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TOP 500 REZENSENTam 19. Januar 2014
(Die Rezension ist etwas länger geworden, da ich zunächst auf meinen persönlichen Anspruch und meinen Weg zu diesem Ring eingehen möchte. Sie können die einleitenden Worte auch einfach überspringen und ab "+++Der Met-Ring+++" zu lesen beginnen.)

Es sei eine Mammutaufgabe, eine Ring-Aufführung auf die Beine zu stellen, heißt es. Eine gefühlt ebenso große Herausforderung ist es, als Musikliebhaber einen guten "Ring des Nibelungen" für den heimischen Fernsehgenuß ausfindig zu machen. Denn im Vergleich zur reinen Audioaufnahme gilt es hier, neben guten Sängern sowie einem geeigneten Dirigenten mitsamt Orchester und Vision, auch eine ansprechende Inszenierung zu finden.

Die Qual der Wahl

Es ist eine wahre Herkulesaufgabe, die Anforderungstrias aus Musik, Gesang und Inszenierung befriedigend abzudecken. Das gilt besonders, weil die herausragenden Interpretationen solcher Wagner-Giganten wie Furtwängler, Böhm, Solti, Karajan, Barenboim oder Thielemann die musikalischen Ansprüche in die Höhe treiben.

Hinzu kommt, daß das Regietheater es mir nicht leichtgemacht hat. Meist überfrachtet und in sich unschlüssig, hat es nur noch selten mit der Intention des Komponisten oder dem Werk zu tun - wie es seinerzeit noch Chereau in Bayreuth gelang -, sondern in erster Linie mit der Verwirklichung, dem Sich-Ausleben des Regisseurs selbst. Das Gefühl habe ich jedenfalls oft.

Der Haken an der Sache

Die Tetralogie ist ein solch komplexes Gebilde, daß es für mich in erster Linie heißt, dem feingesponnenen musikalischen Geflecht und den überaus fordernden Gesangspartien zu folgen. Wie soll ich das aber bewerkstelligen, wenn ich mir stets noch die obligatorische (und inzwischen so nervend wie überkommene) Frage stellen muß: Was will der Regisseur mir damit sagen? - Aber spricht große Kunst nicht für sich? Ist ihr universeller Zugang nicht ihr Kern? Die Inszenierung muß letztlich dem Werk dienen und nicht umgekehrt. Sonst hätte Wagner sicherlich Inszenierungen mit Musik- und Gesangsanweisungen geschaffen und nicht umgekehrt!

Generell bin ich "modernen" Interpretationen keinesfalls abgeneigt, aber sie müssen schlüssig und damit verständlich sein, und sie dürfen das Werk nicht entstellen.

Die großen Ringe

Lange Zeit blieb ich bei meiner Suche erfolglos: Furtwänglers Aufnahmen (1937,1950 und 1953) sind entweder unvollständig, konzertant oder schlicht nicht visuell aufgezeichnet worden. Letzteres gilt auch für Böhm und Karajan.Boulez' Ring reizt mich optisch (Chereau) und darstellerisch, musikalisch aber weniger, während es bei Barenboim umgekehrt ist. Mehtas Valencia-Ring, wenngleich szenisch interessant, befriedigt weder musikalisch noch optisch vollends. Thielemanns Bayreuther Ring blieb bis auf "Die Walküre" visuell unveröffentlicht, wobei Dorst eine eher unaufgeregte Inszenierung wählte. Weitaus mehr noch wurde Thielemanns Wiener Ring gefeiert, er liegt jedoch nur auf CD vor.

Am Ende des Weges...

...war es der Zufall, der mich zum Met-Ring führte: Ich folgte mein Bedürfnis nach Thielemanns "Meistersinger von Nürnberg" und war wieder voll und ganz gebannt - auch von Otto Schenks werknaher, die Handlung unterstützender Inszenierung. Ob dies, die Kleiber-Fledermaus, die Kleiber-Rosenkavaliere oder die Thielemann-Arabella in New York, mehrfach schon hat mich Schenks Stil begeistert. Und von da an war es ein kurzer Weg, bis ich herausfand, welche Schenk-Arbeiten noch zur Auswahl stehen, darunter ein Ring! Endlich!

