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Kundenrezensionen

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am 19. April 2009
Eraserhead ist der erste Spielfilm von David Lynch, und auch sein mit Abstand intelligentester, schockierendster und genialster Film.
Nach 90 Minuten absolutem Alptraums ist in mir die Erkenntnis gereift, das es nie wieder einen dermaßen die Psyche angreifenden Film geben wird (und ich habe von Takashi Miike über Cronenberg bis zum Cyberpunk Klassiker Tetsuo schon vieles gesehen...). Es ist der erste film überhaupt, nachdem ich nicht schlafen konnte, ich habe während der 90 minuten Laufzeit KEIN EINZIGES MAL den Blick vom Bildschirm abwenden können, sprich: so ein intensives Filmerlebnis ist einzigartig.
Zur Story werde ich nichts verraten, dafür zur Atmosphäre dieses Kultfilms aller Kultfilme: Durch eine aus Industriellen Tönen bestehende Tonspur, eines genialen Hauptdarstellers, des düsteren schwarzweiß Stils und einem monströsen Baby wird mit minimalsten Dialogen eine Stimmung geschaffen, wie sie elektrisierender nicht sein kann. Absolut jeder Horrorfilm ist ein Kindergeburtstag im Vergleich zu Eraserhead. Doch hinter der Fassade aus hypnotischen, surrealen Bildern verbirgt sich auch eine Menge Raum für Interpretationsmöglichkeiten, die diesen Film zu einer wahren Fundgrube für intellektuelle Deutschlehrer und filmkenner macht.
Knapp hinter Terry Gilliams Brazil nimmt dieses Meisterwerk den zweiten Platz in meiner Filmliste der besten Filme ein. Eraserhead (der Titel hat übrigens eine geniale Zweideutigkeit) ist DER Film, den man gesehen haben muss und den man nie wieder vergessen wird!
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am 17. Februar 2015
 Als "Eraserhead" im Jahre 1977 veröffentlicht wurde, erhielt der Film vernichtende Kritiken...nur um einige Jahre später dann als Kultfilm gefeiert zu werden.
Lohnt es sich, dem Protagonisten mit dem seltsamen Haarschnitt durch 89 Filmminuten zu folgen?
In diesem Video versuche ich, dies herauszufinden.
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"Erasherhead", das erste Werk des Weirdo-Regisseurs David Lynch mit Spielfilmlänge, ist meiner Ansicht nach einer der besten Filme aller Zeiten. Da ist es direkt eine Schande, dass die DVD so schwer und meist nur über den Import erhältlich ist. Meines Wissens nach existiert davon nicht einmal eine deutsche Fassung, aber das ist eh irrelevant, da selbst Leute mit schlechten Englischkenntnissen keine Probleme haben sollten, den Dialogen zu folgen; diese sind nämlich sehr spärlich eingesetzt, gesprochen wird während des Films äußerst selten.
Ob man der Handlung dennoch folgen kann, ist eine ganz andere Geschichte. Wer David Lynch und seine späteren Filme "Lost Highway" und "Mulholland Drive" oder seine Erfolgsserie "Twin Peaks" kennt, weiß, dass Lynch nicht gerade ein Freund leicht verständlicher Handlungsstränge ist. "Eraserhead" ist aber im Vergleich mit den genannten Werken sogar noch relativ leicht verständlich, aber auch kaum zu vergleichen.
Die Handlung lässt sich im Prinzip sehr kurz zusammenfassen: Hauptakteur Henry wird von den Eltern seiner Freundin zum Essen eingeladen, dort wird ihm offeriert, dass seine Freundin ein von ihm gezeugtes Kind zur Welt gebracht hat, und das nach einer enorm kurzen Schwangerschaft. Dieses muss Henry nun bei sich aufnehmen, und sofort sieht der Zuschauer, dass es sich um kein normales Baby handelt: Die missgebildete Kreatur ähnelt eher einem Kalbsfötus oder einem bizarren Alien. Dieses Baby schreit fast permanent und wird dann auch noch krank, was Henrys Freundin zu viel wird und sie zurück zu ihren Eltern treibt. Zwischenzeitlich hat Henry noch (vermeintliche?) Halluzinationen, in denen er eine singende und tanzende Frau (mit ebenfalls sehr bizarrem Gesicht) hinter seinem Heizkörper sieht. Es geschehen noch andere, merkwürdige Dinge, etwa wie Henry letztendlich das Baby tötet oder ihm in einer seiner Halluzinationen der Kopf abfällt und darunter der Kopf des missgebildeten Babys zum Vorschein kommt. Der abgefallene Kopf wird daraufhin zu Bleistiften mit Radiergummienden verarbeitet (was den Filmtitel erklärt).
