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am 18. März 2001
Mit diesem bildgewaltigem Kostümepos schwenkte Martin Scorsese Anfang der 90ger für kurze Zeit in eine komplett andere Stilrichtung. Als ich diesen Film im Kino sah, war ich bezaubert und fasziniert von dieser Detailbesssenheit, die Scorsese und sein Team ausmacht. Die wundervollen Kostüme, das begnadete Interieur machen dieses Drama um eine unglückliche Liebe zu einem der ergreifendsten Dramen der letzten 10 Jahre. Die Schauspieler sind allesamt perfekt, Daniel Day Lewis und Michelle Pfeiffer geben ihr Meisterstück ab.Winona Ryder spielte noch nie so erwachsen und formvollendet wie in diesem Film, der leider von der Oscar Jury komplett übergangen wurde. Die Musik von Elmer Bernstein ist ein einziger Traum. Man fühlt sich direkt in diese viktorianische Epoche hineinversetzt, und wünscht einmal einen Tag in dieser Zeit erleben zu dürfen. Der Film basiert auf einem Roman von Edith Wharton, und Scorsese und sein Coautor Jay Cocks haben dieses Buch kongenial umgesetzt. An diesem Film gibt es wahrlich nichts auszusetzen. Ich möchte nicht wissen wieviel Vorbereitungszeit alleine in die Sets und Kostüme gegangen ist ! Dieser Film ist jedem der sich für Geschichte, Film und den Mensch an sich interessiert wärmstens zu empfehlen. Ein wahres Meisterwerk!
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am 18. August 2007
Für mich gehört Age of innocence zu den überwältigendsten Filmen aller Zeiten, weil er alle Mittel des Films für seine zärtliche, aber auch deprimierende Liebesgeschichte gebraucht. Als erstes sind das die Kamerafahrten und Einstellungen von Michael Ballhaus: die Eingangssequenz zu dem Ball ist eine unglaubliche Kamerabewegung, wir lernen die Gegebenheiten aus der Besuchersicht alle kennen. Für Portraits von Gästen wird das Bild verlangsamt, um sich diesen besser zuwenden zu können. Die Erzählerinnen-Stimme berichtet alles notwendige mit der Henry Jamesschen Ironie. Bei einer Flüsterei in einem Opernbalkon wird eine ringartige Blende eingesetzt, so dass wir das von Michelle Pfeiffer Gesprochene genau mitbekommen. Die Musik ist ergreifend und zart. Die Idee, eine sanfte erotische Phantasie von Newland Archer aus einer realen Szene herauslaufen zu lassen, um sie mit der dann tatsächlichen Realität zu brechen, finde ich großartig. Romantischen Menschen muss ich eine Szene ans Herz legen, in der Newland Archer seine Entscheidung, auf Michelle Pfeiffer, in die er sich rauschhaft verliebt hat, zuzugehen, davon abhängig macht, ob sie sich, am Ufer stehend zu ihm umdreht, bevor ein vorbeiziehendes Schiff den Leuchtturm erreicht. Sie tut es nicht, er wendet sich ab und wir Zuschauer leiden so (später erzählt sie ihm, dass sie auf eine Geste von ihm gewartet habe). Daniel Day-Lewis ist so ein umwerfender Schauspieler, ich kann so leiden mit ihm zwischen der lieben und blassen Winona Ryder und der offenherzigen zwischen Kühle und Erregung hin- und hergerissenen Michelle Pfeiffer (schreckliche Frisur, aber was für eine wunderschöne Frau!). Es gibt so viele Originalitäten in diesem Film! Der Gegenstand des Films war bei seinem Erscheinen für diesen Regisseur vielleicht ein bißchen ungewöhnlich, aber letztlich erzählen die Filme von Scorsese immer Geschichten aus einer Gesellschaft(-schicht), in der das Gefühle-Zeigen restringiert ist, Gesten zurückgehalten werden müssen und irgendwann emotionale Unbeherrschtheiten die Handlung zu einem unguten Ende bringen. Hier nur vordergründig etwas sanfter als in den Mafia-Filmen von Scorsese.
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am 8. Oktober 2002
Ein wirklich grandioser Film von unsagbar kraftvollem, visuellem Zauber. Der Aufwand, der hier getrieben wird, den Betrachter in die Zeit zurückzuversetzen, in der diese tragische Liebesgeschichte spielt, ist mehr als beachtlich. Vielleicht Martin Scorseses bester Film. Auch wenn er sich selbst harte Konkurrenz macht.
Der Schlüssel zum Verständnis des ganzen Films ist vielleicht, dass Mr. Newland Archer - einer der beiden verzweifelt Verliebten - die gesellschaftlichen Konventionen, die sich den beiden Liebenden in den Weg stellen, nicht ausschließlich von außen erfährt, sondern selbst in sich trägt. Nicht ganz grundlos ist das letzte was man von ihm zu hören bekommt, dass er eben „oldfashioned" sei.
Natürlich bleibt auch der gesellschaftliche Zwang, der von außen an beide herangetragen wird, ein nicht zu unterschätzender Wirkfaktor und Motor der Geschichte. Doch ist es eben Newland der sein Leben lang Teil der gehobenen New Yorker Gesellschaft bleibt, von der dieser fatale Zwang ausgeht und in der der Film spielt. Damit verfehlt jener Newland das Neuland, das ihm Ellen Olenska bedeutet haben würde - der Gegenpart dieser ebenso leidenschaftlichen, wie hoffnungslosen Liebe - und auf das sein Name so subtil und voll feinsinniger Ironie anspielt.
Eigentlich ein Film den man gesehen haben muss. Ich habe ihn einmal dreimal an einem einzigen Tag gesehen - mein persönlicher Rekord. Also.
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New York um 1870. Anwalt Newland Archer (Daniel Day-Lewis) ist standesgemäß mit der jungen Adligen May Welland (Winona Ryder) verlobt. Als er Mays aus Europa zurückkehrende Cousine Ellen Olenska (Michelle Pfeiffer) kennenlernt, beginnt er an seiner Lebensplanung zu zweifeln. Die schöne Gräfin hatte ihren Ehemann verlassen und Archer um anwaltliche Unterstützung bei der Scheidung gebeten, die sie in der Ostküsten-Society zur Außenseiterin macht. Er verliebt sich leidenschaftlich in Ellen und beginnt an der bigotten Moral der New Yorker Gesellschaft zu zweifeln. Für eine Lösung seiner Verlobung und einen Ausbruch aus den gesellschaftlichen Normen fehlt Archer dennoch der Mut ...