+++Der Met-Ring+++

Mit dem Libretto und damit den Aufführungsanweisungen Wagners "gerüstet", startete ich in diesen Ring. Und von Anbeginn war ich gefesselt, es war wie eine Offenbarung. Teils mit Gänsehaut saß ich vor dem Fernseher, und die Zeit verging wie im Flug.

DAS RHEINGOLD (1990) zeigt bereits: Hier wird ganz nah an Wagner inszeniert. Inmitten des Rheins umtollen die Rheintöchter eine Felsenspitze, Alberich rutscht beim Klettern wegen des "garstig glatten glitschrigen Glimmers" ab und das Ganze auf grünlich wogendem Grund. Dann erscheinen eine mächtige Burg im Hintergrund, vorn ein Tal und dazwischen der Rhein. Spätestens mit dem Auftauchen der Riesen kann man sicher sein: Die Liebe zum Detail endet nicht bei den Kostümen, der Maske oder den Requisiten - alles ist wunderschön, hochwertig und einheitlich. Faszinierend stimmungsvoll ist Nibelheim, die schmutzig, glutrote "unterirdische Kluft". Spannend mit Schlange und Kröte gestalten sich Alberichs Verwandlungen. Erda kommt tatsächlich mit "bläulichem Schein" aus dem Boden, während zuvor noch eifrig Gold gestapelt wurde, bis Freia nicht mehr zu sehen war. Prickelnd das Finale mit Donners Hammerschlag, einem Regenbogen und den klagenden Rheintöchtern.

Wotan (James Morris), Loge (Siegfried Jerusalem), Alberich (Ekkehard Wlaschiha), Fricka (Christa Ludwig), Fasolt (Jan-Hendrik Rootering) und Fafner (Matti Salminen) ebenso die übrigen Sänger überzeugen gesanglich wie darstellerisch. Sie durch die Oper zu begleiten, ist eine wahre Freude, besonders das Gespann Wotan-Loge-Alberich.

DIE WALKÜRE (1989) beginnt in Hundings Haus, endlich mit Baumstamm, Herd zur Rechten und sehr naturalistisch gehalten. "Außen herrliche Frühlingsnacht", wenn sich die Geschwister ihre Liebe gestehen. Und es gibt auch ein strahlendes Schwert im Eschenstamm. Ein wildes Felsengebirge wird am Beginn des zweiten Akts geboten. Auf Frickas mit "zwei Widdern bespannten Wagen" muß man leider verzichten, auch Schlachtrösser gibt es keine, nicht mal Grane, aber halb so schlimm! Überragend eindrucksvoll gerät Siegmunds Ende - mit Blitz und Donner. Im letzten Akt schließlich der berüchtigte Walkürenfelsen. Herzzerreißend gelingt der Abschied des Göttervaters von seiner geliebten Tochter, bildgewaltig schließlich die entfesselte Lohe.

Jessye Norman erhielt für ihre ergreifende Sieglinde einen Grammy. Sie ist stimmgewaltig und bei der Übergabe der Stücke Notungs atemberaubend intensiv. Wohingegen Gary Lakes' Siegmund eher blaß bleibt. In Kurt Molls treffend düsterem Hunding glaubt man fast, den Holländer zu erblicken. Die 61jährige Ludwig bietet eine sehr gute Fricka und Morris einen gebrochenen, zugleich zu Höchstform auflaufenden, äußerst glaubhaften Wotan. Hildegard Behrens ist stimmlich, aber mehr noch in der Präsenz eine eher unscheinbare Brünnhilde. Da hilft auch der imposante, silberne Brustpanzer wenig. Deutlich wird das besonders im Zusammenspiel mit Sieglinde im letzten Akt: So wirkt die Übergabe Notungs wie verkehrte Welt, wenn Sieglinde die Walküre deutlich „übersingt“.

