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5.0 von 5 Sternen Grandioser Frühsechziger-Bluegrass von vier Hillbillies, 25. Oktober 2013
Von 
M. Robert Ganser "robertissimo" (Apetlon, Burgenland) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Back Porch Bluegrass+Live Almost (Audio CD)
1962 machten nicht nur die Beatles, die Beach Boys, die Rolling Stones und Bob Dylan ihre ersten als bemerkenswert registrierten Schritte auf Konzertbühnen und in Plattenstudios, sondern auch vier Bluegrass-vernarrte Burschen aus Salem im US-Bundesstaat Missouri, die sich nach L.A. begaben, um von dort aus die Musikwelt zu erobern. Eine sonderlich erfolgreiche, geschweige denn weltberühmte Band wurden sie in 50 Jahren nicht, aber eine der besten und wichtigsten, weil musikalisch herausragendsten Gruppen im Bluegrass-Country-Pop-Rock-Bereich waren und sind sie, und werden es wohl auch bleiben.
Banjospieler Doug Dillard, sein singender und Gitarre spielender Bruder Rodney, Mandolinenspieler Dean Webb und Bassist Mitch Jayne nahmen noch 1962 ihr Debüt "Back Porch Bluegrass" auf: 15 Tracks mit der Bandbreite zwischen rasanten, mit beachtlichem technischen Können, aber ungemein lockerem Feeling gespielten Stücken, und schönen, ruhigen Balladen. Instrumentalstücke und gesungene Nummern halten sich in etwa die Waage, und schon auf ihrem ersten Album zeigt die Gruppe ihr Talent zu vielseitigem und einfallsreichem Harmoniegesang. Ihre Plattenfirma war (und blieb bis 1970) Elektra Records, damals noch ein reines Folk- und Country-Label, das sich erst ab 1966 dem Rock öffnete (Love, Doors etc.). Die Platte ist purer Bluegrass, wer die Dillards nur von ihrer Pop- /Rock-Phase ab 1968 kennt, sollte sich auf diesen puritanischen Sound einstellen. Es lohnt sich aber, und wer Abwechslung von diversem Pop-Rock-Einerlei sucht, kann hier bestens fündig werden - Musik, die einerseits Lichtjahre vom Mainstream entfernt, andererseits aber schön und stimmig ist, und frei von Kitsch und Unsinn. Und Energie hatte die Gruppe wie eine erstklassige Rock'n'Roll-Band, angefangen von der superschnellen Banjo- und Mandolinen-trächtigen Eröffnungsnummer "Old Joseph" bis zum atemberaubenden Abschluss "Duelin' Banjo (Hootin' Banjo)", dazwischen die erwähnte Vielfalt. Alles in allem ein exzellentes Debütalbum, das sich aufgrund des hohen Zeitlosigkeitsfaktors solcher Musik auch nach exakt 50 Jahren sehr gut hören lässt.
Wer wissen wollte, was diese Gruppe live drauf hatte, erlebte sie entweder in den USA (wohl hauptsächlich an der Westcoast) live, oder besorgte sich 1964 "Live!!! Almost!!!". Wer die vielen Rufzeichen für eine Übertreibung hält, wird es nach Anhören dieses Albums wahrscheinlich anders sehen: Technikdemonstrationen waren schon die Studioaufnahmen nicht, diese Musik hat Seele, und bei Liveaufnahmen merkt man das noch besser als sonst. Neben der Power und den erstklassigen Instrumental- und Gesangsleistungen zeigt diese Platte aber noch eine weitere Qualität dieser Gruppe, nämlich ihren Humor, ihren Pep, ihren wunderbar lockeren Umgang mit dem Publikum! Das war vor allem dem Bassisten Mitch Jayne zu danken, der herrliche Ansagen zum Besten gab, wie beispielsweise vor dem Dylan-Cover "Walkin` Down The Line", wo er sich in hinterwäldlerischer (tja, Hillbillies eben) Manier über Dylans Gesangskünste äußert, oder zum Traditional "Pretty Polly", wo er zum (zusätzlichen) Geschichtenerzähler wird. Und bei der Begrüßung des Publikums nach der Eröffnungsnummer offenbart er der Zuhörerschaft, dass die Dillards Hillbillies sind. Wenn das nicht ehrlich war, lieber Mitch! "Live!!! Almost!!!" ist eine jener erstklassigen Liveplatten aus den Sechzigern, an die heute erinnert werden muss, weil eine solche Ladung an musikalischer Substanz, Spielfreude, Charme und Humor heute ganz schön selten geworden ist, und zwar in allen Spielarten der populären Musik.
Mitch Jayne starb 81-jährig 2010, Doug Dillard 2012 im Alter von 75 Jahren, Rodney Dillard und Dean Webb sind mit eigenen Projekten noch heute aktiv. Die Dillards gab es als aktive Band bis in die Neunziger hinein, und wer ihre weitere Diskografie verfolgt, darf feststellen, zu welchen Überraschungen sie noch fähig waren.
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