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am 26. Mai 2016
SPOILER sind unvermeidlich, wenn man dem Film einen Sinn geben möchte und ihn nicht nur als sinnfreies Traum- oder Albtraumkino des David Lynch betrachten will. Deshalb "lyncht" mich nicht, ober lest diese Deutung erst, wenn ihr den Film gesehen habt und keinen roten Faden gefunden habt und euch nicht nur von genialen traum- und albtraumhaften Bildern erfreuen oder auch fasziniert verwirren lassen wollt.

Zwei Handlungsstränge durchziehen den Film, und was sich als irreal, Parallelwelt oder delirierender Albtraum präsentiert, ist - die Traumwelt eines Mörders aus Eifersucht auf dem elektrischen Stuhl.
"Dick Laurent ist tot"hört Fred schon zu Beginn des Filmes, eifersüchtig auf seine Frau wartend, durch die Rufanklage seines Hauses. Er sieht niemanden vor seinem Haus oder auf der Strasse weglaufend, der ihm diese Botschaft mitgeteilt hat.
"Fred besitzt keine Videokamera" erklärt Patricia Arquette als kindlich brünette Frau mit schnurgerade geschnittenem Pony.
"Ich erinnere mich lieber auf meine Art an die Dinge" fügt Bill Pullman hinzu, Saxophonist und anscheinend ( scheinbar!?) jetzt schon darauf hinweisend, dass der Film zwei Ebenen darstellt. Eine Ebene ist die Realität, die dazu geführt hat, dass er seine Gattin bestialisch ermordet hat, die andere die "Zeit", in der er nicht als Fred, sondern als der Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty) , zu dem er auf mysteriöse Art über Nacht in der Todeszelle geworden ist, die blonde faszinierende Alice kennenlernt. Sie ist die Geliebte des Gangsterbosses Mr.Eddy/Dick Laurent (Robert Loggia) und Andy (Michael Massee), in denen ich eine Person sehe, in zwei Gestalten. Der jüngere potente Lebemann Andy, der ältere böse Eddy/Dick, der Renee/Alice zum Drehen von Pornos gezwungen hat. In zum Teil drastischen Szenen kann sich Pete der beiden entledigen, aber nach einem Akt im Sand der nächtlichen Wüste flüstert Alice ihm ins Ohr:"Du wirst mich niemals kriegen.
Pete ist wieder Fred und rast auf dem nächtlichen Highway mit gelben Mittelstreifen davon, bis er in konvulsivische Zuckungen ausbricht.

Ich simplifiziere die ganze genial verschachtelte und Wahrheit und Phantasie oft nicht auseinenerhalten lassende Geschichte, und zwar hauptsächlich für mich:
Fred sitzt auf dem elektrischen Stuhl, und in den letzten Momenten, bevor ihn einige 10.000 Volt durchschütteln, rast seine Erinnerung noch einmal durch sein Gehirn, symbolisiert durch die rasende Fahrt über den dunklen Highway, aber auch tatsächlich passiert. Zu Beginn des Filmes ist der Highway durch eine unterbrochene gelbe Mittellinie in zwei Spuren getrennt, später durch zwei durchgezogene, von unterbrochenen Linien flankierte. Zu Beginn ist vieles offen, am Ende voneinander in zwei Geschichten getrennt, diese Trennung ist aber unscharf, symbolisiert duch die flankierenden unterbrochenen Linien.
Fred erinnert sich an den Eifersüchtigen, der seine Frau bestialisch abgestochen hat, schafft sich oder seiner Seele auch ein Ventil, eine Rechtfertigung für die Tat in Gestalt des Pete, der eine Frau liebt, die Opfer von Ganoven ist und zu Pornos und Liebesdiensten von "Dick" gezwungen wird.
Aber, da er keine Aufzeichnungen hat wie die anfangs zu sehenden unheimlichen Videokassetten, ist seine Erinnerung sowohl an sich selber als Fred als auch an sein Alter Ego nicht eindeutig. Das wird einmal symbolisiert durch den Mysterie Man (Robert Blake), der wie eine Reinkarnation von Gründgens Mephisto wirkt, gleichzeitig auf einer Party und bei ihm zuhause ist, wovon Fred sich am Telephon überzeugen kann. Fred erinnert den Teil des Filmes vor seiner Verwandlung in sein Alter Ego Pete schon verfälscht, und in seinem "Leben" als Pete tauchen Personen auf, die er als Fred schon kannte, ein Teil dessen, was er als Pete erinnert, mag das Geschehen vor dem Mord sein, ein Teil aber auch nicht, und das gestaltet David Lynch genial rätselhaft. Durch Pete erfahren wir mehr über Fred, aber was davon wahr und was nur Wunschdenken, Eigenschutz einer gequälten und nach Rechtfertigung suchende Seele (Psyche, Gewissen) ist, ist nicht immer von einander zu trennen.
Dass der Erzählstrang mit Fred schon eine Art Traum oder Erinnerung ist, geht meines Erachtens auch aus der Kamera hervor, nicht nur der geheimnisvollen, die die Aufbahmen von seinem Haus und ihm mit Renee im Bett macht, die er dann als Videokassetten bekommt, sondern auch der, die das Geschehen zu Beginn öfter aus der Vogelperspektive, seltener auch von schräg unten darstellt, wir sehen hier nicht, wie David Lynch filmt, sondern wie Fred selber die Szene wie ein Außenstehender betrachtet, und dieser "Außenstehende" ist sein die Geschehnisse fiternde und verfälschende Erinnerung.

