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3,6 von 5 Sternen
Die Blechtrommel
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47 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. September 2005
Dass sich Grass' "Blechtrommel" verfilmen ließe, hätte ich durchaus bezweifelt, bevor ich den Film sah -- die Romanhandlung ist dermaßen vielschichtig und perspektivisch gebrochen, dazu die unendlich vielen Nebenhandlungen und -motive... und dann noch die Schwierigkeit, den geeigneten Hauptdarsteller zu finden.
Schlöndorff hat nun die Romanhandlung "auf Linie" gebracht; wie man hört, unter tatkräftiger Mitarbeit von Günter Grass. Das Ergebnis ist frappierend. Viele Nebenhandlungen werden nur angedeutet, und im Gegensatz zum Roman endet der Film mit der Flucht aus Danzig. Eine kluge Entscheidung, finde zumindest ich, denn nicht nur hat mich der Romanteil, der im Nachkriegsdeutschland spielte, weniger überzeugt -- durch die Beschränkung aufs Wesentliche wird der Film zu einem in sich ruhenden Ganzen.
Es geht um die Geschichte des kleinen Oskar Mazerath (David Bennent), 1924 in Danzig geboren. -- Das heißt, die Geschichte selbst beginnt viel früher, mit seiner Großmutter Anna Bronski (Bertha Drews) und der Zeugung seiner Mutter Agnes (Angela Winkler) -- oder noch früher, wer weiß. Die Anfänge sind in archaischen Bildern festgehalten.
Agnes wird sich zeit ihres Lebens nicht zwischen zwei Männern entscheiden können: ihrem bodenständigen, "vernünftigen" und etwas lächerlichen Ehemann Alfred Mazerath (Mario Adorf) und ihrem schönen, charmanten und sensiblen Vetter Jan Bronski (Daniel Olbrychski); schon die Vaterschaft des kleinen Oskar wird nie geklärt werden. An seinem dritten Geburtstag beschließt Oskar, nicht mehr zu wachsen, und tarnt diesen Entschluss durch einen Sturz von der Treppe; damit ist den logischen Bedürfnissen der Erwachsenen Genüge getan. An jenem Geburtstag bekommt er, wie bei seiner Geburt prophezeit, seine erste Blechtrommel, die ihn fortan begleiten wird. Außerdem stellt sich bald heraus, dass er über eine besondere Gabe verfügt: Er kann Glas zerschreien, und diese Fähigkeit wird er immer wieder als Waffe, aber auch gelegentlich zu Liebeserklärungen und zur Unterhaltung einsetzen.
Oskar wächst also im Danzig der 1920er und 1930er Jahre auf, man erlebt mit ihm das Aufkommen des Nationalsozialismus im unabhängigen Stadtstaat, schließlich den allseits bejubelten "Anschluss" ans Deutsche Reich und den Kampf um die Polnische Post in Danzig, den Zweiten Weltkrieg, den Einmarsch der Roten Armee und die Flucht. Oskar nimmt an der Geschichte teil, mal verweigernd, mal kommentierend, aber auch aktiv, als Mitglied von "Bebras Fronttheater" zur Unterhaltung der Wehrmacht.
In die Geschichte integriert ist die Familiengeschichte der Mazeraths und der Bronskis, das lächerliche "Deutschtum" von Vater Mazerath ebenso wie Jan Bronskis Option für Polen (die Bronskis sind Kaschuben, und die sind, wie am Ende die Großmutter bemerkt, "nicht richtig deitsch und nicht polnisch genug").
Und außerhalb der großen Geschichte bestimmt Oskar die Geschicke der Familienmitglieder -- er "trommelt seine arme Mama ins Grab", führt seinen Onkel und mutmaßlichen Vater Jan Bronski in den Tod, indem er ihn an dem Tag in die Polnische Post zerrt, als die Wehrmacht in Danzig einmarschiert, schwängert womöglich Maria (Katharina Thalbach), die 16jährige Geliebte seines Vaters (auch bei diesem Kind, Kurtchen, kann man den Vater nicht bestimmen), zwingt beim Einmarsch der Russen seinen Vater dazu, sein Parteiabzeichen zu verschlucken -- mit tödlichem Ausgang. Oskar, nun 21 Jahre alt und Waise, beschließt, wieder zu wachsen.
Am Ende verlässt Maria mit Kurtchen und Oskar die Stadt, zurück bleibt die archaisch-unerschütterliche Großmutter.
Der Film zeigt diese Geschichte(n) in mehr oder weniger locker verbundenen Szenen, die Kamera nimmt oft ungewöhnliche Perspektiven ein, verweilt immer wieder auf scheinbar Nebensächlichem, und führt so zu unvergesslichen Bildern: Etwa wenn Oskar bei einer Parteikundgebung den Badenweiler Marsch in den Donauwalzer umpolt, oder in der berühmten Szene mit den Aalen (empfindsamen Gemütern sei's gesagt: Im Buch ist das noch viel ekliger), bei der Verteidigung der Polnischen Post und Jan Bronskis letztem Skatspiel, und vielen weiteren. Der Film lebt von solchen Szenen, und dabei bleibt stets der Zusammenhang erhalten; die effektvollen Bilder sind niemals Selbstzweck.
Und diese Einzelszenen wiederum leben von der Klasse der Schauspieler -- allen voran natürlich der selbst kleinwüchsige David Bennent, dessen Oskar weniger boshaft und dafür anrührender als die literarische Vorlage wirkt, aber auch die anderen: Angela Winklers Darstellung der Agnes überzeugt von der ersten Szene an und gipfelt darin, wie sie sich verzweifelt mit Fischen vollstopft. Ebenso phantastisch sind Daniel Olbrychski als unwiderstehlicher Jan Bronski oder Charles Aznavour als Spielzeughändler Sigismund Markus oder Katharina Thalbach als Maria -- und alle anderen auch. In der "Blechtrommel" sind selbst die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt.
Aber was einem erst nach mehrmaligem Sehen auffällt: Die wahre Hauptperson, die alles zusammenhält auf allen Ebenen, ist die kaschubische Großmutter. Wann immer sie in Erscheinung tritt, beherrscht und bestimmt sie alles, ohne direkt eingreifen zu müssen. Es liegt an der unglaublichen Präsenz Bertha Drews', dass dieser Film das ist, was er ist: Ein Meisterwerk!
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dieser Satz, wird wohl vielen, die das Buch gelesen haben noch bekannt vorkommen, und vielleicht auch einigen die forsch dem Film gelauscht haben.

Ich selbst kann einigen Vorrednern widersprechen.

Es ist egal, ob vorher Film, oder vorher Buch.

Egal welches Medium man sich zuerst zu Gute geführt hat, sollte man auf das andere neutral zugehen.

Ich persönlich habe den Film zuerst gesehen, eine Meisterleistung von Grass und vorallem Schlöndorff der den Film besser ungesetzt hat, als es irgendjemand anders auf dieser Welt hätte machen können.

Die Darsteller überzeugen zu 100% und die Sprache ist sehr gut gewählt, so, dass es möglich nahe an das Buch herankommt.

Nun gut, zum Film wollte ich nicht viel sagen, da das Meiste ja schon von Vorrednern gesagt wurde.

Mir geht es hier mehr um das "was zuerst?".

Also wie gesagt ich war vom Film beeindruckt und entschied mich wenige Tage darauf das Buch zu lesen.

Ich las einige Kritiken auf Amazon, wieder vollkommen falsche und flache Einschätzungen der Reszententen. Einige fanden das Buch zu schwer, sprachlich zu anspruchsvoll !?

Ich denke jeder der 4 Jahre die Schule besucht hat, versteht das Buch und kann dem Inhalt folgen.

Also ich las so einige negative Rezenssionen und irgendwie verging mir auch schon der Appetit, nachdem mir der Film sogut gefallen hatte, dachte ich, es kann nach diesen Reviews nur enttäuschend sein. Ich versuchte trotzdem neutral an das Buch heranzugehen, jedoch muss ich zugegeben, ich hatte echte Angst, das Buch könnte mir nicht gefallen.

ABER -->

So ist es nicht, das Buch ist flott und interessant, machmal auch traurig komisch und überzeugt (fast noch mehr) als der Film. Soviele Details im Film über die man richtig lachen oder aber auch weinen kann, kommen erst nach dem Lesen des Buches zum Vorschein, ich habe den Film nun mindestens neun mal gesehen und immer wieder identifiziere ich einige Passagen des Films mit denen des Buches, stelle Vergleiche auf, einfach köstlich.

Also was ich damit sagen will, es ist egal, was man zuerst sieht, Buch oder Film.

Sieht man den Film zuerst und man findet gefallen, wird einem auch das Buch gefallen, jedenfalls muss man sich danch nocheinmal den Film anschauen, um wirklich alle Zusammenhänge richtig verstehen zu können.

Dem Trompeter oder dem Gemüseändler von nebenan, wird im Buch keine besondere Rolle zugeteilt, im Buch füllt das Leben dieser aber Seiten, Seiten, die man nicht missen möchte.

Nun aber zum anderen Fall, liest man das Buch und findet gefallen, wird auch der Film gefallen. Es ist genau, wie man es sich vorgestellt hat, die Schauplätze sehr detailgetreu nachgebaut (Persil) die Schauspieler authentisch, einfach alles passt.

Also abschliessend kann gesagt werden, gefällt das eine Medium, gefällt auch das andere, egal, welches man zuerst konsumiert.

Gefällt einem das eine nicht, oder ist es zu anspruchsvoll, wird es sich so auch andersrum verhalten.

Ich hoffe ihr habt mein Gedankenwirrwarr entschlüsseln können.
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Oscar Matzerath (David Bennent) wird im Jahr 1924 in Danzig geboren. Seine Mutter Agnes (Angela Winkler) wurde auf dem Kartoffelfeld gezeugt, weil ein gesuchter Brandstifter (Roland Teubner) sich erfolgreich vor der Polizei unter den vier Röcken der kaschubischen Bäuerin Anna (Tina Engel) verstecken konnte. Als alte Frau (Berta Drews) wird sie am Schluß des Films sagen, dass die Kaschuben immer den Kopf hinhalten müssen, damit andere draufhauen können, nur halb Polen, nur halb Deutsche - eben nichts Richtiges seien sie, die Kaschuben. Schon als kleines Kind ist der kleine Oscar von der Welt der Erwachsenen äusserst irritiert. Es ist auch nicht mal klar, ob jetzt Jan Bronski (Daniel Olbyrchski), der polnische Cousin der Mutter, oder der einfältige Kolonialwarenhändler Alfred Matzerath (Mario Adorf) der Vater von Oscar ist.

Schon bei der Geburt schrie Oscar wie am Spieß und wollte eigentlich lieber wieder zurück in die Wärme des Bauches seiner Mutter, doch das war nicht mehr möglich. Die Mutter verspricht ihm, dass er an seinem 3. Geburtstag eine Blechtrommel erhalten soll - die Aussicht auf dieses Geschenk versöhnt ihn etwas mit der verstörenden Welt, in die er da hineingeboren wurde. Doch er beschliesst an diesem 3. Geburtstag - nachdem er die Blechtrommel geschenkt bekam - sein Wachstum einzustellen. Dies gelingt ihm mit einem Sturz auf der Kellertreppe in die Tiefe. Sein Protest gegen die Welt der Erwachsenen war somit erfolgreich. Fortan artikuliert er eine starke Protesthaltung mit dieser blechernen Kindertrommel, wenn die alte kaputt ist, dann kriegt er im Laden des jüdischen Spielwarenhändlers Sigismund Markus (Charles Aznavour) eine Neue. Wenn man ihm die Trommel wegnehmen will, dann kann sich Oscar durch ganz schrille Schreie wehren, die Glas zersplittern lassen.
Bei einem Zirkusbesuch im Jahr 1936 freundet sich der zwölf Jahre alte und noch immer 94 Zentimeter große Oskar mit dem 53jährigen Liliputaner Bebra (Fritz Hakl) an. Dieser will Oskar für seine Truppe gewinnen, doch Oskar zieht es vor, in Danzig zu bleiben.

Mit dem Siegeszug des Dritten Reiches wird auch Danzig zum Pulverfass und es weht in der Stadt der Geruch der Vernichtung. Oscar trifft auf die Korridor-Nazis und ihren Führer Loebsack (Ernst Jacobi), der sich auf den Aufmarsch seiner Parteigenossen freut, zu denen auch irgendwann Oscars mutmaßlicher Vater Alfred gehört. Mit Hilfe seiner geliebten Trommel verwandelt den Parteiaufmarsch aber zu einer harmonischen Tanzveranstaltung, es wird nicht der letzte Protest sein, den der kleinwüchsige Protagonist mit der Trommel und den Schreien formuliert. Er wird älter und immer mehr zum Aussenseiter. Am Ende - an der Beerdigung von Alfred - entscheidet sich Oscar wieder zu wachsen...

Der Roman "Die Blechtrommel" von Günter Grass wurde im Jahr 1959 veröffentlicht und sehr viele Regisseure wollten die Geschichte fürs Kino verfilmen. Doch erst Volker Schlöndorff bekam vom Autor den Zuschlag. Es war vielleicht die Begeisterung die Grass für den Schlöndorff Film "Der junge Törless" empfand, er bewunderte dessen Adaption des Musil Romans. Daher arbeitete der Autor auch am Drehbuch mit. Es ist aber vor allem auch die verstörende Bildsprache, angelegt zwischen Realismus und Surrealismus, dem der Film seinen großen Erfolg verdankt. Drehbuchautor Jean-Claude Carriere verfasste vor dieser Arbeit zahlreiche Skripts für den großen Bunuel. "Belle de Jour", "Die Milchstraße", "Der diskrete Charme der Bourgeiousie", "Das Gespenst der Freiheit" oder "Dieses obskure Objekt der Begierde" gehen auf sein Konto.
Immer wieder schockt ode verwirrt der Film: Der Liliputaner Zirkus im Nachtleben von Paris, ein abgeschnittener Pferdekopf, aus dem Aale hervorquellen, eine Nazi-Kundgebung, die mit einem Walzer (An der schönen blauen Donau) endet, der Sex mit dem Hausmädchen (Katharina Thalbach), die später den Witwer Alfred heiratet und ein Kind bekommt, dass auch von Oscar sein könnte.

Schlöndorffs Blick auf das kleinbürgerliche Milieu fällt sehr kritisch aus, er entlarvt diese Umgebung als extrem fruchtbarer Nährboden für die NS-Diktatur. "Die Blechtrommel" wurde ein riesiger internationaler Erfolg und endlich konnte der deutsche Film auch bei der begehrten Oscar-Vergabe triumphieren. Schlöndorffs Film über Protest und Verweigerung wurde mit dem Oscar als bester ausländischer Film ausgezeichnet. Aus heutiger Sicht ist "Die Blechtommel" immer noch ein Meisterwerk des Erzählkinos, ein reichhaltiger Bilderbogen der jüngsten deutschen Geschichte, voll mit schwarzem Humor, Groteske und Perversion. Die pessimistische Familiensaga wird erst im letzten Moment von einem kleinen Hoffnungschimmer durchbrochen. Allerdings sind die Bezüge zum Heute und Hier schwer zu finden. Die Geschichte wirkt merkwürdig zeitfern und als Zuschauer habe ich das Gefühl, dass ich eine längst vergangene Welt und Zeit besucht habe. Der Zug, der am Ende zu neuen Ufern aufbricht, führt irgendwie wieder ans Licht aus einem seltsamen Traum.
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26 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Februar 2006
Ich habe das Buch gelesen , BEVOR ich den Film gesehen habe und ich würde dies auch allen anderen empfehlen , bevor sie den Film kritsieren. Denn es geht völlig ins Leere , dem Film vorzuwerfen , das die Figur Oskar nervig und penetrant sei!! Gerade darum geht es nämlich im Buch und somit auch im Film : Um einen nervigen , neunmalklugen , Glas zersingenden und anarchischen Quälgeist !!
Was die "Pornoszenen" betrifft : Auch die hat sich nicht der Filmemacher ausgedacht ! Die stehen alle im Buch, sogar mehr als im Film !
Der Film soll "krank und verrückt" sein ? JA ! Genauso wie das Buch ! Oder ist es normal , dass ein Kind absichtlich das Wachsen einstellt und Glas zersingen kann ?
Wer das Buch liest , wird gleich aufgeklärt. Im ersten Kapitel ( Zeit 50'er-Jahre ) sitzt Oskar in der Nervenanstalt (Klapse).
Für mich ist die Verfilmung der Blechtrommel sehr gelungen aber nur in Verbindung mit dem Buch wirklich sinnvoll. Dies gilt im übrigen für jeden halbwegs anspruchsvollen Film.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Das filmische Meisterwerk als solches bedarf wohl keiner weiteren Kommentierung; dies hieße nach dreißig Jahren der Rezeption des Films wohl "Eulen nach Athen zu tragen." Der Film polarisiert ebenso wie die Vorlage. Es handelt sich für mich schlichtweg um eine hervorragende Umsetzung des eigentlich "unverfilmbaren" Romans unseres Danziger Nobelpreisträgers.

Der "Directors Cut" Schlöndorffs besticht unter anderem durch die Verwendung einer bisher nicht enthaltenen, außerordentlich wichtigen Schlüsselszene, nämlich dem Monolog Oskars zu dem Schwanken zwischen der von ihm bevorzugten Literatur. Während (in Oskars Phantasie) eine Orgie des ihn schließlich segnenden Rasputins abläuft, spricht er in einer für einen elfjährigen Jungen kaum fassbaren, schauspielerischen Leistung direkt in die Kamera und erklärt dem Zuschauer gleichsam seine Entwicklung unter anderem mit den Worten: "Sie werden sagen, in welch` begrenzter Welt musste sich der junge Mensch heranbilden!" Für jeden Liebhaber dieses Films stellen diese und andere eingefügte Szenen eine großartige Bereicherung dar. Dies gilt umso mehr, wenn man sich den unbeschreiblichen Aufwand vergegenwärtigt, den die Erstellung des "Directors Cut" mit sich gebracht hat, denn die neuen Szenen mussten nachsynchronisiert werden; was vor dem Hintergrund der heute "erwachsenen" Stimme David Bennents ebenfalls hervorragend gelungen und auch in den Extras dokumentiert worden ist.

Einen Stern ziehe ich ab wegen der suboptimalen technischen Umsetzung auf das Blu-Ray Format. Hier zeigen insbesondere die "Majors" aus Hollywood, was mit der heutigen Technik zum Teil bei noch älteren Filmen machbar ist(z.B.: "Der unsichtbare Dritte" oder "Bullitt"). Die Auflösung läßt insbesondere in den Totalen zu wünschen übrig. Deutlich besser sieht es demgegenüber in den Nahaufnahmen oder Porträits sowie bei den Farben aus. Auch das Rauschen in dunklen Szenen hätte man wohl noch etwas besser unterdrücken können. Die Umsetzung des Tonformats ist dagegen recht gut gelungen! Aber insgesamt haben die Produzenten - wohl auch aus Kostengründen - einfach nicht auf die Ressourcen zurückgreifen können, die etwa ihren Kollegen in den Staaten zur Verfügung stehen!

Unbedingt kaufen!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Oktober 2009
ein großartiger film aus der erzählperspektive von oskar, der im alter von 3 beschließt nicht mehr zu wachsen. seine stimme und sichtweise begleitet uns durch den 2.weltkrieg. der film basiert auf der weltberühmten romanvorlage von günther grass (wäre interessant jetzt nachzulesen) für das erscheinungsjahr ist der film überraschend skandalös und frech im umgang mit der sexualität. es werden auch sehr viele grausige, ekelerregende szenen gezeigt (aalfang im pferdekadaver...) die stimmungen und bilder des film sind meiner meinung nach unglaublich humorvoll und witzig obwohl grausam und tragisch. viele handlungen erscheinen skurill und nicht nachvollziehbar. doch ich denke gerade das macht den großen reiz dieses filmes aus!
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15 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Juli 2010
Alles in allem ziehe ich meinen Hut vor diesem Endresultat...aber alles der Reihe nach...

Zur Story (für Kenner eher unwichtig, Neulinge hierzu kurz erwähnt)

- Klein Oskar Matzerath (grandios gespielt von David Bennent) ist mit drei Jahren ein Junge, der beschließt, dass er aus Protest gegen die achso scheinheilige Erwachsenenwelt nicht mehr wachsen will und stürzt sich kurzerhand die Treppe runter. Mit schriller Stimme und Blechtrommel gerüstet protestiert er gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Er wird älter aber wächst halt nicht mehr. Der Einblick in seinem Leben ist in einzelnen (historischen)Epochen widergegeben...Ende der Weimarer Republik, 1. Weltkrieg, Nationalsozialismus, 2. Weltkrieg etc. Er beeinflusst durch sein handeln hier und da die Geschichten rund um seine Familie. Mit teils selbstironischen und sarkastischen Monologen heitert er den Zuseher desöfteren auf. Schicksalsschläge rund um sein eigenes Leben wie auch das der Familie fahren mit dem Zuschauer Achterbahn und sind in jeder Hinsicht sehenswert

Bild und Ton

- die Bildqualität ist für ein Film diesen Alters recht gut umgesetzt. Sehr plastisch und scharf. 1,66:1 Gelungen!
- der Ton ist in 5.1 DTS-HD Master Audio und gefällt recht gut bei entsprechendem Equipment. Gute Bässe und klar klingende Höhen. Alles in allem muss so ein gutes Ton-Ensemble arrangiert sein.

Fazit von mir persönlich:

Der Film gehört gekauft und basta!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Juni 2015
Wie war das nochmal bei den Gebrüdern Grimm?
Die Geschickte von nackten König? Alle dachte, sie seien dumm und mussten deshalb (...), darauf sagte das kleine Kind:
"Hört mal her Leute, das ist ein Scheißfilm, kapiert?!"
Und alle fingen an glücklich zu applaudieren.

Ende....
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18 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Dezember 2001
Die Umsetzung auf die DVD ist wirklich gut gelungen. Den Inhalt brauche ich nicht erklären (er würde den Rahmen sprengen - schaut ihn euch an). Der Film wurde in den 70er Jahren gedreht und bekam mehrere Auszeichnungen (Goldene Palme, Acedemy Award etc.). Und für eine so gute DVD-Umsetzung die ein animiertes Menü, ein Making-Of, einen originalen Kinotrailer von damals sowie einen interessanten Audiokommentar (endlich mal in deutsch)enthält, hat nun wirklich fünf Sterne verdient. Und der Ton ist in Dolby Digital 5.1 - gut nachbearbeitet! Empfehlung: KAUFEN
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7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Gleich vorab: für einen 30 Jahre alten Film kann sich die Bild- und Tonqualität der BluRay durchaus sehen lassen! Das Bild besticht durch enorme Schärfe und Plastizität. So manche Klassiker könnten sich hier noch eine Scheibe abschneiden. Wirklich gut restauriert! Auch der Ton ist einwandfrei und klar. Zwar darf man hier kein Effektgewitter erwarten aber tiefe Bässe und einige Effekte sind durchaus vorhanden (5.1 DTS MA).

Zum Film: der Directors Cut ist klasse! Auch wenn der Film mit 163 min. etwas länger ist, langweilig wird es keinesfalls. Der Film benötigt diese Länge um das Thema und die Botschaft zu vermitteln und ich würde keine Szene als überflüssig bezeichnen.

Film und Qualität der BluRay also TOP!

FLOP ist leider die Verpackung. Beworben wird die BluRay von Kinowelt als Wendecover was für die Amaray Version auch zutreffen mag. Der schöne Schuber der Erstauflage besitzt jedoch leider den hässlichen FSK16 Flatschen und ist nicht ablösbar. Warum kann man den Flatschen nicht in die Folie einarbeiten oder als Aufkleber gestalten wenn man sich schon die Mühe mit dem Wendecover macht? Für mich als Sammler eine große Enttäuschung, denn was nützt mir ein Wendecover wenn der Schuber wiederum vom FSK Logo geschmückt wird?
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