Weg zurück ins Leben zu finden.
Am Ende haben sie und Olivier das Konzert ihres Mannes vollendet. Doch Olivier holt die Noten nicht bei ihr ab, sondern wartet, bis sie dazu bereit ist, diese selbst bei ihm vorbeizubringen. Dort erleben beide dann, am Ende des Films, ihre zweite gemeinsame Nacht. Dazu erklingt das Finale des komponierten Konzerts: eine Vertonung des paulinischen Hohelieds(1 Korinther 13,1-13) in griechischer Originalsprache. Diese höchst beeindruckende Komposition von Zbigniew Preisner, der auch die übrige Filmmusik geschrieben hat, fasst die Botschaft des Films nochmals wie in einem Brennpunkt zusammen. Diese Musik lässt, fernab von jeglicher Idylle, erkennen, dass der Anspruch der Liebe (ob nun als Partnerschaft oder im Sinne fürsorglicher Agape) dem Menschen das Äußerste abverlangt: enorme Kraftanstrengung und große Widerstandsfähigkeit - und sie endet beunruhigend offen; Preisner verzichtet in den letzten Akkorden auf den sonst üblichen Ganz- oder Halbschluss. Auch die Schlusssequenz des Spielfilms ist vielschichtig: Neben Julie und Olivier werden auch Antoine, einziger Augenzeuge des Autounfalls, Julies Mutter im Pflegeheim und die Geliebte ihres Mannes gezeigt, die sich während einer Vorsorgeuntersuchung das Ultraschallbild ihres noch ungeborenen Sohnes ansieht. Die letzte Einstellung der Kamera ist auf Julie gerichtet: Sie sitzt allein auf Oliviers Bett und weint - ihr lange zurückgehaltener Schmerz scheint erst jetzt nach außen zu dringen, nachdem die bitterste Zeit der Not überstanden ist.
Mit "Trois Couleurs: Bleu", dem ersten Teil einer Trilogie über die drei Ideale der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) hat sich Krzysztof Kieslowski zum Ziel gesetzt, die Zuseher/-innen für das Thema "Freiheit" unter den Lebensbedingungen des späten 20. Jahrhunderts in Europa zu sensibilisieren - einer Unabhängigkeit, die bisweilen mit äußerster Kargheit einhergeht und dem Menschen gerade deswegen ein hohes Maß an Tapferkeit und Selbstvertrauen abverlangt. Wie in vielen anderen Filmen zeigt der Regisseur auch hier, dass der Mensch, relativ unabhängig von seinem Verhalten und Handeln, von nahezu unerträglichen Widerfahrnissen getroffen werden kann. "Plötzlich ist die Freiheit auf mich herabgestürzt. (...) Deine Freiheit ist nichts als deine Verbannung", so Jean-Paul Sartre in seinem Drama "Die Fliegen" (1943, 3.Akt, 2.Szene). Und Stiller, der Titelheld in Max Frischs gleichnamigem Roman (1954), erkennt, unmittelbar nach einem missglückten Selbsttötungsversuch: "Es blieb mir die Erinnerung an eine ungeheure Freiheit. Alles hing von mir ab. (...) Näher bin ich dem Wesen der Gnade nie gekommen" (Siebentes Heft, S. 381). Vermag aber der Mensch einer solchen Freiheit über längere Zeit standzuhalten, ohne daran zu zerschellen? Zeugt es nicht von noch größerer Gnade, aufgefangen, gehalten zu werden? Obwohl Krzysztof Kieslowski und seine Darsteller/-innen diese letzte Frage am Ende zu bejahen scheinen, hält uns "Trois Couleurs: Bleu" eine endgültige Antwort vor. Gerade das ist ein Indiz für die außergewöhnliche Qualität dieses Films - eines Kunstwerks, welches lange nachwirkt und einen kaum noch loslässt.
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am 2. Januar 2012
Der Film erzählt von einer jungen Frau, die bei einem Autounfall ihren Mann und ihr Kind verliert. Darüber gerät sie in eine tiefe Depression und unternimmt noch im Krankenhaus einen Selbstmordversuch. Dieser mißglückt, und sie ist gezwungen, weiterzuleben. Sie versucht einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit, doch diese holt sie wieder ein: in Gestalt eines ehemaligen Kollegen ihres Mannes. In der Folge findet sie zu ihrer eigentlichen Begabung, dem Komponieren, zurück und entdeckt sogar, daß diese größer ist, als bisher geglaubt. Sie tritt aus dem Schatten ihres Mannes, kann in ihrem Leben wieder einen Sinn finden und Frieden mit der Vergangenheit schließen: mit der Geliebten ihres Mannes und deren gemeinsamem ungeborenen Kind. Am Ende kann sie sich auch wieder der Liebe öffnen.
Der Film zeigt auf wunderbare Weise, daß man an traumatischen Erfahrungen nicht zwangsläufig zerbrechen muß. In Grenzsituationen des Lebens kann man bisher ungeahnte Kräfte in sich spüren, die dann wieder helfen können, Ängste und Depressionen zu überwinden.
Die Musik spielt natürlich eine große Rolle in diesem Film und ünterstützt auf ihre Weise das Thema.
Ein großartiger Film, der Lust auf die anderen beiden Teile der Trilogie macht.
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am 20. Juni 2010
Julie Vignon - de Courcy a young Frenchwoman (Juliette Binoche) is involved in an accident that will set her on a journey self-discovery. We go along with her and imaging what we would have done.
This is a good film with a message. It is blurred by the attempt to introduce too many details that are trying to reflect ideas that could have been left out or explained strait forward. The lack of direct information and many of the modifications from the screenplay makes this an average rated film.
I believe that this film requires a common knowledge the writer and a film genera that I am not familiar with so the target audience may be restricted.

