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5.0 von 5 Sternen Klemperers Genie - Wagners Tiefe, 20. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Walküre (Aufnahme 1. Aufzug in der All Saints Church London am 15.11.1972) (Audio CD)
Die einzigen Werke Wagners, von denen eine komplette Klemperer-Aufnahme vorliegt, sind der Fliegende Holländer, Siegfried-Idyll (in der sonst nie aufgeführten Originalbesetzung) und der hier vorliegende erste Walkürenaufzug. Sonst existieren nur noch Orchestervorspiele und -auszüge, die u.a. bei EMI erschienen sind.
Die Situation ist, wie immer in solchen Fällen, mehr als tragisch: ausgerechnet demjenigen Dirigenten, der als Einziger es vermocht hat, die Tiefe und Ernsthaftigkeit der Wagnerschen Musik so zu erfassen, dass man das Gefühl hat: "so muss es sein und nicht anders", ausgerechnet diesem Dirigenten blieb es verwehrt, noch andere Werke Wagners komplett aufzuzeichnen.
So war es anderen Dirigenten vorbehalten, uns Wagners Musik zu vermitteln. Mit welchem Ergebnis, das braucht nicht gesagt zu werden.
Man hört diesen ersten Walkürenaufzug und ist erstaunt, ergriffen, erschüttert über die Tiefe und den Geist dieser Musik, über die Zeitlosigkeit dieser Musik, über ihre einzigartige Frische und Jugend. Keine Spur von Schwulst, Theatralik, Gebärden, keine Spur von dem Wagner, den wir sonst meinen nur zu gut zu kennen. Man ahnt, welcher metaphysische Ring entstanden wäre, wenn Klemperer ihn dirigiert hätte; man erahnt, wie der Abschied Wotans von Brünnhilde zu hören gewesen wäre, wenn ein Klemperer sie dirigiert hätte. Und wie hätte sich erst Tristan unter Klemperers Dirigat angehört! Alle diese dummen langweiligen Opern Wagners, all dieses überspannte Weibergekreisch und Walkürengejohle, all das unerträglich hohle Pathos der gesamten Wagnerschen, ja der ganzen deutschen Musik hätte unter Klemperer, vergeistigt durch den Genius Klemperers, universelle Gültigkeit erlangt, ohne im Geringsten verlogen zu wirken. Durch Klemperer erst wirkt das Wagnersche Pathos echt und überzeugend, durch Klemperer sehen wir überhaupt ein, dass Pathos nicht bloß Grimasse ist, sondern Schönheit besitzt und im besten Sinne zu rühren vermag.
Das jedoch bleibt uns für immer vorenthalten, dafür müssen wir uns mit dem falschen, flachen, pompösen, geistlosen Wagner zufriedengeben.
Um es in einem Wort abzukürzen: Wagners Musik ist der Spiegel seiner Dirigenten, nicht seiner selbst. Während andere nur sich selbst ins das Werk Wagners hineindirigieren, dirigiert Klemperer Wagner, den längst verschüttgegangenen Wagner.
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5.0 von 5 Sternen Hochrangiges Dirigat mit großartigem Ensemble !!!, 30. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Walküre (Aufnahme 1. Aufzug in der All Saints Church London am 15.11.1972) (Audio CD)
Ich weiß nicht, welches Urteil Wagner, wenn er heute lebte, über den kaum übersehbaren Fundus an Einspielungen seiner Werke abgeben, und ob er im Gros der verfügbaren Aufnahmen tatsächlich nur den bloßen Spiegel des jeweiligen Dirigenten sehen würde. Gemäß seiner Vorstellungen vom Gesamtkunstwerk dürfte man eher davon ausgehen, dass er die Reduzierung seiner Werke auf reine Musikaufzeichnungen (unter Auslassung der visuellen Komponente) als werkschädigende Geldmacherei titulieren, andererseits die hierin erzielbaren Profite sicher mit größerer Gier als jeder andere einstreichen würde.

Ich kann auch nicht sagen, welche Art der Interpretation Wagner einst genau vorschwebte oder heute vorschweben würde; von der Uraufführung des Rings 1876 in Bayreuth weiß ich nur, dass Wagner unzufrieden mit ihr war. Ob sich dies nur auf die Inszenierung oder auch auf die musikalische Interpretation bezog, ist mir nicht bekannt.