SIEGFRIED (1990) wartet mit Mimes "Felsenhöhle im Wald" auf, "nach links zu, steht ein großer Schmiedeherd, aus Felsenstücken natürlich geformt" – also ganz in Wagners Sinn. Den Bären läßt Siegfried allerdings "daheim". Dafür schmiedet er eifrig an Notung und nutzt sogar den Blasebalg. Trotz der fehlenden Frauenstimme ist der erste Akt hochspannend und dicht inszeniert, eintönig wird es nie. Dann folgt im zweiten Akt der Wald. Im Hintergrund liegt, im Dunkeln bedrohlich verborgen, Neidhöhl'. Das Waldvögelchen bekommt man übrigens nicht zu Gesicht. Der dritte Akt beginnt mit einer in mystisch blaues Licht gehüllten Erda, die halb aus dem Boden ragt, und schließt mit dem Walkürenfelsen.

Von Anbeginn bietet Heinz Zednik einen unübertrefflichen Mime. Nach Loge tritt Siegfried Jerusalem nun als sein Opern-Namensvetter in Aktion. Wie Zednik scheint er die perfekte Verkörperung seiner Figur. Bewährt und eine wahre Freude, wenn auch ergraut, Morris als Wanderer mit Schlapphut. Herrlich nach dem Ring gierend, gibt sich Wlaschiha als Alberich, und Salminen grollt furchteinflößend aus Fafners Höhle. Eine schauspielerisches Spektakel ist das kurze Intermezzo zwischen Alberich und Mime, ebenso dessen Ende.

Im Siegfried gelingt etwas ganz Besonderes: Lauter markante Männerfiguren treten bis zum Erwachen Brünnhildes auf, Mime und Siegfried, Wotan und Alberich. Und sie alle werden wundervoll ausdrucksstark und präsent dargestellt, so daß es weder Figuren darunter gibt, die im Wettstreit um Präsenz verlieren, noch auch nur ein Hauch von Monotonie aufkommt. Als verstörte, verletzbare Brünnhilde kommt Behrens hier erstmals richtig zur Wirkung.

GÖTTERDÄMMERUNG(1990) - wie der Titel verheißt es ebenso wenig Gutes, daß die Nornen inmitten einer grauen Bühne unter einem dunklen Himmel sitzen, beschäftigt mit ihrem Schicksalsfaden. Nachdem der reißt, verlassen sie die Bühne, und die Morgendämmerung nimmt ihren Lauf. Eindrucksvoll, wie wenig Mittel man braucht, um große Wirkung zu erzielen. Dem Abschied vom Walkürenfelsen folgt Siegfrieds Rheinfahrt. Sie wird nur mit blauer, wogender Wasseroberfläche angedeutet. Die Halle der Gibichungen ist dagegen beeindruckend groß, und der Lauf des Rheins wird im Hintergrund abgebildet, wie Wagner es wollte. Spannend inszeniert: Hagens und Siegfrieds erste Begegnung. Am Ende des Akts künden Sturmhimmel und Blitze Waltraute verheißungsvoll an. Atmosphärisch im zweiten Akt der Vorplatz zur Gibichshalle, am Rhein gelegen, ebenso die folgende Morgendämmerung. Imposant Hagen und seine Mannen. Der finale Akt beginnt wieder genau nach Wagner: "Wildes Wald- und Felsental am Rheine, welcher im Hintergrunde an einem steilen Abhange vorbeifließt." Eine naturalistische Augenweide sind die Rheintöchter, die im Vordergrund schwimmen, Siegfried dahinter. Bedrückend und düster ist dessen Tod, grandios das Ende mitsamt Weltenbrand par excellence!

Die Nornen bieten einen guten Einstieg, bevor Siegfried und Brünnhilde sich mitreißend verabschieden. Behrends paßt weit besser zur "entmachteten" Brünnhilde, sie verkörpert die Walküre verletzlich und weiblich. Um so überwältigender ihre betrogene, rachsüchtige Brünnhilde. Jerusalem strotzt nur so vor Siegfried‘schem Übermut. Ihm und seinem naiven Überschwang zuzusehen, macht richtig Spaß. Salminen singt einen faszinierend stimmgewaltigen, charismatischen und zugleich fies hinterlistigen Hagen. Gunther (Anthony Raffell) und Gutrune (Hanna Lisowska) wirken dagegen wie ein ältlich kraftloses Geschwisterpaar - perfekt als Spielball für Hagens Plan -, aber gesanglich weder Siegfried, noch Hagen oder Brünnhilde gewachsen. Außergewöhnlich das Waltraute-Intermezzo der großen Christa Ludwig. Alberich (Wlaschiha) ist wieder herrlich tückisch und Ring-fixiert. Die Mannen leisten genauso gute Arbeit wie die Rheintöchter.

