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Die preisgekrönte Literaturverfilmung von E.M. Forsters empfindsamen Romanwerkes spiegelt die Schönheit der Erzählung mit eindringlichen Bildern und eindrucksvoller Musikuntermalung. Zwischen Tradition und Moderne zeigt sich die angedeutete Umbruchstimmung der Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit setzt die Geschichte ein, genauer gesagt, in "Howards End", dem Landhaus der Familie Wilcox, die als Gast die junge Helen Schlegel aus London beherbergt. Was mit einer vorschnellen und bald wieder gelösten Verlobung zwischen Helen und Paul beginnt, entwickelt sich zu einer fast schon schicksalhaften Symbiose der gegensätzlichen Familien Schlegel und Wilcox.

Dabei steht immer die Frage im Raum, was ein wirkliches Zuhause bedeutet. Ist es überhaupt wichtig, einen festen Lebensmittelpunkt zu haben?

Für Mrs. Wilcox bedeutet ihr Elternhaus "Howards End" einfach alles. Es ist ihr jedoch bewusst, dass ihr Mann und auch ihre Kinder diese Empfindungen nicht mit ihr teilen. Als sie erfährt, dass ihre neue Freundin, Margaret Schlegel, das Haus ihrer Geburt in naher Zukunft aufgeben muss, trifft die todkranke Frau eine folgenschwere Entscheidung. Sie hinterlässt ihr einziges Erbe, "Howards End", der jungen Miss Schlegel, die ihr in den letzten Wochen ihres Lebens so viel Gutes geschenkt hat, ihrer Familie aber völlig fremd ist. Folgerichtig ignoriert die Familie Wilcox dann auch den letzten Willen der Verstorbenen. Doch "Howards End" scheint ein Eigenleben zu führen und das Geschick der Beteiligten zu beeinflussen...
Parallel zu der Geschichte, die sich um Howards End rankt, wird das tragische Leben des jungen Bankangestellten Leonard Bast (wundervoll poetisch und tragisch: Samuel West) beleuchtet, der durch einen Zufall die Bekanntschaft der gutsituierten Schwestern Margaret und Helen Schlegel macht. Diese Verbindung verläuft, trotz des guten Willens auf beiden Seiten, recht unglücklich. Der Idealismus, der die intellektuellen Damen auszeichnet, scheitert an der unüberwindlich festgelegten Kluft zwischen Arm und Reich. Und da Margaret in der Zwischenzeit mit dem Witwer Henry Wilcox zarte Bande geknüpft hat, kommt es zu weiteren Konflikten, die schließlich eine Entfremdung zwischen den Schwestern bewirkt. Helen, die sich so leidenschaftlich für das Schicksal der Basts einsetzte und nun nicht einsehen will, warum ihr zukünftiger Schwager, der durch einen unbedachten Rat das Unglück ihrer Schützlinge mit verursacht hat, nun nicht zu seiner Schuld stehen kann, bricht mit ihren Angehörigen und Freunden und verlässt beinahe fluchtartig das Land.
Doch es gibt ein Wiedersehen aller Beteiligten - in "Howards End".

Eine gute Besetzung ist für diese an Dialogen reiche Erzählung unabdingbar und sie kann sich in diesem Fall auch wirklich sehen lassen. Emma Thompson ist für die Besetzung der altklugen Margaret Schlegel mit dem fleißigen Mundwerk einfach perfekt. Die leidenschaftliche Helen ist die ideale Rolle für Helena Bonham Carter, die bereits als "Beethoven-spielende-Lucy" in Zimmer mit Aussicht verzauberte. Auch die Wilcox-Männer wurden überzeugend besetzt. Anthony Hobkins ist ein souveräner Henry Wilcox und er sein Auftreten überzeugt durch fast patriarchalische Autorität. James Wilby, dessen Part von Anfang an recht negativ besetzt ist, schafft es für seine Figur des Charles Wilcox am Ende doch noch etwas Empathie aufkommen zu lassen.
Der heimliche Star dieser Verfilmung ist jedoch Vanessa Redgrave. Ihre Figur schafft es im Roman, die Stimmung bis zur letzten Seite zu beeinflussen, obwohl sie ja schon im Kapitel 10 verstirbt. Und diese Präsenz verleiht die filmische Ruth Wilcox. Allein die Eingangsszene des Films ist grandios und gehört nur ihr und ihrem geliebten Besitz. Im Abendlicht oder im Morgengrauen umrundet sie Howards End. Ihre anmutige Gestalt verschmilzt mit der Schönheit der Natur. Sie wirft einen Blick auf die fröhliche Gemeinschaft, die im Haus zusammen ist und ein beglücktes Lächeln verzaubert ihre Gesichtszüge. Wann immer man in der Folge dieses Haus sieht, mit seinen fest verwurzelten Mauergeflecht, wird man an diesen ersten Augenblick zurück denken und an das Gefühl, welches diese erste Szene mit viel Erwartung geweckt hat.