Martin Scorsese (*1942) drehte sein opernhaftes Melodram in Verehrung für die großen Gesellschaftsfilme Luchino Viscontis 1992 nach dem gleichnamigen Roman von Edith Wharton, die dafür 1921 den Pulitzer-Preis erhielt. Grundkonflikt ist die in ihren Regeln erstarrte Gesellschaft der Ostküste, die mit der beginnenden Veränderung in Europa nicht Schritt hielt und damit für Rückkehrer aus Übersee zur Gefühlshölle wurde. Der mit Blick auf Scorseses Gesamtwerk ebenso einzigartige wie ungewöhnliche Film schwelgt in seiner überreichlichen Ausstattung. "Scorsese gelingt es in seinem Opulenz-Streich, in dem die Reihenfolge der Menüs so wichtig ist wie die Speisekarte mit Goldrand, eine Ära plausibel zu machen, deren Glanz aus der unbedingten Beibehaltung der Form bestand." (Fischer Film Almanach 1994) Die drei hervorragenden Hauptdarsteller vermitteln mit einem sichtbar zurückhaltenden Spiel über Gesten und Blicke einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt ihrer Charaktere.

Die Blu-ray von SONY präsentiert den Film in hervorragender Bild- und Tonqualität. Ebenso wie auf der seit 2001 erhältlichen DVD (auf der sich noch der Trailer befand) wurde auf jegliche Extras verzichtet. Ein Szenenauswahl-Menü (von Sony in letzter Zeit häufig eingespart) ist diesmal aber vorhanden. Vom Konzept des Wendecovers hat man sich leider wohl auf Dauer verabschiedet.

Eine sehr empfehlenswerte Veröffentlichung für Sammler anspruchsvoller Literaturverfilmungen!
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HALL OF FAMEam 31. Juli 2003
Welch eine Geschichte, welch eine Umsetzung! Selten hatte ich bei Scorsese das Gefühl, daß er sein formales Genie derart in den Dienst des Stoffes gestellt hat wie in diesem Meisterwerk (neben "Howards End" vielleicht die beste Literaturverfilmung der 90er). Bei den Kritikern nicht so gut angekommen, lautete der Hauptvorwurf wohl, die Schauspieler hätten die Gefühle nicht "rübergebracht". Tatsächlich sind die Figuren perfekte Abbilder ihrer Zeit, unfähig, einfache Wahrheiten auszusprechen, selbstbeherrscht bis zum Masochismus. Die Tragik wird uns vom Regisseur auf andere Weise vermittelt: durch Kameraperspektiven, kurze Traumsequenzen (quasi Gefühlssprünge), farblich verfremdete Überblendungen, und nicht zuletzt durch die wohldosierte Musikuntermalung (in die zumeist zeitgenössische Auswahl fügt sich das einzige moderne Stück von Enya nahtlos ein). Die besten Augenblicke aber kommen ohne Musik, ja manchmal fast ohne Ton aus. Wenn die Kamera im Opernhaus plötzlich auf Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer fokussiert, entsteht ein Moment von seltener Magie, und keine erklärenden Worte sind nötig. Dann wieder setzt die ironische Erzählstimme ein und erklärt uns eine vergangene Welt, die keine Verherrlichung lohnt und der doch eine gewisse Nostalgie anhaftet.
Ein weiteres Mal ist hier Michelle Pfeiffer bei den Oscar-Nominierungen übergangen worden. Ihre erstaunliche Leistung weiß man noch mehr zu würdigen, wenn man sich ihre vollkommen anders gelagerte und doch ebenso perfekt ausgeführte Rolle in jenem Wunderwerk der 80er, "Dangerous Liaisons" ("Gefährliche Liebschaften"), vergegenwärtigt. Daniel Day-Lewis war ihr ein würdiger Widerpart, und die damals 21jährige Winona Ryder hervorragend, wie übrigens alle weiteren Nebendarsteller. Gute Schauspielerei heißt halt mehr als exaltiert in Tränen ausbrechen zu können oder sich in Wutanfällen zu ergehen. Hier waren kleine Gesten gefragt, und die hat Scorsese zuhauf eingefangen (10/10).
Die DVD bietet sehr ansprechendes Bild und Originalton in 5.1, allerdings keine nennenswerten Extras. Dafür ist der hohe Preis eigentlich unverständlich (daher die Abwertung auf vier Sterne).
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am 20. Juni 2014
Wie doch der leuchtkräftige Abglanz einer längst verschütteten Epoche blenden kann! Jene New Yorker High Society aus den 1870er Jahren, die Martin Scorsese in dieser ausschweifend inszenierten Adaption von Edith Whartons Roman "The Age Of Innocence" so detailversessen porträtiert, hat mit den kriminellen Elementen, die man sonst so häufig in den Gangster-Epen des Sohnes italienischer Einwanderer antrifft, mehr gemein, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Als Schlachtfeld dient diesmal nicht die Straße, sondern die Freitreppen, Parketts und Salonfluchten der prunkvollen Paläste entlang der 5th Avenue bis hin zum Washington Square. Dieser Krieg wird keineswegs mit Maschinenpistolen und offenem Visier ausgetragen. Seine Waffen sind Austern, Derby-Porzellan, Rosen-Bouquets, Quadrille-Armeen und Batterien von Champagnerflaschen. Ziel der Auseinandersetzung ist aber nicht etwa der Genuss oder das schöne Leben im höfischen Air einer mit Dollarnoten parfümierten Atmosphäre, die sich im Ambiente eines dekorativen Amalgams aus Versailles, Schloss Fontainebleau und viktorianischem Stil ausbreitet. Es geht allein um den Sieg und das Prestige, das Ausschalten jedweder Konkurrenz, den sozialen Triumph.

