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am 6. September 2010
Seinerzeit von brüskierten Moralisten verachtet und verabscheut, erzählt Serge Gainsbourg die Geschichte der 15-jährigen Melody Nelson, die auf einem Fahrrad von dem gallischen Provokateur mit seinem 260-PS-starken Rolls Royce Silver Ghost bei einer einsamen Fahrt durch die Nacht gerammt und so zum finalen Auslöser für das siebenteilige Set einer tönenden Novelle über eine märchenhafte Amour Fou wird. Gespielt und gesungen wird Melody von Gainsbourgs damaliger Lebensgefährtin Jane Birkin, die auf dem Cover einen Plüschaffen an ihren nackten Oberkörper presst.

Wie auch so viele andere 70er Alben ist "Histoire de Melody Nelson" ein Konzeptalbum, dessen solitäre Soundwelt sich jedoch aus Orchester, Bass, die beiden umeinander zirkelnden Stimmen der Protagonisten, schleppendem Funk, bluesigen Gitarrenriffs und intimen Gemurmel im Kinoformat zusammensetzt. Die dezent-schwelgerisch orchestrierten Streicherarrangements von Komponist Jean-Claude Vannier korrespondieren wunderbar mit dem Spannungsbogen der Handlung, indem sie urplötzlich mit steilen Melodiebögen hypnotisch in den von grellen Gitarren untermalten Sound schneiden und so das Gewicht der Worte von Gainsbourgs französischem Vokalgesang verstärken. So schildert "L'Hotel particulier" die Verführung der verbotenen Frucht, bei der Gainsbourgs Stimme ambivalent vor Lust und Angst zu zittern beginnt. Die Musik antwortet entsprechend mit flackernden Pianoklängen und sanft anschwellenden Violinen, die unterlegt von Herbie Flowers' ungeduldigen Basslinien ins Klangbild einfallen. Flowers' lasziver Bass ist auch das dominierende Instrument auf dem Album. Sirupartig wabert er aus den Boxen und treibt schlaksig die Handlung mit einer sehr schmutzigen Note und abschweifendem Funk voran. Lou Reed war davon so angetan, dass er Flowers ein Jahr später (1972) für "Walk On The Wild Side" ins Studio holte. Es ist auch das erste Instrument, das am Beginn des Albums zu hören ist, ehe dann dumpf scheppernde Gitarrenrhythmen das weite Terrain der Basslinien abstecken und Gainsbourgs selbstbewusstes Alter Ego "Gainsbarre" mit seiner typisch säuselnden Stimme die obszöne Handlung grüblerisch zu erzählen beginnt.

Die Handlung des Albums ist relativ einfach gestrickt: Erzählt wird die düstere und obsessive Liebe eines Mannes zu seinem Objekt der Begierde, das sich am Anfang noch kokett und verschämt ziert, ihm sich dann aber in der Folge immer weiter öffnet. Pathetisch umgarnt er die rätselhafte Nymphe mit surrealer Lyrik und Paian-artigem Gesang. Im tragischen Schlussepos "Cargo Culte" entreißt ihm das Schicksal seine große Liebe bei einem Flugzeugabsturz. Melody ist sozusagen Gainsbourgs fiktionale Muse, die das Feuer der Obsession in dem introvertierten Flaneur entfacht. Vor der Begegnung ist er einsam und in sich gekehrt und nach Melodys Tod driftet er noch tiefer in die dunklen Winkel der männlichen Seele ab. Der erste und der letzte Track des Albums sind auch gewissermaßen Zwillinge, bis auf die sakralen griechischen Chöre, die im finalen Abgesang den Unterschied zwischen beiden Stücken ausmachen. In den fünf Zwischentiteln haucht die Affäre der Libido des Protagonisten mit schwindelerregenden und ungebändigten Funk-Rhythmen ähnlich einem Aphrodisiakum neues Leben ein.

