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5.0 von 5 Sternen klassische Aufnahme, 13. August 2012
Von 
opernfan - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Audio CD)
Dieser Parsifal von 1951 ist ein Klassiker der Rezeptionsgeschichte des Parsifal und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Auch wenn die Klangqualität natürlich nicht heutigen Standards genügen kann, bleibt diese Aufnahme die vielleicht beste (Live-) Aufnahme überhaupt. Das ist v.a. Knappertsbusch zu danken, der die ideale Balance zwischen Pathos/Weihevollem und Voranschreitendem findet. Dieser Parsifal atmet und zieht einen in seinen Bann.
Die Sänger sind dabei nicht alle optimal, aber das fällt nicht sehr ins Gewicht, weil der Gesamteindruck der Aufnahme stimmt.
Natürlich ist G. London ein fantastischer, ergreifender Amfortas und die Mödl eine intensive Kundry (auch wenn mir in dieser Rolle W. Meier insgesamt noch besser gefällt). L. Weber ist ein guter Gurnemanz (auch wenn er nicht die stimmliche Autorität eines Hotter, eines Frick oder auch eines Molls hat). Was W. Windgassen angeht, so bleibt sein Timbre Geschmacksache - darstellerisch ist er ein sehr überzeugender Parsifal.

Wenn ich nur einen Parsifal mit auf die Insel nehmen dürfte, dann wäre es sicherlich dieser. Ansonsten bleibt natürlich Solti, von der Klangqualität natürlich überlegen, im Dirigat kann er aber dem alten Mann aus Bayreuth aber nicht ganz das Wasser reichen. Von den neueren Aufnahmen blieben dann noch Barenboim und Levine, jeweils mit Meriten, aber auch mitunter eklatanten Schwächen und allesamt nicht auf dem Niveau dieser Aufnahme.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Mitschnitt von singularer Intensität, 19. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Audio CD)
Der große Weiheatem, das ist es, was einem beim Hören dieses legendär gewordenen Mitschnitts aus dem ersten Nachkriegs-Bayreuthjahr umfängt. Klar, das liegt einerseits an der sehr intensiv-langsamen Lesart Knappertsbuschs, der jede einzelne Phrase der Partitur zelebriert ohne den Gesamtüberblick zu verlieren und das Stück musikalisch zerfallen zu lassen. Andererseits stehen da aber auch, ganz in Wieland Wagners Sinn, keine Rollen auf der Bühne sondern Interpreten menschlicher Charaktere, denen man jedes gesungene Wort glaubhaft abnimmt.
Ludwig Weber ist als Gurnemanz ein hervorragender Rollenvertreter, der auch den für die Rolle notwendigen Stimmschmelz mitbringt. Martha Mödl war eine Charaktersängerin, wie sie glaubhafter kaum sein kann. Möglich, dass Waltraud Meier und auch Christa Ludwig beispielsweise "schöner" gesungen haben, aber so glaubhaft wie die Mödl gab und gibt es kaum eine Sängerdarstellerin der Kundry auf Tonträger. Auch George London ist eine Luxusbesetzung des Amfortas, mit strömend warmem und in allen Lagen wunderbar ansprechendem Baßbariton; man vergisst fast, dass er damals erst 31 Jahre alt war. Hermann Uhde, leider viel zu früh verstorben, gibt einen galligen, furchteinflößenden und fast schon entstellt singenden Klingsor, dass es einem im positiven Sinne des Wortes wirklich graust. Auch die kleineren Partien von den Blumenmädchen bis hin zur Stimme aus der Höhe sind ausgewählt besetzt.
Dass die Balance gerade in den großen Chorpartien nicht immer stimmt, sei dem Livecharakter geschuldet und auch die Tonqualität entspricht eben dem Standard Anfang der 50er Jahre. Alles in allem ist dieser Mitschnitt aber ein Meilenstein geworden und eine unbedingte Kaufempfehlung.
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5.0 von 5 Sternen Absolutes Muss, 25. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Audio CD)
Vorab muss man sich der Bedeutung dieser Aufnahme gewahr werden. Es war der historische Neustart der Bayreuther Festspiele nach dem Krieg, der in dieser Aufnahme dokumentiert ist. Mehreren glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass dieses Dokument in guter Qualität heute noch zur Verfügung steht.