Im Ballsaal der Beauforts, einer der reichsten Sippen der Stadt, versammelt sich alljährlich ein exklusiver Kreis sorgfältig verlesener Eliten, die der Auffassung sind, das Recht und die Pflicht zu besitzen, die Gesellschaft zu kontrollieren, zu führen und Leute nach Belieben zu empfangen und auszuschließen. Mit tadellosen Manieren, einer kryptischen Zeichensprache und geflüstertem Tratsch richtet man auf diesem Boulevard der Millionäre über den weiteren Verlauf von Biografien, während komplexe Rituale und moralische Doppelstandards den Alltag bestimmen. So offenbart sich das Janusgesicht einer illusionären Scheinwelt, eines Bollwerks aus Sitten, Etiketten, Werten und patriarchalisch strukturierter Familienbande, das um seine Besonderheit weiß und sie eifersüchtig wahrt. Wer die ungeschriebenen Gesetze dieses abgeschotteten Universums missachtet, wird geächtet, ausgegrenzt und ins Fegefeuer der Verschmähten verbannt, ins Nichts, in die Hölle der absoluten Bedeutungslosigkeit.

Das Drama beginnt mit einer theatralischen Maskerade, mit der Aufführung von Gounods Oper "Faust", die das Establishment auf den Rängen allerdings nicht so sehr zu begeistern vermag als das, was die wachsamen Augen durch das Opernglas in den höher liegenden Logen erfassen. Im Defilee von Statussymbolen liegt der eigentliche Reiz des Abends verborgen, ein Skandal übertrifft jedoch alle Erwartungen. Er artikuliert sich in einem strahlenden blauen Kleid, das die attraktive Gräfin Ellen Olenska trägt, eine exotisch erscheinende Dame aus Europa, vom verpönten alten Kontinent, die vor einer unglücklichen Ehe in die Obhut ihrer New Yorker Verwandtschaft geflüchtet ist und nun mit ihrem unkonventionellen Verhalten unbewusst gegen den Kodex jener präpotenten Aristokratie verstößt. Sie ist intelligent, unabhängig und verfügt über eine sinnliche erotische Aura, welche vor allem Newland Archer zum Verhängnis wird, der sich soeben erst mit Ellens Cousine May verlobt hat, einer kindlich-heiteren Nymphe, die durch ihre farblose Mädchenhaftigkeit einen eher unreifen, naiven Eindruck vermittelt. Obwohl sich Archer in seiner Funktion als Anwalt nun gezwungen sieht, die Schande einer in Trennung lebenden Frau von seiner zukünftigen Familie abzuwenden, verliebt er sich in Ellen. Beide begehren einander, ohne die verspürte Zuneigung offen auszusprechen. Um der Versuchung zu widerstehen, will Archer die Heirat mit May forcieren. Diese besteht aber zunächst (wegen der Tradition) auf einer längeren Verlobungszeit. Als sich Ellen zu einer Scheidung von ihrem polnischen Gatten entschließt, rät Archer ihr von diesem Schritt ab. Im Bemühen, alle Fäden in den Händen zu behalten, bemerkt er in seiner vermeintlichen intellektuellen Überlegenheit nicht, dass er klammheimlich ins Fadenkreuz einer stillen Verschwörung geraten ist. Ausgerechnet die von ihm so unterschätzte May signalisiert mit ihren spitzen Sticheleien, dass sie die Gefahr längst erkannt hat. Intuitiv erahnt sie die heiklen Augenblicke, in denen Archer dicht davorsteht, sich von ihr loszusagen und den gedanklichen Betrug durch den physischen Beischlaf zu vollenden.

Gerade noch rechtzeitig willigt May in eine Heirat ein und bindet ihren Ehemann nur wenig später mit der Verlautbarung einer Schwangerschaft für immer an sich. Kurz zuvor schon hatte sie die inzwischen stark isolierte Ellen mit dem Hinweis auf die freudige Neuigkeit endgültig in die Flucht geschlagen. Dass May die Nachricht verbreitet, bevor sie die Gewissheit besitzt, wirklich in anderen Umständen zu sein, unterstreicht das taktische Kalkül, mit dem sie agiert. Sie spielt ihre ökonomische Abhängigkeit aus und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten, auch in dem Wissen, dass Ellen trotz ihrer liberalen Ansichten eine ehrbare Frau ist, die schließlich mit ihrer Abreise nach Europa für immer aus Archers Nähe verschwindet. Diese Zugeständnisse an die Konformität besiegeln Archers Schicksal, denn so sehr er auch nach einem Ausweg in die Freiheit sucht, die Familien (insbesondere die Matronen) geleiten ihn stets mit subtiler Gewalt an seinen angestammten Platz zurück. Dort fügt er sich in ein resigniertes, gebrochenes Dasein und wagt es selbst dann nicht mehr aus dem vorgegebenen Korsett auszubrechen, als ihn die Zeit von allen Schicklichkeitsidealen erlöst.