Etwas für Auge und Ohr?

Das Bild ist farbenfroh und besser, als es der Springbrunnen im Vorspann, der geschlossene Vorhang am Anfang oder die Auszüge auf YouTube vermuten lassen. Auch der Ton ist sehr gut. Aus dem Publikum vernimmt man erstaunlicherweise kaum Störgeräusche bei dieser Live-Aufnahme. Bewußt habe ich tatsächlich erst in der Götterdämmerung derlei Störungen gehört.

Ein Ring für...

... Anfänger oder Einsteiger? Das scheint mir die falsche Perspektive. Ich bin kein Ring-Neuling und dennoch vollends begeistert. Daher würde ich sagen: Dieser Ring ist für diejenigen, die die Tetralogie ganz nah an Wagners Vorstellungen sehen wollen: naturalistisch, bildgewaltig, liebevoll und aus einem Guß.

Licht am Ende des Tunnels?

Der Met-Ring glänzt zu allererst wegen der liebevoll runden Inszenierung, ergänzt um hochwertige Kostüme, perfekte Maske und ansehnliche Requisiten. Endlich paßt Gesehenes zu Gesungenem und zur Musik – das macht den Ring um so eindringlicher, die Erfahrung um so intensiver. Das Ensemble ist weitgehend homogen und liefert gute bis sehr gute Leistungen ab, gesanglich wie im Darstellerischen. Morris, Jerusalem, Zednik, Wlaschiha, Salminen ragen deutlich hervor. Behrens‘ Gesang und Levines Klangwogen vertragen sich nur bedingt. Norman und Ludwig überzeugen als Sängerinnen hier mehr.

Das Orchester besticht durchweg mit erstklassiger Leistung, aber Levines Interpretation trifft in weiten Teilen meine Erwartungen. Sie ist ohne jeden Zweifel groß und klangewaltig. Aber mir fehlt das Besondere, der eigene Charakter, das große Gefühl. Den Ring habe ich schon deutlich markanter, einprägsamer und differenzierter gehört. Bei Levine ist alles unter Spannung, Druck, aber eine Aneinanderreihung von Höhepunkten macht diese nicht intensiver. Nein, sie schwächt sie, da man keine Zeit zum Luftholen hat. Es ist das Klischee von der wuchtig-breiten Wagner-Musik, das hier eifrig bedient wird. (In "Brust oder Keule" äußert Louis de Funès in diesem Sinne, Wagner sei doch Musik für Wild und nicht für den "kleinen Zwickizwackihummer"!) Insgesamt bewältigt der Dirigent die große Herausforderung jedoch mehr als nur zufriedenstellend, auf durchgehend hohem Niveau, aber ein Eigenleben neben Gesang und Darstellung will Levines Interpretation nicht entfalten.

Sänger: 4,5/5 Sterne
Musik: 4,5/5 Sterne
Inszenierung: 5/5 Sterne

Die DVDs

Laufzeit: 941 Minuten (Rheingold: 163 min, Walküre: 241 min, Siegfried: 253 min, Götterdämmerung: 281 min)
Bild: 4:3, NTSC, Farbe
Audio: PCM Stereo, DTS 5.1, Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch / Menü: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch

(Das Ring-Begleitheft und die vier einzelnen Opern-Begleithefte sind in englischer, deutscher und französischer Sprache.)
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am 8. Oktober 2013
Ich bin ein Wagner Fan und liebe seine Stücke, aber ich mag keine modernen Aufführungen, und wenn es überdreht ist und
nicht mehr zu meinem Gefühl der Musik passt.
Bei dieser Aufnahme stimmt einfach alles. Mit Genuss kann ich da Klang und Ton sowie auch Darstellung genießen.
Hier kann ich einfach wieder eintauchen in die Welt der Götter, der Sagen und Dichtung.
Eine ganz andere Welt genießen. Raus aus dem Alltag, ohne in die Oper fahren zu müssen.
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am 18. März 2003
Ich möchte an dieser Stelle den Vergleich der Levine/Schenk - Inszenierung mit dem Jahrhundertring unter Chéreau/Boulez bewusst vermeiden, da es sich hierbei um zwei absolut unterschiedliche Inszenierungsansätze handelt.
Der Metropolitan Ring bietet eine farbenfrohe Inszenierung mit wunderschönen, klassischen Kulissen (z.B. in "Rheingold", wenn Wotan und Loge aus Walhall nach Nibelheim hinabfahren), stimmigen Kostümen (man beachte das Kostüm von Alberich und von Fasolt/Fafner) und eindrucksvollen Showeffekten ("Rheingold": die Zeichnung der Brücke nach Walhall).
Der Dirigent Levine führt meiner Meinung nach auch kein besonders "zurückgezogenes" Dirigat, wie es in vielen anderen Rezensionen zu lesen ist, sondern ein sehr "wagnerianisches". Bei Siegfrieds Todesmarsch etwa oder beim Zusammenbruch von Walhall in der "Götterdämmerung" steigt das Orchester zu ungeahnter akkustischer Klanggewalt auf.
Das aus meiner Sicht einzige Manko liegt bei den Sängern: es gibt zwar wunderbare Gesangspratien einzelner Darsteller ("Hunding" - Kurt Moll, "Fafner" - Matti Salminen, "Donner" - Alan Held und natürlich ganz besonders "Mime" - Heinz Zednik). Dem gegenüber stehen allerdings äußerst schwache Gesangsleistungen in wichtigen Rollen des Stückes, wie z.B. "Wotan" - James Morris, "Loge" - Siegfried Jerusalem, "Sieglinde" - Jessye Norman und "Erda" - Brigitta Svenden.
Der Metropolitan-Ring ist also eine wagnergetreue, eindrucksvoll stimmige Inszenierung, die einige Schwächen im Hinblick auf die Gesangsdarbietungen aufweist. Es ist hierbei zu bemerken, dass diese Inszenierung eine reproduzierende und keine interpretiernde wie Chéreaus Ring ist. Reproduzierende Aufführungen können meiner Meinung nach niemals genial von der Inszenierung (dass der "Ring" ein Geniestreich ist, steht hier natürlich nicht zur Disposition) her sein, aber auch niemals vollkommen verfehlt. Und so bietet die Metropolitan Opera einen Ring, der für jeden Wagnerianer ein Muss, für alle anderen ein Soll ist.
Die DVD überzeugt mie akkustischer und visueller Qualität, wobei sich die DVD bei mir auf Grung gravierender Soundprobleme nicht mit dem mitgelieferten "InterActual" - Player sondern nur mti "PowerDVD" vernünftig abspielen ließ. Die Specials (lediglich eine Fotogalerie) sind nicht bemerkenswert, dafür jedoch die Filmart während der Aufführung und die nette Aufmachung der Menüs.
Auch die DVD-Umsetzung erfüllt also ihren Zweck in einer ansehnlichen Weise, geht aber nicht darüber hinaus.
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FAZIT:
DVD: 4 Sterne
INSZENIERUNG: 4 Sterne
GESAMT: 4 Sterne
11 Kommentar|77 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. April 2003
Die Umsetzung der MET in der Inzenierung des Ring des Nibelungen von Wagner ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen und bietet einem wirklich einen Genuß für viele, viele Stunden. Die Besetzungen sind sowohl im Hinblick auf die sängerischen Leistungen als auch in der Art der Darstellung großartig, insbesondere singen und spielen Sigried Jerusalem den Siegfried, Hildegard Behrens die Walküre und Heinz Zednik Mime großartig, nicht zuletzt durch ihre schauspielerischen Qualitäten.
Die Wahl der Bühnenbilder und die Kostüme sind detailgetreu und tragen die richtige Mischung. Auch ohne Textbuch sind die Textpassagen meist gut zu verstehen, wenngleich es mit einem Begleitbuch optial ist. Levine als Dirigent überzeugt wie immer absolut, er ist mit Herz und Seele in der Musik, die im übrigen ein echter Genuß ist.
Alles im allem ist diese Box wirklich zu empfehlen, auch für keine eingesessenen Opernliebhaber. Mann sollte sich nur ausreichend Zeit gönnen, um Bilder und Musik auf sich wirken lassen zu können.
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am 6. November 2004
Ich kann jedem diese DVD's nur empfehlen. Für mich die besten Umsetzung des Wagner-Ringes auf DVD. Schenk und Schneider-Siemsen habe tolle Arbeit geleistet und sich wirklich an die Vorgaben von Wagner gehalten. Hier ist nur ein Drache ein tatsächlicher Drache, Riesen sind auch tatsächlich Riesen usw. usw.. Mit den meisten Inszenierungen des Ringes kann ich nichts anfangen (vor allem mit dem neuen Stuttgarter Ring). Warum muß man immer wieder etwas neues reininterpretieren. Schneider-Siemsen und Schenk scheren hier völlig aus, was ich auch gut finde. Die Sängerleistungen sind sehr gut, ebenso das Dirigat von Levine. Einzig die Bildqualität läßt etwas zu wünschen übrig. Extras sind hier mangelware. Ich kann aber trotzdem jedem Opern-Liebhaber diese Sammlung nur empfehlen. Schon alleine wegen der Inszenierung. Wagner selber hätte sich seine Freude daran gehabt. Da bin ich mir sicher.
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am 10. März 2015
Ich möchte insbesondere auf die Inszenierung eingehen
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Die meisten Ring-Inszenierungen kann man nicht "erleben", indem man sich einfach in die Geschichte verliert und die Erzählung auf sich wirken lässt. Dies liegt daran, dass man i.d.R. keine Geschichte erlebt, sondern Opernsänger, die - mehr oder minder gut verkleidet - auf der Bühne stehen und singen. Diejenigen Zuseher, die die zu erzählende Geschichte schon aus vielen Inszenierungen kennen, stoßen sich daran oft nicht - im Gegenteil - sie sind gespannt, wie die Szene xy in dieser Inszenierung nun gelöst werden wird und freuen sich über Abwechslung und Besonderheiten, die in der Pause diskutiert und mit anderen Inszenierungen vergleichen werden können. Abstraktes wird dabei gerne überhöht, es wird in Siegfrieds in Birkenstock und Adidas-Jäckchen eine moderne Deutung hineingeheimnisst, das Publikum zeigt sich verklärt nach dem Motto "was will uns der Künstler sagen?"....