Fred sieht in den letzten Sekunden seines Lebens Fred, den Mörder des Liebhabers seiner Frau und dieser selbst, aber aus einer gefilterten und verfälschenden, verharmlosenden Sicht, und Fred sieht Pete, der er gerne gewesen wäre, denn der hatte guten Grund, wegen der geliebten Frau es mit ihrem Quälgeist aufzunehmen und unter Lebensgefahr die Geliebte zu retten, zu befreien, aber dieser Rechtfertigungsversuch seiner Seele, seines Gewissens endet albtraumartig, als die wunderschöne Alice ihn schockiert, er werde sie niemals haben.

Ich habe schon ganz zu Beginn vor dem SPOILER gewarnt, mich hat der Film zuerst wegen seiner genialen verstörenden Bilder, seiner beklemmenden, ängstigenden Atmosphäre und der wunderbar vielseitig als Renee und Alice agierenden Schönheit Patricia Arquette fasziniert, aber dabei kann ich es nicht belassen. Andere können es und sind fasziniert, andere schimpfen auf die wire Handlung ohne roten Faden und werfen Lynch vor, vielleicht keinen Film, sondern nur sinnlose Handlung in schönen Bildern gefilmt zu haben.

Ich habe für mich einen roten Faden gefunden, auch wenn der manchmal gewollt aufgefasert war, er ist nie gerissen.

Doc Halliday
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am 18. März 2016
Zuckend rasen in der Schwärze der Nacht die gelben Markierungen einer kurvenreichen Landstrasse unter unserem imaginären Auto davon. Wir sitzen selbst in subjektiver Sicht am Steuer, in atemberaubender Schnelligkeit fahren wir durch eine endlose Dunkelheit. David Bowie singt dazu sein " Deranged" und nirgendwo würde dieses pulsierende Lied besser passen als auf dieser exstatischen Höllentour.
Der schrecklichste und verführerischste Alptraum , die Reise an das Ende unseres Verstandes wartet hier auf uns. Willkommen im Universum des David Lynch. Verloren und überwältigt von reiner Kinomagie, die uns klaftertief den Boden der Rationalität wegzieht.
Alptraumgestalten und unwirtliche Orte , bizarr und bedrohlich, die uns den Schlaf rauben.
Dort im Bilderlabyrinth , gibt es ihn, den Mystery Man mit dem entsetzlich weissgeschminkten , starr grinsenden Gesicht und den durchdringenden Augen , die niemals blinzeln. Plötzlich taucht der Unheimliche in der Menschenmenge auf. Durch die Gruppe Feiernder auf einer Party bewegt er sich auf sein argloses Opfer, den Jazzmusiker Fred Madison zu .
" Wir sind uns schon einmal begegnet, nicht wahr ?" sagt das totenfahle Antlitz.
" Wo sollen wir uns denn begegnet sein" antwortet Fred , angstvolles Grauen in der Stimme.
" In ihrem Haus, erinnern sie sich denn nicht mehr" , das gnomenhafte Wesen verzerrt den Mund noch teuflischer. Eine geifernde Maske des Bösen und unbarmherzig fügt er hinzu:" Um genau zu sein bin ich jetzt gerade dort . Rufen sie doch bei sich zuhause an, wenn sie es nicht glauben...... " Und tatsächlich meldet sich am Telefon die Stimme des hässlichen Mannes, der gerade vor Fred steht.
Brütender Wahnsinn durchzieht " Lost Highway". Kein Ankerpunkt, keine Sicherheit wird uns geboten, wir fallen in das Mysterium , verlieren uns in einem endlos inneinader verschlungenem Paradoxon, in kryptischen Bedeutungsschleifen, die immer wieder zu sich selbst zurückkehren.
Gerne zitiere ich hier einmal einen Zweizeiler von Douglas Hofstadter, der so perfekt auch auf die schizophrenen Realitätsspaltungen in " Lost Highway " passt .

Der zweite Satz dieses Textes ist gelogen. Der erste Satz dieses Textes ist wahr.

Denken sie über dieses Rätsel nach, sind sie ähnlich in der Unauflösbarkeit gefangen , wie in " Lost Highway " in dem sich ebenfalls alles bedingt und gleichzeitig ad absurdum führt. Der genialste und faszinierendste Psychotrip, der sie jemals in den Kinosessel bannte. " Lost Highway" ist zusammen mit " Mulholland Drive" grimmig begeisternder Kinotraum , der alle Sinne überwältigt.
Sollte man wirklich versuchen " Lost Highway" hier zu deuten ? Der Film entwirft ein eigenes schwarzfunkelndes Universum und bei ihm und auch bei " Mulholland Drive " gilt es sich unbedingt fallen zu lassen, offen zu sein für einen surrealen Dämon an Film, der uns einsaugt bis wir mit jeder Silbe, jeder delirierenden Szene, jeder aussergewöhnlichen Musiksequenz in dieser Illusion versinken. Kino ist der Ort der Bilder ,die sich im besten Falle ihre eigene Realität und Logik erschaffen und niemand kann solch intuitives tranceartiges Erleben, so unter die Haut gehend erzeugen, wie dieser einzigartige Regisseur.
Versucht man vordergründig das schillernde Faszinosum zu beschreiben, so kommt man wohl zu dem Schluss, dass es sich hier um die schizoide Gedankenwelt eines Mörders handelt. Aber ist das wirklich so ?