Bereits die im Vorspann durch einen Zeitraffer beschleunigte Blüte einer Orchidee verweist auf das zentrale Thema dieses opulenten Panoramas: die unterdrückte Sehnsucht nach Sex, die in Scorseses Phantasie viel ergiebiger sein kann als der tatsächliche Vollzug. Um Archers unausgesprochene Gefühle bloßzulegen, greift er zu sämtlichen Mitteln, die das filmische Repertoire parat hält. So heben Kreisblenden und Augenlicht das antiquierte Flair jener von Edith Whartons Erzählerstimme (im englischen Originalton von Joanne Woodward gesprochen) so ironisch skizzierten Ära des "Gilded Age" hervor. Einige szenische Arrangements erinnern an die Werke von James Tissot. Offenbar folgen sie der Logik des Tableau Vivant, eines der populärsten Gesellschaftsspiele der Zeit, bei dem echte Menschen auf einer Bühne jene Gemälde nachstellen, in denen sie sich wiederzuerkennen glauben, was als Sinnbild für die Künstlichkeit dieses Milieus taugt. Raffiniert streut Scorsese immer mehr Zweifel am Realitätsgehalt von Archers Wahrnehmung ein, bis dieser schließlich zu der Klarheit gelangt, dass er seine Obsession doch nicht erfolgreich vor den Augen einer rücksichtslosen Ballsaal-Mafia verbergen kann. Darin liegt auch die Tragik dieser Dreiecksgeschichte verborgen: Indem sich Ellen und Archer ihre Liebe versagen, bleiben sie da unschuldig, wo sie im subjektiv verzerrten Empfinden der anderen schwer gesündigt haben.

Ein famoses Trio hat Scorsese hier vereint: Daniel Day-Lewis schlüpft in die Rolle von Archer, Winona Ryder ist als zarte May zu sehen und Michelle Pfeiffer brilliert als freigeistige Olenska, die im selbsternannten "land of the free" eine ungeahnte soziale Diskriminierung erfährt. Wundervolle Kameraführung von Michael Ballhaus.
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am 22. November 2015
Der Roman der Schriftstellerin Edith Wharton, die 1921 den Pulitzer-Preis erhielt. dient als Vorlage für diesen Film aus dem Jahre 1993 des Regisseurs Martin Scorsese, besetzt mit hervorragenden Schauspielern, oscarprämiert für die Kostüme und mit dank Kameralegende Michael Ballhaus großartigen Bildern, Farben und Beleuchtung.
Newland Archer (Daniel Day-Lewis), Anwalt aus vornehmer New Yorker Familie um 1870, ist verlobt mit May Welland (Winona Ryder), einer hübschen kindlich wirkenden Frau aus ebenfalls den höchsten Kreisen, eine standesgemäße Verbindung und sícher im Interesse der Familien.
Sein Gefühlsleben gerät durcheinander, als er Mays schöne Cousine Gräfin Ellen Olenska (Michelle Pfeiffer ) kennenlernt, die ihren polnischen adeligen Ehemann verlassen hat und nach New York zurückgekehrt ist. Er ist fasziniert von der schönen, weltgewandten Frau und zweifelt am eigenen Leben in errstarrten Konventionen, Ritualen und Intrigen.
Ausgerechnet er wird von seiner Kanzlei beauftragt, Ellen zu beraten, die die Scheidung von ihrem Mann erwägt. Ihm wird klar gemacht, was von ihm erwartet wird, eine Scheidung ist zwar erlaubt, in diesen Kreisen jedoch verpönt und hätte Ausgrenzung und Diskriminierung zur Folge, und der Ruf seiner und Mays Familien würde auch beschädigt wegen des Verwandschaftsverhältnisses. Newland sträubt sich zwar und will erst die Gräfin hören, letztendlich kann er jedoch nicht aus seiner Haut und bleibt im Korsett der ungeschriebenen, aber permanent überwachten Regeln.
Er drängt jetzt May, die mehrjährige übliche Verlobungszeit abzukürzen, was diese erst einmal mißtrauisch macht, sie fragt ihn, ob es noch eine andere Frau von früher gäbe, aber schließlich wird die Hochzeit vorgezogen, die Scheidung nicht eingereicht, und nach einigen Jahren, während derer sich Newland und Ellen noch mehrfach begegnen und treffen, reist die Gräfin zurück nach Europa. Letzte "Zweifel" hatte May bei Newland zerstreut, als sie ihm von ihrer Schwangeschaft erzählte, Cousine Ellen hatte sie die freudige Botschaft vor ihm mitgeteilt, ein Dasein als Mätresse kommt für Ellen nicht in Frage.
Newland hat sich in das Unvermeidbare gefügt, bekommt mit May zwei Kinder. Sie stirbt im Alter von 57 Jahren unwissend, immer nur an das Schöne und Gute geglaubt habend. Diese Illusion wird jedoch zerstört, als ihm sein inzwischen Erwachsener Sohn vor einer Europareise mitteilt, Ellen sei wieder im Lande. Er wolle sie besuchen, Newland begleitet ihn nicht, sein Sohn hat ihn nämlich informiert, dass May ihm quasi auf dem Totenbett mitgeteilt habe, der Gatte habe ihr zuliebe auf die große Liebe seínes Lebens verzichtet.