Wie auch immer man nun dazu stehen mag - ich gebe 2 Dinge zu bedenken:

1.) Wagner hat im Ring eine Geschichte erzählt, indem er sich nicht den Mitteln seiner Zeit bedient hat. Die Erzählweise - insbesondere die Sprache aber auch Entwürfe zum Bühnenbild - waren zu Lebzeiten Wagners schon keineswegs modern. Dies deutet nicht auf die Intention umfassender zeitgenössischer Verklärung hin.

2.) Naturalistische Ring-Inszenierungen werden oft gerne als "für Anfänger" oder "kitschig" bezeichnet. Warum ist das der Fall? Weil man naturalistischen Inszenierungen ohne Weiteres folgen kann und die Geschichte auch verstehen kann, ohne sie vorab schon im Detail zu kennen. Der so genannte "Fortgeschrittene" kann aber manch modernisierter und abstrakter Inszenierung nur folgen, weil er eben eine naturalistische im Kopf hat, der er die Handlung tatsächlich entnimmt. Dies bedingt aber einen ständigen "Bruch" mit der Erzählung im Kopf - die Geschichte wirkt nicht einfach auf den Zuseher, sondern dieser setzt die Handlung aktiv zu seinem Hintergrundwissen in Beziehung und interpretiert und bewertet sie, anstatt sie geschehen und eine Erkenntnis deren Bedeutung ohne aktive Interpretation entstehen zu lassen.