Jazzmusiker Fred Madison ( Bill Pullman) lebt mit seiner Ehefrau Renee in einem dunklen verwinkelten Bungalow. Nur durch schmale Fenster fällt trübes Licht in die unheimliche Behausung. Fred ist von Eifersucht zerfressen. Hat seine schöne Frau eine Affäre ? Vollkommen isoliert in ihren eigenen Gedankenwelten scheint das Paar zu einer tieferen Kommunikation nicht fähig. Der kriechende Wahnsinn beginnt als Renee mehrere rätselhafte Videobotschaften per Post erhält . Die Amateur- Filme zeigen Innenaufnahmen ihrer Wohnung, ihres Schlafzimmers. Die Kamera des unbekannten Eindringlings schwebte, so scheint es, direkt unter der Decke , denn die Bilder zeigen von oben das schlafende Paar. Lynch erzeugt hier einen schwindelerregenden Horror , allein durch die Absurdität der Situation. Wer kann sich in dieser Form hier Zutritt in die Intimsphäre verschafft haben und können wir dem Szenario überhaupt trauen ? Bald wird Fred in der Düsternis der Wohnung nur noch alleine sitzen, wird in die Schwärze der Flure starren, ungläubig sich vor dem Spiegel durchs Haar fahren ohne zu wissen, was geschah. Das letzte Videoband, das er draussen auf den Stufen des Hauses findet, lässt vor Grauen zu Eis erstarren. Er selbst ist auf dem Film zu sehen, blutverschmiert und schreiend umgeben von den zerstückelten Leichenteilen seiner Frau ....
" Sie, Mörder" der Faustschlag trifft Fred direkt ins Gesicht. Halb benommen findet er sich in Polizeigewahrsam wieder . Hat er in einem Amoklauf wirklich seine Frau bestialisch getötet, ohne die kleinste Erinnerung an die Tat zu haben ? Als zum Tode Verurteilter wartet er in seiner Zelle auf die Vollstreckung des Urteils. Grauenhafte Kopfschmerzen plagen den Unglücklichen, ein Schmerzmittel soll Linderung bringen.
Fred fällt in eine tiefe Ohnmacht. Am nächsten Morgen als der Wärter die Eisentür der Zelle aufsperrt, traut er seinen Augen nicht.
Der Angeklagte ist verschwunden und ein fremder Mann vollkommen verwirrt schaut sich orientierungslos in der Zelle um.
Was für eine unfassbare Situation. Es handelt sich, wie die Recherchen der Polizei ergeben , um den vollkommen unschuldigen Automechaniker Pete Dayton . Es bleibt nichts anders übrig als diesen freizulassen. Gedankenverloren schaut Pete nun oft in die Ferne, sucht sein Gehirn nach Antworten ,wie er in diese Zelle kam. Während er in dem idyllischen Vorgarten seines spiessigen Elternhauses sitzt, scheint ihn aus den Tiefen der Erinnerung etwas zu bedrängen. Ein dunkler Punkt in der Vergangenheit, eine verzerrte Ahnung eines anderen Lebens lässt den jungen Mann wie gelähmt vor Angst fieberhaft nach Antworten im undurchdringlichen Nebel suchen.
" Wir sind uns schon einmal begegnet nicht wahr? In ihrem Haus"....Lauernde Stimme und weisses Grinsen in maskenhafter Fratze. Ein kleiner Gnom , den Pete von irgendwo her kennt. Weit zurück liegen Dinge, die jedoch jederzeit zu einem Deja Vu führen können. Die Welt gerät aus den Fugen und Pete scheint wie in einem Strudel seinem Schicksal nicht zu entkommen.
Eine brennende Hütte im Nirgendwo. Heisse Glut der Leidenschaft , Körper, die verschmelzen im Schatten obsessiver SM- Szenerien auf riesiger Leinwand an gefährlichem Ort. Halluzinogener Wahn, der sich immer schneller dreht und die multiple Psyche, die endgültig zerbirst .
" Man sieht ihn um die Kirche schleichen...." donnert die Musik von Rammstein durch die Parallelwelt aus Sex und Finsternis.
Wer ist die laszive Alice, das Liebchen eines Gangsterbosses, die so plötzlich in Petes Leben tritt und ihn in das Verderben reisst ?
Ein kleines Bild zeigt sie mit ihrer Zwillingschwester oder ist es ihre Doppelgängerin ? Ein Gesicht oder zwei Gesichter ?
Beide , Alice und Renee , die tote (?) Ehefrau des Mannes , der einst Fred Madison war , gleichen sich vollkommen in ihrer Physiognomie. Die brünette Renee und die blonde Alice sich im Arm haltend. Als wären Zeit und Raumdimensionen schicksalshaft aufgehoben und neu miteinander verflochten ,starren sie uns auf dem Photo entgegen .
"Wer sind sie ?" schreit der weissgeschminkte Zwerg und starrt durch den Sucher der Videokamera im Dunkeln der einsamen Hütte. Fegefeuer, das rückwärts brennt. Verstreichende Zeit , die wohl nicht linear läuft, sondern auf sich selbst bezogen, in einer Kreisbewegung. Der letzte verhängnisvolle Treffpunkt . Im grellen Licht der Scheinwerfer ein erotisches Fanal, die Exstase, die keine Erlösung bringt, und wir sind gleichermaßen schon längst selbst verloren und unsagbar staunend in den verstörenden Metaebenen.
" Ich erinnere mich an die Dinge auf meine Art", sagt Fred Madison einmal. Aber ist Fred nur Hirngespinst von Pete Dayton oder ist es vielmehr umgekehrt. Ich bin viele, sagt die Psychoanalyse.