Erstens wurden zwei Vorstellungen von Decca mitgeschnitten. Dies ermöglichte diverse Nachbearbeitungen, vor allem im klanglichen Bereich. Die technischen Möglichkeiten eine Vorstellung live mitzuschneiden, war im Jahr 1951 recht begrenzt. Ein Mikrofon soll die Atmosphäre einer Bühne, eines Orchestergrabens und eines Zuschauerraums einfangen. Wenn rund 200 Musiker und Sänger den Raum füllen, soll eine möglichst ausgeglichene Balance erzielt werden, sowie dynamisch extreme Stufen wahrnehmbar sein, ohne dass Verzerrungen oder Löcher entstehen. Darum größte Hochachtung vor den Tontechnikern, die diese Aufnahme damals produziert haben. Sicherlich unterstützt die besondere Akustik des Festspielhauses mit ihrem natürlichen Hall die klanglichen Ergebnisse. Jedoch gibt es Aufnahmen aus Bayreuth späteren Datums, die eine weitaus schlechtere klangliche Qualität haben. Hochqualifizierte Tontechniker sind deshalb von unschätzbarem Wert.

Der zweite glückliche Umstand ist die phänomenale Sängerbesetzung, die sich damals zusammengefunden hat, sowie das Dirigat von Hans Knappertsbusch. Und natürlich der Umstand, dass diese Aufnahme überhaupt stattfand, denn gerade Knappertsbusch war lang hartnäckig gegen den Mitschnitt der beiden Vorstellungen.

Wie schon erwähnt, konnte Wieland Wagner 1951 eine phänomenale Sängerbesetzung zusammenstellen, die heute ihres Gleichen sucht. Der damals 31 jährige George London ist wohl bis heute der Inbegriff des Amfortas. Seine Stimme ist geradezu maßgeschneidert, den Schmerz und die Qualen dieser Partie bis ins Mark des Zuhörers zu pressen. Die Substanz und das Volumen der Stimme erlauben ihm mühelos zwischen höchsten Ausbrüchen des Leidens und jammervoll flehend nach Erlösung zu variieren. Man kann sich szenisch vorstellen was er gesanglich ausdrückt. Diese Partie ist optimal besetzt.

Ludwig Weber ist ein Gurnemanz, der seine Partie mühelos durch die gewaltigen Monologe bringt. Seine Stimme hat die große Substanz, die mäßigen Tempi von Knappertsbusch mitzutragen, sowie das enorme Volumen, so dass er nie forcieren muss. Einzig fehlt ein wenig die Wärme in seiner Stimme um vollständig als weiser Greis zu überzeugen. Eine nahezu optimale Besetzung der Rolle.

Eine der Top Neuentdeckung ist der damals 37 jährige Wolfgang Windgassen als Parsifal. Seine jugendlich helle Stimme ist für den jungen Toren ideal geeignet. Sie hat (noch) nichts Schweres und vermittelt dem Zuhörer einen wirklich jungen, unbeschwerten Toren, von dem man nicht den Eindruck hat, er sei erst mit 50 ins Gralsgebiet gekommen. Dabei hat er jetzt schon genügen Substanz, Ausbrüche wie „Amfortas… die Wunde…“ mühelos kraftvoll, ohne forcieren zu singen. Er setzt seine Stimme sehr intelligent und differenziert ein, nimmt sie zurück wenn es möglich ist und entfaltet sie kraftvoll wenn es nötig ist. Dazu kommt eine klug gewählte Deklamation, die dem jeweiligen Zustand der Partie unterstützenden Ausdruck verleiht. Auch diese Partie ist optimal besetzt.

Die zweite Top Neuentdeckung ist Martha Mödl als Kundry. Diese Stimme ist das Absolut dieser Partie. Eine dunkle Mezzo Stimme, geschmeidig und biegsam, vom zartesten Pianissimo bis extatischem Fortissimo. Sie verliert nie ihre Substanz, weder in der Tiefe noch in der Höhe. Man hat sogar den Eindruck, dass ihre Stimme in der Höhe sogar breiter wird. Lediglich in den absoluten Spitzentönen erklingt etwas Hölzernes, aber nie eng und spitz. Ihre Fähigkeit abrupte Stimmungswechsel zu interpretieren ist einmalig. Man merkt kein Umschalten in der Stimme, es ist einfach da. Ebenso die gewaltigen Tonsprünge. Mühelos kommt sie von oben nach unten und umgekehrt. Auch diese Partie ist optimal Besetzt.

