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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Zentralperspektive zur Dreidimesionalität
Wenn eine Band den eigenen Sound zur Formvollendung bringt, trägt das dazugehörige Album als Ausdruck dessen meist den Bandnamen.
Im Falle von Tocotronics neuem, selbstbetiteltem Album verwundert das, ist es doch eine Abkehr vom ursprünglichen Selbstverständnis der Band. Die eingängig - eindringlichen Texte, der demonstrative Dilettantismus,...
Veröffentlicht am 5. Juni 2003 von Simon Schneller

versus
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ...und dann wird alles seltsam glatt
Drei Jahre hat es gedauert, bis Tocotronic den Nachfolger zu ihrem grandiosen Werk „K.O.O.K." präsentierten. Ein weißes, selbstbetiteltes Album. Das ist musikgeschichtlich nicht uninteressant und läßt auf ein ambitioniertes Projekt schließen. Mit dem Vorgänger hatte man sich ja schon weit von der (vermeintlichen) Authentizität...
Am 7. September 2002 veröffentlicht


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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Zentralperspektive zur Dreidimesionalität, 5. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Wenn eine Band den eigenen Sound zur Formvollendung bringt, trägt das dazugehörige Album als Ausdruck dessen meist den Bandnamen.
Im Falle von Tocotronics neuem, selbstbetiteltem Album verwundert das, ist es doch eine Abkehr vom ursprünglichen Selbstverständnis der Band. Die eingängig - eindringlichen Texte, der demonstrative Dilettantismus, sowie die jugendliche Verweigerung der Anfangstage sind endgültig passé. Auf "Tocotronic" beginnt für von Lowtzow, Müller und Zank eine neue Zeitrechnung.
Die Intuition ist einem gewissen Kalkül gewichen, alles ist durchkomponierter, durchdachter, das dutzendfach durchexerzierte Dreiakkordschema weicht einer vielschichtigeren, abwechslungsreichen Songstruktur. Die Drei setzen ihre nun einmal bescheidenen Mittel viel bewusster ein, beherrschen ihre Instrumente, hören besser aufeinander, stellen Details heraus, erarbeiten Melodien und verschmelzen so zu einem gefügigen Ganzen. Bei diesen Arrangements spielt natürlich auch die Studiotechnik, der Einsatz von Effekten und Samples (Gitarrensolo zu "This Boy") eine nicht unerhebliche Rolle. Produzent Tobias Levin (Cpt. Kirk) ist bei den meisten (auch besten) Songs im Booklet ausdrücklich als "viertes" Bandmitglied aufgeführt.
Bei vielen Fans werden die beinahe poppigen Töne wohl wenig Anklang finden, hat man die "Tocos" doch besonders für ihre "punkige" Unprofessionalität geliebt. Bei aller Prinzipientreue ist aber auch einzusehen, dass nach fünf Alben Auf - der - Stelle - Treten und dem sparsamen Tapetenwechsel von "K.O.O.K." die Zeit für eine Veränderung überreif war. Das alte Image war zum lästigen Klischee erstarrt, der Hass, die Rebellion ausgiebig ausgelebt und mit Anfang 30 nicht länger glaubwürdig vertretbar.
Oftmals geht eine solche Neuorientierung ziemlich in die Hose, hier wirkt sie wahre Wunder. Den Alltag lassen sie weit, weit hinter sich ("Der sogenannte Realismus fällt nicht weiter ins Gewicht"), stattdessen erschaffen sie sich substitutiv eine metaphysische, mystische Märchenwelt, ein "Zwischenreich", noch unentdeckt und daher unendliche Quelle der Inspiration: Verborgene Orte, "foucaultsche" Räume, geheime Türen und Wege ...