Es gibt nichts, was diesen Film beschreiben kann. Diese irrealen Dimensionen kreieren quasi eine fiebernde Erfahrungswelt zwischen den Bildern und legen sich wie ein dunkler Mantel um unser Unterbewustsein. Jede Szene ist von einer unheimlichen Metaphorik in der Metaphorik, wie ein Spiegel im Spiegel in dem wir ins Unendliche blicken können und fulminant bis ins kleinste Detail ist diese Sinfonie des Schreckens durchkomponiert.
"Dick Laurent ist tot"...., erst nach und nach werden wir erfahren, was mit diesen Worten gemeint ist. Fred Madisson, der in der ersten Szene vom Inneren seines Bungalows durch die Gegensprechanlage diesen Satz geflüstert hört, ist auch derjenige der ihn von aussen hineinspricht.
In einer sich körperlich manifestierten Persönlichkeitsspaltung spricht er also mit sich selbst. Eine Möbius Schleife, ein in sich geschlossenes aberwitziges System, das unser Denken buchstäblich auf links wendet und nicht die Wirklichkeit abbildet sondern die grenzenlosen Schattenseiten der Seele visualisiert und miteinander in Austausch treten lässt. Eine Reproduktion in der Reproduktion. Wir schauen bei David Lynch aus einem Fenster unserer Wohnung in eine andere fremde Welt. Lange stehen wir dort und blicken fasziniert auf das Unbekannte, bis wir allmählich bemerken, dass wir eigentlich schon längst von dort zurückschauen in unsere Wohnung . Das ist so phantastisch und spektakulär und macht " Lost Highway" zu einem Epos, in dem man immer wieder auf Entdeckungsreise gehen kann. Kein anderer Filmemacher hat Transzendenz so fühlbar werden lassen , wie David Lynch in seinen besten Werken.

Wer ist der weissgeschminkte Mann , eine Art Mephisto, ein Bote der Unterwelt, das personifizierte schuldhafte Gewissen ?
Ist Alice nur Freds Imagination einer Traumfrau, so wie er sich Renee gerne gewünscht hätte ? David Lynch lässt alle Interpretationen zu, entwirft in seinem Kosmos aus Verfolgungswahn und multiplen Persönlichkeiten einen Bildersturm jenseits aller Vorstellungskraft. David Lynch liebt die Unerklärlichkeit und selbst angesprochen auf eine Interpretation, verweigert er sich stets jedweder Erklärung. Das ist gut so, denn gerade die Rätselhaftigkeit, die aber in sich schlüssig ist, und eben unsere Phantasie fordert, bewegt und begeistert ist sein Markenzeichen.
Dabei, auch das ist besonders an Lynch , produziert er nie beflissenes Intellektuellenkino, das schwergängig seinen Anspruch zelebriert, wie ein Godard, Bunuel, Greenaway etc. Einen David Lynch Film schauen, verlangt einfach nur die Bereitschaft Emotionen, Assoziationen und Schwingungen erspüren zu wollen, sich an der Hand nehmen zu lassen von einem Kinovisionär, der uns in sein groteskes Paralleluniversum entführt. Dorthin wo uns hinter den Dingen, weitere grössere Dinge gezeigt werden, die uns bewegen, uns irritieren oder berühren.
Nicht verstehen wollen, sondern sinnlich fühlen, heisst die Devise und das macht dann auch ganz grosse Kunst aus.
Lassen sie sich verführen von " Lost Highway" , einem dunklen Juwel für die Ewigkeit gemacht.

" Im Osten , im fernen Osten wird ein Mann , wenn er zum Tode verurteilt ist an einen Ort geschickt, wo es kein Entkommen gibt. Er weiß nie wann der Henker hinter ihn tritt, um ihm eine Kugel in den Hinterkopf zu jagen."