Das Bild ist überraschend klar und scharf. Manchmal vielleicht etwas zu scharf, denn man kann in einer Szene sogar die Hautunreinheiten von Emma Thompson bemerken. Die Kulissen sind dagegen immer wunderschön. Egal, ob sie die Stadtansichten in London zeigen oder ländliche Idylle andeuten.
Die Musik ist sehr stimmungsvoll. Allerdings wirkt sie manchmal schon fast zu dramatisch, wenn Londoner Straßen gezeigt werden. Vielleicht sollte damit die bedrohliche Stimmung einer unpersönlichen Großstadt angedeutet werden, aber die Wirkung wurde etwas übertrieben, vor allem wenn man bedenkt, dass die Schlegel Schwestern, um die es hier in der Hauptsache geht, auch ziemlich normal in London aufgewachsen sein sollen. Gelungen dagegen ist die musikalische Szene in der Mr. Bast von Helen der Regenschirm entwendet wurde. Diese Szene kommt so nicht im Roman vor, wurde aber ganz hervorragend gelöst.
Die DVD-Ausgabe kommt ohne nennenswerte Extras aus, aber präsentiert das Meisterwerk in zufriedenstellender Qualität.
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am 21. April 2010
In diesem Film sehen wir "die" englischen Schauspieler, die man sich bei diesem Thema und zu der Zeit in der der Film spielt, vorstellt! Für mich ist es die Kombination aus Schauspiel, Kostümen und Art Direction, die den besonderen Charme dieses Films ausmachen. Ein typischer James Ivory eben!Der Film ist absolut empfehlenswert!!
Zur DVD kann man sagen, dass es eine typische Arthaus Single Disc Version ist. Den Trailer dazu und fertig...!!? Wenn man mehr Extras genießen will muss man tief in die Tasche greifen und die Special Ed. kaufen. Arthaus Abzocke!
Bild und Ton sind für mich in Ordnung. Wer nur den Film genießen möchte - Kaufempfehlung!!!
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am 19. Juli 2009
Howards End stellte nach Maurice und Zimmer mit Aussicht die dritte Verfilmung eines Edward Morgan Forster Werkes von James Ivory dar. Im gesellschaftskritischen Oeuvre von Forster sicher die schonungsloseste und entlarvendste Zeichnung spätviktorianischer Prüderie und Standesdünkel. Anfang des 20. Jahrhunderts kreuzen sich auf einer Reise die Wege der Geschwister Schlegel, intellektuelle, progressive und sozialkritische Freigeister der englischen Mittelklasse und der gut betuchten Familie Wilcox, die ein in Konventionen gefangenes Leben führt. In der Folge verstricken sich die beiden gegensätzlichen Familien in ein komplexes Geflecht von Beziehungsstrukturen, die in Auseinandersetzungen um die Emanzipation von gesellschaftlichen Zwängen münden, deren Gravitationszentrum das Anwesen Howards End der Familie Wilcox ist.

Ivorys Verfilmung versucht dem Anspruch der Werktreue mit penibler und akurater Darstellung und schwelgerischer Ästhetik des spätviktorianischen Gesellschaftsbildes gerecht zu werden. Die Ausstattung der Sets ist entsprechend detailliert. Vor allem die Kameraarbeit ist so impressionistisch, dass man fast meinen könnte, Ivory versucht auf sublime Art und Weise und mit sensiblem Empfinden für die Zeit diese untergegangene Epoche auferstehen zu lassen. Was allerdings auch zwangsläufig dazu führte, dass das Heben des Themas auf eine überzeitliche (zeitlose) Ebene weitgehend verschlossen bleibt, ebenso wie die satirischen Seitenhiebe von Forsters Romanvorlage. Passend gewählt für Ivorys Art der Herangehensweise ist der Soundtrack im Stile der Spätromantik. Herausragend sind die erlesenen schauspielerischen Leistungen. Emma Thompson bekam für ihre Rolle der Margaret Schlegel den Oscar. Dem Ensemble um Hopkins, Thompson und Bonham Carter gelingt es grandios den Konflikt zwischen Lebenslügen, dem Vorspielen und dem Glaubhaftmachen falscher Gefühlswelten und dem daraus resultierenden inneren seelischen Sprengstoff auf die Leinwand zu bringen. Keine der Figuren wirkt bedingungslos sympathisch, da alle ihre wahre Persönlichkeitsstruktur hinter das gesellschaftliche Scheinleben zurückstellen und in der latenten Antizipation der heilenden Kraft der Wahrheit auf dramatische Punkte zusteuern. Gesten, Blicke, Mimik, Bewegungen, Unausgesprochenes anstatt Worte diktieren die wesentliche Kommunikation der Protagonisten.