Die Autorin Edith Wharton(1862 -1937) kannte die Kreise, über die sie schrieb. Sie stammte selber aus einer aristokratischen Familie, wurde zuhause erzogen, ging nach der Scheidung von ihrem untreuen Ehemann nach Paris und verkehrte unter anderem mit Theodore Roosevelt, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway, war befreundet mit Henry James. Von ihren Büchern konnte sie gut leben.

Wir hören die Schriftstellerin im Film als Stimme aus dem Off, von Joanne Woodward gesprochen. Sie erzählt über die Gefühle der Menschen, wahrscheinlich wortgetreu (nach dem Stil anzunehmen) wird liebevoll ironisch Mays Großmutter beschrieben, die stark übergewichtige Matrone wohnt nur noch im Erdgeschoss ihres Hauses, empfängt dort Besucher, thront da wie eine Sphinx, ist bestens informiert und eine Person, die im Hintergrund zahlreiche Strippen zu ziehen scheint. Im Verlauf des Filmes führt die Erzählerin uns immer wieder durch die Handlung.

Martin Scorsese hat mit Hilfe der oscarprämierten Kostüme und der genialen Kamera der Legende Michael Ballhaus ein Sittenbild einer Zeit geschaffen, das an Opulenz kaum zu überbieten ist. Grandiose Kamerafahrten, geniale Bildauschnitte mit wie durch ein Fernglas gerichtetem Fokus auf Welland und Ellen in der Theaterloge, Szenen bei Festmahlen und Tanz, die besser nicht gefilmt werdenn können, die Handschrift eines wahren Meisters.
Das Sittengemälde (und wie treffend ist angesichts der Leistung von Ballhaus dieser Ausdruck!), zeigt ein kaum durchlässiges Universum von Personen, die nach 3 Jahrhunderten zum großen Teil verwandt oder verschwippschwägert sind, und deren Hauptbeschaftigung scheint darin zu bestehen, sich ihren Platz in einer Rangordnung zu sichern, andere zu beobachten und über die Einhaltung einer rigiden Moral zu wachen.
Zu Beginn in der Oper: Die wenigsten Operngläser sind auf die Bühne gerichtet, sondern auf die Logen der Society, wer besucht gerade wen, wer ist aus wessen Gunst gefallen,wo bahnen sich neue Beziehungen oder Verbindungen an ? Einladungen zu Gesellschaften, Diners und Tanzveranstaltungen in den Luxushäusern, deren Inneres zum Teil Schlössern zur Ehre gereichen würde, werden geprüft, ob man es sich leisten kann, fernzubleiben, andere Essen adeln regelrecht wie eine Einladung der einflussreichsten Familie van der Luyden, eine Anerkennung, die auf Betreiben von Mays Großmutter Mrs. Mingott (Miriam Margolyes, BAFTA Award als beste Nebendarstellerin) auch Gräfin Ellen zuteil wird und somit zunächst das Thema eventuelle Scheidung in den Hintergrund treten lässt.

Gezeigt wird eine patriarchalische Gesellschaft, eine scheinheilige Moral, für die das Treiben des europäischen Hochadels und deren gesellschaftliche Kontakte zu Künstlern und Schriftstellern bereits einen Sittenverfall darstellten, man hat den Eindruck, daß eine Entwicklung nachvollzogen wird, für die die Alte Welt im Vergleichzu den ja noch jungen Vereinigten Staaten, einem Konglomerat von Menschen und Einflüssen von zahlreichen europäischen Ländern, mehr Zeit hatte, man hinkt noch etwas hinterher (und was manche Dinge angeht wie eine verklemmte Sexualmoral und religiösen Fundamentalismus gilt dies auch heute noch).
Whartons Geschichte ist eine Kritik an gesellschaftlichen Zuständen, sie ist keine "Feministin", aber eine Frau, die das Bild der Frauen in der damaligen Gesellschaft etwas geraderückt. Frauen hatten in der Regel nicht die Rechte und auch nicht die Bildung wie die Männergesellschaft, waren aber bestimmt nicht nur die süßen kleinen Dummerchen, als das May erscheinen mag. May mag nicht übermäßig mit dem gesegnet sein, was der IQ misst, aber sie hat, und das bestätigt sich ja in der Schlussszene, schon früh den richtigen Riecher, was ihren Mann und Ellen angeht. Und das erfahren wir nicht nur am Schluß, sondern im früheren Verlauf finden sich schon einige Hinweise, May überrascht ihren Mann mehrmals mir Wissen über Ellen und auch damit, dass sie Ellen ihre Schwangerschaft vor ihm erzählt hat. Sie tut dies mit allerunschuldigster Mine, aber ich hatte den Eindruck, dass sie oft genau wusste oder mit weiblicher Intuition ahnte, was sie tun musste, um Welland an sich zu binden.
Auch Ihre Großmutter als Sphinx, die den ganzen Tag Zeit hat, in ihrem Erdgeschoss Damen der Gesellschaft zu empfangen, wirkt wie eine wichtige Informationsbörse und wie schon gesagt geschickte Strippenzieherin, nicht unsonst spielt sie ja auch eine relativ präsente, oft vorkommende Nebenrolle. Nicht immer steht hinter einem starken Mann eine kluge Frau, und zu sagen, Welland werde wie ein Tanzbär am Nasenring durch die Manege der Gesellschaft geführt, trifft es sicher nicht ganz, aber nicht selten bringt eine Frau durch Intelligenz , Instinkt und eifrigst ausgetauschten Klatsch und Tratsch, in dem jedoch auch jede Menge relevanter Information steckt, ihren Mann dazu, dass sein Wille ihren Wünschen entspricht.