Es ist wie ein Traum. Stimmungen werden vorsichtig eingefangen und genüsslich zelebriert, doch der Blick hinter die Dinge enttarnt auch das bedrohliche Antlitz des Bösen. Dirk von Lowtzow gelingt es auf neuem Terrain spielerisch die düstere Bildsprache eines Baudelaire mit schweren, existenzialistischen Gedankengängen zusammzuführen. Dabei ist er weder naiv - verklärend, noch kompliziert - vergeistigt: Das ist wundervolle Lyrik, voller Geist und voller Magie, elektrifizierend und beschwörend: "In diesen Räumen liegt sich's bequemer, als irgendwo anders zuvor." Dorthin und nie wieder zurück. sis
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Entdeckung der Langsamkeit, 28. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
"Ich bin neu in der Hamburger Schule" sang Dirk von Lotzow auf dem zweiten Tocotronic-Album "Nach der verlorenen Zeit" noch seltsam melancholisch. Das ist nun sieben Jahre her, der Begriff "Hamburger Schule" nicht einmal mehr Geschichte und auch sonst ist eine Menge passiert in all den Jahren. Und, ganz wichtig an dieser Stelle - "Tocotronic" haben nicht aufgehört, Musik zu machen. Mittlerweile gibt es sechs Alben, das letzte Werk erschien am 10. Juni und ist schlicht "Tocotronic" betitelt. Schwarze Schrift auf weißem Grund - rein optisch schon einmal interessant. Wer möchte, kann auch gern mehr in die Aufmachung des Albums hinein interpretieren, die Variationen reichen dabei von fehlender Kreativität bis höchster Form der Vollendung ähnlich dem schwarzen Quadrat auf weißem Grund in der Kunst.
Wie es auch sei, beim ersten Hören klingt die Platte mit Titeln wie "Alles wird in Flammen stehen", "Näher zu dir" oder "Schatten werfen keine Schatten" seltsam ungewohnt. Was sich im vierten Studioalbum mit dem Einsatz von Streichern und der Verschleppung des Tempos zugunsten stark melodiöser Elemente bereits angedeutet, sich dann auf K.O.O.K. mit größtenteils ruhigen Titeln und völligem Verzicht auf die sloganhaften Titel fortsetzte, hat nun auf "Tocotronic" seine vorläufige Perfektion erreicht. Man vermisst eingängige sloganhafte Textzeilen wie auf den ersten Alben, deren Weltschmerz sowieso und auch jene Lieder, die manchmal nur banal kurz und schnell daherkamen und dennoch auf Anhieb gefielen.
Insgesamt dreizehn Titel fanden auf dem neuen Werk Platz, nach 65:48 Minuten hat man sie einmal komplett gehört. Hängen bleibt zunächst nur, dass man die Titel beim erstmaligen Hören nur schwer unterscheiden kann. Allen gemeinsam ist eine Passivität, eine Ruhe, denn Tocotronic scheinen die Langsamkeit entdeckt zu haben. Auch wenn Dirk von Lotzow unlängst meinte, auf den Vorgängeralben hätten die Texte nicht immer unbedingt seinem Seelenleben entsprochen, sondern seien manchmal nur der Form halber gewählt worden, hätte man sich eingängige Textzeilen wie "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" auch auf Tocotronic von Tocotronic gewünscht. Stattdessen erklingen Sätze wie "Führe mich sanft, gib mir einen Trunk-Trank" und man schaut noch einmal auf die CD, ob auch wirklich das richtige Album im CD-Spieler ist.
Der Zauber der Platte entfaltet sich erst nach mehrmaligem Hören, wenn man die Stücke bereits kennt, unterscheiden und sich auf sie konzentrieren kann. Dann fallen plötzlich die gewohnt starken Texte ins Gewicht, dann beginnt man die Melodien mitzusummen und dann beginnt man die Aufmachung des Albums auch als bewusst gewählt zu verstehen. Auch wenn es vornehmlich ruhig klingt, die Texte so symbolhaft sind das eine Deutung oder ein Verstehen schlichtweg unmöglich wird, zieht es den Hörer bald in seinen Bann. Und dennoch, es wird Leute geben, denen nicht folgender Satz zu dem neuen Album einfällt: "Ich hab mich lange schon nach nichts so sehr gesehnt wie dieser Toco-Platte als ich aus dem Laden kam, war ich froh dass ich sie hatte." Sie werden denken: "Die Idee ist gut doch die Welt noch nicht bereit". Und vielleicht haben sie auch recht.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das nennt man dann Meisterwerk, 7. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Jedes Tocotronic-Album ist etwas besonderes, doch "Tocotronic" ist nicht nur der größte Umbruch in der Bandgeschichte, sondern auch der (bisherige) Höhepunkt.
Die Details im einzelnen:
1. "This Boy Is Tocotronic": Und es rockt doch. Das perfekte Einstiegstück, da es ankündigt, dass jetzt etwas neues kommt. In seiner Leidenschaft geht es schon sehr Richtung "Pure Vernunft..."
2. "Alles wird in Flammen stehen": etwas ruhiger, jedoch ein weiteres fantastisches Liebeslied ganz in der Tradition aller Tocotronic-Liebeslieder. Gnadenlos bis zur Selbstaufopferung, voller Sehnsucht und Leidenschaft.