Die Neuveröffentlichung dieses Sittendramas war längst überfällig. Die DVD ist mit vielen Boni sowie erstmals auch mit Originalbild und -tonspur ausgestattet.
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am 27. Februar 2004
Es ist eine schicksalhafte Bekanntschaft zweier Familien: die Geschwister Schlegel, modern, aufgeschlossen und fortschrittlich denkend, und die Wilcoxes, reich, sehr auf ihren sozialen Status bedacht und einigermaßen gedankenlos. Gedankenlos bis auf Mrs Wilcox (Vanessa Redgrave), die, todkrank, der älteren der Schlegel-Mädels Margaret (gespielt, grandios natürlich, von Emma Thompson) ihr Landhaus Howard's End vermacht. Die Wilcoxes nehmen diesen letzten Willen nicht ernst.
Der Zufall will es, daß Helen Schlegel auf einer wissenschaftlichen Lesung (sehr wissenschaftlich: der Redner will der werten Hörerschaft klarmachen, daß ein großer deutscher Komponist - war es Beethoven? - beim Komponieren eines seiner größten Werke einen Aufzug von Kobolden vor dem inneren Auge gehabt haben will ...) den literarisch und wissenschaftlich interessierten Bankangestellten Leonard Bast kennenlernt. Er lebt aus Pflichtgefühl mit einem "gefallenen Mädchen" zusammen, das er auch heiratet. Helen Schlegel möchte dem ambitionierten Mann helfen, während sich Henry Wilcox (klasse: Anthony Hopkins als stets britischer Patriarch!) in Margaret verliebt ... Die sozialen Gegebenheiten drohen die Schlegels zu zerrütten. Mr Wilcox ist nicht der Gentleman, als der er gilt, und die immer enger werdende Beziehung zwischen Helen und Leonard läuft völlig aus dem Ruder.
So wartet das traumhafte Howard's End im Wandel der Jahreszeiten, um am Ende als Schauplatz eines dramatischen Showdowns zu dienen; hier schließt sich der Kreis. Das Anwesen in seiner herzzerreißenden Romantik macht diesen Film zu einer bildgewaltigen, vielschichtigen Erzählung, die Schauspieler sind stets überzeugend und stellen die inneren Konflikte, in denen sie stecken, mitreißend glaubwürdig dar. Dieser Film ist großartig. Die deutsche Version nimmt viel Atmosphäre, während diese DVD, wie so viele Originalversionen, die volle Bandbreite an Stimmung und Dramatik zeigt. Ich schreibe diese Rezension auch deshalb, weil ich auf die Untertitel hinweisen möchte, die diese phantastische Geschichte so vielleicht auch Leuten, die bisher gezögert haben, interessant macht!
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am 23. Februar 2011
Man sollte sich nicht von der (wirklich prachtvollen) Ausstattung dieses Films täuschen lassen: "Howard's End" ist zu allererst ein Meisterwerk im Erzählen, im Konstruieren einer Handlung, und auch ein Meisterwerk seiner Schauspieler. Obwohl die Geschichte bis ins kleinste Detail plausibel und nachvollziehbar erscheint, überraschen die Wendungen der Story. Das ist beste, tiefsinnige Unterhaltung. Ein wehmütiger Film über die Kompromisse des Lebens, die Mißverständnisse und Lügen, aber auch darüber, wie "versehentlich" manchmal doch alles ins Lot kommen kann. Großartig.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. Juli 2009
Der englsiche Schriftsteller Edward Morgan Forster wurde am 1. Jan. 1879 als Sohn eines Architekten geboren. Da der Vater früh starb, hatten seine Mutter und seine Tante Marianne Thornton den stärksten Einfluss auf sein Leben und seinen Werdegang. Als Mitglied der höheren Kreise durfte er in Cambridge klassische Sprachen und Geschichte studieren und war in einigen intellektuellen Zirkeln. Als Erbe seiner Tante wurde er finanziell völlig unabhängig und unternahm am Anfang des letzten Jahrhunderts mehrere ausgedehte Reisen, nach Deutschland, Griechenland und Italien, wo er immer wieder zurückkehrte. Er begann das Schreiben und nach einigen erfolgreichen Kurzgeschichten verfasste er seine grossen Gesellschaftsromane wie "Zimmer mit Aussicht", "Reise nach Indien", "Wiedersehen in Howards End" oder dem zur damaligen Zeit sehr gewagten Roman "Maurice" über unterdrückte Homosexualität in den feinen Kreisen.
Seine Romane sind geprägt von einer sehr einfühlsamen und exakten Beschreibung der englischen Gesellschaft in der Zeit um 1900 bis 1920, Forsters treffende Beobachtungsgabe liess ihn zu einem sehr subtilen Zeitzeugen machen.
Seine Werke, die die Zwänge der wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich einflussreichen Klasse, der etablierten Elite aufzeigt, sind in den 80er Jahren durch die britischen Regisseure David Lean (Reise nach Indien) und vor allem durch James Ivory für das zeitgenössische Kino äusserst erfolgreich wiederentdeckt worden und machten den Schriftsteller auch einem ganz neuen jüngeren Publikum bekannt.
Tatsächlich gelang es allen Verfilmungen dem Geist der Vorlage gerecht zu werden und die Geschichten äusserst werkgetreu und atmosphärisch stimmig in grosse Kinobilder zu verwandeln.
"Howards End" wurde 1992 vom gleichen Team realisiert, das schon erfolgreich bei "Zimmer mit Aussicht" und "Maurice" (leider immer noch nicht auf DVD erschienen) zusammenarbeitete: Director James Ivory, Produzent Ismael Merchant und das Drehbuch wie gewohnt brilliant von Ruth Brawer Jhabwala verfasst. Die superben Bilder entwarf Kameramann Tony Pierce-Roberts.
Im spätviktorianischen England kreuzen sich die Wege der unkonventionellen, recht progressiven und emanzipierten Schlegel-Schwestern, Margaret (Emma Thompson) und Helen (Helena Bonham Carter) mit denen der sehr konservativen Familie Wilcox.
Die Familien lernen sich auf einer Wanderung in Deutschland kennen, die jüngere Helen besucht daraufhin den Landsitz der Wilcox, Howards End, und hat dort einen Flirt mit dem jüngsten Sohn der Wilcox (Joseph Bennett). Natürlich wird das Techtelmechtel von allen Seiten gebührend hochgespielt und ins Korsett der gängigen standesgemässen Konventionen gepresst, obwohl sich alles als harmlos und nicht weiter relevant herausstellt, aber fortan sind die Familien irgendwie miteinander verbandelt, man weiss aber auf keiner Seite, wie man damit umgehen soll. Problematischer wird es, als die Wilcox (Anthony Hopkins/Vanessa Redgrave) in London direkt bei den Schlegels gegenüber ein Haus beziehen. Margaret macht daraufhin einen Anstandsbesuch bei der Familie und freundet sich mit Mrs. Wilcox an, die schwer krank ist.
Helen lernt durch einen Zufall (sie verwechselt Regenschirme) den mittellosen, jungen Bankangestellten Leonard Best (Samuel West) kennen...
Arthaus Premium präsentiert den 3fachen Oscargewinner von 1993 (Emma Thompson, bestes Drehbuch, bestes Szenenbild) in einer sehr wertvollen Edition mit einigem an Bonus und mit einer sehr guten Bildqualität.
Wer gerne in eine andere Zeit eintauchen möchte, der ist bei "Howards End" richtig. Der Film schafft es perfekt die damalige Zeit und die Menschen darin zu porträtieren und die Schauspieler verbringen Höchstleistungen, um die Figuren mit all den Stärken und Schwächen "echt" werden zu lassen.
Sicherlich sind Filme wie "Howards End" nicht jedermanns Sache, denn sie bieten wenig Action und man muss sich schon die Mühe machen, einzutauchen und etwas Geduld aufbringen, den die Geschichte entwickelt sich nur langsam.
Für mich ist "Howards End" eine sehr gelungene Literaturverfilmung auf höchstem Niveau. Eine gute Empfehlung für Freude guter Filme mit historischem Hintergrund.
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am 14. März 2008
Es ist die edwardianische Zeit in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Zwei Familien stehen miteinander in einer seltsamen Verbindung. Da sind die feingeistigen und idealistischen Schlegel-Schwestern Margaret (Emma Thompson) und Helen (Helena Bonham-Carter), die gerne in Diskussions- und Literaturzirkeln verkehren und ein unabhängiges Bohèmeleben führen. Auf der anderen Seite, gibt es die kapitalistischen, altmodischen und nüchternen Wilcoxes.
Immer wieder kreuzen sich die Wege dieser Familien. Zuerst als sich Helen und der jüngere Sohn Paul Wilcox überstürzt verloben und diese Verlobung dann ebenso schnell wieder lösen. Einige Zeit später beginnt Margaret eine Freundschaft zu Ruth Wilcox (Vanessa Redgrave) der Mutter der Familie. Als Ruth unerwartet stirbt vererbt sie Margaret Schlegel sogar ihr Geburtshaus Howards End. Die Familie Wilcox lässt Margaret über dieses Erbe allerdings im Dunkeln und speist sie mit einem Riechfläschchen als Erinnerungsstück ab. Trotz dieser Widrigkeiten heiratet Margaret später sogar den Witwer Henry Wilcox (Anthony Hopkins).
Und da gibt es noch den kleinen Versicherungsangestellten Leonard Bast (Samuel West), ein Bekannter der Schlegels, der dieses fragile Gefüge aus Geldstreben, geschäftlichem Kalkül, Idealismus und freier Denkart unbeabsichtigt ins Wanken bringt. Auf Ratschlag der Schlegel-Schwestern hin hat Mr. Bast seine Stellung bei der Versicherung gekündigt und ist dadurch an den Rand der Armut geraten. Helen Schlegel fühlt sich schuldig und engagiert sich leidenschaftlich für Leonard Bast, dies führt aber zu Zwiespalt unter den Schwestern. Als sich beide Schwestern endlich in Howards End wieder sehen kommt es zu dramatischen Ereignissen.

