Kundenrezensionen

1
5,0 von 5 Sternen
5 Sterne
1
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Easter Everywhere
Format: Audio CDÄndern
Preis:50,10 €+3,00 €Versandkosten

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Bei Acts mit exzellenten Debütalben fragt man sich immer wieder: Was kann da noch kommen, und wird es gelingen, das Niveau zu halten? Nicht wenige schafften diese Hürde nicht, aber zu denjenigen, die es am besten hin kriegten, gehören diese Fünf aus Austin, Texas. 1966 und Anfang 1967 zahlreiche Gigs, ganz guter Verkauf der "Psychedelic Sounds"-LP, und eine Reihe neuer Songs entstand, wobei Tommy Hall, der Mann mit dem elektrisch verstärkten Tonkrug, als Texter besonders fleißig wurde. Der "Summer Of Love" kam, und es mutet wie eine Ironie der Geschichte an, dass diese Gruppe dabei keine besondere Rolle zu spielen schien. Dabei sollte ihr zweites Opus eines der Juwelen jener Monate werden. Im Sommer 1967 tüftelten sie an ihren neuen Songs und nahmen sie in Houston auf, der Drummer und der Bassist waren zuvor ausgewechselt worden, Lelan Rogers produzierte wieder, und im Frühherbst kam die Platte raus. Sie klang ruhiger und leiser als die erste, hatte keinen einzigen Kracher zu bieten, besaß aber die gleiche Dynamik, und vor allem Intensität wie das Debüt.

"Easter Everywhere" beginnt mit dem achtminütigen "Slip Inside This House", einem der ultimativen Tracks der Band: Simples, aber schönes Gitarrenriff, federnder Rhythmus, viel Swing, Tommy Hall's Jug in vollem Einsatz, und Roky Erickson singt einen Text, wie es ihn bis dahin gerade einmal bei Dylan auf "Highway 61 Revisited" und "Blonde On Blonde" gegeben hatte. Es geht dabei im Prinzip nur um das Leben und dessen Sinn, verschiedenste ethische Ansätze kommen zur Geltung, und selbst Metaphysik fehlt nicht. Tommy Hall, der kluge Philosophiestudent, hatte voll zugeschlagen, und heraus gekommen ist ein Song, dessen Brillianz selbst 1967 unter den bedeutendsten Alben jenes Jahres noch gut feststellbar ist. Eher verhalten ist das darauf folgende "Slide Machine" mit seiner differenzierten Rhythmik und Stacy Sutherlands Gitarreneinlagen. Ein hinreißender Rocker ist dann "She Lives In A Time Of Her Own" mit seinen Gesangssätzen, gefolgt von einem weiteren Rocksong, bei dem Sutherland nicht nur mit seiner Fuzzgitarre den Ton angibt, sondern auch als Songschreiber in Erscheinung tritt: "Nobody To Love". Die erste Seite der LP wurde durch eine Coverversion abgeschlossen, nein, nicht von Powell St. John, der auf dem Debüt gleich drei Songs abgeliefert hatte, sondern von Bob Dylan: "It's All Over Now, Baby Blue", von den Elevators einfach nur "Baby Blue" betitelt. Ericksons intensiver Gesang, Sutherlands malerische Gitarre und der Jug-Klangteppich von Hall machen diesen Track zu einer der stärksten und schönsten Dylan-Coverversionen, mindestens gleichrangig mit den Versionen dieses Songs von den Byrds und Van Morrison's Them.

"Earthquake" eröffnet die zweite Seite, und spätestens hier zeigt sich, dass die Platte im Vergleich zur ersten sophisticated produziert wurde, eben leiser und mit differenzierterem Mix, die Musik aber doch die gleiche Power hat. Dieses "Erdbeben" gibt jedenfalls einiges her, und lässt das folgende ruhige und schöne "Dust" erst recht genießen. Eine ähnlich schöne Ballade ist das akustisch und mit Mundharmonika vorgetragene "I Had To Tell You", zwischen beiden Songs findet sich noch der schwungvolle Rocker "I've Got Levitation", wo Tommy Hall textlich wieder einmal voll in seinem Element ist (Parapsychologie und Schwebezustand). Schon kommt die Schlussnummer, das siebenminütige "Postures" (bei so manchen Elevators-Compilations jahrelang irrtümlich mit "Pictures" bezeichnet - wie blöd kann man sein, über Jahre so etwas falsch zu machen?!) mit dem Untertitel "Leave Your Body Behind", und hier singt Roky Erickson von Auferstehung, Astralleib und einigen anderen Antworten auf die "Was kommt danach?"-Frage, musikalisch swingt der Song im mittleren Tempo dahin, eine wunderbare Schlussnummer.

"Easter Everywhere" war seinerzeit ein Musterbeispiel dafür, wie musikalisch vielseitig und intelligent Psychedelic Rock sein konnte, und steht heute, exakt viereinhalb Jahrzehnte später, für eines jener Alben, die in diesem plattenmäßig gewaltigen Jahr 1967 Musik machte, für die es nur wenige Vergleiche gab. Die Elevators waren eben eine Klasse für sich, aber leider nicht mehr lange: Übermäßiger Drogenkonsum sowohl bei Erickson als auch bei Hall führte zu immer häufigeren Aussetzern gegenüber der Band, die sich langsam dezimierte, so dass auf der letzten Studioplatte "Bull Of The Woods" (1968 aufgenommen, im Folgejahr veröffentlicht) die beiden führenden Bandmitglieder nur noch auf einigen Tracks zu hören waren. Tommy Hall war darüber hinaus über den bescheidenen Verkauf dieses Albums, an dem er sich von allen Bandmitgliedern am stärksten eingebracht hatte, so sehr enttäuscht, dass er sich zunehmend zurück zog. So traurig endete dann 1969 die Geschichte einer der innovativsten amerikanischen Rockbands der Jahre 1966-68, deren beide erste Alben aber noch lange Bestand haben werden.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Psychedelic Sounds of (Mono & Stereo)
Psychedelic Sounds of (Mono & Stereo) von 13th Floor Elevators (Audio CD - 2010)

Psychedelic Sounds of (Mono & Stereo) [Vinyl LP]
Psychedelic Sounds of (Mono & Stereo) [Vinyl LP] von the 13th Floor Elevators (Vinyl - 2013)

Bull of the Woods
Bull of the Woods von 13th Floor Elevators (Audio CD - 2009)