3. "Hier ist der Beweis": ein verträumtes, trotziges Lied. "Diese Jungs sind anders wie man weiß." Ja, weiß man.
4. "Hi Freaks": vielleicht eines der besten Lieder aller Zeiten, fraglos das Highlight dieses Albums. Episch, großartig, wundervoll getextet, perfekt komponiert. Hier geht es einfach nur um alles oder nichts.
5. "Führe mich sanft": wieder ein Aufruf zur Leidenschaft mit grandiosen Gitarren- und Schlagzeugeinsatz und tollem Finale.
6. "Free Hospital": sicher kein schnelles Stück, aber wenn es erstmal losgeht lässt es einen kaum los. Die musikalische Umsetzung von Zufriedenheit.
7. "Das böse Buch": Wegfindung? Liebeslied? Bestandsaufnahme? Oder alles zusammen? Ich nehme Liebeslied.
8. "Näher zu dir": der Titel deutet es schon an, ein sehr reines Liebeslied bzw. ein Lied über den Moment bevor es groß wird. Oder ist das dann der größte Moment?
9. "Schatten werfen keine Schatten": wieder ein Liebeslied, was nichts macht, weil Tocotronic Liebeslieder machen, die jenseits jeglicher Liebeslieder-Tradition stehen. Soghaftere und zärtlichere Texte hört man selten.
10. "Dringlichkeit besteht immer": die Musik treibt an, die Stimme ist träge und bringt doch wieder alles was diese Band ausmacht auf den Nenner: Leidenschaft, Selbstaufgabe, Sehnsucht.
11. "Die Wolke der Unwissenheit": das zweitbeste Lied der Platte, von fast unerträglicher Schönheit, die Musik baut langsam eine Spannung auf, die sich in einer sanften Explosion auflöst, überlagert von Dirk von Lotzows überschnappender Stimme und dem Text, der einen gnadenlos in seinen Bann schlägt. So illustriert man Gefühle.
12. "Drama": na gut, das Instrumentalstück erscheint etwas überflüssig, ist aber doch nett anzuhören. Es klingt jedenfalls nicht nach irgendwas, was der Titel vermuten lässt.
13. "Neues vom Trickser": wirkt fast wie eine Rückblick auf dieses Album oder sogar auf alle Alben und dass "eins zu eins" jetzt vorbei ist, sagt ja auch alles was man über Tocotronics neue Richtung sagen muss.
Ein makelloses Meisterwerk.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DER NAME IST PROGRAMM, 18. Juni 2002
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Einfach herrlich! Ich wusste nicht, wie man die K.O.O.K. noch schlagen wollte. Jetzt weiß ich es. Der typisch tocotronicnische
wortumgang reißt mich wiedereinmal in seinen Bann. Von THIS BOY IS TOCOTRONIC bis hin zu NEUES VOM TRICKSER läuft mir manchmal ein kalter Schauer über den Rücken. Die gnadenlose Erkenntniss aufoktuaierter "Freizeitgestaltung", sowie "die Blitze der Erinnerung", lassen mich viel weiter in mich selbst blicken und
der wunsch nach einer lebensumstellung nach den Worten "eins zu eins ist jetzt vorbei" bringt mich doch langsam ins Schlottern.
"Tocotronic" wirkt noch viel persönlicher als die vorherigen Scheiben. Von Album zu Album wirkt Tocotronic immer reifer.
Ich hoffe das dieses Album nun endlich der Knackpunkt für Jugendliche ist, zu merken, dass man nicht angeblicher Tocotronic-fan sein kann und dabei dann noch "Korn" hören kann.
Hoffentlich endet diese "wir sind auch anders, weil wir tocotronic hören - Masche" mit diesem Album endlich. Hoffentlich kann auch ich sagen, dass es jetzt soweit ist in einer Welt, deren Umriss mir gefällt. Einfach schön!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Als eins zu eins noch für immer vorbei war, 20. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Wie sehr es dieses Album es verdient hat, nichts als den Bandnamen zu tragen, war zu seinem Erscheinen schon spürbar und ist 10 Jahre später mit Gewissheit sicher: Das Weiße ist das endgültige Tocotronic-Album, es ist eine der ganz ganz wenigen Platten die über 10 Jahre hinweg immer und immer wieder in meinen CD-Player wandern, ohne dass es mir langweilig wird, es ist das Manifest der 2. Generation von Tocotronic-Alben, nachdem mit "K.O.O.K." der Übergang von der schrammelnden Slogan-Maschine in unscharfe postrockige Sphären vollzogen waren. "K.O.O.K.", so groß der Schock für einige 3 Jahre zuvor war, war in seiner Ausrichtung doch noch nicht so ganz konsequent, "Let there be Rock" z.B. erinnert noch stark an den klassischen Tocotronic-Song, die Tracklist ist noch prall gefüllt, auch wenn sich mit Stücken wie "Das Geschenk" oder "17" die neue monströse Weite schon deutlich ankündigte.
