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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Mahlers österreichischste Sinfonie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 4 (Audio CD)
Ich mag die Mahler-Einspielungen von Pierre Boulez, der die Sinfonien mit dem Wissen um die Musikentwicklungen im 20. Jahrhundert eher analytisch interpretiert, was dem Hörer die Strukturen von Mahlers Musik offen legt, entschlackt vom spätromantischen Zuckerguss. Für mich ist die Vierte neben der Ersten die herausragendste Einspielung einer Mahler-Sinfonie durch Pierre Boulez.Die 4. Sinfonie ist nicht so gigantisch (nur 53 Min.) wie die späten Sinfonien. Ihr Tonfall ist eher lieblich, unkompliziert und fast meditativ (3. Satz: Ruhevoll). Die ganze Sinfonie tönt nach Österreich. Durch die nüchterne Interpretation vermeidet Pierre Boulez jegliche Verkitschung der Musik à la Walzer-Strauss. Zudem werden durch die relativ schnelle Spielweise die Brüche und in der Musik akzentuiert und nicht zugedeckt, was unterstreicht, das die 4. Sinfonie nicht nur ein nette, gefällige Sinfonie ist. Besonders mag ich die Stelle im 3. Satz bei 14:38, wo das ruhevolle Fliessen durch einen plötzlichen, kurzen, eruptiven Höhepunkt unterbrochen wird, um sofort wieder ruhevoll weiter zu fliessen. Auch der zweite, längere Höhepunkt des 3. Satzes bei 17:01 fährt sehr gut ein. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Sehr gelungene Interpretation,
Von Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 4 (Audio CD)
Die vierte Sinfonie von Gustav Mahlers ist für meinen Geschmack die am wenigsten spannende. Ihr Tonfall ist im Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Monumentalwerken eher lieblich und kindlich naiv, obwohl auch die Vierte sich mit dem Thema der Glaubensfindung auseinandersetzt. Auch sind ihre Dimensionen wesentlich überschaubarer: Mit einer Spielzeit von nur 50 bis 60 Minuten zählt sie mit Mahlers Erster zu seinen kürzesten Sinfonien.Pierre Boulez' Analytik, die allenthalben teils zurecht angeprangert wird im Hinblick auf das Oeuvre Mahlers, tut dieser Sinfonie sehr gut, befreit sie von überflüssigem Kitsch und macht sie zu einem unwiderstehlichen Klangereignis. Der Beginn des ersten Satzes erinnert unweigerlich an den Habitus zahlreicher Wunderhornlieder. Daraus entwickelt sich ein leichtes, eingängiges Thema, das den Satz durchzieht. Zahlreiche Nebenthemen verweben sich zu einem technischen Meisterwerk, wobei Mahler in diesem Satz, genauso wie im zweiten und vierten, weitgehend darauf verzichtet, Akzente in Form von Fortepassagen zu setzen. Boulez' Clevelander gestalten diesen Satz unheimlich transparent und gut durchhörbar, so dass sich viele neue Facetten auftun. Der zweite Satz ist ein liebliches, mäßiges Scherzo, über dem beständig die gellende Fratze des Teufels schwebt, dargestellt durch die höher gestimmte erste Geige. Der Satz wirkt sehr naturverbunden und naiv. Mahlers Konzept in diesem Satz läuft dahin, aus der fein perlenden Bewegung ein Ganzes zu weben, was Boulez perfekt umsetzt. Das Gravitationszentrum des Werkes ist freilich der dritte und größte Satz, das Adagio. In seiner Anlage erinnert er an das Finale der dritten Sinfonie. Der Tonfall ist pathetisch, aber nicht schmerzvoll. Das ruhig Fließende wird an einigen Stellen von Ausbrüchen des Orchesters, den lange ersehnten Akzenten, unterbrochen. Bisweilen werden dieselben als eine Gewissheit dessen gedeutet, dass ein Ende kommt und dass es von oben kommt und nicht abgewandt werden kann. Dieser Interpretationsansatz verliehe dieser Sinfonie freilich etwas wesentlich schwerwiegender Tragisches, als