Im Vergleich zu seinen Gangsterfilmen hat Scorsese hier einen Ausflug in ein ganz anderes Genre gemacht. Prunkvolle Schönheit, die feinste Gesellschaft, großartige Kostüme und eine Art Liebesdrama, aber unter der hochglanzpolierten traumhaft schönen Oberfläche sehen wir Menschen, die sich auch permanent in einem Kampf befinden. Neben dem Kampf mit den eigenen Gefühlen ist es vor allen Dingen der Kampf um den Platz in der Gesellschaft, hier der oberen einigen Dutzend Familien, die sich (wie im Theater mit den Operngläsern) permanent belauern, Verbündete suchen (wie die Großmutter die Familie van der Luyen für die Gräfin), die bei Entscheidungen in Liebes-und Greundschaftsdingen immer das Wohl der Familie und den Erhalt oder die Verbesserung ihres gesellschaftlichen Ranges und Images im Auge behalten, und da macht Welland keine Ausnahme. Und die süße Winona Rider hatte es etwas dicker hinter den leicht abstehenden Öhrchen, als man auf den ersten Blick vermutete, und vielleicht nicht für ihr Aussehen, sondern die gelungene Darstellung des mehr Seins als Scheinens wurde sie mit dem Golden Globe geehrt.

"Zeit der Unschuld" ist dank der interessanten Romanvorlage einer Insiderin, der großartigen Umsetzung durch Martin Scorsese, der oscargekrönten Kostümbildnerin Gabriella Pescucci, ausgezeichneter Darsteller, allen voran die bezaubernde Michelle Pfeiffer, und vor allem durch die grandiose Kamera des Michael Ballhaus, einem der besten und renomiertesten Kameramänner des Deutschen und Internationalen Films, ein Meisterwerk von beeindruckender, kaum übertreffbarer Schönheit, in der man öfter schwelgen möchte..

Doc Halliday
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"Zeit der Unschuld" ist ein feinsinniges, subtiles Portrait der geschlossenen dekadenten Welt der New Yorker Oberschicht um 1870. Dort dreht sich alles um festgelegte Verhaltensweisen und Konventionen, um einen gesellschaftlich akzeptierten Umgang miteinander. Jeder beobachtet jeden, die Welt scheint fast ausschließlich von Klatsch und Tratsch auf hohem Niveau geprägt zu sein. Ein Ausbruch aus dieser streng geordneten, extrem manirierten, die Luft abschnürenden Atmosphäre scheint unmöglich. Ein Fehlschritt und der soziale Ruin ist garantiert.

Im Mittelpunkt der Adaption von Edith Whartons gleichnamigem Roman steht Newland Archer (Daniel Day-Lewis), ein reicher und scheinbar erfolgreicher Anwalt, der mit der hübsch-zierlichen May Welland (Winona Ryder) verlobt ist. Als Mays Cousine Ellen Olenska (Michelle Pfeiffer) aus Europa von einer gescheiterten Ehe zurückkehrt, beginnt Newland seinen eingefahrenen Lebensstil anzuzweifeln. Er verfällt der kultivierten und leidenschaftlichen Gräfin Olenska, die seiner eigenen Persönlichkeit scheinbar viel näher ist wie die der recht konventionellen, mädchenhaften, aber sicheren May. Doch die gesellschaftlichen Konventionen verbieten die Liebe zwischen den Beiden, die scheinbar als Einzige über der Steifheit und Langeweile der eleganten New Yorker Oberschicht stehen. So stauen sich die Gefühle bis ins Unerträgliche an.

Martin Scoresese gelang eine weitere, meisterhaft inszenierte Gesellschaftsstudie, diesmal allerdings nicht über Gangster wie in "Goodfellas". Laut eigener Aussage ist "Zeit der Unschuld" überraschenderweise sein gewalttätigster Film. Das bezieht er natürlich nicht auf die physische, sondern die psychologische Gewalt, der die Charaktere ausgesetzt sind. So ist der Film trotz des romantischen Themas gar nicht so verschieden wie Scorseses andere Filme. Hier geht es zentral um angestaute Emotionen und wie die Charaktere mit ihrer nicht realisierbaren Liebe umgehen. Das ist zutiefst empfunden und romantisch.

Mit äußerstem Feingefühl und höchster inszenatorischer Finesse schildert Scorsese das Leben in einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe. Die Kameraarbeit von Michael Ballhaus ist gewohnt exquisit, man darf wunderschöne, erlesen ausgeleuchtete Bilder und komplex choreografierte Kamerafahrten bewundern. Ebenso toll ist der Film ausgestattet, Gabriella Pescuccis fabelhafte Kostüme wurden mit einem Oscar ausgezeichnet. Scorseses Regie ist typisch dynamisch und legt einen besonderen Fokus auf Details, seien es die vielen Dinners oder die Theaterauführungen. Der Film wirkt dadurch besonders lebendig und greifbar, womit er sich durchaus von anderen, steiferen Literaturverfilmungen und Kostümfilmen abhebt. Es ist ein Film der stillen Töne, in dem kleine Gesten oder eine subtile Veränderung der Mimik mehr aussagen wie tausend Wörter. Denn die Charaktere können sich hier praktisch gar nichtadäquat, trotz aller Eloquiertheit, über Worte ausdrücken. Auch Erotik wird hier schon über das Berühren von Händen ausgedrückt, ein Kuss ist schon als Lustexplosion zu bezeichnen.

Scorsese und sein Co-Autor Jay Cocks entwickeln ein deutlich spürbares Gefühl für die Charaktere und ihr moralisches Dilemma, dennoch fällt es vielleicht nicht immer leicht für den Zuschauer sich mit den Figuren zu identifizieren. Die portraitierte, ganz auf Kultiviertheit ausgerichtete Gesellschaft, die emotional zugleich äußerst unbarmherzig scheint, erscheint dem normalen Durchschnittsmenschen unter Umständen wohl sehr distanziert. Auch die Tatsache, dass der Protagonist seine unschuldige Verlobte permanent unehrlich behandelt, macht eine Identifikation oft schwer, auch wenn Archer eigentlich ein Guter ist. Hinzu kommt eine nicht immer spürbare Chemie zwischen Day-Lewis und Pfeiffer, die für sich ihre Sache aber wie gewohnt sehr gut machen. Sie verkörpern diese Figuren äußerst glaubhaft und nuanciert, nur ihre Anziehung zueinander erscheint vielleicht nicht ganz natürlich.

Winona Ryder, die für ihre Performance mit einer Oscar-Nominierung ausgezeichnet wurde, ist allerdings der geheime Star des Films. Obwohl sie nur eine Nebenrolle einnimmt, ist ihre Präsenz auch bei Nichtanwesenheit stets zu spüren und man ist als Zuschauer fast geneigt, sich auf ihre Seite zu schlagen. Auch der Rest der Besetzung ist mit herausragenden Charakterdarstellern bestückt.

"Die Zeit der Unschuld" zeichnet sich allerdings dadurch aus, einen Charakter zu portraitieren, der aus einer festgefahrenen Schiene austreten und seinem elegant-luxoriösen, aber unzufriedenstellenden Leben entfliehen will, aber von strengen gesellschaftlichen Konventionen gehindert wird. So ist der Film letztlich doch sehr bewegend und zeitlos, eine Identifikation kann so, mit etwas Geduld für den ruhig und langsam erzählten Film, doch erreicht werden. "Zeit der Unschuld" ist ein Film, der ganz von Oberfläche und von dem, was darunter brodelt und ausbrechen will, handelt. Keine Frage, der Film ist sehr anspruchsvoll und erfordert hohe Aufmerksamkeit. Durch mehrmaliges Ansehen des Films entfaltet sich die Klasse des Films nur weiter. Für Freunde des romantischen Films und eleganten Sittenbildern einer vergangenen Zeit oder Fans guten Kinos allgemein ist diese Literaturverfilmung ein definitives Muss.
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am 7. August 2013
"Zeit der Unschuld" ist ein cineastischer Traum, und ist seine Geschichte zwar so erschütternd und berührend, handelt von den gesellschaftlich aufgezwungenen, liebes- und lebensfeindlichen Credos in einer erstarrten Bourgeoisie, die einmal wieder Menschen ins Unglück stürzt, so ist dieses erstickende soziale Gefängnis aber hier so einmalig rauschhaft und prächtig auf die Leinwand gebracht, daß der Film einen in sogartiger Weise eine ganze Epoche erleben läßt.
Hypnotisch, schwebend in phantastischer Ausstattung, filigranster Detailbessessenheit liefert uns hier Kameragenie Michael Ballhaus einen Kosmos der farbintensiven Schönheit.
Gerade dieser Film zeigt in überzeugender Weise die grosse Vielseitigkeit, die kreative, visuelle Schaffenskraft von Martin Scorsese, der scheinbar spielerisch in verschiedensten Genres Meisterwerke abliefern kann.
Sei es ein "Shutter Island", seien es gewaltvolle Mafiaepen wie "Good Fellas", "Casino", die uns hermetisch abgeschlossen ein Gesellschaftmodell zeigen, oder sei es ein verführerischer, wunderschön- atemberaubender Kostümfilm wie hier angesiedelt im New York des angehenden zwanzigsten Jahrhunderts.
Doch halt,- ist dieser Film nicht genauso gewaltvoll wie ein graphisch blutiger "Casino"?
Blutig gestorben wird hier nicht, aber mit dem spitzen, und nicht weniger lebenszerstörenden Florett des gesellschaftlichen Drucks, der zersetzenden Wirkung von Klatsch, Briefwechseln, Intrigen verpackt hinter vergifteten Lächeln, des sozialen einengenden Korsetts wird hier Seelenleben zerstört.
Jeder nimmt sich hier gegenseitig die Luft zum Atmen oder bekommt die Luft zum Atmen abgeschnürt.
Edith Whartons Geschichte einer tragischen Liebe ist stellvertretend für viele grosse Gesellschaftsdramen.
Mag es eine "Effi Briest", eine "Anna Karenina", ein Thomas Hardy, ein Dostojewski sein.
Wir haben hier das Paradebeispiel einer aufflammenden Liebe, die nicht sein darf.
Kurze heimliche Begegnungen, die die Protagonisten innerlich zerbrechen lassen.
Wir haben den Versuch von Auflehnung, Selbstbestimmung und das erschöpfte Zurückfallen in die Spielregeln der Gesellschaft.
Er heiratet die Frau ,die ihm gesellschaftlich zugeführt wird, sie wird schleichend und unaufhaltsam ins gesellschaftliche Abseits gedrängt, und in immer wieder verstörender Weise wird zwischen rauschenden Festmahlen, wiegenden Walzerschritten, glänzenden Roben mehr als ein Lebensglück zerstört.
Zu Anfang sehen wir die schillernden Bilder einer roten Rose, die langsam erblüht- doch zugleich wirft ein gitterartiges Gardinennetz den Schatten über die natürliche Entfaltung.
In den ersten Sekunden die Quintessenz des ganzen Films.
Überragende Schauspielleistungen. Ein Daniel Day Lewis, eine Michelle Pfeiffer, die die Leinwand in ihrer Präsenz zum Vibrieren bringen.
Eine konsequente und überragende Regie- und Drehbuchleistung und wie gesagt ein Bildaufbau, der den Atem stocken lässt.
Schwelgerisch gleitet die Kamera über jeden einzelnen Zierrat, jedes einzelne Gemälde, jeden einzelnen Brokatvorhang.
Eine Aussstattungsexplosion, die zurecht ausgezeichnet wurde.
Raffiniert die technischen Einfälle um die Dramatik zu unterstützen.
Die Kamera, die von Daniel Day Lewis aus in einer langen Sequenz von ihm ausgehend den Dinner- Tisch umfährt, die Verdichtung des Bildes nur auf Michelle Pfeiffer und Lewis, wenn sie im Theater miteinander Blicke austauschen und wirklich fühlbar alle anderen Geräusche und Gesichter um sie in den Hintergrund treten.
Die lange Szene am Ende, in denen in der Kamera- Rundsicht eines Arbeitszimmers in 3 Minuten zwanzig Lebensjahre vergehen und verdeutlicht wird wie Zeit vergeht ohne daß die Starrheit des Lebens sich auflöst.
Dies alles ist ein überragendes, ein zutiefst berührendes Erlebnis und Scorsese liefert hier mit allen Beteiligten ein Meisterwerk ab, das mitten ins Herz trifft und die Seele zum Klingen bringt ohne jemals in Kitsch oder Oberflächlichkeit zu verfallen.
In letzter Konsequenz bleibt "Zeit der Unschuld" ein zutiefst bitterer Schrei nach individueller Freiheit und Selbstbestimmung.
Ein Sonnenuntergang in überirdisches Licht getaucht, die glitzernde Weite des Meeres, eine Michelle Pfeiffer, die sich im letzten Moment doch noch zu ihrem Liebsten umdreht.
Ein Film voll grosser Sehnsucht und in seiner Vergeblichkeit und letzendlichen bittersüssen Erlösung durch die Kraft der Erinnerungen ein betörendes, epochales Werk.
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am 31. Dezember 2013
In "Zeit der Unschuld" wird die Geschichte einer Frau (Michelle Pfeiffer) erzählt, die, nachdem sie unglücklich mit einem europäischen Grafen verheiratet wieder in ihre Heimat New York zurückkehrt, auf Abneigung in der amerikanischen Gesellschaft stößt und einzig in dem jungen Anwalt (Daniel Day-Lewis) einen Freund findet, der sie zu verstehen scheint.
Sie will sich scheiden lassen, um wieder frei zu werden. Dies ist jedoch für die gehobene Gesellschaft nicht tragbar, zumal Gerüchte über eine Affaire der Frau mit einem anderen Mann die Runde gemacht haben. In einer Welt, in der der Mann jegliche Freiheiten hat und über jeden noch so markanten Fehltritt gelächelt und gescherzt wird, ist der Ruf der Frau ihr oberstes Gut.