Auf "Tocotronic" wurde dieser Weg dann wirklich zu Ende gegangen. Rick McPhail war zwar schon dabei, stand auf der Tour mit auf der Bühne, aber trotzdem ist sein Einfluss auf dem Album noch nicht wirklich zu spüren, statt seiner perlenden Gitarren, die ab "Pure Vernunft..." in den Vordergrund rücken, prägen das weiße Album noch die leicht schrägen Licks, die man schon auf K.O.O.K. zu hören bekam, so z.B. am Anfang von "Führe mich sanft" oder "Wolke der Unwissenheit", und die ich seitdem schmerzlich vermisse. Es ist also sofort als ein Album der Urbesetzung zu verorten, auch wenn die auf dem Vorgänger beschrittenen Elektronik-Pfade hier zur Autobahn planiert wurden. In dieser Kombination liegt großer Reiz: Die elektronische Geräuschkulisse verneigt sich mit Posaunen und Trompeten vor den immer noch recht simplen, aber in ihrer Stoigkeit umso standfesteren Instrumentenparts wie vor Monumenten. Lieder wie "Hi Freaks", ein absolutes Herzstück des Albums, lassen durch ebenso entspanntes wie kompromissloses Fließen und Wiederholen Klangräume entstehen, die den Hörer geradezu aufsaugen. Das ewige, monotone Brummen am Beginn von "Free Hospital" nimmt auf den Punkt genau die einerseits bequeme, tiefe aber dann doch irgendwie leicht beunruhigende Gefangenheit vorweg, die den Erzähler später im Lied umtreiben wird. In "Hier ist der Beweis" experimentiert Dirk von Lowtzow zum ersten Mal mit seiner Stimme, indem er die scharfen "s" am Zeilenende sekundenlang weiterzieht, auch das ist wieder Programmmusik. Es wird auf dem Album eine Atmosphäre der Distanz aufgebaut, mit repetitiven Midtempo-Takten, mit voluminösem Raumklang, mit einer Entfernung von lauten Instrumenten zum Geschehen, die man vielleicht als leises Donnern beschreiben könnte. Was hier in der Theorie nach Sterilität klingt, führt in der Praxis genau zum Gegenteil, es umhüllt den Hörer, lässt ihn nicht mehr los, zieht ihn mit und tief in sich hinein.
Eine Tocotronic-Rezension, die auf zig Zeilen ohne Verweis auf die Texte auskommt? Allein das sollte vielleicht als Beleg für die Großartigkeit dieser Platte ausreichen, aber gut: Während die Musik die Texte einerseits perfekt widerspiegelt, Akzente setzt und interpretiert, nimmt sie ihnen doch einen gewaltigen Teil an Schärfe, was zu interessanten Reibungspunkten führt. Klares Thema dieses Albums ist, so unpräzise es dann doch im eigentlichen Text bleibt, der Aufstand, die Konfrontation mit der Gesellschaft. Manche Stücke sind in dieser Hinsicht kleine Blender, "Alles wird in Flammen stehen" bezieht sich nämlich nicht auf Straßenkampf und Chaostage, sondern ist ein lupenreines Liebeslied. Man sieht, die manchmal recht apokalyptischen Ausdrücke wollen oft nicht 1:1 übersetzt werden (wie es dann ja auch in "Neues vom Trickser" 1:1 ausgesprochen wird). Klarer wird die Marschrichtung an der Kritik an der Gleichschaltung in "Hi Freaks" oder "Führe mich sanft", an dem ebenso offenen wie ungewöhnlichen, weil vollkommen resignierten "Protest-Song" "Die Wolke der Unwissenheit", an der für ganze Post-68er-Generationen geltenden Widersprüchlichkeit von Überzeugungen und letztendlichem Handeln in "Das böse Buch" und "Neues vom Trickser", an der Desillusionierung im Anbahnen und Führen von Liebesbeziehungen in "Näher zu dir" und dem großartigen "Schatten werfen keine Schatten", an der Enge und am Trotz des Andersseins in "Hier kommt der Beweis" und "Dringlichkeit besteht immer". Obwohl das der rote Faden ist, der an fast jeder Stelle des Albums an die Oberfläche dringt, bleibt es doch assoziativ und mehrdeutig, wer könnte sagen, ob der Wohlfühleffekt der Holzadern und der Wanduhr in "Free Hospital" für die wahre Auszeit und Entspannung oder die Internierung auf dem Zauberberg oder doch nur für profanes Eingelulltsein steht? Sie sind herzlich eingeladen, weiterzudenken.