"Howards End" ist nach "Zimmer mit Aussicht" und "Maurice" die dritte Verfilmung eines E.M. Forster Romanes durch das erfolgreiche Merchant-Ivory Gespann. Und wie nicht anders zu erwarten war, ist diese opulente Verfilmung meisterhaft gelungen.
Besonders überwältigend und bildgewaltig sind die Kulissen (Alleine die Location für Howards End hätte nicht schöner sein können), dazu Wohnungseinrichtungen, die bis ins kleinste Detail stimmig sind und nicht zuletzt auch die erlesenen Kostüme, die zum Beispiel Margarets Werdegang von der Bohème zur reichen Lady hin verdeutlichen.
Auch die Drehbuchadaption von Ruth Prawer Jhabvala lässt keine Wünsche offen. Ohne den Roman von E.M. Forster zu kennen, spürt man doch in jedem gesprochen Satz und jeder Geste dieser großartigen Schauspieler die subtile Kritik des Autors an der Gesellschaft seiner Zeit, den Gegensätzen von gefühllosem Kapitalstreben und der Brotlosigkeit von romantischem Idealismus. Und gleichzeitig spürt man aber auch seine Liebe zu den Menschen, die in Margaret Schlegel eine wunderbare Gestalt erhält. Emma Thompson - so schön wie nie - wurde für ihre lebendige und seelenvolle Darstellung der Margaret mit einem Oscar ausgezeichnet und den hat sie wahrhaftig verdient. Schwer zu sagen ob nicht auch Anthony Hopkins und Helena Bonham-Carter einen Oskar für ihre geniale und glaubwürdige Darstellung zweier so schwieriger Charaktere verdient hätten.
Auf jeden Fall steht und fällt dieser Film, dem es an Actionszenen völlig mangelt, mit seinen hochkarätigen Darstellern und der Kameraführung. Tatsächlich gibt es insgesamt zwei Szenen mit sogenannter "Action", wobei eine Szene (eine Katze wird überfahren) dem Schnitt zum Opfer fiel (so erfährt man aus den Special Features). Wenn ich in der Überschrift von "hochtrabender Langeweile" sprach, so meinte ich genau das damit. Kammerspielartig werden gepflegte Unterhaltungen beim Tee oder Dinner oder in Diskussionszirkeln geführt und nur gelegentliche Spaziergänge durch herrliche Landschaften oder Kulissen bringen einen Hauch von Bewegung in den Film.
Was für ein Segen also, dass jeder einzelne Darsteller in diesem Film sich als Glücksgriff erweist!