One plus is the Cinematography of Slawomir Idziak that will really come to life in the film GATTACA (1997).

The film finally comes alive and what on the surface seems a musical downer of a depressed person in a depressed world can come alive for us if we listen to the voice over interpretation first. The version I have is the Criterion version so I am not sure that other versions have the voice over with Annette Insore.
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am 19. Januar 2001
Kaum ein Regisseur vermag derart tief in die Abgründe persönlicher Tragik einzutauchen,ohne in Kitsch oder Pathos abzugleiten wie Herr Kieszlowski, und kaum jemand wäre wohl so geeignet diese verzweifelten Empfindungen auf der Leinwand auszudrücken, wie Juliette Binoche, deren Porzellangesicht in seiner sparsamen Mimik so viel mehr sagt, als manche Hollywooddiva mit großen Gesten. Der dritte große Beitrag zu diesem bewegenden Film - dem besten der Drei Farben - ist die herzzerreißende Musik von Zbigniew Preisner. Soundtrack sehr hörenswert !!!
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am 13. Dezember 2001
Ananda aus Peiting, D hat's kurz, bündig und sehr trefflich gesagt. Dazu zu sagen wäre vielleicht noch, dass ausser hervorragenden schauspielerischen Leistungen auch die einzigartige Arbeit mit der Kamera und dem Schnitt dazu beitragen, die Tiefen der menschlichen Seele ergreifend darzustellen. Ein wahres Meisterwerk. War für mich - zusammen mit den beiden anderen Teilen der Trilogie - das Kinoerlebnis des Jahrzehnts.
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am 29. Juli 2002
die tiefen des films, seiner symbole und vergleiche versteht man zum teil erst beim 2. oder 3.mal anschauen - die tiefe der thematik und ihre ausdrucksformen in den 3 filmen blau, weiss und rot sind für mich in dieser form bislang einmalig geblieben- und bilden somit für mich wirklich das ereignis des jahrzehnts- mindestens.
das ganze bekommt noch die richtige würze durch die excellenten schauspieler, besonders in "blau" und "rot"
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am 18. Mai 2006
Handlung:

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Julie (Juliette Binoche) verliert bei einem Autounfall ihre Tochter und Mann, ein berühmter Komponist. Sie aber überlebt und wird ins Krankenhaus eingeliefert.

Als sie entlassen wird, will sie ihr altes Leben hinter sich lassen und verkauft das Haus, ihr ganzes Hab und Gut und geht nach Paris um dort ein neues Leben anzufangen.