Ein "Erlebnis" ohne Bruch von Sprache, Musik und visuellen Eindrücken kann daher aus meiner Sicht zwangsläufig nur eingeschränkt "modern" oder "abstrakt" sein - Ersteres, weil ansonsten eine Diskrepanz zwischen diesen 3 Elementen entsteht, die im Kopf verarbeitet und interpretiert werden müssen, was das "Erlebnis" unterbricht und Zweiteres weil sich bei allzu abstrakten Inszenierungen die Handlung nicht aus der Aufführung sondern nur durch detaillierte Kenntnis der Geschichte erschließt.

Im Sinne meiner obigen Ausführungen macht nun die vorliegende Inszenierung tatsächlich dieses "Erlebnis" - ohne Uminterpretation oder Vorkenntnis der Geschichte - möglich. Wem dies zu "langweilig" ist, der ist mit dem vorliegenden Ring vielleicht nicht gut bedient. Persönlich glaube ich, dass es sich hier um eine der besten Inszenierungen überhaupt handelt, die vermutlich auch im Sinne der Intention des Schöpfers liegen dürfte. Naturalistische und "komplette" Bühnenbilder (keine Requisiten stören den Gesamteindruck), hochwertige und detailverliebte Kostümierung. Die gesamte Handlung erschließt sich aus dem visuell und akustisch Erlebten (wobei man in kleinen Teilen natürlich auch hier - wie überall - mal Kritik üben kann). Man wird diese Inszenierung aber insgesamt gesehen als Meisterwerk empfinden, wenn man meine obigen Überlegungen denn grundsätzlich teilt.

Zum Rest ist zu sagen:
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- Ton und Bild sind nicht mehr auf der Höhe der Zeit, da muss man sich natürlich bei einer DVD von Anfang der 90er auf Abstriche gefasst machen
- Allerdings ist auch Surround als Option enthalten (einer meiner Vorrezensenten meinte, es sei nur Stereo - in meiner Fassung gibt es beides)
- Levine und das Orchester sind sehr kraftvoll und "hymnisch"
- die Besetzung ist großteils sehr gut bis fantastisch, Brünnhilde könnte vielleicht noch etwas kraftvoller sein

Insgesamt ein fantastisches und in sich stimmiges Erlebnis bei dem alle Teile zueinander passen und somit wie selten zuvor ein Synergie-Effekt von Musik, Sprache/Gesang und Bühnenbild erlebbar wird, der ein gesamtes Kunstwerk hervorbringt, das tatsächlich weit mehr Eindruck hinterlässt, als die bloße Summes seiner Teile.
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am 28. November 2014
eine Inszenierung wie sie mir gefällt. Wobei "endlich" vielleicht etwas seltsam klingt, schließlich handelt es sich dabei um die Fassung der Metropolitan aus dem Jahr 1990, und hat dementsprechend einige Schwächen beim Bild, und durch das mittlerweile antiquierten 4:3 Bildformat.
Trotzdem: Für mich persönlich ist das eine Aufführung, die in sich stimmig ist, und die den Vorstellungen Richard Wagners wohl sehr nahe käme. Und eine wahre Wohltat, wenn man sich den in den letzten 20-30 Jahren produzierten Schund aus der Kategorie Regietheater vor Augen führt.
Mit Schrecken erinnere ich mich an die Aufführung eines gewissen Herbert Wernicke in München im Jahr 2002, wobei ich bereits nach dem Rheingold das Theater mit kaum zu unterdrückenden Mordgelüsten verließ.
Ein strumpfsockerter Alberich stakste dabei in einem Aquarium mit Goldfischen herum, an einer Bar lümmelten sich drei als Prostituierte verkleidete Rheintöchter, während ein anderer Darsteller durch heftiges Gewedel mit einer Taschenlampe den Loge zu verkörpern suchte.
Den "Siegfried" ersparte ich mir vorsichtshalber, und erfuhr mit einer gewissen Befriedigung dann nur noch aus der Tageszeitung, dass man aus Mime's Schmiede wohl einen Schrottplatz für alte Autos gemacht hatte, auf dem Siegfried sein Schwert zwecks Kühlung in eine alte Kloschüssel tauchte.
Und nur noch als Notiz am Rande: Der Regisseur dieses Machwerkes - Herr Wernicke - verstarb dann überraschend kurz nach der Uraufführung. Ein Umstand, der mir - der ich wirklich niemandem Schlechtes wünsche - doch wieder den Glauben an eine höhere Gerechtigkeit zurück gab.