Gibt es einen Hit? Am ehesten kommt dafür "This Boy ist Tocotronic" in Frage, das, wie seit "K.O.O.K." für die erste Single üblich, den größten Pop-Appeal mitbringt, sich aber musikalisch klar vom Rest des Albums absetzt. Trotzdem ist es ein sehr schönes Lied, das sich mit seiner wertungsfreien, gleichzeitig unmittelbaren und isolierenden Beschreibung des absoluten "Jetzt"-Erlebnisses dann doch nahtlos in das Album einzufügen weiß.
Bei für Tocotronic-Verhältnisse bis dato ungewöhnlicher starker Konzeptionierung, bei nur noch 13 statt 16+ Stücken, nur noch 60 statt wie zuletzt auf "K.O.O.K." 80 Minuten Laufzeit und einer trotz der Elektronik-Exzesse immer noch auffälligen Schlichtheit könnte man den Eindruck haben, dass "Tocotronic" enger, begrenzter und "kleiner" wirkt, als "K.O.O.K.". Aber genau das Gegenteil ist der Fall, "Tocotronic" kommt mit einer Weite, einer Gewalt, einer Würde, die einen regelrecht wegbläst. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das "Meisterwerk" "K.O.O.K." noch übertroffen werden könnte und war geplättet, als es "Tocotronic" scheinbar mühelos tat.
Das Weiße ist das beste Tocotronic-Album, besser als '"Pure Vernunft wird niemals siegen" oder "Kapitulation", besser als "Schall und Wahn" sowieso, aber es ist nicht zwangsläufig das Beste "to start with". Wer sich eine Tocotronic-Platte besorgen will, weil er "Die Welt kann mich nicht mehr verstehen" aus der Indie-Disco kennt, sollte unbedingt zu "Digital ist besser" oder "Wir kommen, um uns zu beschweren" greifen, wobei bei Letzterem gewarnt sei, dass es zwar unglaublich schnell ins Ohr geht, aber ähnlich flott auch wieder aus dem Kopf ist. Wer die "neuen" Tocotronic nach dem Wandel 98/99 kennen lernen will, sollte ruhig mit dem Album anfangen, mit dem der Wandel begann, nämlich "K.O.O.K.", welches ebenfalls ein sehr, sehr großartiges Album ist. Aber das Weiße kriegen sie nicht mehr getoppt. Wetten?
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5.0 von 5 Sternen Gar nicht enttäuschend!!, 7. August 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Auch mich würde ich als Toco-Fan der ersten Stunde bezeichnen, habe aber anscheinend das Glück, eine ähnliche persönliche Entwicklung durchzumachen wie sie in der Musik von Tocotronic zu erkennen ist. Die Texte werden poetischer, erwachsener, die Stimme ist sanfter, aber tonsicherer, die Musik ist komplexer, aber auch ruhiger, weniger rau. Sie trifft einen nicht mehr wie ein Donnerschlag, wird aber mit zunehmendem Hören immer gefälliger. Ich finde die Entwicklung von "Digital ist besser" - natürlich auch grandios - zu "Tocotronic" nachvollziehbar und glaubwürdig. Also, kein Aufguß des immer gleichen, sondern Mut zur Veränderung, ohne sich selbst untreu zu werden. Bitte, weiter so!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr interessanter Weg..., 7. Juli 2002
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
den Tocotronic mit ihrem neuen Album beschreiten.Schon die Single ließ mich aufhorchen,denn sie ist absolut anders und doch zu 100% Tocotronic.Ich denke alles was zu sagen war (an für sich stehenden Statements) haben Tocotronic bereits auf früheren Platten gesagt,umso erfreulicher die textliche Weiterentwicklung weg vom Plakativen hin zum Assoziativen.Musikalisch merkt man,daß sich die lange Zeit im Studio gelohnt hat,denn der Output ist mehr als bemerkenswert.Ich hätte nicht gedacht,daß eine Band wie Tocotronic je so einen Quantensprung machen würde.Ich bin fassungslos begeistert!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neues von den Tricksern, 30. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Eines ist ganz sicher eins zu eins ist jetzt vorbei!