Nach und nach bekommt ihr Leben wieder einen Sinn angeregt durch Olivier (Benôit Régent), den Assistenten ihres Mannes, für den sie immer mehr Gefühle entwickelt, und durch eine Journalistin die über die nicht vollendete Komposition ihres Mannes berichtet.

Zusammen mit Olivier will sie nun diese Komposition zu Ende bringen.......

Kritik:

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Der 1996 verstorbene Regisseur Krzysztof Kieslowski legt in seinem ersten Teil der "Drei Farben Trilogie" sehr viel Wert auf Details. Sehr gut Gefallen haben mir die Kamera-Einstellungen, die eben schon erwähnte Liebe zum Details und den geschickt eingesetzten Blaufilter.

Untermalt wird das Ganze durch die geniale Musik von Zbigniew Preisner der auch schon in anderen Projekten von Krzysztof Kieslowski mitgewirkt hat.

Aber auch Julliette Binoche zeigt in diesem Film ihr wahres Talent. Es kommt zu keinem Moment der Zweifel auf, daß sie die falsche Besetzung ist, im Gegenteil, sie ist perfekt für diese Rolle.

DVD:

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Ausstattung

Es gibt genügend Info's über den Film und daher müsste für jeden was dabei sein.

Folgendes ist enthalten:

- Biographien von der Crew,

- Making Of

- Interviews

Ton

Ich habe mir den Film mit dem Französischen DD 2.0 Soundtrack angesehen und habe hier nichts negatives zu bemerken.

Bild

Es gaben einige Unschärfen in verschiedenen Szene aber ansonsten war das Bild sehr sauber. Durch die eingesetzten Filter variiert das Bild zwischen niedriger Farbeintensität, "normalen" Bild oder extremen Blau.

Fazit:

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Meine Erwartungen wurden erfüllt. Ein starker und stimmungsvoller Film der sich niemand entgehen lassen sollte.

Es könnte aber sein, daß Hollywoodinfizierten dieser Film nicht gefallen könnte.

Die jenigen unter euch für die das europäische Kino Neuland ist sollten sich den Film zuerst ausleien und sich dann eine Meinung bilden.

Meiner Wertung:

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Film: 7.5/ 10

DVD: 7.0/ 10
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Dies ist der erste Teil der Trilogie von Krzysstof Kieslowski, die sich mit den drei Farben der Französischen Flagge filmisch auseinandersetzt. Blau steht für die Freiheit und darum geht es in diesem Film. Julie überlebt einen schweren Unfall, bei dem ihr Mann, der ein berühmter Komponist ist, und ihre Tochter getötet werden. Aus dem Krankenhaus entlassen, bricht sie radikal mit ihrer Vergangenheit und zieht nach Paris, um ein Leben möglichst ohne Kontakte zu anderen zu führen. Sie möchte "einfach nichts tun". Auch die Noten ihres Mannes vernichtet sie. Aber die Vergangenheit holt sie doch ein, nicht nur in Form von Trauer, bald kommt auch noch die Liebe hinzu, außerdem besteht natürlich von verschiedenen Seiten großes Interesse am Werk ihres verstorbenen Ehemannes...Der Film wurde mit vielen Auszeichnungen, u.a. Goldener Löwe'93, Goya Award'94 bedacht, besonders auch die Musik, die ja auch selbst ein wichtiges dramaturgisches Element des Films ist, wird zu recht lobend erwähnt. Persönlich fand ich den Film manchmal ein bisschen lang (manche Filme dürfen das aber sein), manchmal ein bisschen plakativ (was die Darstellung von Trauer angeht), sonst aber ein intensiver und auch von den Bildern her schöner Film über Veränderung, Erinnerung, die Trauer und das Leben.
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am 3. Juli 2002
Ein toller Film. Da paßt alles !! Die einzigartige Regie von Kieslowski, die verzaubernde Musik von Preisner und last but not least Juliette Binoche, eine Ausnahme-Schauspielerin, die den
Charakter Julie hervorragend interpretiert und darstellt.
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