Hermann Uhde als Klingsor ist ein kraftvoller Bariton, der versucht mit geschickter Deklamation seiner Freveltat, seinem Hass und seinem Zerstörungsdrang Ausdruck zu verleihen. Seine Stimme ist etwas hell und ihr fehlt etwas das Dämonische. Von allen Sängern kommt sein Ausdruck nicht so überzeugend rüber. Man vermisst etwas das Gefühl, dass Klingsor zu allem entschlossen ist. Man wünscht sich etwas mehr Verzweiflung und Zerstörungswut von dieser Partie. Das soll seine Leistung nicht schmälern, sie ist von hoher Qualität, jedoch scheint seine Stimme für den Klingsor nicht das Optimale zu sein.

Die kleine Partie des Titurel wird von Arnold van Mill gesungen. Ein dunkler Bass, der seine kleine Rolle hervorragend abliefert. Im Übrigen sind alle kleineren Partien hervorragend besetzt. Der Chor wurde von Wilhelm Pitz blendend einstudiert und ist aller erste Klasse.

Da anfangs die Rede von der Aufnahmetechnik war, so hervorragend sie auch für die damalige Zeit war, am meisten unter den begrenzten Möglichkeiten leidet das Orchester. Das Mikrofon kann die Klangwellen des verdeckten Grabens nur bis zu einer gewissen Lautstärke vernünftig einfangen. Die Kraft von 100 Musikern aus dem Graben wird ab Forte aufwärts in einem immer enger werdenden Strahl gebündelt. Der Klang wird dann spitz und dünn, anstatt weit und voluminös. Am negativsten wirkt sich dies beim Blech aus. Besonders die Trompeten ähneln dann eher einer Feuerwehrkapelle. Dazu kommt, dass durch die Mono Aufnahme Schwankungen in der Intonation verstärkt wahrnehmbar sind. Ansonsten spielt das Orchester harmonisch und musikalisch unter Kna's Leitung.

Die absolute Faszination der Aufnahme aber geht von Hans Knappertsbusch aus. Wie dieser Dirigent den Parsifal zelebriert ist einfach unerreicht. Dass es möglich ist, trotz langsamer Tempi einen Bogen über weite Phrasen zu spannen ohne dass es zähfliesend oder langweilig wird, ja sogar durch langsamere Tempi Details hörbar sind, die mehr Spannung erzeugen als wenn man in schnellem Tempo darüber hinweghudelt, ist schon phänomenal. Bei Kna taucht man in den Parsifal ein, und verliert in der Tat jedes Gefühl von Raum und Zeit. Wenn man aus einem Akt auftaucht, wundert man sich manchmal über die Zeiten, die Kna braucht. Schon das Vorspiel zieht einen in den Bann. Man ist sofort in einem Zustand in dem sich alles bewegt, aber keine Zeit läuft. Alles macht Sinn. Es ist nichts zu langsam, nichts zu schnell, nichts zu laut, nichts zu leise, nichts zu weihevoll, nichts zu dramatisch. Alles ist so, wie es sein muss. Eine absolute Einheit. Kna hat den Nerv, die Musik still stehen zu lassen wenn sie still stehen muss, sie zu höchster Dramatik zu führen wenn höchste Dramatik gefordert ist. Es ist einfach unbeschreiblich. Es fehlen einem die Worte für das, was man nicht beschreiben, sondern nur hören kann.

Diese Aufnahme ist ein Juwel, nicht nur unter Musikgeschichtlichen Aspekten, sondern weil sie, dank exzellenter Interpreten, einer der besten Parsifal Aufnahmen aller Zeiten ist. Leider ist die Technische Qualität weit hinter den heutigen Möglichkeiten zurück. Aber man sollte dankbar sein, dass es dieses Dokument überhaupt gibt.
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Parsifal
Parsifal von Obf; Hans Knappertsbusch (Audio CD - 2003)
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