Klingt alles sehr seltsam? Ist es auch. Aber die Bilder des Filmes sind es, die für sich sprechen. Erklären kann man das im Grunde nicht, man muss "Eraserhead" einfach gesehen haben. Die komplett in schwarz-weiß gehaltene, düstere, industrielle Kulisse mitsamt den zischenden und stampfenden maschinellen Hintergrundgeräuschen (ich wette übrigens, dass sich die Macher des Videospiele-Klassikers "Silent Hill" an Eraserhead orientiert haben) erzeugt eine einmalige Atmosphäre. Hinzu kommen natürlich noch das bizarre Baby und ausgesprochen obskure Nebendarsteller. "Eraserhead" in eine Schublade zu stecken, ist nahezu unmöglich. Der Film entählt Elemente von Psycho-Horror, Drama und jede Menge Surrealismus.
Lynch bewies schon damals, dass man mit wenig Budget etwas wirklich Großes erschaffen kann. Popcorn-Kino-Publikum sollte die Finger davon lassen, aber Freunde von eigenwilligen, abstrakten Filmen MÜSSEN "Eraserhaed" gesehen haben.
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am 12. Mai 2009
Wer auf zuckersüße Hollywood-Filme steht, dem ist von Eraserhead strikt abzuraten. Dieser Film ist keineswegs zur Unterhaltung bestimmt und für einen netten DVD-Abend mit Freunden vollkommen ungeeignet. Eigentlich ist der Film nur jenen Cineasten zu empfehlen die Filme mit verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten lieben und für die das wichtigste an einem Film der Tiefgang ist. Denn Eraserhead ist der mit Abstand mitreissendste Film den ich bisher gesehen habe und ich kann mir kaum vorstellen das es jemals einen Film geben wird mit einem bemitleidenswerteren Protagonisten.
Zur Story möchte ich an dieser Stelle nichts sagen, da der Fim noch packender ist wenn man sie im Verlauf des Films kennenlernt (Die Story steht nicht einmal auf der der DVD-Hülle). Neben dem dramatischen Verlauf, in dem einem die Hauptfigur mehr und mehr ans Herz wächst, steckt der Film noch voller Surrealismus wie man ihn nur aus Filmen wie Ein Andalusischer Hund kennt. Im Vergleich zu David Lychs Debüt wirken seine darauffolgenden Filme wie kalter Kaffee. Nichts hat bisher ein so großes Bedürfnis in mir geweckt, über das Gesehene zu reden wie Eraserhead. Obwohl der Film ziemlich teuer ist, ist er das Geld allemal wert. Ein solches Erlebnis ist nicht mit Geld aufzuwiegen.
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am 12. Februar 2012
Einsamkeit, Dunkelheit, emotionale Distanz und Kälte, verstörende Geräusche - willkommen in der Welt von Henry Spencer. Sein Leben ist ein einziger Albtraum, und niemand könnte diese Welt so gut transportieren wie der Meister David Lynch persönlich. Lynchs erster Film in Spielfilmlänge ist wirklich nur ganz hartgesottenen Fans zu empfehlen. Ist man aber bereit, sich auf dieses verstörende Erstlingswerk Lynchs einzulassen, bekommt man nicht nur ein Meisterwerk des Surrealismus, sondern einen Meilenstein der Filmgeschichte geboten, der seinesgleichen sucht. In kaum einem anderen Film werden Ausweglosigkeit und Negation so gekonnt illustriert. Besonders beeindruckt hat mich persönlich dabei die Schauspielleistung von Hauptdarsteller Jack Nance. Henrys Mimik ist durchweg geprägt von einer absoluten Hilflosigkeit und Verzweiflung, was Nance wirklich gekonnt und glaubwürdig darstellt. Henry ist ein Spielball seiner Außenwelt und hat kaum Einfluss auf den Verlauf seines Lebens.
Wo heutzutage in vielen neuen Horrorfilmen stumpfe Gewalt dominiert, erschafft David Lynch in Eraserhead den wahren Horror. Der monotone Tagesablauf und das triste Leben, verknüpft mit nihilistischen Szenen des Ekels erschaffen eine morbide Atmosphäre, wie man sie sonst nirgendwo auf Leinwand findet.
Doch nicht nur hartgesottenen Lynch-Fans sei Eraserhead empfohlen. Für alle, die extreme Filme außerhalb des Mainstreams mögen, bisher jedoch noch keinen Film des Ausnahmeregisseurs gesehen haben, könnte der Film die perfekte Einstiegsdroge in das lyncheske Universum sein. Auch wenn die späteren Werke Lynchs sich etwas von der Machart von Eraserhead unterscheiden, so finden sich doch viele Parallelen zu dem Erstlingswerk. Auch abgesehen von der zentralen Thematik Albtraum und Realität ist mir persönlich das ein oder andere sehr interessante Detail aufgefallen.