"Du bist nicht du !"
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am 13. April 2003
Dieser Film ist mir ein Phänomen. Mein Freund lädt mich zu ihm ein mit dem Kommentar, dass er einen neuen Lieblingsfilm hat. Bei diesem Film handelte es sich natürlich um Lost Highway (wer hätte das jetzt gedacht). Und um ganz ehrlich zu sein, ich fand den Film scheiße. Es ist einer dieser jener Film, bei denen plötzlich alles schwarz wird, die Namen des Regisseurs und der Darsteller über den Bildschirm fliegen, und man sich fragt, ob das nicht eine weitere Finte des Regisseurs ist, um den Zuschauer zu verunsichern.
Und dann steht man auf mit dem Gefühl, dass man den Film nicht mal verstehen könnte, wenn er noch eine Stunde länger gegangen wäre und mit dem Akte-X-Brechteisen alle Zusammenhänge auf den Tisch gelegt hätte.
Die Verwirrung, die entsteht, ist nicht zu vergleichen mit der von Filmen wie Memento oder Pi. Sie resultiert einfach aus der Tatsache, dass man da keine Klarheit entdecken kann, nicht davor, während des Sehens oder danach.
Und jetzt ist bestimmt ein Jahr vergangen, und ich habe einen riesengroßen Heißhunger, den Film nochmal zu sehen. Und nochmal und noch einmal! Warum dem so ist, kann ich nicht so ganz erklären. In diesem Film steckt eine Bildgewaltigkeit, die einen umhauen kann. Und dann fühlt man den Traum mit. Ich weiß nicht, wie es den anderen ging, aber ich habe in diesem Film den verzweifelten Traum gesehen, tatsächlich jemand anderes zu sein, jemand, der dumm, ungehobelt und extrem sexy ist. Und dieser Traum kann gar nicht wahr sein und er ist rückwirkend betrachtet auch gar nicht schön. Aber genau deswegen will ich ihn vielleicht als Film sehen und nicht selbst erleben müssen.
Ich wette, Sie wissen nicht im Geringsten, was ich damit meine. Schauen Sie sich den Film an! Vielleicht werden sie es in einem Jahr wissen.
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am 15. Januar 2004
Als ich vor vielen Jahren dieses Machwerk zum ersten Mal gesehen hatte, war meine erste Reaktion: "Wahnsinnsfilm, aber was habe ich da eigentlich gerade gesehen?". Ich denke, das Problem, das viele Zuschauer mit diesem Film haben, ist, daß er gängige Konventionen durchbricht. Insofern werden Liebhaber des Hollywoodheldenepos mit Happy End an diesem Film zweifelsohne keine Freude haben.
Da ist zum einen die fehlende Stringenz der Handlung, die unmerkliche Vermischung von Realität und Illusion, die Absenz eines Helden. Zum anderen wird das Verwirrspiel untermalt von beklemmenden Bildern, einer surreal bedrückenden Stimmung, dem Gefühl des Ausgeliefertseins (nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Akteur). David Lynchs Stärke liegt darin, daß er polarisiert, und das durchaus absichtlich. Seine Filme kann man nur lieben oder hassen; es gibt kein dazwischen. Darüber hinaus bietet er in seinen Geschichten natürlich nicht immer leicht verdauliche Kost (von „The Straight Story" einmal abgesehen). Da werden in "Blue Velvet" Ohren abgeschnitten und Oedipuskomplexe aufgedeckt oder in "Mulholland Drive" Personen ausgetauscht und allgegenwärtige Albträume visualisiert. Nicht viel anders verhält es sich mit "Lost Highway", dem für mich persönlich besten Lynch-Streifen.
Kurz zur Handlung: "Dick Laurant ist tot". Das sind bedeutungsschwangere Worte, die da (zweimal) durch Freds (Pullman) Sprechanlage geflüstert werden. Dazu kommen anonyme Videobotschaften vom Innenleben seines Hauses. Einige Zeit später wird der Saxophonist unter Mordverdacht an seiner Frau verhaftet und weggesperrt. In Haft verwandelt er sich auf einmal in den jungen Mechaniker Pete (Getty), der anscheinend durch einen unbekannten Vorfall sein Gedächtnis verloren hat. Dieser läßt sich nach seiner Entlassung auf eine gefährliche Affäre mit der Freundin (Arquette) des Pornoproduzenten Dick Laurant ein, die noch dazu Freds ehemaliger Ehefrau verblüffend ähnlich sieht.
Soviel fragmentartig zur Story, die ebenso fragmentartig von Lynch umgesetzt wurde. An einer Interpretation versuche ich mich erst gar nicht. Interessant finde ich allerdings den Hinweis auf einer amerikanischen Internetseite, auf der vom Wunschdenken des impotenten Fred, als omnipotenter Sexmaniac dastehen zu wollen, gesprochen wird. Das Machwerk Lost Highway besticht daher nicht nur durch seine unergründliche Geschichte (ich habe den Film mehr als 10 mal gesehen und komme jedesmal zu einer anderen Schlußfolgerung), sondern vor allem durch seine grandiosen Bilder und Kameraperspektiven. Alltagsgegenstände wie eine simple Videokamera werden auf einmal zu Angstobjekten, ohne daß man den Grund dafür ausmachen könnte. Für mich absolut unschlagbar umgesetzt ist der mysteriöse schwarze Mann, der wie ein Deus ex machina die Geschicke des (der) Protagonisten zu lenken scheint. Die Begegnung zwischen Fred und dem geheimnisvollen Mann auf der Party gehört meiner Meinung nach zu den besten Szenen der Filmgeschichte.
David Lynch hat mit Lost Highway ein Meisterwerk des Surrealismus oder Film Noir abgeliefert. Bill Pullman überzeugt fern seines Komödienfachs als kafkaeske Hauptfigur mit ernsthaften Problemen auf ganzer Linie. Unabhängig davon, ob der Film nun eine Aussage, geschweige denn Lösung hat oder einfach nur als Kunstwerk stehen bleibt, bietet er unendlich viel Gesprächsstoff und treibt das Verlangen an, sich alles nochmals anzusehen. Für eine DVD, mit der man genau das tun kann, ist also meiner Meinung nach das Geld nirgendwo besser angelegt. Minimale, aber unmerkliche Abzüge muß ich der DVD allerdings für die mangelhaften, da kaum vorhandenen Features bescheinigen, was allerdings für Lynch DVD Releases nichts neues ist. Wer diesen Silbling kauft, kauft also quasi nur den Film, das aber in bester Bild- und Tonqualität. Für mich ist dieser allerdings auf der Liste der ewigbesten Filme nach Memento die unangefochtene Nummer 2.
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am 21. August 2004
David Lynch kann man wohl nur lieben oder hassen. Ich liebe ihn und war auch von "Lost Highway", dem letzten Film, den ich von ihm noch nicht kannte, absolut begeistert.
Was ich an Lynchs Filmen so mag, ist die Tatsache, dass es eigentlich gar keine Filme im klassischen Sinne sind. Lynch kommt aus der Malerei und da ihm das "stehende Bild" auf Papier nicht genügend Raum für seine künstlerischen Visionen gegeben hat, ist er zum Film gekommen. Er malt sozusagen Filme. Und so kann man sich vorstellen, dass das Betrachten von "Lost Highway" so wie ein Museumsbesuch ist: Man steht vor einem surrealen Gemälde, das an sich keine tiefe Intention oder Moral enthält, aber eine absolut prickelnde Stimmung erzeugt. Wie auf Bildern Dalis werden Dinge vermischt und zusammengebracht, die in der Realität niemals zusammenpassen. Die Leute zerbrechen sich den Kopf, wie sie dieses Filmgemälde nun interpretieren könnten oder müssten, dabei ist des Rätsels Lösung ganz einfach, dass es keine Lösung gibt. Die einzelnen "Puzzleteile" passen schlicht und einfach nicht zueinander, man kann sie drehen und wenden wie man will. Ich glaube, was den Leuten den Antrieb gibt, sich so das Hirn zu zermatern, um den tieferen Sinn in "Lost Highway" und Lynchs weiteren Werken zu entdecken, ist die Tatsache, dass David Lynch immer noch den Eindruck am Leben erhält, dass seine Filme lösbare Rätsel wären. Es treten Parallelen zwischen verschiedenen Ereignissen darin auf, bei denen man aufgrund seiner "Standard-Film"-Erfahrung meint, sie würden irgendwas bedeuten. Tun sie nicht! Allerdings möchte ich anmerken, dass es zweifelsohne einen riesigen Spaß macht, alleine oder in der Gruppe zu versuchen, Zusammenhänge zu finden und immer wieder zu scheitern - ich persönlich genieße das auch immer wieder.
Lynchs Filmmalereien sind etwas komplett Neuartiges - so etwas hat es noch nicht gegeben. Und deswegen stellt sich auch bei "Lost Highway" die Frage, ob man sich auf ihn einlassen WILL. Ist man bereit, seine üblichen Vorstellung der Nutzung des Mediums Film über Bord zu werfen und etwas Innovatives zu sehen? Man kann niemanden dafür verurteilen, der das nicht möchte, es geht schließlich auch nicht jeder gerne ins Museum. Aber auch die Fans von Lynch sollten nicht einfach, wie es leider viel zu oft geschieht, als "Pseudo-Intellektuelle" abgetan werden, die sich nur wichtig machen wollen.
"Lost Highway" ist eines der gelungensten Filmbilder eines ganz virtuosen Malers.
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am 23. März 2002
Wer nach der idealen DVD-Fassung von David Lynch's "Lost Highway" sucht, wird leider auch von der deutschen DVD enttäuscht werden. Zwar ist der Film entgegen anderslautenden Gerüchten trotz FSK 16 Freigabe absolut ungeschnitten und auch die Bildqualität kann überzeugen, die Tatsache jedoch, dass der Ton gegen Ende - gerade als Trent Reznor's genialer Track "Driver Down" anfängt - ins Stottern gerät (und zwar sowohl auf der deutschen als auch auf der englischen Tonspur), vergällt das Anschauerlebnis gründlich.
Wirklich schade, denn aufgrund der erbärmlichen DVD-Fassungen, die bisher weltweit von diesem Film erschienen sind, war die deutsche DVD so etwas wie meine letzte Hoffnung. Um es kurz zusammenzufassen: die kanadische DVD ist in Vollbild, die australische DVD hat eine ziemlich schlechte Bildqualität, die Bildqualität der japanischen DVD ist streckenweise so schlecht, dass man nicht mehr erkennen kann, was gerade am Bildschirm vor sich geht, die französische DVD hat nicht ausblendbare französische Untertitel und eine amerikanische oder englische DVD gibt es schlicht und ergreifend nicht.
Für Fans von David Lynch's brilliantem "21st century noir horror film" geht das Warten also weiter. Ich persönlich halte noch immer an der englischen VHS Kassette fest, denn diese präsentiert den Film eindeutig in der besten Version, die zur Zeit erhältlich ist. Und das im Zeitalter der DVD!
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am 18. Oktober 2011
"Dick Laurent ist tot!" Mit diesem mysteriösen Satz beginnt Lost Highway und wie es sich für einen schleifenartigen surrealen Alptraum gehört, wird der Film mit jenen Worten, die von Fred Madison an der Gegensprechanlage seiner Villa in Los Angeles gesprochen werden, auch wieder enden. Fred ist psychisch und sexuell am Ende seiner Kraft angelangt, was unmittelbar mit seiner Frau Renee zusammenhängt, von der er sich seit geraumer Zeit in seiner krankhaften Eifersucht immer stärker entfremdet. Er glaubt, dass Renee ihn heimlich mit einem guten Freund namens Andy betrügt, der ihr früher einmal irgendeinen Job verschaffte, an den sie sich angeblich nicht mehr erinnern kann. Auf einer Party von Andy wird Fred von einer bizarren Gestalt mit aschfahlem Gesicht und blutrot geschminkten Lippen angesprochen. Es ist der Mystery Man, eine Metapher für das Böse, das sich auf "spezielle Einladung" in unbehausten Charakteren einnistet. Dieser Dämon, der in der Lage ist, die Gesetze von Raum und Zeit zu durchbrechen, hat sich längst Zugang zu Freds Wohnung verschafft. Als Warnung schickte er ihm bereits zwei Videobotschaften, die Freds Haus erst von außen und dann von innen zeigen. Auf einem dritten Video sieht Fred sich selbst, wie er neben seiner bestialisch ermordeten Frau kniet, woraufhin er verhaftet und verurteilt wird. Nachdem ihn der Gefängnisarzt mit Psychopharmaka ruhig stellt, erträumt er sich in seiner Verzweiflung ein anderes Ich und verwandelt sich in der Todeszelle in Pete Dayton, einen Automechaniker, der das glatte Gegenteil von Fred ist: jung, potent und von den Frauen begehrt. Da Pete unschuldig einsitzt, wird er freigelassen, doch die Flucht kann Fred/Pete nicht von der verhängnisvollen Obsession zu seiner Frau befreien. Sogar in seiner Fantasie sucht sie ihn heim und kehrt als verführerische Femme Fatale in Form von Alice Wakefield zurück, die äußerlich zu Renee bis auf die blondierten Haare vollkommen identisch ist. Alice ist die attraktive Freundin des cholerischen Mafiabosses Dick Laurent alias Mr. Eddy, für den Pete Dayton in einer Werkstatt den Fuhrpark wartet. Mr. Eddy lernte Alice durch Andy kennen, der für ihn Pornos dreht und Alice vor geraumer Zeit einen der prekären Jobs vermittelte. Obwohl Pete merkt, wie intrigant Alice ist, verfällt er ihr hoffnungslos und kann nicht mehr von ihr lassen. Als die Affäre auffliegt, versuchen beide vor Mr. Eddy zu fliehen. Alice lockt Pete dazu in das Haus von Andy, wo Pete sie auf einem Bildschirm in einem Porno sieht und daraufhin Andy im Affekt tötet. Sie sacken Andys Geld ein und flüchten mit dem Auto durch die Nacht in die Einöde vor der Stadt. Im Wüstensand kommt es zu einem letzten göttlichen Beischlaf, an dessen Ende Alice ihm offenbart, dass er sie nie besitzen wird, ehe sie für immer in der schwarzen Hütte des Mystery Man verschwindet. Pete erleidet denselben Liebesverrat wie Fred und verwandelt sich wieder in ihn zurück. In einem Motel spürt Fred nun seine Frau Renee auf, die ihn gerade mit Dick Laurent betrogen hat.