Mit dem neuen, selbstbetittelten Album macht Tocotronic da weiter wo sie mit Kook aufgehört haben. Natürlich wird der ein oder andere die schrammeligen Gitarrensolos von Dirk, die ``Ich weiss es nicht`` Mentalität der früheren Texte und die Einfacheit die jene Lieder aus vergangenen Zeiten ausgestrahlt haben vermissen. Doch das ist garnicht schlimm. Denn das wichtigste, eine Mütze voll Liebe und Scharm plus einer Extraportion Ausgefeiltheit servieren uns die drei Hamburger mit einem Lächeln Zum Desert.Sicherlich ist das neue Album mehr denn je eine Herausforderung für den Zuhörer, denn Dirks Songwriting ist ausgefeilter, verspielter, auf den Punkt gebracht und doch verschlüsselter denn je. Weg von den eins zu eins ``Ich`` bezogenen Texten. Doch Heldenlieder wie ``Schatten werfen keine Schatten`` oder ``Näher zu dir`` sind Stadionhymnen al la cart.
Anfängliche Unsicherheit(Kein Lied unter 4 Minuten) schwankte bei mir in Begeisterung um! Tocotronic sind dem Ausverkauf entgangen und haben sich neu ercshaffen!
Mann muss sich schon als Zuhörer viel Zeit für dieses Album nehmen, aber wenn man das tut, liebt man seine 13 LIeder umso mehr! Es gibt neues von den Tricksern!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen This Boy is Tocotronic..und wer seid Ihr ?!?, 11. Juni 2002
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Endlich ist es soweit das die 3 Jungs aus Hamburg eine neue Scheibe auf den Markt geworfen haben,das war der Moment auf den ich die ganze Zeit gewartet habe..Leider frage ich mich wo die schrabbeligen Gitarrenriffs geblieben sind ? Schon auf dem Vorgänger waren die guten alten Zeiten bereits auf dem Weg ins Nirgendwo,doch mit einigen Lichtblicken (Jenseits des Kanals z.B.) ..Schade,das war eigentlich die grösste Stärke dieser Band.Auf dem neuen Silberling wird mehr auf Texte und Melodie-verspieltheit gesetzt..Naja trotz dieser Entäuschung liegt hier nun doch ein gutes Album vor ! ..Reinhören lohnt sich auf jedenfall,allerdings wie gesagt sollte man die gewohnte Erwartung dennoch zurückschrauben damit der Schock nicht zu tief sitzt !..und die Leute die mit Tocotronic bisher nichts anfangen konnten,sollten es dann wohl jetzt versuchen :)
Anspieltip: Hi Freaks / Schatten werfen keine Schatten
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Evolution!, 22. Juni 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
Dieses Album ist die natürliche Weiterentwicklung der K.O.O.K., allerdings scheint es, als hätte man eine Evolutionsstufe übersprungen.
Durch die vielen Verfeinerungen im Laufe des Entstehens der Lieder wurden die meisten Lieder so komplex und ausgetüftelt, dass es oft beim ersten Hören schwerfällt "mitzukommen". Nach öfterem Durchhören wird plötzlich alles fassbar und man sieht klar.
Denkt man am Anfang noch, dass mit einigen Liedern der Tiegfpunkt der CD erreicht ist, stellen genau diese sich später als die interessanteren heraus.
Was die Texte anbelangt, so ist klar, dass man ein ewiges Herausschreien der Dinge, die einem nicht gefallen, nicht durchziehen kann. Die 3 Jungs sind mittlerweile auch um die dreißig und auch sie haben sich verändert.
Die Texte entführen in fantastische Welten, Räume, oft fühlt man sich in einen Traum Dirk von Lotzows hineinversetzt.
Man kann dieses Album mit keiner anderen Tocotronic-CD vergleichen, es hebt sich selbst von dem Vorgängeralbum K.o.o.k. stark ab. Wir befinden uns in einem neuen tocotronischen Zeitalter! Vive la Evolution!
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Tocotronic
Tocotronic von Tocotronic (Audio CD - 2006)
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