Fazit: Eraserhead ist wohl einer der düstersten und verstörendsten Filme der Filmgeschichte. Wer auf oberflächliches Unterhaltungskino steht, sollte die Finger von ihm lassen. Freunde des extremen Kinos und hartgesottene Lynch Fans dürften jedoch ihre helle Freude an dem Film haben.

10 / 10
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am 20. Juni 2012
Bei einigen BluRay Playern von Panasonic wird im Hauptfilm KEIN Ton ausgegeben. Menü und Extras: Ton :), Hauptfilm: Nix Ton :(. Auch andere BluRays der Firma Capelight scheinen davon betroffen zu sein.

Ursache ist, dass der Ton nur in 24 bit LPCM vorliegt, den einige Panasonic Player nicht verstehen. Das Problem ist derzeit wohl NICHT lösbar. Evtl. macht Panasonic ein Firmware Update. Aber das ist noch nicht klar.

Allerdings gibt es von der Produktionsfirma (Capelight) inzwischen eine neue BluRay, die das Problem wohl nicht mehr hat. Man kann an Capelight schreiben und kriegt dann eine Austausch Scheibe. Aber man muss den Kaufbeleg einschicken!! Die E-Mail Adresse ist:

praktikant@capelight.de

Ich hab mein Beleg leider schon längst weggeschmissen. Aber ich kann auf andere Player anschauen :)

Sonst ist aber alles OK, der Film ist auch gut und da Capelight einen guten Austausch bietet, vergebe ich trotzdem 5 Sterne.
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am 19. Mai 2010
Es ist schwierig eine Rezension über Eraserhead zu schreiben. Denn eine besonders fesselnde oder spannende Story hat er nicht und diese ist auch in nur wenigen Sätzen erzählt.

Handlung:
Henrys Ex-Freundin Mary bekommt von ihm ein Kind. Daraufhin beschließen die beiden es gemeinsam aufzuziehen. Das Kind kommt missgebildet zur Welt und kurze Zeit darauf hält Mary den psychischen Druck, der durch die gemeinsame Situation mit Henry und das ständige unmenschlich klingende Schreien des Babys verursacht wird, nicht mehr aus und verlässt die beiden. Henry ist nun auf sich allein gestellt und versucht sich um das Kind zu kümmern.

Was aber viel wichtiger ist als die Handlung, ist die Wirkung des Films, denn meiner Meinung nach soll dieses Werk genau das tun - wirken!

Wirkung:
Eraserhead ist optisch wie klanglich ein Kunstwerk. Jede einzelne Einstellung, jede Kammerafahrt, der Lichteinfall, die Soundkullisse und viele andere filmische Pinselstriche machen diesen Film zu einem Meisterwerk. Das nostalgische Filmrauschen und die schwarzweißen Bilder untermalen die düstere Endzeitstimmung noch mehr. Man fühlt sich, als würde man verloren vor einem Gemälde des polnischen Surrealisten Zdzislaw Beksinski stehen und jeden einzelnen Zentimeter der Leinwand auf sich wirken lassen. Die Charaktere benehmen sich unnatürlich, sprechen langsam und verwirrend, albtraumhafte Sequenzen halten das Gefüge der Szenerie zusammen und lassen die Gedanken des Zuschauers angeregt und verwirrt zurück. Düstere, dunkle, schmutzige und verrostete Kulissen erzeugen eine einmalige Stimmung, als stünde die Welt nach einem Atomkrieg oder wäre einem Traum entsprungen.

