Kundenrezensionen


2 Rezensionen
5 Sterne:
 (2)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Werkübersicht voller Charme, Charakter und - Verinnerlichung, 19. Mai 2011
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brandenburgische Konzerte 1-6/Orchestersuiten 1-4 (Audio CD)
Es gibt nicht viele Werke des Barock, die auch nach Jahrhunderten noch als allgemeingültig und zeitlos bezeichnet werden können, Musikstücke, die es vermögen, allen Menschen auf der Welt ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Johann Sebastian Bachs "six Concerts avec plusieurs Instruments" BWV 1046 bis 1051, die sogenannten "Brandenburgischen Konzerte" gehören zweifelsohne zu diesem exquisiten Kanon. Dabei handelt es sich bei diesen Stücken um hochgradig individuelle Werke, die nur dank Bachs Zusammenstellung zu einer Einheit vereint worden sind. Während beispielsweise das F-Dur-Konzert BWV 1046 in Form einer französischen Ouvertüre angelegt ist, zeichnet sich das G-Dur-Konzert BWV 1048 durch beinahe kammermusikalische Schlichtheit aus. Das D-Dur-Konzert BWV 1050 wiederum kann schon fast als Cembalokonzert bezeichnet werden. In jedem Falle reihen sich die "Brandenburgischen Konzerte" unbestritten in die Riege der großen Manifeste der Menschheitsgeschichte ein.
Ähnliches kann man von Bachs Orchestersuiten, den sogenannten Ouvertüren BWV 1066 bis 1069 auch behaupten. Die Stücke bestehen jeweils aus einer großen, thematisch reichen und an Händel erinnernden Ouvertüre, auf die in loser Reihenfolge vier beziehungsweise sechs Tänze oder tanzähnliche Sätze folgen. Neben der berühmten "Air" aus der D-Dur-Suite BWV 1068 zieht besonders die h-moll-Ouvertüre BWV 1067 das Interesse auf sich: Während die Orchestersuiten im Allgemeinen üppiger und majestätischer instrumentiert sind als die Brandenburgischen Konzerte, besticht diese Komposition durch ihre Innigkeit und ihre kammermusikalische Anlage. Vor allem die Besetzung mit einer Soloflöte verleiht dem Werk einen geradezu exotischen Reiz.
Exotisch und für Bach ganz und gar ungewöhnlich gebart sich auch die "fünfte" Suite BWV 1070, die aller Wahrscheinlichkeit nicht authentisch ist. Als Urheber nimmt man ehesten einen der Bachsöhne an. Der für Bach untypische Tonfall sowie die ungewohnten Tanzformen lassen zwar nicht auf Johann Sebastian Bach schließen, erfreuen den geneigten Hörer aber dennoch durch ihre Originalität.
Das sogenannte "Tripelkonzert" a-moll BWV 1044 für Cembalo, Violine, Flöte, Streicher und Basso continuo ist dagegen echter Bach. Es enthält einige der bekanntesten Melodien des Thomaskantors und besticht durch seine Authentizität. Das wunderbare Zusammenspiel der einzelnen Solisten insbesondere im langsamen Satz lädt ein zur uneingeschränkten "Gemüths-Ergötzung".
Die Einspielung dieser Orchesterperlen nahm die Musica Antiqua Köln unter der Leitung des Violinisten Reinhard Goebel vor. Im "Tripelkonzert" spielt Andreas Staier das Cembalo und Wilbert Hazelzet die Traversflöte. Alle Akteure verwenden historisch informierte Instrumente. Der dadurch produzierte, authentische Klang ist rein und klar und versetzt den Hörer in eine längst vergangene Zeit voller Schönheit und Wärme. Goebel liefert mit seiner Musica Antiqua ein Musterbeispiel an ästhetischer Durchdringung ab. Der Vortrag steht stets im Zeichen absoluter Werktreue, ohne dabei aber allzu devot zu Gange zu sein. Unendlich viele Klangfarben und Nuancen werden hier ausgelotet. Dass das Recital an jeder Stelle vollkommen transparent und differenziert bleibt, braucht wohl kaum erwähnt zu werden.

Es ist leider üblich, dass Kammermusiken in der Regel ein der Orchestermusik untergeordnetes Dasein führen. Das ist auch bei Johann Sebastian Bach der Fall. Viele seiner Kammermusiken sind über die Jahre verloren gegangen. Bei vielen überlieferten Stücken ist zudem die Urheberschaft anfechtbar. Jedenfalls beinhaltet die vorliegende Box sämtliche erhaltenen Kompositionen für Violine, Gambe und Flöte mit Cembalo beziehungsweise Basso continuo.
Sehr bekannt sind die Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014 bis 1019. Diese als Gruppe konzipierten Werke zeigen uns Bach von seiner besten Seite. Intimer Ausdruck ist hier mit zarter Melodik und packender Dynamik verbunden. Am bekanntesten sind die E-Dur-Sonate BWV 1016 und die c-moll-Sonate BWV 1017. Letztere eröffnet beispielsweise mit einem berührenden Siciliano. Durch und durch handelt es sich um Stücke, von denen landläufig behauptet wird, dass sie erst unter Einbeziehung eines modernen Flügels ihre ganze Ausdruckskraft entfalten können. Doch wenn man sie derart brillant und mitreißend dargeboten wie hier hören darf, wird man dieses Vorurteil schnell vergessen.
Weitere vier Sonaten sind mit BWV 1019a bis 1022 vertreten, wobei eben diese keinen größeren Zusammenhang zueinander aufweisen, weswegen anzunehmen ist, dass sie erst nachmalig gereiht worden sind. Doch auch diese Stücke sind vielmehr als Gelegenheits- oder Studienwerke des großen deutschen Komponisten. Es ist wirklich wundervoll, zu hören, welche Tiefen Bach vor allem in den langsamen erreicht. Zweifelhaft ist die Autorschaft Bachs an der Fuge g-moll BWV 1026 und der Suite A-Dur BWV 1025 für Violine und Cembalo. Tatsächlich wirken die beiden recht gewöhnlich, was nicht als Abwertung verstanden werden darf.
Des Weiteren sind drei Sonaten BWV 1021, 1023 sowie 1024 für Violine und Basso continuo, ergo Cello und Cembalo, überliefert. Die Violine schwebt oftmals über dem fein gesponnen Klangteppich von Cembalo und Cello. Dahingegen fällt die unsichere Sonate A-Dur BWV Anh. 153 deutlich ab, was Klangbalance und Differenziertheit anbelangt.
Ein Manko, das man dem Geiger Reinhard Goebel und seinen Begleitern, den Cembalisten Robert Hill und Henk Bouman sowie dem Cellisten Jaap ter Linden, niemals anlasten kann. Der Hörer darf hier nichts weniger als völlig vergeistigtes und beseeltes Musizieren erwarten, voller Pointen und Humor, ohne jedoch den Komponisten an irgendeiner Stelle nicht ernst genug zu nehmen. Der helle, reine Klang erinnert eher an ein Glaubensbekenntnis als an weltliche Musik.