James Ivory charakterisiert seine Filme selbst als Filme für "Heart, Mind and Intelligence" und natürlich ist auch Howards End so ein Film für Heart, Mind and Intelligence!
Viel Freude wünsche ich also all jenen Zuschauern, die genau dies besitzen. ;-)

DVD: Obwohl Amazon in seiner Produktbeschreibung eine "deutsche Tonspur" angibt ist diese doch nicht auf der DVD enthalten (siehe Kommentare) Also bitte Vorsicht beim Kauf
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am 19. September 2007
Es ist die edwardianische Zeit in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Zwei Familien stehen miteinander in einer seltsamen Verbindung. Da sind die feingeistigen und idealistischen Schlegel-Schwestern Margaret (Emma Thompson) und Helen (Helena Bonham-Carter), die gerne in Diskussions- und Literaturzirkeln verkehren und ein unabhängiges Bohèmeleben führen. Auf der anderen Seite, gibt es die kapitalistischen, altmodischen und nüchternen Wilcoxes.
Immer wieder kreuzen sich die Wege dieser Familien. Zuerst als sich Helen und der jüngere Sohn Paul Wilcox überstürzt verloben und diese Verlobung dann ebenso schnell wieder lösen. Einige Zeit später beginnt Margaret eine Freundschaft zu Ruth Wilcox (Vanessa Redgrave) der Mutter der Familie. Als Ruth unerwartet stirbt vererbt sie Margaret Schlegel sogar ihr Geburtshaus Howards End. Die Familie Wilcox lässt Margaret über dieses Erbe allerdings im Dunkeln und speist sie mit einem Riechfläschchen als Erinnerungsstück ab. Trotz dieser Widrigkeiten heiratet Margaret später sogar den Witwer Henry Wilcox (Anthony Hopkins).
Und da gibt es noch den kleinen Versicherungsangestellten Leonard Bast (Samuel West), ein Bekannter der Schlegels, der dieses fragile Gefüge aus Geldstreben, geschäftlichem Kalkül, Idealismus und freier Denkart unbeabsichtigt ins Wanken bringt. Auf Ratschlag der Schlegel-Schwestern hin hat Mr. Bast seine Stellung bei der Versicherung gekündigt und ist dadurch an den Rand der Armut geraten. Helen Schlegel fühlt sich schuldig und engagiert sich leidenschaftlich für Leonard Bast, dies führt aber zu Zwiespalt unter den Schwestern. Als sich beide Schwestern endlich in Howards End wieder sehen kommt es zu dramatischen Ereignissen.

"Howards End" ist nach "Zimmer mit Aussicht", "Engel und Narren" und "Maurice" die vierte Verfilmung eines E.M. Forster Romanes durch das erfolgreiche Merchant-Ivory Gespann. Und wie nicht anders zu erwarten war, ist diese opulente Verfilmung meisterhaft gelungen.
Besonders überwältigend und bildgewaltig sind die Kulissen (Alleine die Location für Howards End hätte nicht schöner sein können), dazu Wohnungseinrichtungen, die bis ins kleinste Detail stimmig sind und nicht zuletzt auch die erlesenen Kostüme, die zum Beispiel Margarets Werdegang von der Bohème zur reichen Lady hin verdeutlichen.
Auch die Drehbuchadaption von Ruth Prawer Jhabvala lässt keine Wünsche offen. Ohne den Roman von E.M. Forster zu kennen, spürt man doch in jedem gesprochen Satz und jeder Geste dieser großartigen Schauspieler die subtile Kritik des Autors an der Gesellschaft seiner Zeit, den Gegensätzen von gefühllosem Kapitalstreben und der Brotlosigkeit von romantischem Idealismus. Und gleichzeitig spürt man aber auch seine Liebe zu den Menschen, die in Margaret Schlegel eine wunderbare Gestalt erhält. Emma Thompson - so schön wie nie - wurde für ihre lebendige und seelenvolle Darstellung der Margaret mit einem Oscar ausgezeichnet und den hat sie wahrhaftig verdient. Schwer zu sagen ob nicht auch Anthony Hopkins und Helena Bonham-Carter einen Oskar für ihre geniale und glaubwürdige Darstellung zweier so schwieriger Charaktere verdient hätten.
Auf jeden Fall steht und fällt dieser Film, dem es an Actionszenen völlig mangelt, mit seinen hochkarätigen Darstellern und der Kameraführung. Tatsächlich gibt es insgesamt zwei Szenen mit sogenannter "Action", wobei eine Szene (eine Katze wird überfahren) dem Schnitt zum Opfer fiel (so erfährt man aus den Special Features). Wenn ich in der Überschrift von "hochtrabender Langeweile" sprach, so meinte ich genau das damit. Kammerspielartig werden gepflegte Unterhaltungen beim Tee oder Dinner oder in Diskussionszirkeln geführt und nur gelegentliche Spaziergänge durch herrliche Landschaften oder Kulissen bringen einen Hauch von Bewegung in den Film.
Was für ein Segen also, dass jeder einzelne Darsteller in diesem Film sich als Glücksgriff erweist!