Ihr seht, es ist nicht einfach Eraserhead zu beschreiben. So viel sei aber mit Sicherheit gesagt: dieser Film ist absolut einmalig und bis heute mit kaum etwas genreähnlichem zu vergleichen. Zarte Gemüter oder unoffene Mainstreamer sollten davon die Finger lassen, denn sonst könnte es passieren, dass Amazon.de zu unrecht um einige stupide Rezensionen bereichert wird.

Mein Tipp:
Schaut euch den Film alleine in völliger Ruhe und Dunkelheit an, versucht nicht gleich irgend etwas hineinzuinterpretieren, lasst ihn einfach laufen und wirken und entscheidet dann, was ihr davon haltet. Und lest euch dann den Wikipedia-Eintrag dazu durch. Dieser enthält einige schöne Möglichkeiten, wie man Story, Symbolik uns Szenerie verstehen könnte. Falls ihr Schwierigkeiten haben solltet diesen Film auf DVD zu finden kann ich euch nur empfehlen nach einer Version mit dem Ländercode 2 und englischem Originalton zu suchen. Es wird nicht viel gesprochen und der Inhalt ist leicht zu verstehen. Ihr werdet keine deutschsprachige Version finden, weil es nie eine gab, auch keine mit deutschen Untertiteln. Ich habe die DVD aus Thailand für einige wenige Euro importieren lassen und bin völlig zufrieden mit der Qualität der CD, des Covers und auch des Films. Viel Spaß beim Suchen im Netz! :)
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am 25. Juni 2012
"Eraserhead" beginnt mit einer Geburtsmetapher: Ein seltsamer Himmelskörper im All wird von Henry Spencers bizarrem Kopf überblendet. Dann taucht die Kamera immer tiefer in den unbekannten Planeten ein, bis wir einen Mann mit einem äußerst vernarbten Gesicht (vielleicht ein moderner Vorfahre von Bob aus "Twin Peaks" oder des Mystery Man aus "Lost Highway"?) in einem Haus erblicken, der mit einer mechanischen Hebelvorrichtung scheinbar etwas Ungewöhnliches in Henrys Körper auslöst: Sein Mund öffnet sich und ein Würmchen schlüpft heraus, bevor es in einen mit Flüssigkeit gefüllten Krater fällt und durch einen dunklen Geburtskanal ans Licht gelangt. Abblende.

Jetzt sehen wir Henry Spencer inmitten einer kalten Industrielandschaft. Obwohl sich seine Freundin Mary X lange Zeit nicht mehr bei ihm gemeldet hat, teilt ihm nun seine attraktive Nachbarin mit, dass er unbedingt bei Marys Eltern vorstellig werden soll. Denn auf der Frühchenstation im Krankenhaus liegt ein Baby mit absonderlicher Gestalt, welches ausgerechnet Mary gehört. Grund genug für die strenge Mrs. X, den mutmaßlichen Erzeuger ihres Enkelkindes bei einem gemeinsamen Abend genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach einem seltsam verlaufenden Dinner in trostlosem Ambiente gerät Henry schließlich ins Kreuzverhör. Mrs. X stellt ihm die alles entscheidende Frage, ob er denn Sex mit ihrer Tochter hatte, was Henry schlecht verneinen kann, sodass Mary nur wenig später mit dem monströsen Säugling zu ihm in die Wohnung zieht. Doch der Alltag gestaltet sich für das überforderte Paar als überaus schwierig. Das ungewollte Kind schreit, wimmert und röchelt ohne Unterlass, zum Leidwesen von Mary, die entnervt die Koffer packt und Henry mit dem Baby alleine lässt. Er ist jetzt Mutter, eine Rolle, die ihm sichtlich Unbehagen bereitet.