Ich kenne wahrlich einige Ringfassungen, so u.a. auch die m.E. phantastische Neuinszenierung der Metropolitan von 2010 - 2012 von Robert Lepage. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass es trotz Einsatz modernster Bühnentechniken gelingen kann, einen modernen und trotzdem stimmigen Ring zu produzieren. Wenn ich aber einmal wieder den Wunsch habe den Ring im harmonischen Zusammenspiel der grandiosen Musik mit Bühnenbild, Kostümen und Darstellern zu erleben, dann lege ich diese DVD ein.
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am 6. März 2013
Der Ring aus der MET unter James Levine mit dem wunderschönen Bühnenbild von Günther Schneider-Siemssen und der großartigen Hildegard Behrens als Brünnhilde ist jeden Cent wert. Sehr interessant auch die junge Jessey Norman als Sieglinde.
Sie sollten sich aber dazu unbedingt auch den Jahrhundertring aus Bayreuth mit Gwyneth Jones kaufen. Es ist unglaublich interessant diese beiden Aufführungen zu vergleichen.
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am 24. Juni 2004
Es handelt sich um die derzeit wohl werkgetreueste Wiedergabe des Ringes. Laut Empfehlungen der DEUTSCHEN RICHARD WAGNER GESELLSCHAFT
sind Inszenierungen von O. Schenk / G. Scheider-Siemssen ein absolutes Muss für jeden Wagnerianer, der Wert auf Werktreue legt.
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am 20. November 2014
In der wichtigen Siegfriedrolle erwarte ich mir einen "Heldentenor", der dazu befähigt ist, einen Opernsaal mit klarer Stimme erbeben zu lassen. Der Siegfried-Sänger Siegfried Jerusalem wird diesem hohen Anspruch nicht gerecht. Sehr gut wird dies im direkten Vergleich Mime/Siegfried deutlich. Während Mime seine große, opernfüllende Stimmgewalt dramatisch (und souverän!!) aufblitzen lässt, singt der armselige Siegfried mit gequälten Stimmbändern karaokemäßig hinterher, darum bemüht, in den letzten Opernreihen überhaupt gehört zu werden! Auch in seiner zweiten Rolle, als Loge, kann mir Siegfried Jerusalem leider nicht gefallen; Denn auch hier, sobald man stimmlich vergleicht, fällt die schwache Stimme Jerusalems sofort auf. Das ist sehr schade, denn ansonsten ist dieser Ring nämlich stimmlich gut besetzt. Wer mir nicht glauben will, kann auf Youtube gerne die großen Heldentenöre mit Jerusalems Stimme vergleichen. - Zum Schluss noch ein paar Sätze zur Bildqualität und zur Maske. Einige Nahaufnahmen wurden nachgedreht und sind von guter Qualität. Ansonsten ist die Bildqualität eher mäßig, manchmal sogar schlecht. Die Masken und Kostüme sind, bis auf Alberich und Loge, Geschmacksache. Die beiden Vorgenannten wirken märchenhaft verhunzt; Ansonsten ist vieles dabei, von Karl Mays Old Shatterhand (Siegfried) bis zu Germanisch Fantasy (die Götterfamilie). Mein Fazit: Für den "falschen Siegfried" und für die VHS-Bildqualität in manchen Totalen gibt es je einen Stern Abzug. Wen das alles nicht abschreckt, der bekommt mit der "Met-DVD-Box 1990" viele Stunden gutes Musiktheater!
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