James Ivory charakterisiert seine Filme selbst als Filme für "Heart, Mind and Intelligence" und natürlich ist auch Howards End so ein Film für Heart, Mind and Intelligence!
Viel Freude wünsche ich also all jenen Zuschauern, die genau dies besitzen. ;-)

DVD:
(Digitally remastered and restored), Special Widescreen Edition:
Lauflänge: 136 Minuten, DVD 9, Stereo Dolby 5.1, 2 PAL, 2.35:1 Anamorph, Widescreen Version.
Special Features: Helena Bonham-Carter talking about Howards End, Ismail Merchant and James Ivory talking about Howards End, The Design of Howards End, Luciana Arrighi talking about her drawings for Howards End.

Ärgerlich und unverständlich: Für diese rein englischsprachige DVD gibt es keinerlei Untertitel!

Free Bonus Disc: In dieser "Merchant Ivory Collection" ist noch eine Bonus Disc enthalten, die sich mit dem Gesamtwerk von Ismail Merchant und James Ivory befasst. Mit Kommentaren und Filmausschnitten werden alle bedeutenden Filme von Merchant und Ivory seit den 60er Jahren vorgestellt.
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am 31. Oktober 2015
London im frühen 20. Jahrhundert: Die Schlegel-Familie betrachtet sich als durch und durch englisch. Der deutschen Namensgeber ist inzwischen verstorben. Neben der Tante Juley (Prunella Scales) leben noch die Schwestern Margaret (Emma Thompson) und Helen (Helena Bonham Carter) sowie der jüngere Bruder Theobald, genannt Tibby (Adrian Ross Magenty) in der noblen Wohnung. Eine kurze Begegnung mit der englischen Familie Wilcox beim Urlaub in Deutschland hat Folgen. Helen freundet sich mit Paul (Joseph Bennett), dem jüngeren der beiden Söhne an. Sie trifft sich mit im auf Howards End, dem Landhaus der Familie Wilcox. Weil dieser aber kurz vor der Abreise nach Nigeria steht und Tante Juley sich einmischt, wird nichts aus der Verbindung und Helen beschliesst, der Familie Wilcox aus dem Weg zu gehen. Einige Monate später macht sie in London Bekanntschaft mit dem verheirateten Versicherungsangestellten Len Bast (Samuel West), weil sie versehentlich seinen Regenschirm mitnimmt. Zunächst scheint die Begegnung ohne Folgen zu bleiben. Einige Zeit später verschlägt es die Familie Wilcox doch wieder in die Nähe der Schlegels, denn in London müssen plötzlich auch reiche Leute umziehen, weil die Stadt Wohnhäuser baut. Helen beschliesst deshalb, eine Zeit lang nach Hamburg zu Verwandten zu ziehen, weil sie eine peinliche Begegnung vermeiden will. Das gibt Margaret die Gelegenheit ins Gespräch zu kommen mit Ruth Wilcox (Vanessa Redgrave), der gesundheitlich angeschlagenen Gattin des Familienoberhaupts Henry Wilcox (Anthony Hopkins). Dieser ist der Inhaber eines grossen englischen Kautschuk- und Gummiimportgeschäfts. In Bezug auf Margaret hält Henry sich zurück. Doch diese freundet sich immer mehr mit Ruth an. Kurz bevor Ruth dann stirbt, notiert sie, ohne deren Wissen, dass Margaret von ihr das Landhaus Howards End erben soll. Davon erfährt Margaret selber nichts, denn die Wilcoxes verheimlichen ihr das und vernichten den Zettel; das nicht zuletzt auf Druck der erwachsenen Kinder Evie (Jemma Redgrave) und Charles (James Wilby), die nicht wollen, dass Aussenstehende etwas vom Familienbesitz erhalten. Nach einiger Zeit bekundet Henry offen Interesse an Margaret und diese möchte nicht als alte Jungfer enden. Ausserdem muss sie sich sowieso eine neue Bleibe suchen, weil auch ihr bisheriger Wohnsitz umgenutzt wird. Helen begegnet Len wieder und teilt diesem die von Henry leichtfertig erteilte Auskunft mit, Lens Arbeitgeber, eine Versicherungsgesellschaft, sei kurz vor dem Ruin. Als sich das als Fehlinformation herausstellt und Len erst einen schlechter bezahlten und schliesslich gar keinen Job mehr hat, findet Helen, dass die Familie Wilcox dafür gerade stehen müsse. Eine solche Forderung lehnt Henry aber ab. Nicht nur das: Er fängt auch Helens Glaubwürdigkeit und Zurechnungsfähigkeit in Zweifel zu ziehen, unter Mithilfe von Charles, seiner Frau Dolly (Susie Lindeman) und Evie. Margaret ist der Verzweiflung nahe, als sie versucht, das Zerwürfnis wieder zu kitten.
Bei „Howards End“ (Sony Pictures Classics, 1991) handelt es sich um den letzten von drei Filmen, die Regisseur James Ivory in seiner „Forster-Trilogie“ gedreht hat. Dank des ansehnlichen Erfolges der früheren Filme und der emsigen Suche nach Finanzierungsmitteln, die Produzent Ismail Merchant in englischsprachigen Raum und Japan erfolgreich tätigte, konnte man mit der grösseren Kelle anrichten. Das breite Scope-Format, das Ivory erstmals nach langer Zeit wieder verwendete, lässt die möglich gewordene opulente Ausstattung gut zur Geltung kommen. Wie üblich sind auch das Drehbuch von Ruth Prawer Jhablava und die Darsteller sehr überzeugend. Es war sicher für den Erfolg des Films hilfreich, dass Hauptdarsteller Anthony Hopkins kurz zuvor für eine ebenfalls sehr gelungene Darbietung den Oscar © gewonnen