Was nun folgt, könnte ein Traum sein: Henry sinkt müde auf sein Bett und blickt mit matten Augen auf den Radiator in seinem Zimmer. Dort öffnet sich hinter den Gitterstäben eine Bühne, auf der ein pausbäckiges Mädchen fröhlich zu tanzen beginnt. Dabei zertritt die arglos aussehende Unschuld kleine absonderliche Wesen, die von oben herab in die Manege fallen. Plötzlich liegt Mary wieder neben Henry im Bett und gebiert zu seinem Entsetzen Scharen von jenen winzig kleinen embryonalen Wurmfortsätzen. Henry packt die suspekten Gebilde und schleudert sie in seiner Verzweiflung gegen die Wand. Dann geht das Licht aus. Die Türen eines Schränkchens öffnen sich und ein Samenkorn schlüpft in einen Krater auf dem obskuren Planeten aus der Eröffnungssequenz. Henrys schöne Nachbarin erscheint. Sie hat sich ausgesperrt und möchte nun bei ihm übernachten. Als sie ihn verführt, blickt sie mit einem äußerst mulmigen Gefühl auf das Baby, das Henry vergeblich vor ihr zu verstecken versuchte. Der Seitensprung endet deshalb mit einer Demütigung.

Nun tritt die blonde Lady im Radiator wieder auf. Sie singt Henry ein Lied vor, das davon handelt, wie glücklich sie und er im Himmel sein könnten. Dabei wirkt sie mit ihren über der Brust zusammengefalteten Händen wie eine devote, unbefleckte Jungfrau Maria, die erst eine einladende und dann eine abweisende Geste an Henry richtet. Als er ihre Hände berührt, löst sie sich in Luft auf, ein grelles Licht illuminiert den Raum und Henry Spencer verliert seinen Kopf, der von der Bühne hinaus vor das Haus rollt. Dort hebt ihn ein kleiner Junge auf und bringt ihn in eine Fabrik, wo das abgetrennte Haupt schließlich zu Radiergummis verarbeitet wird. Ein Angestellter testet einen der Radierer. Den daraus resultierenden Gummiabrieb kehrt er mit der Hand zusammen und bläst ihn in die Luft, ehe er zu Sternenstaub zerfällt. Diese Sequenz könnte eine Metapher für den Fehler (das Kind) sein, der aus Henrys Sicht unbedingt revidiert werden muss.

Ist dies das Ende des Traums? Jedenfalls wacht Henry in seinem Bett auf. Er hört Schritte und öffnet die Tür. Im Gang ertappt er seine Nachbarin in einer eindeutigen Situation mit einem älteren Verehrer. Eine Gegenschussaufnahme wechselt schlagartig in die Perspektive der Nachbarin, die im wahrsten Sinne des Wortes in Henry das Kind im Manne erblickt, dessen abstoßender Kopf aus seinem Hemdkragen empor ragt, weshalb sie ihm schroff die Tür vor der Nase zuschlägt und Henry auf diese Weise gewissermaßen aus ihrem Sexleben ausschließt. Das Kind ist nun endgültig negativ für ihn besetzt, sodass Henry die Schere nimmt, den Schutzverband des Babys öffnet und es dadurch tötet, um metaphorisch aus dem sozialen und sexuellen Gefängnis einer unglücklichen Beziehung auszubrechen. Der Makel soll beseitigt, die Schöpfung rückgängig gemacht und der kosmische Kreislauf aus Zeugung, Geburt und Leben durchbrochen werden.