den beiden vorigen Sinfonien. Boulez nimmt von schwebender Poesie und klebrigem Pathos weiten Abstand. Kühl und distanziert stellt er die vermeintliche Apokalypse dar. Dieser Satz erhält dadurch etwas kaum in Worte zu fassendes Erhabenes, aber auch Erhebendes. Der letzte Satz scheint lieblich zu verklingen. In keinem Akkord deutet Mahler an, dass das Ende der Sinfonie bevorsteht. Stattdessen lässt er ein Engelein von den himmlischen Freuden singen. Dieses Lied ist freilich naiv und hat als Hauptthema das Essen und die Musik. Juliane Banse schafft es durch ihre wundervolle Stimme, dem Gesang die Kindlichkeit angedeihen zu lassen, die notwendig ist, auf dass der Hörer erkenne, dass das Gesungene nicht die Quintessenz alles Himmlischen sein kann. Unendlich tragisch ist gleich einer der Anfangsverse "drum tun wir das Irdische meiden". Mahler verstellt die Aussicht auf ein "ewig, selig Leben", die er in seiner zweiten Sinfonie ja so vehement angepriesen hatte. Fazit: Orchestral und gesanglich eine astreine Leistung! Die Tonqualität ist perfekt. Boulez hat es geschafft, diesem recht unspektakulären Werk noch etwas Neues, Aufregendes abzugewinnen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Akademisch-sachlicher Mahler,
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 4 (Audio CD)
Boulez' Mahlereinspielungen polarisieren durch einen Interpretationsstil, den die einen als "analytisch", die anderen als "unterkühlt" bezeichnen würden. Das gilt auch für diese Aufnahme der Vierten: wo andere Dirigenten jede Note, jeden Bogen und jede Tempovariation auskosten, gleitet Boulez recht zügig und mit wenig Rubato durch die Partitur. Insbesondere das Hauptthema des ersten Satzes erscheint für heutige Verhältnisse ungewöhnlich schnell, insgesamt aber schlüssig.Den dritten Satz halte ich aufgrund seines natürlichen Vorwärtsstrebens ebenfalls für gelungen. Der zweite Satz wirkt leider etwas unentschlossen und könnte mehr Biss vertragen. Im letzten Satz weckt die Sopranistin nicht unbedingt den Gedanken an ein Kind, sondern interpretiert ihre Rolle eher abstrakt und distanziert -- andererseits passt sie somit gut in Boulez' Gesamtkonzept. Unterm Strich ist diese Einspielung mehr akademisch-sachlich als mitreißend-erzählend. Als Ergänzung neben anderen Aufnahmen hat sie daher ihre Berechtigung und ihren Wert. Für sich allein betrachtet, könnte die Bandbreite der Stimmungen etwas größer sein. Hierfür empfehle ich Bernstein (Sony), Kubelik (DG) oder Fischer (Channel Classics). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Schöne, sorgfältige und unaufgeregte Einspielung von Mahlers vierter Sinfonie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 4 (Audio CD)
Die vorliegende Aufnahme von Mahlers vierter Sinfonie (1899/1900) mit dem Cleveland Orchestra unter der Leitung von Pierre Boulez (Jahrgang 1925) ist 1998 entstanden. Es handelt sich um eine vergleichsweise junge, klanglich tadellose Aufnahme, die große Aufmerksamkeit erlangt hat.Die viersätzige Sinfonie mit Sopransolo im Finale ist ein recht "unauffälliger" Bestandteil von Mahlers Oeuvre. Das ist recht überschaubar; trotzdem ist Gustav Mahler (1860-1911) der bedeutendste Komponist des 20. Jahrhunderts; seine Musik markiert den Übergang von der Spätromantik zur Moderne. Sie ist musikalischer Ausdruck des zumal in Wien universell erfahrbaren Fin de Siecle, Kulminationspunkt und radikale Infragestellung der klassischen und romantischen Sinfonik und sie ist vor allem eine in Klang gegossene Natur- und Zivilisationsphilosophie. Eine, die die Ambivalenz zwischen harmloser Folklore und großstädtischer Neurasthenie, zwischen