Die Stimmung des Albums wirkt sehr authentisch. Voller zwiespältiger Kontrapunkte schwankt sie zwischen melancholischer Morbidität und überdrehter Romantik. Binnen leisem Flüstern und hemmungsloser Erregung, schleppenden und anziehenden Tempi sowie schrillen und eleganten Klangkoloriten entfaltet die Musik eine sehr intensive Dynamik. Was ruhig und sanft beginnt, endet in feierlichen Chören, triumphalen Horneinsätzen, hämmernden Pauken und schwerem Rock. Wobei sich aber die Arrangements stets der Intimität der beiden Protagonisten unterordnen und die klassische Instrumentierung sehr sparsam und dennoch effektvoll eingesetzt wird. Durch die rauen Gitarrenrhythmen und die dezent platzierten Orchester-Intermezzi behält das Werk stets seine Originalität. Das Album ist mehr Mindtrack als Soundtrack, obwohl Gainsbourg die Handlung später auch noch verfilmen ließ. Dennoch kann man eine Menge zwischen den Zeilen lesen und der regen Fantasie beim Hören freien Lauf lassen. Gerade die äußerst gelungene Verbindung von Elementen der populären Musik mit klassischer Orchestrierung und einer filmdramatischen Handlung macht das Album so einzigartig. Einziger Makel ist die kurze Spieldauer mit 28 Minuten. Doch selbst dieser Umstand fügt sich nahtlos in das stimmige Bild dieser flüchtigen Liaison ein.
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am 8. April 2002
Mit gerade mal einer knappen halben Stunde auf sieben Tracks verteilt ist "Meldody Nelson" eine relativ kurze Angelegenheit, die aber weitreichende Folgen hat, denn schon der erste Kontakt macht süchtig. Nach ersten Gehversuchen als introvertierter Chansonier hatte Gainsbourg Mitte der 60er erkannt, dass das viel lukrativere Geschäft in der Vertonung von erotisch-bizarren Geschichten liegt. Frauen, Sex, Drogen und Alkohol ziehen sich dann auch wie ein roter Faden durch das Werk des vor zehn Jahren verstorbenen Franzosen. Ihn deshalb einen plumpen Sexmolch zu schimpfen, wäre wohl zu simpel. "Melody Nelson" ist mehr, eine Geschichte um eine Intrige und absurde Liebe. Musikalisch untermalt mit stolpernden Streichen, cholerischen Chören und sägenden Gitarren, ein fiebertraumartiger Parforce-Ritt durch die Untiefen einer sexuellen Obsession. Nie war Gainsbourg griffiger und besser. Sein berühmt-berüchtigter Evergreen mit Jane Birkin, Je t'aime, verblasst und bildet letztlich nur die Spitze des künstlerischen Eisberges. Als Gainsbourg vor 10 Jahren starb, stand das Leben in Frankreich still...
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TOP 500 REZENSENTam 30. März 2008
Serge hat hier einen frankaudophilen Soundtrack erschaffen, der wohl für alle Zeiten ohne Vergleich und Konkurrenz überstehen wird. Es ist ein Konzeptalbum über die Liebe zu einer sehr jungen Frau, das uns auf eine dezente Gefühlsachterbahn einlädt. Aber die eigenliche Sensation ist der Klangkosmos der hier kreiert wurde. Das war wohl eine vollkommen einmalige Zeit/Raum/Individuen Konstellation. Es in Worte oder Schubladen zu packen, wäre Vergewaltigung. Gönnt Euch dieses Album und laßt Euch in völligem Erstaunen treiben.
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am 2. Februar 2015
Ein Freund hat mir diese Platte von Serge Gainsbourg ans Herz gelegt. Es soll das erste Konzeptalbum überhaupt sein. Verkauft hat sich die Scheibe scheinbar nicht gut. Ich habe mich aber sofort in Gainsbourg's Musik verliebt. Nur schade, dass ich sie als CD und nicht als Schallplatte hören muss.
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am 9. Dezember 2009
Mit gerade mal 28 Minuten ist diese CD ja etwas kurz geraten, und zuerst war ich auch von diesem Geschenk eines frankophilen Freundes überhaupt nicht begeistert.
Aber das hat sich nach mehrmaligen Anhören gelegt; mit jedem Zuhören ist meine Begeisterung gewachsen, obwohl ich natürlich Schwierigkeiten habe, den Text vollkommen zu verstehen.
Das tut der Genialität dieser Aufnahme jedoch keinen Abbruch.
Ein Muss für alle Freunde französischer Musik.

Titelliste:
Melody 7:32
Ballade de Melody Nelson 2:01
Valse de Melody 1:32
Ah ! Melody 1:48
L'Hôtel Particulier 4:06
En Melody 3:26
Cargo Culte 7:37
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am 18. Juli 2011
Gainsbourg, das Monster unter den französischen Liedermachern, stand auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er diese knappe halbe Stunde Musik aufnahm. Der zwei Jahre zuvor aufgenommene Porno-Klassiker "Je t'aime" lief überall, wo man ihn spielen durfte, ebenso die Duette mit Brigitte Bardot und France Gall.
Inspiriert von seiner jungen Gesangs- und Lebenspartnerin Jane Birkin erzählt der über 40-jährige Gainsbourg von der Teenagerin Melody Nelson - ein Konzeptalbum, wenn man so will. Zu einer fast drohend langsamen Basslinie spricht, flüstert der alternde Mann eine Geschichte von wildem Begehren und Einsamkeit; im Walzertakt singt er mit brüchiger Stimme von Glücksmomenten und kindischen Spielen. Aphrodite, Salomé und Kleopatra werden bemüht, als er "l'hotel particulier" beschreibt, den Ort der Verführung.
Das Mädchen kommt bei einem Flugzeugabsturz um. Am Ende, in "Cargo Culte", steht der Erzähler unter den Wilden und wartet auf die Hoffnung, die vom Himmel fällt. Dazu singen die Sirenen, und die dunkle Basslinie wird vom "spirit of ecstasy" emporgetragen.
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