hatte und nun einem noch breiteren Publikum bekannt war. So kam die frisch aus der Taufe gehobene „Sony Pictures Classics“ zu einem vorzüglichen Erstling, um das Kinoprogramm zu bereichern. Inhaltlich behandelt der Film, wie schon die früheren Forster-Verfilmungen, eine Geschichte, in der es um Standesunterscheide im England des frühen 20. Jahrhundert geht. Diesmal ist die Geschichte aber eher noch komplexer und die Zahl der Figuren, die in die Handlung eingreifen, umfangreicher. Die Kritik an der Abgehobenheit, teilweise auch Überheblichkeit, der oberen Klassen ist kaum zu übersehen. Zugleich gelingt es den Filmemachern, die Geschichte spannend und nachvollziehbar zu gestalten. Die originelle Filmmusik von Richard Robbins schafft es, all diese Elemente zu einem zu einem Film zu verbinden, den man sich auf jeden Fall einmal angesehen haben sollte.
Die Doppel-DVD-Ausgabe der Reihe „Arthaus Premium“ gibt ausreichend Gelegenheit, sich mit dem Film und seiner Herkunft zu befassen. Auf der Hauptfilm-Disc ist der Film, neben einigen Programmhinweisen, der einzige Beitrag. Er dauert 136 Minuten (Verleiher-Logos fehlen leider). Das farbige Bild im Format 2,35:1 (16:9-anamorph) ist weitgehend klar und scharf. Für den Ton gilt etwa dasselbe. Er liegt auf Deutsch und Englisch jeweils in DD 5.1 und Stereo vor. Untertitel gibt es leider nur optional auf Deutsch, wahlweise durchgehend oder nur als „Inserts“. Die Bonusinhalte sind alle auf der Zusatz-DVD und liegen alle auf Englisch mit optionalen deutschen Untertiteln vor. Zunächst gibt es einen 20 Minuten langen Beitrag, in dem sich James Ivory und Ismail Merchant auf die ihnen eigene Weise an die Dreharbeiten erinnern. Die Dreharbeiten, die Finanzierung, die Vorbereitung, die Rollenbesetzung und vieles mehr kommen darin zur Sprache. Es folgt ein 8 Minuten langer Beitrag, in dem sich die Ausstatterin Luciana Arrighi zu verschiedenen Aspekten der Kulissen, Drehorte, Kostüme und die Wirkung unter einander äussert. Das Thema wird auch wieder aufgenommen in dem 20 Minuten langen Beitrag mit Kostümbildnerin Jenny Beavan und erneut Luciana Arrighi. Um die Darsteller, die Figuren und die Geschichte des Films geht es dann verstärkt im 36 Minuten langen Interview-Beitrag mit Helena Bonham Carter. Dort ist unter anderem die Rede von einer wichtigen Szene, die schliesslich aus dem Film geschnitten wurde. Schade, dass sie auch auf dieser DVD-Ausgabe fehlt. Enthalten sind aber noch eine kurze Fotogalerie und der Trailer. Das ist aber trotzdem noch nicht alles: Der Kurzfilm „Venice -- Theme and Variations“ (1957) ist ein von James Ivory in jungen Jahren gedrehter Kurzfilm über die italienische Lagunenstadt Venedig, ihre Geschichte, ihre Kunst und das Leben, das sich darin abspielte. In dem 28 Minuten langen Werk kommen Gemälde, Zeichnungen und andere Kunstwerke zu ihrem Auftritt und illustrieren und verdeutlichen sehr anschaulich den chronologischen Abriss. Am Anfang und am Ende gibt es noch ein paar sorgfältig gemachte filmische Aufnahmen von Ivory. Ein guter Film, um sich mit der Geschichte dieser einst sehr bedeutenden Stadt zu beschäftigen. Auf der Bonus-DVD ist der Kurzfilm in englischer Sprache mit optionalen deutschen Untertiteln zu finden. Dazu gibt es wie üblich noch etwas Programmvorschau. Beachtenswert ist bestimmt auch das „Booklet“ mit je einer Betrachtung über die Romanvorlage und zu Literaturverfilmungen, dazu noch Produktionsnotizen und Vermerken zu den Darstellern und dem Regisseur. Insgesamt ein sehr guter Film auf einer DVD-Edition, die die meisten wichtigen Aspekte abdeckt. Nur schade, dass es hier, anders als den Editionen zu anderen Ivory-Filmen, weder einen Audiokommentar noch entfallene Szenen zu sehen gibt. Und etwas mehr Sprachenauswahl zum Film hätte auch machbar sein sollen. Insgesamt reicht es für vier von fünf Teebiskuits und eine zum Glück nicht überfahrene Katze.
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VINE-PRODUKTTESTERam 23. Juli 2009
Meine Güte, wurde(n) ich (wir) lange auf die Folter gespannt: Schon 1992 produziert und nun endlich ist diese Merchant Ivory Verfilmung des Romans von E. M. Forster "Howards End" auf einer deutschsprachigen DVD erschienen! Sogar in einer Arthaus Premium Ausgabe, die sowohl was die inneren, als auch die äußeren Werte betrifft, sehr schön geworden ist.
Allein die Namen der Darsteller lesen sich für mich wie die 4 Gänge auf einer de Luxe Menükarte: Anthony Hopkins, Emma Thompson, Vanessa Redgrave, Helena Bonham Carter. Der Regisseur James Ivory, hatte nicht nur wieder Ismail Merchant als Produzent und Lebensgefährten seiner Seite, sondern auch wieder die Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala. Das Trio hat es auf etwa 50 Filme gebracht, darunter viele Perlen: "Zimmer mit Aussicht", "Was vom Tage übrig blieb" und "Maurice", um nur drei zu nennen. Da kann ja fast nichts schief gehen. :-))