Wie fast alle Lynch-Filme handelt Lost Highway von multiplen Persönlichkeiten, die in einem mehrfach gebrochenen Tagtraum in ihrer paranoiden Schizophrenie von anderen manipuliert werden, aber auch selbst jederzeit imstande sind zu täuschen, und die Maske des Scheins zu wahren, sodass es hier ähnlich wie in Twin Peaks keine Figur gibt, die in ihrem Auftreten wirklich authentisch ist. Ob Pete nur das Abbild oder doch das Original von Fred ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Einen Hinweis, dass Pete eher die Kopfgeburt von Freds subjektiv verzerrtem Bewusstsein ist, erhält der Zuschauer in einem der schmallippigen Dialoge zwischen Fred und einem Polizisten, der ihn bei der Vernehmung in seinem Haus fragt, ob er selbst Videokameras benutzt, woraufhin Fred als Negation antwortet, dass er sich lieber auf seine Weise an die Dinge erinnert und nicht wie sie tatsächlich passiert sind. Fred ist eine Person, wie man sie häufig bei Lynch antrifft. Ein Typ, dessen männliche Dominanz von verhängnisvollen Frauen unterminiert wird, die ihn systematisch ins Reich der Sünde führen, und der erfolglos versucht, in seiner Fantasie aus der bitteren Wirklichkeit seines schuldbeladenen Daseins auszubrechen. Der Unterschied zu anderen Lynch-Filmen besteht darin, dass Lynch in seiner Bildsprache stärker denn je auf Horroreffekte setzt. Vor allem die abstrakte Ausstattung von Freds Wohnung wird in ihrer stilistischen Ästhetik zum Synonym für die klaustrophobische Leere in seinem eigenen Inneren, sodass auch die Lampen in den Zimmern nur dorthin leuchten, wo eigentlich gar kein Licht von Nöten ist, womit das wirklich Wichtige der steril erscheinenden Innenräume (in Analogie zu den finsteren Abgründen seiner Seele) stets im Halbdunkel verborgen bleibt.