David Lynchs Debütfilm aus dem Jahre 1977 (eine groteske Parabel über ein spätpubertäres Paar, das viel zu früh in den Elternstand gelangt) muss für die damalige Zeit ziemlich andersartig gewesen sein, besitzt er doch bereits zahlreiche Zutaten, die erst im Laufe der Zeit zu einem Markenzeichen des Regisseurs wurden. Gemeint sind typische Lynchismen wie das Verschwimmen von Traum und Wirklichkeit, die Visualisierung des Bewusstseinsstroms, der Stillstand, der sich hinter einer krampfhaft aufrecht erhaltenen Fassade einer heilen Familienwelt verbirgt (deren Zerrbild Lynch in der Folge stetig aufs Neue zerstören wird), die Monotonie des Alltags, das sanfte Abblenden der Kamera, als seien die einzelnen Szenen nur episodenhafte Phantasien, die knapp gehaltenen Dialoge, der überraschende Eintritt der Figuren aus dem dunklen Nichts ins diffuse Halbdunkel, die abstrakt ausgestatteten Handlungsräume und natürlich die Konstellation zweier gegensätzlicher Frauenbilder, die den Lynch-Helden von hier an in seiner Einsamkeit ständig begleiten werden. Da ist einerseits das naive, brave Mädchen von nebenan (Mary X) und andererseits die Femme fatale (die Nachbarin), die allein schon durch ihre Anwesenheit, den Protagonisten ins Reich der Sünde zieht. Während der Schöpfungsakt mit Mary misslingt, stellt die hübsche Nachbarin für Henry ein Tabu dar, weshalb er sich auch die jungfräuliche Lady im Radiator als Kompromiss herbeisehnt. Dieses Grundmuster wird Lynch später immer wieder anwenden. Man denke nur an Sandy und Dorothy Vallens in Blue Velvet, Laura Palmer und Madeleine Ferguson in Twin Peaks, Renee und Alice in Lost Highway oder Betty und Camilla in Mulholland Drive. Sie alle bauen ein Spannungsfeld zwischen sich auf, welches die Seele des sexuell unsicheren Lynch-Helden förmlich in zwei Teile reißt und ihn zu einer gespaltenen, unbehausten Persönlichkeit macht. Was "Eraserhead" von anderen Lynch-Filmen unterscheidet, ist diese sehr gelungene Mischung aus surrealer Bildästhetik, Stummfilmflair und Animationstechnik. Zudem ist die Tonspur hier dermaßen dominant, dass man sie getrost als eigenen Film im Film bezeichnen könnte. Sie speist sich aus einem beklemmenden kosmischen Rauschen, Maschinenlärm, dem Knistern von Elektrizität, hydraulischen Geräuschen oder dem Zischen des defekten Radiators und fällt mindestens genauso grauenerregend, bedrohlich und psychotisch aus wie die Bilder und die Figuren dieses stilvoll flimmernden Schattenspiels.

Das Bild dieser Blu-Ray ist gestochen scharf. Als Bonusmaterial ist eine Dokumentation in Spielfilmlänge abrufbar. Die Tonspur liegt in Englisch in PCM 2.0 vor (mit deutschen Untertiteln).
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am 30. Dezember 2014
David Lynch gelang mit "Eraserhead" ein unvergleichliches Machwerk. Der Film kommt beinahe gänzlich ohne Dialoge aus, was nicht weiter stört, denn die Problematik wird auch so genial vermittelt. Die Umgebung ist trostlos, industriell, ohne jede Schönheit. Genauso lässt sich auch das Leben des Protagonisten vergleichen, welcher mit den sich entwickelnden Konflikten überhaupt nicht zurechtkommt. Es sind sehr viele tolle Szenen dabei, welche auch im Gedächtnis bleiben. "Eraserhead" ist eine sehr surreale und abgefahrene Geschichte. Wer eine vorgekaute Story erwartet, bei der man nicht mitdenken muss, wird hier definitiv nicht froh werden. Wer offen für einen kuriosen und verstörenden Film ist wird aber nicht enttäuscht. Den einen Punkt Abzug gibt es dafür, dass hin und wieder gewisse Längen vorhanden sind. Das jedoch ist Meckern auf hohem Niveau.
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am 19. Juni 2010
... verstörend, tragisch, schwierig, gut.

Trotzdem möchte ich Niemandem raten, sich diesen Film anzusehen. Er ist zwar auf seine Art "perfekt", erzeugt aber eine entsetzliche Stimmung. Die Atmosphäre ist absolut bedrückend. "The night of the living dead" wirkt im Vergleich dazu wie eine federleichte Komödie.

"Eraserhead" ist Kunst, gehört aber keinesfalls in Kinderhände. Ja, meine "Kritik" mag ein wenig "wirr" daher kommen, aber ... Sorry, ich bin immer noch geschockt. Darauf haben mich weder "Twin Peaks" noch "Inland Empire" vorbereitet ...
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