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3.0 von 5 Sternen
Durchwachsenes Frühwerk, 23. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Dirty Fingers (Audio CD)
Der kürzlich verschiedene Gary Moore hat Zeit seiner Karriere seine Anhängerschaft argen Strapazen unterworfen: progressive Eskapaden mit COLOSSEUM II, Classic-Rock mit THIN LIZZY für die Unsterblichkeit, Anachronistisches mit BRUCE BAKER MOORE, kommerzielle Hochphasen als hardrockender Solist und ein leidenschaftliches Exil im Blues kennzeichnen den kaleidoskopen Werdegang eines der letzten großen Dinosaurier der Rockgitarre. Bewunderter Tausendfinger, verschrieener Eklektizist, melodienseeliger Songwriter, mittelprächtiger Sänger, der Don der Schmachtgitarre und und und...
Vor allem aber war Moore ein richtiger Gitarrenheld, dessen Soli bisweilen über hochalpine Felsmonumente (Shape Of Things) kletterten oder in grazil betörenden Exzessen - ,The Loner auf 'Live from Stockholm' - durch nordirische Moorlandschaften mäanderten.
Viele Jünger der 80er hatten mit Freude aufgenommen, dass Moore sich zuletzt live wieder seiner Hard-Rock-Phase widmete und man hätte sich da auch noch die eine oder andere Veröffentlichung gewünscht. Nun, vermutlich wird es nicht allzu lange dauern, bis posthum Unveröffentlichtes das Tageslicht erblickt.
Bis dahin bleibt noch die Möglichkeit im Backkatalog des Meisters zu wildern und die eine oder andere vielleicht weniger bekannte Perle zu entdecken.
Das erst 1984 erschiene, aber bereits 1980 aufgenommene Album 'Dirty Fingers' ist ein solcher Underdog im Opus des Sechssaiters. Moore hatte bereits einen Status erreicht, der es ihm erlaubte Szenegrößen wie Jimmy Bain (bass; RAINBOW, WILD HORSES, DIO, WORLD WAR III), Tommy Aldridge (BLACK OAK ARKANSAS, PAT TRAVERS, OZZY OSBOURNE, WHITESNAKE, MANIC EDEN, HOUSE OF LORDS, THIN LIZZY), Don Airey (keys; DEEP PURPLE, OZZY OSBOURNE, JUDAS PRIEST, BLACK SABBATH, WHITESNAKE, MSG) und Charlie Huhn (vocals; TED NUGENT, FOGHAT, HUMBLE PIE) für dieses Studiowerk zu engagieren. Er selbst schien über die Veröffentlichung alles andere zufrieden zu sein und nicht umsonst dümpelte das Album lange im Schatten und wurde beispielsweise in einer 3-LP-Box mit den genauso gern verschwiegenen ,G-Force' und ,Live At The Marquee' mit einem grauseligen Cover unter dem Titel ,Hot & Heavy Metal' feilgeboten.
Produziert von Chris Tsangarides werden hier in knapp 37 Minuten alle Spielarten, die der harte Rock bietet, mal mehr, mal weniger gelungen durchexerziert.
Das apokalyptische 'Hiroshima' übertritt durchaus die Grenze zwischen Hard Rock und Heavy Metal und erinnert mit seiner galoppierenden Riffgitarre frappant an DEF LEPPARD's 'Wasted'. Der bisweilen mehr sirenen- als arienhafte Gesang Huhns ist gewöhnungsbedürftig, wird von Fans von Dickinson oder Dio aber sicher goutiert.
Das nur etwas über eine Minute lange Titelinstrumental ist dann das Moore'sche 'Eruption' und hat später als Rohentwurf für die eine oder andere Passage in 'End Of The World' von 'Corridors Of Power' gedient.
Bei 'Bad News' ermüdet dann die kräftige, aber auch monoton geratene Rythmusgitarre etwas und es ist die im Vorrrefrain/ Refrain starke Gesangsleistung Huhns, die hier die Kohlen aus dem Feuer holt.
Das ANIMALS-Cover 'DonŽT Let Me Be Misunderstood' geht in Ordnung
Mit 'Run To Your Mama' zeigt die Formkurve dann aber wieder deutlich nach oben. Der Song hat einen passablen Refrain und marschiert stramm vorwärts.
,Nuclear Attack' ist dann ein echtes Highlight mit sphärischem Beginn und fast purplesker Riffarbeit. Huhn vermag hier stimmlich zu überzeugen, wenn gleich mir die Live-Version von ,Live At The Marquee" mit Kevin Driscoll (LONE STAR) fast noch ein wenig besser gefällt. Von 2:18 bis 3:25 wird vielleicht nicht immer hypertechnisch, aber umso stimmungsgeladender und bedrohlich das Songthema solistisch umgesetzt.
Deutlich gutgelaunter und schwungvoll kommt dann das kurze ,Kidnapped', das aufgrund seiner Eingängigkeit und Radiotauglichkeit beinahe wie ein Fremdkörper im Kontext des Albums wirkt, daher.
,Really Gonna Rock Tonight' ist der noch ganz ungeschliffene Entwurf des späteren Up-Tempo-Abräumers ,Rockin' Every Night'. Auch der Rocker ,Lonely Nights' fällt im Vergleich zu Tracks späterer Alben-Meilsteine wie ,Wild Frontier', ,Run For Cover' und ,After The War' doch ab.
Grenzwertig ist dann auch die Schlußballade ,Rest In Peace', deren Refrain deutlich zu schwülstig geraten ist. Allerdings blitzt auch hier im Soloteil die Meisterschaft des Iren an den sechs Saiten auf. Der Ton und das Vibrato verdeutlichen, was später Tracks wie ,Parisienne Walkaways', ,The Loner' und ,Messiah Will Come Again' zu solchen Kunstwerken machte.
Alles in allem sicher kein unbedingtes Muß im Plattenschrank, äh CD-Regal, aber in der Rückschau ein interessanter Einblick in die Frühphase des Opus der Legende.
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