England um ca 1910. (Die Kutschen sind schon motorisiert.;-)) Die kultivierten aber liberalen Bohème - Schwestern Helen und Margaret Schlegel treffen auf die konventionell verkrustete Familie Wilcox. Dies ist der Auftakt eine komplizierte Verknüpfung diverser Beziehungsgefüge, die sich zwischen den ungleichen Familien entwickeln. Es entsteht ein Kampf um Emanzipation und Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen, der sie letztlich alle an einem Ort vereint: dem Landsitz "Howard's End". Moral, Doppelmoral, Verdrängung, die sich langsam aufweichende Etikette und die sich ebenfalls im Auflösungsprozess befindende viktorianische Ständegesellschaft stehen im Zentrum.
Ich hatte eigentlich durch etliche vorherige Kostproben auf Youtube auch erwartet, dass eine Liebesgeschichte stark im Vordergrund steht. Es gibt zwar derer zwei aber sie spielen eher die zweite Geige und so richtig berührt haben sie mich ehrlich gesagt nicht. Egal, es müssen nicht immer die ganz großen Gefühle sein. Vielmehr ist es die Geschichte der zwei unkonventionellen Schwestern, auf die der Fokus gerichtet ist. Sie ergänzen sich, ja, bilden fast schon eine Art von Symbiose. Diese Einheit wird durch die Heirat der einen Schwester (Margaret / Emma Thompson ) aufgelöst, was die andere Schwester (Helen / Bonham Carter), die zwar die kämpferischere aber auch die labilere der beiden ist, schier den Boden unter den Füßen wegzieht.
Eine Zufallsbekanntschaft der Schlegels spielt auch eine tragende Rolle: Leonard Bast, ein strebsamer intelligenter junger Mann aus kleinen Verhältnissen, wird von den Schlegels ohne Erfolg unterstützt. Seine Armut hebt sich stark der materiellen Sorglosigkeit der Oberschichtsfamilien ab.
Das alles wird episch und wie ein prächtiger Teppich vor dem Zuschauer ausgebreitet.
Hach! Als Fan dieser ganzen tollen Schauspieler, der gediegenen Filmmacher und mit E.M Forsters Vorlage war dies natürlich ein delikater Schmaus für mich!

Fazit: Die Bilder sind erlesen und leise. Merchant Ivory verlassen sich ganz auf den ruhigen Erzählpol der Geschichte und die Kraft der Schauspieler.
Tipp: Wem dies gefiel, mag bestimmt auch Elizabeth Gaskell's "Wives and Daughters" (1999)  oder alles von James Ivory z.B. Zimmer mit Aussicht .

Vorsicht: Wer kein ausgesprochenes Faible für fein gezeichnete Familien- und nostalgische Zeitgeistbeschreibungen übrig hat, könnte diesem Film auch gepflegte Langeweile unterstellen. Ich habe mich natürlich kaum eine Minute gelangweilt, aber der Film zeigt auch nicht gerade eine besonders mitreißende, wendungsreiche Handlung, sondern in langsamen detailverliebten Bildern, einen filigranen Blick auf zwei Familien in der spätviktorianischen Zeit.

Erschienen ist die DVD in einem Pappschuber mit Digipak. Das Inlay aus Pappe zu Ausklappen ist sowohl außen wie innen mit wunderschönen Filmbildern gestaltet und enthält zwei DVDs: 1. der Hauptfilm (136 Min) und 2. die Extras.
Die Extras beinhalten drei ausführliche Interviews mit Ivory und Merchant, Helena Bonham Carter und der Produktionsdesignerin.; einen Kurzfilm "Venice"; eine Abhandlung über das Design an sich; eine Fotogalerie und der Trailer sowie eine Trailershow mit Filmtipps.
Alles in englisch mit deutschen Untertiteln, die aber abschaltbar sind!
Außerdem liegt ein recht aussagekräftiges und nett bebildertes Booklet bei, wo es nicht nur um Howards End sondern um Period-Literaturverfilmungen im allgemeinen geht.
Sprachen/ Ton: Deutsch und Englisch je entweder 5.1 Dolbi Digital oder Stereo DD
Untertitel: Endlich gibt es deutsche Untertitel und aber zum Glück in einer anständigen Qualität und sie sind abschaltbar. Schade, dass die englischen Uts fehlen!
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