Aus der Freundschaft der ungleichen Menschen wird nach einer Zeit bedingungslose Zuneigung, der jedoch zu keinem Zeitpunkt der Handlung eine Affaire folgt. Der Anwalt ist als er die Gräfin kennen lernt mit einem naiven und konservativen Mädchen verlobt, welches er auch auch heiratet, nachdem die Gräfin seinen Avancen nicht nachgibt.

Genau hier muss ich den Hut ziehen. Ich kenne viele Bücher und Filme in denen es um heimliche Affairen, Intrigen und Betrug geht - so aber nicht in diesem Film. Der Film schafft es spannend bis zum Schluss zu bleiben und dennoch bleiben beide Protagonisten ihrer Rollen bewusst. Der Gräfin wird nachgesagt, dass sie Affairen hat - dies ist jedoch nur ein Gerücht, wahrscheinlich ist sogar, dass sie zwar viel lebenslustiger und offenherziger ist wie die New Yorker Gesellschaft, dennoch jedoch niemals aus dem Rahmen fällt und sich an die Konventionen hält.

Ein genial gespielter Film. Was mir besonders gut gefallen hat sind die künstlerisch eingewobenen Szenen, bei denen die Darsteller aus ihrer spielenden Rolle austreten und als Erzähler fungieren. Auch dies ist nicht unbedingt neu, aber es wurde so dezent eingesetzt, dass aus dem Film kein kompletter Arthaus-Film wird, welche ja ab und an schon mal ein wenig zu künstlich wirken und man Schwierigkeiten, sich mit den Charakteren zu identifizieren. Hier ist die Wirkung phänomenal!
Auch darstellerisch ist der Film wirklich sehr gut gelungen. Sowohl das naive Mädchen (Winona Ryder), die im Grunde gar nicht so naiv ist, sondern nur ein bestimmtes Klischee damit erfüllt, als auch der Anwalt und die Gräfin sind erstklassig besetzt. Ein Film der in eine gute Sammlung gehört!
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