Die wenigsten wissen, dass Bach auch drei Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo BWV 1027 bis 1029 komponierte. Die Gambe, ein heute fast völlig aus der Mode geratenes Streichinstrument, erzeugt tiefe, beinahe metallische Klänge mit viel Volumen. Richtig gespielt fährt einem dieser Klang in Mark und Bein. Das Potential dazu haben diese drei aparten Stücke durchaus. Man höre sich nur das phantastische Adagio der g-moll-Sonate BWV 1029 an!
Dargeboten werden diese Sonaten hier - natürlich auf historischen Instrumenten - durch den Cellisten und Gambisten Jaap ter Linden und den Cembalisten Henk Bouman. Die fein gewobenen Strukturen der Werke legen die beiden organisch und atmend offen, ohne dabei aber jemals akademisch zu wirken. Ihr Vortrag ist vollkommen und vollkommen vom Feuer der Leidenschaft durchglüht.

Auch der Flöte vertraute Bach drei Sonaten mit Basso continuo BWV 1033 bis 1035 an, welche heute fast vollständig aus dem Konzertbetrieb verschwunden wären, wenn es nicht in den letzten Jahren eine wahre Renaissance barocker Bläsermusik gegeben hätte. Bach stimmt hier einen pastoralen, idyllischen Ton an, der sich mit starker Virtuosität abwechselt, wie die Partite für Soloflöte a-moll BWV 1013 zeigt.
Den höchsten künstlerischen und ästhetischen Anspruch haben jedoch von jeher die drei Sonaten für Flöte und Cembalo BWV 1030 bis 1032 inne. Der Thomaskantor knüpft hier an den Ausdrucksgehalt und die Vollkommenheit der Violinsonaten an und liefert Musik, die nicht auf ihren zeitgenössischen Rahmen beschränkt bleibt. Auch hier sind es wieder insbesondere die wundervollen Adagios, welche unwiderstehlich in ihren Bann ziehen.
Der Flötist Wilbert Hazelzet zelebriert zusammen mit Jaap ter Linden und Henk Bouman ein wahres Fest der Musik. Sein Spiel ist fließend und perlend, er setzt vielfach individuelle Akzente und übertrifft mit seiner Interpretation sogar Emmanuel Pahuds grandiose Einspielung. Er holt aus jedem Stück das Maximum an Spannung heraus. Seine Interpretation der langsamen Sätze versetzt den Hörer in wundersames Staunen, wobei auch die phänomenale Leistung seiner Begleiter nicht unerwähnt bleiben darf.

Die vorliegenden Aufnahmen entstanden zwischen 1981 und 1987. Die Tonqualität kann als hervorragend und makellos bezeichnet werden. Abgerundet wird das Programm durch einige kurzweilige Essays und Aufsätze.

Fazit: Unentbehrliche Anthologie! Vereint Repertoireklassiker mit seltener gehörten Perlen auf eine einmalig stimmige Art und Weise.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen A perfect match..., 20. August 2007
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brandenburgische Konzerte 1-6/Orchestersuiten 1-4 (Audio CD)
Wundervoll... Reinhard Goebel und seine "MAK"-Truppe haben es erneut geschafft! Ja, die Aufnahmen von Bachs Werken (besonders die der Brandenburgischen Konzerte - die ich hier exemplarisch in den Vordergrund rücken möchte) sind wahrhaftig Legion, aber es ist immer wieder etwas "Magisches", das von diesem Musikern in ihrem Zusammenspiel ausgeht, was ihre Musik "anders", charakteristisch klingen läßt, womit sie sich deutlich vom Rest aufs Positivste abheben können! Goebels Bach ist selbst in beruhigten Phrasen so klanglich voll und anregend wie ein wilder Springquell - nie langweilig, sondern ständig ideenreich und um Ausschöpfung der Vorlagen bemüht! Sterilität und routinehaftes Heruntergeleiere findet sich woanders! Noch ist diese Edition erhältlich: ein formschönes Etui mit einem ganzen Packen CDs drinnen und mächtiger Musik drauf! Immer lebendig-forsch und die ästhetische Komplexität betont - so möchte man Bach gerne begegnen und findet in hier! Preis und Leistung stimmen - meine Empfehlung: bedenkenlos zugreifen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
ARRAY(0x9c6a60cc)

Dieses Produkt

Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen