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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwierige Musik in hervorragender Einspielung, 2. Mai 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Sinfonien / Leutnant-Kije-Suite (Audio CD)
Serge Prokofieff zählt zu den fleißigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Stil ist geprägt von gemäßigter Modernität, was ihn für Einsteiger in die Neue Musik willkommen macht. Seine sehr differenzierte Klangsprache allerdings ist äußerst gewöhnungsbedürftig und bedarf vieler Zeit.

Aber gerade das ist es ja, was uns die Neue Musik sagen will: Es entsteht täglich so viel Anderes, Neues. Was nimmt es da Wunder, dass nicht alles leicht verdaut werden kann.

Seine erste Sinfonie in D Dur op. 25 ist gewiss eine frotzelnde Hommage an Joseph Haydn. Ein köstliches Werk voller Abwechslung und Nostalgie. Prokofieff zeigt sich hier offenkundig zynisch gegenüber den Musikliebhabern seiner Zeit, die so gerne wieder harmonische, geradezu romantische Musik hören wollten. Interessanterweise verwendet der Komponist als Tanz eine Gavotte von russischem Charme.

Als ein "Werk aus Stahl und Beton" bezeichnete Prokofieff seine zweite Sinfonie in d moll op. 40. Prokofieff war vom technischen Fortschritt seiner Zeit begeistert. Diese Begeisterung schlägt sich in diesem brutalen Stück nieder, aber gewiss nicht gänzlich ohne Kritik. Ein berstendes Orchester, schmetterndes Blech und ein gnadenloses Uhrwerk kennzeichnen den ersten Satz. Der zweite und letzte Satz ist ein langer Variationszyklus voller Differenzen, Ungleichheiten und Bizarrem. Eine wunderbare, wenngleich nicht ganz einfache Sinfonie.

In enger Verwandtschaft zum Topos des Fortschrittsglaubens steht auch die dritte Sinfonie in c moll op. 44. Das ultralaute Blech bestimmt weite Teile des ersten und dritten Satzes. Von Ruhe und Einhalt gibt es aber auch in den anderen Sätzen keine Spur: Diese Sinfonie scheint wesentlich kritischer zu sein als ihre Vorgängerin. Der Hörer gewinnt allerdings den Eindruck, dass weite Teile des mäßig langsamen Finals versanden, dass Prokofieff seine Aussage aus den Augen verloren hat.

Seine vierte Sinfonie in C Dur op. 47 überarbeitete der Russe, nachdem sie bei ihrer Uraufführung durchfiel, und veröffentlichte sie wesentlich später erneut unter op. 112. Ihr suitenhaftiger Charakter wird von jeher kritisiert. Während die Kopfsätze vor Energie strotzen, zeichnen sich die mittleren Sätze eher durch Ruhe und Andacht aus. Dass das funktionieren kann, bewies kein Geringerer als Gustav Mahler in seiner siebten Sinfonie. Prokofieff allerdings misslingt dieses Wagnis, wenn auch die Kopfsätze sehr ansprechend sind und auch die Binnensätze ihren Reiz haben: Der Zusammenhalt fehlt.

Zu seinem Ballett Lieutenant Kijé arrangierte Prokofieff eine sinfonische Suite op. 60. Ein spritziges Werk mit einem eingängigen Hauptthema im ersten Satz. Andreas Schmidt singt wunderbar auf Russisch in den Sätzen zwei und vier. Dieses Oeuvre ist eines der Highlights in diesem Box Set.

Seine fünfte Sinfonie B Dur op. 100 schrieb Prokofieff zum Auftakt einer Reihe von gesellschaftkritischen Sinfonien, da er den Stalinismus im Privaten verurteilte. Der ruhige erste und dritte Satz spiegeln die Resignation der liberalen Schichten wieder. Im zweiten und vierten Satz wird von Wut und Angst Zeugnis abgelegt. Die Resignation überwiegt, ein abschließendes Strahlen bleibt dem Werk verwehrt.

Zum Aufbruch hingegen bläst die sechste Sinfonie in der Tonart der Eroica Es Dur op. 111. Die dreisätzige Anlage lässt überraschenderweise ein wunderbar in sich geschlossenes Ganzes entstehen. Nach einem Kräfte Sammeln im zweiten Satz wird es wild und sehr laut: nervend laut. Dennoch: Was für ein Siegesmarsch, was für ein strahlender Abschluss!

Von vielen wurde die liebliche siebente Sinfonie op. 131 als eine Art innerer Resignation Prokofieffs gedeutet. Sie spiegelt gutmütig die jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen in Russland wider. Auch wenn sie recht leicht zugänglich ist, so darf dennoch nicht die tiefe Trauer im dritten Satz übersehen werden, die durchaus noch politischen Bezug zu haben scheint. Eine herrliche Sinfonie!

Die Berliner Philharmoniker lassen sich ohne Vorbehalte auf diese komplexen Stücke des russischen Komponisten ein, Seiji Ozawas Dirigat ist, wie so oft, brillant. Die Tonqualität ist superb.

Fazit: Auch wenn alle Werke Serge Prokofieffs eindeutig den Zeitgeist des Neuen Russlands widerspiegeln und teils zynisch, teils ironisch Kritik geübt wird, so muss doch festgehalten werden, dass nicht jedes Werk des Komponisten vollauf befriedigend wirkt. Dennoch, eine tolle Interpretation von zum größten Teil großartigen Werken!
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9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut, 11. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Sinfonien / Leutnant-Kije-Suite (Audio CD)
Ich kann mich den Worten meines "Vorredners" nur anschließen. Mir gefallen die 4 CD mit den Symphonien und der Leutnant-Kije-Suite sehr gut. Gleiches gilt für die Einspielung und Interpretation der Berliner Philarmoniker. Ich war schon seit längerem auf der Suche nach einer Aufnahme der o.g. Suite. STING hat sich in seinem Stück Russians übrigends eines der Themen dieser Suite bedient, ebenso die englische Rockband MAGNUM, welche zu Beginn der Konzerte oft Teile der Suite vom Band laufen ließen.

Ich kann die CDs nur empfehlen - der Preis ist absolut ok!
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Die Sinfonien / Leutnant-Kije-Suite
Die Sinfonien / Leutnant-Kije-Suite von Andreas Schmidt (Audio CD - 2000)
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