Auf der Folie des Horrorfilms baut der Pete Dayton-Teil in der zweiten Hälfte dann ein selbstironisches Spiel mit den eigenen Klischees und zahlreichen Zitaten aus Lynchs früheren Werken auf. "Lost Highway" mutiert hier zu einer unendlichen Spiegelung von Motiven, die man insbesondere schon aus "Blue Velvet" und "Twin Peaks" kennt. Wenn Pete Dayton nach seiner Freilassung in einem Vorgarten auf einem Liegestuhl sitzt, erinnert das stark an Jeffrey Beaumont, der bereits in "Blue Velvet" am eigenen Leib erfahren musste, dass hinter dieser Postkartenidylle ein fürchterlicher Alptraum lauern könnte. Der Plot selbst weckt Reminiszenzen an einen Nebenpfad aus "Twin Peaks", als James Hurley aus der Stadt flüchtet und bei einer blonden Femme Fatale als Mechaniker anheuert, die ihn ebenfalls nur als Toyboy benutzt, um ihren Mann zu beseitigen. Und natürlich lässt sich mit Renee und ihrer Reinkarnation Alice eine reifere Ausgabe von Laura Palmer und ihrem äußerlich identischen Gegenbild Madeleine Ferguson assoziieren. Den Joyride von Pete Dayton mit dem soziopathischen Mr. Eddy hat man schon einmal in ähnlicher Form in "Blue Velvet" gesehen, wobei Mr. Eddy weitaus weniger Angst verbreitet, als es noch der sadistische Frank Booth vermochte. Denn dieser Mr. Eddy ist eine der absurdesten Gestalten in Lynchs Universum. In seinem patriarchalischen Machogehabe wirkt er eher wie ein provinzieller Verschnitt von Don Corleone. Nachdem er mit der gemütlichen Fahrweise eines Sonntagsfahrers die Straße blockiert und dafür den Finger von einem verärgerten Autofahrer gezeigt bekommt, den er kurz zuvor noch mit einer höflichen Geste zum Überholen animiert hatte, endet der Joyride in einer grotesken Gewaltorgie, indem der wütende Mr. Eddy mit der Faust dem Übeltäter noch einmal nachdrücklich die Straßenverkehrsordnung ins Gedächtnis ruft. Dass diesem biederen Pornoproduzenten am Ende seine verbalen Lobgesänge auf die maskuline Potenz krachend auf die Füße fallen und Fred Madison es immer wieder vermag, seinen Verfolgern zu entkommen, ehe ihn die Polizei in Stücke zerreißen kann, ist ein Sinnbild für das, um was es in "Lost Highway" im Kern letztendlich geht: um Formen der Wahrnehmung, die toten Punkte von sexuellen Beziehungen und die irrsinnigen Kapriolen der Autoritäten.