Jedenfalls lässt sich folglich auch nicht sagen, ob dieser erste Akt der 'Walküre', wie er im Oktober 1969 (und nicht erst im November 1972!) in London unter Otto Klemperer aufgenommen wurde, Wagners Vorstellungen wirklich näher als jede andere Aufführung kommt. Gerade Klemperer war für seine unpathetische, sehr straffe, die rhythmische Struktur eines Werkes betonende Herangehensweise bekannt, und dies alles hat auch bei ihm zu stilistischen Merkmalen geführt, an denen man seine Aufnahmen durchaus erkennen kann. Schon das Vorspiel marschiert hier von der ersten Sekunde an mit einer maschinenhaften Unbarmherzigkeit in den Raum, die ich so intensiv bisher in keiner Interpretation gehört habe, die aber für Klemperer ganz typisch ist. In der Tat scheint die suggestive Kraft in Wagners Musik gerade durch eine so nüchterne Herangehensweise umso deutlicher hervorzutreten. Nun bin ich sicher kein Experte, habe aber aufgrund meiner entsprechenden Vorliebe zahlreiche Klemperer-Aufnahmen in meiner Sammlung und möchte mich so weit hinaushängen und behaupten, dass ich diese Aufnahme, hätte man sie mir ohne weitere Angaben zum Dirigenten vorgespielt, nach relativ kurzer Zeit unverkennbar Klemperer zugeordnet hätte. Zweifellos dirigiert Klemperer hier den ersten Akt von Wagners 'Walküre', aber er bietet eben auch einen 'klassischen Klemperer'. Von daher trifft das Bild vom 'Spiegel des Dirigenten' natürlich auch auf diese Aufnahme zu, und das ist ja auch kein Verbrechen, denn jeder Komponist weiß, dass seine Partitur nur eine Schlachtordnung auf dem Papier ist, die von anderen umgesetzt werden muss, und dass dabei immer auch ein gewisses Maß an Freiräumen gegeben ist. Gibt man das selbe Rezept an zehn verschiedene Sterneköche, wird jedes Resultat etwas anders ausfallen, aber – hoffentlich – immer sehr gut schmecken. Ob sich Klemperers wohltuend nüchterner Ansatz dagegen immer mit Wagners bekannter Vorstellung von Musik als akustischem Halluzinogen verträgt, darf m.E. diskutiert werden.

Kein Zweifel dagegen besteht an der hohen künstlerischen Qualität dieser Aufnahme des ersten 'Walküren'-Aktes, auch wenn Klemperer während der dritten Szene das Tempo mehrfach abbremst und damit Spannung herausnimmt – nicht in dem Maße, wie etwa in seiner Aufnahme von Mahlers 7. Symphonie, jedoch eindeutig und nicht wirklich nachvollziehbar - und auch wenn die gleiche Szene offenbar aus verschiedenen Takes in unterschiedlichen Tempi (!) zusammengesetzt wurde (ganz deutlich zu hören in Nummer 13 bei 02:08, wo es mitten im Gesang schlagartig lauter und schneller wird). Helga Dernesch, die in Karajans 'Ring' mit sehr schöner, doch etwas konturloser Stimme als Brünnhilde zu hören ist, wirkt hier unendlich gereifter – eine charaktervolle, geradezu ideale Besetzung der Sieglinde. US-Tenor William Cochran erweist sich seiner Rolle als Heldentenor ebenfalls als in hohem Maße würdig; sein Akzent ist erkennbar, doch akzeptabel. Trotz Studiobedingungen (d.h. mit aufgeschlagenen Partituren) leistet er sich einige wenige Textpatzer, die aber nicht weiter stören. Hans Sotin als Hunding schließlich perfektioniert das Ensemble. Die Aufnahmequalität ist sehr gut, allerdings muss man in der heutigen Zeit wohl auf das dezente Banddrauschen hinweisen, das den Hörgenuss aber in keiner Weise beeinträchtigt.

Abschließend muss man sich in der Tat fragen, wie wohl ein vollständiger Ring unter Klemperer ausgefallen wäre. Hätte er das vorliegende Niveau beibehalten (und auch die dazu notwendigen Gesangsstimmen zur Verfügung gehabt), dann kann man ihn sich nur als ein Ereignis von höchstem Rang vorstellen. Im November 1970 entstand noch eine Einspielung vom Finale des dritten Aktes der 'Walküre' mit Norman Bailey als Wotan, die ich jedoch bislang nicht kenne und die derzeit auch nicht erhältlich ist. Hier läge für Testament vielleicht noch eine lohnende Aufgabe.
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