Naturklang und Militärkapelle, zwischen vermeintlicher Transzendenz und trivialer Endlichkeit buchstäblich ausspielt. In diese Ambivalenz gehört das Verhältnis von Stimme und mechanischem Klang; nahezu Mahlers gesamtes Schaffen ist Vokalsinfonik. Wenn auch oft nicht direkt hörbar, so ist die menschliche Stimme stets gemeint; und sei es, als unterdrückte, als Abdruck, als Abwesendes. Mahlers Musik geht der so genannten Zweiten Wiener Schule (Berg, Schönberg, Webern) voraus; das bereits um die Jahrhundertwende vielfach geäußerte Ressentiment gegen den jüdischen Komponisten Gustav Mahler hat, verstärkt durch den Rassenwahn des nationalsozialistischen Terrors, zu einer sehr nachhaltigen Verdrängung seiner Musik geführt. Insbesondere Leonard Bernstein hat sich in den 1960er Jahren verdient gemacht um die Musik Gustav Mahlers und gleichsam eine seither nicht mehr enden wollende Mahler-Renaissance eingeläutet. Kaum ein Komponist erfährt heute mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung in zahllosen Aufführungen, Einspielungen oder Buchpublikationen. Das ist nicht so ganz selbstverständlich, denn Mahlers Musik ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht so ohne Weiteres zugänglich; immerhin bricht Mahler mit vielen Traditionen; er antizipiert die Atonalität und die Dissonanzen der so genannten Zwölftonmusik, treibt musikalische Persiflagen ins Groteske und demontiert das "Logische" an der Musik. Was aber legitimiert das Epitheton "unauffällig"? Nun, Mahlers vierte Sinfonie folgt zunächst einmal dem klassischen, viersätzigen Aufbau, enthält keine disparaten oder übermäßig expansiven Sätze und wirkt musikalisch relativ homogen und zugänglich. Das mag vordergründig jener Programmatik zuzuschreiben sein, die Jens Malte Fischer, einer der besten Mahler-Kenner, in folgende Worte gefasst hat: "Die 'Vierte' träumt sich in eine Kindheit zurück, der man nachtrauern muss, der aber nicht mehr zu trauen ist." Wirkt die vierte Sinfonie oberflächlich noch recht stringent, so brodelt doch unter der Oberfläche der Widerstreit der Elemente. Ganz im Sinne Mahlers. Die Ambivalenz von Werden und Vergehen, von Erinnerung und Fortschritt, von Trauer und Vertrautem. Gerade für dieses in der vierten Sinfonie gleichsam zurückgenommene Spannungsverhältnis ist Boulez der richtige Mann; mit dem von ihm zu einiger Berühmtheit gebrachten Cleveland Orchestra hält Boulez diese Spannung aus, bringt sie zum Klingen; bewahrt das Dringende in ihr auf. Sein diskretes, um Präzision bemühtes Temperament - vielfach und völlig zu Unrecht kritisiert - wird Mahler hier in besonderem Maße gerecht. Boulez erweist sich hier als ungemein sensibler und sorgfältiger "Dienstleister" an der Musik; er akzentuiert nicht willkürlich; er moduliert nicht über Gebühr und macht alle Instrumente, alle Töne hörbar - ganz so, wie es Mahlers berühmtes Diktum von der musikalischen Schöpfung einer Welt nahelegt. Juliane Banse, umtriebige, jüngst stimmlich etwas abfallende Sopranistin erweist sich in der vorliegenden Aufnahme als Glücksfall. Ihr klarer, heller, hier noch nicht zu Spitzen neigender Sopran neigt sich schön dem Text aus "Des Knaben Wunderhorn" zu, zeichnet sich durch gute Textverständlichkeit aus und passt sich in der Gestaltung dem feinfühligen Temperament von Boulez an. Eine sehr schöne, musikalisch tief durchdachte Aufnahme von Mahlers vierter Sinfonie, die aus gutem Grund in die Gustav Mahler Complete Edition (Deutsche Grammophon) aufgenommen worden ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Sinfonie 4 von Juliane Banse (Audio CD - 2000)
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