Bonusmaterial auf der Blu-Ray: Making-Of, Interview mit David Lynch, Original-Kinotrailer!
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am 28. Juni 2011
Lost Highway ist ein interessanter Genremix, eine Art surrealistischer Psychothriller. Der Film bekommt von mir 4 Sterne - leider hat der Zahn der Zeit doch schon etwas an ihm genagt.

Das Bild der Blu-ray ist trotz durchgehend leichter Körnung sehr gut. Schärfe, Farben und Details sind für einen Film dieses Alters wirklich einwandfrei, Kompressionsartefakte oder andere Bildstörungen finden sich nicht.
Der Ton ist gut, wenn auch insgesamt recht unspektakulär. Allerdings sind sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur ausschließlich in 5.1 verfügbar. Dadurch muss man auf normalen Stereo-Fernsehern während des Films öfters die Lautstärke angleichen - mal ist der Ton zu laut, mal zu leise. Die deutschen Sprecher sind überwiegend überzeugend und wirken glaubwürdig.

Insgesamt auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung zur DVD.
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am 5. Februar 2016
Der Film lässt einen noch Tage danach grübeln was hier nun überhaupt passiert ist, da er einem die offenen Fragen, die sich im Laufe des Films ansammeln, nicht beantwortet. Er lässt also viel Interpretationsfreiraum. Wer Filme wie Donnie darko und dergleichen liebt wird auch bei diesem Film nichts falsch machen.
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am 4. August 2003
David Lynch gehört für mich zu den besten amerikanischen Regisseuren, denn er trotzt dem ewigen Hollywood-Plot beständig und mit Bravour.
Ein Beispiel für seine Kunst ist "Lost Highway".
Zur Handlung möchte und kann ich hier nicht viel sagen, denn es ist eigentlich unmöglich die Handlung kurz mal eben zu beschreiben ...
"Lost Highway" ist nämlich kein typischer Thriller oder Horrorfilm, der mal eben so eine Geschichte erzählt.
Der Handlungsrahmen bildet eher eine Art Gerüst für Stimmungen und Gefühle, die David Lynch seinem Zuschauer intensiv übermittelt. Dabei spielt er raffiniert mit Urängsten, wie dem Kontrollverlust, dem Identitätsverlust, unberechenbarer Gewalt, der Angst vor dem vollkommen Unbegreiflichen. Wo andere Regisseure Serienkiller oder Mutanten durch ihre Filme huschen lassen, läßt David Lynch etwas ganz Anderes auf seine Zuschauer los ... wahre Dämonen des Unterbewußtseins. Ungreifbar, unsichtbar aber ständig präsent und beängstigend.
Alles was auf den ersten Blick normal und vertraut wirkt, wird sehr schnell zu einer Fassade, hinter der sich äußerst seltsame Dinge verbergen.
Wer die besondere Gänsehaut liebt und auch Lust hat, sich tiefer auf einen Film einzulassen als sich den rein vordergründigen Kick zu holen, sollte sich Lost Highway nicht entgehen lassen!
Tausendmal beängstigender und verstörender als die ganzen Hollywood-Shocker à la "Ring" und Co. Lynch does it better!
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